Stig Dagerman: Trost

Ich selbst jage Trost wie ein Jäger Wild. Wo immer ich ihn in den Wäldern auftauchen sehe, schieße ich.“ (E-Book S. 10).

Stig Dagerman wurde 1923 nördlich von Uppsala/Schweden geboren. Er beging 1954 im Alter von 31 Jahren Suizid. Sein kurzes Leben war von schweren Depressionen und existenziellen Krisen beeinflusst.

Exzessive Schreibphasen wechselten mit Schreibblockaden. Sein Schreiben war von privaten Erschütterungen und seinen Nachkriegseindrücken als Reporter geprägt. Während seines kometenhaften Aufstiegs wurde er als Europas literarischer Hoffnungsträger gehandelt. Stig Dagermans Literatur ist vielfältig. Außer Büchern verfasste er Reportagen, Theaterstücke und eine Vielzahl an Essays und journalistischen Texten.

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Anne Tyler: Drei Tage im Juni

Anne Tyler kann man als bewährte Autorin für gute Unterhaltungsliteratur bezeichnen. Sie war für viele Preise nominiert und ist unter anderem Trägerin des Pulitzerpreises und des Sunday Times Award für ihr Lebenswerk. In unserem Portal ist außerdem die Rezension zu ihrem 2016 erschienenen Roman „Kleine Abschiede“ zu lesen.

Lebensnah, mit treffenden Dialogen

Mit den Figuren dieses Romans fühlt man sich schnell angenehm vertraut. Anne Tyler versteht es, sie in all ihrem Tun so echt und lebensnah agieren zu lassen, dass man das Gefühl hat, es handle sich um alte Bekannte. Federleicht beschreibt sie Tagesabläufe, Konflikte und Emotionen. Vor allem die überaus treffende Dialogführung, mit der Anne Tyler weite Bereiche der Handlung ausfüllt, liest sich frappierend stimmig. Kein einziges Wort wird hier als überflüssig oder Lücken füllend wahrgenommen.

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Tommie Goerz: Im Schnee

Ein einfaches Leben in dörflicher Gemeinschaft

Der alte Max lebt, seit er auf der Welt ist, im Dorf. Er kennt nichts anderes. Obwohl sich so manches im Laufe der Jahre verändert hat, scheint beim Max die Zeit stehen geblieben zu sein.

In seinem Haus ist alles noch so, wie es schon immer war. Nicht einmal einen Radioapparat oder einen Fernseher besitzt er. Alles, was er wissen muss, erfährt er im Dorf. In der alten Gemeinschaft kennt man sich untereinander. So wie Max wissen auch die anderen Bescheid über alles und jeden. Max weiß viele Geschichten aus der Vergangenheit von den Bewohnern. Er kennt auch noch die alten Hofnamen der Besitzer. Mittlerweile stehen einige der Höfe im Ort leer. Auch ein Einkaufsladen samt Bäcker und Metzger ist längst verschwunden. Weiter oben am Hang ist eine Neubausiedlung entstanden, aber mit den Neubürgern haben die übrig gebliebenen Alten wenig zu tun und wollen das auch gar nicht.

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Tove Jansson: Der Steinacker

Ein kleiner Roman, dessen Handlung sich um die Bedeutung und den präzisen Gebrauch von Wörtern dreht

Der Protagonist Jonas ist keiner, mit dem man sich identifizieren mag. Überhaupt ist er alles andere als sympathisch. Dennoch muss man ihn immer weiter durch die Zeilen begleiten.

Jonas ist frisch pensionierter Zeitungsredakteur. Nach Abschluss seines Berufslebens soll er eine Biografie über einen berühmten Medienmagnaten verfassen. Jonas nennt ihn Y. Er mag diesen Buchstaben nicht. Auch der Vorname seiner Frau begann mit Y. So ist der Buchstabe Y in Jonas’ Gedankenabläufen immer präsent. Jonas macht sich mit einer Aversion an seinen Auftrag. Er tut sich schwer damit, sich mit Y. auseinanderzusetzen. Alles kommt ihm nicht richtig vor. Dem prominenten Medienmann Leben einzuhauchen, will ihm einfach nicht glücken. Dabei findet er sich selbst immer wieder in der Person von Y. Seine Sichtweise auf Y. und sein Ich zerfließen ineinander. Y. ist stets präsent, verfolgt ihn regelrecht.

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Daniel Glattauer: In einem Zug

Eine Zugfahrt, viele Dialoge und ein Protagonist, der mehr von sich preisgibt, als ihm lieb ist

Der Schriftsteller Eduard Brünhofer fährt im Zug von Wien nach München, um einen Termin wahrzunehmen. In seinem Zugabteil sitzt bereits eine Frau mittleren Alters. Brünhofer taxiert sie, macht sich seine Gedanken und hofft, dass die Frau bald aussteigt. Er will seine Ruhe haben und nachdenken. Auf keinen Fall will er sich mit ihr unterhalten, was sich alles andere als einfach erweist. Obwohl er nichts Persönliches von ihr wissen will, erzählt sie ihm, dass sie als Physiotherapeutin und Psychotherapeutin arbeitet. Natürlich möchte sie von ihrem Mitreisenden dann auch Näheres erfahren.

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Silvesterspecial 2024

Wie in jedem Jahr gab es auch 2024 wieder Bücher, die uns Rezensentinnen und Rezensenten besonders gut gefielen. Bücher, die aus dem Üblichen hervortreten, weil sie berühren, weil sie unterhalten, weil sie ausgesprochen spannend sind oder sehr witzig, ausnehmend gut geschrieben oder schlicht etwas Besonderes.

Diese Bücher, die uns mehr als andere beeindruckten, sind es, die wir am Ende des Jahres immer noch in guter Erinnerung haben. Aus diesem Grund stellen wir sie im Special zu Silvester noch einmal vor.

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Tove Ditlevsen: Vilhelms Zimmer

Ein autobiografischer Roman, der in experimenteller Form vom Zerfall einer Ehe handelt

Tove Ditlevsen lebte von 1917 bis 1976. In Dänemark zählt sie zu den großen literarischen Stimmen. Ihr letzter Roman „Vilhelms Zimmer“ wird zugleich als „das Buch ihres Lebens“ benannt. Der Roman wurde 1975 veröffentlicht, im Jahr darauf beging sie Suizid.

Die Rezensionen von Tove Ditlevsen vorangegangener „Kopenhagen-Trilogie“  mit den drei Titeln „Kindheit“, „Jugend“ und „Abhängigkeit“ sind ebenfalls auf Schreiblust Leselust zu finden.

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Katja Lange-Müller: Unser Ole

Ein Roman mit drei Protagonistinnen, in dem ein geistig beeinträchtigter Junge das Verbindungsglied ist.

Ole will am liebsten in Ruhe gelassen werden. Die Pubertät macht ihm zu schaffen. Außerdem liebt der autistische Halbwüchsige die Welt genauso wenig wie sie ihn. Ein abgedunkeltes Zimmer im oberen Stockwerk des Hauses, dazu immer dieselben Essensrationen. Zum Trinken täglich Cola, dazu mehrere kalte Bockwürste und Brötchen, mehr braucht er nicht. Ein anderes Leben kennt er auch nicht. Versorgt, umsorgt und auch immer häufiger schikaniert wird er von seiner Oma Elvira. Als der geistig schwer beeinträchtigte Junge, dessen Wortschatz sich aus nur wenigen Worten zusammensetzt, seinen eigenen Willen entwickelt, ist Elvira schlicht überfordert. Immerhin hat sie doch bislang alles und alle dominiert. Hat ihre Form von Mutterliebe gegeben oder entzogen. Aber mittlerweile ist Ole ihr körperlich weitaus überlegen.

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Carlo Cassola: Ins Holz gehen

Dieser kleine Roman ist in den 1930er Jahren angesiedelt. Der Autor Carlo Cassola zeigt darin das entbehrungsreiche und einfache Leben von fünf Waldarbeitern in der italienischen Maremma auf.

Zentrale Figur ist Guglielmo, der achtunddreißigjährige Protagonist, dessen junge Frau überraschend gestorben ist. Guglielmo hat einen Holzschlag in einem abgelegenen Wald erworben, der über die Wintermonate abgeholzt werden muss. Hierfür hat er sich vier weitere Arbeiter organisiert, mit denen er bereits vorher schon zusammen gearbeitet hat. Mehrere Hektar Pinienwald und Niederwald werden die Männer in ungefähr fünf Monaten zu fällen haben. Die Arbeit ist hart und erfordert ihren vollen Krafteinsatz.

Für Guglielmo ist die Abgeschiedenheit im Wald und das Schlagen der Bäume auch eine Flucht vor der schmerzenden Realität. Seine Gedanken halten ihn immer in der Trauer um seine Frau Rosa gefangen. Um seine beiden kleinen Töchter kümmert sich seit ihrem Tod seine Schwester. Die schwere Arbeit im Wald, die höchste Konzentration erfordert, befreit ihn wenigstens zeitweise von seinem Kummer.

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Tilo Eckardt: Gefährliche Betrachtungen: Der Fall Thomas Mann

Was für eine imposante Idee, den einstigen Literaturnobelpreisträger Thomas Mann fiktiv in einen historischen Kriminalroman zu verweben! Weitaus bemerkenswerter jedoch erweisen sich im Plot die Parallelen vom Deutschland der dreißiger Jahre mit den immer mehr an Aufwind erlangenden nationalistischen Strömungen zur aktuellen politischen Stimmungslage. Hier wird auf erschreckende Weise deutlich, wie sich Geschichte wiederholen kann.

Das einstige Sommerhaus von Thomas Mann auf der Kurischen Nehrung in Nida ist heute eine deutsch-litauische Begegnungsstätte und Museum. Nur wenige Meter davon entfernt hat der Autor Tilo Eckardt für zwei Monate in einer Autorenresidenz gelebt und an diesem Buch geschrieben. Hierher, mit Blick auf das Memeldelta und Haff, ließ Thomas Mann sich 1929 sein Ferienhaus erbauen. Hier verbrachte Thomas Mann drei Sommer über mit seiner Familie. Inmitten knorriger Kiefern mit Blick aufs Wasser lebte der Schriftsteller zurückgezogen im Sommerhaus und hat geschrieben. Tilo Eckardt erweckt die Vergangenheit und den großen Schriftsteller mit seinem Roman „Gefährliche Betrachtungen“ auf ungewöhnliche Weise wieder zum Leben:

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