Elle Kennedy: The Mistake: Off-Campus 02

Übung macht den Meister und Elle Kennedy hat in ihrer schriftstellerischen Laufbahn eine Menge gelernt, wie dieser wiederaufgelegte Roman von 2015 zeigt.

Spätestens seit der Off Campus Serie auf Amazon Prime ist die Reihe in aller Munde; die schicke Sonderausgabe vom Piper Verlag scheinbar so beliebt, dass ich die Lektüre mit dem zweiten Band anfangen musste, weil der erste noch im Nachdruck war. Die Spin-Off Reihe „Briar U“ habe ich vor einer Weile gelesen und war so begeistert davon, dass der erste Band 2024 im Silvester-Special unter meinen Jahreshighlights aufgeführt ist. Ich hab ihn sogar zweimal zu Geburtstagen verschenkt. Entsprechend begeistert und erwartungsvoll war ich, dieses Buch zu lesen, das sich als pastellfarbene Enttäuschung herausgestellt hat. Die silber-metallic Prägung kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Leser gerade 22 Euro für nichts ausgegeben hat.

Eigentlich beginne ich meine Rezensionen gerne mit einer neutralen Inhaltsangabe, damit jeder Leser sich selbst ein Bild machen kann, bevor er meine eingefärbte Meinung zu hören bekommt. Aber was soll ich machen, wenn in dem Buch einfach nichts passiert? Ich könnte an dieser Stelle natürlich den Klappentext einfügen, der nach einer ganz tollen Geschichte klingt, aber nicht wirklich etwas mit dem Buch zu tun hat.

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Katelyn Erikson: House of Hawke: Spiel ohne Regeln

Monte Carlo, die Stadt des Luxus und der verbotenen Spiele. Hier verlor Paxton Hawke alles: sein Vermögen, seinen Stolz und die Liebe seines Lebens. Ein Jahr später will er sie zurückerobern. Als er Amylia Bishop trifft, die beste Freundin seiner Ex, spannt er sie in seinen Plan ein. Was er nicht weiß: Amylia ist gleichzeitig die maskierte Mitarbeiterin, die ihn im Casino Nacht für Nacht im Blick behält. Er ahnt nicht, wer sie wirklich ist, doch zwischen ihnen entbrennt ein gefährliches Spiel aus Verlangen, Lügen und Verrat. In dieser Welt zählt nur eines: Wer gewinnt – und wer alles verliert.

Mit House of Hawke: Spiel ohne Regeln entführt die Autorin ihre Leserinnen und Leser in eine schillernde Welt aus Luxus, Intrigen und gefährlichen Gefühlen. Vor der glamourösen Kulisse Monte Carlos entwickelt sich eine Geschichte, die Rache, Begehren und persönliche Neuanfänge miteinander verbindet und dabei vor allem in der zweiten Hälfte spürbar an Sog gewinnt.

Der Einstieg verlangt etwas Geduld, weil die Handlung zunächst vergleichsweise langsam Fahrt aufnimmt. Sobald sich die zentralen Konflikte jedoch klarer abzeichnen, entwickelt der Roman eine spürbare Dynamik, die das Weiterlesen deutlich reizvoller macht. Gerade das Casino-Setting erweist sich dabei als große Stärke des Buches: Es verleiht der Geschichte eine besondere Atmosphäre.

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David Safier: 00-Laschet

Zum Inhalt

David Safier ist einer von Deutschlands erfolgreichsten Autoren, seine Bücher landen regelmäßig auf der Bestsellerliste. Die Kriminalroman-Reihe um die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel umfasst mittlerweile schon fünf Bände. In seinem neusten Werk widmet er sich jedoch einem anderen Politiker: Armin Laschet.

In „Agent 00-Laschet“ wird Armin Laschet Bundespräsident. Im Schloss Bellevue angekommen, erwartet ihn jedoch eine große Überraschung: sein Job ist anders geartet, als bisher bekannt. Denn unter dem Schloss liegt die geheimste Geheimagentenzentrale weltweit. Und Armin Laschet ist dafür zuständig, den Agenten Zugang zu Orten zu ermöglichen, den sie ohne ihn nicht hätten. Sein erstes Mitwirken dabei dient nichts Geringerem als die Welt zu retten. Die gesamte Hoffnung der Welt liegt nun auf Armin Laschet als Agent 00-Laschet.

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Natalie Chandler: Voices. Ich kann euch hören

Darum geht es:

Tamsin Shaw liegt seit einem mysteriösen Autounfall im Koma. Was niemand weiß: Während sie nicht einmal einen Finger bewegen, geschweige denn die Augen öffnen kann, ist sie bei vollem Bewusstsein. Auch erinnern kann sich Tamsin nicht. Nicht an den Unfall, der sie ans Bett fesselte, und auch nicht an die Tage zuvor. Als Psychiaterin weiß sie, dass diese Art von Dornröschenschlaf sie vor einer besonders traumatischen Erinnerung schützen soll.

Meine Meinung:

Ein genialer Perspektivwechsel

Die Geschichte wird größtenteils aus der Sicht einer Frau im Wachkoma erzählt. Für mich war dieser Ansatz völlig neu und dadurch unglaublich aufregend. Die Ausgangslage ist extrem beklemmend und ging mir beim Lesen regelrecht körperlich nahe. Das Gefühl, dem Umfeld absolut ausgeliefert zu sein, während die Menschen am Bett über das eigene Leben bestimmen, erzeugt von der ersten Seite an eine greifbare, konstante Spannung und ein ungutes Gefühl macht sich beim Lesen breit.

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Marion Demme-Zech: Gegen Mord ist kein Sauerkraut gewachsen

Wer gerne Krimis aus bestimmten Regionen liest, die dann ja auch immer viel Lokalkolorit bieten, ist bei den Saarlandkrimis von Marion Demme-Zech gut aufgehoben.

Ihr Ermittlerteam Toni, korrekt Antonia Kuppertz und Wolfgang Forsberg samt Dackel Günther ist diesmal in einem etwas anderen Einsatz. Eine Leiche wurde auf einem Hausboot auf der Mosel gefunden, das Boot war abgetrieben, zwei Männer aus dem Fluss geborgen, die offenbar in das Hausboot hatten einbrechen wollen und dabei die Leiche angeblich gefunden haben, mit dem Mord aber nichts zu tun haben wollen. Soweit so einfach. Aber: der Mann war tot, als das Boot noch am luxemburgischen Ufer der Mosel lag, abgetrieben wurde das Boot dann wieder nach Deutschland, die aus dem Fluss geborgenen Einbrecher stammen aus dem Saarland, sind also Deutsche. Geborgen wurden sie von der polnischen Besatzung eines niederländischen Kohlefrachters …. Das sind eine Menge Nationalitäten, die bei der Zuständigkeit der ermittelnden Behörden berücksichtigt werden wollen. Aber ist nicht alles irgendwo in Paragraphen geregelt? Eben! Man verständigt sich mit dem Luxemburger Kollegen auf eine binationale Zusammenarbeit und geht die Sache gemeinsam an. Dass das eine gute Entscheidung war, müssen Toni und Wolfgang mehrfach erfahren, denn sie begeben sich im Laufe der Ermittlungen selbst in große Gefahr.

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Stacia Strak: Empire of Blood 01: We Who Will Die

Willkommen in einer archaisch anmutenden Welt, die unverkennbar Anleihen beim römischen Imperium nimmt. An der Spitze thront ein – in diesem Fall unsterblicher – Imperator, während Bauern und Tagelöhner die unterste Stufe der Machtpyramide bilden.

Einst zählte Arvelle zu den gefeiertsten Gladiatorinnen des Reiches. Seite an Seite mit ihrer engsten Vertrauten Kassia bestritt sie die blutigen Spiele der Arena – bis diese im Wettkampf ihr Leben verliert.

Zwar ging Arvelle damals als Siegerin hervor, doch der Preis war zu hoch. Seither hat sie der grausamen Unterhaltung den Rücken gekehrt. Hinzu kommt ein nie vollständig verheilter Knöchel, der sie dauerhaft zeichnet. Um dennoch ihren Lebensunterhalt zu sichern – und vor allem, um das kostspielige Elixier für ihren lungenkranken Bruder aufzubringen –, verdingt sie sich als Leibwächterin.

Eines Abends jedoch steht ein Vampir vor ihrer Tür und unterbreitet ihr ein ebenso verlockendes wie perfides Angebot. Heilung und ein neues Leben für ihre beiden jüngeren Brüder – im Austausch gegen ihre Teilnahme an der Auslese, ihren Sieg in den Spielen, den Eintritt in die Reihen der imperialen Garde und schließlich den Mord am ersten der Vampire – dem Imperator selbst.

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Naja Marie Aidt: Aus dem Dunkel

Die dänische Schriftstellerin und Dichterin Naja Marie Aidt zählt zu den wichtigsten Stimmen in der skandinavischen Literatur.

In ihrem 2021 erschienenen Roman Carls Buch verarbeitet sie sehr bewegend den tragischen Tod ihres Sohnes.

Auch „Aus dem Dunkel“ ist ein aufwühlendes Buch voller Tragik. Wir lesen darin von Gewalt und Übergriffen, aber auch von Freundschaft und Zusammenhalt.

Die Kindheit der Protagonistin im Haus der Eltern mit zwei Schwestern ist unschön und problembehaftet durch ihren unberechenbaren, gewalttätigen Vater. Die Mädchen leben in ständiger Angst. Später wird die Protagonistin in ihrer Jugend Opfer einer Vergewaltigung und eine ihrer Schwestern kommt nach Drogenkonsum ums Leben. Viele Jahre später, ihre drei Söhne sind bereits erwachsen und selbständig, wird sie Zeugin einer Gewalttat auf offener Straße. Sie eilt dem Opfer zu Hilfe und während diese junge Frau den Angriff nicht überlebt, wird sie selbst vom Täter mit dem Messer verletzt.

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Georgi Gospodinov: Der Gärtner und der Tod

„Mein Vater war Gärtner. Jetzt ist er ein Garten.“ Selten fasst ein erster Satz so präzise zusammen, was ein Buch leistet. Georgi Gospodinovs Roman ist ein stilles, poetisches, sehr persönliches Buch über einen Vater, einen Sohn und den Versuch, Abschied in Sprache zu fassen. Seine größte Stärke liegt in der emotionalen Genauigkeit und in der Fähigkeit, aus einzelnen Erinnerungen ein lebendiges Bild entstehen zu lassen. Seine Herausforderung liegt aber genau an der gleichen Stelle: in der Intensität, mit der er Trauer ausleuchtet. Ich habe es als berührend und zugleich emotional fordernd erlebt.

Im Zentrum steht das Sterben des Vaters, eines leidenschaftlichen Gärtners, doch erzählt wird keine lineare Geschichte. Stattdessen setzt sich das Bild aus Erinnerungen, Anekdoten, Eigenarten und Momentaufnahmen zusammen. Die Zeit verliert dabei an Bedeutung und bleibt doch im Garten verankert. Der Garten als Ort, der Leben, Arbeit und Vergänglichkeit verbindet.

Eine interessante Ebene ist Gospodinovs Reflexion über Väter in der Literatur. „Über Väter schreibt es sich schwer“, meint er. Mütter sind in der Literatur häufig Erinnerungsfiguren. Väter hingegen bleiben oft abwesend, streng, stumm oder symbolisch. In Gospodinovs Geschichte erscheint der Vater glaubwürdig, warm, eigenwillig, manchmal humorvoll, manchmal verletzlich.

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Carys Davies: Das Pfarrhaus

Carys Davies ist eine walisische Schriftstellerin, die in Schottland lebt und arbeitet. 2024 erschien ihr Roman „Ein klarer Tag“, nun hat sie ein neues Buch geschrieben. „Das Pfarrhaus“ ist am 10. Juni 2026 im Luchterhand Literaturverlag erschienen. Eva Bonné hat den Roman aus dem Englischen übersetzt.

Hilary Byrd, ein Bibliothekar in Indien

„Das Pfarrhaus“ von Carys Davies ist ein sehr elegant erzählter Roman mit einem englischen Bibliothekar als Hauptfigur. Hilary Byrd ist fünfzig Jahre alt, ledig und in einer Krise. Nach einem Zusammenbruch fliegt er nach Indien. Dort reist er ruhelos durchs Land. Die Hitze, der Lärm und die vielen Menschen setzen ihm zu. Er setzt sich in einen Zug, der in die Berge fährt. Mit ihm im Abteil sitzt ein anglikanischer Pfarrer, der ihm eine Unterkunft in einem kleinen Bungalow der Gemeinde in einem Bergkurort anbietet, in dem normalerweise der Missionar Henry Page aus Kanada wohnt. Byrd ist glücklich über diesen Zufall, über die Kühle und das kleine Haus mit Garten, in dem er sich von Anfang an zu Hause fühlt. Der anglikanische Pfarrer nimmt ihn freundlich auf. „Das Einzige, was ihn störte, war der schwarze Hund.“ Ooly, die Hündin, liegt den ganzen Tag in einem Spülstein im Garten des Bungalows.

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Johanna Sebauer: Das Gurkerl

Bissige Satire, treffsicher und ziemlich realitätsnah

Was ein Tropfen Gurkenwasser so anrichten kann – Johanna Sebauer hat es in Worte und Nikolaus Heidelbach hat es in Bilder gefasst.

Was war geschehen? Pertak, seines Zeichens Mitarbeiter einer Lokalzeitung, möchte auf seinem Frühstücksbrötchen ein Gurkenscheibchen. Doch beim Öffnen des Gurkenglases in der Kaffeeküche der Redaktion spritzt ihm ein Tropfen des Gurkenwassers ins Auge.

Darüber dermaßen erbost und tagelang mit einem verpflasterten Auge herumlaufend, verfasst Pertak einen geharnischten Artikel über die Gefahren von Gurkenwasser, verbunden mit der Forderung, dies sofort zu verbieten. Er weist vor allem darauf hin, was Kindern geschehen könnte und tritt damit eine Lawine los, die er nicht mehr aufhalten kann.

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