Von klein auf lernen Frauen, für ihre Umwelt verfügbar zu sein. Immer lächelnd freundlich, niemals aus der Rolle der Fürsorglichen fallen. In einer Gesellschaft, die auf der ständigen weiblichen Verfügbarkeit aufgebaut ist, fällt es schwer, sich davon zu distanzieren. Silvi Carlsson möchte in ihrem Buch die sogenannte Good-Girl-Prägung analysieren, um festzustellen, wieso Frauen eigentlich so funktionieren und was passiert, wenn sie beschließen, es nicht mehr zu tun. Es geht um Emanzipation und insbesondere auch den Weg zu sich selbst. Welche Bedürfnisse und Gefühle habe ich gerade wirklich? Will ich so sein? Oder bin ich in meiner Freundlichkeit gefangen in einer Gesellschaft, die jeden Ausbruch straft?
Der Grundgedanke dieses Sachbuchs ist bestechend: Lernen und verstehen, mit dem inneren Good-Girl umzugehen und sich durch Selbstverständnis letztendlich entziehen. Leider verspricht der Titel mehr, als er mitgeben kann. Die Intentionen der Autorin sind löblich, keine Frage, doch ihre Inhalte sind keineswegs neu oder etwa auf bahnbrechende Weise reflektiert. Statt den versprochenen psychologischen Erkenntnissen bekommt der Leser eine Sammlung an thematischen Bezügen zu popkulturellen feministischen Debatten. Wer dieses Buch in die Hand nimmt, wird mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit 70% des Inhalts bereits kennen – und diejenigen, die es am dringendsten hören sollten, werden wohl leider nicht danach greifen.
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