Carys Davies: Das Pfarrhaus

Carys Davies ist eine walisische Schriftstellerin, die in Schottland lebt und arbeitet. 2024 erschien ihr Roman „Ein klarer Tag“, nun hat sie ein neues Buch geschrieben. „Das Pfarrhaus“ ist am 10. Juni 2026 im Luchterhand Literaturverlag erschienen. Eva Bonné hat den Roman aus dem Englischen übersetzt.

Hilary Byrd, ein Bibliothekar in Indien

„Das Pfarrhaus“ von Carys Davies ist ein sehr elegant erzählter Roman mit einem englischen Bibliothekar als Hauptfigur. Hilary Byrd ist fünfzig Jahre alt, ledig und in einer Krise. Nach einem Zusammenbruch fliegt er nach Indien. Dort reist er ruhelos durchs Land. Die Hitze, der Lärm und die vielen Menschen setzen ihm zu. Er setzt sich in einen Zug, der in die Berge fährt. Mit ihm im Abteil sitzt ein anglikanischer Pfarrer, der ihm eine Unterkunft in einem kleinen Bungalow der Gemeinde in einem Bergkurort anbietet, in dem normalerweise der Missionar Henry Page aus Kanada wohnt. Byrd ist glücklich über diesen Zufall, über die Kühle und das kleine Haus mit Garten, in dem er sich von Anfang an zu Hause fühlt. Der anglikanische Pfarrer nimmt ihn freundlich auf. „Das Einzige, was ihn störte, war der schwarze Hund.“ Ooly, die Hündin, liegt den ganzen Tag in einem Spülstein im Garten des Bungalows.

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Johanna Sebauer: Das Gurkerl

Bissige Satire, treffsicher und ziemlich realitätsnah

Was ein Tropfen Gurkenwasser so anrichten kann – Johanna Sebauer hat es in Worte und Nikolaus Heidelbach hat es in Bilder gefasst.

Was war geschehen? Pertak, seines Zeichens Mitarbeiter einer Lokalzeitung, möchte auf seinem Frühstücksbrötchen ein Gurkenscheibchen. Doch beim Öffnen des Gurkenglases in der Kaffeeküche der Redaktion spritzt ihm ein Tropfen des Gurkenwassers ins Auge.

Darüber dermaßen erbost und tagelang mit einem verpflasterten Auge herumlaufend, verfasst Pertak einen geharnischten Artikel über die Gefahren von Gurkenwasser, verbunden mit der Forderung, dies sofort zu verbieten. Er weist vor allem darauf hin, was Kindern geschehen könnte und tritt damit eine Lawine los, die er nicht mehr aufhalten kann.

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Rachel Reid: The Long Game

Darum geht es: Seit zehn Jahren sind Shane und Ilya ein Paar – und halten ihre Beziehung strikt geheim. Würde ihre Liebe jemals öffentlich werden, könnte das ihre Eishockeykarrieren ernsthaft gefährden. Was wiegt am Ende schwerer – die Liebe oder die Karriere?

Das Buch ist ein würdiger Nachfolger von Heated Rivalry und knüpft emotional wie erzählerisch sehr gut an seinen Vorgänger an.

Beim Lesen habe ich unglaublich viel empfunden: Es gibt humorvolle Szenen, berührende Momente und Augenblicke, in denen man mit den Figuren mitleidet oder sogar wütend wird. Gerade diese emotionale Bandbreite macht die Geschichte auch so stark. Besonders gelungen ist dabei, dass zentrale Themen aufgegriffen werden, die auch im realen Profisport eine Rolle spielen – etwa Leistungsdruck, öffentliche Wahrnehmung und die Schwierigkeit, eine schwule Beziehung dort zu führen ohne ausgegrenzt zu werden.

Obwohl ich Boys-Love-Geschichten normalerweise nicht wirklich lese, konnte mich bereits Heated Rivalry begeistern – und auch dieses Buch hat mich wieder überzeugt. Ja, es gibt einige explizitere und leidenschaftliche Szenen, doch sie dominieren nicht zu stark. Die Geschichte bietet deutlich mehr als nur Romantik: Sie lebt von ihrer emotionalen Tiefe, den glaubwürdigen Konflikten und der starken Entwicklung der Beziehung.

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Frank Goldammer: Strandopfer

Der Auftakt einer neuen Krimiserie mit einem deutsch-polnischen Ermittler-Duo, das nicht wirklich harmonisch miteinander arbeitet, das dem Leser genauso wenig gleich sympathisch ist. Schwierig! Lena Schuldt, BKA-Beamtin aus Berlin wird zu Ermittlungen an die polnische Ostseeküste beordert, nachdem ein deutscher Urlauber am Strand tot aufgefunden wurde und gleichzeitig die zehnjährige Tochter von Freunden, mit denen er regelmäßig hier seit Jahren in einer Villa in der Nähe die Ferien verbringt, verschwunden ist. Lena versteht zwar nicht so ganz, was sie bei den Ermittlungen soll, aber einer der Freunde des Toten arbeitet beim Innenministerium, daher … Die ganze Situation belastet Lena. Die Gegend ruft unschöne Erinnerungen an ihre Kindheit auf der anderen Seite der Grenze, in einem ganz ähnlich strukturierten Dorf wach, mit einem Vater, der Alkoholiker war, einer Mutter, die die Familie verlassen und Lena dem Vater überlassen hat. Großeltern, bei denen sie dann groß geworden ist, die aber nicht besonders liebevoll mit ihr waren. All das beschäftigt sie, als sie jetzt hier mit Adam Krawczyk, ihrem polnischen Kollegen, die Ermittlungen führen soll. Auch Adam scheint etwas zu belasten, er ist Lena gegenüber sehr reserviert, ja fast schroff ablehnend. Lena ist auf ihn angewiesen, sie spricht die Sprache nicht. Adam spricht gut Deutsch, er war mit einer Deutschen verheiratet, die es aber in Polen nicht ausgehalten hat und die wieder zurückgegangen ist nach Deutschland. Jeder von beiden hat so seine Vorurteile, erfüllt alle Klischees, die man so kennt. Es dauert recht lange, bis sie sich ein bisschen öffnen und wirklich mal an einem Strang ziehen. Bis dahin muss allerdings ein zweiter Mord passieren und das Mädchen nach mehreren Tagen erst, eher zufällig, gefunden werden, nur um kurz darauf ein zweites Mal zu verschwinden.

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Michael Scott: Der Dunkle Magier: Die Geheimnisse des Nicholas Flamel Band 2

Was haben eine gut zweitausend Jahre alte Vampirin, ein unsterblicher Alchemist, ein weiterer unsterblicher Musiker, der nebenbei Feuermagier ist, eine französische Nationalheldin aus dem 15. Jahrhundert, das Schwert, das König Artus tötete, und ein 15-jähriges Zwillingspaar aus den USA miteinander zu tun?

Sie alle spielen eine wichtige Rolle im zweiten Band der „Geheimnisse des Nicholas Flamel“.

Doch beginnen wir am Anfang.

Als die 15-jährigen Zwillinge Sophie und Josh den Antiquar Nick Fleming und seine Frau Perenelle in San Francisco kennenlernen, ahnen sie noch nicht, dass ihr Leben danach nie wieder so ruhig sein wird wie zuvor.

Die dramatischen Ereignisse kommen ins Rollen, als ein gediegen gekleideter Herr namens Dr. John Dee das Antiquariat betritt. Seit langer, wirklich sehr langer Zeit ist er auf der Suche nach zwei Dingen – einem alten Buch, genannt der Codex oder auch das Buch Abrahams, und nach Nick Fleming alias Nicholas Flamel, einem Alchemisten aus dem 14. Jahrhundert. Und Dee ist bereit, viel zu investieren, um beides in seine Hände zu bekommen.

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Michael Scott: Der unsterbliche Alchemyst: Die Geheimnisse des Nicholas Flamel Band 1

Mit Der unsterbliche Alchemyst, dem Auftakt zur Reihe „Die Geheimnisse des unsterblichen Nicholas Flamel“, eröffnet der irische Autor Michael Scott ein modernes Fantasy-Epos, das historische Mythen, Alchemie und Urban Fantasy miteinander verschränkt.

Die 15-jährigen Zwillinge Sophie und Josh verbringen ihre Sommerferien bei der Grossmutter in San Francisco, während ihre Eltern als erfolgreiche Archäologen Ausgrabungen in Utah leiten. Sophie jobbt in einem Café, Josh arbeitet in einem kleinen Antiquariat auf der gegenüberliegenden Strassenseite – ein scheinbar alltägliches Setting, das sich jedoch schlagartig verändert.

Eines Tages hält eine Luxuslimousine vor dem Laden. Ein kleiner, vornehm gekleideter Mann steigt mit mehreren Begleitern aus, die trotz sommerlicher Hitze Hüte und Handschuhe tragen. Ein beissender Geruch nach faulen Eiern liegt in der Luft. Als Josh aus dem Keller kommt, platzt er mitten in einen Kampf zwischen seinem Chef Nick Fleming und dem Besucher Dr. John Dee. Spätestens als riesenhafte Golems eingreifen, ist klar – Magie ist keine Legende.

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Jakob Schwerdtfeger: Punkt Punkt Komma Strich, fertig ist die Kunstgeschicht

Neues Literaturgenre
Kunst und Comedy – geht das zusammen? Und wie! Der Kunsthistoriker und Comedian Jakob Schwerdtfeger nimmt uns mit auf eine Reise durch 1000 Jahre Kunstgeschichte, von Romanik über Renaissance bis zu Pop Art und Performancekunst. Gewürzt wird dieser flotte historische Rundgang mit ganz viel Humor. Persönliche Anekdoten, Wortspielereien und knackige Anmerkungen zeigen, dass Kunstgeschichte nicht dröge sein muss, sondern richtig Spaß machen kann! Kurz und knackig auf den Punkt gebracht, holt er damit sogar „Kunstbanausen“ ab. Merke: Renaissance ist Streberkunst vom Feinsten, Barock ist Kunst auf Koks, Dadaismus Quatsch mit Qualität.

„Kunstgeschichte auf einen Blick“-Bücher gibt es viele. Aber keines ist so wie dieses. Die einzelnen Kunstepochen werden an berühmten Kunstwerken skizziert (natürlich mit entsprechenden Abbildungen) und mit einem historischen und gesellschaftlichen Kontext versehen, der zur Entstehung dieser Kunstströmung beigetragen hat. Soweit, so gut. Das kennen wir bereits aus anderen Büchern, aber beileibe nicht so gewitzt und humorvoll.

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Shalini Abeysekara: This Monster of Mine

Mit 14 Jahren wagt sich Sarai in die Hauptstadt des Landes, um ihrem Elend und ihrer Armut in der Heimat zu entkommen – doch ihr Triumph währt kurz, statt ihre Träume zu verwirklichen, stirbt sie beinahe bei einem Attentat. Bei einem Sturz vom höchsten Turm der magischen Akademie verliert sie so gut wie jede Erinnerung an diesen Tag; alles, was ihr bleibt, ist der Wunsch nach Rache.

Nun, Jahre später, kehrt sie zurück nach Edessa, mit dem festen Vorhaben, ihren Attentäter zu stellen. Ihre einzige Möglichkeit dazu ist die Stelle als Petitorin einer der vier Herrscher des Landes; eine Position, in der sie auf magische Weise zwischen Lüge und Wahrheit unterscheidet. Doch die letzten Petitoren sind alle auf mysteriöse Weise verstorben und ausgerechnet Kadra, der Herrscher, dem Sarai zugeordnet wird, steht im Verdacht, etwas damit zu tun zu haben. Außerdem ruft Kadras Stimme lange verschollene Erinnerungen an jene Nacht in Sarai wach …

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Gabriela Kasperski: Bretonisch mit Meeresrauschen

Wellen, die sich an Felsbrocken am Strand brechen, ein bewölkter Himmel, der nach einem drohenden Gewitter aussieht – das Cover des neuen Tereza-Berger-Bretagne-Krimi macht gleich Appetit.

Wer Tereza Berger, die sympathische Buchhändlerin aus der Schweiz kennt, die sich inzwischen seit einigen Jahren in der Bretagne heimisch und wohl fühlt, weiß, dass es nicht lange dauern wird, bis sie wieder mal ganz zufällig über ein Verbrechen stolpert. Auch im siebten Fall der Hobby-Ermittlerin mit viel Gefühl für ihre Mitmenschen und viel Liebe zu ihrer Umgebung ist das natürlich so. Aber keine Bange, man kann diesen Band der Reihe auch sehr gut lesen, wenn man die ersten Teile nicht kennt. Die Bezüge zu früheren Episoden werden gut vermittelt, man ist jederzeit à jour und muss nicht rätseln, was gemeint ist, worum es grade geht.

Eines Abends nach einem Konzert in der neuen Musikbar Breizhbleu in Camaret-sur-Mer findet Tereza die Besitzerin des Lokals brutal zusammengeschlagen auf der Straße. Tereza verständigt Polizei und Rettungswagen, möchte aber selbst im Hintergrund bleiben. Sie weiß, dass es Neubürgern im Ort nicht leicht gemacht wird, das hat sie selbst erfahren, als sie vor einigen Jahren kam und ihre kleine Buchhandlung „Déjalu“ eröffnet hat, aber ein so brutaler Überfall? Das kann nicht nur damit zu tun haben, dass Jo neu und aus Paris ist. Tereza nimmt, wie sollte es anders sein, eigene Ermittlungen auf, die Polizei lässt sie außen vor, zumal offenbar Gabriel, ihr ehemaliger Verlobter, wieder aus Schottland zurück in Camaret ist und wieder als Kommissar die Ermittlungen leitet. Ihm geht sie ganz gerne aus dem Weg. Ihre persönliche Geschichte mit Gabriel hat sie noch nicht hinter sich gelassen, da muss sie noch ein bisschen knabbern. Die Polizei konzentriert sich sehr bald auf einen jungen Mann als Täter, der beim Konzert gewesen und inzwischen anscheinend unauffindbar ist. Tereza hat einen ganz anderen Verdacht. Sie vermutet den oder die Täter in der Gastroszene der Insel und konzentriert sich darauf. Tatsächlich kommt sie einer Menge Ungereimtheiten, Missgunst und Korruption auf die Spur, deckt mit Hilfe einer engagierten Journalistin, die eine Freundin des Opfers ist, aber auch ganz andere Geheimnisse um Jo und ihre Vergangenheit auf.

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Oliver Plaschka: Die Geister von La Spezia

Oliver Plaschka entführt uns nach Genua. Wir befinden uns im Jahr 1822. Hier lebt die junge Schriftstellerin Mary Shelley in der Nähe des Anwesens, das Lord Byron bewohnt. Ihr Mann, der Dichter Percy Bysshe Shelley, ist bei einem rätselhaften Schiffsunglück ums Leben gekommen.

Während sie noch tief um ihren Mann trauert, tritt die geheimnisvolle Ermittlerin Pat Colombari, angeblich beauftragt von Shelleys Vater, um die Umstände des Todes zu untersuchen in ihr Leben. Pat ist beileibe keine gewöhnliche Detektivin. Mithilfe einer eigentümlichen Apparatur ist sie in der Lage, in die Erinnerungen anderer Menschen einzutauchen – nicht nur in Marys, sondern auch in jene ihres berühmten Umfelds; –  Lord Byron, John Polidori, Claire Clairmont und weitere Figuren des literarischen Zirkels. Auf diese Weise entfaltet sich die Handlung als eine vielschichtige Spurensuche durch subjektive Erinnerungsräume, die zunehmend erkennen lässt, dass hinter Percys Tod und der Entstehung von „Frankenstein“ weit mehr steckt, als bloße biografische Zufälle. Je tiefer Pat vordringt, desto deutlicher wird, dass Mary selbst ein Geheimnis verbirgt – und dass die Grenze zwischen Erinnerung, Einbildung und etwas Übernatürlichem gefährlich durchlässig ist …

Man  begegnet nicht allzu häufig Romanen, die sich mit einer solcher Ambition zwischen historischer Rekonstruktion, spekulativer Fantastik und erkenntnistheoretischem Spiel ansiedeln wie Oliver Plaschkas vorliegender Einzelroman „Die Geister von La Spezia“. Der Stoff ist ebenso verheißungsvoll wie anspruchsvoll –  Mary Shelley im Jahr 1822, kurz nach dem Tod ihres Mannes Percy Bysshe Shelley, wird zur zentralen Figur einer Erzählung, die nicht weniger unternimmt, als die Entstehungsbedingungen von „Frankenstein“ neu zu deuten – und dies mittels einer fiktiven Technik, die Reisen durch Erinnerungen erlaubt.

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