Anne Barns: Der Geschmack von Sommer und Karamell

Sommer, Sonne, Inselfeeling, Meerluft und barfuß im Sand laufen – was braucht man im Sommer eigentlich mehr? Leider haben wir das nicht alle und zu jeder Zeit. Umso schöner, wenn man, wie Ella, ziemlich überraschend zu zwei Wochen Urlaub auf Amrum eingeladen wird.

Oma Henny überrascht ihre Familie an ihrem 78. Geburtstag mit der Ankündigung: Ich fahre übrigens in ein paar Tagen für zwei Wochen nach Amrum. Aha! Und wie sich herausstellt, ist alles schon von langer Hand geplant, das Ferienhaus schon vor Monaten gebucht und Oma ist fest davon ausgegangen, dass ihre Enkelin Ella es sein wird, die sich bereiterklärt, mit ihr zu fahren. Ella ist Kinderbuchillustratorin, kann also eigentlich überall arbeiten und ein Urlaub täte ihr wohl auch ganz gut. Ella steckt grade in einer Schaffenskrise, ihre Back-Elfe, die sie gerne zeichnen würde, nimmt nicht richtig Gestalt an. Also warum nicht? Außerdem ist Ella neugierig auf die Geheimnisse, die Oma anscheinend hat, wenn es um Amrum und die Zeit geht, die sie vor vielen Jahren dort verbracht hat. Die Idee, jetzt, nach mehr als 60 Jahren wieder einmal Urlaub auf der Insel zu machen, kommt nicht von ungefähr, wie Oma zugibt. Ein Freund aus früherer Zeit hat sie zu seinem Geburtstag eingeladen, und sie möchte die Gelegenheit nutzen, alte Freundschaften vielleicht wieder aufleben zu lassen oder eben festzustellen, dass das nicht mehr geht.

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Benedict Jacka: Eine Frage der Magie: Haus Ashford Band 3

Stephen Oakwood ist kein Held, wie man ihn sich gemeinhin vorstellt. Er schlägt sich – begleitet von seinem Kater – eher schlecht als recht durch ein London, das nur auf den ersten Blick gewöhnlich wirkt. Die Mutter, Abkömmling eines wohlhabenden Hauses, verschwand früh aus seinem Leben, der Vater folgte ihr auf andere Weise und hinterließ nichts als einen Brief und jede Menge offener Fragen.

Diese Fragen führen Stephen unweigerlich zu seiner Herkunft – dem Haus Ashford, einem alten, schwerreichen Magieradel, der mit ihm nichts zu tun haben will – was umgekehrt genauso gilt. Dass Stephen dennoch über magische Fähigkeiten verfügt, ja, dass er die sogenannte Drucraft nicht nur instinktiv beherrscht, sondern sogar sehen kann, macht ihn zu einer Anomalie in einer Welt, die klare Hierarchien und geregelte Zugänge zur Macht kennt.

Jacka entfaltet aus dieser Konstellation ein Szenario, das sich zwischen klassischer Urban Fantasy und sozialer Allegorie bewegt. Stephen arbeitet als Leibwächter für seinen Stiefbruder, führt Gespräche mit einem Priester, der mehr weiß, als er sollte, und gerät ins Fadenkreuz der „Geflügelten“, einer von zwei Mächten, die im Verborgenen um die Vorherrschaft ringen. Es ist ein Leben im Provisorium, im Improvisierten – und genau darin liegt sein Reiz. Denn wo Institutionen versagen oder ausschließen, beginnt Stephens eigentliche Stärke: Er eignet sich die Mittel seiner Welt selbst an, erschafft Sigils, beschafft Essentia, überschreitet Grenzen.

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Claire Fuller: Das Gedächtnis der Tiere

Nach starkem Beginn etwas abflachende Dystopie mit mittelmäßigen Figuren

Zuerst hat mich dieser Roman wirklich gepackt, war der Einstieg spannend und vor allem erinnerte es mich an den ganz wunderbaren Roman „Die Letzte macht das Licht aus“ von Bethany Clift. So waren dann meine Erwartungen nach den ersten Kapiteln dementsprechend hoch.

Nur leider flachte das Ganze dann recht schnell ziemlich ab, die Spannung ging verloren, die Handlung schleppte sich dahin und als schließlich noch eine Erinnerungsmaschine ins Spiel kam, bin ich irgendwann vollends ausgestiegen.

Hauptfigur ist Ich-Erzählerin Neffy, die sich freiwillig einem Experiment zur Verfügung stellt, denn sie braucht das Geld, das man dafür bekommt. Es geht um Versuche mit einem neuen Impfstoff gegen ein neuartiges Virus, das um sich greift und die Menschen tötet wie die Fliegen. Außer Neffy nehmen noch weitere Personen an den Versuchen teil, doch irgendetwas geht schief.

Nachdem Neffy das Präparat verabreicht bekommen hat, fällt sie in eine Art Koma. Als sie daraus erwacht, sind alle Ärzte und Schwestern verschwunden ebenso wie die meisten Versuchspersonen. Geblieben sind außer Neffy nur noch zwei weitere Frauen und zwei Männer.

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Mirna Funk: Balagan


Balagan bedeutet im Hebräischen soviel wie Chaos oder Unordnung. Genau darum geht es in diesem wunderbaren Roman von Mirna Funke. Denn das Chaos bricht durch die geballte Gleichzeitigkeit und Widersprüchlichkeit von Ereignissen in das Leben von Amira. Die Berlinerin mit jüdischen Wurzeln hadert mit ihrem Beruf. Seit der Coronakrise geht es mit ihrem Onlinemagazin abwärts, sie kann der Konkurrenz durch Social Media Influencer kaum standhalten und muss Mitarbeiter entlassen. Im Liebesleben der 32-jährigen herrscht ebenfalls Ebbe. Am meisten leidet sie unter den Nachwirkungen des 7. Oktober. Freunde aus dem Kulturbetrieb wenden sich von Amira ab, überall prangen die roten Dreiecke der Hamas-Sympathisanten an Berliner Hausfassaden, auf Demonstrationen wird lautstark der Tod von Juden gefordert, die Diaspora lebt in Angst.

Plötzlich Multimillionärin!
Und als wäre das alles nicht schon tragisch genug, lauern da auch noch die turbulenten Familienfeste. Seit dem Selbstmord ihres Vaters – am Tag von Amiras Einschulung – gilt sie als Außenseiterin in der Familie. Nur zu ihrem Großvater Max, der von den Nationalsozialisten geflohen ist und das stolze Alter von 102 Jahren erreicht hat, pflegt sie eine innige Beziehung. Nach seinem plötzlichen Tod stellt sich heraus, dass Amira die Alleinerbin der verschollen geglaubten Familienkunstsammlung ist, die einst von den Nazis beschlagnahmt wurde. Dieses Erbe macht sie zur Multimillionärin. Doch die Freude währt nicht lange, denn Amira spürt schnell die Last oder vielmehr die große Verantwortung, die das Erbe mit sich bringt. Was tun? Verkaufen, Spenden, Ausstellen?

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Philippa Perry: Die Therapeutin und ihre Mörder: Dr. Pat Philipps und der tote Klient

Philippa Perry (Jahrgang 1957), die britische Psychotherapeutin und Autorin des Erziehungsratgebers „Das Buch, von dem du dir wünschst, deine Eltern hätten es gelesen“ aus dem Jahr 2020, hat sich an einem Krimi versucht. Mit „Die Therapeutin und ihre Mörder – Dr. Pat Philipps und der tote Klient“ debütiert sie in diesem Genre. Das Buch ist am 7. Mai 2026 bei Ullstein erschienen. Elke Link hat es aus dem Englischen übersetzt.

„Die Therapeutin und ihre Mörder“ von Philippa Perry ist very British und ein wenig Old School

Dr. Patricia Philipps ist Psychotherapeutin und lebt, nachdem sie London verlassen hat, mit ihrem Kater Dave in Westlinke, einem kleinen Dorf in Südengland. Ihre Klienten empfängt sie in einem umgebauten Schäferwagen, der im Garten ihres Cottages steht. Eines Tages wird einer ihrer Klienten, Henry Clayton, Anfang dreißig, unterhalb der Klippen von Birling Gap tot an den Kieselstrand gespült. Die Polizei von Westlinke, bestehend aus Detective Sergeant Amanda Stevens und Police Constable Barry Footer, vermutet, dass Clayton Selbstmord begangen hat. Der Küstenabschnitt am Beachy Head und den Seven Sisters zieht immer wieder suizidgefährdete Menschen an. Pat und ihr Nachbar und Freund Prichard Knowles glauben nicht an diese Theorie. Für sie ist Henry ermordet worden. Sie beginnen zu ermitteln. Dabei geraten unterschiedliche Personen, allen voran Henrys Freund Derek, in den Fokus ihrer Nachforschungen.

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Janina Ukena: Illusion: A Lie Worth Believing

Ein faszinierendes Las-Vegas-Szenario und eine starke Grundidee, die mich am Ende leider emotional nicht erreichen konnten.

Worum geht es?

Für die junge Sängerin Stella geht ein Traum in Erfüllung: Sie darf Teil der legendären „Show Illusion“ in Las Vegas werden. Doch hinter den glitzernden Kulissen der magischen Performance lauern dunkle Geheimnisse. Stellas Vorgängerin Fia ist nach einem mysteriösen Unfall spurlos verschwunden. Zudem ist Levin, der charismatische Kopf und Illusionist der Show, ebenso faszinierend wie undurchsichtig. Erzählt aus den wechselnden Perspektiven von Stella und Levin entfaltet sich ein gefährliches Spiel, bei dem die Grenzen zwischen Realität und Täuschung verschwimmen. Eine künstliche Intelligenz (KI) spielt dabei eine tragende Rolle.

Meine Meinung

Das Setting einer großen Illusions-Show in Las Vegas hat mir als Grundidee unglaublich gut gefallen. Auch der Einstieg fiel mir leicht: Der fast schon poetische Schreibstil hat mich anfangs direkt abgeholt und fasziniert. Leider hielt diese Begeisterung nicht lange an.

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Sam Hughes: Wir haben keine Antimemetik Abteilung

Was wäre, wenn … – eine Frage, die die Menschheit beschäftigt, seit der erste Primat begann, Intelligenz zu entwickeln.

Was wäre, wenn es da draußen anderes, intelligentes Leben gäbe?

Was wäre, wenn es auf der Erde einst Hochzivilisationen gegeben hätte?

Was wäre, wenn das, was wir wahrnehmen, nur einen Bruchteil einer viel größeren Vielfalt auf unserem Heimatplaneten darstellte?

Doch all diese durchaus vorstellbaren Fragen reichen nicht weit genug – sonst gäbe es keine Antimemetik-Abteilungen. Denn zwischen Himmel und Erde existiert weit mehr, als wir wahrnehmen können oder wollen.

Dinge, Ideen, Konzepte von solcher Größe und Fremdheit, dass sie dem menschlichen Begreifen grundsätzlich entzogen bleiben. Vergessene Kriege gegen andere Wesenheiten. Niederlagen, an die sich niemand erinnern kann.

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Charlotte von Feyerabend: Die Liga der sagenhaften Frauenzimmer: Der Auftakt

Ein etwas anderer Roman als man es so gewöhnt ist. Amüsant, unterhaltsam, interessant und historisch gut eingebettet. Erzählt wird von „Ihrer Chronistin“, wie sie immer wieder gerne unterzeichnet. Also eher von außen, und doch münden ihre Anmerkungen und politischen Einordnungen, die zu Beginn jeder Episode (Kapitel gibt’s hier nicht) stehen, immer direkt in einem der damaligen Salons oder bei einer Festivität, bei der die Männer über Politik, den König und die Weltlage diskutiert haben, die Frauen in der Regel als „schöne Staffage“ gesehen wurden.

Wir befinden uns zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Westphalen, zur Zeit König Jérôme Bonapartes, auch genannt König Lustik, dem jüngsten Bruder Napoleons. Frauen hatten damals keine Rechte und waren komplett abhängig vom Ehemann, Vater oder Bruder als Familienvorstand. Und wir befinden uns in „der besseren Gesellschaft“. Im Mittelpunkt des Romans stehen so bekannte Frauen wie Bettina von Arnim, Annette von Droste-Hülshoff und ihre Schwester Jenny, Ludowine von Haxthausen oder Karoline von Günderode. Von ihnen allen hat man sicher schon gehört und wohl auch gelesen, aber in der Reihe der frühen Feministinnen sieht man sie wohl eher nicht unbedingt.

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Maja Lunde: Für immer

Zum Inhalt

Ein weltweiter Ausnahmezustand: kein Mensch kann mehr sterben, Krankheiten sind eingefroren und Geburten ausgesetzt. Bringt dieser Zustand auf den ersten Blick viele Vorteile mit sich, zeigen sich im Laufe der Zeit jedoch auch die vielfältigen sozialen, psychologischen, wirtschaftlichen, biologischen Nachteile, mit denen jeder Protagonist und jede Protagonistin hadert.

Rezension

Mit „Für immer“ öffnet Maja Lunde ein interessantes Gedankenspiel. Um dem Leser die gesamte Tragweite dieser Überlegung zu vermitteln, werden verschiedene Hauptprotagonisten in der Erzählung „begleitet“. Insgesamt wird das Leben der Figuren langsam erzählt, erst nach und nach entfaltet sich das eigentliche Hauptthema des Buches. Mit dieser langsamen Erzählweise kann der Leser besonders gut in die Lebensrealität der Figuren eintauchen, mit ihnen fühlen und die Situation miterleben.

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Freida McFadden: Häftling: Nur er weiß warum du hier bist

Brooke Sullivan kehrt nach Jahren wieder in ihre alte Heimat zurück und beginnt eine neue Stelle als Pflegekraft in einem Hochsicherheitsgefängnis. Sie weiß, dass sie dort einen Menschen aus ihrer Vergangenheit treffen wird: Shane, der wegen ihr im Gefängnis sitzt. Er ist nicht nur der Vater ihres Sohnes, sondern wollte sie damals in dieser schrecklichen Nacht umbringen – genauso wie er es bei drei weiteren Menschen, die zu dem Zeitpunkt bei ihm zu Hause waren, geschafft hatte…

Die Geschichte ist so unglaubwürdig und hat an manchen Stellen gefühlt gar keinen Zusammenhang mehr.

Auf den 338 Seiten des Buches passiert relativ wenig, und das Einzige, was mich wirklich überzeugen konnte, waren die Passagen, die aus der Vergangenheit erzählten. Ansonsten lebt die Geschichte von zu vielen Dialogen, wodurch quasi gar keine Spannung entsteht. Es gibt ein ständiges Hin und Her: Mal verdächtigt Brooke ihren damaligen besten Freund, mal Shane und dann wieder andersherum. Stets wird wiederholt, wie der Täter Brooke umbringen wollte – irgendwann weiß man es dann auch. Es ist nicht sehr einfallsreich, die Seiten so zu füllen.

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