„Das Zelthaus verlor seine Spannung, zurück blieb ein ockergelbes Stoffgewand, darunter das Stangengerüst. Haut und Knochen.“
So fühlt sich auch Friederike, die 11-jährige Protagonistin des neuen Romans der Münchner Autorin Sandra Hoffmann. Als sei nur noch ein Gerippe übrig von ihr, ihrem Vater, ihrer Familie. Vor ein paar Tagen hat ihre Mutter zusammen mit dem geliebten kleinen Bruder den gemeinsamen Urlaubsort, den Campingplatz an der Adriaküste, ohne Erklärung verlassen und ist nicht mehr zurückgekehrt. Jetzt entscheidet der Vater, das Warten aufzugeben und nach Hause zu fahren. Minutiös schildert die Autorin, wie Vater und Tochter das eigentlich Unmögliche tun: das Zelt abbauen, sich beim vertrauten Campingplatzbesitzer das überzählige Geld abholen, an üblicher Stelle im Ort halten, um noch etwas zu essen vor der langen Heimfahrt – ohne die andere Hälfte der Familie. Jeder Handgriff ist vom Scheitern bedroht. Mitleidige Blicke der Zeltnachbarn, Männer, die dem Mädchen über die Haare streichen, Essen, das im Hals stecken bleibt. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Ein Gewalteinbruch. Der Vater beschließt, Oma, Nachbarn, Schule einen Bären aufzubinden. Wovon man nicht sprechen kann, darüber soll geschwiegen werden.
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