Theresa & Joseph Prammer: Das Hotel am Rande des Zusammenbruchs

Zum Inhalt

Das Schauspieler-Ehepaar Theresa und Joseph Prammer hat aus ihrem erfolgreichen Theaterstück „Das Hotel am Rande des Zusammenbruchs“ einen Roman gemacht. In der Kriminal-Komödie geht es um das marode Wellnesshotel „Perfekt“. Es liegt in schönster Lage, bietet zahlreiche Wellness-Angebote, besteht aus eingeschworenen Hausangestellten und ist völlig marode. Die gesamte Hoffnung liegt auf einem Investor, der als Inkognito-Gast eincheckt. Doch während man rätselt, welcher der wenigen Gäste der Investor ist, stürzt der Hotelinhaber plötzlich aus dem Fenster – mit tödlichem Ausgang. Zum Glück hat er einen Zwillingsbruder…
Was als wahnwitzige Verwechslungskomödie beginnt, nimmt schnell rasant Fahrt auf und verselbstständigt sich. Schon bald wissen die Angestellten selbst nicht mehr, wer von den Anwesenden im Hotel authentisch ist und wer nur eine Rolle spielt.

Rezension

Aus der Sicht verschiedener Figuren werden die Geschehnisse geschildert. Diese Technik haben Theresa und Joseph Prammer meisterhaft umgesetzt: Die einzelnen Bruchstücke ergänzen sich wunderbar, geben dem Leser ein umfassendes Bild der Geschichte und Einblicke hinter „die Kulissen“ jedes Charakters. Dadurch kommt auch die Spannung zustande. Während des Lesens verfolgt man mit großem Vergnügen, welche Figur welche Interessen, Ziele und Kontakte hat. Durch die Perspektivwechsel werden auch die Tiefen der Charaktere besonders gut hervorgehoben.
Es gibt immer wieder neue unerwartete Wendungen – bis zur letzten Seite, wodurch die Handlung völlig unvorhersehbar wird. Ein Genuss beim Lesen! Damit hebt sich „Das Hotel am Rande des Zusammenbruchs“ deutlich aus der Masse an Kriminalromanen hervor.

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Alexandria Bellefleur: Written in the Stars

Elle ist Astrologin, glaubt an Seelenverwandtschaft und sucht nach der großen Liebe – stattdessen trifft sie auf Darcy, diese arbeitet in der Versicherungsstatistik, glaubt ganz sicher nicht an höhere kosmische Zusammenhänge und will eigentlich gar nicht auf diesem Date mit Elle sein, zu dem ihr Bruder sie gezwungen hat. Es kommt, wie es kommen muss, wenn zwei Welten aufeinanderprallen: Das Date ist ein Desaster. Elle verschüttet den teuren Wein über Darcys Lieblingskleid und hört sie kurz darauf verletzende Sachen über sie am Telefon sagen. Also eindeutig nicht die große Liebe.

Um Ruhe vor ihren Familien zu haben, treffen die beiden dennoch die vielleicht nicht ganz durchdachte Entscheidung, eine Beziehung vorzutäuschen – und merken schnell, dass Gefühle sich nicht planen lassen.

Die Fake-Dating Geschichte ist vielleicht irgendwann auserzählt, Alexandria Bellefleur nutzt die Grundlage aber mit derart viel Witz und Gefühl, dass man beim Lesen direkt vergisst, dass es so etwas Ähnliches schon einmal gab. Dadurch, dass sie das Konzept außerdem in einen queeren Kontext einbaut, wird das Buch unbedingt lesenswert! Die Charaktere sind liebenswert, tiefgängig ausgearbeitet und bereiten einfach viel Freude.

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Heinz Strunk: Memories of Heidelberg

Heinz Strunk versteht es in seinen Büchern scheinbar ganz locker, Tragik in Komik zu verwandeln. Seine Erzählweise ist oft deftig, manchmal heftig, seine Milieu- und Charakterstudien lesen sich treffsicher und stimmig. Genau das erwarten seine Leser und werden so gut wie nie enttäuscht.

Bereits Heinz Strunks erster Roman „Fleisch ist mein Gemüse“ aus dem Jahr 2004 wurde ein Erfolg. Seither hat er 16 weitere Bücher veröffentlicht.

Im Leselust-Portal sind folgende Rezensionen seiner Bücher zu finden: Kein Geld Kein Glück Kein Sprit (2025), Zauberberg 2 (2024), Ein Sommer in Niendorf (2022), Es ist immer so schön mit dir (2021), Jürgen (2017), Der Goldene Handschuh (2016).

Nun aber zu Strunks aktuellem Buch „Memories of Heidelberg“, in dem ein Ehepaar anstatt einer entspannten Woche in der Neckarstadt ein bitteres Desaster durchlebt.

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Imani Thompson: Honey

„Honey“, der Debütroman von Imani Thompson, ist ein verstörendes und faszinierendes Buch zwischen Campusroman und psychologischem Thriller. Im Zentrum steht die Doktorandin Yrsa, deren Leben von Frustration und unterschwelliger Wut geprägt ist – bis diese Wut eine radikale, gewaltsame Form annimmt.

Der Auslöser wirkt zunächst fast absurd: Ein Professor stirbt an einem Bienenstich, den Yrsa zumindest indirekt verursacht hat. Was als Unfall beginnt, wird schnell zu einer Reihe gezielter Morde. Yrsa findet in der Gewalt ein Gefühl von Kontrolle, das ihr im akademischen Alltag fehlt. Gleichzeitig schreibt sie an ihrer Doktorarbeit über schwarze feministische Theorie.

Thompson verbindet diese beiden Ebenen eindrucksvoll. Der Roman wechselt zwischen dichten, nachdenklichen Passagen und einem schnellen, manchmal sprunghaften Erzähltempo. Das macht den Reiz des Buches aus, verlangt dem Leser aber auch einiges ab.

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Caro Claire Burke: Yesteryear

Zwischen Tradition und Illusion …

Manchmal wird mir fast schlecht, wenn ich darüber nachdenke, wie erfüllend – nein, wie perfekt mein Leben ist und wie gut mir alles gelingt.

Natalie Heller Mills spaltet die Gemüter, wenn Millionen von Menschen auf Instagram verfolgen, wie Natalie genau das Leben lebt, das sie sich immer erträumt hat: inmitten einer weitläufigen Berglandschaft kümmert sie sich hingebungsvoll um ihre stetig wachsende Kinderschar, bestellt leichtfüßig Haus und Hof der Selbstversorger-Farm und genießt in stiller Ergebenheit die liebevollen Aufmerksamkeiten ihres umwerfenden Vorzeigeehemanns.
Doch eines Morgens erwacht Natalie auf einer Anno 1855-Version ihrer Farm. Wie kann das möglich sein und wie soll sie ihre haus- und ehefraulichen Pflichten ohne Kontakt zur Außenwelt, ohne Angestellte und ohne die vor den Kameras verborgenen Hightech-Geräte erfüllen?

Auf den ersten Seiten wirkt Natalies Erzählung auf so überzogene Art überzuckert, dass ich mich fragte, ob sie das wirklich ernst meinen könne. So dauert es auch nicht lange, bis ein Blick hinter die Kulissen die inszenierte Nostalgie-Sehnsucht als das entlarvt, was sie ist: eine Inszenierung. Statt Naturverbundenheit, Romantik und Entschleunigung sehen wir Ausbeutung von geheimen Hilfsarbeitskräften und inkompetenten Nannys, eine zerrüttete Ehe und einen Strudel aus religiösem Wahn, politischem Kalkül und selbstgerechter Verbitterung.

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Christine Paxmann, Cornelis Jettke: Was Kacke alles kann: Warum ein Häufchen mehr ist als stinkender Abfall

Auch wenn man es in der Regel ja eher vermeidet, über „Kacke“ oder „Sch…“ zu reden, hier wird’s zum Thema. Es geht „um die Wurst“ und darum, dass dieser Abfall, den unser Körper täglich produziert, weil er ihn nicht braucht, durchaus nützliche Aspekte hat und in der Geschichte der Menschheit durchaus eine Rolle gespielt hat. Zum Beispiel, um Ofen oder Herd zu heizen, Häuser abzudichten oder auf andere Art weiterverwertet zu werden.

Insgesamt 24 Kapitel widmen sich dem, was „mehr ist als stinkender Abfall“. Der Blick in die Geschichte führt unter anderem von den Abortgruben, die oft neben den Brunnen lagen, weshalb das Wasser häufig verseucht war und es zu schlimmen Krankheiten und Epidemien gekommen ist, zur Geschichte der Kanalisation und damit der Verbesserung der Hygiene und Gesundheit bis zur Raumfahrt, zum Klimawandel und dem, was jeder Einzelne tun kann, um „jeden Tag ein bisschen die Welt zu retten“.

Ein liebevoll getextetes Kinder-Sachbuch, das mit sehr schön gestalteten Illustrationen veranschaulicht, worum es im jeweiligen Kapitel geht. Das macht es Kindern leichter, den kurz gehaltenen Texten zu folgen, aber auch den Erwachsenen einfacher, Kindern, die noch nicht selbst sicher lesen können, zu erklären, worum es jeweils geht. Das Buch richtet sich an Kinder ab 8 Jahren, ist aber durchaus auch für Erwachsene interessant. Vom Mittelalter bis zur Raumfahrt-Technologie werden die unterschiedlichsten Aspekte und Themen angesprochen und erklärt, Zusammenhänge verdeutlicht und erläutert. Begriffe, die sich vielleicht nicht gleich erschließen, werden am Ende des Buches in einem ausführlichen Glossar noch einmal aufgegriffen.

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Tracey Rose Peyton: Um uns nur Dunkelheit

Packender Roman um ein schreckliches Kapitel der amerikanischen Geschichte – ungewöhnlich erzählt

Was für ein nachhallender Roman, was für eindringliche Figuren und welch ein interessanter Erzählstil. Dieses Buch bleibt in Erinnerung, es erschüttert, macht wütend und sehr, sehr traurig.

Im Mittelpunkt stehen sechs Frauen, Sklavinnen auf einer Baumwollfarm in Texas im Jahr 1852.

Serah, Alice, Junie, Patience, Nan und Lulu, die in elenden Hütten wohnen, kaum mehr als das, was sie am Leib tragen als Besitz haben dürfen, die bei größter Hitze, Sturm oder Kälte im Baumwollfeld oder wie Nan im Haus arbeiten müssen. Dass niemand auf ihre Gefühle und Befindlichkeiten Rücksicht nimmt, muss da kaum erwähnt werden. Sklav:innen werden gekauft und verkauft wie Möbelstücke, Kinder von ihren Eltern, Mütter von ihren Kindern, Frauen von ihren Männern getrennt, sehen diese vielleicht niemals wieder, wissen nichts über ihr Schicksal.

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Emelie Schepp: Julimord

Eigentlich hat Maia Bohm schon privat genug auszuhalten, da muss eigentlich nicht gleich am ersten Tag im neuen Job in Motala, wo sie sich hat hin versetzen lassen, ein Fall auf sie einstürmen, die sie mehr in Beschlag nimmt, als ihr guttut.

Der Grund für ihre Versetzung war die schwere Krankheit ihres Sohnes. Der 13-jährige Tim braucht ein Spenderherz und soll, bis es einen geeigneten Spender gibt, in der Klinik behandelt werden. Maia ist mit Tim und seiner Schwester Ella deshalb nach Motala gezogen, wohnt wieder bei ihrer Mutter und ist alles andere als glücklich mit dieser Lösung, zumal sie sich dauernd anhören muss, dass sie nicht genug Zeit für Tim übrig hat. Doch der Fall Johan Sundin lässt Maia und ihrem Kollegen Greg kaum mal Zeit, Luft zu holen. Maia kämpft an allen Fronten. Tagsüber versucht sie, gemeinsam mit Greg, zu ergründen, wie es zu dem Überfall auf Johan Sundin kommen konnte, der schwerstverletzt im Koma liegt und wer ihm das angetan haben könnte. Oder ob es vielleicht sogar ein versuchter Selbstmord war? Die Nächte verbringt Maia am Krankenbett von Tim, während ihre Mutter sich um Ella kümmert. Eigentlich ist alles zu viel, aber Maia hat keine Wahl.

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Sofia Montrone: Der Tag war schön und ich dachte an dich

Der Originaltitel des Romandebüts der Autorin Sofia Montrone lautet Nymph(e). Ihre Geschichte beginnt mit der heranwachsenden Leo, deren Vater ein amerikanischer Gelehrter ist und ihre Mutter eine unter Depressionen leidende Italienerin. Den Sommer verbringt die Familie in Süditalien im familiengeführten Hotel, zu dem Ländereien und Tiere gehören.

Für Leo und ihren jüngeren Bruder Max könnte es das pure Paradies sein. Wenn Leo ihre kindliche Perspektive behielte, hätte Max wiederum ungetrübte Spielerlebnisse. Doch den Verlauf der Natur kann Leo nicht aufhalten. Hormone durchfluten ihren Körper, und sie beginnt sich neu wahrzunehmen.

Auch ihr Vater nimmt sie anders wahr. Seine Gespräche mit Leo über Odysseus‘ Abenteuer erklären ihr die Rolle des Vaters, des abtrünnigen Abenteurers und Kriegers neu.

Sofia Montrone kommt aus Los Angeles und war Chefredakteurin der Columbia Review. Heute lebt sie in New York. Sie unterrichtet kreatives Schreiben an der Columbia University.

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Daniela Drescher: Aquamarinchen

Aquamarinchen, das ist eine Meerjungfrau, die gemeinsam mit ihrem Freund, dem Seehund Homer, unter und über Wasser in zauberhafte Welten entführt. Seepferdchen, ein Oktopus, eine  Schildkröte und ein Wal kreuzen ihre Wege, am Ende ist es bei funkelndem Sternenglanz, der sich auf den Wellen des Meeres bricht, Zeit, schlafen zu gehen.

Empfohlen ab 2 Jahren ist es eine wunderschön gestaltete Gutenachtgeschichte; die für Dreschers Stil minimalistisch und dennoch lebhaft gehaltenen Bilder lassen sich aber auch alleine durchblättern, die dickeren Pappseiten ideal für neugierige Kinderhände. Es ist genau richtig viel los, um für einen Bilderbuchanfänger nicht überfordernd und gleichzeitig detailreich und spannend zu sein.

Die Illustrationen sind ruhig, liebevoll und wie immer bei Drescher ein wenig magisch. Die beruhigenden Blautöne haben sich selbst auf mich als Erwachsene positiv ausgewirkt (sicher auch aufgrund der kühlenden Farben in der aktuellen Hitzewelle); als Kind hätte ich, dessen Lieblingstiere unangefochten bis heute Seehunde sind, das Buch geliebt!

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