Markus Orths Sarah Garbers: King Karnickel: Die Suche nach dem Druftenschaf

King Karnickel, der 27. seiner Art, ist ein ganz besonderer König: Ein Kaninchen-König eben, mit langen Ohren, klein und pfiffig, und Herrscher über das Land Vergissmeinnicht. Warum das Land so heißt, hat er leider vergessen, aber das ist nicht weiter schlimm – er kennt eigentlich weder sein Land noch seine Untertanen. Er nimmt aber mal an, dass er welche hat.

Eigentlich heißt er auch nicht King Karnickel, sondern hat eine ganze Menge sonderbarer Vornamen, die sich kein Mensch merken kann. Deshalb heißt er einfach „King Karnickel“. Er lebt mit seinem Butler Lothar, einem Kuschelhuhn, in seinem wunderbaren Schloss und hat nicht viel zu tun, wie er selbst sagt. Jeden Morgen muss er seinen Butler wecken, sie machen gemeinsam das immer gleiche Frühstück und regieren ein paar Minuten. Das bedeutet, dass sie feststellen, sich in keinem Krieg zu befinden und dass die Untertanen wohl glücklich sind. Danach haben sie Zeit zu spielen – in einem riesigen Spielzimmer, jeden Tag mit anderen Spielsachen, bis sie eines Tages kein neues Spielzeug mehr haben.

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Stephan Thome: Besser als nie

Der deutsche Schriftsteller Stephan Thome wurde 1972 im hessischen Biedenkopf geboren. Heute lebt und arbeitet er in Taipeh (Taiwan).
2009 erschien sein Romandebüt „Grenzgang“ über das real existierende Heimatfest in seiner Geburtsstadt Biedenkopf, die in dem Buch „Bergenstadt“ heißt. Der „Grenzgang“ ist ein jahrhundertealtes Ritual, bei dem ursprünglich die Stadtgrenzen von Biedenkopf kontrolliert wurden.
Der Roman „Grenzgang“ wurde 2013 unter der Regie von Brigitte Maria Bertele verfilmt und gewann den Grimme-Preis. Die Hauptfiguren Thomas Weidmann und Kerstin Werner wurden in dem Film von Lars Eidinger und Claudia Michelsen gespielt.
Am 21. Juli 2026 erschien der neue Roman von Stephan Thome „Besser als nie“ im Suhrkamp Verlag.

Endlich ist wieder „Grenzgang“ in Bergenstadt

Stephan Thome führt die Lesenden von „Besser als nie“ nach siebzehn Jahren wieder an den Schauplatz seines ersten Romans nach Bergenstadt, wo nach neunjähriger (statt siebenjähriger) Pause wegen der Corona-Pandemie endlich wieder der traditionelle „Grenzgang“ stattfinden soll.
Und plötzlich steht die Tradition des Festes in der Diskussion: Linda Preiss, die Schulsozialarbeiterin, hat angeboten, als Reiterin beim Aufmarsch der Gesellschaften auszuhelfen. Und das in der absoluten Männerdomäne. Und dann ist da noch die Figur des „Mohren“, die von den Medien kritisch beleuchtet wird. 

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Arno Geiger: Reise nach Laredo

Karl V., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und König Spaniens, trat 1556 von allen Ämtern zurück und vergrub sich, schwerkrank, fettleibig bis zur Bewegungsunfähigkeit, im Kloster Yuste in der Extremadura. Soweit der historische Hintergrund.

Geigers Erzählung beginnt 1558. Karl ist mürrisch, seiner vielköpfigen Dienerschaft überdrüssig, langweilt sich zu Tode und fragt sich, was er eigentlich noch darstellt. Er war einer der mächtigsten Herrscher der Geschichte, aber was hat er erreicht in einer Zeit der großen Umwälzungen? Eines Tages begibt er sich aus einer Laune heraus mit dem elfjährigen Geronimo, einem unehelichen Sohn (der das allerdings nicht weiß), auf eine Reise ins nordspanische Laredo.

Was dann folgt, ist vieles: Historienroman, Geigers Version des Don Quichotte (Geronimo reitet ein Pferd, Karl einen Maulesel), eine Abenteuergeschichte, eine Road Novel, ein philosophisches Gedankenspiel. Und wie sich später herausstellt: ein Fiebertraum. Der alte Kaiser schießt und rauft, frisst und säuft und verspielt sein ganzes Geld. Er rettet nicht nur Honza und Angelita, zwei Cagots, vor einem blutdürstigen Mob, die dann zu seinen Weggefährten werden (Cagots waren jahrhundertelang eine verfolgte, diskriminierte Minderheit; Karl selbst hatte in seiner Regierungszeit die Gesetze zur Benachteiligung der Cagots abgeschafft). Sie befreien sogar einen waschechten Greifen, ein Fabelwesen, das Karl in Wirklichkeit nur auf einem Wandteppich im Kloster sieht.

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Kim Nina Ocker: Masked by Nightfall

Um ihre Familie zu retten, tritt Elodie zur gefürchteten Auslese an – einem Trainingslager, das nur die besten Anwärter überstehen. Danach dienen sie als Schattensoldaten. Eine riskante Aufgabe, da an der Grenze zum Reich der gefallenen Götter regelmäßig Menschen verschwinden. Um es so weit zu schaffen, will Elodie unsichtbar bleiben und nicht zur Zielscheibe werden. Doch ausgerechnet Jax, ein ebenso gefährlicher wie faszinierender Anwärter, wird ihr als Partner zugeteilt. Sie weiß nicht, ob sie ihm vertrauen kann, aber so sehr sie es auch versucht, sie kann ihn nicht auf Abstand halten. Und wenn sie Hilfe von ihm braucht, dann ist er da. Schließlich kämpfen sie gemeinsam ums Überleben – während zwischen ihnen eine Anziehung wächst, die alles zerstören könnte. Denn Elodie verbirgt ein Geheimnis, von dem niemand erfahren darf.

Der Einstieg in diese Geschichte fiel mir zunächst etwas schwer. Es brauchte etwas mehr als 100 Seiten, bis ich wirklich in der Welt angekommen war. Doch als der Funke erst einmal übergesprungen war, entwickelte sich das Buch zu einem wahren Pageturner. Ich konnte den Roman kaum aus der Hand legen und die Geschichte hat mich gedanklich nicht so schnell losgelassen.

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Liv Helland: Die Schloss-Schwestern: Strandhaferkuss

Drei Monate lang haben Ebba, Levke und Marie, die drei Jensen-Schwestern, Zeit, sich zu überlegen, ob sie das Erbe ihres Großvaters, das Wasserschloss Süderholt, annehmen wollen und in Zukunft dort auch leben. Bis zu ihrer endgültigen Entscheidung müssen sie allerdings, das ist die Bedingung von Großvater Jörn, die drei Monate dort gemeinsam verbringen. Die drei Schwestern stehen vor einer großen Herausforderung. Ebba muss ihren gutdotierten Job bei einer Bank in Boston auf Eis legen, was ihrem Chef nicht so gut gefällt, und mit ihrer achtjährigen Tochter an die Ostsee ziehen – erstmal für drei Monate. Marie muss ihr Weltenbummlerdasein unterbrechen oder auch aufgeben, einzig Levke ist ganz froh, rauszukommen. Sie hat gerade ihren Job in einer Eventagentur verloren, völlig ungerechtfertigt zwar, aber dennoch. Und außerdem ist damit auch die Beziehung zu ihrem Partner in die Brüche gegangen. Levke könnte sich vorstellen, eine eigene Agentur zu gründen und das Schloss in Zukunft als Veranstaltungsort zu nutzen. Doch das ist mit einer Reihe von Auflagen verbunden, die einiges an Geld kosten. Das will erstmal finanziert sein. Aber Levke gibt nicht auf, sie will ihren Traum leben und hofft auf die Unterstützung durch ihre Schwestern und Freunde. Alle drei fühlen sich wider Erwarten auf Süderholt wieder heimisch und sind gerne zurück.

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Leodora Darlington: The Exes

„Auch wenn sich mein Männergeschmack allmählich verbessert, habe ich doch noch viel an mir zu arbeiten. Zu viel, als dass ich mir erlauben dürfte, einer neuen Person nahezukommen.“

Keine Fragen über die Vergangenheit stellen – nur unter dieser Voraussetzung kann sich Natalie zögerlich auf die Liebesbeziehung mit ihrem Chef James einlassen. Endlich scheint ihre Suche nach dem Richtigen erfolgreich gewesen zu sein, denn anders als seine Vorgänger ist James rücksichtsvoll und kultiviert. Das leise Gespür von Gefahr in seiner Gegenwart schiebt sie beiseite. Dann jedoch bringt James Natalie um ihr Erspartes und es tauchen alte Briefe von Natalie an ihre drei Ex-Freunde auf, die nach der Trennung einen baldigen Tod fanden. Natalie ist gezwungen, sich mit Geschehnissen auseinanderzusetzen, die sie für immer vergessen wollte. Das gegenseitige Misstrauen wächst. Doch wer von beiden ist hier das Monster?

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Tony Tulathimutte: Fiasko

Der Originaltitel dieser Kurzgeschichtensammlung lautet: Rejection – Ablehnung, Zurückweisung. Und genau darum geht es in den Texten. Um einsame, verzweifelt nach Nähe, Aufmerksamkeit, Zuwendung und Liebe suchende 20–30-Jährige. Doch alle Versuche enden in einem Fiasko (insofern ist auch der deutsche Titel treffend gewählt).

Mit der einleitenden Geschichte, Der Feminist, machte Tulathimutte bereits 2019 auf sich aufmerksam. Zu Recht, denn sie ist, was Aufbau, Stil und Charakterisierung angeht, die eindeutig überzeugendste. Erzählt wird die Entwicklung eines jungen Mannes zum Incel, zum radikalen Frauenhasser. Sein Feminismus, geboren aus der Hoffnung auf Zuneigung und Sex, bleibt erfolglos. Als Gesprächspartner akzeptiert, als Lover abgelehnt, radikalisiert er sich im Internet.

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Eva Menasse: Alleinruhelage

Ein Wochenendhaus am See in Deutschlands Osten wird das neue Zuhause der Patchworkfamilie. Doch schon bald zeigt sich, dass die Idylle trügerisch ist: Das Haus erweist sich als nicht enden wollende Baustelle, im See macht sich zur besten Badesaison eine Blaualgenplage breit und die Bewohner der umliegenden Datschensiedlung sind mehr misstrauisch als nett.

Dann löst sich das Familienidyll in Luft auf. Längst ist nichts mehr wie es war, nichts ist übrig geblieben von der einstigen großen Liebe: „Nur Gift suppt in unsere Seelen“ (eBook S. 14). Viel zu lange schon ist das Haus bereits wieder unbewohnt. Jetzt erscheint es maroder denn je und im Garten hat sich ein wahrer Dschungel ausgebreitet. Trotz aller schöner Erinnerungen (das Leben als Familie mit den Kindern und schöne Stunden mit Freunden) ist nun der Zeitpunkt für einen Neuanfang gekommen.
Das Haus muss weg. Dann kann sich alles verändern. Doch der desolate Zustand verhindert einen schnellen Verkauf. Irgendwie muss dennoch so schnell wie möglich alles auf Vordermann gebracht werden.

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Josy Greifenberg: Cheer to the Top

Darum geht es:

LJ hat alles auf eine Karte gesetzt. Ein einziger Fehler und er wird verlieren. Nicht nur seine eigene Zukunft, sondern auch die seiner Familie. Als er auf die talentierte Elaina trifft, erkennt er ihr Potenzial sofort. Auf der Matte sind die beiden als Stunt-Partner wie füreinander geschaffen: Jede Figur sitzt perfekt und die spürbare Anziehung zwischen ihnen bringt die Luft zum Brennen. Doch dieses mühsam aufgebaute Glück steht auf wackeligem Boden. Wenn Elainas große Lebenslüge ans Licht kommt, droht alles augenblicklich zu zerbrechen …

Im Zentrum der Handlung stehen Elaina und LJ. Die beiden verbindet schnell weit mehr als nur der Sport – sie arbeiten auch auf persönlicher Ebene eng zusammen. Besonders stark fand ich, wie wichtig beide Figuren für die Dynamik der Geschichte sind und wie glaubwürdig sie sich im Laufe der Handlung weiterentwickeln.

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Gabriela Kasperski: Tödlicher Rheinfall: Ein Fall für Libby Andersch

Wo Libby Andersch ist, ist bestimmt auch was im Schwange. Oder umgekehrt: Wo was passiert ist, ist Libby, die pfiffige Rentnerin, nicht weit. Diesmal schließt sie sich einem Klassenausflug ihres so genannten Zieh-Enkels Noah an und reist nach Diessenhofen, wo sie mit ihrem Chor einen Auftritt im ehemaligen Katharinenkloster hat. Diese kleine Reise verbindet sie mit einem Ausflug zum Rheinfall, wo sie zuletzt vor vielen Jahren gewesen ist.

Bei einer Rundfahrt lernt sie die junge Schottin Alison Luke kennen, die zufällig auch in der gleichen Pension wie Libby abgestiegen ist. Mit ihr verabredet sie sich für einen Karaoke-Abend in einer kleinen Bar im recht überschaubaren Ort, von dessen einstigem Glanz nicht mehr viel zu spüren ist. Hotels geschlossen, verwahrlost, Geschäfte gibt es keine mehr, lediglich die kleine, gemütliche Pension bietet Touristen Unterkunft. Libby und Alison verbringen einen netten Abend zusammen, den sie auf dem Zimmer mit einem guten Gespräch und einem Absacker beenden. Bei diesem Gespräch erzählt Alison, dass sie gar nicht nur als Touristin unterwegs ist, sondern weil ihre schottische Großmutter ihr Besitz am Rhein vermacht hat. Am nächsten Morgen ist nicht nur Alison verschwunden, auch der Besitzer der Bar wird tot aufgefunden. Angeblich Selbstmord. Libby, die sich auch mit Willy, dem Barbesitzer, unterhalten hatte, kann sich nicht vorstellen, dass er sich das Leben genommen haben soll.

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