Der Glaube an den Fortschritt und sich selbst, daran, dass man etwas erreichen kann, wenn man nicht aufgibt. Dass man große Träume verwirklichen kann. Der stetige Kampf gegen die Dominanz der Männer in der Gesellschaft, die Rückschläge, die Frauen immer wieder hinnehmen mussten, die alltäglichen Probleme, die es so schwer machten, den Glauben an sich selbst und eben sich selbst nicht aufzugeben. Das sind die Themen, die hier in diesem historischen Roman um vier junge Frauen, die jeden Tag kämpfen müssen, um ihre Wohnung bezahlen zu können, sich in ihrem Job zu beweisen und dabei nicht vergessen, dass sie Träume haben, die sie verwirklichen wollen, behandelt werden. Christine und ihre Freundinnen Julia, Lotta und Amalie stehen im Mittelpunkt dieses historischen Romans, der Fakten und Fiktionen gekonnt und spannend zu einer Geschichte spinnt, die uns an den Anfang des 20. Jahrhunderts nach Dresden führt.
WeiterlesenRichard Price: Lazarus Man
Zu Beginn versucht ein Mann in einer Bar in East Harlem, New York, mit einer Frau anzubändeln, was ihm misslingt, nicht nur, weil er zu durchsichtige Lügengeschichten erzählt.
Dann kollabiert ein fünfstöckiges Mietshaus und reißt die Nachbarschaft aus dem Schlaf; sechs Menschen sterben, weitere werden vermisst. Das Unglück verändert das Leben im Viertel und insbesondere das Leben vier seiner Bewohner.
Felix Pearls Alltag besteht darin, sein Viertel zu filmen und Fotos zu machen, willkürlich und zufällig. Warum, kann er selbst nicht genau sagen. Momentan verdient er ein paar Dollar mit Aufnahmen für das Grünflächenamt.
WeiterlesenV.V. Ganeshananthan: Der brennende Garten
Von 1983 bis 2009 wurde Sri Lanka von einem Bürgerkrieg gebeutelt. All das damit verbundene Leid schildert V. V. Ganeshananthan schonungslos ehrlich und menschlich zugleich aus den Augen einer Frau. Für diesen Roman wurde die Autorin 2024 unter anderem mit dem „Woman’s Prize for Fiction“ ausgezeichnet. Ein Buch, das von der ersten bis zur letzten Seite tief berührt. Und das erschreckende Parallelen zu heutigen Konflikten und (Bürger-)Kriegen aufkommen lässt.
Sashi ist 16 Jahre alt, lebt mit ihren Eltern und den vier Brüdern in Jaffna, einer Stadt in Sri Lanka. Sie gehört zur Bevölkerungsgruppe der Tamilen, die hauptsächlich im Norden und Osten der Insel ansässig ist. Die Tamilen bilden eine Minderheit im Vergleich zu den Singhalesen, welche 75 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Sie wollen ihren eigenen Staat, es brodelt unter der Oberfläche. Doch Sashi beschäftigt sich mit alltäglichen Dingen. Verliebt in ihren klugen Nachbarsjungen, möchte sie Medizin studieren. Dass die Bibliothek von Jaffna nach Ausschreitungen von der singhalesischen Polizei niedergebrannt wird, zeichnet sich bereits als böses Omen ab. Noch ist Sashi zu jung, um zu begreifen, auf welche Katastrophe ihr Land zusteuert.
WeiterlesenElla Lindberg: Books & Coffee: An Wunder muss man glauben
Ein unterhaltsamer, leichter Wohlfühlroman, den man so wegliest, ohne viel denken zu müssen. Tut auch mal gut. Locker geschrieben, authentische, sympathische Figuren und eine Story, von der man sich wünscht, das Leben wäre manchmal so. Erzählt wird die Geschichte einer jungen Frau, die gerade vor den Scherben ihres bisherigen Lebens steht – Job weg, Freund weg, WG-Zimmer weg – und keine andere Lösung weiß, als nach Hause zurückzugehen und Unterschlupf bei den Eltern im ehemaligen Kinderzimmer zu suchen. Fürs Erste. Wie das so ist mit Provisorien, sind sie häufig sehr haltbar, so auch in Emilias Fall. Ohne konkrete Pläne für die Zukunft lässt sie sich zunächst mehr oder weniger treiben. Sehr zum Missfallen der zielstrebigen und für ihre Tochter ehrgeizigen Eltern. Mit einem Job im Secondhand-Laden ihrer Tante fängt sie erst mal an.
WeiterlesenC. K. McDonnell: Ring the Bells
Die ach so besinnliche Weihnachtszeit ist auch in Manchester angebrochen. Die ach so besinnliche Weihnachtszeit ist auch in Manchester angebrochen. Selbst – man glaube es kaum – in der Redaktionstube der „Stranger Times“ kommt so etwas wie eine feierliche Stimmung auf – nun ja, nicht wirklich.
Die letzte Ausgabe des Jahres soll für den Druck vorbereitet werden, als ein fieser PC-Virus plötzlich alle Computer lahmlegt. Dann meldet sich die Ururenkelin von Manny. Seine demente, im Sterben liegende Tochter ruft nach ihrem Daddy – doch der Engel, mit dem sich Manny den Körper teilt, will oder kann das Gebäude nicht verlassen.
Das ist allerdings noch lange nicht das Schlimmste!
Eine Leserunde, angeführt von einer stellvertretenden Bibliothekarin der Uni-Bibliothek, hat es sich auf die Fahnen geschrieben, die als Hexen verunglimpften weisen Frauen wieder auferstehen zu lassen. Was zunächst Erfolge feiert, führt schließlich dazu, dass in einem dunklen, blutigen Ritual der Schleier zwischen den Dimensionen aufgerissen wird und ein uralter, längst vergessener Gott Manchester betritt.
Zalas, so der Name des Wesens, verfolgt seine ganz eigenen Pläne – doch zunächst braucht er Gläubige, die ihm durch ihre Anbetung Macht verleihen. Als er in einem „komischen Kasten“ auf eine gewisse Taylor Swift und ihre fanatischen Anhänger stößt, weiß er sofort, dass er diese Frau übernehmen muss. Dumm nur, dass Taylor gerade nicht in Manchester ist.
WeiterlesenEllen Berg: Gibt’s das auch mit Liebe?
Wie soll man über „nachhaltige Romantik“ schreiben, wenn man mit dem Kapitel definitiv abgeschlossen hat? Unmöglich, oder? Vor genau dieser Frage steht Laura gerade. Erfolgreiche Redakteurin eines Lifestyle-Magazins für Frauen, die keine anderen Probleme zu haben scheinen als ihr Aussehen, ihr Outfit, ihr Haus, ihr Auto, ihren Urlaub! Laura, „geschiedener Single mit Dating-Frust“, hat mit all dem für sich abgeschlossen. Jahrelang hat sie Fotos gefakt, bevor sie sie in den sozialen Medien gepostet hat, nur um einem Mann zu gefallen, der es – wie sie inzwischen erkannt hat – überhaupt nicht wert war! Sie war sogar mit Joe verheiratet!! Wie verblendet kann man sein?? Oder verblödet? Jetzt jedenfalls ist Schluss mit lustig. Laura will das nicht mehr. Sie will nur noch traurig sein, sich verkriechen und von der Welt nichts mehr sehen als ihre schicke Wohnung, ihr Sofa, Taschentücher und vielleicht Rotwein. Ausgerechnet jetzt wird sie von ihrem Chef mehr oder weniger dazu verdonnert, eine Auszeit zu nehmen! Er hat auch schon alles arrangiert. Ausgerechnet mit Vivi, Lauras Schwester, hat er sich verbündet, damit Laura ein paar Wochen zu ihr auf den Biohof kommt und wieder zu sich kommt! Tolle Idee! Außerdem erwartet er einen ausführlichen Artikel von ihr über nachhaltige Romantik. Die Umgebung, in der Vivi lebt, scheint ihm absolut geeignet, ausgerechnet zu diesem bescheuerten Thema recherchieren zu können. Mehr widerwillig und weil Marc eben ihr Chef ist, setzt Laura sich dann doch in den Zug Richtung Pampa.
WeiterlesenJustine Pust: Was die Nacht nie vergisst
Mona ist eine der Auserwählten für die zweite Staffel der Reality-TV-Show Celebrity Cache. Zusammen mit fünf anderen wird sie in Finnland an einer GPS-Schnitzeljagd teilnehmen, deren gut versteckte Hinweise und Challenges zu 100.000 Euro führen. Aber weder das Geld noch der Ruhm treiben Mona an. Sie will herausfinden, was sich hinter der Kulisse der Reality-Show abspielt, denn ihre Freundin Fine nahm an der ersten Staffel teil und ist seitdem nicht mehr dieselbe. Um die dunklen Machenschaften aufzudecken, ist Mona (fast) jedes Mittel recht. Nur mit Samu rechnet sie nicht, als sie einen Tag vor Drehbeginn nach Helsinki fliegt. Aus einem harmlosen Flirt wird eine heiße Nacht. Dann stellt sich heraus, dass auch Samu an der Show teilnimmt – und um jeden Preis gewinnen will. Wie Mona scheint er eine eigene Mission zu verfolgen …
Das Buch thematisiert Gewalt gegen Frauen und zeigt, wie diese Gewalt meist verheimlicht oder verdrängt wird. Deshalb fand ich es besonders wichtig, dass dieses Buch das Thema aufgreift und zeigt, dass diese Gewalt nicht nur körperlich, sondern auch psychisch einiges mit sich bringt. Betroffene tragen es lange mit sich herum, manche schweigen sogar ihr Leben lang.
WeiterlesenLiz Moore: Der andere Arthur
Figurengetragener Roman um zwei ganz unterschiedliche Männer – interessant, aber auch mit Längen
Wie so oft veröffentlicht ein Verlag nach dem großen Erfolg eines Autors, einer Autorin eines ihrer weiteren Werke; wie so oft handelt es sich dabei um einen früher verfassten Roman. Was man durchaus an Stil, Struktur und Plot merken kann.
Damit soll nicht gesagt werden, dass mir der neu erschienene Roman von Liz Moore weniger gefiel als ihr Erfolg „Der Gott des Waldes“. Dieses Buch ist so ganz anders, im Aufbau wie auch im Hinblick auf Handlung und Figuren, dass man die beiden Romane im Grunde nicht vergleichen kann.
Der titelgebende Arthur ist ehemaliger Literaturprofessor, der seit vielen Jahren völlig zurückgezogen lebt, nie vor die Tür geht und keinerlei Kontakte zur Welt hat, abgesehen von den Lieferdiensten, die ihm die bestellten Lebensmittel bringen. Und davon braucht er reichlich, denn Arthur isst nicht, er frisst. Was sich in seinem Gewicht und Umfang niederschlägt, sodass ihn seine Beine kaum noch tragen, er sich nur noch im Erdgeschoss seines Hauses aufhalten kann – und sich für sein Aussehen in Grund und Boden schämt, weswegen er eben jeglichen Kontakt vermeidet.
WeiterlesenChristien Brinkgreve: Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen
Christien Brinkgreve, Jahrgang 1949, lebt in Amsterdam.
Sie ist emeritierte Professorin für Soziologie. Sie forschte und publizierte zum Umgang mit Emotionen sowie zu den Beziehungen zwischen Männern und Frauen und zwischen Eltern und Kindern.
Nach dem Tod ihres Mannes macht sie sich Gedanken über ihre zu Ende gegangene Partnerschaft und beginnt beim Ordnen und Sortieren des Hauses, alles zu hinterfragen.
Sie reflektiert ihr Leben mit Blick auf ihre Rolle innerhalb der Familie, auf ihre Partnerschaft und auf die Wahrnehmung ihrer selbst. Währenddessen scheint das Leben ihres Mannes, der sich zu Lebzeiten von nichts trennen konnte und die Vergangenheit in vollgestopften Schränken und Schachteln konservierte, allgegenwärtig. Was darf sie wegwerfen, und was sollte oder möchte sie in dem Chaos seiner Hinterlassenschaften behalten? All das ist Bestandteil ihres Trauerprozesses.
WeiterlesenHans Rosenfeldt: Die Farm der Mädchen
Die Geschäftsmodelle in der Welt des Verbrechens sind bekanntlich vielfältig. Aus allem und jedem wird Geld gemacht. Wenn Hans Rosenfeldt, der schwedische Autor von Thrillern und Drehbüchern, seinem aktuellen Buch den Titel Skördebarn (übersetzt: Erntekinder) gibt, dürfte eines klar sein: Bei der „Farm der Mädchen“ geht es nicht um einen normalen Agrarbetrieb, der die Früchte seiner Felder verkauft.
Im Zentrum der Geschichte steht die Ware „Leibesfrucht“ – und alles steht und fällt mit dem erfolgreichen Gebären eines Kindes. Dieses Geschäft gerät ins Wanken, als zwei Hochschwangere aus einem einsam gelegenen Gutshof fliehen und im Wald verschwinden.
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