Tobias Bukkehave: Der Prätorianer

Das erste Opfer liegt in einer Trafo-Station, der Schädel zertrümmert, ausgeweidet, die Leber fehlt, zwei antike Münzen in den Augenhöhlen. Das zweite Opfer, ähnlich zugerichtet, hängt an einem Kreuz von der Decke eines Wasserwerkes.

Als wäre das noch nicht genug für Sara Levin, die zum ersten Mal die Leitung einer Ermittlung übernommen hat, ergeben sich Spuren zu ihrem Vater, der wegen Mordes im Gefängnis sitzt. Sie hat ihn aus ihrem Leben gestrichen und seit 10 Jahren nicht gesehen. Nun muss sie sich ihm wieder stellen.

Zu der Ermittlung wird ihr Bruder Adam hinzugezogen. Er ist Profiler und Spezialist für Serientäter und hat selbst ein gehöriges psychisches Päckchen zu tragen. Im Gegensatz zu seiner Schwester zweifelt er an der Schuld seines Vaters.

In aus dessen Perspektive geschriebenen Kapiteln tauchen wir ein in die Psyche des Prätorianers, eines aggressionsgeladenen Incels, eines Mannes wie eine Tretmine, bereit, auf den leisesten Reiz zu explodieren, gefangen in seinen von der römischen Geschichte beeinflussten Wahnvorstellungen.

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Kyra Groh: The Iced Caramel Coffee Agreement

Darum geht es: Eleonora hat genug davon, immer nur als der brave, brave Sonnenschein ihrer kleinen Heimatstadt abgestempelt zu werden. Sie will ausbrechen, mutiger sein und endlich aus sich herauskommen. Die perfekte Gelegenheit dazu bietet sich, als plötzlich Dex in der Stadt auftaucht. Er ist genau der Musiker, für den Eleonora schon seit Jahren heimlich schwärmt. Doch Dex ist alles andere als glücklich: Er steckt in einer tiefen kreativen Krise, fühlt sich ausgebrannt und befindet sich auf der Flucht vor dem erdrückenden Ruhm seiner berühmten Familie. Eleonora erkennt die perfekte Chance für eine Win-Win-Situation und schlägt ihm einen Deal vor. Sie hilft ihm dabei, seine Inspiration wiederzufinden und sich neu zu erden, während er ihr zeigt, wie man die eigenen Grenzen sprengt und mutiger durchs Leben geht. Zwischen spannenden Mutproben und den stressigen Vorbereitungen für ein lokales Festival knistert es gewaltig. Die beiden merken schnell, dass ihre Gegensätze sie eigentlich viel näher zusammenbringen, als sie dachten. Doch über allem schwebt eine große Frage: Kann Eleonora ihr Herz wirklich an jemanden verlieren, für den ihre kleine Welt am Ende vielleicht immer zu klein sein wird?

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Annemarie Regez: Die Lago Maggiore Morde: Tod im Rustico

Es sollte eigentlich ein entspannter Urlaub sein, mit Ehefrau Julia und Tochter Laura wollte Commissaria Roberta Casanova ein paar vorweihnachtliche Tage in Locarno verbringen. Alles lässt sich gut an, auch der Besuch von Lauras leiblichem Vater Nicolas verläuft recht harmonisch, obwohl er mit seinem neuen Freund Oliviero anreist. Laura, die sich auf Schlittenfahren und Weihnachtsmarkt mit Nicolas gefreut hat, mag Oli nicht, das merkt man der Dreijährigen gleich an. „Er hat böse Augen“, meint sie. Mehr sagt sie dazu nicht. Das wird auch nicht unbedingt weiter wahrgenommen, erst am Ende überlegt Roberta, ob Laura vielleicht doch von Anfang an das richtige Gefühl hatte. Die Urlaubsstimmung wird getrübt, als Oliviero die Nachricht erhält, in seinem abgelegenen Rustico in den Bergen sei eine Leiche gefunden worden. Roberta hat zwar offiziell Urlaub, aber als Kriminalkommissarin kann sie natürlich ab sofort nicht mehr abschalten, zumal der Fundort nicht allzu weit entfernt, nur eben abgelegen ist. Nach Aussage von Oli kennt kaum jemand das Rustico, er war auch selbst angeblich schon länger nicht mehr dort. Er hat es vor etwa einem Jahr von seinem Vater geerbt, aber kaum genutzt. Den Toten erkennt er auch auf dem Foto nicht gleich. Erst als Robertas Kollegen die Identität feststellen konnten, gibt er zu, ihn gekannt zu haben. Was Philipp, so heißt der Mann, aber in dem Rustico gewollt haben soll, kann er sich nicht vorstellen. War man zunächst von Selbstmord ausgegangen, wird schnell klar, es handelt sich um Mord. Eigentlich ideal – jetzt, im Winter kommt kaum jemand zum Rustico, die Leiche wäre ewig lange nicht gefunden worden, und dann, im Frühjahr, wenn Oliviero vielleicht selbst mal wieder hingekommen wäre, hätte keiner mehr ein Fremdverschulden nachweisen können.

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Valeria Luiselli: Anfang Mitte Ende

Die Schriftstellerin Valeria Luiselli wurde 1983 in Mexiko geboren. Heute lebt und arbeitet sie in New York. In ihrem letzten Roman „Archiv der verlorenen Kinder“ (2019) beschreibt sie eine amerikanische Mittelklasse-Familie, die  Zeuge eines Flüchtlingsdramas von Kindern aus Zentralamerika und Mexiko wird. Am 14. August 2026 ist ihr neuer Roman „Anfang Mitte Ende“ im Rowohlt Verlag erschienen. Brigitte Jakobeit hat ihn aus dem Englischen übersetzt.

„Anfang Mitte Ende“ gliedert sich in vier Teile, die nach den Mittelmeerwinden Levante, Ponente, Scirocco und Mistral benannt sind. Wobei die ersten drei Teile den Roman bilden und der letzte Teil so etwas wie einen Anhang mit Material (Prima Material) wie Postkarten und Polaroids darstellt. Am Ende des Buches gibt es einen QR-Code hinter dem sich Tonaufnahmen verbergen.

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Christina Walker: Verteidigung eines Gartens

Zufluchtsort Schrebergartenkolonie

Hinter dem verheißungsvollen Namen „Neu-Amerikaverbirgt sich nicht etwa eine gefragte Urlaubshochburg, sondern eine schlichte Schrebergartensiedlung. „Neu-Amerika“ wird aus der Not heraus zum neuen Wohnort von Marianne, Didi und dem Obmann Herrn Gregor. Alle drei haben nichts gemeinsam außer einem Bett in ihrer jeweiligen Hütte in der Gartenanlage am Stadtrand. Dort treffen ihre  unterschiedlichen Schicksale aufeinander.

Marianne avanciert zur typischen durchs-Netz-gefallenen Dauerbewohnerin der Schrebergartensiedlung. Obwohl die Bäckersgattin früher täglich hinter der Ladentheke stand und frische Backwaren verkaufte, steht sie plötzlich vor dem Nichts. Nach dem Desaster, das ihr verstorbener Mann ihr hinterlassen hat, kann sie sich keine noch so kleine Mietwohnung leisten. Doch sie kann sich anstrengen wie sie will, das Dilemma, in dem sie steckt, wird in Neu-Amerika nicht kleiner. Glücklicherweise erweist sich die junge Didi, die sich in die Behausung ihrer Oma eingenistet hat, mehr als einmal als unerwartete Retterin.

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Silvi Carlsson: Good Girl Exit

Von klein auf lernen Frauen, für ihre Umwelt verfügbar zu sein. Immer lächelnd freundlich, niemals aus der Rolle der Fürsorglichen fallen. In einer Gesellschaft, die auf der ständigen weiblichen Verfügbarkeit aufgebaut ist, fällt es schwer, sich davon zu distanzieren. Silvi Carlsson möchte in ihrem Buch die sogenannte Good-Girl-Prägung analysieren, um festzustellen, wieso Frauen eigentlich so funktionieren und was passiert, wenn sie beschließen, es nicht mehr zu tun. Es geht um Emanzipation und insbesondere auch den Weg zu sich selbst. Welche Bedürfnisse und Gefühle habe ich gerade wirklich? Will ich so sein? Oder bin ich in meiner Freundlichkeit gefangen in einer Gesellschaft, die jeden Ausbruch straft?

Der Grundgedanke dieses Sachbuchs ist bestechend: Lernen und verstehen, mit dem inneren Good-Girl umzugehen und sich durch Selbstverständnis letztendlich entziehen. Leider verspricht der Titel mehr, als er mitgeben kann. Die Intentionen der Autorin sind löblich, keine Frage, doch ihre Inhalte sind keineswegs neu oder etwa auf bahnbrechende Weise reflektiert. Statt den versprochenen psychologischen Erkenntnissen bekommt der Leser eine Sammlung an thematischen Bezügen zu popkulturellen feministischen Debatten. Wer dieses Buch in die Hand nimmt, wird mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit 70% des Inhalts bereits kennen – und diejenigen, die es am dringendsten hören sollten, werden wohl leider nicht danach greifen.

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Jo Cheetham: Love and Rent

Mitte Dreißig und ständig pleite
Der Roman der englischen Autorin Jo Cheetham wird als „Bridget Jones für eine neue Generation“ gefeiert. Eine passende Beschreibung! Gemeinsam ist der herrlich britische Humor und die liebenswerten Charaktere, welche alles andere als perfekt sind. Während die „echte“ Bridget Ende der 1990er Jahre erstmals nach ihrem Mr. Right suchte, geht es bei Protagonistin Hannah jedoch weniger um Romantik, als ums nackte Überleben. Angestellt in einem unterfinanzierten Museum, kann sie sich den Alltag in der Großstadt Sheffield nicht mehr leisten. Ständig pleite, ständig mit den Rechnungen in Verzug, ständig Angst, aus ihrer Mietwohnung zu fliegen – und das mit Mitte Dreißig.

Daten im Zeitalter von Dickpics
Obwohl sie Filme hasst, in denen ein Mann zur Rettung herbeieilt, wünscht sie sich doch insgeheim, mal relaxed eine Pizza zu kaufen, ohne befürchten zu müssen, dass ihre Kreditkarte abgelehnt wird. Wenn ihr ein gut situierter Partner dies bieten könnte… wäre sie zu einer Ausnahme bereit. Doch Hannah muss sich mit Dingen herumschlagen, die Bridget Jones vor fast 30 Jahren noch nicht kannte. Zum Beispiel absurde Tinder-Profile oder die Schrecken ungefragter Dickpics! Dieser Roman zeigt deutlich: Das Dating-Leben ist nicht leichter geworden. Aber dafür umso amüsanter.

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Kasie West: Worst date ever

Darum geht es: Als angehende Literaturagentin möchte Margot nicht nur den nächsten Romance-Bestseller entdecken, sondern auch selbst die perfekte Liebesgeschichte erleben. Ihre große Liebe will sie auf keinen Fall über eine App kennenlernen, denn das wäre einfach unromantisch. Ihr Dating-App-Match Oliver war das schlechteste Date ihres Lebens – gefolgt von der heißesten Make-out-session ihres Lebens. Margot und Oliver sind absolut nicht kompatibel, doch das Knistern zwischen ihnen lässt sich nicht leugnen …

Meine Meinung:

Das Cover dieses Buches verspricht genau das, wonach mein Leserherz sich sehnte: eine süße, herzerwärmende Rom-Com in der wunderbaren Kulisse der Bücherwelt. Als absoluter Buchliebhaber sprach mich das Design sofort an, und ich ging mit der Erwartung an die Geschichte, eine lockere, leichte Lektüre für zwischendurch zu bekommen. Genau das liefert das Buch auch ab. Es ist der perfekte Roman, um für ein paar Stunden den Alltag zu vergessen und in eine gemütliche Wohlfühlatmosphäre einzutauchen.

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Allen Levi: Theo in Golden

Theo, 86, geboren in Portugal, offensichtlich wohlhabend, lässt sich für ein Jahr in Golden nieder, einer fiktiven Stadt im amerikanischen Süden. In einem Café hängen 92 Bleistiftporträts von Einwohnern Goldens, die ihn wegen ihrer künstlerischen Perfektion und der Meisterschaft, mit der der Künstler die Persönlichkeit dieser Menschen herausarbeitet, faszinieren. Und dann setzt er eine spontane Idee um: Er will alle 92 Porträts kaufen und den Porträtierten schenken.

Theo mietet ein Apartment, freundet sich mit einigen Einwohnern an, und trifft regelmäßig an einem Brunnen in der Stadt Menschen, denen er die Bilder überreicht und mit ihnen redet. Und damit ihr Leben zum Positiven wendet, ob es sich um eine in ihrem Beruf unglückliche Wirtschaftsprüferin, eine Obdachlose, einen hochbegabten Musikstudenten oder um einen Hausmeister handelt, dessen Tochter schwer krank und schlecht versorgt im Krankenhaus liegt.

Theo ist einfühlsam, respektvoll und ein guter Zuhörer und Beobachter. Schnell öffnen sich die Menschen ihm gegenüber, enthüllen ihre Geheimnisse, ihre Sorgen und Ängste, und er versteht es, ihnen entscheidende Impulse zu geben. Manchmal wird er zum anonymen Wohltäter. Theo ist überzeugter Christ, was zunächst nur angedeutet und dann in immer häufigeren biblischen Bezügen untermauert wird. Aber Theo/Levi predigt nicht. Eher geht es darum, zu zeigen, dass Glaube allein nicht reicht. Nicht Worte zählen, sondern Taten. Und Theo ist ein liebenswürdiger, herzensguter Mensch, dem es Freude macht, Freude zu bereiten.

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Sven Regener: Frankie und Freddie

25 Jahre ist es her, dass Sven Regener mit „Herr Lehmann“ einen der eigensinnigsten Helden der jüngeren deutschen Literatur erfand. In „Frankie und Freddie“, dem inzwischen sechsten Roman aus diesem Kosmos, schickt er Frank Lehmann erneut durch West-Berlin – diesmal an der Seite seines Bruders Freddie und mitten hinein in einen eisigen Tag kurz vor Weihnachten 1980.

Der Ausgangspunkt ist denkbar schlicht: Freddie, gerade aus einer Klinik entlassen, in der er als Proband ein neues Medikament getestet hat, hat eine Tasche verloren. Darin stecken wichtige Reisedokumente, die er für seinen geplanten Trip nach New York braucht. Also ziehen die Brüder durch Schnee und Kälte, von einem Ort zum nächsten, immer in der Hoffnung, der Tasche näherzukommen.

Natürlich wäre es kein Lehmann-Roman, wenn dieser Weg geradlinig verliefe. Regener bevölkert die Geschichte wieder mit Figuren, die schon durch ihre Namen oder Auftritte im Gedächtnis bleiben: Da ist der kunstbesessene Artsy Farty, da ist Olli, der in einem selbstgenähten Shell-Overall an einer Aral-Tankstelle aushilft, und da ist Chrissie, vergrippt, resolut und für Frank von besonderem Interesse. So bekommt neben Freundschaft, Großstadtalltag und absurden Begegnungen auch die Liebe ihren Platz.

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