Bart van Loo: Napoleon: Der Schatten der Revolution

Ein faszinierendes Leben, geschildert in einer faszinierenden Biografie – unbedingt lesenswert

Nicht nur, weil ich grundsätzlich sehr gerne Biografien lese, sondern vor allem, weil ich schon immer von der Zeit während und nach der Französischen Revolution und der Zeit Napoleons I. gefesselt war, wollte ich dieses Buch lesen. Und ich konnte es kaum aus der Hand legen, bis ich alle weit über 600 Seiten gelesen hatte.

Inzwischen in der 18. Auflage erschienen, ist diese 2014 erstmals veröffentlichte Biografie ungemein interessant, sehr detailliert, analytisch und auch psychologisch packend. Van Loo geht sehr in die Tiefe in seiner Beschreibung des Lebens dieser historischen Person, die so viel in Europa verändert hat, was teils bis heute nachwirkt.

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Tülin Sezgin: Almanci-Mädchen: Wie ich mir Deutschsein beigebracht habe

Werden wir heimlich zu Voyeuren, sobald uns jemand einen unverstellten Blick in sein Leben anbietet? Tülin Sezgin tut genau das. In ihrer autobiografischen Erzählung „Almanci-Mädchen“ nimmt sie ihre Leser mit auf die Reise durch Kindheit, Jugend und Erwachsensein, immer auf der Suche nach ihrem Platz zwischen deutscher und türkischer Kultur.

Besonders gelungen ist dabei die konsequente Innenperspektive. Schritt für Schritt verfolgt man ihre Entwicklung und ihren Versuch, die unterschiedlichen kulturellen Prägungen miteinander zu vereinbaren. Die Autorin beschreibt ihre Erfahrungen mit Humor und Selbstironie, ohne die dahinterliegenden Fragen nach Zugehörigkeit, Identität und Vorurteile aus dem Blick zu verlieren.

Auch das Ende hat mich überzeugt. Es vermeidet einfache Antworten und verdichtet stattdessen die zentrale Erkenntnis des Buches: Identität muss nicht zwischen zwei Kulturen wählen. Die Autorin trägt beide in sich und entwickelt daraus eine eigene Haltung, die von Offenheit, Gerechtigkeitssinn und dem Widerstand gegen Rassismus geprägt ist. Das wirkt weder belehrend noch konstruiert, sondern wie eine konsequente Fortführung ihres Weges. 

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Manfred & Emilia Theisen: Kennst Du mich?

Zum Inhalt

Die Teenagerin Emma kommt mit der neuen Freundin ihres Vaters nicht gut zurecht, daher vertraut sie sich dem Chatbot ChatGPT an. Gerade die „sassy“ (d.h. freche) Version nutzt sie fortan ständig. „Blue“ – so Emmas Name für den Chatbot – hilft ihr nun nicht mehr nur bei den Hausarbeiten, sondern auch, um sie aufzumuntern und soziale Situationen zu meistern. Die technische KI wird für sie zunehmend eine Freundin und soziale Stütze.

Die Handlung des Romans basiert auf einem realen Experiment des Tochter-Vater-Autorenduos: sie haben mit ChatGPT gechattet und sich dabei als ihren Buchcharakter Emma ausgegeben. Dabei haben sie auch die Sassy-Version genutzt. Die Antworten der KI sind im Buch teils wörtlich, teils gekürzt eingebaut. Damit ist das Buch ein Mix aus Fiktion und Dokumentation eines Experiments.

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Travis Baldree: Kobole & Kuchenmesser

Es gibt Bücher, bei denen wir Lesenden schon vor der Lektüre eine ziemlich feste Vorstellung davon haben, was uns erwarten wird. Greifen wir zum nächsten Band einer etablierten Reihe, wünschen wir uns zwar etwas Neues – aber bitte nicht allzu viel davon.

Autorinnen und Autoren von Zyklen haben es dabei alles andere als leicht. Wiederholt sich die Grundhandlung zu sehr, macht sich schnell Ermüdung breit – bei Schreibenden wie Lesenden. Schlägt eine Reihe hingegen völlig neue Wege ein, besteht die Gefahr, dass langjährige Fans ihr den Rücken kehren, weil sie den vertrauten Pfad verlassen sehen.

Auch Travis Baldrees dritter Band schien auf den ersten Blick lediglich ein weiterer Aufguss der bisherigen Teile zu sein.

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H.C. Dolores: Redamancy

Die Geschichte um Poppy und Adrian geht in die nächste Runde.

Zehn Jahre sind vergangen, seit Poppy alles zurückgelassen hat und alles auf eine Karte gesetzt hat. Mittlerweile scheint sie es geschafft zu haben: Ihre Werke werden in einer angesagten Galerie ausgestellt. Doch genau in diesem Moment des Triumphs steht plötzlich wieder er vor ihr. Was verschlägt Adrian hierher? Meinte er es damals ernst, als er sagte, er würde sie töten, wenn sie ihn verlässt? Kann Poppy ihm vertrauen?

Wichtiger Hinweis vorab: Dieses Buch kann man nicht ohne Vorkenntnisse zu Band eins lesen!

Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber dieser zweite Band ist noch düsterer, noch verstörender als sein Vorgänger. Und genau das hat dafür gesorgt, dass mir diese Fortsetzung sogar noch besser gefallen hat als Band eins! Beim Lesen habe ich mit allem gerechnet – nur nicht mit diesem genialen, teils leicht verstörenden, Verlauf der Geschichte.

Die Handlung ist toxisch, brutal, düster und unvorhersehbar. Die Autorin beschreibt hier so einige moralische Grauzonen, die beim Lesen einen unglaublichen, fast schon süchtig machenden Reiz ausüben. Man weiß oft selbst nicht mehr, was richtig oder falsch ist, und genau das macht die Faszination dieses Buches aus.

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Sabine Steck: Das Leuchten der kleinen Momente: Wie ich nach Italien reiste und mich selbst fand

Eine Reise nach Italien wird für Nina eine Reise zu sich selbst. Zum ersten Mal seit sie mit Martin verheiratet ist, steckt Nina nach einem Streit nicht zurück, sondern macht, was sie möchte. Nachdem Martin die gemeinsamen Pläne zu Ninas 50. Geburtstag eigenmächtig geändert hat, weil ihm eine Dienstreise wichtiger ist als ein paar Tage zusammen auf Madeira, setzt Nina sich kurzentschlossen ins Auto und fährt nach Italien. Ein Flyer, den sie im Briefkasten gefunden hat, hat sie auf die Idee gebracht, ein paar Tage in der „Villa Primaluna“ zu buchen. Nach einer langen und anstrengenden Fahrt kommt ihr die Gegend um die venetischen Hügel vor wie eine andere Welt. Die Uhren scheinen anders zu gehen, Stress und Hektik sind hier Fremdworte.

Consilia, die dieses kleine, verwunschene Hotel schon seit Jahrzehnten führt, nimmt Nina mit einer Herzlichkeit auf, der man nicht widerstehen kann. Überhaupt scheint Consilia immer genau zu wissen, was ihre Gäste grade brauchen. Sie drängt sich nicht auf, hat aber immer ein offenes Ohr, eine kleine Mahlzeit, einen Cappuccino …

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Daniel Wolf: Der Thron der Lilie

Die Tempelritter – kaum ein anderer Orden umgibt eine derartige Aura aus Mythen, Legenden und dem ewigen Flüstern um den Heiligen Gral. Diese elitären Gotteskrieger, die einst als Beschützer von Pilgern begannen und zu den mächtigsten Finanziers Europas aufstiegen, bieten eine faszinierende kulturhistorische und machtpolitische Bühne. Sie waren Männer, die vor ihrer Vergangenheit flohen, gesellschaftliche Ausgestoßene oder tief Gläubige auf der Suche nach Sühne. Doch wer hofft, in Daniel Wolfs zweitem Band „Der Thron und die Lilie“ in diese komplexen historischen Untiefen einzutauchen, wird bitter enttäuscht.

Ein vielversprechendes Setting verkommt zur Seifenoper

Wir schreiben das Jahr 1297. Frankreich ist ein Pulverfass. Während der Papst und König Philipp der Schöne einen erbitterten Kampf um die Vormachtstellung austragen und die Grafschaft Flandern am Rande eines blutigen Aufstands taumelt, werden Constantin Fleury und der Templer Gérard d’Acre von den Schatten ihrer Vergangenheit eingeholt.

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Krisz Hardy: September-Kinder 89: Über alle Grenzen

Stell dir vor: Eines Morgens wachst du auf und deine Eltern sind verschwunden. Zurückgelassen haben sie nur eine kurze Nachricht und etwas Geld. Du bist erst 13 Jahre alt und plötzlich der Erwachsene.

„Mein Blick fällt auf einen Briefumschlag, …, für Paul und Michi, von Mama und Papa, steht darauf.“ S. 26

Dieser Satz fährt mir wie ein Stich ins Herz, weil es so unvorstellbar ist, dass eine Mutter oder ein Vater tatsächlich einfach so ihre Kinder im Stich lassen können, nur um „rüberzumachen“, wie damals in der DDR das Abhauen in den Westen so leichthin genannt wurde.

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Marion Demme-Zech: Meine Auszeiten – Saarland: Durchatmen & Kraft schöpfen

„eine Fläche, so groß wie das Saarland“ – das haben Sie sicher schon mal in irgendwelchen Nachrichten gehört. Leider meistens im Zusammenhang mit irgendwelchen Katastrophen, Bränden, Überschwemmungen oder so. Dabei ist das Saarland so viel mehr als nur ein kleines Bundesland, das sich gut für derartige Vergleiche heranziehen lässt.

Marion Demme-Zech hat sich die Mühe gemacht, die Region, in der sie zuhause und der sie eng verbunden ist, auf ganz besondere Art zu erkunden, wobei sie das „Nichts-Tun“ zur hohen Kunst erhebt und uns siebzig Ideen präsentiert, die zum „Einfach-mal genießen“ einladen. Das reicht von einer kleinen Atempause, die man durchaus schon mit einer Stunde zwischendurch mal einlegen kann bis hin zur echten Frei-Zeit an einem kompletten Wochenende.

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Jennifer Bright: Pure Grace Academy: The Final Bow

Darum geht es: Aurélie ist zurück an der Pure Grace mit nur einem Ziel: den Tod ihrer Mutter aufzuklären. Cécile Cardot, gefeierte Primaballerina und Gründerin der angesehenen Ballettakademie in Paris, soll  sich das Leben genommen haben – doch ihre Tochter sieht das anders. Zurück in einer Welt, deren scheinbarer Perfektion Aurélie einst abgeschworen hatte, versucht sie, die Scherben ihrer Familie wieder zusammenzufügen. Dort trifft sie auf ihren ehemals besten Freund Lucian, von dem sie seit ihrem Weggang kein einziges Wort gehört hat. In den smaragdgrünen Augen des Klavierspielers regen sich Gefühle, die auch sie jahrelang verleugnet hat. Doch ihr gemeinsamer Pas de Deux bringt nicht nur seine Fassade zu Fall. Hinter den makellosen Gesichtern des Balletts tanzen noch immer die dunklen Schatten der Vergangenheit, bis der letzte Vorhang fällt – und Aurélie mit ihm.

Meine Meinung: Mit dieser Ballett-Academy hat die Autorin ein ganz besonderes Setting geschaffen. Es ist mal etwas völlig anderes im Romance-Bereich und ich habe mich unglaublich gerne auf diese Welt eingelassen.

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