Lea Gerstenberger: Der Gesang des Falken

Ein historischer Roman, der einen guten und durchaus interessanten Einblick gibt in das höfische Leben in Frankreich zu Beginn des 16. Jahrhunderts, als Anne Boleyn als etwa 12-jährige junge Adlige als Ehrenmädchen an den französischen Hof kommt und sich dort sehr bald positiv hervortut.

Der Covertext hebt Anne Boleyn zwar als bedeutend hervor: „Anne Boleyn schrieb in England Geschichte. Doch ihr Charakter wurde in Frankreich geformt.“, im Roman selbst spielt sie zwar eine wichtige Rolle, aber eher eine Nebenrolle neben Marcelle de Saint-Séverin, der Tochter des Großstallmeisters, die ebenfalls als Ehrenmädchen im Hofstaat der späteren Königin lebt.

Ich hatte erwartet, ein bisschen mehr über den Weg der Anne Boleyn vom französischen Hof, den sie 1522 verlassen musste, um in England Hofdame am Tudor-Hof zu werden, bis hin zu ihrer Vermählung mit König Heinrich VIII., dessen zweite Ehefrau sie wurde und der sie wegen Hochverrats und vorgeblichen Ehebruchs am 19. Mai 1536 enthaupten ließ. Davon erfährt man in diesem Roman leider nichts. Insofern fand ich den Satz auf dem Cover etwas unzutreffend.

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Ana Lane: Mornings in Boston: The story we tell, The Truth We Hide & The Games We Play

Hier handelt es sich um eine Trilogie, die unter dem Titel Love on Air im LYX Verlag erschienen ist und besonders durch die wunderschön gestaltenden Cover ins Auge fällt.

Mornings in Boston 1 erzählt die Geschichte der ehrgeizigen Journalistin Penelope Sanderson, die als Co-Moderatorin einer quotenstarken Frühstücksshow den Karrieresprung schafft. Ihr Erfolg wird jedoch durch ihren attraktiven Co-Moderator und bekannten Playboy Connor Kingsley getrübt, der ihr von Beginn an das Leben schwer macht. Trotz der Sabotageversuche lässt sich Penelope nicht unterkriegen, während gleichzeitig eine unerwartete emotionale Nähe entsteht, da Connor sie besser zu verstehen scheint als jeder andere.

Der erste Band der Reihe hat es schon emotional in sich. Es bietet von Seite eins an eine großartige Liebesgeschichte und hat alles was man sich von einem Buch dieses Genres wünscht: Knistern, Dynamik, eine Prise Humor und zwei starke Charaktere auf Augenhöhe.

Das Setting in der teils stressigen Welt des Fernsehens ist erfrischend und bringt seine ganz eigene Dynamik in die Handlung mit ein. Man erfährt auch mal hinter den Kulissen was so alles abgeht.

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Peter Grainger: Ein unglücklicher Tod

Den Briten ist Peter Grainger längst ein Begriff. Seine im Selbstverlag erschienenen Kriminalromane fanden begeisterte Leser. Nun veröffentlicht der Diogenes Verlag in diesem Jahr drei seiner Bücher. Erfreulicherweise.

Kürzlich hatte ich angemerkt, dass Ermittler heutzutage nicht ohne schwerwiegende psychische Schäden und persönliche Dramen auskommen, die bisweilen einen zu großen Teil der Erzählung ausmachen und vom eigentlichen Fall ablenken. In dieser Hinsicht ist Graingers Hauptfigur David „DC“ Smith so alltäglich wie sein Name, fast schon altmodisch. Und dennoch ist er ein echtes Unikum. Wir erfahren im ersten Band natürlich noch nicht alles über seinen Hintergrund. Er lebt allein, seit seine Frau gestorben ist, um die er immer noch trauert. Er missachtet schon mal die Vorschriften, kommt nicht mit allen Kollegen klar, hat dennoch viele Freunde, spielt Gitarre, und hat eine Vorliebe für ironische Bemerkungen und unerwartete Kommentare. Ein Typ mit Ecken und Kanten, ein sympathischer Eigenbrötler, aus dem ganz normalen Leben gegriffen. Eine echte Identifikationsfigur.

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Elena Fischer: Wirf einen Schatten

Einsamkeit und Stille haben sich im Haus und in Josephs Innerem ausgebreitet. „Seine Frau und sein Sohn hatten alle Geräusche mitgenommen.“ (eBook S. 10).

Die Geschichte spielt Ende der Fünfziger bis Anfang der Sechziger Jahre, einer Zeit, die  von einem anderen Takt und anderen Werten bestimmt war.

Nachdem seine Frau ihn mit dem gemeinsamen kleinen Sohn verlassen hat, sieht Joseph keinen Sinn mehr im Leben. 

Bislang ist Josephs Tagesablauf davon geprägt, sich um den Hof und die Tiere zu kümmern. Das war schon bei den Eltern so. Platz für andere Gedanken bleibt keiner. Über Belastendes zu reden hat er nie gelernt. So hat er sich auch nie mit den Geschehnissen aus der Vergangenheit auseinandergesetzt. Immer noch bedrückt ihn ein tragisches Unglück aus seiner Kindheit. Gerade rechtzeitig steht die junge Birdie mit all ihren Problemen vor seiner Tür. Er nimmt Birdie auf und versucht ihr zu helfen. Auch zu Ada, der Schwester seiner Frau, findet Joseph wieder Zugang. Es wird ein langer Prozess für Joseph, sich mit allem Geschehen auseinanderzusetzen und neue Gedanken zu fassen.

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Ayla Dade: Royal Clair Club: Her First Hunt

Inhalt

Inez gehört nicht zur Elite. Ihr Milieu ist das Elendsviertel Westcliff, ihr goldenes Ticket das Stipendium am exklusiven St. Clair College. Hier regieren Geld, Macht und eine High Society, die sprichwörtlich über Leichen geht. Das College steht unter der geheimen Herrschaft der skrupellosen X-Boys. Calix van Schmitt Barclay ist der Jüngste der drei Brüder – und er hat nur ein Ziel im Visier: Inez. Eiskalt, verboten sexy und unwiderstehlich nutzt er jede Gelegenheit, um sie an ihre Grenzen zu treiben. Doch Inez ist keine leichte Beute, denn sie verfolgt eine eigene Mission. Um Antworten zu finden, muss sie in den geheimen Royal Clair Club aufgenommen werden. Das bedeutet volles Risiko. Sie muss sich auf Calix’ gefährliches Spiel einlassen und seiner magischen Anziehungskraft widerstehen. Dabei ahnt sie noch nicht, dass in den Adern der X-Boys kein gewöhnliches, menschliches Blut fließt.

Wichtiger Hinweis
Wer dieses Buch liest, sollte wissen, worauf er sich einlässt: Das Label „Dark Romantasy“ steht hier absolut zu Recht auf dem Cover! Die Geschichte ist stellenweise extrem düster, die Sprache ist ziemlich vulgär und es passieren Dinge, die man im realen Leben niemals so tolerieren würde. Obwohl das Genre für mich noch recht neu ist, passte diese Härte hier einfach perfekt zur gesamten Atmosphäre.

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Rebekka Moser: Tief

Das Cover in blassblau, Blick über den Bodensee, im Hintergrund ahnt man die Berge, vorne ein Steg, ein kleines Boot auf der glatten Wasserfläche. Dazu mehr als Ahnung denn erkennbar der Kopf einer Frau, einzelne lockige Strähnen fallen auf. Das Cover wirkt nicht wie ein schöner sonniger Tag am See, eher etwas beklemmend und passt daher gut zu der Geschichte, die uns erwartet. Genau wie die zunächst etwas seltsam anmutenden Kapitel-Überschriften. „VORBEI. Herbst. Ein Täter. Bodensee“ oder „Als alles begann. Sommer. Eine junge Frau. Mittelmeer“. So wird man als Leser zwischen den verschiedenen Erzähl- und Zeitebenen begleitet, weiß eigentlich immer, wo man gerade ist. Kein Wort zu viel! Das wiederum passt gut zu Kommissar Richard Heinzle, der grade alles andere als begeistert ist, sich um eine Mordermittlung zu kümmern. Und dann noch eine, die einem echt nahe geht. Heinzle braucht Zeit. Zeit für sich, um den Tod seiner Frau zu verarbeiten, nicht um zu ermitteln. Aber danach fragt grade keiner. Das Verhältnis zwischen Heinzle und Georg, seinem Chef, ist eh anscheinend nicht das beste, der Ton ist nicht unbedingt freundschaftlich, auch wenn sie dann doch gut zusammenarbeiten. Heinzle muss sich fügen und findet sich bald im wohl emotionalsten Fall wieder, den er je zu lösen hatte. Gott sei Dank mit der Unterstützung des Psychologen und Profilers, seinem Freund „Sense“ – eigentlich Sononer, der hinzugezogen wird und Sissi Kirschbaum, der Gerichtsmedizinerin, die ganz gerne eine wichtigere Rolle in Heinzles Leben spielen würde, aber dazu ist Heinzle nicht bereit.

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Stella Gaitano: Eddos goldenes Lächeln


Die Tragödien eines Landes werden in dieser wunderschönen, magisch anmutenden Erzählung anhand einzelner Familienschicksale verdeutlicht. Seit dem Abzug der Kolonialmächte erlebt der Sudan ein ständiges Auf und Ab an Militärputschen, Bürgerkriegen, Repressionen, Hungernöten und Flüchtlingsströmen. Von alledem bekommt die kleine Irinu alias Lucy kaum etwas mit. Sie lebt in einem kleinen Dorf im Südsudan nach traditioneller Art unter Menschen, die noch an Götter und Flüche glauben. Von so einem Fluch ist Lucys Leben bestimmt. Nachdem ihre Mutter Eddo 10 Kinder im Säuglingsalter verloren hat, hat sie sich an das elfte nicht mehr emotional binden wollen. Eddo gibt ihrer Tochter den Namen „Irinu“, übersetzt „Die Vielscheißerin“. Dieser schreckliche Name soll böse Geister von ihr fernhalten. Durch die Christianisierung des Dorfes erhält Irinu schließlich den Namen Lucy. Das Mädchen wird von allen Familien des Dorfes gemeinsam erzogen, Eddo scheint zunehmend verrückter zu werden. Erst als sie heranwächst, nähert sich Eddo ihrer Tochter an und weist ihr eine Aufgabe zu: Lucy soll Eddos tote Kinder wieder zur Welt bringen und möglichst viele Nachkommen in die Welt setzen.

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Messie Condo: Niemand möchte deinen Scheiß: Die Kunst, richtig auszumisten, bevor du stirbst

Ups, der Titel haut ja schon mal richtig rein! „Niemand möchte deinen Scheiß“! Das muss man sich erstmal sagen lassen und verdauen! Okay, mag ja sein, dass „Messie“ Condo recht hat! „Messie“ ist natürlich ein Pseudonym, klar, passt aber super gut zu dem, was sie übers Aufräumen, Ausmisten, Sich-trennen- von … so zu sagen hat.

Das Buch, der Ratgeber, wenn man so will, richtet sich, so heißt es im Vorwort, an alle, die langsam in einem Alter sind, in dem „sie ein Gefühl für ihre Sterblichkeit“ bekommen. Wann fängt das an? Mit 60? 80? 90? – keine Ahnung. Das muss dann wohl jeder auch für sich selbst definieren.

So knallhart wie der Titel, ist dann auch der ganze weitere Stil des Buches. Schonungslos, unbarmherzig und gnadenlos offen. Wer will schon deine Sammeltassen, dein Geschirr, Besteck, die Tischdecken von Ururoma, die keiner mehr auflegt? Die vielen, vielen Bücher, die es ja notfalls auch alle digital zu lesen gibt, den ganzen Krimskrams? Da mag viel Wahres dran sein. Aber bin ich bereit, mich jetzt schon von vielem, was mir lieb geworden ist, zu trennen, nur damit irgendwann, in hoffentlich noch recht ferner Zukunft, meine Lieben keine Last mit dem Entrümpeln haben? Ich weiß nicht. Soll ich jetzt anfangen, minimalistisch zu leben, nur um das Gefühl zu haben, anderen damit Gutes zu tun? Wo bleibt da der Spaß?

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Emily Rudolf: Die Housesitterin: Ein Traum von einem Job. Oder?

Darum geht es: Cecilia hangelt sich von Auftrag zu Auftrag. Nach dem Tod ihrer Mutter hat sie völlig den Boden unter den Füßen verloren und kann sich nicht einmal mehr ein einfaches WG-Zimmer leisten. Das Housesitting ist ihr Rettungsanker. Ihr neuester Job führt sie in die luxuriöse Villa der einflussreichen Familie Waldner – einsam gelegen auf einer winzigen Ostseeinsel. Was wie eine perfekte, friedliche Idylle beginnt, entpuppt sich schnell als Falle. Denn Cecilia ist nicht zufällig hier: Eine machtvolle, mysteriöse Anziehung verbindet sie mit Johannes Waldner, dem Sohn des verstorbenen Besitzers. Während Cecilia noch glaubt, mutterseelenallein im Haus zu sein, machen sich bereits vier weitere Menschen auf den Weg zur Insel. Alle von ihnen im Gepäck: dunkle Geheimnisse und eine ganz eigene, düstere Agenda. Die Frage ist: Würden sie für ihre Ziele auch töten?

Starker Beginn, zäher Mittelteil und gewohnter Schreibstil.

Das Buch beginnt vielversprechend und stark. Die Autorin zieht den Leser sofort in ihren Bann und man möchte einfach immer weiter und weiter lesen. Emily Rudolf bleibt hierbei ihrem unverkennbaren Schreibstil treu, den ich persönlich sehr mag. Die Erzählperspektive wechselt hierbei geschickt zwischen den einzelnen Charakteren und verschiedenen Zeitebenen. So kann man als Leser das Puzzle Stück für Stück zusammensetzen, denn Informationen serviert sie hier nur häppchenweise.

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Florian Schwieker: Code Null: Dieses Spiel kennt keine Grenzen

Florian Schwieker kennen Sie vielleicht als Mit-Autor der Krimis um den Strafverteidiger Rocco Eberhardt und den Gerichtsmediziner Justus Jarmer, die er gemeinsam und sehr erfolgreich mit Michael Tsokos geschrieben hat. Schwieker, der selbst lange als Strafverteidiger gearbeitet hat, ist inzwischen im Management eines führenden globalen Unternehmens im Bereich Künstliche Intelligenz tätig. Also auch für den Auftakt seiner neuen Serie rund um Künstliche Intelligenz eine kompetente und authentische Basis. Seine Protagonistin, Charlotte Engel, genannt Charlie, ist eine sympathische, hochintelligente junge Frau, die allerdings manchmal etwas menschenscheu, verunsichert und verletzlich ist.

An der Universität Amsterdam hat Charlie einen Master-Abschluss in Mathematik und Machine Learning gemacht. Sie hat ihr Studium absolviert als eine der Besten bisher an der Uni, ihre Dissertation hat sie dann allerdings wegen „Problemen im Team“ abgebrochen und ist in die freie Wirtschaft gewechselt. Auch hier macht sie einen Top-Job, ist allerdings wenig teamfähig, was zu häufigeren Wechseln führt. So auch grade jetzt. Ein Kunde hat an ihrer Qualifikation und Arbeitsweise gezweifelt, woraufhin Charlie einfach alles hingeschmissen hat. Jetzt hat sie zwar grade keinen Job, aber das wird sich finden. Sie hat aber Zeit, sich über einige Unregelmäßigkeiten zu wundern, die ihr in kleinen Meldungen auffallen: Störungen von Navigationssystemen, Probleme im Flugverkehr am BER, Störungen an der Börse – alles gleichzeitig um 16.05 Uhr! Das konnte kein Zufall sein.

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