Jan Weiler: Das Vogelhaus

„Die Erben wollen das Haus nicht. Was ihn an diesem Gedanken erstaunt, ist die Annahme, dass dort einmal Kinder gewesen sind. Dabei war das kein Ort für fröhliches Lachen, keiner für Farben, keiner für Kuchenduft. Aber es gab das Zimmer. Das schon. Das verbotene Zimmer.“

Leonard Beck führt ein unaufgeregtes Leben in Berlin. Das einzig Spannende darin passiert in den Stücken, die er als Dramaturg für eine Theaterinszenierung aufbereitet. Als er einen Brief von seiner Mutter erhält, gerät seine ruhige Welt ins Wanken: In der elterlichen Kleinstadt steht ein altes Haus zum Verkauf. Ein Haus, das vor vielen Jahren in Leonard und seinen damaligen Zivildienstkollegen das blanke Entsetzen ausgelöst hat. Doch waren die wilden Spekulationen, die sie damals anstellten, wirklich nur einem jugendlichen Übermut geschuldet oder sind in dem Haus einst tatsächlich grausame Verbrechen begangen worden? Als Leonard unerwartet seine Stelle verliert, reist er Hals über Kopf zu seinen Eltern und stellt sich der Vergangenheit und mit ihr jenen Erinnerungen, die er bisher verdrängt hat.

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Christoph Kramer: Wolkenberührpunkt

Mit seinem Debüt „Im Sommer fing das Leben an“ gelang Fußball-Weltmeister Christoph Kramer ein überraschend starker, autofiktionaler Erfolg. Nun legt er mit „Wolkenberührpunkt“ seinen zweiten Roman vor. Doch wo der Vorgänger durch ehrliche Nähe überzeugte, verliert sich das neue Werk leider in erzählerischen Schwächen.

Inhalt & die Figur des Roman

Der Roman verknüpft die Lebenswege zweier ungleicher Männer: Auf der einen Seite steht der privilegierte Ex-Profi „Chris“, der sich nach dem Karriereende dem Schreiben zuwendet. Auf der anderen Seite steht Roman, ein melancholischer junger Mann, der vom Schicksal schwer getroffen wurde. Seit einem traumatischen Ereignis in der Silvesternacht 2000 besitzt er kein echtes Zuhause mehr und wird von existenziellen Zweifeln geplagt.

Roman bildet den emotionalen Gegenpol zum glücklichen Autoren-Ich. Seine einzige Zuflucht ist der titelgebende „Wolkenberührpunkt“ – ein alter Telefonmast, auf den er mit seinem besten Freund Stevie klettert, um den eigenen Träumen nah zu sein. Zugleich verliebt er sich in ein Nachbars-Mädchen namens Mira.

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Titus Müller: Die geheime Mission

Der Kalte Krieg war weit mehr als nur ein diplomatisches Ringen; er prägte als tiefgreifende Spannung zwischen West und Ost eine Ära fundamental unterschiedlicher politischer und kultureller Ideologien. Auf der einen Seite stand der Kapitalismus der Westmächte, angeführt von den USA, auf der anderen Seite der Kommunismus der Ostblockländer, die streng zentralisiert unter der Führung der Sowjetunion organisiert waren. Um ein Haar hätte diese Systemkonfrontation in einer militärischen Auseinandersetzung und damit im unvorstellbaren Desaster eines dritten Weltkriegs gemündet – ein Szenario, das glücklicherweise ausblieb.

Als der konkrete Start- und Zeitpunkt dieses globalen Konflikts gilt die Berliner Blockade in den Jahren 1948 und 1949, in welcher die Sowjetunion versuchte, Westberlin absolut zu isolieren. Die Verkehrs- und lebenswichtigen Versorgungswege wurden von den sowjetischen Truppen konsequent gekappt. Dieser Schritt war der Versuch, ganz Berlin zu unterwerfen und den politischen Einfluss sowie den Machtwillen Deutschlands den östlichen Vorgaben unterzuordnen, womit hier die erste handfeste logistische, militärische und ideologische Auseinandersetzung des Kalten Krieges entbrannte.

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Timothée de Fombelle: Das Leben, das wir nie haben werden

Timothée de Fombelle, erfolgreicher Dramatiker und Jugendbuchautor, hat jetzt seinen ersten Roman für Erwachsene vorgelegt. Genauer gesagt, handelt es sich eher um eine Novelle, denn das Werk ist ganze 96 Seiten lang. Und dennoch schildert de Fombelle ein ganzes Leben (so lautet übrigens auch der französische Titel: La vie entière).

Wir befinden uns im Jahr 1944. Die 19‑jährige Claire ist Teil der Résistance; sie überbringt Passfotos und gefälschte Papiere und tippt Flugblätter, die »Fliegenden Blätter«, die ihr ein junger Mann diktiert. Blanche, so sein Pseudonym, hat ihr klare Anweisungen gegeben: Erscheint er einmal nicht zum vereinbarten Zeitpunkt, soll sie die Wohnung verlassen und sich in Sicherheit bringen.

Doch Claire, die heimlich in Blanche verliebt ist, bleibt. Die Geschichte umfasst diesen einen Tag, an dem Claire vergeblich wartet und sich eine andere Welt erträumt, ein anderes Leben, nach dem Krieg, mit Blanche. Ihre Gedanken pendeln hin und her zwischen der Vergangenheit, ihren Erlebnissen als Kurierin und der glücklichen, imaginierten Zukunft mit Jean oder Laurent oder wie immer er in Wirklichkeit heißen mag. Es sind diese »Vorauserinnerungen«, die sie verharren lassen, dem Risiko, verhaftet zu werden, zum Trotz. Es sind scheinbar banale Situationen, Bilder eines ganz alltäglichen Lebens, die scharf mit der grausamen Gegenwart kontrastieren: wie er von der Arbeit heimkehrt und den Mantel aufhängt, ein Buch liest, seine Hand zärtlich auf ihren Rücken legt, ein gemeinsamer Abendspaziergang:

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Jessica Winter: Echoes of Yesterday

In „Echoes of Yesterday“ stehen die beiden Protagonisten Asher und Tori im Mittelpunkt. Sie teilen eine tiefgehende, gemeinsame Geschichte, die jedoch vor Jahren abrupt und schmerzhaft abriss. Als sie sich nach langer Zeit zum ersten Mal wieder gegenüberstehen, ist die physische Distanz zwar überwunden, doch die mentalen Barrieren sind hoch.

Beide leiden noch immer stark unter den traumatischen Ereignissen ihrer Vergangenheit, die tiefe Spuren in ihren Seelen hinterlassen haben. Was auf den ersten Blick wie eine unüberwindbare Kluft wirkt, entpuppt sich im Laufe der Handlung als ihr stärkstes Bindeglied: Die gemeinsamen Wunden schweißen Asher und Tori enger zusammen, als es eine makellose Vorgeschichte je gekonnt hätte.

Jessica Winters Schreibstil ist modern, flüssig und schnörkellos, ohne dabei an Tiefe zu verlieren. Sie schafft es ab Seite eins, eine dichte Atmosphäre zu erzeugen. Der Einstieg in die Geschichte gelingt mühelos, da die emotionale Intensität sofort greifbar ist. Als Leser wird man nicht langsam an die Thematik herangeführt, sondern unmittelbar in die Gefühlswelt der Figuren hineingezogen.

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Alexander Baron: Der Tagedieb

Alexander Barons „Der Tagedieb“ ist ein wiederentdeckter Roman aus dem Londoner East End. 1963 erstmals erschienen, liegt „The Lowlife“ nun in der Übersetzung von Holger Hanowell erstmals auf Deutsch vor. Im Mittelpunkt steht Harryboy Boas, ein jüdischer Kriegsveteran Mitte vierzig, der in einem heruntergekommenen Boarding House in Hackney lebt. Sein Alltag besteht aus Gelegenheitsjobs, Zola-Lektüre und vor allem: Wetten.

Harryboy ist ein Spieler, ein Charmeur und ein Meister der Selbsttäuschung. Mit Witz, Wortgewandtheit und immer neuen Ausflüchten hält er sich über Wasser – während seine Schulden wachsen und er zunehmend in die Kreise von Kredithaien und Gangstern gerät. Als eine junge Familie in das Haus einzieht, übernimmt Harryboy unerwartet Verantwortung für den kleinen Gregory. Ausgerechnet der Junge bringt ihn dazu, über sein bisheriges Leben und die Folgen seiner Entscheidungen nachzudenken.

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Cora Wucherer: All die Farben, all das Licht

In dem wunderbaren Roman von Cora Wucherer sind all die Farben und all das Licht extrem wichtig für die siebzehnjährige Juna. Sie wollte unbedingt Malerin werden. Den Wunsch weckte ein Buch über die Künstlerin Lotte Laserstein. Damals konnte Juna noch nicht lesen, also ließ sie es sich x-Mal von der Babysitterin vorlesen, nachdem diese zuerst für ihre kleine Schwester Martha ein Kinderbuch vorgelesen hatte.

Auf dem Titel von Junas Lieblingsbuch war ein Bild der Künstlerin abgebildet, dass ihre Fantasie in Bewegung setzte. Juna malt seit diesem Tag ständig und träumt von ihrer eigenen Karriere. Mit siebzehn arbeitet sie an ihrer Bewerbungsmappe, um für ein Kunststudium aufgenommen zu werden.

Dieser Herzenswunsch gerät in Gefahr, als Juna von ihrer seltenen Erkrankung erfährt. Sie wird in Kürze erblinden und taub werden. Jetzt weiß sie, warum sie ständig stolpert oder hinfällt und woher ihre Unsicherheit in einer dunklen Umgebung kommt.

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Charlotte Jacobi: Manolo Blahnik und der Traum vom Erfolg

Alles begann mit einem winzig kleinen Schühchen, geformt aus der Silberfolie einer Schokoladenverpackung und gedacht für „Senora Eidechse“, damit sie sich die kleinen Füße nicht so verbrannte, wenn sie über die heißen Steine der Bananenplantage flitzte, auf der Manolo Blahnik und seine Schwester Evangelina aufgewachsen sind.

Manolo schaute den Menschen, denen er begegnete immer auf die Füße, auf die Schuhe, in denen sie steckten, und er machte sich ganz automatisch und ohne wirklich darüber nachzudenken, Gedanken, was man ändern müsste, um die betreffenden Schuhe bequem oder nur bequemer zu machen. Eine Leidenschaft, die er schon als kleiner Junge hatte, als er, gemeinsam mit Evangelina, beim Spielen diese kleine Eidechse beobachtete und einen Schuh für sie bastelte. Diesen kleinen Schuh aus Silberpapier trug er später immer wieder bei sich.

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Fiona Mozley: Letzte Nacht in Soho

Im Zentrum von Fiona Mozleys zweitem Roman steht ein Bordell, ein altes, heruntergekommenes Haus, das der Gentrifizierung im Wege steht. Doch die Bewohnerinnen wehren sich. Sie wohnen, arbeiten und leben seit Jahren dort, relativ selbstbestimmt, ohne Zuhälter. Es sind selbstbewusste, kämpferische Frauen, die zu dem stehen, was sie tun, und sich nicht vertreiben lassen wollen.

Es geht in diesem Roman aber nicht nur um eine Gruppe von Prostituierten. Mozleys Themen sind breit gefächert: soziale Spaltung und Selbstbestimmung, ökonomische und sexuelle Machtstrukturen, Liebe und Gewalt, das Exemplarische im Individuellen.

Mozley versammelt dazu ein an persönlichen Macken reiches Panoptikum von rund zwanzig Charakteren aus allen gesellschaftlichen Schichten: von Agatha Howard, die alles daran setzt, ihr Gentrifizierungsprojekt umzusetzen, und Bastian und Rebecca, einem in Wohlstand satt gewordenen Paar, das Liebe woanders sucht, über das bunte Gemisch an Bargästen in Soho und den Bordellbewohnerinnen mit der Hauptfigur Precious, die sich plötzlich und ungewollt als Anführerin einer Revolte wiederfindet, bis zu den Obdachlosen, die unter der fürsorglichen Führung des »Erzbischofs« in einem Kellergewölbe hausen.

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J. R. Ward: Crown of War and Shadow

Sorrel lebt als Außenseiterin in einem abgelegenen Dorf und versucht, ihre ungewöhnlichen magischen Fähigkeiten geheim zu halten. Sie kann Verletzte heilen – sieht aber gleichzeitig den Tod eines Menschen voraus, sobald sie ihm in die Augen blickt. Als die magische Barriere „Fulcrum“, die die Menschenwelt vor Dämonen schützt, zusammenbricht, gerät Sorrel unter Verdacht und muss fliehen.

Von ihrer ihr selbst unbekannten Mutter hat sie einen magischen Kompass und eine geheimnisvolle schwarze Krone geerbt. Sie soll die Krone zu einer legendären Kriegerkönigin bringen, die den Kampf gegen den Dämonenkönig aufnehmen soll. Für den gefährlichen Weg durch ein von Monstern und Dämonen heimgesuchtes Land braucht Sorrel einen Beschützer und verpflichtet den Söldner Merc, einen Nordmann. Dieser verlangt als Gegenleistung eine Nacht mit ihr.

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