Dass Cora unglücklich ist, braucht man eigentlich gar nicht zu betonen. Schon nach wenigen Seiten in diesem neuen Nordsee-Roman ist klar, hier stimmt was ganz und gar nicht. Was das aber ist, wird nicht erklärt. Erst nach und nach im Laufe der stellenweise durchaus tragischen Geschichte wird dem Leser klar, was Cora durchgemacht haben muss. Immer eher zwischen den Zeilen als konkret angesprochen, was natürlich unbedingt zur Spannung beiträgt und uns als Leser neugierig macht, wissen zu wollen, wer sich eigentlich wirklich hinter Cora Kröger – wie sie sich nennt – verbirgt.
Den Namen Kröger hat sie angenommen, um einigermaßen sicher zu sein, dass man sie nicht finden wird. Ihre Heimatstadt Hamburg hat die Reederstochter ziemlich überraschend verlassen, um eine Stelle als Gouvernante und Hauslehrerin bei der Tochter eines Architekten anzunehmen, der der Gesundheit seiner Tochter zuliebe eine Stelle auf Norderney angenommen hat, wo er den Ausbau des Conversationshauses betreuen soll. Die zehnjährige Emmi leidet an Schwindsucht, vom Aufenthalt auf der Nordsee-Insel erhofft sich Alexander Klaasen Besserung. Cora hat zwar keinerlei Referenzen als Lehrerin, aber Alexander stellt sie ein, weil sie ihm einen vertrauenswürdigen, zuverlässigen Eindruck macht und aus gutem Hause zu stammen scheint. Über ihre Herkunft oder Vergangenheit redet sie nicht. Alexander fragt auch nicht wirklich nach. Ihm ist es wichtig, dass Emmi sich gut mit Cora versteht und der Aufenthalt auf der Insel für Emmi so angenehm wie möglich sein wird, wenn sie schon von zu Hause weg muss. Cora ist gebildet, belesen, an Naturwissenschaften interessiert und findet in Emmi eine interessierte, intelligente und aufmerksame Schülerin, mit der es Spaß macht, Stoff zu vermitteln. Manchmal auch mehr als in den Lehrbüchern steht.
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