Nina Schilling: When Shadows Darken The Sun

Seit Generationen bestimmen die Traditionen der magischen Welt ein eisernes Gesetz: Die Erben des Tag- und des Nachthofes müssen in einem legendären, magischen Turnier gegeneinander antreten. Der Einsatz könnte nicht höher sein: Der Sieger entscheidet über die zukünftige Herrschaft des Dritten Hofes. Vor diesem Hintergrund wächst der Thronfolger Nox auf; von klein auf wurde ihm nur ein einziges Ziel eingetrichtert: Er muss die Prinzessin des Taghofs im kommenden Turnier schlagen, komme, was wolle. Doch das Schicksal schlägt einen anderen Weg ein, als er Cass trifft …

Der größte Pluspunkt dieses Buches liegt zweifellos im Schreibstil. Nina Schilling hat einen angenehmen, flüssigen und eleganten Schreibstil. Der Einstieg in die Geschichte wird so sehr leicht gemacht und die Seiten fliegen beim Lesen richtig an einem vorbei. Die bildhafte und atmosphärische Beschreibung der Schauplätze hat mir gut gefallen: Die düstere, geheimnisvolle Ästhetik des Nachthofs oder das strahlende, fast schon blendende Ambiente des Taghofs – man kann sich als Leser jede Kulisse, jedes Kleidungsstück und jede magische Nuance detailreich und lebendig vorstellen.

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Jean Luc Bannalec: Bretonischer Glanz: Kommissar Dupins fünfzehnter Fall

Die Ermittlungen in seinem neuesten Fall führen Kommissar Georges Dupin ganz in den Norden der Bretagne, ins Finistère, wo zum einen gerade das alljährliche Krimifestival stattfindet, an dem – als Fan eines bekannten Autors – auch Inspektor Kadeq teilnimmt, und zum anderen die Vorbereitungen für das traditionelle Zwiebelfest auf Hochtouren laufen. Die Zwiebeln von Roscoff sind berühmt und besonders – auch der Autor schwärmt: „Unfasslich deliziös, aber nicht scharf-beißend, mild und fruchtig-süßlich. Geschmort dann zartschmelzend und nussig, karamellisiert. Hat mit ordinären Zwiebeln nichts zu tun, unendlich vielseitig zuzubereiten …“ Und so ist es diesmal die Zwiebel, die uns in diesem atmosphärischen Bretagne-Krimi als ein weiteres wichtiges und berühmtes Kulturgut der Region vorgestellt wird. Wie immer spielen die lukullischen Genüsse, die Stimmung in der pittoresken kleinen Stadt am Meer mit dem kleinen Hafen mit den vielen bunten Segeln, dem angelsächsischen Flair („Plymouth liegt näher als Rennes….“), das Licht, die Sonnenauf- und -untergänge eine große Rolle.

In Roscoff ist eine junge Frau ermordet worden, ausgerechnet dort, wo gerade das Krimifestival stattfindet. Annic Philouze war eine der ortsansässigen Zwiebelbäuerinnen und sehr engagiert in Organisationen und Verbänden, die sich der Bewahrung dieses Kulturguts verschrieben haben. Welchen Grund sollte jemand haben, diese beliebte junge Frau zu ermorden? Dupin und sein Team schlagen ihre Zentrale vor Ort auf. Das bedeutet allerdings, dass sie sich im Hotel, in dem auch die Teilnehmer des Krimifestivals untergebracht sind, die letzte freie Suite teilen müssen. Immerhin gibt es da eine, wenn auch nur Kapselmaschine, sodass Dupin unbegrenzten Zugang zu seinem geliebten petit café hat – eine Grundvoraussetzung dafür, dass er sich überhaupt arbeitsfähig fühlt! Die Ermittlungen lassen dem Kommissar, seinen Inspektoren und den ortsansässigen Kolleginnen allerdings kaum Zeit, sich in der Suite oder überhaupt mal auszuruhen.

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Freya Sampson: Mord ohne Vorwort

Mord und Diebstahl rund um einen Buchclub – leicht schnulziger Versuch eines Krimis

Wenn man von einer Autorin und ihren Werken begeistert ist, dann steigt von Buch zu Buch die Erwartung. Wenn diese dann mit einem weiteren Roman nicht so ganz erfüllt wird, liegt das nicht immer an der Autorin, sondern vielleicht an den Erwartungen.

Die bisherigen Romane von Freya Sampson haben mich alle begeistert. Jeder auf seine Art war berührend, fesselnd – im Grunde waren es alles regelrechte Wohlfühlromane. Immer waren ihre Protagonistinnen mit Einfühlungsvermögen gezeichnet, mit Verständnis und Humor beschrieben, und immer war die Handlung durchdacht, spannend und voller Wendungen.

Nun legt sie einen Kriminalroman vor oder vielmehr den Versuch eines Krimis. Im Mittelpunkt stehen die Teilnehmer eines kleinen Buchclubs auf dem Land. Nova, aus London in die Kleinstadt gezogen, um zu heiraten, ist beim Gemeindezentrum angestellt und hat diesen Club ins Leben gerufen. Leider findet er nicht allzu viel Zuspruch, nur drei Teilnehmer kommen: Phyllis Hudson, fanatischer Fan von Agatha Christies Romanen und insbesondere von Miss Marple; Arthur Robinson, auch nach 60 Jahren immer noch sehr verliebt in seine Frau Esi; und Ash Chalabi, Teenager, Liebhaber von Science-Fiction-Romanen und sehr schweigsam und schüchtern.

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Ruth-Maria Thomas: Die zweitgrößte Liebe

Ruth-Maria Thomas (Jahrgang 1993) hat ihren zweiten Roman geschrieben. „Die zweitgrößte Liebe“ ist am 30. Juli 2026 bei dtv erschienen.

Mit „Die schönste Version“, ihrem Debüt aus dem Jahr 2024, war sie für den Deutschen Buchpreis nominiert. Mit ihrem neuen Buch scheint sie an den Erfolg des Erstlings anzuknüpfen.

Arme Ostdeutsche trifft wohlhabenden Westdeutschen

Mishelle, Shelly genannt, ist pleite. Sie muss ihren Schmuckladen in einer Lausitzer Kleinstadt schließen. Die Corona-Pandemie hatte sie zur Aufnahme von Krediten gezwungen, die sie nicht mehr bedienen kann. Übrig bleiben Schulden. Mishelle beschließt wegzugehen. Sie verabschiedet sich von ihrem Bruder, steigt auf ihre Vespa und fährt Richtung Westen.

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Clara Blais: Liars All Around Me

An einem Tag fragt Avery, die Klassenbeste aus gutem Hause, Ryle, den Versager der Schule, nach einer Waffe – am nächsten wird ihre größte Konkurrentin tot aufgefunden. Erschossen. Für Ryle ist klar, dass Avery ihre Finger im Spiel hatte. Für Avery ist klar, dass sie Ryle vom Gegenteil überzeugen muss. Denn auch wenn sie das andere Mädchen nicht ermordet hat, darf die Polizei auf keinen Fall einen näheren Blick auf ihr Leben werfen. Die Geheimnisse, die sie hütet, könnten dieses für immer zerstören.

Also versucht Avery – mit der überraschenden Hilfe Ryles – den Mord aufzuklären und ihre eigene Unschuld zu beweisen. Doch das ist gar nicht so einfach in einer Stadt voller Superreicher, die die Polizei nach Lust und Laune lenken und sich ungeprüft Alibis ausdenken können …

Die Lektüre von „Liars All Around Me“ ist eine echte Achterbahnfahrt. Das Buch läuft langsam an, hat dann eine Durststrecke, nimmt auf den letzten 60 Seiten nochmal an Fahrt auf, lässt einen mitfiebern, sich die Haare raufen, kommt mit einer kurzen Enttäuschung um die Ecke, lässt einen auf den letzten drei Seiten die Kinnlade runterklappen und überrascht aufschreien – nur um einen dann am Ende recht verwirrt zurückzulassen. Ja. Keine Ahnung, wie ich dieses Buch bewerten soll. Es läuft eben sehr langsam an, wird aber am Ende enorm spannend. Die unerwartete Wendung ist ganz großartig gelungen (der ursprünglich eröffnete Mörder war schon ein wenig enttäuscht, weil einigermaßen vorhersehbar), aber eben mehr in der Theorie, weniger in der Ausführung. Der große Knall im letzten Satz, so genial er sein mag, bringt leider mit sich, dass der Geschichte keine Zeit mehr bleibt, irgendetwas zu erklären.

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Anna Dimitrova: Between the Lines

Kali liebt drei Dinge: Humor, das Schreiben und die Liebe. Im Drehbuchstudium kommt all das zusammen, und das Leben scheint perfekt. Doch schnell merkt sie, dass das echte Leben wohl doch keine RomCom ist. Oder doch? Schon bei der Aufnahmeprüfung lernt sie ihren vermeintlichen Traumprinzen kennen – doch schnell stellt sich heraus, dass Rei ihr gegenüber weder ehrlich noch sympathisch ist. Und ausgerechnet mit ihm soll sie einen Film machen …

In diesem Buch geht es für mich ums Nicht-Aufgeben, gute Geschichten und die Leidenschaft zum Schreiben.

„Filmemacher sind doch eh Hobby-Psychologen.“ (~Between the lines, S. 187)

Dieses Zitat vereint für mich die wichtigsten Bausteine dieses Buchs: Viel Witz, gepaart mit tiefgründigen Themen und über allem ganz viel Liebe füreinander, für Bücher, für Filme, fürs Schreiben und für all die kleinen Details dazwischen.

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Norbert Scheuer: Holunderholz

„Leben lässt sich nicht vollständig erzählen; es bleibt Stückwerk“, schreibt der Autor in seinem Nachwort. Und er fährt fort: „Ich bin kein Historiker. Ich erzähle Geschichten. Aber solche Ereignisse (Anm.: die Explosion des Kalvarienberges in Prüm 1949) … verschwinden nicht. Sie wirken fort, verändern Haltungen, kehren in anderer Gestalt zurück. Vielleicht erklärt sich daraus meine Aufmerksamkeit für das Fragmentarische … für das Schweigen zwischen den bekannten Fakten.“

Holunderholz – was für ein schönes Wort! Und nicht nur das: Aus dem harten Holz des Holunderbaumes lässt sich eine Flöte schnitzen: „Wenn man hineinbläst, klingt es nicht wie ein Instrument. Es klingt eher, als würde etwas antworten.“ Es ist ein Mädchen, eine junge Frau, kaum der Sprache mächtig, die auf dem Hollerholz ihre Version der Geschichte lebendig werden lässt.

Der seit vielen Jahren bekannte Autor aus der Eifel, Norbert Scheuer, erzählt in seinem neuen, seinem elften Roman –  nach dem mit dem Wilhelm-Raabe-Preis geehrten und für den Deutschen Buchpreis vorgeschlagenen „Winterbienen“ (2019)  – eine Geschichte, wie er sie eben erzählen kann. Auf direktem Wege geht es nicht.

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Michael Römling: Berengar: Ich bin Barbarossas Klinge

Mit dem jungen Kämpfer Berengar hat Michael Römling jetzt nach „Tankred“ einen weiteren Helden geschaffen, der sich sicher schon im ersten Band der Reihe eine Anhängerschaft gesichert hat.

Als zweitgeborener Sohn eines Ministerialen – unfreie Verwaltungsbeamte, Ritter oder Diener, die im Laufe der Zeit Macht, Besitz und Ansehen erworben hatten – von Herzog Heinrich dem Löwen hat Berengar wenig Aussicht auf die Übernahme der väterlichen Güter nach dessen Tod. Er wird deshalb von seinem Vater nach Köln geschickt, wo er an der Stiftsschule eine Ausbildung zusammen mit Adligen und Söhnen von Edelleuten genießt. Der plötzliche Tod seines älteren Bruders Boso verändert alles. Berengar wird zurückbeordert ins Weserland, wo sein Vater angesehener und wohlhabender Herr der Farnburg ist. Berengar, der jetzt Erbe des Familienbesitzes ist, muss allerdings auf Wunsch seines Vaters zunächst beweisen, dass er des zukünftigen Erbes würdig ist. So kommt es, dass der junge Berengar, gemeinsam mit seinen Freunden das Heer Friedrich Barbarossas auf dem Weg zur Kaiserkrönung in Italien begleiten soll. Berengar genießt nicht nur die Freundschaft und das Vertrauen Heinrichs des Löwen, er wird auch bald zu einem wichtigen Berater und Vertrauten von Friedrich, dessen Weg nach Rom gezeichnet ist von immer wiederkehrenden Kämpfen und Kriegen. Berengar, dessen verstorbene Mutter aus Parma stammt, spricht einigermaßen fließend italienisch und wird deshalb als Übersetzer bei Verhandlungen, aber auch als Spion eingesetzt, was ihn mehr als einmal in arge Bedrängnis bringt. Auf seine Mitstreiter und besten Freunde ist allerdings Verlass. Sie lassen Berengar nicht im Stich.

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Martha Baillie: Besondere Vorkommnisse

Miriam Gordon soll eigentlich nur Zwischenfälle notieren. Wer hat in der Bibliothek randaliert? Wer hat gestört? Wer fiel auf? Doch was die 35-jährige Angestellte einer öffentlichen Bibliothek in Toronto in Martha Baillies Roman „Besondere Vorkommnisse“ zu Papier bringt, ist weit mehr als Dienstprotokoll und Aktennotiz.

Aus 144 kurzen Berichten setzt sich dieser ungewöhnliche Roman zusammen. Sie wirken mal wie Beobachtungen aus dem Arbeitsalltag, mal wie poetische Miniaturen, mal wie Splitter einer verletzten Biografie. Miriam schreibt über die Menschen, die in die Bibliothek kommen: Einsame, Suchende, Verlorene, Sonderlinge. Zugleich schreibt sie, oft nur angedeutet, über sich selbst. So wird die Bibliothek zum Ort, an dem öffentliche Ordnung und private Unordnung direkt nebeneinanderstehen.

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Natalie Labarre und Gosia Herba: Penicillin und andere unglaubliche Missgeschicke, von denen du (wahrscheinlich) noch nie gehört hast 

Dieses Buch steckt voller Missgeschicke und Überraschungen, denn Fehler gehören ebenso zum Leben wie Erfolge. Vor allem muss sich niemand über Missgeschicke ärgern oder schämen.

Hier erfahren kleine und große LeserInnen von vielen Fehlern, aus denen sogar geniale Erfindungen resultierten. Manche dieser Fehler, die einst gemacht wurden, können heute sogar Leben retten, wie das Medikament Penicillin, um das es unter anderem geht. Weiter lesen wir, wie durch Fehler in der Küche unter anderem Kartoffelchips entstanden oder wie der elfjährige Frank das Eis am Stiel erfand. Es geht aber auch um musikalische Missgeschicke, um Fehler in der Kunst, um wertvolle und teure Fehler. Wir erfahren von Ideen, die schiefgingen, wie dem ersten Flugversuch. Weiter, wie aus einem missglückten Experiment das erste Streichholz entstand, oder wie der Klettverschluss und wie Klebezettel erfunden wurden. Die Liste der unglaublichen Erfindungen ist lang. Die Erläuterungen dazu lassen staunen und lesen sich humorvoll.

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