Angelika Klüssendorf: Trost

»Und jeder, wirklich jeder Mensch auf der Welt braucht Trost. Und das ist überhaupt kein schlimmer Gedanke – es wäre erst dann schlimm, wenn es keinen Trost gäbe.« So heißt es am Ende dieses Romans über eine in der Tat trostbedürftige Patchworkfamilie im Jahr 2022.

Rita, das Zentralgestirn, um das sich alle anderen Charaktere gruppieren, ist Anfang 60, Schriftstellerin, und will sich eigentlich auf die Dinge konzentrieren, die sie liebt, wie Kaffee, Blumen und ihre Hühner. Ihr Alltag aber ist dominiert von Trennungsangst, die sie in einer längst erstarrten, von unterschwelliger Aggression geprägten Beziehung verharren lässt. Und dann, nach einem Insektenstich und einem anaphylaktischen Schock, fällt sie ins Koma.

Ritas Stieftochter Jane, 17, ist das erzählerische Zentrum des Romans; ihre Kapitel nehmen den größten Raum ein. Jane steht kurz vor dem Abitur, in dem sie wenig Sinn sieht. Sie ist auf reflektierte Art ziellos und verunsichert – durch den Zwang, sich bereits jetzt für einen Lebensweg entscheiden zu müssen, durch ihre leibliche Mutter, die zu einem Serienzombie mutiert ist, durch Corona, den Ukrainekrieg, durch die brüchig gewordene Beziehung zu ihrer engsten Freundin Lea. Und nun verliert sie auch noch ihre wichtigste Bezugsperson:

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Franziska Jebens: Über der Brandung

„Ich will kein gutes Ende, sondern einen neuen Anfang.“

Viel mehr als diesen Leitsatz hat eine junge Autorin nicht im Gepäck, als sie sich – vom Leben und von der Liebe enttäuscht – eines Wintertages aus dem tristen Berlin auf den Weg macht, um dem Strudel ihrer ruhelosen Gedanken zu entfliehen. Durch Zufall landet sie auf einer griechischen Kykladeninsel. Umgeben von wilder Natur trifft sie auf Menschen, die noch wirkliche Lebenslust empfinden und ihren eigenen Weg gehen. In der älteren Hera, einst selbst einer verzweifelten Lage entkommen, findet sie eine weise Mentorin und lernt nach und nach, sich selbst wieder zu spüren.

„Dort, wo die Wellen mal wild und tosend, mal sanft und leise das Ufer berühren. Wo der Sand in der Abendsonne golden schimmert und das Meer dich, mal türkis, mal himmelblau, dazu verlockt, in seine salzigen Fluten einzutauchen.“

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Richard Swan: Grave Empire: Die Chroniken von Sova 01

Willkommen zurück in Sova. Seit jener Zeit, als Junker Konrad Vonvalt, gefürchtetes Mitglied des unbestechlichen Richterordens, mit seinen magischen Fähigkeiten über Recht und Gesetz in den Provinzen wie in der Hauptstadt wachte, sind fünfhundert Jahre vergangen.

Das Reich wird inzwischen von allen Seiten bedrängt. Die kriegerischen Auseinandersetzungen drohen angesichts weiter Nachschubwege und schwindender Fähigkeiten verloren zu gehen. Provinzen stehen vor der Abspaltung, Macht und Reichtum des Imperiums geraten zusehends ins Wanken.

Die nekromantischen Fähigkeiten der Richter wurden längst verboten. Nur einige der Naturvölker jenseits der Reichsgrenzen halten noch Zwiesprache mit dem Land der Toten.

Als im hohen Norden eine tödliche Seuche ausbricht, ist guter Rat teuer. Zumal sich zwei Mönche auf den Weg in die Hauptstadt machen, um der Kaiserin eine Warnung zu überbringen – auch wenn sie dies das eigene Leben kosten könnte.

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Silvia Trippolt: Küchengeflüster: Die verborgene Zutat der Liebe

Ein wunderbar leichter Roman über das harte Leben in der Gastronomie. Wer schon mal „gekellnert“ hat, kann das bestätigen. Der Ton ist rau, die Arbeit hart und vor allem meistens dann, wenn andere eben frei haben. Wer nur von außen draufschaut, sieht das nicht unbedingt und macht gerne auch mal den Fehler, eben oberflächlich zu urteilen. Genau wie die Protagonistin im Roman, die unter einem Pseudonym ihre „Tischnotizen“ in einer Food-Zeitschrift veröffentlicht und mit den Gastronomen und Restaurantbesitzern nicht selten ziemlich hart ins Gericht geht. „Emil Fürst“, so das Pseudonym, ist denn auch bekannt für seine Scharfzüngigkeit und harten Worte, in der Gastroszene eher gefürchtet. Tilda, die junge Journalistin, die hinter dem Pseudonym steckt, ist wohl mehrfach über das Ziel einer gerechten Kritik hinausgeschossen und hat sich zuletzt richtig Ärger eingehandelt. Einmal, als sie „den Italiener“, den eine ehemalige Schauspielerin, eine „Promi-Quereinsteigerin“, eröffnet hat, ziemlich schlecht hat wegkommen lassen, – damit ist sie bei ihrem Chef, Heinrich Setten, dann noch einigermaßen milde davon gekommen. Er hat lediglich die Zusage von ihr verlangt, den nächsten Text erst von ihm absegnen zu lassen, bevor sie ihn in Druck gibt. Okay, mit einem Rüffel und dieser Auflage kann sie leben. Allerdings hält sie sich nur bedingt an die Abmachung. Sie legt den Text über ihren Besuch im Sterne-Restaurant „Wolf“ zwar vor, aber nachdem Heinrich sein Okay gegeben hat, „peppt“ sie ihn noch ein bisschen auf. Und das bricht ihr dann beinahe das Genick. Rena Wolf, die Restaurantbesitzerin, erscheint persönlich in der Redaktion und macht ihrem Ärger Luft. Der Text sei niederträchtig, widerwärtig und fies, Tilda unterscheide nicht zwischen Tatsachenbehauptungen und Werturteilen. Das sei unzulässig. Leider stimmt Heinrich dem zu, statt Tilda zu verteidigen. Aber statt Tilda zu verklagen, hat sich Rena Wolf eine ganz andere Strafe für sie ausgedacht. Tilda soll drei Monate lang in ihrem Restaurant arbeiten, um selbst zu erfahren, was da geleistet wird und wie hart die Arbeit ist. Danach kann sie dann über ihre arrogante Kritik nachdenken. Tildas Chef stimmt diesem Vorschlag unbedingt zu und stellt Tilda vor die Wahl, entweder das Angebot anzunehmen und, getarnt als Foodbloggerin, im „Wolf“ zu lernen, was Gastro bedeutet oder sie ist ihren Job los.

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Mark Mupotsa-Russell: Das kleine Handbuch einer Vorstadt-Killerin

Actionreiche und ziemlich blutige Geschichte um eine Mutter auf Rachefeldzug

Den im Klappentext verkündeten Humor, selbst den schwarzen, sucht man in diesem Roman vergeblich. Doch die rasante Story um eine ehemalige Auftragskillerin, die zur Rachegöttin wird, liest sich spannend, fesselt und unterhält, wenn auch auf eine manchmal etwas drastische Art.

Olivia, die ihre Geschichte in Ich-Form erzählt, war eine Killerin im Auftrag des organisierten Verbrechens in Spanien. Sie lebt mittlerweile das Leben einer Vorstadtmama zweier kleiner Töchter in ihrer Heimat Australien. Weder ihr Mann noch ihre Mitarbeiterinnen in der von ihr gegründeten Agentur ahnen etwas von ihrer Vergangenheit. Sie selbst denkt jedoch immer wieder einmal daran zurück und hadert mit einigen der von ihr begangenen Morde, ja sieht hinter manchem Ereignis, das ihr widerfährt, die strafende Hand des Schicksals.

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Sara Hashem: The Jasad Crown

Herauszufinden, dass die Frau, in die er sich verliebt hat, in Wahrheit Essiya, die Königin von Jasad und seine Erzfeindin ist, hat Arin beinahe zerstört. Doch damit nicht genug, denn die Welt, wie er sie kennt, droht durch Geheimnisse und Verschwörungen aus den Fugen zu geraten. Während er versucht, die Wahrheit hinter allem herauszufinden, muss Essiya ihr Volk – und insbesondere sich selbst – davon überzeugen, dass sie es wert ist, sie in ihre Heimat zurückzuführen. Und all das, während ihre Magie immer stärker wird, zu stark, um von ihrem menschlichen Körper kontrolliert zu werden. Arin ist der einzige, der sie vor dem Magiewahnsinn bewahren kann, aber als Thronfolger des verfeindeten Königreiches ist es seine Aufgabe, sie zu jagen und zu vernichten.

Nach „The Jasad Heir“ folgt mit dem zweiten Band nun das Finale dieser atemberaubenden Erzählung von Sara Hashem. Die unglaublichen Sprachfertigkeiten der Autorin zeigen sich hier wieder, vielleicht sogar verstärkt. Jeder einzelne Satz in diesem Buch ist Poesie. Hashem hat nicht einfach nur ein gutes Buch geschrieben: Mit Jasad gibt sie uns das beste Fantasy-Epos unserer Zeit. Die romantischste, emotionalste und herzzerreißendste Liebesgeschichte. Die schmerzvollste und feinfühligste Selbstfindungsgeschichte – und das gleich zweimal.

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Andreas Winkelmann: Moorland: Die Zwillinge

Der Krimi handelt von dem spurlosen Verschwinden der 18-jährigen Zwillinge Nike und Jana im nebligen Moor. Nach einer erfolglosen Suche liefert eine zurückgelassene Kamera den ersten Hinweis.

​Die Ermittlungen von Kommissarin Malia Gold nehmen an Fahrt auf, als plötzlich verstörende Bilder von Jana auf TikTok auftauchen. Bei der Suche nach den Mädchen stößt Malia auf eine Mauer des Schweigens in der Dorfgemeinschaft.

Ein absoluter Pageturner, der mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt hat! Wer auf der Suche nach einem atmosphärischen Thriller mit hohem Suchtfaktor ist, wird hier definitiv fündig.

​Das absolute Highlight ist das Setting: Die düstere Moorlandschaft wird so bildhaft beschrieben, dass man die beklemmende Atmosphäre förmlich spüren kann und das Gefühl hat, als sei man direkt vor Ort. Besonders toll fand ich, dass der Autor faszinierende Fakten und Infos über das Moor in die Story eingeflochten hat. Man amüsiert sich also nicht nur bestens, sondern lernt ganz nebenbei noch etwas dazu – eine perfekte Mischung aus Wissen und Nervenkitzel.

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Katja Maybach: Zwei Frauen

Ein interessanter Roman über die Freundschaft zweier Frauen aus ganz unterschiedlichen Welten. Eine Freundschaft, die ihr jeweiliges Leben prägt und verändert.

Hannah und Julie sind beide noch sehr jung, Anfang zwanzig, als sie sich zufällig in der Kanzlei von Julies Ehemann begegnen. Der Anwalt und Notar regelt die Überschreibung des elterlichen Hofes auf Hannah, nachdem ihr Bruder nach dem Tod des Vaters beschlossen hat, eigene Wege zu gehen und das Handwerk des Schusters zu erlernen. Er hat kein Interesse am Hof, steht Hannah aber natürlich zur Seite, wenn sie ihn braucht. Hannah kann zum Beispiel weder lesen noch schreiben. Im Dorf wird die Entscheidung des Bruders, Hannah den Hof zu überlassen, als Skandal betrachtet. Es geht einfach nicht an, dass eine Frau alleine einen Hof bewirtschaftet und alle Entscheidungen trifft. Anfang des 20. Jahrhunderts undenkbar! Vor allem eben in einem kleinen Dorf.

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Kim Leopold: The Calmest Kind of Storm

Noemi führt ein geheimes Doppelleben als erfolgreiche Romantasy-Autorin Isla Golding. Als sie verkleidet auf Lesereise geht, trifft sie ausgerechnet auf ihren Hörbuchsprecher – den Mann, mit dem sie vor Jahren zwei heiße Nächte verbrachte. Das Problem? Er erkennt sie unter der Maske nicht … Ein genialer, spannender Einstieg in ein unvergessliches Abenteuer!

Ich habe schon die anderen Bände der Reihe geliebt. Es ist keine klassische 08/15-Romance-Geschichte, wie man sie im Moment häufig unter die Finger bekommt. Für mich war schnell klar: Diese Geschichte wird zu einem Highlight und hat mir am besten aus der Reihe gefallen.

Das Buch greift auch ernstere Themen auf, wie mentale Belastung und Selbstfindung. Das gibt dem Ganzen einen tiefgründigen Kern, der begeistert.

Der Schreibstil der Autorin ist angenehm flüssig und greifbar zugleich. Ich bin nur so durch die Seiten geflogen, wodurch das Buch viel zu schnell vorbei war. Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Savio und Noemi erzählt, was sehr positiv ist, da man so besser in die Gedankenwelt der beiden eintauchen kann und ihre Handlungen so mehr und mehr verstehen lernt.

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Anett Diell: Das Zimmermädchen vom Adlon

Die Goldenen Zwanziger Jahre in Berlin – das ist der Rahmen, in den „Das Zimmermädchen vom Adlon“ uns entführt. Die Zeit der Weimarer Republik war geprägt durch politische und soziale Probleme, Reparationszahlungen nach dem 1. Weltkrieg, Arbeitslosigkeit und Hunger. Dazu kam eine seit 1914 ständig steigende Inflation, die 1923 schließlich zu einer Hyperinflation führte, bei der ein Brot schon mal eine Milliarde Mark kosten konnte. Erst mit Einführung der Rentenmark konnte die Inflation gestoppt werden.

In dieser Zeit wird Irabella Keller, genannt Ira, 1921 Zimmermädchen im damals schon berühmten Hotel Adlon. Das war immer ihr Traum, jetzt wird er wahr. Mit ihrer offenen, freundlichen Art wird die zupackende Ira bald zum „frischen Wind“ im Hotel, beliebt bei Kolleginnen und Kollegen ebenso wie bald auch bei Hedda Adlon, der zweiten Ehefrau von Louis Adlon, dem Generaldirektor. Hedda entdeckt, dass in Ira viel mehr steckt als ein gewissenhaftes Zimmermädchen, dem nichts zu viel ist. Sie bittet sie bald um Rat und Ideen, die beiden freunden sich an, soweit Irabella das zulässt. Ira ist eine starke junge Frau, die auf ihrer Eigenständigkeit beharrt, die sich nicht abhängig machen will von nichts und niemandem, die sich verschließt, wenn man ihr zu nahe kommt und nur sehr wenige Menschen ihre wirklichen Freunde nennt.

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