Julie Caplin: Ein Zuhause im Frühling

Schon das Cover macht fröhlich und sieht nach lauer Frühlingsluft aus. Fröhliches Rot, eine Bank, die zum Träumen im Garten einlädt, und ein Hund, der einen zutraulichen Eindruck macht.

Das fasst die neue Umgebung der Londoner Illustratorin Ella ganz gut zusammen, die für ein halbes Jahr das idyllische Cottage ihrer Patentante in der englischen Countryside hüten soll. Ella ist gerade an einem Punkt, an dem sie sich Gedanken über ihr Leben macht. Einiges ist nicht so gelaufen, wie sie sich das vorgestellt hatte, einiges will sie neu ordnen und sich klar werden, wo ihre Prioritäten liegen sollen. Da kommen das abgelegene Dorf in seiner Überschaubarkeit und Magdas liebevoll gepflegtes, heimeliges Cottage doch gerade recht. Doch mit der Ruhe, von der Ella geträumt hatte, ist nicht viel. Die überaus tatkräftigen und engagierten Dorfbewohner heißen die neue Mitbewohnerin nur allzu gerne und ohne Umschweife, aber auch ohne Ella viel Wahl zu lassen, willkommen und integrieren sie ohne Wenn und Aber in ihre Gemeinschaft. So ungefähr jeden Tag gibt es etwas zu tun, zu organisieren und irgendwo dabei zu sein. Und dann ist da ja auch noch Tess, die gutmütige Labradorhündin, um die Ella sich auch noch kümmern muss. Das wurde ihr so „im Vorbeigehen“ von ihren Eltern aufgedrückt, als diese sie vom nächstgelegenen Bahnhof abgeholt und zu Magdas Cottage gebracht haben. Das passt Ella eigentlich überhaupt nicht in den Kram, mit Hunden hat sie nichts am Hut und kennt sich auch überhaupt nicht damit aus. Das muss sie lernen, ob sie will oder nicht, denn Tess bleibt.

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Matt Dinniman: Dungeon Crawler Carl

Carl hatte eigentlich alles. Freundin, Mietshaus in Seattle, eine prämierte Zuchtkatze – das kleine, zufriedene Leben auf der Sonnenseite des American Dreams. Dann betrügt ihn seine Freundin, die Katze springt um zwei Uhr morgens aus dem Fenster, und Carl rennt ihr in Boxershorts, rosa Crocs seiner Ex und Lederjacke hinterher, hinaus in einen selbst für die Nordwestküste grotesken Wintereinbruch.

Wenn Sie dieses Bild jetzt vor Augen haben, genießen Sie es kurz – und vergessen Sie es dann sofort. Denn das war erst der harmlose Prolog.

Im nächsten Moment machen außerirdische Invasoren sämtliche Gebäude der Erde platt. Wer sich in Häusern, Garagen oder Autos befunden hat, ist fort, alle, die in der freien Natur waren, bekommen eine letzte Chance – den Abstieg in ein Dungeon. Dort dürfen – oder besser müssen – die Überlebenden an einer intergalaktisch übertragenen Reality-Show teilnehmen, deren Titel lauten könnte: „Keiner wird überleben“.

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Nina Martin: Burning Revenge

Eleonora Scarselli lebt ein Leben im Luxus. Doch ihre heile Welt zerbricht, als auf einer Geburtstagsfeier ihr Vater und ihre Schwester vom Erzfeind ihrer Familie ermordet werden. Dabei wird alles, was sie zu wissen glaubte, auf den Kopf gestellt. Ihre Familie handelt eigentlich mit magischen Drogen, sie selbst kann Gedankenmagie wirken, und weil das alles noch nicht genug ist, soll sie als Friedensbeweis Valerio heiraten – den ältesten Sohn ihrer Feinde. Eleonora sieht ihre Chance auf Rache … quasi ein Selbstmordkommando.

Romantic Suspense trifft auf unfassbar viel Suspense, sodass ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte. Die Spannung hat gleich zu Anfang eingesetzt und konnte sich – natürlich mit einigen schönen Atempausen – bis zum Ende halten. Danke an den Cliffhanger.

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Lukas Rietzschel: Sanditz

Der deutsche Schriftsteller und Dramaturg Lukas Rietzschel (Jahrgang 1994) schreibt Romane und Theaterstücke. Am 12. März 2026 ist nach „Mit der Faust in die Welt schlagen“ aus dem Jahr 2018 und „Raumfahrer“ aus dem Jahr 2021  sein dritter Roman mit dem Titel „Sanditz“ bei dtv erschienen.

„Sanditz“ von Lukas Rietzschel damals und heute

Mit einem flatternden schwarzen Raben vor hellblauem Grund auf dem Cover kommt „Sanditz“ von Lukas Rietzschel in den Buchhandel. Die Raben spielen gleich zu Beginn des Buches eine Rolle. Im Prolog erzählt Rietzschel in Anlehnung an die Sage „Krabat“ von zehn Raben, die zu Menschen werden und die Statue Otto von Bismarcks auf dem Hügel über Sanditz umstürzen. Und Raben tauchen im weiteren Verlauf der Geschichte immer mal wieder an verschiedenen Stellen auf.

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Charles Lewinsky: Eine andere Geschichte

Mit seinem neuen Roman Eine andere Geschichte beweist Charles Lewinsky einmal mehr, dass er ein Meister darin ist, historische Stoffe mit erzählerischer Fantasie zu verbinden. Diesmal entführt er seine Leser in die frühen Jahre des Films – eine Zeit, in der sich Hollywood gerade erst erfand und Genie, Zufall und technische Neugier oft näher beieinanderlagen als Ruhm und Erfolg.

Im Zentrum steht Curtis Melnitz, eine tatsächlich existierende Figur, die Lewinsky als Ich-Erzähler auftreten lässt. Melnitz blickt zurück auf sein bewegtes Leben zwischen den Anfängen des Stummfilms und den 1950er-Jahren. Dabei begegnet er Größen der Filmgeschichte ebenso wie erfundenen Charakteren. Gerade dieser gelungene Mix aus Fiktivem und Realem macht den besonderen Reiz des Romans aus: Er liest sich zugleich wie ein Stück gelebter Kinogeschichte und wie ein augenzwinkerndes Spiel mit ihren Mythen.

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Andreas Gruber: Herzfluch

Die Wiener Privatdetektivin Elena Gerink ist auf der Suche nach einem zu Unrecht freigesprochenen Mörder, der sich vor fünfzehn Jahren ins Ausland abgesetzt hat. Nach schwierigen Recherchen führt sie der Fall schließlich nach Griechenland. Dorthin sind auch Elenas Mann Peter und sein Kollege Dino Scatozza unterwegs – beide Entführungsspezialisten des österreichischen BKA. Unter Zeitdruck versuchen sie, eine vermisste junge Urlauberin zu finden, die zuletzt auf einer Party der Athener High-Society gesichtet wurde. Als sich die Spuren beider Fälle auf einer kleinen griechischen Privatinsel kreuzen, ermitteln Elena, Peter und Dino dort gemeinsam weiter … und werden in die düstere Vergangenheit der Insel hineingezogen.

13 Jahre nach dem ersten Band einen zweiten zu veröffentlichen, ist recht gewagt – doch lohnt es sich dennoch, das Buch zu lesen? Ein klares Ja.

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Sunil Mann: Ziemlich beste Verbrecher

Ein herrlich skurriler, unterhaltsamer, leichter Krimi mit zwei herrlich dargestellten Protagonisten, die sich zwar gegenseitig nicht ausstehen können, aber auch nicht anders können, als weiterhin zusammen in einer Art Wohngemeinschaft miteinander auszukommen. Beide in fortgeschrittenem Alter, da bleiben nicht mehr allzu viele Möglichkeiten, sich eine neue Existenz aufzubauen, wenn die bisherige Arbeitgeberin verstirbt. Alois Mistelzweig, gescheiterter Pianist, verdingt sich hin und wieder als Klavierspieler in Hotelbars oder Lounges, was allein allerdings den doch anspruchsgewohnten Lebensunterhalt nicht sichern kann. Berta Bartok, pensionierte Köchin, ist da eher auf die „Zusammenarbeit“ mit Alois angewiesen. Gemeinsam haben sie ein recht raffiniertes System entwickelt, den ein oder anderen Gast in vornehmen Zürcher Cafés oder Restaurants um sein Bargeld zu erleichtern. Ihre Methode ist ziemlich gezwungenermaßen ausgeklügelt und hat bisher auch immer gut funktioniert – zum Flüchten sind beide immerhin zu alt, da hätten sie keine Chance gegen einen jüngeren Verfolger.

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Kali Wallace: Dead Space

Alles begann damit, dass eine wissenschaftliche Expedition zum Titan von Terroristen sabotiert wurde. Die allermeisten Wissenschaftler und alle Terroristen kamen dabei ums Leben, die wenigen Überlebenden benötigten teure medizinische Behandlung.

Seitdem ist Hester Marley, die durch den Anschlag ein Auge und einen Arm verlor, bei Parthenope Enterprises, die ihre Behandlung bezahlt haben, hoch verschuldet. Sie unterschrieb einen Fünfjahresvertrag. Statt KIs zu entwickeln, dient sie nun auf einer abgelegenen Raumstation als Security-Offizierin.

In dieser Funktion erfährt sie, dass ein weiterer Überlebender auf einer Asteroidenmine brutal ermordet wurde. Als sie am Tatort ankommt, stößt sie auf eine Mauer aus Schweigen, Verleumdungen und Geheimnissen. Ihr alter Freund hat etwas entdeckt – etwas, das ihn sein Leben gekostet hat, etwas, das Parthenope unter allen Umständen geheim halten will und wofür der Konzern im wahrsten Sinne des Wortes bereit ist, über Leichen zu gehen …

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Colleen Hoover: Woman Down

Colleen Hoover erzählt in Woman Down die Geschichte von Petra Rose, die in eine Schreibkrise geraten ist, nachdem eines ihrer Bücher verfilmt wurde und einen massiven Shitstorm ausgelöst hat. Sie hat miterlebt, wie sich ihre Fans plötzlich gegen sie stellen. Nur mithilfe ihrer Kollegin Nora findet sie nach einem Jahr allmählich zurück in die Normalität und wagt sich sogar wieder ans Schreiben.

Hierfür mietet sie eine abgelegene Hütte am See. Der Schreibfluss will sich nicht recht einstellen – bis Detective Nathaniel vor ihrer Hütte auftaucht und von einem schrecklichen Ereignis berichtet, das sich in der Nähe zugetragen hat. Er ist das Ebenbild des Cops in ihrem Roman und beflügelt damit ihre Kreativität. Nie hat sie sich lebendiger gefühlt als in den Momenten, in denen er sie berührt, und er willigt ein, ihr bei der Recherche für ihr Buch zu helfen. Doch indem sie sich auf ihn einlässt, setzt sie so einiges aufs Spiel und bedroht erneut ihre Existenz …

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Megan Nolan: Kleine Schwächen

Kleine Schwächen mit großer Wirkung – beeindruckende Geschichte um Verlorene

Schon allein der Aufhänger des Romans, die Ausgangssituation, ist herausfordernd, für die Figuren wie für die Leserin. Ein kleines Mädchen stirbt und ein anderes kleines Mädchen soll sie getötet haben.

Das Ganze trägt sich zu Anfang der 1990er-Jahre in London. Die dreijährige Mia verschwindet und wird kurz darauf tot aufgefunden. Schnell fällt der Verdacht auf die zehn Jahre alte Lucy. Nicht nur, weil Lucy ein ungewöhnliches Kind ist, mit dem die Nachbarn nicht umzugehen wissen, sondern auch, weil ihre gesamte Familie unangepasst, auffällig ist.

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