Allen Levi: Theo in Golden

Theo, 86, geboren in Portugal, offensichtlich wohlhabend, lässt sich für ein Jahr in Golden nieder, einer fiktiven Stadt im amerikanischen Süden. In einem Café hängen 92 Bleistiftporträts von Einwohnern Goldens, die ihn wegen ihrer künstlerischen Perfektion und der Meisterschaft, mit der der Künstler die Persönlichkeit dieser Menschen herausarbeitet, faszinieren. Und dann setzt er eine spontane Idee um: Er will alle 92 Porträts kaufen und den Porträtierten schenken.

Theo mietet ein Apartment, freundet sich mit einigen Einwohnern an, und trifft regelmäßig an einem Brunnen in der Stadt Menschen, denen er die Bilder überreicht und mit ihnen redet. Und damit ihr Leben zum Positiven wendet, ob es sich um eine in ihrem Beruf unglückliche Wirtschaftsprüferin, eine Obdachlose, einen hochbegabten Musikstudenten oder um einen Hausmeister handelt, dessen Tochter schwer krank und schlecht versorgt im Krankenhaus liegt.

Theo ist einfühlsam, respektvoll und ein guter Zuhörer und Beobachter. Schnell öffnen sich die Menschen ihm gegenüber, enthüllen ihre Geheimnisse, ihre Sorgen und Ängste, und er versteht es, ihnen entscheidende Impulse zu geben. Manchmal wird er zum anonymen Wohltäter. Theo ist überzeugter Christ, was zunächst nur angedeutet und dann in immer häufigeren biblischen Bezügen untermauert wird. Aber Theo/Levi predigt nicht. Eher geht es darum, zu zeigen, dass Glaube allein nicht reicht. Nicht Worte zählen, sondern Taten. Und Theo ist ein liebenswürdiger, herzensguter Mensch, dem es Freude macht, Freude zu bereiten.

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Sven Regener: Frankie und Freddie

25 Jahre ist es her, dass Sven Regener mit „Herr Lehmann“ einen der eigensinnigsten Helden der jüngeren deutschen Literatur erfand. In „Frankie und Freddie“, dem inzwischen sechsten Roman aus diesem Kosmos, schickt er Frank Lehmann erneut durch West-Berlin – diesmal an der Seite seines Bruders Freddie und mitten hinein in einen eisigen Tag kurz vor Weihnachten 1980.

Der Ausgangspunkt ist denkbar schlicht: Freddie, gerade aus einer Klinik entlassen, in der er als Proband ein neues Medikament getestet hat, hat eine Tasche verloren. Darin stecken wichtige Reisedokumente, die er für seinen geplanten Trip nach New York braucht. Also ziehen die Brüder durch Schnee und Kälte, von einem Ort zum nächsten, immer in der Hoffnung, der Tasche näherzukommen.

Natürlich wäre es kein Lehmann-Roman, wenn dieser Weg geradlinig verliefe. Regener bevölkert die Geschichte wieder mit Figuren, die schon durch ihre Namen oder Auftritte im Gedächtnis bleiben: Da ist der kunstbesessene Artsy Farty, da ist Olli, der in einem selbstgenähten Shell-Overall an einer Aral-Tankstelle aushilft, und da ist Chrissie, vergrippt, resolut und für Frank von besonderem Interesse. So bekommt neben Freundschaft, Großstadtalltag und absurden Begegnungen auch die Liebe ihren Platz.

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Eva-Maria Bast: Das Mandelblütengeheimnis

In diesem stimmungsvollen Familienroman begeben wir uns mit der Protagonistin auf Zeitreise.
Anna, Gärtnerin aus Leidenschaft, kümmert sich um ihre an Demenz erkrankte, sehr betagte Großmutter, um ihre Mutter zu entlasten, die die Pflege in den letzten Wochen übernommen hatte. Sie tauschen sozusagen die Plätze. Anna hatte immer ein sehr inniges Verhältnis zu Letitia, ihrer Großmutter, dennoch weiß sie ziemlich wenig über Letitias Kindheit und Jugend. Als die Großmutter eines Tages immer wieder von einer Sagrada und in ihren Träumen auch noch spanisch spricht, will Anna mehr wissen. In einer alten Holzschachtel findet sie ein vergilbtes Rezeptbuch, geschrieben in Spanisch, außerdem edle Leinentischwäsche mit den Initialen SV. Anna begibt sich auf Spurensuche.

Ihr Weg führt sie von der Schweiz in den Süden Spaniens, nach Alicante, wo sie auf die Turròn-Vidal-Manufaktur stößt und auf die Geschichte von Sagrada Blasco und José Vidal, die sich 1930 ineinander verliebten. Ein bisschen wie Romeo und Julia, die Familien waren verfeindet. Der Grund des Streits war eine Mandelplantage, die sowohl Sagradas Vater Don Esteban als auch Josés Vater besitzen wollten. Mandeln waren die Grundlage ihres Geschäfts – bei den Blascos zur Herstellung von Marzipan, Mazapán, bei den Vidals für ihr berühmtes Turròn. Beide Firmenchefs warfen sich gegenseitig vor, den anderen mit den Auseinandersetzungen über die Plantage fast in den Ruin getrieben zu haben. Eine Liebe zwischen Sagrada und José schien unmöglich und doch haben die jungen Leute sich nicht beirren lassen und um ihre Liebe gekämpft. Nach und nach erfährt Anna bei ihrer Reise nach Alicante die Geschichte der Blascos und der Vidals, das Rezeptbuch öffnet ihr die Türen der Vidals. Carlos, der Juniorchef weiht sie in die Geheimnisse des Turròn ein, zeigt ihr die Mandelplantagen, die Geschäfte der Familie, erklärt ihr die Herstellung – ganz wie 1930 José mit Sagrada.

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Christiane Hoffmann: Die Träume, die wir hatten

Christiane und ihre Freundin kennen sich seit ihrer Studienzeit Ende der achtziger Jahre. Sie werden beste Freundinnen, lernen die russische Sprache und die russische Literatur lieben. Sie bereisen die Sowjetunion über viele Jahre. Dabei erlebt vor allen Dingen die Erzählerin Christiane, die in Russland viele Jahre lebt, als Journalistin arbeitet, dort auch heiratet, wie sich das politische Leben durch den Fall des Eisernen Vorhangs verändert. Sie teilte die Hoffnung der russischen Bürger auf echte Demokratie und ein friedliches Europa.

Währenddessen schreibt ihre Freundin ihre Doktorarbeit, um danach an der Universität wissenschaftlich zu arbeiten. Sie heiratet einen russischen Künstler und organisiert für ihn Ausstellungen.

Die Autorin Christiane Hoffmann arbeitet ebenfalls als Journalistin, ist politisch aktiv in ihrer Eigenschaft als Osteuropa-Expertin. Nach ihrem erfolgreichen Buch über die Flucht ihres Vaters widmet sie sich in ihrem aktuellen Buch einem weiteren persönlichen Thema. Es handelt vom Scheitern und Schuldgefühlen.

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Ayla Dade: Wanna be my lover

„Sie tanzt, um zu vergessen. Er kämpft, um zu fühlen.“

Als eine der begabtesten Tänzerinnen, Ophelia, und der ehemalige Navy Seal Maddox an der University aufeinandertreffen, funkt es zwischen ihnen sofort. Beide tragen tiefe Wunden in sich. Doch während eine explosive Nähe zwischen ihnen entsteht, droht Ophelias Vergangenheit das zarte Band zu zerstören…

Meine Meinung: Es fällt mir wirklich schwer, diese Rezension zu schreiben. Alles an diesem Buch deutet im Vorfeld darauf hin, dass es für mich zu einem absoluten Highlight werden könnte. Dass es mich am Ende so gar nicht abholen würde, hätte ich im Leben nicht erwartet. Wenn ich das Buch in wenigen Worten beschreiben müsste, dann wäre es: es war mir einfach zu viel von allem.

Maddox und Ophelia als Protagonistin hätten so viel Potenzial für viele tiefgründige und emotionale Gespräche gehabt. Leider hat die Autorin diesen Platz lieber mit unwichtigen Dingen gefüllt. Das Buch wirft in kürzester Zeit zu viele Charaktere und zu viele verschiedene Themengebiete in den Raum. Zudem fühlt sich das Setting erzwungen an – das ständige Betonen, dass die Geschichte in den Neunzigern spielt, war mir schlichtweg zu viel des Guten. Auch die teilweise sehr vulgäre Sprache hat mich beim Lesen gestört.

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Jess Ryder: Die Touristin

Juno ist Ende 30 als sie beschließt, nach Griechenland zu reisen, um endlich ihren Vater kennenzulernen oder zumindest mehr über ihn zu erfahren. Ihre Mutter hat ihr nicht viel erzählt. Juno weiß nur, dass Estelle, ihre Mutter 1984 und 1985 einige Zeit auf der (fiktiven) griechischen Insel Inios verbracht hat, sich dort in einen jungen Griechen namens Niko verliebt hat, der offenbar ihr Vater ist. Details hat Estelle, die heute in Portugal lebt, nicht erzählt. Überhaupt hat sie wenig über ihre Zeit auf der Insel, über ihre Liebe zu Niko und warum sie nicht zusammen geblieben sind, gesprochen. Juno reist mit ein paar Koffern und einigen Briefen, die Estelle damals an ihre Eltern geschrieben hatte, auf diese traumhaft schöne Insel und hofft, Antworten zu finden auf Fragen, die sie sich seit Jahren stellt. Sie kennt den Namen der Familie, die auch heute noch sehr einflussreich ist auf der Insel, die ein schickes Hotel besitzt und anscheinend eine Menge Geheimnisse hat. Juno schafft es, im Hotel der Zimiris einen Job als Hochzeitsplanerin zu bekommen, obwohl sie von dem Metier eigentlich überhaupt keine Ahnung hat. So hat sie die Chance, ihre Verwandtschaft ein bisschen näher kennenzulernen, ohne ihnen gleich zu sagen, wer sie ist und was sie sucht.

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Alex Schulman: Jetzt beginnt das Leben

In seinem Heimatland Schweden wird Alex Schulmans Roman „Jetzt beginnt das Leben“ als Bestseller Nr. 1 gehandelt.

Die Handlung entspringt einem nicht aufgearbeiteten Kindheitstrauma des Protagonisten Vidar. Der Autor arbeitet dabei mit einem raffinierten Kunstgriff, indem er autofiktionale mit fantastischen Elementen verwebt.

Vidar ist Lehrer. Als er einen Streit zwischen zwei Schülern schlichten will, eskaliert die Situation und Vidar wird vom Schuldienst suspendiert, weil Videoaufnahmen beweisen, dass er Gewalt gegenüber einem der Jungen ausgeübt hat. Auslöser für Vidars groben Übergriff war – so glaubt er später – eine Äußerung, die der Junge an ihn richtete. Jedoch kann er sich weder sein rabiates Einschreiten erklären, noch sich an die Worte des Jungen erinnern.

Durch die berufliche Krise beschäftigt sich Vidar mit seiner Kindheit, die er im Sommerhaus seiner Familie verbracht hat. Er muss unbedingt wissen, was damals dort passiert ist, denn das Gesagte aus dem Mund des Schülers hängt damit zusammen, weiß er.

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Silvia Trippolt: Das Glück beginnt in Istrien

Vor der wunderbaren Kulisse Istriens ist es nicht schwierig, sich in einen Urlaub zu träumen. Falls Sie also noch Lektüre für den Sommer brauchen, dieser leichte, unterhaltsame Roman bietet sich an. Leichtes Gepäck für den Urlaubskoffer, aber flott geschrieben, witzig und durchaus berührend, einfühlsam und dennoch deutlich. Die Sprache klar und schnörkellos, die Charaktere sehr plastisch und realistisch. Eine Pension wie Darias Bed & Breakfast „Vista Mare“ in Rovinj gibt es zwar wohl eher nicht, aber man kann sich gut vorstellen, dass sie existiert und diese bunte Mischung aus sehr unterschiedlichen Gästen sich dort wohlfühlt. Daria wird als einfühlsame, lebenskluge, offene und warmherzige Gastgeberin mit wunderbaren kulinarischen Fähigkeiten beschrieben, die gleich sieht, was ihren Gästen „fehlt“. Nicht im Sinne von Krankheiten, nein, eher die seelischen Verwundungen betreffend, die alle, die da wohnen, in irgendeiner Weise mit sich rumschleppen.

Egal ob Stacey, die Heimatlose, Isabell, die vermeintlich so erfolgreiche Stimme hinter Film- und Fernsehstars, arbeitslos und am Leben verzweifelt, oder Sebastian, der Weinkenner und -händler, den sein Mann grade zugunsten einer Frau verlassen hat oder eben Linda, um die es hier geht. Sie steht sozusagen vor den Trümmern ihres bisherigen Lebens. Glanz und Glamour, ein reicher Verlobter mit toller Wohnung, ein guter Job als Rezeptionistin in einem guten Hotel – alles weg. Jordi, ihr Verlobter, hat sich als Millionenbetrüger entpuppt, sitzt inzwischen in Haft, die tolle Wohnung ist weg, der Ruf ruiniert, und deshalb hat Linda auch ihren Job im Hotel verloren. Sie ist nicht mehr tragbar als Rezeptionistin.

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Alex Capus: Querfeldein

Familiengeschichte, Gerichtsreport, historischer Roman – auf Capus-Art erzählte Geschichte

Er hat einfach einen ganz eigenen Erzählstil, der erfolgreiche, mehrfach ausgezeichnete Schweizer Autor Alex Capus. Immer ein wenig aus der Distanz, ein wenig abgehoben, leicht süffisant, beurteilend ohne zu verurteilen und vor allem wählt er immer interessante Themen und/oder interessante Figuren.

Im neuen Roman erzählt er von Arnold und seiner Familie. Arnold findet, nach Jahren des Herumreisens und ständigen Arbeitswechsels, nachdem er zu Geld gekommen ist, eine Heimat. Er übernimmt einen Gasthof, der den Namen „zur Moskau“ bekommt und direkt an der Grenze zu Deutschland liegt.

Was dazu führt, dass – die Geschichte beginnt Anfang des 20. Jahrhunderts – Arnold sowohl vom regen Grenzverkehr wie auch vom ebenso regen Schmuggel durchaus profitiert. Er heiratet und bekommt mehrere Kinder. Doch nur eines, die Älteste Clara, tritt im weiteren Verlauf des Romans in Erscheinung, die anderen werden bestenfalls mal am Rande erwähnt.

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Annette Mingels: Evas Tochter

Eines Tages steht ein Zelt auf dem Fußweg, direkt vor dem schicksten Grundstück der Straße, der Villa der Familie von Clüver. Es wird beobachtet, es wird getuschelt, und schon bald wissen alle, wer dort das Lager aufgeschlagen hat: Sophie, die unangepasste Tochter der von Clüvers, seit Jahren verschwunden und seit jeher als schwierig bekannt. Ist es ein beabsichtigter Affront gegenüber den Eltern oder Heimweh, das die junge Frau zur Rückkehr bewogen hat?

Auf der Suche nach einem eigenen Platz in der Welt

Die Bewohnerinnen der Straße begegnen Sophie auf unterschiedliche Weise – neugierig, mitfühlend oder abweisend. Sie kommen ins Grübeln über ihr eigenes Leben und so manche fragt sich, ob der Weg, den sie gerade geht, wirklich der richtige für sie ist oder ob es an der Zeit wäre, mutiger, aufrichtiger, unbequemer zu werden.

„Und dass sie wirklich geglaubt hatte, sie könnte alles auf einmal haben: die Kinder, die Kunst, vielleicht sogar Erfolg. Dass sie es, wenn sie ehrlich war, immer noch glaubte. Als wäre sie naiv. Oder ein Mann.“

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