Leonie Swann: Widdersehen

Ein neuer Schafskrimi – absolut gelungen, herrlich komisch und dabei auch noch tiefgründig

Endlich die Fortsetzung der erfolgreichen Schafskrimi-Reihe von Leonie Swann. Und der neue Band steht dem Beginn in nichts nach – allerdings hätte es nicht geschadet, wenn ich die ersten Romane „Glenkill“ und „Garou“ noch einmal gelesen hätte, bevor ich in „Widdersehen“ eingestiegen bin. Obwohl man das neue Buch auch ganz wunderbar versteht, ohne die ersten Bände zu kennen.

Die Schafherde mit ihrer Schäferin Rebecca ist zurück aus Europa, angekommen wieder auf ihrer alten Weide. Doch zu ihrem Entsetzen grasen dort drei neue Schafe, mit den poetischen Namen Eins, Zwei und Drei. Und nicht nur das, kaum angekommen, verschwindet Rebecca, nachdem sie eine ominöse Nachricht erhalten hat.

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Esther Schüttpelz: Grüne Welle

Eine Frau befindet sich auf dem Heimweg nach einem Kinoabend mit ihrer ältesten Freundin. Durch eine Baustelle verpasst sie die richtige Autobahnauffahrt und fährt einfach immer weiter. Ohne anzuhalten, ohne Plan, ohne funktionierendes Handy. Was ist geschehen, warum wendet die Frau nicht einfach? In diesem außergewöhnlichen Roadtrip entwirft Esther Schüttpelz eine faszinierende Geschichte um eine Frau, die im wahrsten Sinne des Wortes am Scheideweg steht.

Verdichteter Plot mit Sogwirkung
Es gibt Bücher, die entfalten von der ersten Seite an einen gewissen Sog. So ein Buch ist „Grüne Welle“. Dies ist auf die Verdichtung von Raum, Zeit und Handlung zurückzuführen. Der Großteil der Geschichte spielt in einem Auto, die ganze Story umfasst gerade einmal 23 Stunden, aber während dieses Tages tut sich viel – und auch wieder nicht. Die räumliche Bewegung, ganz allein ins Ungewisse zu fahren, setzt in der Frau etwas in Gang. Sie ist gezwungen, sich den Schattenseiten ihres Lebens zu stellen. Von diesen gibt es eine ganze Menge.

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April Dawson: Selling Dreams

Marissa Gallagher ist eine absolute Powerfrau: zielstrebig, willensstark und fest entschlossen, sich in der männerdominierten Immobilienbranche New Yorks durchzusetzen. Ihr größter Dorn im Auge? Calder Bevyn. Er ist nicht nur ihr schärfster Konkurrent und der „Prince Charming“ der Stadt, sondern leitet mit seinen Brüdern auch die prestigeträchtigen Bevyn Estates.

Doch das Blatt wendet sich, als Marissa Calder einen sicher geglaubten Deal vor der Nase wegschnappt. Beeindruckt von ihrem Biss stellt Calders Bruder sie prompt ein. Plötzlich sind die Erzrivalen Kollegen im selben Unternehmen. Während sie sich einen erbitterten Kampf um den Thron der Verkaufszahlen liefern, beginnen die Grenzen zwischen professioneller Rivalität und echtem Herzklopfen gefährlich zu verschwimmen.

Der Schreibstil der Autorin ist herrlich flüssig und bildhaft – ein echter Page-Turner wird das Buch dadurch. Besonders spannend fand ich das Setting. Die Welt der Luxusimmobilien ist ein neues Thema für mich, das mal etwas ganz anderes bietet als der klassische Romance-Einheitsbrei. Durch die wechselnden Erzählperspektiven gewinnen die Charaktere enorm an Tiefe und wirken in ihrem Handeln absolut authentisch.

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Dina Casparis: Die dunkle Seite der Schokolade

Ein zunächst etwas verwirrender Krimi über die Machenschaften der Schokoladenindustrie, der dann aber immer interessanter wird und gute Einblicke gibt in die Zeit, als auch die Schweizer sich als Kolonialherren zum Beispiel in Afrika nicht nur mit Ruhm bekleckert haben. Diese Zeit wird recht anschaulich dargestellt, anhand von Nachforschungen der jungen Rechtsanwältin Serafine Montalin, die  als Leiterin der Abteilung Interne Untersuchungen beim Schokoladenkonzern CacaoBest auch für Firmenzusammenschlüsse zuständig ist. Das genaue Hinsehen ist Teil ihrer Aufgabe und so forscht sie eben intensiv auch in der Vergangenheit der Firma Chocolat Grison, die vom Mitbewerber CacaoBest übernommen werden soll. Die Gespräche stehen schon kurz vor dem Abschluss, als Serafine involviert wird. Chocolat Grison, zufällig auch der frühere Arbeitgeber ihres verstorbenen Vaters, spielt in Serafines ganz persönlicher Vergangenheit zwar eine große Rolle, aber das soll natürlich beim professionellen Blick auf das Geschäftsgebaren des Unternehmens keine Rolle spielen.

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Jess Kidd: Mord in der Pension Möwennest

Ex-Nonne auf der Suche nach der verschwundenen Freundin – nicht gänzlich überzeugender Krimi

Ich liebe normalerweise die Romane von Jess Kidd, die mystische, fantastische Geschichten erzählen voller geheimnisumwobener Figuren. Doch dieses neue Buch ist anders, es fehlen genau diese Mystik, die Fantasie und auch leider ein bisschen die Spannung.

Nora Breen, die 30 Jahre lang als Nonne in einem Kloster lebte, hat ihren Schleier abgelegt, weil sie sich auf die Suche begeben will nach einer verschwundenen Freundin. Frieda war Novizin im Kloster, das sie aber dann hinter sich ließ. Sie korrespondierte danach regelmäßig mit Nora, doch plötzlich kamen keine Briefe mehr.

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Carmen Rohrbach: Der Kernbeißer

„Indem man etwas tut, hilft man sich selbst den Schmerz in eine Form zu kleiden.“ S. 14

Die Reiseschriftstellerin Steffi ist es gewohnt sich allein durchs Leben zu schlagen. Als Forschungsreisende hat sie die Welt gesehen, sie liebt das freie Leben in der Natur und hasst es abhängig zu sein. Als ein aggressiver Brustkrebs bei ihr diagnostiziert wird, droht sie in Hoffnungslosigkeit zu versinken. Der Hoffnung und dem Glück aufs Höchste misstrauend, glaub nur an Aktivität, Kampf und Disziplin. Nicht einmal engsten Freunden oder ihrer eigenen Familie vertraut sie sich an. Ganz auf sich gestellt lässt sie Arztbesuche, Chemotherapie und Bestrahlung über sich ergehen, ja sogar die Auseinandersetzung mit ihren Ängsten und Sorgen macht sie nur mit sich aus. Doch im Bewusstsein des drohenden Todes lassen sich die existenziellen Fragen des Lebens nicht so einfach verdrängen.

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Justine Pust: Whispers of Destiny

Justine Pust entführt in die nahe Zukunft und damit in dystopische Zustände: Menschen sind in Klassen unterteilt; die unteren Schichten haben nur die Wahl, an den geringen Nahrungsrationen oder der nächsten Flut zu sterben. Krankheiten werden nur noch diagnostiziert, jedoch nicht mehr geheilt. In einer Welt, in der alles bis zur Überspitzung kapitalisiert ist, hat der Tod selbst ein Callcenter eröffnet, in dem seine menschlichen Angestellten darüber entscheiden, wer lebt und wer stirbt.

Blue hasst Death Call mehr als alles andere – was bleibt ihr auch anderes übrig, wenn sie außer ihrer besten Freundin Iris alle verloren hat, die ihr je nahestanden? Doch als in ihrem Gehirn ein Tumor diagnostiziert wird, ist ein Job im Callcenter des Todes ihre einzige Hoffnung, denn die Angestellten sind gegen den Tod immun – eine Fähigkeit, die den Mächtigen der Welt nicht behagt …

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Joey Goebel: Sunset Flip

Produktbild: Sunset Flip

Joey Goebel wagt sich mit „Sunset Flip“ an ein literarisch eher selten behandeltes Thema: den Kampfsport Wrestling. Doch was zunächst nach Nischenstoff klingt, entpuppt sich schnell als klug erzählte Geschichte über Identität, Erfolg – und eine große Liebe, die zunehmend unter Druck gerät.

Im Mittelpunkt steht Auggie Schnuck, der als Wrestler auf der Erfolgsleiter weit nach oben geklettert ist. Karriere, Beziehung, Zukunft – alles scheint sich trotz seines Wunsches, eigentlich Schauspieler werden zu wollen, in die richtige Richtung zu entwickeln. An seiner Seite: Nadine, mit der ihn lange Zeit eine enge, fast unerschütterliche Partnerschaft verbindet. Gerade dieser Erfolg bringt Auggie jedoch ins Wanken. Zunehmend verschwimmen die Grenzen zwischen ihm und seiner Kampffigur „The Aug“ – mit Folgen auch für die Beziehung. Was als stabile Liebe erscheint, wird auf eine harte Probe gestellt.

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Antje Zimmermann: Das Event

Die einleitende Szene, passend mit Regenfluten und Sturmeswüten, lässt Vergangenes und ein daraus folgendes Verbrechen, ja sogar den Täter/die Täterin erahnen. Doch zunächst dreht sich alles um ein aufgrund des Todes der Besitzer geschlossenes Hotel auf Helgoland, in dem vorübergehend eine Event-Agentur ein Gruselabenteuer inszeniert, bei dem Stephen Kings »Shining« nachgestellt wird. Nicht nur im Hotel »Hummer« geschehen seltsame, wenn auch, wie sich ein ums andere Mal herausstellt, letztlich harmlose Dinge. Oder steckt doch mehr dahinter?

Kommissarin Maxi Adler und Leandra Kern, die neue Polizeichefin der Insel, haben ganz andere Sorgen. Geplagt von allerlei persönlichen Problemen – Maxi wegen ihrer Familie, Leandra mit ihrer durch eine Hormonbehandlung angestachelten Libido – sind sie weit davon entfernt, toughe Ermittlerinnen zu sein. Vogelgrippe, ein abgeschlachtetes Lamm und attackierende Möwen zerren ebenso an ihren Nerven wie die albernen Horrorinszenierungen im »Hummer«. Doch dann tritt zum einen Klaus Kleine auf den Plan, ein bisher unbekannter Erbe des Hotels, das sich Maxis Eltern unter den Nagel reißen wollen; zum anderen taucht Mathis, Maxis verschwundener und für tot erklärter Zwillingsbruder, auf. Beide sorgen für erhebliche Aufregung auf der Insel.

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Rafik Schami: Das Mosaik der Frauen

Im Zentrum von Rafik Schamis Roman „Das Mosaik der Frauen“ steht Nadim Suri, ein todkranker Syrer im deutschen Exil, der seine Geschichte dem Schriftsteller Said Mardini anvertraut. Kapitel für Kapitel setzt Schami aus den Begegnungen mit Frauen ein literarisches Mosaik zusammen.

Jede Frau steht für eine bestimmte Phase, eine Erfahrung, eine Haltung. Mutter, Geliebte, Gefährtin oder Zufallsbekanntschaft – sie alle prägen Nadims Blick auf die Welt und auf sich selbst. Bemerkenswert ist, dass Schami seine Figuren nicht als bloße Stationen eines Männerlebens anlegt, sondern ihnen Eigenständigkeit und politische wie emotionale Tiefe verleiht. Gerade darin liegt eine der großen Stärken des Romans.

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