Charlotte Jacobi: Manolo Blahnik und der Traum vom Erfolg

Alles begann mit einem winzig kleinen Schühchen, geformt aus der Silberfolie einer Schokoladenverpackung und gedacht für „Senora Eidechse“, damit sie sich die kleinen Füße nicht so verbrannte, wenn sie über die heißen Steine der Bananenplantage flitzte, auf der Manolo Blahnik und seine Schwester Evangelina aufgewachsen sind.

Manolo schaute den Menschen, denen er begegnete immer auf die Füße, auf die Schuhe, in denen sie steckten, und er machte sich ganz automatisch und ohne wirklich darüber nachzudenken, Gedanken, was man ändern müsste, um die betreffenden Schuhe bequem oder nur bequemer zu machen. Eine Leidenschaft, die er schon als kleiner Junge hatte, als er, gemeinsam mit Evangelina, beim Spielen diese kleine Eidechse beobachtete und einen Schuh für sie bastelte. Diesen kleinen Schuh aus Silberpapier trug er später immer wieder bei sich.

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Bart van Loo: Napoleon: Der Schatten der Revolution

Ein faszinierendes Leben, geschildert in einer faszinierenden Biografie – unbedingt lesenswert

Nicht nur, weil ich grundsätzlich sehr gerne Biografien lese, sondern vor allem, weil ich schon immer von der Zeit während und nach der Französischen Revolution und der Zeit Napoleons I. gefesselt war, wollte ich dieses Buch lesen. Und ich konnte es kaum aus der Hand legen, bis ich alle weit über 600 Seiten gelesen hatte.

Inzwischen in der 18. Auflage erschienen, ist diese 2014 erstmals veröffentlichte Biografie ungemein interessant, sehr detailliert, analytisch und auch psychologisch packend. Van Loo geht sehr in die Tiefe in seiner Beschreibung des Lebens dieser historischen Person, die so viel in Europa verändert hat, was teils bis heute nachwirkt.

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Tülin Sezgin: Almanci-Mädchen: Wie ich mir Deutschsein beigebracht habe

Werden wir heimlich zu Voyeuren, sobald uns jemand einen unverstellten Blick in sein Leben anbietet? Tülin Sezgin tut genau das. In ihrer autobiografischen Erzählung „Almanci-Mädchen“ nimmt sie ihre Leser mit auf die Reise durch Kindheit, Jugend und Erwachsensein, immer auf der Suche nach ihrem Platz zwischen deutscher und türkischer Kultur.

Besonders gelungen ist dabei die konsequente Innenperspektive. Schritt für Schritt verfolgt man ihre Entwicklung und ihren Versuch, die unterschiedlichen kulturellen Prägungen miteinander zu vereinbaren. Die Autorin beschreibt ihre Erfahrungen mit Humor und Selbstironie, ohne die dahinterliegenden Fragen nach Zugehörigkeit, Identität und Vorurteile aus dem Blick zu verlieren.

Auch das Ende hat mich überzeugt. Es vermeidet einfache Antworten und verdichtet stattdessen die zentrale Erkenntnis des Buches: Identität muss nicht zwischen zwei Kulturen wählen. Die Autorin trägt beide in sich und entwickelt daraus eine eigene Haltung, die von Offenheit, Gerechtigkeitssinn und dem Widerstand gegen Rassismus geprägt ist. Das wirkt weder belehrend noch konstruiert, sondern wie eine konsequente Fortführung ihres Weges. 

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Marion Demme-Zech: Meine Auszeiten – Saarland: Durchatmen & Kraft schöpfen

„eine Fläche, so groß wie das Saarland“ – das haben Sie sicher schon mal in irgendwelchen Nachrichten gehört. Leider meistens im Zusammenhang mit irgendwelchen Katastrophen, Bränden, Überschwemmungen oder so. Dabei ist das Saarland so viel mehr als nur ein kleines Bundesland, das sich gut für derartige Vergleiche heranziehen lässt.

Marion Demme-Zech hat sich die Mühe gemacht, die Region, in der sie zuhause und der sie eng verbunden ist, auf ganz besondere Art zu erkunden, wobei sie das „Nichts-Tun“ zur hohen Kunst erhebt und uns siebzig Ideen präsentiert, die zum „Einfach-mal genießen“ einladen. Das reicht von einer kleinen Atempause, die man durchaus schon mit einer Stunde zwischendurch mal einlegen kann bis hin zur echten Frei-Zeit an einem kompletten Wochenende.

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Silvi Carlsson: Good Girl Exit

Von klein auf lernen Frauen, für ihre Umwelt verfügbar zu sein. Immer lächelnd freundlich, niemals aus der Rolle der Fürsorglichen fallen. In einer Gesellschaft, die auf der ständigen weiblichen Verfügbarkeit aufgebaut ist, fällt es schwer, sich davon zu distanzieren. Silvi Carlsson möchte in ihrem Buch die sogenannte Good-Girl-Prägung analysieren, um festzustellen, wieso Frauen eigentlich so funktionieren und was passiert, wenn sie beschließen, es nicht mehr zu tun. Es geht um Emanzipation und insbesondere auch den Weg zu sich selbst. Welche Bedürfnisse und Gefühle habe ich gerade wirklich? Will ich so sein? Oder bin ich in meiner Freundlichkeit gefangen in einer Gesellschaft, die jeden Ausbruch straft?

Der Grundgedanke dieses Sachbuchs ist bestechend: Lernen und verstehen, mit dem inneren Good-Girl umzugehen und sich durch Selbstverständnis letztendlich entziehen. Leider verspricht der Titel mehr, als er mitgeben kann. Die Intentionen der Autorin sind löblich, keine Frage, doch ihre Inhalte sind keineswegs neu oder etwa auf bahnbrechende Weise reflektiert. Statt den versprochenen psychologischen Erkenntnissen bekommt der Leser eine Sammlung an thematischen Bezügen zu popkulturellen feministischen Debatten. Wer dieses Buch in die Hand nimmt, wird mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit 70% des Inhalts bereits kennen – und diejenigen, die es am dringendsten hören sollten, werden wohl leider nicht danach greifen.

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Christiane Hoffmann: Die Träume, die wir hatten

Christiane und ihre Freundin kennen sich seit ihrer Studienzeit Ende der achtziger Jahre. Sie werden beste Freundinnen, lernen die russische Sprache und die russische Literatur lieben. Sie bereisen die Sowjetunion über viele Jahre. Dabei erlebt vor allen Dingen die Erzählerin Christiane, die in Russland viele Jahre lebt, als Journalistin arbeitet, dort auch heiratet, wie sich das politische Leben durch den Fall des Eisernen Vorhangs verändert. Sie teilte die Hoffnung der russischen Bürger auf echte Demokratie und ein friedliches Europa.

Währenddessen schreibt ihre Freundin ihre Doktorarbeit, um danach an der Universität wissenschaftlich zu arbeiten. Sie heiratet einen russischen Künstler und organisiert für ihn Ausstellungen.

Die Autorin Christiane Hoffmann arbeitet ebenfalls als Journalistin, ist politisch aktiv in ihrer Eigenschaft als Osteuropa-Expertin. Nach ihrem erfolgreichen Buch über die Flucht ihres Vaters widmet sie sich in ihrem aktuellen Buch einem weiteren persönlichen Thema. Es handelt vom Scheitern und Schuldgefühlen.

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Elsemarie Maletzke: Das Leben der Schwestern Brontë

Einsam, trist – ein sehr bescheidenes Leben und doch so voll Fantasie

In diesem schon Ende der 90er Jahre erstmals erschienenen Buch beleuchtet Elsemarie Maletzke – deren Biografie über Jane Austen ich begeistert verschlungen habe – das Leben der drei Damen Charlotte, Emily und Anne Brontë.

Ihre Werke sind allseits bekannt, wurden immer wieder neu verlegt und oft verfilmt. Charlottes „Jane Eyre“, Emilys „Sturmhöhe“ und Annes „Die Herrin von Wildfell Hall“ gelten heute als Weltliteratur. Veröffentlicht haben die drei Frauen ihre Bücher unter männlichen Pseudonymen, wie so oft üblich zu jener Zeit im 19. Jahrhundert.

Charlotte war das dritte Mädchen, aber insgesamt das vierte Kind der Familie (nach Maria, Elizabeth und Branwell). Die beiden älteren Schwestern sterben früh, so dass sie nun die Rolle der Ältesten einnimmt. Doch der Altersunterschied zu den beiden Schwestern und dem einzigen Bruder Branwell ist nicht groß. Die Mutter stirbt früh und die Tante übernimmt das Regiment.

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Bernhard Kegel: Rettung durch schnelle Evolution

Ist dies ein Sachbuch, das uns trotz Klimawandel, Diversitätsverlust und Artensterben endlich ein wenig Mut machen könnte? Das ist es in der Tat. Bernhard Kegel schafft es auch in seinem neuesten Werk wieder einmal, Wissenschaft verständlich zu erklären. Er beleuchtet Gefahren, Fakten, Chancen und schafft es dabei, diese ausgewogen darzustellen. Seinen Fokus lenkt er auf ein Thema, welches bislang kaum in den Medien präsent ist. Ob in Korallenriffen, in der Savanne oder den Urwäldern – manche Arten vollziehen im Stillen evolutionäre Schritte, um sich den von Menschen gemachten Katastrophen anzupassen. Das liest sich superspannend. Und zeigt uns: Wenn die Natur es schafft, sich so clever zu verändern, dann sollten wir Menschen erst recht dazu in der Lage sein. Ansonsten wären Grillen, Echsen und Elefanten (Bakterien sowieso) um ein Vielfaches klüger als wir!

Mensch verändert Ökosysteme
Es gibt kaum ein Ökosystem, das der Mensch nicht verändert hat. Durch den Klimawandel steigen die Temperaturen, vor allem in den Meeren. Er schleppt fremde Arten in neue Habitate ein, die dort für allerlei Probleme sorgen. Er zerstört Lebensräume, verschmutzt die Umwelt, macht durch Pestizide ganze Ökosysteme platt. Zudem bringt er Arten durch intensive Jagd an den Rand des Aussterbens. All dies führt zu einem Selektionsdruck, welcher diejenigen belohnt und zur Fortpflanzung bringt, die sich besser auf die Bedrohungen einstellen können.

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Dr. Mariana Hausleitner: Bukowina – Eine europäische Vielvölkerregion

Das Buch von Mariana Hausleitner bietet einen umfassenden Einblick in eine Region Europas mit einer schicksalshaften Geschichte: die Bukowina. Wie der Untertitel beschreibt: eine europäische Vielvölkerregion. Die Autorin, Dr. Mariana Hausleitner, studierte Geschichte und Politologie, promovierte an der Universität Bremen, war als Gastprofessorin in Berlin und München tätig und hat zahlreiche Publikationen zu diesem Themenbereich veröffentlicht.

Die Bukowina, mit der historisch bedeutsamen Stadt Czernowitz, liegt heute in der Ukraine, grenzt an Rumänien und war bis zum Ersten Weltkrieg Teil der Österreichisch-Ungarischen Monarchie.

Das Buch gibt einen intensiven Einblick in die wechselvolle Zeit- und Kulturgeschichte, einschließlich der Literaturgeschichte der Bukowina. Mit einem Bezug zu Schriftstellern, die uns bis heute begleiten; zu den bekanntesten Vertretern zählen Paul Celan und Rose Ausländer. „Für viele ist das Bild der Bukowina geprägt von der deutschsprachigen Literatur, die jüdische Autorinnen und Autoren wie Rose Ausländer und Paul Celan verfassten. Besonders Rose Ausländer schrieb oft über ein friedliches Nebeneinander der Menschen aus fünf Kulturen in der Bukowina“, wie es in einem Zitat heißt. 

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Frieda Hughes: George und ich

Frieda Hughes ist Jahrgang 1960 und die Tochter des einstigen Literatenpaars Sylvia Plath und Ted Hughes. Doch sie hat sich längst selbst als Künstlerin einen Namen gemacht. Regelmäßig werden ihre Bilder in London ausgestellt. Außerdem war sie Lyrikkolumnistin für die Times und hat mehrere Kinderbücher, Lyrikbände und Zeitungsartikel verfasst.

Nach dem frühen Tod ihrer Mutter waren Frieda Hughes und ihr jüngerer Bruder ständig mit dem Vater unterwegs. Nie verweilten sie längere Zeit an einem Ort, und Frieda sehnte sich immer nach einer richtigen Heimat. Diesen Wunsch hat sie sich viele Jahre später mit einem Grundstück samt einem alten, renovierungsbedürftigen Haus in Wales erfüllt. Hier konnte sie ihrer Leidenschaft frönen, einen Garten nach ihren Vorstellungen anzulegen. Endlich war sie in ihrem eigenen Zuhause angekommen. Hier konnte sie malen, schreiben und gärtnern. Damals ahnte sie nicht, wie viel Kraft, Zeit und Geld sie in das marode Haus samt Grund investieren sollte. Ihr diagnostizierter chronischer Erschöpfungszustand machte alles noch komplizierter.

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