Elsemarie Maletzke: Das Leben der Schwestern Brontë

Einsam, trist – ein sehr bescheidenes Leben und doch so voll Fantasie

In diesem schon Ende der 90er Jahre erstmals erschienenen Buch beleuchtet Elsemarie Maletzke – deren Biografie über Jane Austen ich begeistert verschlungen habe – das Leben der drei Damen Charlotte, Emily und Anne Brontë.

Ihre Werke sind allseits bekannt, wurden immer wieder neu verlegt und oft verfilmt. Charlottes „Jane Eyre“, Emilys „Sturmhöhe“ und Annes „Die Herrin von Wildfell Hall“ gelten heute als Weltliteratur. Veröffentlicht haben die drei Frauen ihre Bücher unter männlichen Pseudonymen, wie so oft üblich zu jener Zeit im 19. Jahrhundert.

Charlotte war das dritte Mädchen, aber insgesamt das vierte Kind der Familie (nach Maria, Elizabeth und Branwell). Die beiden älteren Schwestern sterben früh, so dass sie nun die Rolle der Ältesten einnimmt. Doch der Altersunterschied zu den beiden Schwestern und dem einzigen Bruder Branwell ist nicht groß. Die Mutter stirbt früh und die Tante übernimmt das Regiment.

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Bernhard Kegel: Rettung durch schnelle Evolution

Ist dies ein Sachbuch, das uns trotz Klimawandel, Diversitätsverlust und Artensterben endlich ein wenig Mut machen könnte? Das ist es in der Tat. Bernhard Kegel schafft es auch in seinem neuesten Werk wieder einmal, Wissenschaft verständlich zu erklären. Er beleuchtet Gefahren, Fakten, Chancen und schafft es dabei, diese ausgewogen darzustellen. Seinen Fokus lenkt er auf ein Thema, welches bislang kaum in den Medien präsent ist. Ob in Korallenriffen, in der Savanne oder den Urwäldern – manche Arten vollziehen im Stillen evolutionäre Schritte, um sich den von Menschen gemachten Katastrophen anzupassen. Das liest sich superspannend. Und zeigt uns: Wenn die Natur es schafft, sich so clever zu verändern, dann sollten wir Menschen erst recht dazu in der Lage sein. Ansonsten wären Grillen, Echsen und Elefanten (Bakterien sowieso) um ein Vielfaches klüger als wir!

Mensch verändert Ökosysteme
Es gibt kaum ein Ökosystem, das der Mensch nicht verändert hat. Durch den Klimawandel steigen die Temperaturen, vor allem in den Meeren. Er schleppt fremde Arten in neue Habitate ein, die dort für allerlei Probleme sorgen. Er zerstört Lebensräume, verschmutzt die Umwelt, macht durch Pestizide ganze Ökosysteme platt. Zudem bringt er Arten durch intensive Jagd an den Rand des Aussterbens. All dies führt zu einem Selektionsdruck, welcher diejenigen belohnt und zur Fortpflanzung bringt, die sich besser auf die Bedrohungen einstellen können.

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Dr. Mariana Hausleitner: Bukowina – Eine europäische Vielvölkerregion

Das Buch von Mariana Hausleitner bietet einen umfassenden Einblick in eine Region Europas mit einer schicksalshaften Geschichte: die Bukowina. Wie der Untertitel beschreibt: eine europäische Vielvölkerregion. Die Autorin, Dr. Mariana Hausleitner, studierte Geschichte und Politologie, promovierte an der Universität Bremen, war als Gastprofessorin in Berlin und München tätig und hat zahlreiche Publikationen zu diesem Themenbereich veröffentlicht.

Die Bukowina, mit der historisch bedeutsamen Stadt Czernowitz, liegt heute in der Ukraine, grenzt an Rumänien und war bis zum Ersten Weltkrieg Teil der Österreichisch-Ungarischen Monarchie.

Das Buch gibt einen intensiven Einblick in die wechselvolle Zeit- und Kulturgeschichte, einschließlich der Literaturgeschichte der Bukowina. Mit einem Bezug zu Schriftstellern, die uns bis heute begleiten; zu den bekanntesten Vertretern zählen Paul Celan und Rose Ausländer. „Für viele ist das Bild der Bukowina geprägt von der deutschsprachigen Literatur, die jüdische Autorinnen und Autoren wie Rose Ausländer und Paul Celan verfassten. Besonders Rose Ausländer schrieb oft über ein friedliches Nebeneinander der Menschen aus fünf Kulturen in der Bukowina“, wie es in einem Zitat heißt. 

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Frieda Hughes: George und ich

Frieda Hughes ist Jahrgang 1960 und die Tochter des einstigen Literatenpaars Sylvia Plath und Ted Hughes. Doch sie hat sich längst selbst als Künstlerin einen Namen gemacht. Regelmäßig werden ihre Bilder in London ausgestellt. Außerdem war sie Lyrikkolumnistin für die Times und hat mehrere Kinderbücher, Lyrikbände und Zeitungsartikel verfasst.

Nach dem frühen Tod ihrer Mutter waren Frieda Hughes und ihr jüngerer Bruder ständig mit dem Vater unterwegs. Nie verweilten sie längere Zeit an einem Ort, und Frieda sehnte sich immer nach einer richtigen Heimat. Diesen Wunsch hat sie sich viele Jahre später mit einem Grundstück samt einem alten, renovierungsbedürftigen Haus in Wales erfüllt. Hier konnte sie ihrer Leidenschaft frönen, einen Garten nach ihren Vorstellungen anzulegen. Endlich war sie in ihrem eigenen Zuhause angekommen. Hier konnte sie malen, schreiben und gärtnern. Damals ahnte sie nicht, wie viel Kraft, Zeit und Geld sie in das marode Haus samt Grund investieren sollte. Ihr diagnostizierter chronischer Erschöpfungszustand machte alles noch komplizierter.

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Messie Condo: Niemand möchte deinen Scheiß: Die Kunst, richtig auszumisten, bevor du stirbst

Ups, der Titel haut ja schon mal richtig rein! „Niemand möchte deinen Scheiß“! Das muss man sich erstmal sagen lassen und verdauen! Okay, mag ja sein, dass „Messie“ Condo recht hat! „Messie“ ist natürlich ein Pseudonym, klar, passt aber super gut zu dem, was sie übers Aufräumen, Ausmisten, Sich-trennen- von … so zu sagen hat.

Das Buch, der Ratgeber, wenn man so will, richtet sich, so heißt es im Vorwort, an alle, die langsam in einem Alter sind, in dem „sie ein Gefühl für ihre Sterblichkeit“ bekommen. Wann fängt das an? Mit 60? 80? 90? – keine Ahnung. Das muss dann wohl jeder auch für sich selbst definieren.

So knallhart wie der Titel, ist dann auch der ganze weitere Stil des Buches. Schonungslos, unbarmherzig und gnadenlos offen. Wer will schon deine Sammeltassen, dein Geschirr, Besteck, die Tischdecken von Ururoma, die keiner mehr auflegt? Die vielen, vielen Bücher, die es ja notfalls auch alle digital zu lesen gibt, den ganzen Krimskrams? Da mag viel Wahres dran sein. Aber bin ich bereit, mich jetzt schon von vielem, was mir lieb geworden ist, zu trennen, nur damit irgendwann, in hoffentlich noch recht ferner Zukunft, meine Lieben keine Last mit dem Entrümpeln haben? Ich weiß nicht. Soll ich jetzt anfangen, minimalistisch zu leben, nur um das Gefühl zu haben, anderen damit Gutes zu tun? Wo bleibt da der Spaß?

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Jakob Schwerdtfeger: Punkt Punkt Komma Strich, fertig ist die Kunstgeschicht

Neues Literaturgenre
Kunst und Comedy – geht das zusammen? Und wie! Der Kunsthistoriker und Comedian Jakob Schwerdtfeger nimmt uns mit auf eine Reise durch 1000 Jahre Kunstgeschichte, von Romanik über Renaissance bis zu Pop Art und Performancekunst. Gewürzt wird dieser flotte historische Rundgang mit ganz viel Humor. Persönliche Anekdoten, Wortspielereien und knackige Anmerkungen zeigen, dass Kunstgeschichte nicht dröge sein muss, sondern richtig Spaß machen kann! Kurz und knackig auf den Punkt gebracht, holt er damit sogar „Kunstbanausen“ ab. Merke: Renaissance ist Streberkunst vom Feinsten, Barock ist Kunst auf Koks, Dadaismus Quatsch mit Qualität.

„Kunstgeschichte auf einen Blick“-Bücher gibt es viele. Aber keines ist so wie dieses. Die einzelnen Kunstepochen werden an berühmten Kunstwerken skizziert (natürlich mit entsprechenden Abbildungen) und mit einem historischen und gesellschaftlichen Kontext versehen, der zur Entstehung dieser Kunstströmung beigetragen hat. Soweit, so gut. Das kennen wir bereits aus anderen Büchern, aber beileibe nicht so gewitzt und humorvoll.

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Mara Gold: Antike Mythen ohne Männer

Obwohl es auf dem Olymp mächtige Göttinnen gab, wurde die griechische Mythologie von Männern geschrieben. Somit unterliegt sie stets dem patriarchalen Blick. Meist wird Frauen keine eigene Geschichte zugestanden. Sie agieren entweder als Unterstützerin, Widersacherin oder Opfer von Männern. Ariadne hilft Theseus mit ihrem Faden aus dem Labyrinth des Minotaurus. Circe hält Odysseus auf ihrer Insel gefangen und verwandelt seine Schiffsbesatzung in Schweine. Die schöne Medusa wird von Poseidon in Athenes Tempel vergewaltigt – und zur Strafe in ein schlangenköpfiges Monster verwandelt, dessen Anblick den Betrachter versteinert. Täter-Opfer-Umkehr par excellence. Perseus enthauptet sie und holt sich damit seinen Thron zurück.

In der antiken Welt hatten Frauen wenig Rechte und noch weniger Aktionsspielraum. So wurden Göttinnen oder Hexen herangezogen, um Frauen beizubringen, wie „gutes Verhalten“ auszusehen hat und welch schreckliche Konsequenzen ein Abweichen von der Norm hat.

Sieben Archetypen von Frauen
Angeordnet nach „absteigender Beliebtheit“ handelt Mara Gold sieben Archetypen von Frauen in ihrem Buch ab: Hausfrau, Jungfrau, Kriegerin, Femme Fatale, Hexe, Wahnsinnige und Monster.

Sie zeigt auf, wie erstaunlich aktuell diese Archetypen auch heute noch in Serien oder Büchern verwendet werden. Nicht zuletzt durch die Ausbreitung der Incel Szene, welche sich häufig auf ähnliche Ideal- bzw. Feindbilder bei Frauen berufen. Rechte Medien verunglimpften Hillary Clinton beispielsweise während ihres Wahlkampfes als Medusa. Doch Mara Gold zeigt auch, wie sich Frauen diese Geschichten aus femininer Sicht zurückerobern, neue Lesarten aufzeigen und wie sich auch lesbische oder Transpersonen darin wiederfinden können.  

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Elena Ferrante: An den Rändern

An den Rändern“ wird vor allem für Fans von Elena Ferrantes Büchern interessant sein. In diesem Essay gewährt sie ausgesprochen persönliche Einblicke in ihre Schriftstellerei. Mit den vier Bänden ihrer „Neapolitanischen Saga“ erreichte die italienische Schriftstellerin, die unter Pseudonym veröffentlicht, Weltruhm.

In unserem Leselustportal sind von Elena Ferrante folgende Rezensionen zu finden:

Frau im Dunkeln, Tage des Verlassenwerdens, Zufällige Erfindungen, Frantumaglia: Mein geschriebenes Leben sowie die vier Bände aus der Neapolitanischen Saga: Die Geschichte des verlorenen Kindes, Die Geschichte der getrennten Wege, Die Geschichte eines neuen Namens, Meine geniale Freundin

Hier nun sind Elena Ferrantes Vorträge, die sie an der Universität Bologna über ihr Schreiben hielt, nachzulesen.

Wir erfahren, wie Elena Ferrante schon als junges Mädchen zum Lesen fand und wie sich ihr Schreiben entwickelte, das sie als regelrechte Sucht bezeichnet. Weiter lesen wir davon, wie sie ihre bislang erschienenen Romane konzipierte. Hierzu gibt die Autorin Einblicke in die Überlegungen, welche sie anstellte, um die Charaktere und das Agieren ihrer Protagonistinnen zu erschaffen und weiter vom Entwickeln und Zusammenführen verschiedener Erzählstränge. Wer Ferrantes Bücher gelesen hat, wird also bald wieder auf ihre bekannten Figuren Lenú und Lila aus ihrer Neapolitanischen Saga und weitere Protagonistinnen wie Delia, Olga oder Leda stoßen.

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Marc-Uwe Kling, Cornelia Funke, et. al. (Hrsg.): Was wir meinen, wenn wir Hoffnung sagen: Mutige Perspektiven auf die Krisen unserer Zeit

Die unterschiedlichen AutorInnen sind sich in einem Punkt einig: Optimismus ist nicht das Gleiche wie Hoffnung. Wenn sie über Hoffnung schreiben, dann beziehen sie sich auf einen Prozess, der sie in die Hoffnung gebracht hat. In der Hoffnung steckt ein Handeln, während Optimismus einen passiven, abwartenden Charakter hat. Nach dem Motto: Es wird schon gut gehen, weil sich andere um das Problem kümmern.

Am Anfang ihres Weges zur Hoffnung empfanden die AutorInnen ein Unbehagen. Sie fühlten sich mitunter alleine: Sehe nur „ich“, dass bestimmte Dinge nicht in Ordnung sind?

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Dietrich Grönemeyer: Demenz

Jeder will möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben führen – gäbe es da nicht die Demenz.

Dietrich Grönemeyer ist Professor der Medizin und hat u. a. das Buch „Der kleine Medicus“ – mittlerweile als Kinderbuch-Serie neu im Tessloff-Verlag aufgelegt – geschrieben. Sein neuestes Buch „Demenz – Gezielt vorbeugen, ganzheitlich verstehen, liebevoll begleiten“ versteht sich als Einladung für einen neuen Blick auf diese Erkrankung.

Grönemeyer schreibt dazu: „Wir leben nicht in der gleichen „Wahrheit“. Und das ist gar nicht schlimm. [Denn] jeder Mensch lebt in seiner eigenen Schneekugel. […] Die Schneekugeln der Gesunden ähneln sich untereinander, die der Demenzkranken sind ganz anders …“ (S. 27)

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