Marc-Uwe Kling, Cornelia Funke, et. al. (Hrsg.): Was wir meinen, wenn wir Hoffnung sagen: Mutige Perspektiven auf die Krisen unserer Zeit

Die unterschiedlichen AutorInnen sind sich in einem Punkt einig: Optimismus ist nicht das Gleiche wie Hoffnung. Wenn sie über Hoffnung schreiben, dann beziehen sie sich auf einen Prozess, der sie in die Hoffnung gebracht hat. In der Hoffnung steckt ein Handeln, während Optimismus einen passiven, abwartenden Charakter hat. Nach dem Motto: Es wird schon gut gehen, weil sich andere um das Problem kümmern.

Am Anfang ihres Weges zur Hoffnung empfanden die AutorInnen ein Unbehagen. Sie fühlten sich mitunter alleine: Sehe nur „ich“, dass bestimmte Dinge nicht in Ordnung sind?

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Dietrich Grönemeyer: Demenz

Jeder will möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben führen – gäbe es da nicht die Demenz.

Dietrich Grönemeyer ist Professor der Medizin und hat u. a. das Buch „Der kleine Medicus“ – mittlerweile als Kinderbuch-Serie neu im Tessloff-Verlag aufgelegt – geschrieben. Sein neuestes Buch „Demenz – Gezielt vorbeugen, ganzheitlich verstehen, liebevoll begleiten“ versteht sich als Einladung für einen neuen Blick auf diese Erkrankung.

Grönemeyer schreibt dazu: „Wir leben nicht in der gleichen „Wahrheit“. Und das ist gar nicht schlimm. [Denn] jeder Mensch lebt in seiner eigenen Schneekugel. […] Die Schneekugeln der Gesunden ähneln sich untereinander, die der Demenzkranken sind ganz anders …“ (S. 27)

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Hubert Wolf: Die geheimen Archive des Vatikan

Eine Spurensuche im Labyrinth der Macht

Der Vatikan – eine Festung der Geheimnisse, umwoben von Mythen und Spekulationen. Hinter seinen jahrhundertealten Mauern lagern nicht nur Geschichte, sondern auch Sprengstoff. Der Heilige Stuhl hütet Dokumente, Korrespondenzen, Zeugnisse und päpstliche Briefwechsel, die das Potenzial haben, unser Verständnis der Weltgeschichte zu erschüttern. Es ist der Schatzsaal der Macht und der menschlichen Fehlbarkeit, denn auch jeder Kirchenfürst ist letztlich nur ein Mensch mit seinen Geheimnissen. Die Rede ist vom Apostolischen Archiv – jenem Ort, der oft fälschlicherweise noch als „Geheimarchiv“ bezeichnet wird, weil er viele Wahrheiten hinter verschlossenen Türen für sich behält.

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Matthias Brandt: Nein sagen

Beeindruckende Gedankengänge über Widerstand und jene, die Widerstand leisten

Dieses Buch entstand nach einer Rede, die der bekannte Schauspieler Matthias Brandt 2025 in der Gedenkstätte Berlin-Plötzensee anlässlich des Gedenktages zum 20. Juli 1944 hielt. Er wurde um diese Rede gebeten, nicht zuletzt wegen seines Vaters und seiner Mutter, die beide ebenfalls in jener Zeit im Widerstand waren.

Erst wollte er diese Rede gar nicht halten, hielt sich nicht für berufen, zu einem solchen Anlass zu sprechen. Doch, so schildert er es in diesem nachdenklich machenden Buch, dann änderte er seine Meinung, auch weil ihm bewusst wurde, dass es ganz viele Arten des Widerstands gab, damals während der Nazidiktatur. Eine Art war die, die sein Vater, der spätere Bundeskanzler Willy Brandt, wählte, der aus Selbstschutz nach Norwegen emigrierte und dort seine spätere Frau Rut traf, die Mutter von Matthias, die sich ebenfalls engagierte. Beide waren dadurch auch immer, insbesondere nach der Besetzung Norwegens durch die Deutschen, in Lebensgefahr.

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Annette Ramelsberger: Am Abgrund: Reportagen aus den Gerichtssälen dieser Republik

Wenn Systeme versagen, dann funktioniert gar nichts mehr. Vielleicht lassen sich Ersatzteile beschaffen, vielleicht findet sich ein Handwerker.

Die Kapitäne so mancher Industriegiganten bieten alternativ neue Systeme an. Das alte wird entsorgt, das neue System macht dort weiter, wo das alte aufgehört hat. Wäsche wird wieder sauber, Autolampen leuchten auf und vieles mehr, bis nach der Garantiezeit erneut etwas im System nicht mehr funktioniert.

Doch was macht man, wenn das System Gesellschaft nicht mehr funktioniert? Wenn das Rechtssystem systematisch vorgeführt wird, weil seine Vertreter das Gesetz achten und nach diesen Maßstäben Recht sprechen, während andere das gleiche Recht nicht nur missachten, sondern partout für sich selbst nicht relevant halten? Wenn bei den Angeklagten keinerlei Unrechtsbewusstsein festgestellt werden kann und diese sogar darauf beharren, es sei ihre Pflicht und ihr gutes Recht, andere zu ermorden?

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Ildikó von Kürthy: Alt genug

Ildikó von Kürthy ist auf dem Schriftstellerparkett eine Garantin für erfolgreiche Frauenliteratur. Ihre Bücher wurden mehr als sieben Millionen Mal verkauft und in 21 Sprachen übersetzt. Ihre stets aktuelle Frauenthematik hat bei den Leserinnen und Lesern einen hohen Wiedererkennungswert.

In ihrem neuen Roman schreibt sie nun vom Älterwerden und vom Alter. Schließlich ist die Zeit auch für die Autorin, die mit ihren Büchern und den Leserinnen und Lesern gereift ist, nicht stehen geblieben.

Humorvoll und mit leichter Selbstironie berichtet Ildikó von Kürthy von ihren Erfahrungen auf dem Heavy-Metal-Musikfestival in Wacken, das sie mit einer Freundin besucht hat. Mit ihren bald sechzig Lebensjahren hat sie mittlerweile andere Ansprüche als noch vor zehn Jahren, muss sie sich eingestehen. Auch nächtliche Geburtstagsfeste mit „Reinfeiern“ entsprechen nicht mehr ganz ihren Vorlieben.

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Gisèle Pelicot: Eine Hymne an das Leben: Die Scham muss die Seite wechseln

„Ich dachte, unser Leben wäre gelungen, das Böse vermodere unter der Erde. Dabei gedieh es in ihm, der direkt neben mir stand …“ (S. 145)

Dieses Buch erzählt die verstörende Geschichte von Gisèle Pelicot, einer Frau, die zu einer Ikone der Frauenbewegung wurde, weil sie das Schweigen der Scham überwand.

Gisèle Pelicot hat drei Kinder und sieben Enkelkinder. Fünfzig Jahre ihres Lebens verbrachte sie mit dem Mann, der sie über zehn Jahre hinweg betäubte, missbrauchte und sie mehr als 70 weiteren Männern zur Vergewaltigung überließ. Heute nennt sie diesen Mann nur Monsieur Pelicot. Mehr als 200 dieser Vergewaltigungen hat er gefilmt. Nur weil es dieses Filmmaterial gibt, fand 2024 ein Gerichtsprozess statt, bei dem die Täter mit ihren Ausreden und infamen Behauptungen, es wäre alles nur ein Spiel gewesen, Gisèle hätte davon gewusst und zugestimmt, nicht durchkamen. Diese zarte, zerbrechliche Frau entschied, dass die Videos der Verbrechen während der Verhandlung gezeigt werden. Was ihr geschah, soll die Öffentlichkeit erfahren, damit die Scham endlich die Seite wechselt: weg vom Opfer, hin zu denen, die diese Taten verüben. Für ihren Mut wurde Gisèle Pelicot die höchste zivile Auszeichnung Frankreichs verliehen, der Verdienstorden der Ehrenlegion.

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Virginia Roberts Giuffre: Nobody’s Girl

Zwischen Zeugnis und Konstruktion

Virginia Giuffre nahm viele Ungeheuerlichkeiten mit ins Grab. Und vielleicht auch die Hoffnung, dass je alles ans Licht kommt.

Ihr posthum erschienenes Nobody’s Girl: Meine Geschichte von Missbrauch und dem Kampf um Gerechtigkeit ist kein Enthüllungsbuch im klassischen Sinne. Es ist der Versuch, die eigene Geschichte zurückzuerobern.

Wie ihre Co-Autorin Amy Wallace schreibt:

„Sie wollte, dass die Welt erfährt, wer sie wirklich ist, damit Überlebende sexuellen Missbrauchs sich durch ihre Worte vielleicht weniger allein fühlen.“ (S. 10)

Virginia Giuffre beschreibt nicht nur, was Jeffrey Epstein und Ghislaine Maxwell taten. Sie beschreibt, was es mit ihr machte. Und wie Manipulation lautlos beginnt.

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Siri Hustvedt: Ghost Stories

Der Schriftsteller Paul Auster, um den es geht, verstarb im April 2024 an seinem Krebsleiden.

Er wolle ein Geist werden, hat er zu seiner Frau Siri gesagt. Nun hat Siri Hustvedt Begebenheiten aus dem Leben Paul Austers samt ihrer gemeinsamen Zeit, die sie in ihrem Haus in Brooklyn verbracht haben, und vor allem die Leidenszeit ihres Mannes in Ghost Stories verankert. Entstanden ist ein Buch, das sich aus vielen verschiedenen Fragmenten wie Erinnerungen, Tagebucheinträgen, Briefen, Kurznachrichten und Fotos zusammensetzt: „geisterhafte Bruchstücke gemeinsamer Geschichten, Ghost Storys, die auch Love Storys sind“ (E-Book S. 259).

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Christien Brinkgreve: Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen

Christien Brinkgreve, Jahrgang 1949, lebt in Amsterdam.

Sie ist emeritierte Professorin für Soziologie. Sie forschte und publizierte zum Umgang mit Emotionen sowie zu den Beziehungen zwischen Männern und Frauen und zwischen Eltern und Kindern.

Nach dem Tod ihres Mannes macht sie sich Gedanken über ihre zu Ende gegangene Partnerschaft und beginnt beim Ordnen und Sortieren des Hauses, alles zu hinterfragen.

Sie reflektiert ihr Leben mit Blick auf ihre Rolle innerhalb der Familie, auf ihre Partnerschaft und auf die Wahrnehmung ihrer selbst. Währenddessen scheint das Leben ihres Mannes, der sich zu Lebzeiten von nichts trennen konnte und die Vergangenheit in vollgestopften Schränken und Schachteln konservierte, allgegenwärtig. Was darf sie wegwerfen, und was sollte oder möchte sie in dem Chaos seiner Hinterlassenschaften behalten? All das ist Bestandteil ihres Trauerprozesses.

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