Ildikó von Kürthy: Alt genug

Ildikó von Kürthy ist auf dem Schriftstellerparkett eine Garantin für erfolgreiche Frauenliteratur. Ihre Bücher wurden mehr als sieben Millionen Mal verkauft und in 21 Sprachen übersetzt. Ihre stets aktuelle Frauenthematik hat bei den Leserinnen und Lesern einen hohen Wiedererkennungswert.

In ihrem neuen Roman schreibt sie nun vom Älterwerden und vom Alter. Schließlich ist die Zeit auch für die Autorin, die mit ihren Büchern und den Leserinnen und Lesern gereift ist, nicht stehen geblieben.

Humorvoll und mit leichter Selbstironie berichtet Ildikó von Kürthy von ihren Erfahrungen auf dem Heavy-Metal-Musikfestival in Wacken, das sie mit einer Freundin besucht hat. Mit ihren bald sechzig Lebensjahren hat sie mittlerweile andere Ansprüche als noch vor zehn Jahren, muss sie sich eingestehen. Auch nächtliche Geburtstagsfeste mit „Reinfeiern“ entsprechen nicht mehr ganz ihren Vorlieben.

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Gisèle Pelicot: Eine Hymne an das Leben: Die Scham muss die Seite wechseln

„Ich dachte, unser Leben wäre gelungen, das Böse vermodere unter der Erde. Dabei gedieh es in ihm, der direkt neben mir stand …“ (S. 145)

Dieses Buch erzählt die verstörende Geschichte von Gisèle Pelicot, einer Frau, die zu einer Ikone der Frauenbewegung wurde, weil sie das Schweigen der Scham überwand.

Gisèle Pelicot hat drei Kinder und sieben Enkelkinder. Fünfzig Jahre ihres Lebens verbrachte sie mit dem Mann, der sie über zehn Jahre hinweg betäubte, missbrauchte und sie mehr als 70 weiteren Männern zur Vergewaltigung überließ. Heute nennt sie diesen Mann nur Monsieur Pelicot. Mehr als 200 dieser Vergewaltigungen hat er gefilmt. Nur weil es dieses Filmmaterial gibt, fand 2024 ein Gerichtsprozess statt, bei dem die Täter mit ihren Ausreden und infamen Behauptungen, es wäre alles nur ein Spiel gewesen, Gisèle hätte davon gewusst und zugestimmt, nicht durchkamen. Diese zarte, zerbrechliche Frau entschied, dass die Videos der Verbrechen während der Verhandlung gezeigt werden. Was ihr geschah, soll die Öffentlichkeit erfahren, damit die Scham endlich die Seite wechselt: weg vom Opfer, hin zu denen, die diese Taten verüben. Für ihren Mut wurde Gisèle Pelicot die höchste zivile Auszeichnung Frankreichs verliehen, der Verdienstorden der Ehrenlegion.

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Virginia Roberts Giuffre: Nobody’s Girl

Zwischen Zeugnis und Konstruktion

Virginia Giuffre nahm viele Ungeheuerlichkeiten mit ins Grab. Und vielleicht auch die Hoffnung, dass je alles ans Licht kommt.

Ihr posthum erschienenes Nobody’s Girl: Meine Geschichte von Missbrauch und dem Kampf um Gerechtigkeit ist kein Enthüllungsbuch im klassischen Sinne. Es ist der Versuch, die eigene Geschichte zurückzuerobern.

Wie ihre Co-Autorin Amy Wallace schreibt:

„Sie wollte, dass die Welt erfährt, wer sie wirklich ist, damit Überlebende sexuellen Missbrauchs sich durch ihre Worte vielleicht weniger allein fühlen.“ (S. 10)

Virginia Giuffre beschreibt nicht nur, was Jeffrey Epstein und Ghislaine Maxwell taten. Sie beschreibt, was es mit ihr machte. Und wie Manipulation lautlos beginnt.

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Siri Hustvedt: Ghost Stories

Der Schriftsteller Paul Auster, um den es geht, verstarb im April 2024 an seinem Krebsleiden.

Er wolle ein Geist werden, hat er zu seiner Frau Siri gesagt. Nun hat Siri Hustvedt Begebenheiten aus dem Leben Paul Austers samt ihrer gemeinsamen Zeit, die sie in ihrem Haus in Brooklyn verbracht haben, und vor allem die Leidenszeit ihres Mannes in Ghost Stories verankert. Entstanden ist ein Buch, das sich aus vielen verschiedenen Fragmenten wie Erinnerungen, Tagebucheinträgen, Briefen, Kurznachrichten und Fotos zusammensetzt: „geisterhafte Bruchstücke gemeinsamer Geschichten, Ghost Storys, die auch Love Storys sind“ (E-Book S. 259).

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Christien Brinkgreve: Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen

Christien Brinkgreve, Jahrgang 1949, lebt in Amsterdam.

Sie ist emeritierte Professorin für Soziologie. Sie forschte und publizierte zum Umgang mit Emotionen sowie zu den Beziehungen zwischen Männern und Frauen und zwischen Eltern und Kindern.

Nach dem Tod ihres Mannes macht sie sich Gedanken über ihre zu Ende gegangene Partnerschaft und beginnt beim Ordnen und Sortieren des Hauses, alles zu hinterfragen.

Sie reflektiert ihr Leben mit Blick auf ihre Rolle innerhalb der Familie, auf ihre Partnerschaft und auf die Wahrnehmung ihrer selbst. Währenddessen scheint das Leben ihres Mannes, der sich zu Lebzeiten von nichts trennen konnte und die Vergangenheit in vollgestopften Schränken und Schachteln konservierte, allgegenwärtig. Was darf sie wegwerfen, und was sollte oder möchte sie in dem Chaos seiner Hinterlassenschaften behalten? All das ist Bestandteil ihres Trauerprozesses.

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Josephine Johnson: Ein Jahr in der Natur (1969)

Josephine Johnson wurde 1910 in Missouri geboren und verstarb 1990 in Ohio. Mit gerade 24 Jahren wurde ihr 1924 der Pulitzer-Preis für ihren Debütroman Die November-Schwestern verliehen.

Bereits Ende der sechziger Jahre, als Josephine Johnson „Ein Jahr in der Natur“ geschrieben hat, störte sie sich an Ausbeutung und Ungleichheit der Welt; sie empfand alles Leben wider die Natur. So betrachtete sie es als dringlich und notwendig, die Natur zu schützen und die Welt um sie herum zumindest schriftlich aufzuzeichnen und damit festzuhalten.

In „Ein Jahr in der Natur“ thematisiert Johnson ihr Leben in Ohio auf dem Grund einer einsamen, unbewirtschafteten Farm. Johnson bezeichnet ihr bewaldetes Stück Land mit den zwei Bächen und den kleinen Schluchten als ihr Lebenselixier. Ihr Ziel ist, dieses Stück Natur sich selbst zu überlassen, damit die Wildnis zurückkomme und sich ein Naturschutzgebiet entwickeln kann.

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Irene Vallejo: Papyrus: Die Geschichte der Welt in Büchern

Wer Bücher liebt, liebt diese Hommage an das geschriebene Wort! Noch nie habe ich mich durch die Seiten einer Autorin geblättert, die so leidenschaftlich, gewitzt und fundiert über die Magie des Lesens erzählt. Irene Vallejo nimmt uns mit auf eine faszinierende Zeitreise. Sie zeigt uns: Ohne Bücher gäbe es kein Europa, keine Demokratie, keine Menschenrechte. Keine Zivilisation, wie wir sie kennen. Bücher sind der Leim, der Menschen zusammenkittet – über Landesgrenzen, Ethnien, Kulturen und Generationen hinweg.

Da ist die Entstehung der Schrift im einstigen Mesopotamien, die ursprünglich eher dazu diente, Besitzverhältnisse zu klären. Motto: Erst wird gezählt, dann erzählt. Da ist die Entstehung des Buches über viele Stationen wie Steintafeln, Papyrusrollen und Pergament bis hin zum Buchdruck und E-Book. Und da sind natürlich Menschen, welche die Bücher schreiben, sammeln, vernichten und dazu nutzen, ihre Ideen und Überzeugungen zu verbreiten.

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Philipp Spielbusch: Ich hab da nur kurz draufgeklickt und jetzt ist alles weg

Inhalt

Von einfachen Softwareproblemen bis zu kniffeligen Fällen: Philipp Spielbusch erlebt als IT-Dienstleister die ganze Bandbreite seines Berufsalltags. Ob ein Smart Home, das seine Eigentümer aussperrt, ein sich ständig drehender Handybildschirm oder mangelhaft funktionierende Avatar-Apps – Spielbusch findet eine Lösung. Und wenn man als Kundin oder Kunde Glück hat, schafft man es sogar ins nächste Buch. ;o)

Rezension

Spielbuschs Schreibstil ist locker, selbstironisch und trocken. Inhaltlich reiht er nicht nur Anekdoten aneinander, sondern schildert typische Alltagssituationen aus seinem Job als IT-Dienstleister. Wie das Cover bereits andeutet: definitiv kein einfacher Beruf. Die oft humorvollen Begebenheiten werden durch informative Merk- und Infokästen ergänzt, etwa mit „Goldenen Regeln im Umgang mit Kunden“ oder zusätzlichen Hinweisen zu Technik und Tools. Darunter finden sich unter anderem Anleitungen, wie sehr alte Spiele auf modernen Rechnern wiederbelebt werden können oder wie sich ein PC seniorengerecht einrichten lässt.

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Fabian Kowallik & Gamze Kılıçarslan: Das originale Gottesnahrung-Kochbuch

Zwischen Natur, Körperwissen & Rebellion

Dieses Buch will nicht gefallen. Es stellt Gewohnheiten infrage. Präzise und ohne Rücksicht auf deine Komfortzone. Es zielt auf all das, was du über „gesunde Ernährung“ zu wissen glaubst. Und ja: auf das, was wir unserem Körper über Jahre zugemutet haben.

Der Satz: „Wenn die Oma es nicht kennt, ist es ein verarbeitetes Lebensmittel und hat im menschlichen Organismus nichts zu suchen“ (S. 43) ist hier kein nostalgischer Spruch, sondern eine Anklage gegen industrielle Normalität. Eine, die uns zwingt, Ehrlichkeit und Verantwortung wieder über unsere Bequemlichkeit zu stellen.

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Irene Vallejo: Wein und Küsse

Geistreich, unterhaltsam und ganz auf heutige Lesebedürfnisse zugeschnitten: Wie ein literarisch-philosophisches „TikTok-Format“ für Wissbegierige muten die 200 kurzen Kolumnen von Irene Vallejo an, veröffentlicht in der Zeitung „El Pais“. Die Autorin pickt sich eine Idee, eine Redensart, die Herleitung eines Wortes oder eine Sage aus der Antike heraus und verknüpft sie gekonnt mit Heute. Das regt beim Lesen sowohl zum Schmunzeln, als auch zum Nachdenken an. Denn in der Moderne steckt weit mehr vom alten Rom und Athen, als uns bewusst ist. Noch dazu bezaubert Irene Vallejo durch ihren ganz eigenen Schreibstil mit herrlichen Metaphern samt Kommentaren, die Lust darauf machen, diesen Buchschatz in einem Atemzug zu verschlingen.

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