Titus Müller: Die geheime Mission

Der Kalte Krieg war weit mehr als nur ein diplomatisches Ringen; er prägte als tiefgreifende Spannung zwischen West und Ost eine Ära fundamental unterschiedlicher politischer und kultureller Ideologien. Auf der einen Seite stand der Kapitalismus der Westmächte, angeführt von den USA, auf der anderen Seite der Kommunismus der Ostblockländer, die streng zentralisiert unter der Führung der Sowjetunion organisiert waren. Um ein Haar hätte diese Systemkonfrontation in einer militärischen Auseinandersetzung und damit im unvorstellbaren Desaster eines dritten Weltkriegs gemündet – ein Szenario, das glücklicherweise ausblieb.

Als der konkrete Start- und Zeitpunkt dieses globalen Konflikts gilt die Berliner Blockade in den Jahren 1948 und 1949, in welcher die Sowjetunion versuchte, Westberlin absolut zu isolieren. Die Verkehrs- und lebenswichtigen Versorgungswege wurden von den sowjetischen Truppen konsequent gekappt. Dieser Schritt war der Versuch, ganz Berlin zu unterwerfen und den politischen Einfluss sowie den Machtwillen Deutschlands den östlichen Vorgaben unterzuordnen, womit hier die erste handfeste logistische, militärische und ideologische Auseinandersetzung des Kalten Krieges entbrannte.

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Charlotte Jacobi: Manolo Blahnik und der Traum vom Erfolg

Alles begann mit einem winzig kleinen Schühchen, geformt aus der Silberfolie einer Schokoladenverpackung und gedacht für „Senora Eidechse“, damit sie sich die kleinen Füße nicht so verbrannte, wenn sie über die heißen Steine der Bananenplantage flitzte, auf der Manolo Blahnik und seine Schwester Evangelina aufgewachsen sind.

Manolo schaute den Menschen, denen er begegnete immer auf die Füße, auf die Schuhe, in denen sie steckten, und er machte sich ganz automatisch und ohne wirklich darüber nachzudenken, Gedanken, was man ändern müsste, um die betreffenden Schuhe bequem oder nur bequemer zu machen. Eine Leidenschaft, die er schon als kleiner Junge hatte, als er, gemeinsam mit Evangelina, beim Spielen diese kleine Eidechse beobachtete und einen Schuh für sie bastelte. Diesen kleinen Schuh aus Silberpapier trug er später immer wieder bei sich.

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Daniel Wolf: Der Thron der Lilie

Die Tempelritter – kaum ein anderer Orden umgibt eine derartige Aura aus Mythen, Legenden und dem ewigen Flüstern um den Heiligen Gral. Diese elitären Gotteskrieger, die einst als Beschützer von Pilgern begannen und zu den mächtigsten Finanziers Europas aufstiegen, bieten eine faszinierende kulturhistorische und machtpolitische Bühne. Sie waren Männer, die vor ihrer Vergangenheit flohen, gesellschaftliche Ausgestoßene oder tief Gläubige auf der Suche nach Sühne. Doch wer hofft, in Daniel Wolfs zweitem Band „Der Thron und die Lilie“ in diese komplexen historischen Untiefen einzutauchen, wird bitter enttäuscht.

Ein vielversprechendes Setting verkommt zur Seifenoper

Wir schreiben das Jahr 1297. Frankreich ist ein Pulverfass. Während der Papst und König Philipp der Schöne einen erbitterten Kampf um die Vormachtstellung austragen und die Grafschaft Flandern am Rande eines blutigen Aufstands taumelt, werden Constantin Fleury und der Templer Gérard d’Acre von den Schatten ihrer Vergangenheit eingeholt.

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Eva-Maria Bast: Die letzte Pharaonin

Eine starke Liebe, politisches Kalkül und viele Widerstände, denen die Liebenden trotzen müssen.

All das findet sich in Eva-Maria Basts „Die letzte Pharaonin“. Interessanterweise geht es nicht um die Liebesgeschichte von Kleopatra und Cäsar, sondern um die Beziehung eines seiner Nachfolger und der ägyptischen Königin: Marcus Antonius. Normalerweise wird in der Populärkultur Kleopatras und Cäsars Liebschaft erzählt. Für Cäsar war Ägypten wichtig als Kornkammer Roms. Dafür half er ihr, den Thronstreit gegen ihren Bruder Ptolemaios zu gewinnen. In der Beziehung zu Marc Antonius ging es beiden jedoch vorrangig um die Ausweitung ihres Reiches. Diese Beziehung schien gleichberechtigter zu sein: Kleopatra war weniger abhängig von Marc Antonius, hatte keine grundsätzlichen Existenzängste.

Bast schreibt wortreich, in einem „ausgefüllten“ Erzählstil von der großen Liebe, die ständig Widerständen trotzen muss. Und wenn die beiden endlich gemeinsam einen Winter in Ruhe verbringen können, gibt es anschließend die nächste große Katastrophe. Herrscher eines großen Reichs zu sein, ist wirklich kein leichtes Leben.

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Michael Römling: Berengar: Ich bin Barbarossas Klinge

Mit dem jungen Kämpfer Berengar hat Michael Römling jetzt nach „Tankred“ einen weiteren Helden geschaffen, der sich sicher schon im ersten Band der Reihe eine Anhängerschaft gesichert hat.

Als zweitgeborener Sohn eines Ministerialen – unfreie Verwaltungsbeamte, Ritter oder Diener, die im Laufe der Zeit Macht, Besitz und Ansehen erworben hatten – von Herzog Heinrich dem Löwen hat Berengar wenig Aussicht auf die Übernahme der väterlichen Güter nach dessen Tod. Er wird deshalb von seinem Vater nach Köln geschickt, wo er an der Stiftsschule eine Ausbildung zusammen mit Adligen und Söhnen von Edelleuten genießt. Der plötzliche Tod seines älteren Bruders Boso verändert alles. Berengar wird zurückbeordert ins Weserland, wo sein Vater angesehener und wohlhabender Herr der Farnburg ist. Berengar, der jetzt Erbe des Familienbesitzes ist, muss allerdings auf Wunsch seines Vaters zunächst beweisen, dass er des zukünftigen Erbes würdig ist. So kommt es, dass der junge Berengar, gemeinsam mit seinen Freunden das Heer Friedrich Barbarossas auf dem Weg zur Kaiserkrönung in Italien begleiten soll. Berengar genießt nicht nur die Freundschaft und das Vertrauen Heinrichs des Löwen, er wird auch bald zu einem wichtigen Berater und Vertrauten von Friedrich, dessen Weg nach Rom gezeichnet ist von immer wiederkehrenden Kämpfen und Kriegen. Berengar, dessen verstorbene Mutter aus Parma stammt, spricht einigermaßen fließend italienisch und wird deshalb als Übersetzer bei Verhandlungen, aber auch als Spion eingesetzt, was ihn mehr als einmal in arge Bedrängnis bringt. Auf seine Mitstreiter und besten Freunde ist allerdings Verlass. Sie lassen Berengar nicht im Stich.

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Cynthia Ellingsen: Das Haus der Erinnerung

Mit Evie und ihrer Enkelin Rainey machen wir hier nicht nur eine Zeitreise, sondern auch eine Reise von den USA nach Irland, wo die inzwischen 93-jährige Evie aufgewachsen ist. Nachdem sie gerade eine schwere Erkrankung überstanden hat, bittet sie ihre Enkelin, mit ihr in ihre frühere Heimat zu reisen. Sie möchte noch einmal in das Dorf ihrer Kindheit, vielleicht das ein oder andere klären und Abschied nehmen. Die Krankheit hat Evie vor Augen geführt, dass ihr vielleicht nicht mehr allzu viel Zeit bleibt, deshalb drängt sie auf eine schnelle Abreise. Rainey, die zwar gerade ein ziemlich großes Problem mit ihrer Firma hat, das sie unbedingt lösen muss, kann ihrer Großmutter diesen innigen Wunsch nicht abschlagen und bucht die Flüge.

Evies ehemaliges Elternhaus ist inzwischen ein liebevoll geführtes Bed & Breakfast, in dem sie von der Wirtin herzlich aufgenommen werden. Viele der älteren Dorfbewohner, die sich noch an Evie und ihre Familie erinnern können, begegnen den beiden allerdings eher ablehnend und misstrauisch. Warum das so ist und warum Evie bisher so wenig von ihrer Jugend erzählt hat, hofft Rainey während der Tage in Aisling herauszufinden. Evie lebt merklich auf, seit sie wieder „zuhause“ ist, aber sie ist noch immer sehr verschwiegen. Erst ein Bündel alter Briefe, die der Hauptgrund waren, warum sie diese beschwerliche Reise in ihrem Alter unbedingt machen wollte, bringt sie dazu, Rainey von früher zu erzählen. Gespräche im Pub oder mit Grady, dem Bruder der Pensionswirtin, tragen weitere Puzzleteile bei.

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Miriam Georg: Sturmland

Dass Cora unglücklich ist, braucht man eigentlich gar nicht zu betonen. Schon nach wenigen Seiten in diesem neuen Nordsee-Roman ist klar, hier stimmt was ganz und gar nicht. Was das aber ist, wird nicht erklärt. Erst nach und nach im Laufe der stellenweise durchaus tragischen Geschichte wird dem Leser klar, was Cora durchgemacht haben muss. Immer eher zwischen den Zeilen als konkret angesprochen, was natürlich unbedingt zur Spannung beiträgt und uns als Leser neugierig macht, wissen zu wollen, wer sich eigentlich wirklich hinter Cora Kröger – wie sie sich nennt – verbirgt.

Den Namen Kröger hat sie angenommen, um einigermaßen sicher zu sein, dass man sie nicht finden wird. Ihre Heimatstadt Hamburg hat die Reederstochter ziemlich überraschend verlassen, um eine Stelle als Gouvernante und Hauslehrerin bei der Tochter eines Architekten anzunehmen, der der Gesundheit seiner Tochter zuliebe eine Stelle auf Norderney angenommen hat, wo er den Ausbau des Conversationshauses betreuen soll. Die zehnjährige Emmi leidet an Schwindsucht, vom Aufenthalt auf der Nordsee-Insel erhofft sich Alexander Klaasen Besserung. Cora hat zwar keinerlei Referenzen als Lehrerin, aber Alexander stellt sie ein, weil sie ihm einen vertrauenswürdigen, zuverlässigen Eindruck macht und aus gutem Hause zu stammen scheint. Über ihre Herkunft oder Vergangenheit redet sie nicht. Alexander fragt auch nicht wirklich nach. Ihm ist es wichtig, dass Emmi sich gut mit Cora versteht und der Aufenthalt auf der Insel für Emmi so angenehm wie möglich sein wird, wenn sie schon von zu Hause weg muss. Cora ist gebildet, belesen, an Naturwissenschaften interessiert und findet in Emmi eine interessierte, intelligente und aufmerksame Schülerin, mit der es Spaß macht, Stoff zu vermitteln. Manchmal auch mehr als in den Lehrbüchern steht.

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Katja Maybach: Zwei Frauen

Ein interessanter Roman über die Freundschaft zweier Frauen aus ganz unterschiedlichen Welten. Eine Freundschaft, die ihr jeweiliges Leben prägt und verändert.

Hannah und Julie sind beide noch sehr jung, Anfang zwanzig, als sie sich zufällig in der Kanzlei von Julies Ehemann begegnen. Der Anwalt und Notar regelt die Überschreibung des elterlichen Hofes auf Hannah, nachdem ihr Bruder nach dem Tod des Vaters beschlossen hat, eigene Wege zu gehen und das Handwerk des Schusters zu erlernen. Er hat kein Interesse am Hof, steht Hannah aber natürlich zur Seite, wenn sie ihn braucht. Hannah kann zum Beispiel weder lesen noch schreiben. Im Dorf wird die Entscheidung des Bruders, Hannah den Hof zu überlassen, als Skandal betrachtet. Es geht einfach nicht an, dass eine Frau alleine einen Hof bewirtschaftet und alle Entscheidungen trifft. Anfang des 20. Jahrhunderts undenkbar! Vor allem eben in einem kleinen Dorf.

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Anett Diell: Das Zimmermädchen vom Adlon

Die Goldenen Zwanziger Jahre in Berlin – das ist der Rahmen, in den „Das Zimmermädchen vom Adlon“ uns entführt. Die Zeit der Weimarer Republik war geprägt durch politische und soziale Probleme, Reparationszahlungen nach dem 1. Weltkrieg, Arbeitslosigkeit und Hunger. Dazu kam eine seit 1914 ständig steigende Inflation, die 1923 schließlich zu einer Hyperinflation führte, bei der ein Brot schon mal eine Milliarde Mark kosten konnte. Erst mit Einführung der Rentenmark konnte die Inflation gestoppt werden.

In dieser Zeit wird Irabella Keller, genannt Ira, 1921 Zimmermädchen im damals schon berühmten Hotel Adlon. Das war immer ihr Traum, jetzt wird er wahr. Mit ihrer offenen, freundlichen Art wird die zupackende Ira bald zum „frischen Wind“ im Hotel, beliebt bei Kolleginnen und Kollegen ebenso wie bald auch bei Hedda Adlon, der zweiten Ehefrau von Louis Adlon, dem Generaldirektor. Hedda entdeckt, dass in Ira viel mehr steckt als ein gewissenhaftes Zimmermädchen, dem nichts zu viel ist. Sie bittet sie bald um Rat und Ideen, die beiden freunden sich an, soweit Irabella das zulässt. Ira ist eine starke junge Frau, die auf ihrer Eigenständigkeit beharrt, die sich nicht abhängig machen will von nichts und niemandem, die sich verschließt, wenn man ihr zu nahe kommt und nur sehr wenige Menschen ihre wirklichen Freunde nennt.

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Lea Gerstenberger: Der Gesang des Falken

Ein historischer Roman, der einen guten und durchaus interessanten Einblick gibt in das höfische Leben in Frankreich zu Beginn des 16. Jahrhunderts, als Anne Boleyn als etwa 12-jährige junge Adlige als Ehrenmädchen an den französischen Hof kommt und sich dort sehr bald positiv hervortut.

Der Covertext hebt Anne Boleyn zwar als bedeutend hervor: „Anne Boleyn schrieb in England Geschichte. Doch ihr Charakter wurde in Frankreich geformt.“, im Roman selbst spielt sie zwar eine wichtige Rolle, aber eher eine Nebenrolle neben Marcelle de Saint-Séverin, der Tochter des Großstallmeisters, die ebenfalls als Ehrenmädchen im Hofstaat der späteren Königin lebt.

Ich hatte erwartet, ein bisschen mehr über den Weg der Anne Boleyn vom französischen Hof, den sie 1522 verlassen musste, um in England Hofdame am Tudor-Hof zu werden, bis hin zu ihrer Vermählung mit König Heinrich VIII., dessen zweite Ehefrau sie wurde und der sie wegen Hochverrats und vorgeblichen Ehebruchs am 19. Mai 1536 enthaupten ließ. Davon erfährt man in diesem Roman leider nichts. Insofern fand ich den Satz auf dem Cover etwas unzutreffend.

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