Cynthia Ellingsen: Das Haus der Erinnerung

Mit Evie und ihrer Enkelin Rainey machen wir hier nicht nur eine Zeitreise, sondern auch eine Reise von den USA nach Irland, wo die inzwischen 93-jährige Evie aufgewachsen ist. Nachdem sie gerade eine schwere Erkrankung überstanden hat, bittet sie ihre Enkelin, mit ihr in ihre frühere Heimat zu reisen. Sie möchte noch einmal in das Dorf ihrer Kindheit, vielleicht das ein oder andere klären und Abschied nehmen. Die Krankheit hat Evie vor Augen geführt, dass ihr vielleicht nicht mehr allzu viel Zeit bleibt, deshalb drängt sie auf eine schnelle Abreise. Rainey, die zwar gerade ein ziemlich großes Problem mit ihrer Firma hat, das sie unbedingt lösen muss, kann ihrer Großmutter diesen innigen Wunsch nicht abschlagen und bucht die Flüge.

Evies ehemaliges Elternhaus ist inzwischen ein liebevoll geführtes Bed & Breakfast, in dem sie von der Wirtin herzlich aufgenommen werden. Viele der älteren Dorfbewohner, die sich noch an Evie und ihre Familie erinnern können, begegnen den beiden allerdings eher ablehnend und misstrauisch. Warum das so ist und warum Evie bisher so wenig von ihrer Jugend erzählt hat, hofft Rainey während der Tage in Aisling herauszufinden. Evie lebt merklich auf, seit sie wieder „zuhause“ ist, aber sie ist noch immer sehr verschwiegen. Erst ein Bündel alter Briefe, die der Hauptgrund waren, warum sie diese beschwerliche Reise in ihrem Alter unbedingt machen wollte, bringt sie dazu, Rainey von früher zu erzählen. Gespräche im Pub oder mit Grady, dem Bruder der Pensionswirtin, tragen weitere Puzzleteile bei.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Miriam Georg: Sturmland

Dass Cora unglücklich ist, braucht man eigentlich gar nicht zu betonen. Schon nach wenigen Seiten in diesem neuen Nordsee-Roman ist klar, hier stimmt was ganz und gar nicht. Was das aber ist, wird nicht erklärt. Erst nach und nach im Laufe der stellenweise durchaus tragischen Geschichte wird dem Leser klar, was Cora durchgemacht haben muss. Immer eher zwischen den Zeilen als konkret angesprochen, was natürlich unbedingt zur Spannung beiträgt und uns als Leser neugierig macht, wissen zu wollen, wer sich eigentlich wirklich hinter Cora Kröger – wie sie sich nennt – verbirgt.

Den Namen Kröger hat sie angenommen, um einigermaßen sicher zu sein, dass man sie nicht finden wird. Ihre Heimatstadt Hamburg hat die Reederstochter ziemlich überraschend verlassen, um eine Stelle als Gouvernante und Hauslehrerin bei der Tochter eines Architekten anzunehmen, der der Gesundheit seiner Tochter zuliebe eine Stelle auf Norderney angenommen hat, wo er den Ausbau des Conversationshauses betreuen soll. Die zehnjährige Emmi leidet an Schwindsucht, vom Aufenthalt auf der Nordsee-Insel erhofft sich Alexander Klaasen Besserung. Cora hat zwar keinerlei Referenzen als Lehrerin, aber Alexander stellt sie ein, weil sie ihm einen vertrauenswürdigen, zuverlässigen Eindruck macht und aus gutem Hause zu stammen scheint. Über ihre Herkunft oder Vergangenheit redet sie nicht. Alexander fragt auch nicht wirklich nach. Ihm ist es wichtig, dass Emmi sich gut mit Cora versteht und der Aufenthalt auf der Insel für Emmi so angenehm wie möglich sein wird, wenn sie schon von zu Hause weg muss. Cora ist gebildet, belesen, an Naturwissenschaften interessiert und findet in Emmi eine interessierte, intelligente und aufmerksame Schülerin, mit der es Spaß macht, Stoff zu vermitteln. Manchmal auch mehr als in den Lehrbüchern steht.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Katja Maybach: Zwei Frauen

Ein interessanter Roman über die Freundschaft zweier Frauen aus ganz unterschiedlichen Welten. Eine Freundschaft, die ihr jeweiliges Leben prägt und verändert.

Hannah und Julie sind beide noch sehr jung, Anfang zwanzig, als sie sich zufällig in der Kanzlei von Julies Ehemann begegnen. Der Anwalt und Notar regelt die Überschreibung des elterlichen Hofes auf Hannah, nachdem ihr Bruder nach dem Tod des Vaters beschlossen hat, eigene Wege zu gehen und das Handwerk des Schusters zu erlernen. Er hat kein Interesse am Hof, steht Hannah aber natürlich zur Seite, wenn sie ihn braucht. Hannah kann zum Beispiel weder lesen noch schreiben. Im Dorf wird die Entscheidung des Bruders, Hannah den Hof zu überlassen, als Skandal betrachtet. Es geht einfach nicht an, dass eine Frau alleine einen Hof bewirtschaftet und alle Entscheidungen trifft. Anfang des 20. Jahrhunderts undenkbar! Vor allem eben in einem kleinen Dorf.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Anett Diell: Das Zimmermädchen vom Adlon

Die Goldenen Zwanziger Jahre in Berlin – das ist der Rahmen, in den „Das Zimmermädchen vom Adlon“ uns entführt. Die Zeit der Weimarer Republik war geprägt durch politische und soziale Probleme, Reparationszahlungen nach dem 1. Weltkrieg, Arbeitslosigkeit und Hunger. Dazu kam eine seit 1914 ständig steigende Inflation, die 1923 schließlich zu einer Hyperinflation führte, bei der ein Brot schon mal eine Milliarde Mark kosten konnte. Erst mit Einführung der Rentenmark konnte die Inflation gestoppt werden.

In dieser Zeit wird Irabella Keller, genannt Ira, 1921 Zimmermädchen im damals schon berühmten Hotel Adlon. Das war immer ihr Traum, jetzt wird er wahr. Mit ihrer offenen, freundlichen Art wird die zupackende Ira bald zum „frischen Wind“ im Hotel, beliebt bei Kolleginnen und Kollegen ebenso wie bald auch bei Hedda Adlon, der zweiten Ehefrau von Louis Adlon, dem Generaldirektor. Hedda entdeckt, dass in Ira viel mehr steckt als ein gewissenhaftes Zimmermädchen, dem nichts zu viel ist. Sie bittet sie bald um Rat und Ideen, die beiden freunden sich an, soweit Irabella das zulässt. Ira ist eine starke junge Frau, die auf ihrer Eigenständigkeit beharrt, die sich nicht abhängig machen will von nichts und niemandem, die sich verschließt, wenn man ihr zu nahe kommt und nur sehr wenige Menschen ihre wirklichen Freunde nennt.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Lea Gerstenberger: Der Gesang des Falken

Ein historischer Roman, der einen guten und durchaus interessanten Einblick gibt in das höfische Leben in Frankreich zu Beginn des 16. Jahrhunderts, als Anne Boleyn als etwa 12-jährige junge Adlige als Ehrenmädchen an den französischen Hof kommt und sich dort sehr bald positiv hervortut.

Der Covertext hebt Anne Boleyn zwar als bedeutend hervor: „Anne Boleyn schrieb in England Geschichte. Doch ihr Charakter wurde in Frankreich geformt.“, im Roman selbst spielt sie zwar eine wichtige Rolle, aber eher eine Nebenrolle neben Marcelle de Saint-Séverin, der Tochter des Großstallmeisters, die ebenfalls als Ehrenmädchen im Hofstaat der späteren Königin lebt.

Ich hatte erwartet, ein bisschen mehr über den Weg der Anne Boleyn vom französischen Hof, den sie 1522 verlassen musste, um in England Hofdame am Tudor-Hof zu werden, bis hin zu ihrer Vermählung mit König Heinrich VIII., dessen zweite Ehefrau sie wurde und der sie wegen Hochverrats und vorgeblichen Ehebruchs am 19. Mai 1536 enthaupten ließ. Davon erfährt man in diesem Roman leider nichts. Insofern fand ich den Satz auf dem Cover etwas unzutreffend.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Mac P. Lorne: Robert Surcouf: Der Tiger des Indischen Ozean

Zwischen Galgenstrick und Heldenepos: Die Welt der Korsaren

Piraten, Freibeuter, Korsaren – diese Begriffe rufen sofort Bilder von rauer Seefahrerromantik in den Kopf. Doch historisch betrachtet war die Kaperfahrt ein knallhartes Politikum. Die großen Seefahrernationen wie England, Spanien und Frankreich nutzten diese Männer mit „Lizenz zum Töten“ als strategische Waffen auf den Weltmeeren. Mit einem staatlichen Kaperbrief in der Tasche wandelte sich der gemeine Seeräuber zum legitimen Instrument der Kriegsführung. Die gezielte Störung feindlicher Handelswege, das Erbeuten wertvoller Ladungen und die Übernahme stolzer Schiffe formten diese Männer zu einer widersprüchlichen Spezies: Gehetzte Kriminelle zwischen Freiheit und Galgen auf der einen Seite, gefeierte Entdecker, hochdekorierte Offiziere und strahlende Legenden auf der anderen.

Aus dem Schatten der Geschichte: Robert Surcouf

Eine dieser schillernden, aber heute seltsam verblassten Figuren ist der französische Korsar Robert Surcouf. Während der Napoleonischen Epoche feierte er als Kaperfahrer beispiellose Erfolge, verschwand danach jedoch weitgehend im blinden Fleck der Historie. Dem Autor Mac P. Lorne, der sich durch temporeiche, maritime Abenteuerromane einen Namen gemacht hat, verdanken wir es, dass dieser historischen Figur nun wieder eine literarische Bühne geboten wird.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Hendrik Lambertus: Das Rad der Welt

Die „mappa mundi“, auf der hier der eigentliche Schwerpunkt der Erzählung liegt, ist keine Erfindung des Autors, wie man vielleicht meinen möchte, es gab sie wirklich und auch an dem Ort, an dem sie im Roman entsteht. Die Ebstorfer Weltkarte wurde 1830 zufällig wiederentdeckt, im Konvent Ebstorf bei Lüneburg. Inzwischen kann man sich ein Bild davon machen mit einem Online-Faksimile, das die Universität Lüneburg zur Verfügung stellt.

Auch wenn die im Roman handelnden Personen größtenteils fiktiv sind, es gab eine Priorin namens Mechthild im Kloster Ebstorf, und natürlich ist auch Herzog Otto von Lüneburg historisch verbrieft. Agnes, seine Tochter im Roman ist allerdings fiktiv.
Eine Karte der Welt, wie sie um 1300 bekannt war, ist der Traum der jungen, wissbegierigen Herzogstochter Agnes. Schon als Kind hat sie sich für alles interessiert, was außerhalb des Burghofes passiert, zu gerne würde sie selbst die Welt erkunden. Pater Aegidius, der sie auf der Burg unterrichtet, versucht ihren Wissensdurst zu stillen, so gut er kann. Mit einer kryptischen Zeichnung der Weltkarte auf einer kleinen Wachstafel weckt er erst recht Agnes‘ Interesse an der Geografie. Sie will unbedingt mehr wissen, will die Welt erfahren und aufzeichnen. Doch leider ist es ihr als Tochter des Herzogs kaum möglich, die Burg zu verlassen und wenigstens die umliegenden Gegenden zu erkunden. Viel zu selten kann sie Vater und Brüder mal auf die Falkenjagd begleiten und dann ja auch nur innerhalb der Ländereien des Herzogtums.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Charlotte von Feyerabend: Die Liga der sagenhaften Frauenzimmer: Der Auftakt

Ein etwas anderer Roman als man es so gewöhnt ist. Amüsant, unterhaltsam, interessant und historisch gut eingebettet. Erzählt wird von „Ihrer Chronistin“, wie sie immer wieder gerne unterzeichnet. Also eher von außen, und doch münden ihre Anmerkungen und politischen Einordnungen, die zu Beginn jeder Episode (Kapitel gibt’s hier nicht) stehen, immer direkt in einem der damaligen Salons oder bei einer Festivität, bei der die Männer über Politik, den König und die Weltlage diskutiert haben, die Frauen in der Regel als „schöne Staffage“ gesehen wurden.

Wir befinden uns zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Westphalen, zur Zeit König Jérôme Bonapartes, auch genannt König Lustik, dem jüngsten Bruder Napoleons. Frauen hatten damals keine Rechte und waren komplett abhängig vom Ehemann, Vater oder Bruder als Familienvorstand. Und wir befinden uns in „der besseren Gesellschaft“. Im Mittelpunkt des Romans stehen so bekannte Frauen wie Bettina von Arnim, Annette von Droste-Hülshoff und ihre Schwester Jenny, Ludowine von Haxthausen oder Karoline von Günderode. Von ihnen allen hat man sicher schon gehört und wohl auch gelesen, aber in der Reihe der frühen Feministinnen sieht man sie wohl eher nicht unbedingt.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Deike Wichmann: Weil wir gleich sind

Der Roman um die „Blitzlicht-Frauen“ beruht auf einer wahren Begebenheit und ist von daher umso interessanter. Zwei der 1978 am Prozess der „Heinze-Frauen“ Beteiligten haben der Autorin die Geschichte ihres zähen und kräftezehrenden Kampfes um „gleichen Lohn für gleiche Arbeit“ erzählt und sie so zu der Geschichte um die Fotolaborantin Henni und ihre Kolleginnen inspiriert.

Alles beginnt damit, dass Henni den Lohnzettel eines Kollegen findet, der dem wohl aus der Tasche gerutscht sein muss. Sie bemerkt, dass die Männer im Betrieb offenbar ein gutes Stück besser bezahlt werden als die Frauen, und sie redet mit ihren Freundinnen aus ihrer Schicht darüber. Sie gehen damit zum Betriebsrat, der sie in ihrem Anliegen nach gleicher Bezahlung auch unterstützt. Ein Gespräch mit der Geschäftsleitung verläuft allerdings sehr unerfreulich, die Frauen werden abgespeist mit Bemerkungen, dass Männer eben schwerere Arbeit machten, in Nachtschichten arbeiten würden (was Frauen 1978 gar nicht gestattet war), etc. Doch die Frauen geben sich damit nicht zufrieden. Sie kämpfen weiter, oft gegen Widerstand in der eigenen Familie. Viele Männer finden es überhaupt nicht in Ordnung, dass ihre Frauen plötzlich aufmucken.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Romy Herold: Die Schwartau Schwestern: Die Süße des Lebens

Eine interessante Familiengeschichte, eng verwoben mit der Entstehungsgeschichte eines Unternehmens, das bis heute erfolgreich ist. Zwar nicht mehr im Familienbesitz, aber nicht minder erfolgreich. Und zwar nicht nur mit Marmelade, zu den besonderen Verkaufsschlagern gehören seit den 1980er Jahren vor allem Corny-Müsli-Riegel, ein Produkt, das aus Amerika übernommen worden war und sich auch hier bei uns etabliert hat.

Begonnen hat alles zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit einer Fabrik für Bohnerwachs, die die Brüder Dr. Paul Fromm, Chemiker und Apotheker, und der Kaufmann Otto Fromm in Schwartau, damals einem kleinen Marktflecken mit Potenzial gegründet hatten. Die komplette Familie übersiedelte von Rostock nach Schwartau. Auch die Schwestern waren in das Unternehmen eingebunden. Zunächst nur Emma, die die Buchhaltung innehatte, was für eine Frau in der damaligen Zeit äußerst ungewöhnlich war, aber ihre Familie war in vielen Dingen eher unkonventionell.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: