Mac P. Lorne: Robert Surcouf: Der Tiger des Indischen Ozean

Zwischen Galgenstrick und Heldenepos: Die Welt der Korsaren

Piraten, Freibeuter, Korsaren – diese Begriffe rufen sofort Bilder von rauer Seefahrerromantik in den Kopf. Doch historisch betrachtet war die Kaperfahrt ein knallhartes Politikum. Die großen Seefahrernationen wie England, Spanien und Frankreich nutzten diese Männer mit „Lizenz zum Töten“ als strategische Waffen auf den Weltmeeren. Mit einem staatlichen Kaperbrief in der Tasche wandelte sich der gemeine Seeräuber zum legitimen Instrument der Kriegsführung. Die gezielte Störung feindlicher Handelswege, das Erbeuten wertvoller Ladungen und die Übernahme stolzer Schiffe formten diese Männer zu einer widersprüchlichen Spezies: Gehetzte Kriminelle zwischen Freiheit und Galgen auf der einen Seite, gefeierte Entdecker, hochdekorierte Offiziere und strahlende Legenden auf der anderen.

Aus dem Schatten der Geschichte: Robert Surcouf

Eine dieser schillernden, aber heute seltsam verblassten Figuren ist der französische Korsar Robert Surcouf. Während der Napoleonischen Epoche feierte er als Kaperfahrer beispiellose Erfolge, verschwand danach jedoch weitgehend im blinden Fleck der Historie. Dem Autor Mac P. Lorne, der sich durch temporeiche, maritime Abenteuerromane einen Namen gemacht hat, verdanken wir es, dass dieser historischen Figur nun wieder eine literarische Bühne geboten wird.

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Hendrik Lambertus: Das Rad der Welt

Die „mappa mundi“, auf der hier der eigentliche Schwerpunkt der Erzählung liegt, ist keine Erfindung des Autors, wie man vielleicht meinen möchte, es gab sie wirklich und auch an dem Ort, an dem sie im Roman entsteht. Die Ebstorfer Weltkarte wurde 1830 zufällig wiederentdeckt, im Konvent Ebstorf bei Lüneburg. Inzwischen kann man sich ein Bild davon machen mit einem Online-Faksimile, das die Universität Lüneburg zur Verfügung stellt.

Auch wenn die im Roman handelnden Personen größtenteils fiktiv sind, es gab eine Priorin namens Mechthild im Kloster Ebstorf, und natürlich ist auch Herzog Otto von Lüneburg historisch verbrieft. Agnes, seine Tochter im Roman ist allerdings fiktiv.
Eine Karte der Welt, wie sie um 1300 bekannt war, ist der Traum der jungen, wissbegierigen Herzogstochter Agnes. Schon als Kind hat sie sich für alles interessiert, was außerhalb des Burghofes passiert, zu gerne würde sie selbst die Welt erkunden. Pater Aegidius, der sie auf der Burg unterrichtet, versucht ihren Wissensdurst zu stillen, so gut er kann. Mit einer kryptischen Zeichnung der Weltkarte auf einer kleinen Wachstafel weckt er erst recht Agnes‘ Interesse an der Geografie. Sie will unbedingt mehr wissen, will die Welt erfahren und aufzeichnen. Doch leider ist es ihr als Tochter des Herzogs kaum möglich, die Burg zu verlassen und wenigstens die umliegenden Gegenden zu erkunden. Viel zu selten kann sie Vater und Brüder mal auf die Falkenjagd begleiten und dann ja auch nur innerhalb der Ländereien des Herzogtums.

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Charlotte von Feyerabend: Die Liga der sagenhaften Frauenzimmer: Der Auftakt

Ein etwas anderer Roman als man es so gewöhnt ist. Amüsant, unterhaltsam, interessant und historisch gut eingebettet. Erzählt wird von „Ihrer Chronistin“, wie sie immer wieder gerne unterzeichnet. Also eher von außen, und doch münden ihre Anmerkungen und politischen Einordnungen, die zu Beginn jeder Episode (Kapitel gibt’s hier nicht) stehen, immer direkt in einem der damaligen Salons oder bei einer Festivität, bei der die Männer über Politik, den König und die Weltlage diskutiert haben, die Frauen in der Regel als „schöne Staffage“ gesehen wurden.

Wir befinden uns zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Westphalen, zur Zeit König Jérôme Bonapartes, auch genannt König Lustik, dem jüngsten Bruder Napoleons. Frauen hatten damals keine Rechte und waren komplett abhängig vom Ehemann, Vater oder Bruder als Familienvorstand. Und wir befinden uns in „der besseren Gesellschaft“. Im Mittelpunkt des Romans stehen so bekannte Frauen wie Bettina von Arnim, Annette von Droste-Hülshoff und ihre Schwester Jenny, Ludowine von Haxthausen oder Karoline von Günderode. Von ihnen allen hat man sicher schon gehört und wohl auch gelesen, aber in der Reihe der frühen Feministinnen sieht man sie wohl eher nicht unbedingt.

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Deike Wichmann: Weil wir gleich sind

Der Roman um die „Blitzlicht-Frauen“ beruht auf einer wahren Begebenheit und ist von daher umso interessanter. Zwei der 1978 am Prozess der „Heinze-Frauen“ Beteiligten haben der Autorin die Geschichte ihres zähen und kräftezehrenden Kampfes um „gleichen Lohn für gleiche Arbeit“ erzählt und sie so zu der Geschichte um die Fotolaborantin Henni und ihre Kolleginnen inspiriert.

Alles beginnt damit, dass Henni den Lohnzettel eines Kollegen findet, der dem wohl aus der Tasche gerutscht sein muss. Sie bemerkt, dass die Männer im Betrieb offenbar ein gutes Stück besser bezahlt werden als die Frauen, und sie redet mit ihren Freundinnen aus ihrer Schicht darüber. Sie gehen damit zum Betriebsrat, der sie in ihrem Anliegen nach gleicher Bezahlung auch unterstützt. Ein Gespräch mit der Geschäftsleitung verläuft allerdings sehr unerfreulich, die Frauen werden abgespeist mit Bemerkungen, dass Männer eben schwerere Arbeit machten, in Nachtschichten arbeiten würden (was Frauen 1978 gar nicht gestattet war), etc. Doch die Frauen geben sich damit nicht zufrieden. Sie kämpfen weiter, oft gegen Widerstand in der eigenen Familie. Viele Männer finden es überhaupt nicht in Ordnung, dass ihre Frauen plötzlich aufmucken.

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Romy Herold: Die Schwartau Schwestern: Die Süße des Lebens

Eine interessante Familiengeschichte, eng verwoben mit der Entstehungsgeschichte eines Unternehmens, das bis heute erfolgreich ist. Zwar nicht mehr im Familienbesitz, aber nicht minder erfolgreich. Und zwar nicht nur mit Marmelade, zu den besonderen Verkaufsschlagern gehören seit den 1980er Jahren vor allem Corny-Müsli-Riegel, ein Produkt, das aus Amerika übernommen worden war und sich auch hier bei uns etabliert hat.

Begonnen hat alles zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit einer Fabrik für Bohnerwachs, die die Brüder Dr. Paul Fromm, Chemiker und Apotheker, und der Kaufmann Otto Fromm in Schwartau, damals einem kleinen Marktflecken mit Potenzial gegründet hatten. Die komplette Familie übersiedelte von Rostock nach Schwartau. Auch die Schwestern waren in das Unternehmen eingebunden. Zunächst nur Emma, die die Buchhaltung innehatte, was für eine Frau in der damaligen Zeit äußerst ungewöhnlich war, aber ihre Familie war in vielen Dingen eher unkonventionell.

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Katharina Fuchs: Schwesternland

Den Rahmen für diesen intensiv und toll recherchierten historischen Roman bildet zum einen die Zeit der Verfolgung der Hugenotten im 17. Jahrhundert, nach der Aufhebung des Edikts von Nantes, zum anderen die Geschichte der Familie Barnsdorf im Havelland, heute. Am 100. Geburtstag ihrer Großmutter Henriette macht Antonia die Bekanntschaft einer Großcousine ihrer Großmutter, die – u.a. auf Henriettes Bitte – sich mit Ahnenforschung und dem Stammbaum der Barnsdorfs befasst hat. Maximiliane, eine beeindruckende Frau, die auffällt, schon, weil sie darauf besteht, „Max“ genannt zu werden – und zwar englisch ausgesprochen. Max bringt einen dicken Ordner mit Unterlagen mit zum Familienfest und begeistert damit vor allem Antonia, die gerade daran ist, ihre Masterarbeit zu schreiben, mit dem Thema aber nicht so ganz glücklich ist. Überhaupt ist sie mit ihrem Leben zur Zeit insgesamt nicht im Reinen, sodass die Spur, die Max da aufgetan hat, sie darin bestärkt, Leipzig, wo sie studiert und ihrer Familie in Berlin erst einmal den Rücken zu kehren und nach Lyon zu reisen, wo Max ihr den Kontakt zu einem renommierten Historiker gemacht hat, der ihr bei der Suche nach den Wurzeln ihrer Familie sicher hilfreich sein kann. Monsieur Bellamy verfügt über hervorragende Kontakte, ein riesiges Netzwerk an Bekannten und Freunden, die gerne weiterhelfen.

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Regine Kölpin: Zwischen Abschied und Neubeginn: Die Hebammensaga

Produktbild: Zwischen Abschied und Neubeginn

Auch der zweite Teil der „Hebammensaga“ um Esther und Luise ist wieder sehr authentisch und schildert realistisch die Probleme, mit denen sich freiberufliche Hebammen in den 1980er-Jahren (und manchmal bis heute) konfrontiert sahen. Die Zusammenarbeit mit den Kliniken war nicht immer einfach, weil ein Großteil der Ärzte die Hausgeburten und die Betreuung durch freiberuflich tätige Hebammen strikt ablehnten. Esther hat nach dem abrupten Ende ihrer Zeit in der Wellenklinik für sich einen guten Weg gefunden. Dank der Unterstützung und Hilfe der älteren Hebamme Luise, die sie in der Silvesternacht kennengelernt hatte, als sie unfreiwillig, aber im Nachhinein Gott sei Dank, bei Freunden von Stefan untergekommen war, ist Esther nicht lange arbeitslos geblieben, sondern konnte sich in Luises Praxis einkaufen und gemeinsam mit ihr werdende und junge Mütter betreuen.

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Laura Baldini: Und sie schenkten ihnen ein Zuhause

Produktbild: Und sie schenkten ihnen ein Zuhause

Was wissen Sie über Anna Freud? Dass sie die Tochter des Psychoanalytikers Sigmund Freud war, in Wien gelebt hat, selbst auch als Psychoanalytikerin gearbeitet hat … Aber wissen Sie auch, dass sie es war, die 1940, als die Luftangriffe auf London einsetzten, dort Heime für Kinder geschaffen hat, die vom Krieg traumatisiert waren? Sei es, weil sie zu Waisen wurden, obdachlos waren oder sich selbst überlassen, weil die Mütter arbeiten mussten, um für sich und ihre Kinder zu sorgen. Solchen Kindern wollten Anna Freud und ihre Freundin und Kollegin Dorothy Burlingham eine Umgebung bieten, in der sie in einer relativen Normalität leben und wieder Vertrauen fassen konnten, in der sie feste Bezugspersonen hatten, die sich täglich und auch nachts um sie kümmerten und auf ihre Ängste und Traumata eingingen.

Anna Freud hatte zunächst in Wien mit Kolleginnen, Pädagoginnen, Lehrerinnen, Ärztinnen in Kindergärten das Verhalten von Kleinkindern erforscht, bis sie selbst vor den Nazis geflohen und nach London gegangen ist. Viele ihrer damaligen Kolleginnen und Freundinnen waren Jüdinnen, denen sie versuchte, bei der Flucht nach England zu helfen. Es gelang nicht in jedem Fall. Gemeinsam mit diesen Freundinnen schuf sie die sogenannten „Hampstead War Nurseries“, in denen sie eben diese Kinder betreuten. Unterstützt wurden die Einrichtungen in London und später auch eine weitere in Essex teilweise durch Spenden, teilweise aber auch durch den „Foster Parents’ Plan for War Children“.

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Anna Husen: Lübecks Töchter: Der Traum von Liebe und Gemeinschaft

Produktbild: Lübecks Töchter. Der Traum von Liebe und Gemeinschaft

Das Vermitteln von Wissen und Bildung, der Wunsch nach Eigenständigkeit und Selbstbestimmung – das sind auch im zweiten Teil der Dilogie um „Lübecks Töchter“ die beherrschenden Themen. Sehr anschaulich wird die Situation der Frauen im ausgehenden 19. Jahrhundert dargestellt. Sogenannte „höhere Töchter“ wurden meist von einem Privatlehrer unterrichtet, wurden auf eine Zukunft als Ehefrau und Mutter vorbereitet und lernten dementsprechend in der Regel, wie man Konversation macht, ein bisschen Französisch oder Englisch sowie Haushaltsführung. Tiefergehende Bildung blieb ihnen oft verwehrt. Das wollten Amélie Roquette und ihre Schwestern mit ihrem Institut ändern. Zunächst als Schule für höhere Töchter geplant, wurde daraus bald auch ein Lehrerinnenseminar, an dem die Schwestern selbst künftige Lehrerinnen ausbilden konnten. Gegen viele Widerstände der Behörden, aber auch einzelner Bürger, die versuchten, den Schwestern das Leben schwer zu machen.

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Caren Benedikt: Tosende See: Grand Hotel Usedom

Produktbild: Tosende See

Auch der letzte Teil der fesselnden Trilogie um die Familie von Höveln und ihre Hotels „Ahlbecker Hof“ und „Atlantic“ auf Usedom ist wieder ebenso Familiensaga wie eine Studie der gesellschaftlichen Konventionen und Gepflogenheiten Anfang des 20. Jahrhunderts. Wir erleben hautnah, wie schwierig es für Frauen ist, sich aus einer unglücklichen, ja krankmachenden Ehe zu befreien, wie viele Steine ihnen in den Weg gelegt werden, wenn sie nicht in den Schoß der Familie zurückkehren können oder gar versuchen, auf eigenen Füßen zu stehen und eigene Entscheidungen zu treffen.

Maria, die älteste der drei Schwestern von Höveln, kann jetzt endlich die Scheidungspapiere unterzeichnen, und ihr Ex-Mann, Friedrich Kaminski, wird mit juristischen Schritten dazu aufgefordert, die Insel zu verlassen. Er steht ohne alles da. Seine Familie, die seine verbrecherischen Machenschaften lange gar nicht mitbekommen hatte und diese absolut verurteilt, auch den Umgang mit Maria und deren Familie, untersagt ihm jede finanzielle Unterstützung. Lediglich die Abreise von der Insel haben sie für ihn organisiert, doch wieder einmal gelingt es Friedrich, sich den Auflagen zu entziehen. Sein Versuch jedoch, noch einmal in seinen alten Kreisen Fuß zu fassen, scheitert kläglich, hat er sich doch zu viele Feinde gemacht.

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