Shelly Kupferberg: Stunden wie Tage

Shelly Kupferberg erzählt in „Stunden wie Tage“ die Geschichte der jungen Widerstandskämpferin Liane Berkowitz – und verknüpft sie mit dem Leben der Hausbesorgerin Martha. Daraus entsteht ein ruhiger, zunehmend eindringlicher Roman über Mut, Schuld und Erinnerung. Die Mischung aus historischer Genauigkeit und literarischer Erzählung gelingt so stimmig, dass die Figuren lange nachwirken.

Im Zentrum steht Martha E., die ab 1925 als Hausbesorgerin in einem Schöneberger Mietshaus arbeitet. Sie ist pflichtbewusst, sparsam und zurückhaltend – Eigenschaften, die sie für ihre Aufgabe prädestinieren. Sie organisiert den Alltag, kassiert Mieten und hält den Betrieb im Haus aufrecht, während sich die politischen Verhältnisse immer weiter zuspitzen.

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Iny Lorentz: Helena: Das Schicksal der Todesschwestern

Geschichte gut verpackt in eine fesselnde Geschichte. Das kennen wir zwar vom Autorenpaar Iny Klocke und Elmar Wohlrath, alias Iny Lorentz, aber meistens spielen ihre historischen Romane ja im frühen Mittelalter. Das ist diesmal nicht der Fall. „Helena“ geht „nur“ 200 Jahre zurück, ins 19. Jahrhundert, in die Zeit der Freiheitskämpfe und -kriege in Griechenland, die zunächst recht aussichtslos, mit der späteren Unterstützung anderer Völker dann aber doch zur Unabhängigkeit von den Türken führten. Allerdings duldeten weder Russland noch England oder Österreich eine freie Republik Griechenland, weshalb Otto von Bayern, der Sohn Ludwigs I., zum König von Griechenland bestimmt wurde.

In diesem hervorragend recherchierten und gekonnt umgesetzten Roman liegt ein besonderes Augenmerk auf den Frauen, die an den Kämpfen um die Freiheit einen nicht geringen Anteil hatten. Die berühmteste war Laskarina Bouboulina, die die meisten Schlachten auf See für die Griechen gewann und später vom russischen Zaren posthum zum Admiral der russischen Flotte ernannt wurde. Ebenfalls eine wesentliche Rolle spielten die Suliotinnen und die Frauen von Mani, die hier im Roman besondere Bedeutung haben; von ihnen hieß es, dass sie ebenso gut schießen konnten wie die Männer. Sie durften zwar alle mitkämpfen und ihr Leben riskieren, bei der Gestaltung des neuen Staates spielten sie jedoch keine Rolle mehr.

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Regine Kölpin: Zwischen Zuversicht und Leben: Die Hebammensaga

Regine Kölpin erzählt die Geschichte von Esther, einer jungen, engagierten Hebamme, die für die werdenden Mütter, die Wöchnerinnen und ihre Neugeborenen gerne einige Veränderungen erreichen möchte. Leider stößt sie im harten Klinikalltag in der Wesermarsch, wo sie sich gerade in der Probezeit befindet, immer wieder auf den Widerstand und den Widerwillen ihrer Vorgesetzten. Schwester Helma hält streng am Alten fest und ist Esthers Ideen gegenüber alles andere als aufgeschlossen. Es kommt so weit, dass Esther ihre Stelle verliert und nun auf sich gestellt, ohne viele Menschen in der Wesermarsch zu kennen, weil sie erst seit Kurzem dort lebt, zurechtkommen muss. Das gelingt ihr mit Hilfe einer erfahrenen älteren Hebamme, die seit Langem für Neuerungen und Verbesserungen kämpft. Als freie Hebamme hat sie es damit nicht leicht.

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Beate Maly: Die Trümmerschule: Jahre der Kinder

Im zweiten Band der kleinen Reihe um die junge jüdische Lehrerin Stella stehen die Schicksale der Kinder und Jugendlichen im Mittelpunkt, denen es noch kurz vor Ende des Krieges gelungen ist, vor der Einberufung zu fliehen bzw. der Kinder, die damals in Heimen lebten und Grausamkeiten ertragen mussten, von denen wir kaum eine Vorstellung haben. Inzwischen kommen immer mehr dieser Vorgänge in Heimen – nicht nur in Österreich – ans Licht, aber leider können kaum noch Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen werden. Beispielhaft werden hier die Schicksale zweier Jungen geschildert, die sich zufällig in einem Zug begegnen. Beide auf der Flucht: Günther auf der Flucht vor der Einberufung, Bruno auf der Flucht vor dem Heim. Bruno ist völlig mittellos und läuft im Zug bereits Gefahr, erwischt zu werden, weil er keinen Fahrschein hat. Günther greift ein, zahlt die Fahrkarte, und beide gehen den gefährlichen weiteren Weg gemeinsam.

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Elke Becker: Die Erfinderin der Freiheit

Der Glaube an den Fortschritt und sich selbst, daran, dass man etwas erreichen kann, wenn man nicht aufgibt. Dass man große Träume verwirklichen kann. Der stetige Kampf gegen die Dominanz der Männer in der Gesellschaft, die Rückschläge, die Frauen immer wieder hinnehmen mussten, die alltäglichen Probleme, die es so schwer machten, den Glauben an sich selbst und eben sich selbst nicht aufzugeben. Das sind die Themen, die hier in diesem historischen Roman um vier junge Frauen, die jeden Tag kämpfen müssen, um ihre Wohnung bezahlen zu können, sich in ihrem Job zu beweisen und dabei nicht vergessen, dass sie Träume haben, die sie verwirklichen wollen, behandelt werden. Christine und ihre Freundinnen Julia, Lotta und Amalie stehen im Mittelpunkt dieses historischen Romans, der Fakten und Fiktionen gekonnt und spannend zu einer Geschichte spinnt, die uns an den Anfang des 20. Jahrhunderts nach Dresden führt.

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Susanne Lieder: In der Liebe wollen wir frei sein

Gerade mal gut fünfzig Jahre sind im Rückblick keine lange Zeit, aber wenn man sich in Erinnerung ruft, was sich in den letzten 50, 55 Jahren gerade für Frauen alles verändert hat, könnte man meinen, man rede von einem lange vergangenen Jahrhundert. Bis Mitte der 1970er-Jahre durften Frauen ja eigentlich kaum etwas selbstständig und alleine für sich entscheiden. Sei es, ein Konto eröffnen, einer beruflichen Tätigkeit nachgehen, den Führerschein machen, Verträge abzuschließen – all das musste vom Vater oder Ehemann genehmigt werden. Als 1971 in Paris eine viel beachtete Demonstration stattfand, bei der sich Frauen dazu bekannten, abgetrieben zu haben, kam ein Stein ins Rollen.

Die Journalistin Alice Schwarzer, die damals als Korrespondentin in Frankreich gearbeitet hat, hatte sich dieses Themas angenommen und diese Demonstration initiiert. In der Folge erschien ein ebenso aufrüttelnder Artikel von ihr zu diesem Thema im „Stern“. Das Titelblatt mit den Fotos von prominenten und anderen Frauen, die offen erklärten „Wir haben abgetrieben“ und sich damit strafbar machten, haben viele bestimmt noch in Erinnerung.

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Mechtild Borrmann: Lebensbande

Schicksale dreier Frauen in einem etwas emotionsarmen Roman

Das Buch schildert auf Basis der Erinnerungen von Zeitzeugen die Erlebnisse von drei Frauen in der Zeit vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Drei Frauen, die wohl mehr oder weniger typisch sind für das, was damals vielen Menschen geschah, und für die Folgen, die das für ihr weiteres Leben hatte.

Mechtild Borrmann, deren Romane „Trümmerkind“ und „Feldpost“ ich ungemein spannend und emotional fand, erzählt hier auf mehreren Zeitebenen. Es beginnt in der Zeit kurz nach dem Mauerfall mit der Erzählperspektive einer zunächst noch namenlosen älteren Frau. Sie lebt allein mit ihrem Hund, hat einen Garten und wenig Kontakt, abgesehen von einem befreundeten Ehepaar. Sie schweigt zu ihrer Vergangenheit, wofür sie, wie sich später herausstellt, einen guten Grund hat.

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Anna Thaler: Die Papierschöpferin

Ein spannender, historisch gut recherchierter Roman über die Papierherstellung und die Mitte des 15. Jahrhunderts noch recht junge Kunst des Buchdrucks, verpackt in die Geschichte einer jungen Frau, die von heute auf morgen vor der Aufgabe steht, sich nicht nur um ihre jüngeren Geschwister, sondern auch um den Fortbestand der elterlichen Papiermühle kümmern zu müssen, nachdem ihr Vater von einer geschäftlichen Reise nach Venedig nicht zurückgekommen ist. Er sei an der Pest gestorben, sagt man Sofia. Doch sie hat von Anfang an Zweifel und würde lieber heute als morgen aufbrechen, um die wahren Umstände des Todes ihres Vaters in Venedig aufzuklären und zu erfahren, was er dort genau gemacht hatte. Zunächst können Sofia und ihre Geschwister noch auf die Unterstützung der Nachbarn aus dem Dorf rechnen, doch das hat ein jähes Ende, als Sofia und Matteo, der Sohn des mächtigsten Papiermühlenbesitzers der Region, sich weigern zu heiraten.

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Elisabeth Sandmann: Wir dachten, das Leben kommt noch

1940 gründete der britische Premierminister Winston Churchill die „Special Operations Executive“, kurz SOE genannt. Eine spezielle Einsatzgruppe, die in allen von der Wehrmacht besetzten Gebieten aktiv war, so auch in Frankreich, wo sie als Sektion F bekannt war. Winston Churchill wollte damals die Nationalsozialisten und Faschisten in Europa vollständig vernichten, wofür – schon im eigenen Interesse der Briten – der Widerstand im besetzten Frankreich gestärkt werden musste. Allein auf die Unterstützung der Résistance wollte er sich dabei allerdings nicht verlassen.

Das Besondere an dieser neuen Organisation, der SOE, war, dass zum ersten Mal auch Frauen angeworben und aufgenommen wurden. Sie wurden gemeinsam mit ihren männlichen Kollegen und ebenso intensiv für Kampfhandlungen ausgebildet. Das hatte es in herkömmlichen Agentennetzwerken bisher nicht gegeben. Doch Frauen waren im Einsatz unauffälliger als Männer, hatten andere Möglichkeiten, an Informationen zu kommen oder zum Beispiel Sprengstoff für geplante Anschläge unter Kartoffeln im Einkaufskorb oder im Kinderwagen verborgen zu transportieren. Die Frauen der Sektion F haben Wesentliches zum Sieg über die Wehrmacht beigetragen, doch Erwähnung fanden ihre mutigen und lebensgefährlichen Einsätze kaum.

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Elisa Jakob: Queen Victoria

Wer sich für das viktorianische Zeitalter interessiert, aber nicht nur Geschichtsbücher wälzen möchte, wird hier aufs Beste informiert. Leben und Wirken von Queen Victoria werden in dieser Romanbiografie sehr anschaulich und fesselnd beschrieben.

„Wäre ich nicht die, die ich bin, dann wäre dies mein richtiges Zuhause geworden, aber für mich wird es immer mein zweites sein“, soll Queen Victoria über das kleine Schloss Rosenau in der Nähe der Residenzstadt Coburg gesagt haben. Hier und im Herzogtum Coburg fühlte sie sich wohl; dort hat sie mit Albert, ihrem Mann, dem Prinzen von Sachsen-Coburg und Gotha, glückliche Tage verbracht, die beide immer als die schönsten bezeichneten. In Schloss Rosenau wurde übrigens eigens für den Besuch der Queen und ihres Gatten 1860 ein Wasserklosett eingebaut – eine neumodische Erfindung, die Königin Victoria begeisterte und die sie bereits zur „Great Exhibition“ 1851 in London im berühmten Kristallpalast hatte einbauen lassen, um die Hygiene und damit die Gesundheit zu verbessern, in einer Zeit, in der immer noch Epidemien und Infektionen Tausende Menschenleben forderten, weil der Zugang zu sauberem Trinkwasser und eine hygienische Abwasserentsorgung fehlten. Die Gesundheit ihrer Untertanen lag Victoria am Herzen.

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