Soviel vielleicht gleich vorweg: Dieser tiefgehende, oft beklemmende, ruhig erzählte Kriminalroman ist nichts für Leserinnen und Leser, die auf schnelle Wendungen, viel Action und möglichst kurze Kapitel stehen. Anne Stern versteht es wieder einmal, die Lesenden mitzunehmen in eine Atmosphäre, die eher düster ist und manchmal hoffnungslos scheint. Berlin im zweiten Hungerwinter, Dezember 1946. Die Stadt liegt in Trümmern, Ruinen bestimmen das Bild; daran ändert auch die dichte Schneedecke nichts, die das darunterliegende Elend zudeckt.
Die Menschen leiden Hunger und Not, haben oft noch immer kein Dach über dem Kopf, leben von dem, was sie auf dem Schwarzmarkt tauschen oder sonst wie ergattern können. Tote gehören noch immer zum Alltag, doch diese junge Frau, die die Fotografin Marielouise „Lou“ Faber im Schnee in den Ruinen entdeckt, als sie wieder einmal mit ihrer Kamera auf Streifzug ist, passt hier nicht ins Bild. Etwas an der Art, wie die Leiche der jungen Frau abgelegt worden ist, irritiert Lou. Noch kann sie nicht greifen, woran sie das erinnert, aber es lässt sie nicht los.
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