Marcel Huwyler: Frau Morgenstern und die Flucht

Die Rezension könnte eigentlich aus einem einzigen Wort bestehen: herrlich. Oder auch aus zweien: unbedingt lesen!

Natürlich kann man diesen Roman auch verstehen, ohne die drei Vorgängerbände zu kennen,  aber den richtigen Spaß bekommt man nur, wenn man sie in der Reihenfolge, in der sie gedacht sind, liest, weil man dann die Figuren lieben lernt, ihre Hintergründe versteht. Und sich schon jetzt auf Band fünf freut.

Dabei sollte man wirklich nicht so viel Spaß haben mit einem Krimi, dessen Hauptfiguren   Auftragskiller sind. Violetta Morgenstern und ihr Freund und Kollege Miguel Schlunegger arbeiten für eine Schweizer Organisation, deren Aufgabe es ist, unliebsame Zeitgenossen auszuschalten. Und zwar auf Anordnung von höchster Ebene.

Nun ergibt es sich allerdings, dass Violetta gezwungen ist, einen nicht beauftragten Mord zu begehen, woraufhin sie sich unverzüglich auf die titelgebende Flucht begibt. Zusammen mit Miguel, der davon überzeugt ist, dass sie erstens ihre Gründe für ihre Tat hatte und zweitens, dass sie ohne ihn aufgeschmissen wäre. Weiterlesen

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Thilo Falk: Dark Clouds

Spannend und schockierend, weil mittlerweile von der Realität eingeholt. Autor Thilo Falk skizziert ein wetterbedingtes Katastrophenszenario, das in Ansätzen zum Beispiel im Ahrtal ersichtlich wurde. Nur dass es in seiner Version ganz Europa betrifft. Nach wochenlangem Dauerwegen, Stürmen und heftigen Gewittern stehen nicht nur verschiedene Regionen unter Wasser, auch die kritische Infrastruktur droht zusammenzubrechen. Das Grund- und Leitungswasser ist kontaminiert, Handy- und Stromverbindungen sind unterbrochen, es kommt zu Lieferengpässen und den gefürchteten „Blackouts“. Was das für Folgen haben kann, liest sich schlimm. Daneben baut der Roman allerdings eine politische Komponente mit ein. Auch bei den größten Katastrophen gibt es Personen und Gruppen, die daraus Kapital schlagen. Drei mutige Personen versuchen in „Dark Clouds“ nicht nur den Regen zu stoppen, sondern auch die dahinter liegenden Machenschaften aufzudecken.

Da ist zum einen die Nephologin beziehungsweise Wolkenkundlerin Fjella Lange, welche bereits seit geraumer Zeit dafür kämpft, die Bevölkerung für die Folgen des Klimawandels zu sensibilisieren. Da ist aber auch der Schadengutachter Philip Graf, der vor allem Gebäude der kritischen Infrastruktur rund um Wasser- und Atomkraftwerke begutachtet und dabei einige Ungereimtheiten entdeckt hat. Weiterlesen

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Arno Strobel: Fake

Patrick Dostert erzählt uns seine Geschichte. Eines Tages standen Polizeibeamte vor seiner Tür und beschuldigten ihn, eine Frau misshandelt und getötet zu haben. Es muss sich um einen Irrtum handeln, schließlich war Patrick am fraglichen Abend mit einem Kunden essen und ist überhaupt unschuldig. Doch der Kunde ist nicht aufzufinden, die chinesische Firma scheint nicht zu existieren. Es tauchen Videos auf, die ihn zeigen, wie er eine Frau auf der Straße beschimpft, wieder beteuert er seine Unschuld, besteht auf Gutachten, es scheint seine Stimme zu sein, aber das kann nicht sein.

Patrick erzählt uns eine Geschichte, die Geschichte eines Mannes, der mit immer weiteren Beweisen immer weiter in die Enge getrieben wird. Digitale Beweise in der Hauptsache. Arno Strobel spielt dabei sehr geschickt mit dem, was der Leser zu wissen glaubt und damit sind wir bei dem, was der Titel des Buches schon impliziert. Fake-News. Sie begegnen uns heute auf Schritt und Tritt. Gegeben hat es sie schon immer, schon die katholische Kirche hat im Mittelalter laut und gerne Geschichten verbreitet, auch in alteuropäischer Geschichte ist bekannt, dass Darstellungen grundsätzlich und immer mit der Geschichte des Erstellers gelesen werden sollen, Quellenanalyse ist so ziemlich das Erste, was einem dort eingebläut wird. Weiterlesen

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Rob Hart: Paradox Hotel

Das Paradox Hotel ist nicht nur deshalb außergewöhnlich, weil man dort Zeitreisen in die Vergangenheit buchen kann, sondern auch, weil dort immer seltsamere Dinge vonstattengehen. Der amerikanische Sciencefiction-Thriller „Paradox Hotel“ von Rob Hart – übersetzt von Michael Pfingstl – vereint eine spannende Kernidee mit einer Portion Chaos und Grusel.

Im Paradox Hotel kann man Zeitreisen in verschiedene Epochen unternehmen. Dabei lautet die wichtigste Regel: Es darf unter keinen Umständen in der Vergangenheit herumgepfuscht werden – alles soll bleiben, wie es ursprünglich war. January Cole, die Sicherheitschefin, soll dies sicherstellen und auch innerhalb des Hotels für Sicherheit sorgen. Als January dann jedoch eine Leiche findet, überschlagen sich die Ereignisse und die Existenz des Hotels steht auf der Kippe.

Die Idee rund um das Paradox Hotel macht neugierig und enthält viel Potential. Rob Hart hat es geschafft, aus dieser Idee eine eigene Welt zu kreieren, die die Genres SciFi, Thriller und Krimi bedient. Während man das Buch liest, fühlt man sich als Teil dieser Welt. Es wird einem jedoch nicht leicht gemacht, in diese neue, spannende Dimension einzutauchen. Das hängt damit zusammen, dass man das Hotel zum Zeitpunkt einer Ausnahmesituation kennenlernt – absolutes Chaos vorprogrammiert. Weiterlesen

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Robert Galbraith: Das tiefschwarze Herz

1360 Seiten, um einen Mord aufzuklären, sind definitiv zu viel. So leid es mir tut und so sehr ich diese Reihe um den einbeinigen Detektiv der unter diesem Pseudonym schreibenden Joanne K. Rowling schätze, diesmal ist es wirklich einfach zu viel, zu lang, zu voll gepackt.

Cormoran Strike und Robin Ellacott, die beiden bilden das Team, welches nun schon im sechsten Band ganz besondere und ganz besonders verzwickte Mordfälle aufklärt. Dieses Paar, das sich liebt, es aber keinesfalls zugeben möchte und daher ständig umeinanderkreist, bekommt es diesmal mit dem Mord an einer jungen Frau zu tun, die eine Kult-Animationsserie entwickelt hat. Edie wurde zuvor auf das Schlimmste von einem Fan terrorisiert, der sich Anomie nennt und von der Polizei des Mordes verdächtigt wird.

Doch niemand scheint zu wissen, wer Anomie ist, und so machen sich Cormoran und Robin daran, genau das herauszufinden. Parallel hat ihre Detektei noch weitere Fälle zu bearbeiten, darunter einen, der sich durch das erneute Auftauchen von Cormorans Exfreundin Charlotte ergibt. Das führt wiederum zu Spannungen zwischen Cormoran und Robin, die alles nur Erdenkliche tun, um dem jeweils andren die eigenen Gefühle zu verbergen. Weiterlesen

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Ursula Poznanski: Stille blutet

Auch wenn Thriller draufsteht, ist dieser Roman meiner Meinung nach eher ein Krimi. Denn es geht vor allem um die Aufklärung eines Verbrechens oder einer Serie von Verbrechen. Laut der mir bekannten Erklärungen liegt der Unterschied zwischen Thriller und Krimi darin, dass in erstem das Verbrechen noch nicht geschehen ist und sich daraus die Spannung generiert.

Dabei ist Ursula Poznanski absolut berühmt für ihre Thriller und eine meiner liebsten Autorinnen. Ihre Romane sind fast immer hochspannend, dramatisch und lassen die Leserin atemlos der Handlung folgen. Dieser neue Roman allerdings schwächelt im Vergleich mit ihren anderen Büchern, wobei er natürlich immer noch eine stilistisch gelungene Geschichte erzählt.

Worum geht es: Die Handlung beginnt damit, dass die unsympathische Moderatorin Nadine ihren eigenen Tod ankündigt, und zwar vor laufenden Kameras, live im Fernsehen. Wenig später ist sie tatsächlich tot, grausam ermordet. Sehr schnell gerät ihr früherer Freund Tibor in Verdacht. Weiterlesen

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Stacy Willingham: Das siebte Mädchen

Chloe Davis erklärt, sie habe den Beruf der Psychologin nicht ergriffen, um einen leichten Zugang zu Medikamenten zu haben. „Ich wurde Psychologin, weil ich verstehe, was ein Trauma ist; ich verstehe es auf eine Weise, die keine Ausbildung einem je lehren könnte. Ich verstehe, wie das Gehirn jeden Bereich des Körpers sabotieren kann […] Und wie sie (Emotionen) dafür sorgen, dass […] dumpfer, pochender Dauerschmerz […] niemals vergeht.“ (S. 70)

Doch Chloes Dauerschmerz bekommt neue Nahrung. In ihrer Umgebung verschwinden zwei Mädchen, deren Körper später in der Nähe ihrer Praxis abgelegt werden. Zur gleichen Zeit irritiert sie ein Reporter aus New York, der zum zwanzigsten Jahrestag einen Artikel über die Mordserie schreiben will, für die ihr Vater ins Gefängnis ging. Chloe glaubt, in einem Déjà-vu gefangen zu sein. Ihr Alltag fühlt sich seltsam und furchterregend zugleich an. Auch die baldige Hochzeit mit Daniel verunsichert sie. Und warum verhält er sich so komisch, als wollte er vor ihr etwas verheimlichen? Weiterlesen

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Michael Bremmer & Veronika Grüning: Gangs of Katzenstadt

Katzenkrimis sind süß? Von wegen! Kaum den Roman aufgeschlagen, bleibt Fans der kuscheligen Felinen sofort die Luft weg: Denn in der allerersten Szene wird Kater Matula mit einem Beil die Pfote abgehackt! Als Warnung für andere Katzen. Schon sind wir LeserInnen im Plot gefangen, der bis zur letzten Seite sein hohes Spannungstempo hält. Dafür ist zum einen der ungewöhnliche Schreibstil in kurzen, dynamischen Szenen verantwortlich. Zum anderen die Geschichte und ihre cleveren, vierbeinigen Akteure. Diese wachsen beim Lesen sofort ans Herz. Den Zweibeinern sind sie in puncto Ideenreichtum überlegen. In Sachen Zivilcourage sowieso. So steckt in dem Roman weit mehr, als ein Katzenkrimi (oder eher: Thriller). Nicht nur für Tierliebhaber ein absolutes Muss!

Einst war Katzenstadt ein blühender Ort. Ein Paradies für Katzen. Dies lag an der erfolgreichen Katzenfutterfabrik. Der nette Geschäftsführer nahm ein paar Tiere bei sich auf, darunter die Schwestern Bandini und Bonnie. Es ging ihnen gut. Bis ihr Herrchen unter mysteriösen Umständen ums Leben kam. Schlimm genug, dass die Fabrik daraufhin geschlossen wurde und die Stadt dem wirtschaftlichen Niedergang geweiht war. Eine mediale Hetzkampagne gab den „Bestien“ die Schuld an seinem Tod und weiterer Verbrechen. In der Folge verließen immer mehr Einwohner den Ort, ohne ihre Vierbeiner. Die okkupierten nach und nach die Stadt. Die Katzengang rund um Bandini und Bonnie ließ sich in der Futtermittelfabrik nieder, andere Katzengangs im Stadtpark, der Bücherei (die Katzen aus Intellektuellenhaushalten) oder auf der Müllhalde (die anarchischen Aussteigerkatzen). Weiterlesen

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G.D. Adson: Blutrot ist das Schweigen

Es ist einfach, ein korruptes System zu tolerieren, wenn man unbehelligt durch den Alltag kommt. Kleine Fische schwimmen zu ihrem Schutz in Schwärmen, auch wenn Raubfische regelmäßig einen der ihren fressen.

In einem Schwarm, in dem russische Polizisten ihren Dienst verrichten, arbeitet Hauptmann Natalja Iwanowa. In Sankt Petersburg verfolgt sie in einer untergeordneten Abteilung Kapitalverbrechen. Hier ist sie aufgrund ihrer hohen Aufklärungsrate, Ehrlichkeit und Unbestechlichkeit der Vorzeigefisch. Jeder Außenstehende soll an mit Blick auf Natalja an Verhältnisse im Polizeiapparat glauben, die besser sind als ihr Ruf.

Als eine politische Aktivistin im eiskalten Januar neben einem Straßengraben, halb vom Schnee verborgen, zufällig von einem urinierenden Polizisten gefunden wird, hat Natalja die Order, politische Mitstreiter als Hauptverdächtige zu überführen. Wie gewohnt beginnt sie die Ermittlungsarbeit in den Augen ihres Vorgesetzten völlig falsch, also viel zu gründlich. Und wieder deckt sie Ungereimtheiten auf, die in eine andere Richtung zeigen.

Viel zu schnell wird der Fall der nächsten Instanz übergeben, die ihn politisch lösen sollen. Das übliche Procedere vor der Ablage beginnt: In den Zeitungen wird die Ermordete als drogensüchtige Prostituierte beschrieben, die Opfer ihrer Lebensumstände sei. Weiterlesen

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Tove Alsterdal: Sturmrot

Eira Sjödins Karriere bei der Polizei hätte in Stockholm weiter gehen können. Doch sie wird zuhause in Kramfors gebraucht. Ihre Mutter ist an Demenz erkrankt und wird auf Dauer Hilfe brauchen, die ihr älterer Bruder Magnus nicht leisten kann. Sie beginnt den erhofften ruhigen Job auf dem Land, wo quasi jeder jeden kennt.

Zur gleichen Zeit kehrt Olof heim. Dreiundzwanzig Jahre war er weggeschlossen und als er nach seiner Freilassung seinen Vater Sven besuchen will, findet er ihn ermordet vor. Natürlich geschieht alles Weitere so, wie er es schon als Vierzehnjähriger erlebt hat. Olof steht im Zentrum einer arbeitsintensiven Ermittlung, bei der Eira und ihre Kollegen auf weitere Verbrechen stoßen.

Anfangs glaubt Eira, Olofs Rückkehr und der Mord an seinen Vater könnten miteinander zusammenhängen. Ständig denkt sie an die verschwundene Lina, die Olof als Jugendlicher im Wald umgebracht haben soll. Damals war sie noch ein Kind, das nur beiläufig die eine oder andere Information aufgeschnappt hat. Auch im aktuellen Fall will nichts zusammenpassen, dafür haben die Dorfbewohner und Hater im Internet bereits eine unumstößliche, folgenschwere Meinung. Weiterlesen

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