Es sollte eigentlich ein entspannter Urlaub sein, mit Ehefrau Julia und Tochter Laura wollte Commissaria Roberta Casanova ein paar vorweihnachtliche Tage in Locarno verbringen. Alles lässt sich gut an, auch der Besuch von Lauras leiblichem Vater Nicolas verläuft recht harmonisch, obwohl er mit seinem neuen Freund Oliviero anreist. Laura, die sich auf Schlittenfahren und Weihnachtsmarkt mit Nicolas gefreut hat, mag Oli nicht, das merkt man der Dreijährigen gleich an. „Er hat böse Augen“, meint sie. Mehr sagt sie dazu nicht. Das wird auch nicht unbedingt weiter wahrgenommen, erst am Ende überlegt Roberta, ob Laura vielleicht doch von Anfang an das richtige Gefühl hatte. Die Urlaubsstimmung wird getrübt, als Oliviero die Nachricht erhält, in seinem abgelegenen Rustico in den Bergen sei eine Leiche gefunden worden. Roberta hat zwar offiziell Urlaub, aber als Kriminalkommissarin kann sie natürlich ab sofort nicht mehr abschalten, zumal der Fundort nicht allzu weit entfernt, nur eben abgelegen ist. Nach Aussage von Oli kennt kaum jemand das Rustico, er war auch selbst angeblich schon länger nicht mehr dort. Er hat es vor etwa einem Jahr von seinem Vater geerbt, aber kaum genutzt. Den Toten erkennt er auch auf dem Foto nicht gleich. Erst als Robertas Kollegen die Identität feststellen konnten, gibt er zu, ihn gekannt zu haben. Was Philipp, so heißt der Mann, aber in dem Rustico gewollt haben soll, kann er sich nicht vorstellen. War man zunächst von Selbstmord ausgegangen, wird schnell klar, es handelt sich um Mord. Eigentlich ideal – jetzt, im Winter kommt kaum jemand zum Rustico, die Leiche wäre ewig lange nicht gefunden worden, und dann, im Frühjahr, wenn Oliviero vielleicht selbst mal wieder hingekommen wäre, hätte keiner mehr ein Fremdverschulden nachweisen können.
WeiterlesenKrimi & Thriller
Jess Ryder: Die Touristin

Juno ist Ende 30 als sie beschließt, nach Griechenland zu reisen, um endlich ihren Vater kennenzulernen oder zumindest mehr über ihn zu erfahren. Ihre Mutter hat ihr nicht viel erzählt. Juno weiß nur, dass Estelle, ihre Mutter 1984 und 1985 einige Zeit auf der (fiktiven) griechischen Insel Inios verbracht hat, sich dort in einen jungen Griechen namens Niko verliebt hat, der offenbar ihr Vater ist. Details hat Estelle, die heute in Portugal lebt, nicht erzählt. Überhaupt hat sie wenig über ihre Zeit auf der Insel, über ihre Liebe zu Niko und warum sie nicht zusammen geblieben sind, gesprochen. Juno reist mit ein paar Koffern und einigen Briefen, die Estelle damals an ihre Eltern geschrieben hatte, auf diese traumhaft schöne Insel und hofft, Antworten zu finden auf Fragen, die sie sich seit Jahren stellt. Sie kennt den Namen der Familie, die auch heute noch sehr einflussreich ist auf der Insel, die ein schickes Hotel besitzt und anscheinend eine Menge Geheimnisse hat. Juno schafft es, im Hotel der Zimiris einen Job als Hochzeitsplanerin zu bekommen, obwohl sie von dem Metier eigentlich überhaupt keine Ahnung hat. So hat sie die Chance, ihre Verwandtschaft ein bisschen näher kennenzulernen, ohne ihnen gleich zu sagen, wer sie ist und was sie sucht.
WeiterlesenPhilipp Gurt: Engadiner Rache: Ein Fall für Corina Costa
Jella, eine junge mittellose Aussteigerin, erbt völlig unerwartet ein Haus im Oberengadin. Sie hat keine Ahnung, wie sie zu diesem unverhofften Reichtum kommen könnte, die alte Frau, die ihr das millionenwerte Haus vermacht hat, kennt sie nicht, den Namen hat sie nie gehört, mit der Schweiz oder gar dem Oberengadin verbindet Jella rein gar nichts. Doch alles ist wohl besser als weiterhin in Berlin als Straßenkünstlerin zu versuchen, über die Runden zu kommen und mit ihren beiden Freundinnen in einer abrissreifen Bruchbude zu hausen. An das Erbe ist allerdings die Bedingung geknüpft, dass Jella insgesamt fünf Jahre im Haus in Silvaplana leben muss, bevor sie entscheiden darf, ob sie es behält oder verkaufen möchte. Auch das ist sicher besser als mittellos in Berlin. Gemeinsam mit ihren beiden Freundinnen zieht Jella also um nach Silvaplana. Die neuen Mitbewohnerinnen haben es nicht leicht. Ihr Auftreten, ihr Lebensstil passt so gar nicht ins total konservative Dorf!
Sie werden ziemlich kritisch beäugt und können keinen Schritt tun, der nicht beobachtet würde. Sie wohnen noch nicht lange in dem doch eher heruntergekommenen, aber dennoch richtig wertvollen Haus, da wird eines frühen Morgens die Leiche des attraktiven und äußerst beliebten Dorfpfarrers in ihrem Vorgarten gefunden. Mit einem Eispickel hinterrücks erstochen, nackt. Der Skandal scheint perfekt! Corina Costa, Bergbäuerin aus Leidenschaft und Alpinpolizistin von Beruf übernimmt den seltsamen Fall. Nur wenig später passiert ein weiterer Mord im sonst so beschaulichen Dorf Silvaplana, und wieder stehen die drei Außenseiterinnen im Zentrum des Interesses der Dorfbewohner.
WeiterlesenOliver Pötzsch: Der Totengräber und der Orden des Teufels
Ein brillanter historischer Kriminalroman, der tief in die Abgründe der Belle Époque blickt und die Vorboten einer globalen Katastrophe seziert.
Die Existenz von Geheimbünden ist längst kein Mythos mehr, sondern eine fundierte historische Realität. Für Außenstehende bleiben sie dennoch seit jeher ein faszinierendes Mysterium – ein fruchtbarer Nährboden für wilde Spekulationen über okkulte Rituale, elitäre Aufnahmeprozesse und drakonische Strafen bei Verrat. Auch wenn vieles davon, befeuert von Schauerliteratur und Verschwörungsmythen, ins Reich der Fiktion gehört, lässt sich eine Tatsache kaum leugnen: Komplexe, im Verborgenen agierende Netzwerke ziehen oft als graue Eminenzen die Fäden und beeinflussen entscheidende Entwicklungen in Politik, Wirtschaft und Militär.
Die wahren Motive hinter dem Okkulten
Oft eilt diesen elitären Zirkeln der Ruf voraus, sich dunklen Mächten oder gar der Teufelsanbetung hinzugeben. Zwar mag dies in Einzelfällen einen makabren, okkulten Kern haben, doch die tatsächlichen Triebfedern dieser Logen sind zutiefst weltlich und erschreckend menschlich. Es ist der unstillbare Hunger nach Macht, nach Einfluss und bedingungsloser gesellschaftlicher Dominanz, der als wahrer Motor hinter dem Streben steht, die Weltordnung nachhaltig nach den eigenen Vorstellungen zu verändern.
WeiterlesenJean Luc Bannalec: Bretonischer Glanz: Kommissar Dupins fünfzehnter Fall
Die Ermittlungen in seinem neuesten Fall führen Kommissar Georges Dupin ganz in den Norden der Bretagne, ins Finistère, wo zum einen gerade das alljährliche Krimifestival stattfindet, an dem – als Fan eines bekannten Autors – auch Inspektor Kadeq teilnimmt, und zum anderen die Vorbereitungen für das traditionelle Zwiebelfest auf Hochtouren laufen. Die Zwiebeln von Roscoff sind berühmt und besonders – auch der Autor schwärmt: „Unfasslich deliziös, aber nicht scharf-beißend, mild und fruchtig-süßlich. Geschmort dann zartschmelzend und nussig, karamellisiert. Hat mit ordinären Zwiebeln nichts zu tun, unendlich vielseitig zuzubereiten …“ Und so ist es diesmal die Zwiebel, die uns in diesem atmosphärischen Bretagne-Krimi als ein weiteres wichtiges und berühmtes Kulturgut der Region vorgestellt wird. Wie immer spielen die lukullischen Genüsse, die Stimmung in der pittoresken kleinen Stadt am Meer mit dem kleinen Hafen mit den vielen bunten Segeln, dem angelsächsischen Flair („Plymouth liegt näher als Rennes….“), das Licht, die Sonnenauf- und -untergänge eine große Rolle.
In Roscoff ist eine junge Frau ermordet worden, ausgerechnet dort, wo gerade das Krimifestival stattfindet. Annic Philouze war eine der ortsansässigen Zwiebelbäuerinnen und sehr engagiert in Organisationen und Verbänden, die sich der Bewahrung dieses Kulturguts verschrieben haben. Welchen Grund sollte jemand haben, diese beliebte junge Frau zu ermorden? Dupin und sein Team schlagen ihre Zentrale vor Ort auf. Das bedeutet allerdings, dass sie sich im Hotel, in dem auch die Teilnehmer des Krimifestivals untergebracht sind, die letzte freie Suite teilen müssen. Immerhin gibt es da eine, wenn auch nur Kapselmaschine, sodass Dupin unbegrenzten Zugang zu seinem geliebten petit café hat – eine Grundvoraussetzung dafür, dass er sich überhaupt arbeitsfähig fühlt! Die Ermittlungen lassen dem Kommissar, seinen Inspektoren und den ortsansässigen Kolleginnen allerdings kaum Zeit, sich in der Suite oder überhaupt mal auszuruhen.
WeiterlesenFreya Sampson: Mord ohne Vorwort
Mord und Diebstahl rund um einen Buchclub – leicht schnulziger Versuch eines Krimis
Wenn man von einer Autorin und ihren Werken begeistert ist, dann steigt von Buch zu Buch die Erwartung. Wenn diese dann mit einem weiteren Roman nicht so ganz erfüllt wird, liegt das nicht immer an der Autorin, sondern vielleicht an den Erwartungen.
Die bisherigen Romane von Freya Sampson haben mich alle begeistert. Jeder auf seine Art war berührend, fesselnd – im Grunde waren es alles regelrechte Wohlfühlromane. Immer waren ihre Protagonistinnen mit Einfühlungsvermögen gezeichnet, mit Verständnis und Humor beschrieben, und immer war die Handlung durchdacht, spannend und voller Wendungen.
Nun legt sie einen Kriminalroman vor oder vielmehr den Versuch eines Krimis. Im Mittelpunkt stehen die Teilnehmer eines kleinen Buchclubs auf dem Land. Nova, aus London in die Kleinstadt gezogen, um zu heiraten, ist beim Gemeindezentrum angestellt und hat diesen Club ins Leben gerufen. Leider findet er nicht allzu viel Zuspruch, nur drei Teilnehmer kommen: Phyllis Hudson, fanatischer Fan von Agatha Christies Romanen und insbesondere von Miss Marple; Arthur Robinson, auch nach 60 Jahren immer noch sehr verliebt in seine Frau Esi; und Ash Chalabi, Teenager, Liebhaber von Science-Fiction-Romanen und sehr schweigsam und schüchtern.
WeiterlesenClara Blais: Liars All Around Me
An einem Tag fragt Avery, die Klassenbeste aus gutem Hause, Ryle, den Versager der Schule, nach einer Waffe – am nächsten wird ihre größte Konkurrentin tot aufgefunden. Erschossen. Für Ryle ist klar, dass Avery ihre Finger im Spiel hatte. Für Avery ist klar, dass sie Ryle vom Gegenteil überzeugen muss. Denn auch wenn sie das andere Mädchen nicht ermordet hat, darf die Polizei auf keinen Fall einen näheren Blick auf ihr Leben werfen. Die Geheimnisse, die sie hütet, könnten dieses für immer zerstören.
Also versucht Avery – mit der überraschenden Hilfe Ryles – den Mord aufzuklären und ihre eigene Unschuld zu beweisen. Doch das ist gar nicht so einfach in einer Stadt voller Superreicher, die die Polizei nach Lust und Laune lenken und sich ungeprüft Alibis ausdenken können …
Die Lektüre von „Liars All Around Me“ ist eine echte Achterbahnfahrt. Das Buch läuft langsam an, hat dann eine Durststrecke, nimmt auf den letzten 60 Seiten nochmal an Fahrt auf, lässt einen mitfiebern, sich die Haare raufen, kommt mit einer kurzen Enttäuschung um die Ecke, lässt einen auf den letzten drei Seiten die Kinnlade runterklappen und überrascht aufschreien – nur um einen dann am Ende recht verwirrt zurückzulassen. Ja. Keine Ahnung, wie ich dieses Buch bewerten soll. Es läuft eben sehr langsam an, wird aber am Ende enorm spannend. Die unerwartete Wendung ist ganz großartig gelungen (der ursprünglich eröffnete Mörder war schon ein wenig enttäuscht, weil einigermaßen vorhersehbar), aber eben mehr in der Theorie, weniger in der Ausführung. Der große Knall im letzten Satz, so genial er sein mag, bringt leider mit sich, dass der Geschichte keine Zeit mehr bleibt, irgendetwas zu erklären.
WeiterlesenLeodora Darlington: The Exes
„Auch wenn sich mein Männergeschmack allmählich verbessert, habe ich doch noch viel an mir zu arbeiten. Zu viel, als dass ich mir erlauben dürfte, einer neuen Person nahezukommen.“
Keine Fragen über die Vergangenheit stellen – nur unter dieser Voraussetzung kann sich Natalie zögerlich auf die Liebesbeziehung mit ihrem Chef James einlassen. Endlich scheint ihre Suche nach dem Richtigen erfolgreich gewesen zu sein, denn anders als seine Vorgänger ist James rücksichtsvoll und kultiviert. Das leise Gespür von Gefahr in seiner Gegenwart schiebt sie beiseite. Dann jedoch bringt James Natalie um ihr Erspartes und es tauchen alte Briefe von Natalie an ihre drei Ex-Freunde auf, die nach der Trennung einen baldigen Tod fanden. Natalie ist gezwungen, sich mit Geschehnissen auseinanderzusetzen, die sie für immer vergessen wollte. Das gegenseitige Misstrauen wächst. Doch wer von beiden ist hier das Monster?
WeiterlesenGabriela Kasperski: Tödlicher Rheinfall: Ein Fall für Libby Andersch
Wo Libby Andersch ist, ist bestimmt auch was im Schwange. Oder umgekehrt: Wo was passiert ist, ist Libby, die pfiffige Rentnerin, nicht weit. Diesmal schließt sie sich einem Klassenausflug ihres so genannten Zieh-Enkels Noah an und reist nach Diessenhofen, wo sie mit ihrem Chor einen Auftritt im ehemaligen Katharinenkloster hat. Diese kleine Reise verbindet sie mit einem Ausflug zum Rheinfall, wo sie zuletzt vor vielen Jahren gewesen ist.
Bei einer Rundfahrt lernt sie die junge Schottin Alison Luke kennen, die zufällig auch in der gleichen Pension wie Libby abgestiegen ist. Mit ihr verabredet sie sich für einen Karaoke-Abend in einer kleinen Bar im recht überschaubaren Ort, von dessen einstigem Glanz nicht mehr viel zu spüren ist. Hotels geschlossen, verwahrlost, Geschäfte gibt es keine mehr, lediglich die kleine, gemütliche Pension bietet Touristen Unterkunft. Libby und Alison verbringen einen netten Abend zusammen, den sie auf dem Zimmer mit einem guten Gespräch und einem Absacker beenden. Bei diesem Gespräch erzählt Alison, dass sie gar nicht nur als Touristin unterwegs ist, sondern weil ihre schottische Großmutter ihr Besitz am Rhein vermacht hat. Am nächsten Morgen ist nicht nur Alison verschwunden, auch der Besitzer der Bar wird tot aufgefunden. Angeblich Selbstmord. Libby, die sich auch mit Willy, dem Barbesitzer, unterhalten hatte, kann sich nicht vorstellen, dass er sich das Leben genommen haben soll.
WeiterlesenKelsey Cox: Party of Liars
Ein luxuriöses Anwesen, elegant gekleidete Gäste und Champagner auf einer mit Lichtern geschmückten Terrasse. Bei einer glanzvollen Party hoch über den Texas Hills treffen vier Frauen aufeinander, die kaum gegensätzlicher sein könnten: eine überforderte junge Mutter, eine verbitterte Ex-Frau, eine Sechzehnjährige, die mit dem Feuer spielt, und eine Nanny, die mehr weiß, als gut für sie ist. Sie alle sind an diesem Abend zusammengekommen, um Sophie Matthews‘ Geburtstag zu feiern. Doch kurz bevor die Kerzen auf der dreistöckigen Torte ausgeblasen werden, stürzt einer der Anwesenden vom Balkon – und ist sofort tot. Schnell wird klar: Jede der Frauen hat etwas zu verbergen. Würde eine von ihnen töten, damit es niemals ans Licht kommt?
Der Inhalt dieses Buchs klingt auf den ersten Blick unheimlich spannend: Die gesamte Geschichte konzentriert sich auf den Abend einer einzigen Party und wird dabei aus vier verschiedenen Perspektiven erzählt. Ein Konzept, das eigentlich für Dynamik, Nervenkitzel und ein fesselndes Verwirrspiel sorgen sollte. Doch leider blieb die Umsetzung weit hinter meinen Erwartungen.
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