Hans Rosenfeldt: Die Farm der Mädchen

Die Geschäftsmodelle in der Welt des Verbrechens sind bekanntlich vielfältig. Aus allem und jedem wird Geld gemacht. Wenn Hans Rosenfeldt, der schwedische Autor von Thrillern und Drehbüchern, seinem aktuellen Buch den Titel Skördebarn (übersetzt: Erntekinder) gibt, dürfte eines klar sein: Bei der „Farm der Mädchen“ geht es nicht um einen normalen Agrarbetrieb, der die Früchte seiner Felder verkauft.

Im Zentrum der Geschichte steht die Ware „Leibesfrucht“ – und alles steht und fällt mit dem erfolgreichen Gebären eines Kindes. Dieses Geschäft gerät ins Wanken, als zwei Hochschwangere aus einem einsam gelegenen Gutshof fliehen und im Wald verschwinden.

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Axel Petermann: Die Psyche des Bösen

Starkes True Crime, brillante Fallanalysen – aber psychologisch unterkomplex

Das Buch verspricht Psychologie – liefert aber primär Kriminalistik.

„Denn das Böse ist nicht weit weg […]. Wer es verstehen will, muss den Mut haben, den Schlüssel in die Hand zu nehmen. Und wer ihn umdreht, der hört vielleicht das leise Klicken des Schlosses – das Geräusch einer Tür, die sich öffnet, in eine Welt, die uns mehr über uns selbst verrät, als uns lieb ist.“ (S. 12)

Die Psyche des Bösen – Im Kopf der Mörder ist für mich ein echter Page-Turner: abgründig, hochspannend und stilistisch präzise erzählt. Ich habe das Buch nicht einfach gelesen – es hat mich hineingezogen. Nicht aus Sensationslust, sondern aus dem Wunsch zu verstehen. Und aus dem Gefühl heraus, dass diese Geschichten uns wachsamer machen müssen. Anderen gegenüber. Und uns selbst.

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Marisa Kashino: Tödliches Angebot

Der Wunsch nach einem eigenen Haus, in dem das so sehr ersehnte, noch nicht geborene Kind aufwachsen soll, wird für Margo übermächtig. Während Jan, ihr Mann, alles deutlich entspannter sieht, entwickelt sich Margos Sehnsucht nach dem Traumhaus zur Obsession. Ihre biologische Uhr tickt, und bislang sind alle Versuche, schwanger zu werden, gescheitert. Ihre Gynäkologin meint, sie setze sich zu sehr unter Druck. Margo denkt darüber nach, Eizellen einfrieren zu lassen – für alle Fälle. Gleichzeitig ist sie fast sicher, dass es mit dem Schwangerwerden klappen wird, sobald sie ihr neues Heim gefunden haben und aus der beengten Wohnung ausziehen können.

Die Erfüllung dieses Wunsches scheint greifbar nah, als Ginny, ihre Maklerin, anruft und von einem Haus in bester Wohnlage erzählt. Es wird noch nicht offiziell angeboten, doch Ginny weiß sicher, dass es verkauft werden soll, weil die Besitzer Washington aus beruflichen Gründen verlassen und nach London ziehen wollen. Das habe ihre Schwägerin berichtet, die mit einem der beiden Eigentümer im selben Fitnessstudio trainiert. Dieser Anruf verändert für Margo alles. Diesmal muss es gelingen.

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Jens Lapidus: Mr. One

Der Traum vom schnellen Geld verspricht Macht und grenzenlose Unabhängigkeit. Doch die Schattenwelt der Metropolen ist ein Mahlstrom, in dem Respekt nur durch Gewalt erkauft wird. Die Desperados an der Spitze von Kartellen und Clans mögen kurzzeitig unantastbar erscheinen, doch die Uhr tickt unerbittlich. Am Ende wartet oft die Justiz – oder ein noch härteres Gericht. Denn wer an der Spitze steht, besitzt nicht nur Reichtum, sondern zieht auch unzählige Feinde an: loyale Konkurrenten, Verräter, die als „Ratten“ die Struktur aushöhlen, und rivalisierende Organisationen, die jede Schwäche als Einladung zum Angriff begreifen. Der Preis für den Thron ist ewige Paranoia.

Doch was, wenn das Gewissen erwacht? Was, wenn der Boss aussteigen will, weil die Verantwortung für sich und andere das Gangsterleben überwiegt? Der Wunsch nach Legalität wird zum ultimativen Himmelfahrtskommando, denn die Gefahr, liquidiert zu werden und alles Verlorene endgültig zu begraben, ist allgegenwärtig. Der Ausstieg ist der seltenste Traum der Unterwelt.

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Freida McFadden: Der Lehrer

Eigentlich hat Eve Bennett ein gutes Leben. Sie ist Mathelehrerin an der örtlichen Highschool und mit Nate verheiratet, der dort Englisch unterrichtet. Doch im letzten Jahr wurde die Schule von einem Skandal erschüttert, in dessen Zentrum eine Schülerin stand. Und in diesem Jahr ist genau diese Schülerin in Eves Klasse. Addie kann man nicht trauen – sie lügt und verletzt Menschen. Aber niemand kennt die wahre Addie. Niemand kennt das Geheimnis, das sie zerstören könnte. Und Addie würde alles dafür tun, dass es so bleibt. Ihr einziger Lichtblick in diesem Schuljahr ist ihr neuer Englischlehrer Nate Bennett.

Das Buch ist in drei Teile gegliedert. Im ersten liegt der Fokus auf Eve und Addie, im zweiten auf Nate und Addie, und der dritte entwirrt die Ereignisse und steigert die Spannung bis zum Finale. Die Kapitel sind kurz, das Erzähltempo ist hoch – und die Spannung erst recht. Durch Cliffhanger wird es nahezu unmöglich, das Buch aus der Hand zu legen. Man greift immer wieder danach und nutzt jede freie Minute zum Weiterlesen.

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Joachim F. Kuck: Mörderney: Das Grab im Sand

Ein unterhaltsamer, leichter, dennoch recht spannender Insel-Krimi.

Zum zweiten Mal begegnen wir auf Norderney der jungen, engagierten Journalistin Tilla, die eigentlich besser Polizistin geworden wäre, weil sie dann offiziell ermitteln dürfte, was sie jetzt wieder auf eigene Faust und zum Missfallen vieler, allen voran ihres Vaters Enno, dem Kommissar auf der Insel, tut. Gemeinsam mit ihrem neuen Freund, dem etwas weltfremd wirkenden, schüchternen Pfarrer Hark, der vor vier Monaten auf der Insel gestrandet ist und seitdem eigentlich mehr Trübsal bläst, als sich Gedanken darüber zu machen, was er mit seinem Leben in Zukunft anfangen will, und der geflissentlich die Aufforderungen seines Dekans ignoriert, der ihn bittet, endlich in seine Gemeinde zurückzukommen, will Tilla unbedingt den Tod des einzigen Obdachlosen auf der Insel aufklären.

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Anna Schneider: Grenzfall: Ihr Grab in den Fluten

Heftige Unwetter und Naturkatastrophen erleben wir in den letzten Jahren ja leider immer häufiger. Das wird sich wohl auch nicht mehr zum Positiven ändern.

Ein solches Unwetter hat Anna Schneider, inspiriert von der Flutkatastrophe im Ahrtal, als Setting für ihren 6. „Grenzfall“ genommen. Eine Reihe, die in der Karwendelregion auf deutscher wie auf österreichischer Seite spielt und die Zusammenarbeit zwischen der Kripo Weilheim und dem LKA Tirol auch mal außerhalb der bürokratischen Hürden gut gelingen lässt. Dank der sympathischen und liebevoll gezeichneten Charaktere der Beamten auf beiden Seiten der Grenze: zum einen Oberkommissarin Alexa Jahn und ihr Kollege Florian Huber auf deutscher Seite und Kommissar Bernhard Krammer vom LKA Tirol mit seiner Kollegin Rosa, die auch mal fünf gerade sein lassen, um in einer Ermittlung weiterzukommen. Bernhard hat sich damit in letzter Zeit den ein oder anderen Rüffel eingefangen, das stört ihn aber nicht weiter. Seit Kurzem wissen Bernhard und Alexa außerdem, dass sie Vater und Tochter sind, behalten das aber möglichst für sich; lediglich Rosa weiß Bescheid und unterstützt auch den ein oder anderen väterlichen Alleingang, wenn Bernhard meint, Alexa beistehen zu müssen. Dass er sich ab und zu auch in ihr Privatleben einmischt, missbilligt Rosa zwar, aber verhindern kann sie es nicht. Die Vaterrolle ist eben noch recht neu und entsprechend ungewohnt.

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Karen Sander: Die Tiefe: Versunken

Mit dem Ermittlungsduo Tom Engelhardt und Mascha Krieger geht die erfolgreiche Thrillerautorin Karen Sander in die dritte Runde für eine weitere Serie an der Ostsee, die den Titel Die Tiefe trägt. Der erste Teil der neuen Serie mit dem Untertitel Versunken beginnt wieder in dem fiktiven Ort Sellnitz. Räumlich und zeitlich nah werden Menschen ermordet. Die Suche nach Motiven und Verbindungen zwischen den unterschiedlichen Opfern beginnt. Und wieder treffen bekannte Charaktere aus den vorherigen Büchern aufeinander. Manche von ihnen sind untereinander verfeindet und intrigieren aus persönlichen Gründen. Tom, Mascha und ihre jeweiligen Ermittlungsteams stehen unter Zeitdruck und werden zum Spielball der Presse und vermutlich verschiedener Täter.

Für Mascha beginnen schwierige Zeiten. Dies liegt unter anderem an dem rachsüchtigen Stiefbruder Holger, ihrem neuen Ermittlungsleiter. Holger weiß offenbar, wer Maschas Mutter ist. Aber er schweigt und lügt in Absprache mit dem gemeinsamen Vater. Ohne den Grund zu wissen, entwickelt sich Maschas private Recherche nach ihrer unbekannten Mutter zu einem gefährlichen Unterfangen.

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Arno Strobel: Welcome Home

Im Mittelpunkt dieses Thrillers steht das Haus, das viel mehr als ein Schauplatz sein wird. Es vermittelt Angst und Manipulation. Ines und Marco Winkler sind überglücklich, ihr neues Heim betreten zu können. Eines Nachts wacht Ines auf und hat das Gefühl, beobachtet zu werden, aber da ist niemand, wie sie feststellen muss, als sie die Augen aufschlägt. Kurz darauf glaubt sie, im noch leeren Nachbarhaus einen Schatten zu sehen. Sie schiebt es auf den Umzugsstress, dass sie sich Sachen einbildet. Doch dann wird ein Mensch umgebracht, und sie weiß: Den Schatten hat sie sich nicht eingebildet.

Der Einstieg in das Buch gelang schnell, die Atmosphäre ist passend, und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Beim Lesen hatte ich eigentlich durchgehend ein ungutes Gefühl im Bauch, die Spannung war teils fast nicht auszuhalten. Es geht weniger blutig her, dafür gibt es aber eben den gut aufgebauten Spannungsbogen, wenn es teils auch ein wenig zu oberflächlich war.

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Marcus Kliewer: Die Besucher: Wenn du sie hereinlässt, werden sie nie wieder gehen

Wenn die Realität verrutscht

Du scrollst nachts durch alte Reddit-Threads über urbane Legenden, und plötzlich klopft es an deiner Tür. Nicht aggressiv, sondern höflich, fast peinlich entschuldigend. Die Leute wollen nur mal „kurz reinschauen“.

Genau so fühlt sich die erste Hälfte von „Die Besucher“ an: ein People-Pleasing-Alptraum, gespeist aus Social Anxiety. Jede verschobene Lampe, jedes falsch erinnerte Geräusch, jeder Mandela-Moment lässt dich an deiner Wahrnehmung zweifeln.

Ich mochte auch die found-footage-artigen Paratexte: Forenposts, Archivdokumente, Karten und dieses Gefühl, in etwas Verbotenes reinzurutschen.

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