Elizabeth McKenzie: Der Hund des Nordens

Ein turbulenter und schrulliger Unterhaltungsroman, der sich leicht runterlesen lässt – das ist Elizabeth McKenzies „Der Hund des Nordens“. Nicht mehr und nicht weniger.

Penny, die selbst gerade eine Scheidung und einen Jobverlust hinnehmen musste, hilft einigen Verwandten: ihrer unberechenbaren und manchmal fast gemeingefährlichen Oma mitsamt Hausfreund Burt oder auch ihrem 93-jährigen Opa, der mit einer bösartigen neuen Frau zusammenlebt. Insgesamt kommt es alle paar Seiten zu einer neuen Krise, die sie bewältigen muss. Ein gefährlicher Trip in Australien kommt genauso vor wie eine kleine Verliebtheit.

Pluspunkt dieses Romans sind in jedem Fall die exzentrischen Figuren und die sympathische Heldin, der man gerne durch eine turbulente Zeit folgt. Die Handlung allerdings wirkt weit hergeholt und etwas willkürlich zusammengepuzzelt. Sie hat keinen inneren Zusammenhalt. 

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Elke Heidenreich: Altern

Alle wollen alt werden. Niemand will es sein. Ist das nicht absurd?

Heute ist die Sicht auf das Alter nicht mehr ein Warten mehr auf den Tod. Menschen werden nun dank medizinischer und hygienischer Fortschritte immer älter. Andererseits kann dies im negativen Fall natürlich aber auch einen länger zu ertragenden Verfall mit sich bringen.

Elke Heidenreichs Essay über das Alter und das Altern ist sehr persönlich gehalten, indem sie über ihr eigenes Leben nachdenkt. Gleichzeitig verweist sie aber auch auf viele Lebensweisheiten über das Alter(n) von Prominenten oder auch längst Verstorbenen und stellt so weitere Verbindungen zur Literatur- und Kulturgeschichte her.

Im Alter trage man die Konsequenzen für sein gelebtes Leben, sagt die Autorin. Das Gute dabei sei: Man habe alles hinter sich. Das Alter bedeute aber auch, Gelassenheit walten zu lassen. Man müsse alles nicht mehr so ernst nehmen, das meiste sollte man als völlig bedeutungslos betrachten.

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Michela Murgia: Drei Schalen

„Drei Schalen“ ist die letzte der elf Kurzgeschichten im gleichnamigen Band von Michela Murgia.

Alle Geschichten vereint, dass das bislang meist geordnete Leben der jeweiligen Protagonisten eine dramatische Wende erfährt.

Warum es dazu kam, wie die jeweiligen Figuren damit klarkommen, welche Überlegungen und Taten daraus resultieren, in welche Richtungen sich unterschiedliche Lebensentwürfe urplötzlich verändern, davon schreibt Michela Murgia in einer weisen und vor allem direkten, ehrlichen Weitsicht.

Die Protagonisten in den Geschichten stoßen gewissermaßen alle an ihre Grenzen. Es geht um Themen wie Tod, Abschied, Trennung, Krankheit, physische und psychische Belastungen.

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Jo Leevers: In den Augen meiner Mutter

Etwas überfrachtetes Familiendrama um Geheimnisse und Missverständnisse

Wieder einmal ein Roman um die Beziehung von Müttern zu Töchtern, von Kindern zu Eltern, ein Roman um eine Familie voller Probleme, voller Drama.

Der erste Roman, den ich von Jo Leevers gelesen habe, hat mir ausgenommen gut gefallen. Er war gefühlvoll ohne rührselig zu sein, er zeigte einen leisen Humor und die Figuren waren authentisch und sympathisch. Vor allem war er optimistisch und hell.

Leider hat mich dieser neuer Roman dagegen etwas enttäuscht. Er ist eher düster und zäh, die Handlung ist überfrachtet und die Charaktere haben kein Mitempfinden wecken können.

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Tom Rachman: Die Hochstapler

Auf dem Cover von Tom Rachmans neuestem Werk steht „Roman“, doch eigentlich handelt es sich um eine Sammlung von Erzählungen, die durch eine Rahmenhandlung lose miteinander verbunden sind. Das soll keinesfalls abwertend gemeint sein. Viele dieser Erzählungen sind spannend, einfallsreich und stilistisch gut geschrieben. Doch wer eine stringente, in sich abgeschlossene Handlung erwartet, ist bei diesem Buch falsch.

In besagter Rahmenhandlung versucht eine alternde Schriftstellerin, die an beginnender Demenz leidet – Dora Frenhofer heißt sie -, einen letzten Roman zu verfassen. Die eingestreuten Erzählungen sind das, was sie zuwege bringt.

Immerhin stehen die Figuren, die darin jeweils die Hauptrolle spielen, in irgendeiner Beziehung zur Autorin. Da ist zum Beispiel ihre Tochter Beck. Sie versucht sich erfolglos als Comedian und verliebt sich unglücklich. Oder Amir, der zur Beerdigung seines Vaters in einen islamischen Staat reist und dort grausamst gefoltert wird. Oder Theo, der sich im Urlaub in Indien zwei Reisebekanntschaften anschließt und in die Rettungsaktion eines Ertrinkenden verstrickt wird.

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Irene Diwiak: Die allerletzte Kaiserin

Sie sei die allerletzte Kaiserin von Österreich, beteuert die resolute, wenn auch steinalte Touristin, die eines Tages in dem Gasthaus in den Bergen auftaucht, das den Eltern der Ich-Erzählerin Claudia Hendl gehört. Sie erscheint dort nach ihrem ersten Besuch täglich, sitzt immer am selben Platz, isst jedes Mal dasselbe Menü und irgendwann erzählt sie der Wirtstochter ihre Geschichte. Und die hat es in sich. In ihrem Lebenslauf bildet sich die österreichische Politik und die Sozialgeschichte des gesamten 20. Jahrhunderts ab. Johanna Fialla heißt die Dame, deren Großvater um 1900 in Wien eines der ersten Autohäuser betreibt.

Die Familie wohnt aus diesem Grund an einer der allerersten Adressen der Stadt an der noblen Ringstraße. Die Mutter ist verträumt und hält in ihrem Leben nach einem Ritter Ausschau, wie sie in den von ihr geliebten Romanen vorkommen. Auf einem Ball begegnet sie dem Kellner Johann Witz und folgt ihm in die Besenkammer.

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Martina Bogdahn: Mühlensommer

Wenig mitreißender Roman um das Leben auf einem Bauernhof

In einer Mischung aus aktueller Handlung und ständigen Rückblicken scheint hier eine Autorin ihre Kindheit aufzuarbeiten. Ein Roman, den es nicht braucht.

Im Stil eines Schulaufsatzes der fünften Klasse zum Thema „Mein schönstes Ferienerlebnis“ erzählt Martina Bogdahn von einer Kindheit auf einem Bauernhof. Da, laut Vita im Buch, sie selbst auf einem solchen aufwuchs, liegt die Annahme nahe, dass sie hier ihre eigenen Erlebnisse schildert.

Maria, Mutter zweier Töchter – einen Vater scheint es nicht zu geben – wird in ihr Elternhaus gerufen, als ihr Vater einen schweren Unfall hat. Sie muss einspringen, die Tiere versorgen und auf die demente Oma aufpassen. Es ist ein heißer Sommer und eigentlich wollte sie sich mit Freunden zu einem langen Wochenende treffen. Nun kommen diese Freunde stattdessen zu ihr auf den Bauernhof und wirken dort dann ziemlich fehl am Platz.

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Lukas Hartmann: Martha und die Ihren

Martha wurde vor dem Ersten Weltkrieges in einem Schweizer Dorf geboren. Ihr Vater ist Brunnenbauer und lebt mit seiner Familie in einem Haus für Tagelöhner. Als Marthas Vater nach einem Unfall nicht mehr auf die Beine kommt, leidet die ganze Familie große Not. Nach seinem Tod verlieren sie das Wenige, das sie noch besitzen: Martha und ihre fünf Geschwister werden auf fünf verschiedene Bauernhöfe verteilt. Sie sind jetzt Verdingkinder und haben den gleichen sozialen Status wie das Vieh.

Marthas Leitfaden wird aus dem Wunsch geboren, immer fleißig und gehorsam zu sein. Dann würde es in ihrem Leben irgendwann aufwärtsgehen. Und trotzdem …, wenn es nach den üblichen Regeln ginge, müsste sie für den Rest ihres Lebens den Stempel Verdingkind tragen.

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Gabriella Santos De Lima: That Girl

Tess ist ein echtes That-Girl mit einer perfekten Morgenroutine und einem gut laufenden Instagram-Kanal. Vor kurzem hat sie ein Buch geschrieben, in dem es um ihre bisherigen Dates ging und die Verkaufszahlen sprechen für sich. Nach außen hin ist es ein perfektes Leben, doch in Wahrheit ist die junge Frau auf der Suche nach sich selbst und der großen Liebe. Durch einen Zufall begegnet sie Leo und beginnt sich zu fragen, ob das nun wahre Liebe ist und ob diese wirklich so eine große Rolle in ihrem Leben spielt wie bisher angenommen.

Ich brauchte ein bisschen, um in das Buch hineinzukommen, doch als ich die kurze Durststrecke überwunden hatte, konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen. Diese Geschichte ist keine klassische nullachtfünfzehn Liebesgeschichte und deshalb unterscheidet sich das Buch endlich mal von all den anderen. Es geht in der Geschichte um Selbstfindung, Freundschaft und der Frage, was die große Liebe eigentlich ist. Es brachte mich zum Nachdenken und bleibt bestimmt noch lange in meinem Gedächtnis.

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Franziska Gänsler: Wie Inseln im Licht

Die junge Zoey ist an die französische Atlantikküste in die Nähe von Bordeaux gereist, um Abschied von ihrer Mutter zu nehmen.

Zoey hat hier einen Teil ihrer Kindheit verbracht und zusammen mit der Mutter und ihrer jüngeren Schwester Oda in einem Bauwagen am Strand gewohnt. Hier am Meer ist die Schnittstelle, die sie alle drei miteinander verbunden und irgendwann später voneinander getrennt hat.

Die Geschichte beginnt rätselhaft und bleibt fast bis zum Schluss rätselhaft. Vieles, was in der Vergangenheit geschehen ist, bleibt unerklärlich für Zoey. Da brechen die Erinnerungen an die jüngere Schwester Oda wieder auf, die plötzlich verschwunden war. Die Mutter hatte nur mit ihr, ohne die kleine Oda Frankreich verlassen. Seither hatten sie zu zweit in einer kleinen Dachwohnung in Berlin gelebt. Über all die Jahre, in denen Zoey dann ihre Mutter selbstlos und selbstverständlich gepflegt hat, ist diese ihr alle Antworten schuldig geblieben. Aus Rücksicht auf den Zustand der Mutter hat Zoey irgendwann das Fragen eingestellt. Auch sonst war niemand da, der ihr etwas hätte erklären können.

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