Tracey Rose Peyton: Um uns nur Dunkelheit

Packender Roman um ein schreckliches Kapitel der amerikanischen Geschichte – ungewöhnlich erzählt

Was für ein nachhallender Roman, was für eindringliche Figuren und welch ein interessanter Erzählstil. Dieses Buch bleibt in Erinnerung, es erschüttert, macht wütend und sehr, sehr traurig.

Im Mittelpunkt stehen sechs Frauen, Sklavinnen auf einer Baumwollfarm in Texas im Jahr 1852.

Serah, Alice, Junie, Patience, Nan und Lulu, die in elenden Hütten wohnen, kaum mehr als das, was sie am Leib tragen als Besitz haben dürfen, die bei größter Hitze, Sturm oder Kälte im Baumwollfeld oder wie Nan im Haus arbeiten müssen. Dass niemand auf ihre Gefühle und Befindlichkeiten Rücksicht nimmt, muss da kaum erwähnt werden. Sklav:innen werden gekauft und verkauft wie Möbelstücke, Kinder von ihren Eltern, Mütter von ihren Kindern, Frauen von ihren Männern getrennt, sehen diese vielleicht niemals wieder, wissen nichts über ihr Schicksal.

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Sofia Montrone: Der Tag war schön und ich dachte an dich

Der Originaltitel des Romandebüts der Autorin Sofia Montrone lautet Nymph(e). Ihre Geschichte beginnt mit der heranwachsenden Leo, deren Vater ein amerikanischer Gelehrter ist und ihre Mutter eine unter Depressionen leidende Italienerin. Den Sommer verbringt die Familie in Süditalien im familiengeführten Hotel, zu dem Ländereien und Tiere gehören.

Für Leo und ihren jüngeren Bruder Max könnte es das pure Paradies sein. Wenn Leo ihre kindliche Perspektive behielte, hätte Max wiederum ungetrübte Spielerlebnisse. Doch den Verlauf der Natur kann Leo nicht aufhalten. Hormone durchfluten ihren Körper, und sie beginnt sich neu wahrzunehmen.

Auch ihr Vater nimmt sie anders wahr. Seine Gespräche mit Leo über Odysseus‘ Abenteuer erklären ihr die Rolle des Vaters, des abtrünnigen Abenteurers und Kriegers neu.

Sofia Montrone kommt aus Los Angeles und war Chefredakteurin der Columbia Review. Heute lebt sie in New York. Sie unterrichtet kreatives Schreiben an der Columbia University.

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Melissa Wiesner: The Storm in Our Hearts

Inhalt: In der Highschool waren Jane und Nik unzertrennlich. Zwischen geteilten Träumen und einem ersten, heimlichen Kuss schien ihre Zukunft besiegelt. Doch eine einzige Nacht zerstörte alles und zwang Jane zur Flucht aus Linden Falls. Nik ließ sie dabei ohne ein Wort des Abschieds oder der Erklärung zurück.

Zehn Jahre später kehrt Jane anlässlich des Todes ihres Vaters in die Kleinstadt zurück – im Gepäck eine kleine Tochter und das Trauma einer toxischen Beziehung. Los Angeles sollte ihre Zuflucht sein, doch der charmante Clubbesitzer Matteo zeigte schnell sein wahres, grausames Gesicht. Nun plant Jane erneut die Flucht, dieses Mal endgültig. Doch als sie in Linden Falls ausgerechnet Nik begegnet, flammen die alten Gefühle sofort wieder auf. Aber die Monster der Vergangenheit sind ihr dicht auf den Fersen. Haben Jane und Nik überhaupt eine Chance, oder wird die Dunkelheit sie endgültig auseinanderreißen?

Ein Blickfang mit tiefgründigem Inhalt
Schon das Cover ist ein absoluter Hingucker und zieht die Aufmerksamkeit sofort auf sich. Doch der schöne Schein trügt nicht über den ernsten Kern hinweg: Diese Geschichte ist definitiv keine leichte Kost. Die Autorin greift das sensible und schwere Thema häusliche Gewalt auf. Es ist handwerklich hervorragend umgesetzt, geht tief unter die Haut und nimmt den Leser emotional vollkommen mit.

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Ronja von Rönne: Alles Liebe

Die deutsche Autorin und Moderatorin Ronja von Rönne (Jahrgang 1992) hat ein neues Buch geschrieben. Auf diesem Blog haben wir zuletzt ihren Roman „Ende in Sicht“ aus dem Jahr 2022 besprochen. Am 2. Juli 2026 veröffentlichte dtv ihren aktuellen Roman mit dem Titel „Alles Liebe“.

Ronja von Rönnes „Alles Liebe“ bietet Erschreckendes über die menschliche Liebe

Schon das Buchcover gibt den Lesenden einen Hinweis darauf, dass nicht alles, was unter dem Deckmantel der Liebe in menschlichen Beziehungen daherkommt, auch Liebe ist. Ein eingeschnürtes dickes und rotes Herz steht für die negativen und sogar schädlichen Formen der Liebe. So erzählt Ronja von Rönne von Menschen, deren Vornamen die Überschriften der Kapitel liefern, in beiläufigem Ton Erschreckendes über die menschliche Liebe.

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Rachel Reid: Heated Rivalry

Worum geht es?

Shane Hollander lebt für den Eishockeysport. Als Kapitän der Montreal Voyageurs zählt für ihn nur der Sieg. Doch sein größter Rivale bringt ihn komplett aus dem Konzept: Ilya Rozanov, der selbstbewusste Superstar der Boston Bears. Auf dem Eis sind sie erbitterte Gegner. Abseits davon können sie die intensive Anziehungskraft zwischen sich kaum leugnen. Was als geheimes, riskantes Spiel beginnt, bedroht bald ihre Karrieren und ihre gesamte Zukunft. Was passiert, wenn das heißeste Geheimnis der Liga auffliegt?

„Heated Rivalry“ ist offiziell der zweite Band der „Game Changers“-Reihe von Rachel Reid. Überraschenderweise wurde dieser Teil im Deutschen vor Band eins veröffentlicht. Da er gleichzeitig als Vorlage für die geplante Serie dient, funktioniert der Einstieg hier jedoch wunderbar unabhängig.

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Michal Tallo: Alles in Ordnung, Liebe überall

Vier ehemalige Schulkameraden treffen sich in einem abgeschiedenen Häuschen am See und haben sich nichts zu sagen. In einer Stadt sind geheimnisvolle Rattenfänger am Werk. Eine Frau erzählt eine erfundene Geschichte über sich und eine Großmutter. Jemand hofft, eine bestimmte Begegnung vermeiden zu können. Ein Mann fährt Woche für Woche ins Hospiz zu seiner Mutter.

In den Geschichten des slowakischen Autors Michal Tallo haben die Menschen keine Namen und leben an unbestimmten Orten. Sie leben einen Alltag wie jedermann und offenbaren seelische Abgründe wie jedermann. Dabei ist Tallos Blick auf seine Protagonisten zugewandt und voller Verständnis.

Die Geschichten sind wie eingefrorene Bilder. Sie zeigen Menschen, die irgendwie in einem endlosen Kreislauf aus Zwängen und Notwendigkeiten gefangen sind und auf einen Abgrund zusteuern, der dann aber doch nicht kommt. Die an ihren Selbstansprüchen scheitern. Sie sind Opfer und zugleich Erschaffer der Umstände, in denen sie leben.

Auch wenn Personen und Orte keine Namen haben, die Geschichten sind nicht beliebig. Sie sind wie Parabeln, nur ohne Lehre – die muss ich mir selbst verordnen und dabei bieten sich in jedem Fall verschiedene Denkanstöße bzw. Deutungsansätze.

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Matt Haig: Die Mitternachtsreise

Eine Zugfahrt Richtung Vergangenheit

Wenn ein Roman mit dem Tod des Protagonisten beginnt, ist dieser in den meisten Fällen nicht auf natürliche Weise eingetreten, und uns erwartet im weiteren Verlauf der Geschichte die kriminologische Aufklärung dieses und eventuell weiterer Verbrechen.
Nicht so in Die Mitternachtsreise: Wir begegnen dem einundachtzigjährigen Wilbur Budd zwar zunächst an seinem Todestag, doch ist sein Ende zugleich auch der Anfang seiner Fahrt mit dem Mitternachtszug. Von diesem Zug aus kann Wilbur wichtige Stationen seiner Vergangenheit besuchen und sein jüngeres Ich in Schlüsselszenen seines Lebens beobachten. Das Ziel: im Reinen mit sich selbst in die Ewigkeit überzugehen.
Für die Rückschau vom Jenseits aus gibt es jedoch gewisse Regeln, deren Einhaltung für das Zeitengefüge von äußerster Bedeutung ist. Aber was wäre, wenn Wilbur ihnen zum Trotz versuchen würde, die Vergangenheit zu ändern?

„Um ein gutes Leben zu führen, sollte man wissen, wann man Erwartungen einfach ignorieren muss. Auch wenn das bedeutet, die Regeln zu brechen.“

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Maxim Leo: Einatmen. Ausatmen.

Die Absurditäten der Moderne in tiefsinnigem Humor verpackt – Maxim Leo ist ein Autor, dem diese Kombination bestens glückt. In seinem neusten Roman müssen erfolgreiche Menschen feststellen, dass sie nicht glücklich sind. Erfolg ist eben nicht alles, manchmal sogar das Gegenteil von Erfüllung. Doch die Erkenntnis, worauf es im Leben wirklich ankommt, lässt sich nicht so stringent wie ihre Karrieren erarbeiten. Diese Aha-Momente lauern in ungewöhnlichen Begegnungen, welche gefährliche Waldspaziergänge, jugendliche Klimaaktivisten oder außer Rand und Band geratene Tierrudel beinhalten. Ein köstlicher Roman, der aufzeigt, dass Selbstoptimierung ein Geschäftsmodell ist, welches das Leben komplizierter statt einfacher macht.

Achtsamkeitsseminar wider Willen
Spitzenmanagerin Marlene steht mit 39 Jahren kurz davor, als Unternehmensnachfolgerin zur neuen CEO ihrer Firma aufzusteigen. Fachlich genießt sie eine einwandfreie Reputation, sie beschert der Firma riesige Gewinne und steht ihr an 365 Tagen zur Verfügung. „Marlene hatte die Grundidee von Urlaub nie verstanden dass man da extra irgendwo hinfährt, um gar nichts zu tun.“ (S. 6). Dumm nur, dass Marlene zu einem zweiwöchigen „Zwangsurlaub“ beziehungsweise Achtsamkeitsseminar in einem brandenburgischen Schloss verdonnert wurde. So gut Marlene mit Zahlen umgehen kann, so schlecht kann sie es mit Menschen. Kollegen und Kolleginnen bezeichnen sie als kaltherzig, unempathisch und jemanden, der nur Druck aufbaut. Folge: Marlene muss sich menschlich bei dem berühmten Mental Coach Alex Growe weiterentwickeln, wenn sie den Job als CEO bekommen will.

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Elle Kennedy: The Mistake: Off-Campus 02

Übung macht den Meister und Elle Kennedy hat in ihrer schriftstellerischen Laufbahn eine Menge gelernt, wie dieser wiederaufgelegte Roman von 2015 zeigt.

Spätestens seit der Off Campus Serie auf Amazon Prime ist die Reihe in aller Munde; die schicke Sonderausgabe vom Piper Verlag scheinbar so beliebt, dass ich die Lektüre mit dem zweiten Band anfangen musste, weil der erste noch im Nachdruck war. Die Spin-Off Reihe „Briar U“ habe ich vor einer Weile gelesen und war so begeistert davon, dass der erste Band 2024 im Silvester-Special unter meinen Jahreshighlights aufgeführt ist. Ich hab ihn sogar zweimal zu Geburtstagen verschenkt. Entsprechend begeistert und erwartungsvoll war ich, dieses Buch zu lesen, das sich als pastellfarbene Enttäuschung herausgestellt hat. Die silber-metallic Prägung kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Leser gerade 22 Euro für nichts ausgegeben hat.

Eigentlich beginne ich meine Rezensionen gerne mit einer neutralen Inhaltsangabe, damit jeder Leser sich selbst ein Bild machen kann, bevor er meine eingefärbte Meinung zu hören bekommt. Aber was soll ich machen, wenn in dem Buch einfach nichts passiert? Ich könnte an dieser Stelle natürlich den Klappentext einfügen, der nach einer ganz tollen Geschichte klingt, aber nicht wirklich etwas mit dem Buch zu tun hat.

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Katelyn Erikson: House of Hawke: Spiel ohne Regeln

Monte Carlo, die Stadt des Luxus und der verbotenen Spiele. Hier verlor Paxton Hawke alles: sein Vermögen, seinen Stolz und die Liebe seines Lebens. Ein Jahr später will er sie zurückerobern. Als er Amylia Bishop trifft, die beste Freundin seiner Ex, spannt er sie in seinen Plan ein. Was er nicht weiß: Amylia ist gleichzeitig die maskierte Mitarbeiterin, die ihn im Casino Nacht für Nacht im Blick behält. Er ahnt nicht, wer sie wirklich ist, doch zwischen ihnen entbrennt ein gefährliches Spiel aus Verlangen, Lügen und Verrat. In dieser Welt zählt nur eines: Wer gewinnt – und wer alles verliert.

Mit House of Hawke: Spiel ohne Regeln entführt die Autorin ihre Leserinnen und Leser in eine schillernde Welt aus Luxus, Intrigen und gefährlichen Gefühlen. Vor der glamourösen Kulisse Monte Carlos entwickelt sich eine Geschichte, die Rache, Begehren und persönliche Neuanfänge miteinander verbindet und dabei vor allem in der zweiten Hälfte spürbar an Sog gewinnt.

Der Einstieg verlangt etwas Geduld, weil die Handlung zunächst vergleichsweise langsam Fahrt aufnimmt. Sobald sich die zentralen Konflikte jedoch klarer abzeichnen, entwickelt der Roman eine spürbare Dynamik, die das Weiterlesen deutlich reizvoller macht. Gerade das Casino-Setting erweist sich dabei als große Stärke des Buches: Es verleiht der Geschichte eine besondere Atmosphäre.

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