Jon Fosse: Vaim

Der neue Roman des Literatur-Nobelpreisträgers von 2023 Jon Foss, „Vaim“ heißt er, ist vor allem eines: anstrengend. Der 160 Seiten lange Text ist im Grunde ein einziger Satz, einen Punkt sucht man vergebens. Es gibt viele Wiederholungen mit nur kleinen Abweichungen. Das schafft zwar einen besonderen Rhythmus, macht das Lesen aber mühsam und manchmal monoton.​

Drei Männer aus einem Küstenort erzählen abwechselnd von ihrem Leben, von ihrer Unsicherheit und von einer Frau namens Eline, die alles verbindet. Ihre Stimmen klingen jedoch sehr ähnlich, sodass man sie gedanklich kaum auseinanderhalten kann.​

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L.J. Shen und Parker S. Huntington: My Dark Prince

Kindheit, Erinnerungen. Die Kindheit nahezu perfekt, während die andere nur so vor Lieblosigkeit trotzt. Daraus resultiert zwischen Oliver und Bismarck und Briar eine enge Freundschaft, aus der beim Aufwachsen beider mehr wird. Liebe. Gefühle. Aber das Schicksal hat es anderes gemeint. Die Kapitel in „My Dark Prince“ sind eine Mischung aus Gegenwart, Vergangenheit und vereinzelt nur Textnachrichten. Eine Geschichte, die mich als Leserin auf den ersten Buchseiten schnell ergriffen hat und aufgrund der verschiedenen Zeitebenen ebenso in den Bann ziehen konnte.

Zumindest ging mir es die etwa ersten 100 Seiten so. Auch das weitere Konzept, wie beide Protagonisten zueinander finden sollten, erschien mir als leicht amüsant, aber nicht unbedingt negativ. Jedoch muss ich hier gestehen, dass ich im weiteren Leseverlauf zusehends genervter von dem Inhalt wurde. Je länger ich dieses Buch gelesen habe, desto schwerer ist es mir tatsächlich gefallen.

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Florian Illies:  Wenn die Sonne untergeht: Familie Mann in Sanary

Mit den Manns in ihrem ersten Exil – ein wahrhaft gelungenes Buch

Man meint, mit der Familie am Tisch zu sitzen, wenn sie sich zum Mittagessen versammelt. Man glaubt, dabei zu sein, wenn Thomas und Heinrich Mann am Meer spazieren gehen. Man windet sich mit den Kindern, die aus Angst vor dem Übervater zittern und sich nichts zu sagen trauen. Man leidet mit „Tommy“, dem Nobelpreisträger, der sich so sehr entwurzelt fühlt.

Das geniale Buch von Florian Illies – so wunderbar geschrieben, so perfekt Stimmungen beschreibend und Personen entlarvend – liest sich wie ein spannender, humorvoller und sehr sensibler Roman. Durch dessen Seiten man jagt, die man nicht schnell genug umblättern kann, so sehr fesselt das Erzählte.

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Helga Schubert: Luft zum Leben

Helga Schubert (Jahrgang 1940), inzwischen 85-jährige Schriftstellerin und Psychotherapeutin, lässt das Schreiben nicht. Ist sie doch „ein altes Schreibtier“, wie sie sich selbst im Vorwort zu ihrem neuen Buch nennt. Ihr Debüt „Lauter Leben“ erschien 1975. Nach dem Erzählband „Vom Aufstehen“ über „ein Leben in Geschichten“ (2021), für dessen Titelgeschichte sie schon 2020 den Ingeborg-Bachmann-Preis erhielt, und „Der heutige Tag. Ein Stundenbuch der Liebe“ aus dem Jahr 2023 ist am 13. November 2025 „Luft zum Leben“ bei dtv erschienen.

Helga Schuberts „Luft zum Leben“ erzählt Zeitgeschichte

In 38 Texten von 1960 bis heute erzählt Helga Schubert „Geschichten vom Übergang“.

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Ayla Dade: Like Hearts We Heal

Die leidenschaftliche Eiskunstläuferin Paisley steht vor der größten Herausforderung ihres Lebens: Sie will olympisches Gold gewinnen – und zugleich den Schmerz der Trennung von ihrer großen Liebe Knox überwinden. Am liebsten würde sie nie wieder ein Wort mit ihm wechseln, doch das Schicksal hat andere Pläne. Um ihren Traum von der Gründung eines Sportinternats nach ihrer Karriere zu verwirklichen, muss sie ausgerechnet mit ihm zusammenarbeiten. Trotz des wachsenden Drucks und ihres unerträglichen Liebeskummers nimmt Paisley Knox’ Hilfe an, wohl wissend, dass sich ihr gebrochenes Herz noch immer nach ihm sehnt. Und während sie tagsüber auf eine goldene Zukunft hinarbeitet, hält sie nachts nur eine einzige Frage wach: Wird sie Knox jemals wieder vertrauen können?

Band fünf hat mein Herz gebrochen – dieser Band hier hat es wieder ganz gemacht.

Die Leser werden ein letztes Mal nach Aspen geführt. Genau aus diesem Grund habe ich das Buch mit gemischten Gefühlen beendet: einerseits lachend, andererseits weinend. Ich habe die Charaktere und das unglaubliche Setting im Laufe der Reihe so sehr ins Herz geschlossen, dass ich nicht wollte, dass alles nun zu Ende geht. Dennoch habe ich mich sehr auf dieses Buch gefreut und musste mich sofort darauf stürzen, als ich es in den Händen hielt. Dadurch habe ich es leider auch viel zu schnell beendet.

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Natascha Wodin: Die späten Tage

Manchmal stößt man auf Bücher, bei denen man sich am Ende der Lektüre fragt, warum man nicht schon längst auf diesen Autor/diese Autorin aufmerksam geworden ist. Natascha Wodin gehört für mich zu genau diesen SchriftstellerInnen. Angetan von der dreißigseitigen Leseprobe musste ich dieses Buch unbedingt so schnell wie möglich in den Händen halten und zu Ende lesen, was bis zur letzten Seite angehalten hat.

Natascha Wodin ist Jahrgang 1945 und wurde als Tochter sowjetischer Zwangsarbeiter in Fürth geboren. 1983 erschien ihr erster Roman „Die gläserne Stadt“, auf den zahlreiche weitere Veröffentlichungen samt Auszeichnungen wie dem Hermann-Hesse-Preis, dem Brüder-Grimm-Preis, dem Preis der Leipziger Buchmesse und viele weitere Preise folgten.

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Ellen Berg: Immer muss man selber feiern

Inhalt

Die Vorweihnachtszeit beginnt – und damit für Nele und ihre Kinder sämtliche Familientraditionen wie Dekorieren, Plätzchenbacken etc. Sehr zum Verdruss von Neles neuem Freund Nick, denn dem ist der gesamte Trubel zu früh und viel zu viel. Konflikte vorprogrammiert. Das Verschwinden der teuren Weihnachtsgeschenke für die Kinder bringt Nele endgültig an ihre Grenzen. Gemeinsam mit ihren Freundinnen Fiona und Hermine macht sie sich auf die Suche nach dem Pakete-Dieb.

Anmerkung: Inhaltlich knüpft das Buch an Ellen Bergs „Immer muss man selber machen“ an, lässt sich aber auch problemlos als Einzelband lesen.

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Joy Williams: Stories 2

Joy Williams (Jahrgang 1944) ist eine US-amerikanische Schriftstellerin von Rang. Hierzulande ist sie leider nach wie vor nicht so bekannt. 2023 veröffentlichte dtv ihren ersten Band mit Kurzgeschichten auf Deutsch. „Stories“ wurde hochgelobt. Zu ihrem 80. Geburtstag im letzten Jahr erschien dann, ebenfalls bei dtv, ihr Debütroman „In der Gnade“ aus dem Jahre 1973. Joy Williams gilt in Deutschland als späte Entdeckung. Mit „Stories 2“ setzt dtv die Herausgabe von Joy Williams’ Werken fort. Der Erzählband erschien am 16. Oktober 2025 in einer Übersetzung von Julia Wolf.

Joy Williams überzeugt mit „Stories 2“

„Stories 2“ von Joy Williams enthält dreizehn Kurzgeschichten plus eine „anstelle des Vorworts“. Die Originale stammen aus den Jahren 2001, 2015 und 2025. Hatte mich schon ihre erste Sammlung von Erzählungen überzeugt, so kann ich sagen, dass Band 2 die hohen Leseerwartungen ebenfalls erfüllt.

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Melanie Metzenthin: Die Psychoanalytikerin

Hamburg, 1920. Die Nachwehen des Ersten Weltkriegs sind noch überall zu spüren. Auch in der Praxis der Psychoanalytikerin Vera Albers, die überwiegend durch Kriegserfahrungen traumatisierte Menschen behandelt. Als Hermann Braun, einer ihrer Patienten, ermordet wird, beginnen Kommissar Karl Bender und Kriminalanwärter Abel Bernstein auch in ihrer Praxis zu ermitteln. Schnell weitet sich der Fall aus: Es gibt weitere Opfer, die alle Soldaten im selben Regiment waren. Unversehens ist Vera selbst Teil der Ermittlungen, als Willy Schuster verschwindet – auch er Mitglied dieses Regiments und Ehemann Johanna Schusters, einer ihrer Patientinnen. Wird auch er zum Opfer eines unbekannten Rächers? Oder ist er selbst der Täter? Was ist das Motiv? Die ermittelnden Kommissare hoffen, mit Veras Hilfe die mysteriösen Morde aufklären zu können.

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Liz Tomforde: Rewind It Back

Eigentlich dachte Hallie, sie hätte mit Rio DeLuca endgültig abgeschlossen. Er war ihr erster Crush, ihre erste große Liebe – bis alles in tausend Scherben zerbrach. Jetzt, sechs Jahre später, beginnt sie ein Praktikum als Innenarchitektin – und ausgerechnet in Chicago, der Stadt, in der Rio als gefeierter Eishockeyspieler lebt. Hallies Hoffnung, ihm aus dem Weg zu gehen, zerschlägt sich jedoch sofort: Denn nicht nur ist Rio ihr neuer Nachbar, er wird außerdem ihr erster Kunde. Während sie sein Haus umgestaltet, werden alte Gefühle wieder wach … Doch kann eine Flamme nach all dieser Zeit wirklich neu entfacht werden?

Der Abschluss dieser wunderbaren Reihe wurde für mich zu einem echten Highlight.

Das Buch wird abwechselnd aus Rios und Hallies Perspektive erzählt, ergänzt durch Rückblenden in ihre gemeinsame Kindheit und Jugend. So versteht man ihre enge Bindung und all die kleinen Gesten, die die beiden miteinander verbinden, noch besser.

Besonders gefreut hat mich, dass die Freundesgruppe hier wieder viel Raum bekommt – sie ist mir im Laufe der Reihe sehr ans Herz gewachsen.

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