Rafik Schami: Das Mosaik der Frauen

Im Zentrum von Rafik Schamis Roman „Das Mosaik der Frauen“ steht Nadim Suri, ein todkranker Syrer im deutschen Exil, der seine Geschichte dem Schriftsteller Said Mardini anvertraut. Kapitel für Kapitel setzt Schami aus den Begegnungen mit Frauen ein literarisches Mosaik zusammen.

Jede Frau steht für eine bestimmte Phase, eine Erfahrung, eine Haltung. Mutter, Geliebte, Gefährtin oder Zufallsbekanntschaft – sie alle prägen Nadims Blick auf die Welt und auf sich selbst. Bemerkenswert ist, dass Schami seine Figuren nicht als bloße Stationen eines Männerlebens anlegt, sondern ihnen Eigenständigkeit und politische wie emotionale Tiefe verleiht. Gerade darin liegt eine der großen Stärken des Romans.

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Dror Mishani: Nicht

Der israelische Autor Dror Mishani, bekannt geworden durch seine Avi-Avraham-Krimireihe, hat einen Liebesroman geschrieben. Und eine Geschichte über einen Mann, der eigentlich alles falsch macht.

Eli, 52, Übersetzer französischer Kriminalromane, erwartet nicht mehr viel vom Leben, lebt eher trübsinnig vor sich hin, nachdem seine Frau gestorben ist. 27 Jahre war er glücklich mit ihr. An eine zweite große Liebe glaubt er nicht. Bis er Lia trifft. Sie spielt Cello in einem Kammerquartett und gibt Kindern Musikunterricht. Sie ist ähnlich zurückhaltend wie Eli, und so entspinnt sich ihre Beziehung zaghaft, aber mit wachsender Zuversicht. Vor allem bei Eli.

Doch dann begeht er einen folgenschweren Fehler und verstrickt sich, statt einfach die Wahrheit zu sagen, bei dem Versuch, seine neue, so verheißungsvolle Liebe zu retten, in ein Geflecht aus Kurzschlusshandlungen und Lügen, das alles gefährdet.

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Timothy Paul: Eine Liebe ohne Sommer

Unter dem Pseudonym Timothy Paul legt der 1970 geborene Timothy Paul Sonnerhüsken seinen ersten Roman vor. Der langjährige Lektor, Programm- und Verlagsleiter kennt die Mechanismen erfolgreicher Unterhaltungsliteratur genau – und wendet sie in „Eine Liebe ohne Sommer“ routiniert an.

Im Mittelpunkt steht Rosa, Ende dreißig, die an einem grauen Regentag dem charismatischen Nikolas begegnet. Es folgt eine intensive Zeit voller Nähe und Leidenschaft. Doch das Glück endet abrupt: Nikolas stirbt bei einem Autounfall. Rosa bleibt nicht nur mit ihrer Trauer zurück, sondern auch mit vielen offenen Fragen. Also beginnt sie zu recherchieren: Eine eifersüchtige Ex-Freundin reagiert mit spitzen Bemerkungen, der beste Freund blockt ab – und ein rätselhaftes Kind bringt zusätzliche Unruhe. Schritt für Schritt kommt Rosa einem Geheimnis auf die Spur, dessen Auflösung überrascht, sich jedoch bekannter Muster bedient.

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Lilli Tollkien: Mit beiden Händen den Himmel stützen

Wenn ein Kind geboren wird, sollte es normal sein, es zu lieben, zu behüten und seinen Weg ins Leben zu ebnen. Doch bei Lale sind die Umstände der Geburt und die gesundheitliche Verfassung ihrer Mutter nicht normal. Lale kommt in der 32. Woche zur Welt, und sie ist wie ihre Mutter drogenabhängig. Ihre ersten Lebenserfahrungen sind Entzug, Schmerzen und Einsamkeit, denn sie erfährt keinen Körperkontakt. Dies ist ihre Normalität, und der weitere Verlauf ihres Lebens entwickelt sich ebenfalls „normal“, weil sie nichts anderes kennenlernt als das Einordnen und Unterordnen. Ihre Strategie wird das Kopieren von Bezugspersonen. Sie will dazu gehören.

Als Kleinkind landet Lale in einer Männer-WG. Vor den Behörden spielte ihr leiblicher Vater die Rolle eines besorgten Ersatzvaters, der dem kleinen Mädchen ein Zuhause bieten will. Die aktuelle Freundin an seiner Seite konnte die Zweifel des Amtes möglicherweise auch reduzieren. Auf jeden Fall hatte ihr Vater mit dem Erziehungsgeld seine eigene Lebensgrundlage gefunden.

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Vera Zischke: Pina fällt aus

Berührende Geschichte um Mutterliebe, Einsamkeit, Nachbarschaft und Hilfsbereitschaft

Auf spröde Weise und vielleicht gerade darum zu Herzen gehend erzählt Vera Zischke von Eigenbrötlerinnen und Sonderlingen, von aufbegehrenden Teenagern und einsamen Greisinnen, von unerschütterlicher Mutterliebe, von verzweifelter Sorge und helfenden Händen.

Der 20-jährige Leo ist Autist, er lebt in seiner eigenen Welt, in der alles seine Ordnung haben muss. Wenn etwas seinen geregelten Ablauf stört, verwirrt ihn das so, dass er vorübergehend vollends aus seiner üblichen Bahn gerät. Geschieht dies, dann streut Pina Wattestäbchen auf den Boden, die sie dann gemeinsam sorgfältig wieder einsammeln. Pina, seine Mutter, lebt nur für ihn, lebt nur dafür, ihn zu beschützen, zu behüten, seine Welt in seiner Ordnung zu halten. Sie arbeitet in einem Callcenter, um mehr Zeit für ihn zu haben, obwohl das weit unter ihren Fähigkeiten liegt und auch weit weg von ihren früheren Träumen ist.

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Stefanie Hasse: Remember, Remember

Das Klassentreffen des Elite-Internats Rosenberg findet im Luxuszug Mireille statt, doch Lara Thomas ist nur ungern da: Nicht nur, weil sie den Schlafwagen ausgerechnet mit ihrem ehemaligen Schulrivalen Aaròn Juez teilen muss, sondern auch, weil auf der Fahrt alte Streitereien hochkochen. Und Erinnerungen. Und Gefühle. Doch dann wird das Event durch eine schockierende anonyme Beichte unterbrochen: »Ich habe getötet«. Ein Mörder ist im Zug! Lara und Aaròn tun sich zusammen, um der Wahrheit auf den Grund zu kommen. Doch sie wissen nicht einmal, ob sie einander trauen können …

Ich war sehr gespannt auf dieses Buch, da die Kombination aus New Adult und Thriller-Elementen genau mein Beuteschema ist. Es ist eine Mischung, die – wenn sie gut umgesetzt ist – für eine perfekte Dynamik sorgt. Nach dem Lesen des Klappentextes waren meine Erwartungen entsprechend hoch, doch leider wurden diese im Laufe der Geschichte enttäuscht.

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Marga Berck: Ein Sommer in Lesmona

Es gibt Klassiker, die einen speziellen Blick in die Vergangenheit erlauben. Sie erzählen authentisch, wie der „Zeitgeist“ und gesellschaftliche Normen in die Biografie einer Person eingreifen. Dabei zeigen sie, wie Geschichten einerseits persönlich anrühren und andererseits einen besonderen Charakter erhalten.

In dem Briefroman von Marga Berck (1875-1970), einer hanseatischen Großkaufmannstochter, geht es um die 17-jährige Matti (Marga), die ihren Platz in der Gesellschaft finden muss. Sie steht in direkter Konkurrenz mit verschiedenen Freundinnen und Cousinen, die alle eine gute Partie suchen. Der standesgemäße zukünftige Ehemann muss im richtigen Alter sein und auch ihre Gefühle erwidern können.

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Christina Lauren: Josh and Hazel´s Guide to Not Dating

Hazel ist ein Wirbelwind, ein Mensch voller Chaos – Josh ist das komplette Gegenteil. Die beiden kennen sich aus der College-Zeit und treffen nun nach Jahren durch einen Zufall wieder aufeinander. Es gelingt ihnen, Freunde zu werden. Nachdem sich Josh von seiner Freundin trennt, kann Hazel sich das Trauerspiel nicht länger ansehen und beschließt, dass sie gemeinsam auf Blind Dates gehen sollten. Diese enden zwar im Desaster, dafür werden aber die Gefühle füreinander stärker und alles wird kompliziert. Denn eigentlich sind sie sich einig: Sie passen nicht zueinander …

Was bei diesem Buch sofort ins Auge sticht, ist der humorvolle Ton, in dem es geschrieben wird. Er sorgt dafür, dass der Einstieg in die Geschichte hervorragend gelingt und man sich als Leser direkt abgeholt fühlt. Das Autorenduo führt einen geschmeidig durch die Handlung und schafft eine Atmosphäre, in der man sich gerne fallen lässt.

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Robert Seethaler: Die Straße

»Wenn Sie die Straße von Ost nach West oder in umgekehrter Richtung durchlaufen, fällt Ihnen sicherlich eine gewisse Disharmonie ins Auge. […] Man könnte es auch als Charakter oder Persönlichkeit bezeichnen. Wenn man die Dinge nur lange genug anschaut, offenbart sich mitunter eine Schönheit, die hinter jeder Fassade und somit jenseits unserer Vorstellungskraft liegt.«

Eigentlich kann man Robert Seethalers neuen Roman nicht besser beschreiben. Der Autor führt uns diese Straße auf und ab und macht uns mit dem Schicksal ihrer Bewohner vertraut. Und da passt vieles nicht zusammen. Hinter den disparaten Fassaden gibt es unerfüllte Träume und Zukunftsängste, Missklänge und Leben aus dem Gleichgewicht. Aber auch Mut, Hartnäckigkeit und neue Anfänge. Und Persönlichkeiten, so unterschiedlich wie die Häuser.

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Curtis Sittenfeld: Mittelalte Frauen

Curtis Sittenfelds Geschichtssammlung liest sich wie ein Klassentreffen nach 20 oder 30 Jahren. Ihre „mittelalten Frauen“ tauschen Neuigkeiten aus, nehmen Gespräche und Ereignisse zum Anlass, um ihr eigenes Leben zu reflektieren. Das tun sie mit unglaublich viel Humor und Selbstironie!

Es geht um auseinandergelebte Ehen und Freundschaften – neu gebildete, wiederentdeckte und welche, die im Sande verlaufen sind. Es geht um strukturellen Sexismus in der Schriftstellerbranche, um versteckten Rassismus hinter schmucken Vorstadtfassaden, um offene Homophobie in Amerikas evangelikalen Kirchen. Und es geht um kleine Ereignisse, die unser ganzes Leben wissentlich oder unwissentlich beeinflussen. Ihre wahre Bedeutung erkennen wir meist erst im mittleren Alter.

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