Anne Freytag: Laute Nächte

Für das, was erst später wehtut

Wie habe ich mich beim Lesen gefühlt?

„Kenni. Dieser Roman hat gedauert. Und er hat mich Nerven gekostet. Mich traurig gemacht, mich weinen lassen, mich verärgert – und am Ende dann versöhnt. Kenni, du hast es uns beiden nicht leicht gemacht. Du wolltest, aber es ging nicht. Und ich wollte, aber es ging nicht.“ (Zitat aus der Danksagung von Anne Freytag, S. 318)

Ja, exakt so habe ich mich gefühlt. Dieses Buch war kein Sog. Es war ein Ringen. Mit dir, Kenni. Mit mir.
Mit allem, was zwischen den Zeilen passiert und oft eben nicht passiert. So introspektiv, dass man sich manchmal darin verliert. Ich wollte rein. Wirklich. Aber es ging nicht immer. Und genau das ist vielleicht schon die ehrlichste Beschreibung dieses Romans.

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H.C. Dolores: Limerence

Produktbild: Limerence

Nach dem Tod von Mickey Mable, der offiziell als Suizid gilt, ist die Stipendiatin Poppy die Einzige, die nicht an diese Theorie glaubt. Sie ist überzeugt davon, dass mehr dahintersteckt, und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Ihr Hauptverdächtiger ist Adrian Ellis, der „Golden Boy“ der Schule. Er ist reich, charmant und wird von allen geliebt. Doch Poppy gelingt es, hinter seine perfekte Fassade zu blicken…

Die Protagonisten sind hier keine klassischen Helden, und so manche Grenze zwischen Liebe und psychotischer Besessenheit wird überschritten. Poppy ist eine Protagonistin, bei der ich schon zu Beginn merkte, dass mehr in ihr steckt, als sie zugeben will. Sie kann sich gut verstellen und zeigt ihren Mitmenschen immer nur die Version von sich, die sie gerade für richtig hält – das macht sie interessant. Adrian hingegen ist ein Typ Mensch, den man schwer einschätzen kann. Ich mochte ihn zu keinem Zeitpunkt, da er etwas Düsteres und Besitzergreifendes an sich hatte und man nie wusste, was er eigentlich im Schilde führt.

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Ali Smith: Gliff

Die Schriftstellerin Ali Smith wurde 1962 in Schottland geboren. Aktuell lebt und arbeitet sie in Cambridge. Ihr Jahreszeitenquartett („Herbst“, „Winter“, „Frühling“ und „Sommer“), das in den Jahren 2019 bis 2021 erschienen ist, wurde sehr gut besprochen. 2023 veröffentlichte sie den Roman „Gefährten“. Nun ist am 16. April 2026 Ali Smiths neues Buch unter dem Titel „Gliff“ im Luchterhand Literaturverlag erschienen. Stefanie Jacobs übersetzte es aus dem Englischen.

Ali Smith erzählt von einer „schönen neuen Welt“

„Gliff“ von Ali Smith spielt in Großbritannien in naher Zukunft. Aber es ist nicht das Großbritannien, das wir von heute kennen. Großbritannien ist ein Überwachungsstaat geworden, wie er schon in Aldous Huxleys „Brave New World“ aus dem Jahre 1932 beschrieben wurde. Dazu finden sich auch in „Gliff“ Verweise. Smith erzählt in ihrer unnachahmlichen, unkonventionellen Weise und Sprache von den Geschwistern Briar und Rose, die von ihrer Mutter getrennt werden und ihr Haus verlassen müssen. Sie verstecken sich in einem leerstehenden Gebäude und entdecken eine Wiese mit Pferden. Rose freundet sich mit einem der Pferde, einem grauen Wallach, an. Sie nennt ihn „Gliff“. Dann schlüpfen sie bei Menschen unter, die in einer ehemaligen Schule leben. Es handelt sich um eine zusammengewürfelte Gruppe, die Widerstand gegen den Staat leistet und für andere Lebensbedingungen kämpft.

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Grégory Cingal: Die Letzten auf der Liste

Nach einer wahren Begebenheit erzählt der Autor Grégory Cingal, wie Kriegsgefangene wenige Monate vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Konzentrationslager Buchenwald untergebracht werden. Sie erleben einen Bombenhagel, der die benachbarte Fabrik zerstört und damit die Produktion weiterer Waffen verhindert. Darüber hinaus erfahren sie, dass es eine medizinische Abteilung gibt, in der Lagerinsassen für Untersuchungen ihre Gesundheit und ihr Leben verlieren. Und was sie direkt erkennen müssen: Das Kriegsrecht ist eine ferne Option geworden.

Sie leben mit dem täglichen Schrecken, wenn über Lautsprecher Häftlingsnummern – darunter vielleicht auch ihre eigene – aufgerufen werden. Die Aufgerufenen wissen in diesen Momenten, dass sie auf der Liste stehen. Und Listen werden abgearbeitet. Systematisch, bis jeder den Status ‚vernichtet‘ hat.

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Alexandra Moody: Rival Darling

Als die 17-jährige Violet vom Kapitän des Eishockey-Teams betrogen wird, schwört sie sich, nie wieder einen Sportler zu daten. Um zu beweisen, dass sie über ihn hinweg ist, muss sie sich etwas Drastisches einfallen lassen. Durch Zufall lernt sie den berüchtigten Kapitän der Ransom Devils und gleichzeitig größten Rivalen ihres Ex-Freunds kennen und fragt ihn, ob er ihren Fake-Freund spielt. Über Reed Darling – einschüchternd, geheimnisvoll und verdammt gutaussehend – kursieren wilde Gerüchte. Doch können die wirklich wahr sein? Schnell bemerkt Violet, dass Reed ganz anders ist. Während sie versucht, die strikten Regeln ihrer Fake-Beziehung einzuhalten, hat Reed offenbar andere Pläne …

Der Roman verbindet die beliebten Tropes Fake-Dating und Hockey – eine Kombination, die mein Interesse sofort geweckt hat, da ich beides liebe. Leider konnte mich die Geschichte insgesamt nicht vollständig überzeugen, da sie stellenweise doch recht oberflächlich bleibt. Für eine leichte Lektüre zwischendurch eignet sich das Buch durchaus, zumal es sich sehr unkompliziert lesen lässt und wenig Mitdenken erfordert. Überraschungen sollte man jedoch nicht erwarten: Die Handlung ist vorhersehbar, und bereits früh zeichnet sich ab, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln wird. Dennoch habe ich das Buch gern gelesen, da ich gezielt nach etwas Lockerem gesucht habe, um abzuschalten.

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John Niven: Zwei Väter

Dan Chambers wird mit Ende 40 endlich Vater. Auf der Entbindungsstation trifft er auf Jada Hamilton, Anfang 50, der ebenfalls gerade Vater geworden ist.

Die beiden Männer und ihre Lebenssituation könnten gegensätzlicher nicht sein. Dans Frau wurde nach jahrelangen, vergeblichen Versuchen mit der sechsten IVF-Behandlung endlich schwanger; für Jada ist es das sechste Kind, soweit er weiß, mit der sechsten Frau. Dan, erfolgreicher Drehbuchautor, lebt in sorgenfreiem Luxus; Jada schlägt sich mit Kleinkriminalität durch. Dan träumt davon, endlich einen großen Roman zu schreiben; Jada will noch einen, den ganz großen Coup landen.

Niven beschreibt die beiden Hauptfiguren und ihre Lebenswelt mit mal subtilem, mal drastischem, satirischem Spott. Sie sind Repräsentanten der britischen Klassengesellschaft, der bis heute gepflegten Differenzierung zwischen »us« und »them«: uns hier unten und denen da oben.

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Simon van Booy: Eine Maus namens Merlin

Nach etwas zähem Beginn eine herzerwärmende und berührende Geschichte um Einsamkeit und Freundlichkeit

Eine Maus holt eine alte Dame, die bereits mit ihrem Leben abgeschlossen hatte, aus ihrer Einsamkeit. Was für ein Plot, nicht neu, aber immer wieder schön und hier nun auch angenehm zu lesen.

Helen Cartwright, 83 Jahre alt, ist nach vielen Jahrzehnten, die sie in Australien lebte, nach England zurückgekehrt und lebt nun allein in einem kleinen, aber für sie viel zu großen Haus. Sie erwartet nicht mehr viel für sich, lebt eher in ihrer Vergangenheit, trauert um ihren verstorbenen Sohn und manchmal auch um ihren Mann. Sie hat so gut wie keinen Kontakt zu anderen Menschen, ihr Tagesablauf bewegt sich zwischen Teekochen, wenigen kleinen Mahlzeiten und dem Fernseh- oder Radioprogramm.

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Chloe Walsh: Boys of Tommen 6: Releasing 10

Produktbild: Boys of Tommen 6: Releasing 10

Mit „Boys of Tommen 6 – Releasing 10“ von Chloe Walsh erwartet den Leser der bislang emotional intensivste Band der Reihe.

Lizzie Young hatte schon immer das Gefühl, dass sie für alles zu viel war. In jungen Jahren wurde bei ihr eine bipolare Störung diagnostiziert, so hatte sie immer das Gefühl, sie passe nicht zu ihrer Familie, nicht zu ihren Freunden und in keine Gemeinschaft. Lizzie möchte akzeptiert und verstanden werden, aber nur wenige Familienmitglieder oder Freunde verstehen sie wirklich, und so trägt sie ihre Last und ihre Traumata mehr oder weniger alleine.
Doch dann lernt sie im Schulbus einen netten Jungen kennen, und zum ersten Mal sieht ihr Leben rosig aus …

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Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Rebellion

Marc-Uwe und das Känguru rebellieren. Gegen die Zustände. Ihr Ziel ist es, so viele Menschen wie möglich von der Rebellion zu überzeugen, und dabei werden sie ziemlich kreativ. So kreativ, dass sogar ein CDU-Politiker mitmacht. Und die Frau an der Kasse. Herta aus der Eckkneipe widmet der Mission sogar einen ganzen Podcast. Es geht um die Klimakrise, um Steuerhinterziehung der Superreichen, um Tech-Monopole und rechtsradikale Tendenzen in der Gesellschaft. Vielleicht willst du ja auch mitmachen?

Dieses Buch lässt mich mit Tränen in den Augen zurück: Lachtränen, Tränen über die Zustände der Welt – und ein bisschen leider auch Tränen der Enttäuschung. Gut, abgesehen von den tatsächlich aufgetretenen Lachtränen ist das übertrieben, fasst meine Gefühle zu dem Werk jedoch sehr treffend zusammen.

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Ingrid Kloser: Regentropfen fallen langsam

Produktbild: Regentropfen fallen langsam

Ein sehr einfühlsamer, ruhiger Roman, auf den man sich einlassen muss. Nicht die Handlung reißt einen mit, es ist eher die Nicht-Handlung, die Gedanken, die einen hier festhalten. Die begabte Gesangsstudentin Nina bricht von heute auf morgen ihre Ausbildung an der Musikhochschule ab, sie fühlt sich beengt, „wie eingepackt“, hat das Gefühl, nicht mehr singen zu können. Nina geht nach Wien, wo sie Unterricht nimmt bei einer Gesangslehrerin, von der sie gehört hat, sie gehe völlig andere Wege der Ausbildung. Bei Eva lernt Nina loszulassen, sich von festgefahrenen Strukturen zu befreien, Eingefahrenes zur Seite zu schieben.

Nina macht große Fortschritte, lernt auch sich selbst besser kennen, hat aber nach einer gewissen Zeit dennoch das Gefühl, auch bei Eva nicht weiterzukommen. Sie bekommt ein Engagement in Prag, was für viele den Durchbruch bedeuten würde, für Nina aber nur eine weitere Station ist auf dem Weg zu sich selbst. Sie kommt zurück nach Wien, lernt die Japanerin Yuko kennen, mit der sie die Wohnung teilt, und macht mit ihr ganz neue Erfahrungen, eine ganz neue, andere Sicht auf die Dinge, auf die Welt, auf sich selbst. Eva verändert sich, nicht nur ihre Stimme wird voller, auch ihr Leben reicher.

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