Jon Fosse: Vaim

Der neue Roman des Literatur-Nobelpreisträgers von 2023 Jon Foss, „Vaim“ heißt er, ist vor allem eines: anstrengend. Der 160 Seiten lange Text ist im Grunde ein einziger Satz, einen Punkt sucht man vergebens. Es gibt viele Wiederholungen mit nur kleinen Abweichungen. Das schafft zwar einen besonderen Rhythmus, macht das Lesen aber mühsam und manchmal monoton.​

Drei Männer aus einem Küstenort erzählen abwechselnd von ihrem Leben, von ihrer Unsicherheit und von einer Frau namens Eline, die alles verbindet. Ihre Stimmen klingen jedoch sehr ähnlich, sodass man sie gedanklich kaum auseinanderhalten kann.​

Eline treibt die Handlung an, weil sie ihren Mann verlassen und zu einer alten Liebe zurückkehren will. Trotzdem bleibt sie schemenhaft, denn sie bekommt keine eigene Stimme und erscheint nur durch die Sicht der Männer.​

Im Roman mischen sich Alltagszenen mit Geistern und seltsamen Ereignissen, was teils komisch, teils unheimlich wirkt. Der angekündigte „tiefe Sinn“ des Ganzen löst sich aber oft in Nebel auf, weil viel geredet wird, aber wenig wirklich geschieht.​

Fazit: „Vaim“ bleibt aber in der Handlung dünn und bei den Figuren blass. Wer seine Sprache liebt, wird einiges genießen, wer eine klar erzählte Geschichte mit starken Charakteren erwartet, dürfte eher enttäuscht sein.​

Jon Fosse: Vaim
übersetzt aus dem Norwegischen von Hinrich Schmidt-Henkel
Rowohlt, Dezember 2025
160 Seiten, gebundene Ausgabe, 24 Euro

Diese Rezension wurde verfasst von Andreas Schröter.

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