Catherine Pinkerton kann zwei Dinge besonders gut: backen und denken. Das macht ihr Leben als Tochter einer adligen Familie nicht eben einfacher. Sie träumt davon, eine eigene Bäckerei zu eröffnen und das Land des Herzkönigs mit unvergleichlichen Backwaren zu verwöhnen. Ihre Eltern hingegen träumen davon, dass sie den Herzkönig heiratet. Den kann Catherine allerdings nicht leiden. Dann lernt sie Jest kennen – den witzigen, geheimnisvollen und mitfühlenden Joker. Catherines Wunsch, über ihr eigenes Schicksal entscheiden zu können, wird immer stärker, und gemeinsam suchen die beiden nach einem Ausweg.
Marissa Meyer hat Star Crossed Hearts im Setting von Alice im Wunderland angelegt und erzählt die Vorgeschichte der Herzkönigin. Wir wissen also von Beginn an, dass es für Catherine nicht gut ausgehen wird – und für Catherine und Jest schon gar nicht. Trotzdem gelingt es Marissa Meyer, dass ich mit den beiden mitgefiebert habe.
Ich bin wirklich kein Fan von Alice im Wunderland, aber einige Figuren habe ich dennoch wiedererkannt. Der Hutmacher und seine Teegesellschaft spielen eine wichtige Rolle, die Grinsekatze gehört zu Catherine. Damit sind wir auch schon bei der Schwäche dieses Buches, wenn ich es mit Marissa Meyers anderen Märchenadaptionen vergleiche. Zwar verleiht sie auch hier den Figuren Tiefgang und moderne Rollenbilder, doch dieser Roman ist mir zu nah am Original-Setting. Er interpretiert nicht neu, sondern erfindet vor allem eine Vorgeschichte. Das war in den Lunar-Chroniken anders.
Trotzdem – und obwohl ich Alices Geschichte grundsätzlich nicht mag – fand ich den Roman lesenswert, allein schon, weil Marissa Meyer einfach gut schreibt. Fans von Alice im Wunderland werden viele Details aus dem Wunderland wiedererkennen. Das macht Spaß, nicht zuletzt, weil man Lewis Carrolls Beschreibungen direkt mit denen von Marissa Meyer vergleichen kann. Das gelingt hier tatsächlich besser als in ihren anderen Büchern.
Bei einer Sache bin ich jedoch unsicher. Lewis Carrolls Alice im Wunderland erzählt davon, wie Alice sich allein durch das Wunderland bewegt, fernab der Zwänge der viktorianischen Gesellschaft, indem sie lernt, sich auf sich selbst zu verlassen und ihre Stärken zu erkennen – unabhängig davon, ob diese gesellschaftlich anerkannt sind oder nicht. Dabei fällt sie eher zufällig ins Wunderland. Catherine hingegen weiß sehr genau, dass sie den gesellschaftlichen Normen weder entspricht noch entsprechen will. Sie handelt bewusst, versucht etwas zu verändern – und scheitert tragisch. Auf der einen Seite passt das nicht ganz in das klassische Alice-Setting, auf der anderen Seite finde ich diesen Ansatz ausgesprochen gelungen.sch. Auf der einen Seite passt das nicht in das Alice-Setting, auf der anderen Seite finde ich es genial.
Ein Buch für Fans von Marissa Meyer und Alice im Wunderland. Auch wenn mir sicherlich nicht alle Anspielungen aufgefallen sind, hat mir der Roman gut gefallen. Vor allem die Konstellation zwischen Catherine, dem gnomigen König, Jest und der Kürbiszüchterfamilie machte das Lesen lohnenswert.
Marissa Meyer: Star Crossed Hearts
Aus dem Englischen übersetzt von Aimée de Bruyn Outboter
arsEdition, 09 /25
gebundenes Buch, 544 Seiten, 22 Euro
Diese Rezension wurde verfasst von Regina Lindemann.
