Graham Norton: Eine wie Frankie

Mehr oder weniger fesselnde Lebensgeschichte einer Frau von den 1950er-Jahren bis heute

Graham Norton, dessen Roman „Ein Ort für immer“ mich mit seiner Vielschichtigkeit, Spannung und seinem subtilen Humor begeistert hatte, erzählt in seinem neuen Buch die Lebensgeschichte der Irin Frances, deren Leben von zahlreichen Höhen und Tiefen geprägt ist.

Im Grunde handelt der Roman von einem recht typischen Frauenleben. Die Protagonistin, die später von allen nur noch Frankie genannt wird, ist eine sympathische, oft scheue und wenig selbstsichere Frau.

Nachdem Frances als kleines Mädchen ihre Eltern verliert, wächst sie bei Onkel und Tante auf. Diese verheiraten sie mit dem deutlich älteren Domkapitular Alan. Die Ehe – wenig überraschend – wird nicht glücklich und endet schließlich in einem Desaster. Nach einigen Jahren in London, wo sie dank ihrer besten Freundin Nor rasch eine Anstellung findet, verschlägt es sie schließlich nach Amerika.

Dort widerfährt ihr erneut eine schwere Ungerechtigkeit, nach der sie nahezu mittellos in New York strandet. Wieder greift der Zufall ein: Frankie begegnet Joe, einem Chauffeur. Die beiden verlieben sich und heiraten bereits nach wenigen Wochen.

Joe ist Künstler und erlangt mit der Zeit beträchtlichen Ruhm. Auch Frankie wird dadurch Teil eines künstlerischen Umfelds. Parallel dazu – erneut durch einen dieser vielen Zufälle, die ihr Leben bestimmen – übernimmt sie nach und nach die Leitung eines kleinen Restaurants, in dem sie ihre Kochkünste entfalten kann. Die dortigen Angestellten werden zunehmend zu Freunden, während ihre Ehe mit Joe schließlich scheitert.

Doch auch dieses Mal hilft Frankie der Zufall weiter, erneut in Gestalt ihrer Freundin Nor und deren einflussreichem Ehemann. Am Ende kehrt sie nach London zurück.

Dort setzt auch die Rahmenhandlung des Romans ein. Die geschilderten Ereignisse werden in Rückblicken erzählt. In der Gegenwart des Jahres 2024 berichtet Frankie ihrem vorübergehenden Pfleger Damian in nächtelangen Gesprächen von ihrem Leben.

So gut der Roman – wenig überraschend bei Graham Norton – auch geschrieben ist, so wenig außergewöhnlich ist er letztlich. Das dargestellte Frauenleben wirkt vertraut, fast schon zu vertraut. Frankies Geschichte mit all ihren Erschütterungen, Blessuren und Ungerechtigkeiten berührt, die Figur weckt Mitgefühl, wirklich mitreißend empfand ich die Erzählung jedoch nicht. Vor allem die Vielzahl an Zufällen, die Frankie stets dann widerfahren, wenn sie in der Bredouille steckt, lassen die Geschichte zunehmend unglaubwürdig wirken. Das Ende setzt diesem Eindruck schließlich noch die Krone auf.

Insgesamt bleibt „Eine wie Frankie“ ein eher durchschnittlicher Roman: unterhaltsam und durchaus berührend, aber letztlich auch nicht mehr als das.

Graham Norton – Eine wie Frankie
aus dem Englischen von Silke Jellinghaus
Rowohlt polaris, November 2025
Gebundene Ausgabe, 397 Seiten, 25,00 €

Diese Rezension wurde verfasst von Rena Müller.

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.