Rafik Schami: Das Mosaik der Frauen

Im Zentrum von Rafik Schamis Roman „Das Mosaik der Frauen“ steht Nadim Suri, ein todkranker Syrer im deutschen Exil, der seine Geschichte dem Schriftsteller Said Mardini anvertraut. Kapitel für Kapitel setzt Schami aus den Begegnungen mit Frauen ein literarisches Mosaik zusammen.

Jede Frau steht für eine bestimmte Phase, eine Erfahrung, eine Haltung. Mutter, Geliebte, Gefährtin oder Zufallsbekanntschaft – sie alle prägen Nadims Blick auf die Welt und auf sich selbst. Bemerkenswert ist, dass Schami seine Figuren nicht als bloße Stationen eines Männerlebens anlegt, sondern ihnen Eigenständigkeit und politische wie emotionale Tiefe verleiht. Gerade darin liegt eine der großen Stärken des Romans.

Zugleich ist das Buch fest in der jüngeren Geschichte Syriens verankert. Diktatur, Gefängnis, Korruption und Flucht bilden den Hintergrund, vor dem sich Nadims Biografie entfaltet. Schami gelingt es, politische Realität und persönliche Erinnerung eng miteinander zu verzahnen, ohne in reine Anklage oder didaktische Schwere zu verfallen. Stattdessen entsteht ein erzählerischer Raum, der auch Platz lässt für Humor, Alltagsbeobachtungen und leise Weisheiten.

Allerdings fordert der Roman Geduld. Schamis bewusst mäandernder Stil, der sich an orientalischen Erzähltraditionen orientiert, verliert mitunter den roten Faden. Anekdoten reihen sich aneinander, Exkurse unterbrechen den Fluss, und wiederkehrende Selbstkommentare des Erzählers bremsen das Tempo. Was manche Leserinnen und Leser als charmante Nähe empfinden, könnte auf andere zerfasert und überladen wirken. Auch Wiederholungen und gelegentlich schlichte Charakterzeichnungen mindern stellenweise die erzählerische Präzision.

Dennoch bleibt Das Mosaik der Frauen ein lesenswertes Buch. Wer sich auf die Schleifen und Umwege einlässt, entdeckt ein vielstimmiges Panorama – und die Geschichte eines Mannes, der sich erst im Spiegel der Frauen versteht, die ihn begleitet haben.

Rafik Schami: Das Mosaik der Frauen
Hanser, Mai 2026
304 Seiten, gebundene Ausgabe, 25 Euro

Diese Rezension wurde verfasst von Andreas Schröter.

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