Was wäre ein Sommer ohne einen Capri-Krimi? Luca Ventura schafft jedes Jahr einen neuen Roman für den Reisekoffer, hier folgt sein siebter Streich. Auch in diesem Werk erfüllt Ventura die Erwartungen und präsentiert uns ein wendungsreiches, kriminalistisches Rätselraten unter südlicher Sonne. Es ist April und die Macchia auf der Insel Capri blüht! Eine junge aufstrebende Parfümeurin sucht eine seltene Orchideenart, die ihre erste Eigenkreation perfektionieren soll. Doch eines Morgens wird sie leblos an den Klippen aufgefunden. Ein tragischer Absturz? Der Polizeichef möchte das Ganze schnellstmöglich als Unfall zu den Akten legen. Doch seine beiden Agenten – der Inselpolizist Enrico Ricci und seine aus Norditalien versetzte Kollegin Antonia Cirillo – glauben nicht daran. Um zu beweisen, dass dahinter ein Gewaltverbrechen steckt, ermitteln sie ohne Erlaubnis auf eigene Faust. Da lässt der Ärger nicht lange auf sich warten …
Suche nach dem perfekten Parfüm
Eigentlich wollte Enrico Rizzi seinem Vater auf den Feldern zur Hand gehen, als er wenig später – noch im Gärtnerdress – mitten in einem aufsehenerregenden Fall steckt. Die junge Lina, die bei der berühmten Elena Moretti ein Praktikum als Parfümeurin macht, wird tot zwischen den Inselfelsen aufgefunden. Verdächtig ist ihr Liebhaber Zeno, der durch diverse Delikte polizeibekannt ist und aufgrund seines Jähzorns gefürchtet wird. Doch auch Linas aufbrausender Vater, ihre exzentrische Chefin sowie ein Kollege geraten in die Schusslinie der Ermittlungen. Geld stinkt nicht in der Welt der Parfüms – oder geht es vielleicht gar nicht um Ruhm und Reichtum, sondern um etwas viel Persönlicheres? Serpentinengleich führt uns Ventura durch viele Twists und Finten mal hierhin und mal dorthin. Um in einem rasanten Finale zu münden. Gut, dass dazwischen immer noch Zeit bleibt für ein paar leckere Nudeln und einen kleinen Plausch unter Nachbarn.
„Ästhetisch schöne Morde“
Luca Ventura versteht es auch in seinem neuesten Roman, uns einen perfekten kriminalistischen Spitz-Cocktail zu servieren. Da sind einerseits die Insel Capri mit ihren Naturschönheiten, gefolgt von der italienischen Mentalität, Lebensfreude und Impulsivität. Das Pendel kann hier blitzschnell zwischen Amore und Morte umschlagen! Obendrauf lässt der Autor die Erfolgszutaten von „Skandi-Noir“-Werken einfließen: Ein Polizist mit einem traumatischen Verlust in seiner Vergangenheit sowie eine Eigenbrötlerin, die sich nicht so recht integrieren kann. Dennoch ist der Grundton von Venturas Werken wie ein Zitronensorbet. Die Morde wirken recht „sauber“. Hier gibt es keine absonderlichen Serienmörder, sexuellen Abwege oder blutrünstigen Exzesse. Schließlich gibt es zwischen Espresso und Vino angenehmere Dinge zu tun. Selbst die Art, wie Leichen hier von A nach B transportiert werden, erinnert eher an ästhetische Opernaufführungen, als an Gewaltakte.
Ventura packt viel italienisches Lokalkolorit (Inselbewohner gegen die Festlandmetropole Neapel, Tourismus versus Landwirtschaft, Norditalien gegen Süditalien) in den Plot und arbeitet sich häufig an aktuellen Themen ab wie Umweltverschmutzung (Mitten im August), Biolandwirtschaft (Bittersüße Zitronen) Tierschutz (Bleich wie der Mond) oder die schillernde Modewelt (Der blaue Salamander). In diesem Band streift er Themen wie Homosexualität und Frauen in der Politik.
Der siebte Bestseller mit den beiden Capri Ermittlern
Kein Sommer ohne Capri-Krimi! Mit dem mittlerweile siebten Roman hat sich Luca Ventura fest in den Reisekoffern und Strandtaschen seiner Fans verankert. Emozione und Passione auf der Sehnsuchtsinsel Capri mit sympathischen Charakteren und wendungsreichen Krimiplots. Locker-leicht und rasant zugleich, aber immer mit einem gewissen „Ciao Bella“-Vibe. Ambiente statt Alpträume: Ein idealer Krimi für den Strand oder für laue Sommernächte.
Luca Ventura: Giftige Blüten
Diogenes, März 2026
368 Seiten, Taschenbuch, 18,00 Euro.
Diese Rezension wurde verfasst von Diana Wieser.
