Irene Vallejo: Papyrus: Die Geschichte der Welt in Büchern

Wer Bücher liebt, liebt diese Hommage an das geschriebene Wort! Noch nie habe ich mich durch die Seiten einer Autorin geblättert, die so leidenschaftlich, gewitzt und fundiert über die Magie des Lesens erzählt. Irene Vallejo nimmt uns mit auf eine faszinierende Zeitreise. Sie zeigt uns: Ohne Bücher gäbe es kein Europa, keine Demokratie, keine Menschenrechte. Keine Zivilisation, wie wir sie kennen. Bücher sind der Leim, der Menschen zusammenkittet – über Landesgrenzen, Ethnien, Kulturen und Generationen hinweg.

Da ist die Entstehung der Schrift im einstigen Mesopotamien, die ursprünglich eher dazu diente, Besitzverhältnisse zu klären. Motto: Erst wird gezählt, dann erzählt. Da ist die Entstehung des Buches über viele Stationen wie Steintafeln, Papyrusrollen und Pergament bis hin zum Buchdruck und E-Book. Und da sind natürlich Menschen, welche die Bücher schreiben, sammeln, vernichten und dazu nutzen, ihre Ideen und Überzeugungen zu verbreiten.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Irene Vallejo: Wein und Küsse

Geistreich, unterhaltsam und ganz auf heutige Lesebedürfnisse zugeschnitten: Wie ein literarisch-philosophisches „TikTok-Format“ für Wissbegierige muten die 200 kurzen Kolumnen von Irene Vallejo an, veröffentlicht in der Zeitung „El Pais“. Die Autorin pickt sich eine Idee, eine Redensart, die Herleitung eines Wortes oder eine Sage aus der Antike heraus und verknüpft sie gekonnt mit Heute. Das regt beim Lesen sowohl zum Schmunzeln, als auch zum Nachdenken an. Denn in der Moderne steckt weit mehr vom alten Rom und Athen, als uns bewusst ist. Noch dazu bezaubert Irene Vallejo durch ihren ganz eigenen Schreibstil mit herrlichen Metaphern samt Kommentaren, die Lust darauf machen, diesen Buchschatz in einem Atemzug zu verschlingen.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Ruth Kornberger: Die Spur des Bambusbären

Das Porträt einer wagemutigen Frau, die unser modernes Verständnis von Tierliebe mitgeprägt hat: Ruth Harkness lebt als Modedesignerin in New York und ist als High-Society-Ikone für ihre legendären Partys bekannt. Ihr Ehemann Bill startet weltweit Expeditionen, um seltene Tiere aufzuspüren. Sein Traum: einen Panda zu finden. Die scheuen Waldbewohner hatten in den 1930er Jahren noch den Status eines Einhorns – viele Legenden rankten sich um sie. In der westlichen Welt hat sie noch kein Mensch zu Gesicht bekommen. Nach Bills plötzlichem Tod möchte Ruth sein Vermächtnis fortsetzen und startet eine eigene Expedition. Ihr Ansatz lautet anders: Sie möchte die Tiere nicht schießen und ausstopfen. Sie möchte lebende Pandas fangen, damit man sie in Zoos studieren kann. Auf diese Weise möchte sie Menschen dazu bringen, Tiere als etwas Lebens- und Liebenswertes anzusehen und zu ihrem Schutz beizutragen. Mit hehren Absichten gestartet, tritt Ruth unwissentlich eine Welle in Gang, die jedoch genau Gegenteiliges zu bewirken scheint … Eine tragisch-schöne Geschichte, basierend auf wahren Begebenheiten.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Dirk Brockmann: Survival of the Nettest

Rund 250 Seiten pures Staunen! Nach dieser Lektüre sehen Sie die Welt mit anderen Augen. Und sich selbst ebenso. Wussten Sie, dass wir genetisch gesehen etwa fünfmal mehr Virus als Mensch sind? Erst durch die teilweise unglaublichen Symbiosen zwischen Tieren, Pflanzen, Bakterien und Archaeen, wurde unser Planet bewohnbar. Dirk Brockmann zeigt uns eine andere oder ergänzende Sichtweise zu Darwins „Survival of the Fittest“. Evolution, so der Autor, habe nur in Verbindung mit Kooperation und Symbiose stattfinden können. Ansätze, die wir auf gesellschaftliche und wirtschaftliche Fragen unserer Zeit übertragen können. 

Bereits der Einstieg offenbart Brockmanns besondere Art der Wissensvermittlung. Er nimmt uns mit auf ein Gedankenexperiment, in dem er die Welt aus Sicht von Aliens betrachtet. Gekonnt führt er uns auf eine falsche Fährte – und erhält unsere volle Aufmerksamkeit.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Amélie Nothomb: Psychopompos

In diesem Werk, einer Mischung aus Autobiografie, spirituellen Erkenntnissen und Schreibfindungsprozess, gewährt uns die vielfach prämierte Autorin Amélie Nothomb faszinierende Einblicke in ihr Leben. Als Diplomatentochter lebte sie in ihrer Kindheit unter anderem in Japan, China, New York, Bhutan und Bangladesch. Amélie Nothomb, die ständig Entwurzelte, findet in den Vögeln ihre Seelentiere. Sie identifiziert sich mit ihrem Wesen, auch und gerade nach einem persönlichen Trauma zu Beginn ihrer Pubertät. Doch hinter ihrer Passion für Vögel steckt weit mehr als ornithologische Hingabe. Ihre Faszination gilt Psychopomp, einem Wesen, das die Seelen der Toten ins Jenseits begleitet. Mal kann dies ein Götterbote wie Hermes sein, mal ein Vogel wie die Taube in der Bibel als Symbol des Heiligen Geistes. Poetisch, mit leisem Humor, aber auch düster und abstrakt ist der Autorin ein faszinierendes Konglomerat an Stilen gelungen, das der Begriff Biografie allein nicht zu fassen vermag. Wer sich auf dieses ungewöhnliche Leseerlebnis einlassen kann, wird nicht enttäuscht. Denn dies ist keine Biografie im herkömmlichen Sinn. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Alena Schröder: Alles muss man selber falsch machen

Witzig, lebensnah, kurz und knackig

Alena Schröder, gefeiert für Ihren Generationen-Roman „Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“ schreibt seit Jahren als Journalistin und Kolumnisten für die Brigitte und das SZ-Magazin. In dieser Textsammlung ist das „Best-of“ ihrer literarischen Alltagsbetrachtungen versammelt. Die in Berlin lebende Autorin – nach außen hin groß, selbstbewusst, mit großer Klappe und souverän vor Publikum – offenbart in 52 kurzen Geschichten eine ganz andere Seite ihrer Persönlichkeit. Sie zeigt, wie sie an den einfachen und schwierigen Fragen des Alltags knabbert, mitunter scheitert und sich wieder aufrappelt. Das Leben in all seiner Ernsthaftigkeit liest sich wunderbar heiter. Sie werden schmunzeln und Tränen lachen. Je nach Grad der persönlichen Betroffenheit. Ob Rudermaschine, pubertierende Kinder, Krafttiere mit Imageproblem, gemeine KI und fehlender Penisknochen beim Cis-Mann: Die Autorin macht sich Gedanken über die wirklich wichtigen Fragen und lässt dabei kein Fettnäpfchen aus. Eine Gute-Laune-Kolumnensammlung, perfekt für den Reisekoffer sowie für regnerische Tage auf dem Sofa. Und natürlich als Geschenk für die beste Freundin. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Bernardine Evaristo: Blondes Herz

Booker-Preisträgerin übertrifft sich selbst!

Bernardine Evaristo ist nicht nur die erste Frau mit afroamerikanischen Wurzeln, die mit dem renommierten Booker Prize ausgezeichnet wurde. Sie ist vor allem eine Autorin, deren Bücher atemberaubend anders sind. Als Meisterin der Fabulierkunst vermischt Sie Genres, überschreitet Grenzen, fordert beim Lesen heraus und unterhält doch bestens! Wer geglaubt hat, Zuleika – eine Mischung aus Versen und Instagram-Speech über eine schwarze Sklavin im London zur Zeit der römischen Besatzung – könnte nichts mehr toppen, wird mit diesem Roman eines Besseren belehrt. Diesmal verschifft Evaristo weiße Sklaven auf den afrikanischen Kontinent. In einer Welt, in der Schwarze die Weltherrschaft erlangt haben und als führende Rasse gelten, sind plötzlich Kelten, Germanen und Wikinger zur Arbeit auf den Zuckerrohrplantagen verdonnert. Der Verve, mit dem Evaristo die Geschichte auf den Kopf stellt, ist einfach unglaublich. Berührend, brutal, humoristisch und mit jeder Menge starker Frauenfiguren, erleben wir Geschichte mit ganz anderen Augen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Katrin Böhning-Gaese et al.: Rettet die Vielfalt: Manifest für eine biodiverse Gesellschaft

Das Thema Biodiversitätsverlust wird gegenüber dem Klimawandel häufig übersehen. Zu Unrecht. Intakte Ökosysteme stellen uns Nahrung, Energie, Lebensraum, Luft zum Atmen, sauberes Wasser, Schutz vor Umweltkatastrophen, Erholung, Ästhetik und Gesundheit bereit (Beispiel: rund 70 Prozent aller Krebsmedikamente gehen auf Naturwirkstoffe zurück!). Die Botschaft des Buches ist knackig: „Während der Klimawandel darüber bestimmt, WIE wir in Zukunft leben werden, entscheiden das globale Artensterben und die globale Vernichtung von Ökosystemen darüber, OB wir Menschen auf diesem Planeten überleben werden.“ (S. 161). Doch das Buch schürt keine Panik, sondern beschreibt viele Lösungsvorschläge. Was bereits möglich ist und in anderen Ländern erfolgreich umgesetzt wird. Das Autoren-Trio aus den Bereichen Wissenschaft, Juristik und Geschichte veranschaulicht das Thema äußerst umfassend, praxisnah, hinterlegt mit erstaunlichen Zahlen und Fakten.

Wirtschaftsfaktor Natur: Ökonomischer Wert der Artenvielfalt!
Schon gewusst: Die Hälfte aller Wirtschaftsleistungen weltweit geht auf Leistungen der Natur zurück!  Und sogar kostenlos. Genau darin liegt laut den Autoren das Problem. Was nichts kostet, ist nichts wert. Was nichts wert ist, wird nicht geschützt, hat im Diskurs zwischen wirtschaftlichen und sozialen Fragen stets das Nachsehen. Dabei hat eine 2024 veröffentlichte Studie erstmals den Wert der von der Natur bereitgestellten Leistungen berechnet. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Kate Atkinson: Nacht über Soho

Ein beschwingter Krimi voller schillernder Charaktere im London der 20er Jahre! Mit eleganten Spitzen und gewitzter Fabulierkunst entführt die „Costa Novel Award“-Preisträgerin in die Roaring Twenties vom Glanz bis zur Gosse. Das Besondere: Eine Frauenfigur (die auf einer realen Person basiert!) hält hier das Zepter der Unterwelt fest in der Hand. Sie ist die Königin der Nachtclubs in Soho, deren Leitung sie auf ihre sechs Kinder verteilen möchte. Diese eignen sich mal mehr, mal weniger, mal gar nicht für die Aufgabe. Noch dazu, wo korrupte Polizisten, Diebe und Gläubiger darauf warten, ihr Imperium zu stürzen.  
Wer denkt, dass erst seit Social Media merkwürdige Trends kursieren, sei hier eines Besseren belehrt. Die „Bright Young Things“ waren damals VorreiterInnen in Sachen Motto- und Fetischpartys. Ein großartiger Pageturner mit britischen Schwarzen Humor.

Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Carla Kaspari: Das Ende ist beruhigend

In der Welt des Jahres 2130 gibt es nicht viele Anlässe, sich zu beruhigen. Außer in Spes 1, einem abgeschirmten Utopia-Dorf in Norditalien. Hier sind die Menschen – ausgewählte kreative, innovative Geister – glücklich, weil sie unter einer topmodernen Schutzglocke leben, die den unwirtlichen Bedingungen des Klimawandels trotzt. Doch das Leben im „Außen“ ist akut lebensbedrohlich. Kann so ein Experiment gelingen? Wie agieren Menschen in diesem Mikrokosmos? Woher kommt die Hoffnung? Kann Glück nur entstehen, wenn alles Unglück ausgeblendet wird? Die Kölner Autorin Carla Kaspari, Jahrgang 1991, verleiht der Zukunft eine unglaublich kraftvolle Stimme. Man kauft der Autorin jedes Wort ab. So oder so ähnlich könnten sich die Dinge wirklich entwickeln. Ein Roman, teils erschreckend, teils ironisch, immer faszinierend.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: