Was wäre ein Sommer ohne einen Capri-Krimi? Luca Ventura schafft jedes Jahr einen neuen Roman für den Reisekoffer, hier folgt sein siebter Streich. Auch in diesem Werk erfüllt Ventura die Erwartungen und präsentiert uns ein wendungsreiches, kriminalistisches Rätselraten unter südlicher Sonne. Es ist April und die Macchia auf der Insel Capri blüht! Eine junge aufstrebende Parfümeurin sucht eine seltene Orchideenart, die ihre erste Eigenkreation perfektionieren soll. Doch eines Morgens wird sie leblos an den Klippen aufgefunden. Ein tragischer Absturz? Der Polizeichef möchte das Ganze schnellstmöglich als Unfall zu den Akten legen. Doch seine beiden Agenten – der Inselpolizist Enrico Ricci und seine aus Norditalien versetzte Kollegin Antonia Cirillo – glauben nicht daran. Um zu beweisen, dass dahinter ein Gewaltverbrechen steckt, ermitteln sie ohne Erlaubnis auf eigene Faust. Da lässt der Ärger nicht lange auf sich warten …
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Curtis Sittenfeld: Mittelalte Frauen
Curtis Sittenfelds Geschichtssammlung liest sich wie ein Klassentreffen nach 20 oder 30 Jahren. Ihre „mittelalten Frauen“ tauschen Neuigkeiten aus, nehmen Gespräche und Ereignisse zum Anlass, um ihr eigenes Leben zu reflektieren. Das tun sie mit unglaublich viel Humor und Selbstironie!
Es geht um auseinandergelebte Ehen und Freundschaften – neu gebildete, wiederentdeckte und welche, die im Sande verlaufen sind. Es geht um strukturellen Sexismus in der Schriftstellerbranche, um versteckten Rassismus hinter schmucken Vorstadtfassaden, um offene Homophobie in Amerikas evangelikalen Kirchen. Und es geht um kleine Ereignisse, die unser ganzes Leben wissentlich oder unwissentlich beeinflussen. Ihre wahre Bedeutung erkennen wir meist erst im mittleren Alter.
WeiterlesenStuart Turton: Der letzte Mord am Ende der Welt
Gibt es einen Krimi, den ich sofort kaufen würde, ohne überhaupt den Klappentext gelesen zu haben? Gibt es – so lange er von Stuart Turton stammt! Jedes seiner Bücher überzeugt, gerade weil sie so verschieden sind bezüglich Setting, Epoche und Charakteren. Turton ist kein Autor, der sich ständig reproduziert. Er erfindet in jedem Buch eine eigene Welt, die zwischen zum Nägel kauenden Krimi, Fantasy und Science Fiction angesiedelt ist. Allen gemeinsam sind atemberaubende Plot Twists, umrahmt von einer Geschichte, die uns immer wieder hinters Licht führt.
Nichts ist, wie es scheint
So auch in diesem Buch: Auf einer einsamen Mittelmeerinsel wohnen 122 Menschen oder vielmehr Überlebende einer Apokalypse. Ihre Insel ist umgeben von einem tödlichen Nebel, der den Rest der Menschheit ausgerottet hat. Geleitet wird die Insel von den drei „Ältesten“. Sie verfügen über das technische Wissen der zerstörten alten Welt. Dabei haben sie eine Zivilisation geschaffen, die einfach lebt, Landwirtschaft und Handwerk betreibt, in der die Menschen aber gleichzeitig sehr glücklich sind, jeden Tag feiern, musizieren und tanzen. Eine Welt ohne Gier und Gewalt. Bis eines Tages eine der Ältesten tot aufgefunden wird. Dieser Vorfall bringt unglaubliche Geheimnisse ans Licht, welche die Existenz der Inselbevölkerung in ein völlig neues Licht rücken.
Jacqueline Harpman: Ich, die ich Männer nicht kannte
Ein Buch, das sich in den Kopf brennt. Dieser moderne Buchklassiker aus dem Jahr 1995 wird gerade weltweit von BookTok gehypt. Völlig verständlich. Jaqueline Harpman kreiert Brutalität, ohne dass ein Tropfen Blut fließt oder körperliche Gewalt stattfindet. Sie schafft eine atemberaubende Spannung, obwohl der Handlungsspielraum der Protagonistinnen extrem eingeschränkt ist. Die Atmosphäre des Grauens funktioniert so gut, weil Harpman am größten Triggerpunkt ansetzt: der menschlichen Phantasie. Atemlos lesen wir uns durch ein postapokalyptisches Szenario um 40 Frauen, die ohne Erinnerung daran, wie sie hierher gelangt sind, jahrelang in einem unterirdischen Keller gefangen gehalten werden. Wie sie mit dieser Extremsituation umgehen, welche Dynamik sich unter ihnen entwickelt, was sie am Leben erhält: Jaqueline Harpman spielt mit Urängsten und Alpträumen. Prädestiniert durch ihren Beruf als Psychoanalytikerin hat sie eine literarische Tour de Force zu Papier gebracht, die Sie niemals vergessen werden. Gerne darf das Buch auch als feministische Hymne gelesen werden.
WeiterlesenTomer Gardi: Liefern

Ob Istanbul, Tel Aviv, Neu-Delhi, Kenia, Berlin oder Buenos Aires – überall auf der Welt schlängeln sie sich durch den Verkehr. Kuriere übertragen das Digitale ins Reale. Essen via Klick war noch nie so einfach, zumindest für die Auftraggeber. Die Schicksale und Sehnsüchte von jenen, welche Lebensmittel liefern, erzählt der in Berlin lebende, jüdische Autor Tomer Gardi. Ein Traumjob ist es für niemanden. Für manche ist es ein Sprungbrett in ein neues Land, für manche ein notwendiges Übel zum Überleben, für die Dritten eine Einkommensquelle, um sich Träume wie ein Studium zu finanzieren.
Meisterhaft verwebt Tomer Gardi die bewegenden Geschichten über Kontinente hinweg. Mit Feingefühl und leisem Humor versteht es der Autor, die Menschen, die mittlerweile zu jedem Stadtbild gehören und doch übersehen werden, ins Bewusstsein zu rücken. Ein schönes, bewegendes Buch!
WeiterlesenMartin Suter: Können Sie mich sehen? Die Business Class im Homeoffice
Die Business Class ist wieder in Aktion! In diesen 44 höchst amüsanten Geschichten treten die Krawattenträger ständig anderen auf den Schlips – und selbst von einem Fettnäpfchen ins andere. Nach dem Motto „knapp vorbei ist auch daneben“ nutzt die beste Planung nichts, wenn missinterpretierte Genderfragen, mangelndes digitales Know-how oder schonungslos ehrliche Sprösslinge die eigene Karriereleiter auf der letzten Sprosse absägen. Charmant, pointiert und wunderbar bissig zeigt sich Martin Suter mal wieder in Bestform!
Unerwünschte Einblicke beim Zoom-Meeting
Nadelstreifennieten im Krisenmodus: Das Homeoffice stellt sie vor neue Herausforderungen. Da wird extra die Wohnung vor jedem Zoom-Call umdekoriert, möglichst neutral, ohne verräterische Bücher und Bilder, die negative Rückschlüsse auf den Charakter zulassen könnten. Es folgen Spekulationen über die passende Garderobe, während manche bereits an den Tücken der geteilten Bildschirmansicht scheitern. Und plötzlich mehr von sich preisgeben, als ihnen lieb ist.
Martin Suter: Abschalten: Die Business Class macht Ferien
Endlich Ferien! Was für die meisten pure Entspannung bedeutet, stellt sich für die Führungskräfte in diesen Kurzgeschichten als trickreiches Unterfangen heraus. Einige können nicht abschalten, andere wollen nicht, manche meinen zwar abzuschalten, treiben aber durch ihre Bemühungen Familie und Kollegen in den Wahnsinn. Diese brillanten, urkomischen Texte gehören als Urlaubslektüre in jeden Reisekoffer – ganz egal, ob Sie in der Business oder Economy Class unterwegs sind.
Gestresste CEOs am Strand: Fauxpas garantiert!
Stress ist nur die Unfähigkeit, abzuschalten. Blöd nur, wenn man den Schalter nicht findet. Führungskraft Glaser lässt sich dafür mit einer neuartigen Spritze „entkoppeln“. Danach ist er immer noch gestresst, aber nun ist ihm das herzlich egal. Direktor Huber versucht, am Strand zu entspannen. Doch es gelingt ihm nicht, den Strandboy für die in Anspruch genommenen Liegestühle zu bezahlen. Verursacht durch Oben-ohne-Schönheiten, Sand in den Augen und undurchsichtige Unisex-Strandtoiletten wird er in permanente Anspannung versetzt. Ebenso köstlich ist eine Diskussion unter Kollegen über die Erweiterung der eigenen Leistungsgrenze durch eine Himalaya-Besteigung. Die Ehefrau einer Führungskraft sieht mit Schrecken seinen Neujahrsvorsätzen entgegen. Was wird es diesmal sein? Togetherness-Weekends im Schwarzwald, Gourmet-Sundays am heimischen Herd oder gar wieder ein Family-Fitness-Jahr, durch das der eigene Sohn übergewichtig wurde?
V.V. Ganeshananthan: Der brennende Garten
Von 1983 bis 2009 wurde Sri Lanka von einem Bürgerkrieg gebeutelt. All das damit verbundene Leid schildert V. V. Ganeshananthan schonungslos ehrlich und menschlich zugleich aus den Augen einer Frau. Für diesen Roman wurde die Autorin 2024 unter anderem mit dem „Woman’s Prize for Fiction“ ausgezeichnet. Ein Buch, das von der ersten bis zur letzten Seite tief berührt. Und das erschreckende Parallelen zu heutigen Konflikten und (Bürger-)Kriegen aufkommen lässt.
Sashi ist 16 Jahre alt, lebt mit ihren Eltern und den vier Brüdern in Jaffna, einer Stadt in Sri Lanka. Sie gehört zur Bevölkerungsgruppe der Tamilen, die hauptsächlich im Norden und Osten der Insel ansässig ist. Die Tamilen bilden eine Minderheit im Vergleich zu den Singhalesen, welche 75 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Sie wollen ihren eigenen Staat, es brodelt unter der Oberfläche. Doch Sashi beschäftigt sich mit alltäglichen Dingen. Verliebt in ihren klugen Nachbarsjungen, möchte sie Medizin studieren. Dass die Bibliothek von Jaffna nach Ausschreitungen von der singhalesischen Polizei niedergebrannt wird, zeichnet sich bereits als böses Omen ab. Noch ist Sashi zu jung, um zu begreifen, auf welche Katastrophe ihr Land zusteuert.
WeiterlesenIrene Vallejo: Papyrus: Die Geschichte der Welt in Büchern
Wer Bücher liebt, liebt diese Hommage an das geschriebene Wort! Noch nie habe ich mich durch die Seiten einer Autorin geblättert, die so leidenschaftlich, gewitzt und fundiert über die Magie des Lesens erzählt. Irene Vallejo nimmt uns mit auf eine faszinierende Zeitreise. Sie zeigt uns: Ohne Bücher gäbe es kein Europa, keine Demokratie, keine Menschenrechte. Keine Zivilisation, wie wir sie kennen. Bücher sind der Leim, der Menschen zusammenkittet – über Landesgrenzen, Ethnien, Kulturen und Generationen hinweg.
Da ist die Entstehung der Schrift im einstigen Mesopotamien, die ursprünglich eher dazu diente, Besitzverhältnisse zu klären. Motto: Erst wird gezählt, dann erzählt. Da ist die Entstehung des Buches über viele Stationen wie Steintafeln, Papyrusrollen und Pergament bis hin zum Buchdruck und E-Book. Und da sind natürlich Menschen, welche die Bücher schreiben, sammeln, vernichten und dazu nutzen, ihre Ideen und Überzeugungen zu verbreiten.
WeiterlesenIrene Vallejo: Wein und Küsse
Geistreich, unterhaltsam und ganz auf heutige Lesebedürfnisse zugeschnitten: Wie ein literarisch-philosophisches „TikTok-Format“ für Wissbegierige muten die 200 kurzen Kolumnen von Irene Vallejo an, veröffentlicht in der Zeitung „El Pais“. Die Autorin pickt sich eine Idee, eine Redensart, die Herleitung eines Wortes oder eine Sage aus der Antike heraus und verknüpft sie gekonnt mit Heute. Das regt beim Lesen sowohl zum Schmunzeln, als auch zum Nachdenken an. Denn in der Moderne steckt weit mehr vom alten Rom und Athen, als uns bewusst ist. Noch dazu bezaubert Irene Vallejo durch ihren ganz eigenen Schreibstil mit herrlichen Metaphern samt Kommentaren, die Lust darauf machen, diesen Buchschatz in einem Atemzug zu verschlingen.
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