Daniel Speck: Villa Rivolta

Daniel Speck verknüpft in „Villa Rivolta“ das Schicksal einer Familie mit den politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen im Italien der Nachkriegszeit.

Herausgekommen ist ein opulenter Familienroman über Liebe und Loyalität – spannend, gefühlvoll, gelegentlich etwas zu üppig.

Im Mittelpunkt stehen Piero Rivolta, Sohn eines wohlhabenden Mailänder Auto-Unternehmers, und Valeria, die Tochter des Hausmädchens in derselben Villa. Als Kinder sind sie eng befreundet, doch ihre Wege trennen sich. Piero wird früh zum Erben des Familienunternehmens gedrängt, Valeria verliebt sich in den politisch engagierten Arbeitersohn Flavio. Klassenunterschiede, politische Fronten und alte Loyalitäten geraten unweigerlich aneinander.

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R.C. Sherriff: Vor uns die Zeit

R.C. Sherriffs Klassiker „Vor uns die Zeit“ aus dem Jahr 1936 (Original: „Greengates“) ist ein stilles, sehr genau beobachtetes Buch über den Schock des Ruhestands, die Furcht vor dem Bedeutungsverlust – und die unerwartete zweite Chance in einem Neubaugebiet auf dem Land. Hinter der unscheinbaren Geschichte eines Londoner Durchschnittsehepaars verbirgt sich ein erstaunlich modernes Buch über Neubeginn, Wohnträume und soziale Zugehörigkeit im Älterwerden.​

Inhalt

Im Zentrum steht Tom Baldwin, der nach rund vier Jahrzehnten als Angestellter einer Londoner Versicherung in den Ruhestand geht und sich ausmalt, wie nun endlich die „eigene Zeit“ beginnt. Die Realität sieht anders aus: Lange Nachmittage, Langeweile, kleinliche Reibereien mit seiner Frau Edith – das vertraute Heim wird zum Schauplatz einer Sinnkrise, die sich bedrohlicher anfühlt, als Tom erwartet hatte.​

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Frank Goosen: Lovely Rita

In Lovely Rita bleibt der Bochumer Autor Frank Goosen seiner vertrauten Erzählweise und seinen Themen treu. Im Mittelpunkt steht diesmal das „Haus Himmelreich“, eine der letzten echten Kneipen ihrer Art – mit durchgesessenen Barhockern, Nikotinschatten an den Wänden und Gästen, die seit Jahrzehnten dieselben Plätze einnehmen. Doch nun soll das legendäre Lokal schließen. Für den Ich-Erzähler, der einen Abschiedsartikel schreiben will, werden die letzten beiden Abende zu einer Reise durch Erinnerungen, Gespräche und Geschichten. Sie alle kreisen um eine Frau, die gar nicht anwesend ist: Rita Urbaniak, die Wirtin. Seit den 1970er-Jahren hat sie das Himmelreich geführt, ihre schrulligen Stammgäste durch Hochzeiten und Herzschmerz begleitet und sogar ihre Nichte großgezogen. Doch wo bleibt Rita am vorletzten Abend?

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Rachel Khong: Real Americans

Rachel Khongs Roman Real Americans erzählt die Geschichte einer Familie, die sich über drei Generationen hinweg mit Herkunft, Zugehörigkeit und den langfristigen Folgen persönlicher Entscheidungen auseinandersetzt. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur das Leben zwischen zwei Kulturen – der chinesischen und der amerikanischen –, sondern auch Fragen nach Liebe, Ehrgeiz und dem Vermächtnis, das Eltern ihren Kindern hinterlassen, ob bewusst oder ungewollt.

Worum es geht

Zentral ist die Figur Lily, eine junge Frau chinesischer Herkunft, die in den 1990er-Jahren in New York lebt. Sie verliebt sich in Matthew, einen wohlhabenden und ehrgeizigen Mann aus einer völlig anderen gesellschaftlichen Welt. Aus dieser Beziehung geht ihr Sohn Nick hervor, der sich Jahre später auf die Suche nach seinem Vater begibt – und dabei nicht nur familiären Geheimnissen begegnet, sondern auch mit seiner eigenen Identität konfrontiert wird.

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Peter Schneider: Die Frau an der Bushaltestelle

Peter Schneiders Roman „Die Frau an der Bushaltestelle“ spielt im Westberlin der späten 1960er-Jahre und verbindet eine private Liebesgeschichte mit der aufgewühlten Stimmung der Studentenbewegung. Im Mittelpunkt steht eine Dreiecksbeziehung, die von Liebe, Eifersucht und falschen Entscheidungen geprägt ist – und deren Folgen der Erzähler erst viele Jahre später wirklich begreift.

Ausgangspunkt ist die Erinnerung an eine Begegnung an einer Bushaltestelle. Dort trifft der Erzähler auf Isabel, eine junge Frau, die aus der DDR in den Westen geflohen ist. Sie ist schön, selbstbewusst und voller Sehnsucht nach einem anderen Leben. Isabel verliebt sich in Nick, den besten Freund des Erzählers: einen tatkräftigen, unkomplizierten Mann, der Abenteuer und Sicherheit zugleich verspricht. Der Erzähler selbst fühlt sich ebenfalls zu Isabel hingezogen.

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Silvesterspecial 2025

Jedes Jahr lesen wir Rezensentinnen und Rezensenten etliche Bücher. Gute und weniger gute, spannende und langweilige, dramatische, berührende, witzige und traurige, fesselnde, unterhaltsame, informative und interessante. Und immer findet sich darunter dieses eine Buch, das Highlight des Jahres. Das Buch, das besonders im Gedächtnis bleibt, das nachwirkt, aus ganz unterschiedlichen Gründen.

Diese Bücher, die uns in diesem Jahr 2025 so beeindruckt haben, stellen wir heute am letzten Tag des Jahres vor:

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Jon Fosse: Vaim

Der neue Roman des Literatur-Nobelpreisträgers von 2023 Jon Foss, „Vaim“ heißt er, ist vor allem eines: anstrengend. Der 160 Seiten lange Text ist im Grunde ein einziger Satz, einen Punkt sucht man vergebens. Es gibt viele Wiederholungen mit nur kleinen Abweichungen. Das schafft zwar einen besonderen Rhythmus, macht das Lesen aber mühsam und manchmal monoton.​

Drei Männer aus einem Küstenort erzählen abwechselnd von ihrem Leben, von ihrer Unsicherheit und von einer Frau namens Eline, die alles verbindet. Ihre Stimmen klingen jedoch sehr ähnlich, sodass man sie gedanklich kaum auseinanderhalten kann.​

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Kai Wiesinger: Zurück zu ihr

Das Romandebüt des Schauspielers Kai Wiesinger („Kleine Haie), „Zurück zu ihr“, bleibt erzählerisch kraftlos. Der 50-jährige Jan fährt zum Klassentreffen nach Hannover – ein Setting voller Möglichkeiten für Selbstbefragung, Umwege und Brüche. Doch statt psychologischer Tiefe bietet der Roman vor allem Alltagsbanalitäten. Jans Rückblick auf Ehe, verpasste Chancen und Jugendliebe wird zu einem breiten Bewusstseinsstrom, der mehr wiederholt als enthüllt.

Wiesinger schildert Staus, Routinen und Klassentreffen-Anekdoten in ausufernder Detailfreude, ohne sie dramaturgisch zu schärfen. Die Figuren bleiben blass: Ehefrau Svenja und Jugendliebe Anja wirken eher wie Folien für Jans Selbstbespiegelung als wie eigenständige Charaktere. Nur eine Autopanne sorgt für Witz und Tempo – ein Hinweis darauf, dass der Autor durchaus Sinn für Situationskomik hat.

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Ulrich Becher: Männer machen Fehler

Ulrich Bechers Erzählband „Männer machen Fehler“ aus dem Jahr 1932 ist ein literarisches Debüt, das auf eindringliche Weise die Fehlerhaftigkeit und Schwächen des menschlichen Verhaltens, insbesondere von Männern, in verschiedenen gesellschaftlichen und persönlichen Zusammenhängen beleuchtet. 

Eine besonders eindrucksvolle Geschichte ist die Erzählung von den Brüdern, die lediglich ihren Frack besitzen. Mit diesem Kleidungsstück gelingt es ihnen, in unterschiedliche gesellschaftliche Kreise einzutreten und überall „durchzukommen“. Diese Geschichte symbolisiert das Thema des Scheins und der gesellschaftlichen Maskerade.

Weitere Beispiele sind die Geschichten eines gelangweilten Sohnes aus reichem Hause, der sich zum Kriegsdienst meldet – ein Symbol für die Suche nach Sinn und Identität in einer entfremdeten Gesellschaft – oder eines anderen jungen Mannes, der gegen seinen disziplinierten Vater rebelliert und sein Heil im Besuch einer „Orgie“ sucht, dort aber nur Gewalt, Kälte, Oberflächlichkeit und Stumpfsinn findet.

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John Irving: Königin Esther

Mit Königin Esther legt der amerikanische Bestsellerautor John Irving im Alter von über 80 Jahren ein Werk vor, das alle vertrauten Zutaten seines Schreibens enthält – und doch erstaunlich leblos bleibt. Zwar blitzt hier und da jener eigentümliche Humor auf, der seine Romane seit Garp und wie er die Welt sah oder Owen Meany auszeichnet, doch insgesamt wirkt dieser späte Roman eher wie ein intellektuelles Experiment.

Irving verwebt verschiedene Schauplätze und Zeiten – Wien, Neuengland, Palästina und Jerusalem –, doch die ständigen Orts- und Perspektivwechsel zerren am erzählerischen Zusammenhalt. Das Ergebnis ist ein sprunghaft aufgebauter Text, dessen mittlere Kapitel verwirrend wirken. Die Handlung verliert sich in Nebengleisen, und die Titelfigur, Esther Nacht, bleibt erstaunlich blass. Ihr Innenleben, ihre seelische Entwicklung – all das bleibt schemenhaft, der Leser erfährt so gut wie nichts darüber.

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