David Szalays Roman Flesh – in deutscher Übersetzung erschienen unter dem Titel Was nicht gesagt werden kann – ist ein stilles, eigentümliches Werk, das sich um eine Hauptfigur dreht, die ebenso schwer fassbar wie verstörend faszinierend wirkt. Szalay, 1974 in Kanada geboren und seit Jahren als einer der präzisesten Beobachter unserer Gegenwart geschätzt, steht mit diesem Buch auf der Shortlist des Booker Prize.
Ein Held wider Willen
Protagonist István ist ein Mann, der Gesprächen ausweicht und Worte meist nur als Echo zurückgibt. „Ob es mir gut geht?“ fragt er, wenn man ihn selbst danach fragt. Auf knapp 400 Seiten wiederholt sich dieses Muster – irritierend, lakonisch oder subtil entlarvend, je nach Lesart. Szalay zeichnet damit das Bild eines Getriebenen, der kaum handelt, sondern reagiert, hinnimmt, was andere für ihn entscheiden, und in Bahnen gerät, die nicht die seinen sind.





Auf über 700 Seiten entfaltet Jonas Hassen Khemiri in seinem Roman „Die Schwestern“ ein Panorama, das sich über 35 Jahre und mehrere Kontinente erstreckt. Im Mittelpunkt steht eine Familie, insbesondere die drei Schwestern Ina, Evelyn und Anastasia Mikkola. Die Geschichte beginnt mit dem jungen Jonas, der die Drei in seinem Stockholmer Viertel kennenlernt. Zwischen Nachbarschaft, Freundschaft, Geheimnissen und familiären Verstrickungen verweben sich ihre Biografien im Laufe der Jahrzehnte zunehmend miteinander.


