Wie geht es weiter nach dem Happy End?
Nachdem wir in Band 1 mit Emil und Damian und ihrer ungewöhnlichen Kennenlerngeschichte mitgefiebert haben, erfahren wir in Band 2, wie es mit den beiden – und ihrer Beziehung (oder Nicht-Beziehung?) – weitergeht. Die Probleme und Hürden einer queeren Fernbeziehung werden thematisiert; der Weg ins Erwachsenenalter genauso wie der Weg zu sich selbst.
Dass gerade eine queere Beziehung mit Hürden rechnen muss, ist wohl leider Realität. Dieses Buch jedoch ist hierhingehend fast schon zu realistisch und beschreibt eine Aneinanderreihung derart negativer Ereignisse, dass es eigentlich nicht mehr so richtig Spaß bringt, davon zu lesen. Statt einer kitschigen Fortsetzung eben diese Tiefen zu beschreiben, ist das klar formulierte Ziel der Autoren – aber hätte nicht die ein oder andere Höhe mehr eingebaut werden können?
Es ist kein schlechtes Buch, nur eben ein deprimierendes. Und im Gegensatz zu Band 1 auch ein sehr nischiges. Wer mit Anime nichts am Hut hat, könnte streckenweise ganze Sätze nicht verstehen.
Die Probleme, die die beiden Protagonisten bewältigen müssen, sind außerdem – wieder im Gegensatz zu Band 1 – recht spezifisch für eine Beziehung zwischen zwei Männern; dass andere queere Menschen sich übergeordnet in den Thematiken wiederfinden können, halte ich größtenteils für ausgeschlossen. Gefühle und Liebe sind universell, aber an Gefühlen, die über körperliche Anziehung hinausgehen, mangelt es den Protagonisten leider.
Schade. Wenn du kein schwuler Junge aus einem Dorf bist, der Animes mag, ist dieses Buch wahrscheinlich nicht für dich …
Andererseits gibt es in der Jugendliteratur diese überrealistische Strömung, die auf deprimierende Weise die schreckliche Realität ohne Lichtblick wiederzugeben versucht (SO schlimm ist es bei „Secondhand Toyfriend 02“ nicht!) und einige dieser Titel sind ganz groß geworden. Diese Art von Erzählung war noch nie mein Ding, aber so betrachtet ist es großartig, dass hier nun auch ein queerer Vertreter existiert. Wie gesagt, schlecht ist das Buch auf keinen Fall; es lässt sich gut lesen und sorgt mit eingefügten Chats und Bildern immer wieder für eine Auflockerung des Fließtextes, was sicher weniger lesefreudigen Rezipienten dabei hilft, am Ball zu bleiben.
Ob Literatur nun dazu dient, die negativen Facetten der Realität zu betonen oder durch eine verschönte Version Ablenkung zu verschaffen, muss jeder Leser für sich selbst entscheiden.
Darkviktory & Kostas Kind: Secondhand Toyfriend 02
Fischer Sauerländer, August 2025
352 Seiten, Taschenbuch, 17,90€
Diese Rezension wurde verfasst von Isabella M. Banger.
