Julia Wolf: Du, hier – Stories

Julia Wolf (Jahrgang 1980) ist Autorin und Übersetzerin z.B. für die Kurzgeschichten „Stories 2“ und den Roman „In der Gnade“ von Joy Williams oder den Roman „Umlaufbahnen“ von Booker-Prize-Trägerin Samantha Harvey, die wir auch hier besprochen haben. Sie lebt und arbeitet in Berlin. Heute erscheinen ihre „Stories“ unter dem Titel „Du, hier“ bei dtv.

In „Du, hier“ erzählt Julia Wolf Geschichten von Frauen

Julia Wolf hat elf Kurzgeschichten geschrieben, deren Hauptfiguren überwiegend Frauen um die vierzig sind. Wie in der ersten Geschichte „Pfirsich, Tropfen, Faust“, in der die Protagonistin den zweiundvierzigsten Geburtstag ihrer Freundin in einer Bar feiert und spät abends oder früh am Morgen betrunken und angeschlagen nach Hause kommt und in das Gitterbettchen ihrer Tochter klettert.

In „Dickicht“ verliert sich eine junge Mutter in ihren Ängsten, während sie mit ihrem Baby allein in einem Ferienhaus übernachtet, weil ihr Mann plötzlich dringend zurück zu seiner Arbeit muss, weil dort „die Hütte brennt“.

„Plan Adebar“ zerstört fast die Beziehung zwischen Sabrina und Ian, weil sich alles nur noch um den Kinderwunsch dreht.

In der titelgebenden Geschichte „Du, hier“ trifft Stella Antonia wieder. Toni, ihre Freundin aus Kindheitstagen, ist Tennisspielerin und quartiert sich bei Stella und ihrem Freund Philip ein. Angeblich nimmt sie an einem Tennisturnier in der Nähe teil. Bei Stella löst das Wiedersehen mit Toni Erinnerungen aus. 

„Eden“ ist die Geschichte von ein paar Mädchen auf einem Reiterhof, die hoffen, dass eine Städterin den maroden Hof kauft, damit sie weiter dort abhängen können. Aber dann kommt es anders.

Diese Geschichten sind handwerklich gut, aber nicht mitreißend

„Du, hier – Stories“ von Julia Wolf erinnern mich in ihrem Erzählton sehr an die Geschichten von Joy Williams. Das ist vielleicht nicht verwunderlich, da Julia Wolf Joy Williams ins Deutsche übersetzt hat. Auch in Wolfs Stories findet sich dieser düstere, unheilverkündende Unterton, der den Inhalten etwas Verstörendes gibt. Die Protagonistinnen sind Suchende nach Nähe, Liebe oder Tod. Nur selten werden sie fündig und noch seltener glücklich:

„Furien seid ihr, wild gewordene Flummis auf der Tanzfläche, du musst lachen, du holst erneut Schwung und springst in die Höhe, kurz fliegst du, kurz ist alles gut. Dann kommt die Landung. Ein Stoß in die Füße, die Knie. Hitze schießt dir zwischen die Beine. Nässe. Du erstarrst … Für dich ist die Party vorbei.“ (S. 12)

Die Kurzgeschichten sind handwerklich gut, keine Frage, aber sie zünden nicht. Sie bleiben blass, ihre Figuren prägen sich nicht ein. Für mich ist ein Hin- und Herblättern in den Texten nötig, um mich an die Inhalte der einzelnen Geschichten zu erinnern. Es ist kein Knaller dabei. Keine Geschichte, die mich erschüttert, berührt oder wütend macht. Vielleicht liegt es an der Gleichförmigkeit der Texte (die Geschichte „DELETE“ ausgenommen, die in E-Mail-Form geschrieben ist), an den fehlenden Höhepunkten oder an den Figuren ohne Charisma.

Julia Wolfs Stories in „Du, hier“ erzählen von Frauen um die vierzig in der heutigen Zeit, von Frauen mitten im Leben, doch sie wirken seltsam leblos und weltfremd. Mich haben diese Geschichten nicht überzeugt. Schade!

Julia Wolf: Du, hier – Stories.
dtv, 19. Februar 2026.
Hardcover, 256 S., 24,- Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Sürder.

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