Jo Nesbø: Blutmond: Harry Hole ermittelt 13

Über den norwegischen Schriftsteller Jo Nesbø (1960) muss man nicht mehr viel sagen, dafür ist er zu bekannt bzw. berühmt. Über seinen Protagonisten Harry Hole auch nicht, oder doch? Am 24. November 2022 erschien bei Ullstein Buchverlage der „neue“ Harry Hole mit dem Titel „Blutmond“. Neu ist auch der Untertitel „Harry Hole ermittelt“ statt wie bisher „Ein Fall für Harry Hole“. Übersetzt wurde der Krimi wie gewohnt von Günther Frauenlob.

Nachdem Harry Hole sich am Flughafen sitzend in Jo Nesbøs letztem Krimi „Messer“ verabschiedet hat, ist er nun in Los Angeles (USA) gelandet. Nach dem Tod von Rakel betäubt er sich dort mit Alkohol. Bis er eine gealterte Schauspielerin kennenlernt. Lucille hat Schulden bei der Mafia. Und Harry will ihr helfen. Da kommt ihm das Angebot eines reichen Osloer Immobilienmaklers gelegen. Markus Røed steht im Verdacht, zwei Frauen ermordet zu haben. Er hofft, dass Harry seine Unschuld beweisen kann. Dafür verlangt Hole exakt die Summe Geld, die Lucille ihren Gläubigern schuldet. Er bekommt zehn Tage Zeit.

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Sarah Ellis, Nancy Vo: So Glenn wie möglich

Was für eine kühne Idee, ein Bilderbuch über Glenn Gould, den bekanntesten Pianisten unserer Zeit, zu machen, der in der klassischen Musik eine Ikone ist und auch noch vierzig Jahre nach seinem Tod für seine perfekten Konzerte berühmt ist.

Die Autorin Sarah Ellis und die Illustratorin Nancy Vo haben für dieses Wagnis, die Schlichtheit gewählt, die Reduzierung auf das Wesentliche. Sie beginnt mit dem Jungen Glenn, der mit seinem Hund Nicky und seiner Mutter den Radioklängen lauscht. Schon damals wusste er genau, was er mag und was nicht.

Und was er am meisten mochte, war die Musik. Deshalb sang er als Junge ganz laut, wenn er mit seinem Boot auf den See hinaus ruderte und sich vorstellte, ein Orchester zu dirigieren. Statt das Bad in der Menge liebte er die Natur und die Tiere. Schon recht schnell wurde deutlich, dass Glenn ein Ausnahmetalent war, intelligent und konzentriert, und dies nicht nur wenn er sich der Mathematik und den Mustern der Musik widmete. Weiterlesen

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Mohamed Mbougar Sarr: Die geheimste Erinnerung der Menschen

Der senegalesische Schriftsteller Mohamed Mbougar Sarr (Jahrgang 1990) wurde in Dakar, der Hauptstadt Senegals, geboren. Er studierte in Frankreich. 2014 veröffentlichte er seinen ersten Roman. Für seinen vierten Roman „La plus secrète mémoire des hommes“ erhielt er 2021 als erster afrikanischer Autor den Prix Goncourt. Die deutsche Erstausgabe unter dem Titel „Die geheimste Erinnerung der Menschen“ erschien am 24. November 2022 im Carl Hanser Verlag. Holger Fock und Sabine Müller haben den Roman aus dem Französischen übersetzt.

Darin erzählt Mohamed Mbougar Sarr von dem jungen Senegalesen Diégane Latyr Faye, der in Paris an seiner literaturwissenschaftlichen Doktorarbeit schreibt, aber eigentlich ein erfolgreicher Schriftsteller sein will. Für ihn ist T.C. Elimane, der „schwarze Rimbaud“, Kult.

Zufällig trifft er die senegalesische Schriftstellerin Marème Siga D. und erhält von ihr Elimanes berühmtes Buch aus dem Jahr 1938über einen brutalen König mit dem Titel „Das Labyrinth des Unmenschlichen“. Nach Erscheinen des Buches wurde T.C. Elimane gefeiert und verteufelt. Schließlich verschwand er spurlos. Weiterlesen

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Leïla Slimani: Schaut, wie wir tanzen

Die Schriftstellerin Leïla Slimani (Jahrgang 1981) schreibt an einer Trilogie ihrer Familiengeschichte. Der erste Teil „Das Land der Anderen“ aus dem Jahr 2021 war ein großer Erfolg. Am 21. September 2022 ist die Fortsetzung „Schaut, wie wir tanzen“ in einer Übersetzung von Amelie Thoma im Luchterhand Literaturverlag erschienen.

Im Frühling 1968 lässt Amine Belhaj einen Swimmingpool in den Garten seiner Farm bei Meknès in Marokko bauen. Amines Farm gedeiht, König Hassan II. regiert und Mathildes und Amines Tochter Aïcha studiert seit vier Jahren Medizin im französischen Straßburg. Selim, Aïchas jüngerer Bruder, geht noch zur Schule und ist ein ausgezeichneter Schwimmer.

Aïcha nimmt ihr Studium sehr ernst und arbeitet viel. Sie interessiert sich nicht für Politik und die Studentenunruhen. Als sie nach Marokko zurückkehrt, trägt sie Minirock und hat sich die Haare glätten lassen. Amine ist entsetzt und Mathilde sagt: „Du hast dich so verändert. Ich hätte dich nicht erkannt.“ (S. 70)

Über ihre Freundin Monette und deren Freund Henri, einem Professor für Wirtschaftswissenschaften, lernt sie Mehdi Daoud kennen, den alle nur „Karl Marx“ nennen. Er will das Land verändern.

Selma, Amines Schwester, leidet in ihrer Ehe mit Mourad und hasst ihre Tochter Sabah, die sie ungewollt bekommen hat. Weiterlesen

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Javier Marías: Tomás Nevinson

Der spanische Schriftsteller Javier Marías ist tot. Er starb überraschend am 11. September diesen Jahres kurz vor seinem 71. Geburtstag. Zur Frankfurter Buchmesse erschien sein letzter Roman „Tomás Nevinson“ am 21. September 2022 im S. Fischer Verlag. Susanne Lange hat ihn aus dem Spanischen übersetzt. „Tomás Nevinson“ bildet nach eigenen Aussagen von Javier Marías ein „Paar“ mit dem 2019 veröffentlichten Roman „Berta Isla“.

Tomás Nevinson, ehemaliger Geheimagent des britischen Geheimdienstes und Ehemann der Spanierin Berta Isla, soll seinem Ex-Chef Bertram Tupra einen Gefallen tun. Der wiederum wurde seinerseits von einem Mitglied des spanischen Geheimdienstes um einen Gefallen gebeten. Es geht um eine ETA-Terroristin, die seit Jahren untergetaucht ist und 1987 an Anschlägen der baskischen Untergrundorganisation beteiligt war. 1997 gibt es Hinweise, die auf drei Frauen in einer Provinzstadt im Nordwesten Spaniens deuten. Nevinson soll dort als Englischlehrer, Miguel Centuríon, herausfinden, welche der drei die Terroristin ist, sie überführen oder gar ausschalten. Letzteres deutet Marías schon mit seinem ersten Satz an:

„Ich wurde nach alter Schule erzogen und hätte nie gedacht, dass man mir eines Tages auftragen würde, eine Frau umzubringen.“ (S. 9) Weiterlesen

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Ian McEwan: Lektionen

Der britische Schriftsteller Ian McEwan (Jahrgang 1948) und Booker-Prize-Träger von 1998 (für „Amsterdam“)  schreibt Bestseller. Nun ist am 28. September 2022 sein neuester Roman mit autobiografischen Elementen im Diogenes Verlag erschienen. Das Buch mit dem deutschen Titel „Lektionen“ wurde von Bernhard Robben aus dem Englischen übersetzt.

Ian McEwans Protagonist Roland Baines ist wie er 1948 als Sohn eines Offiziers der britischen Armee geboren und in Libyen aufgewachsen. Mit elf Jahren wird Roland von seinen Eltern auf ein Internat in England geschickt. Dort erhält er Klavierstunden von Miss Miriam Cornell, die den Jungen verführt und missbraucht.

Im Frühjahr 1986 verschwindet Rolands deutsche Frau Alissa und lässt ihn mit dem gemeinsamen Baby Lawrence in London zurück. Roland schlägt sich mehr schlecht als recht mit dem Sohn durch das Leben. Er arbeitet als Barpianist, Tennislehrer und Gelegenheitsschreiber. Seine Freundin Daphne und ihr Mann Peter unterstützen ihn. Alissa, die wieder ihren Geburtsnamen Eberhardt annimmt, wird eine berühmte Schriftstellerin und lehnt den Kontakt zu Roland und Lawrence ab. Für Lawrence ist er ein guter Vater, die Beziehung zwischen den beiden ist fest und innig. Aber Roland trägt lebenslang an der frühen Beziehung zu seiner Klavierlehrerin. Irgendwann besucht er Alissa in Deutschland und auch Miriam Cornell. Roland erfährt von seinem älteren Bruder Robert. Er heiratet Daphne und erlebt ein kurzes Glück. Weiterlesen

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Dörte Hansen: Zur See

Die deutsche Schriftstellerin Dörte Hansen (Jahrgang 1964) aus Husum hat es geschafft: drei Romane, drei Erfolge. Mit „Altes Land“ aus dem Jahr 2015 und „Mittagsstunde“ (2018) landete sie auf den Bestsellerlisten. Beide Romane wurden verfilmt. „Mittagsstunde“ mit Charly Hübner in der Hauptrolle als Ingwer Feddersen läuft aktuell in den Kinos. Nun also Hansens dritter Streich. „Zur See“ ist am 28. September 2022 im Penguin Verlag erschienen. Dörte Hansen ist 2022 Stadtschreiberin in Mainz.

Schauplatz ihrer neuesten Geschichte ist eine namenlose Insel in der Nordsee. Dort lebt seit 300 Jahren die Familie Sander. Hanne Sander ist Kaptänsfrau und Mutter von drei Kindern, Ryckmer, Eske und Henrik. Vater Jens Sander war Hochseekapitän und lebt seit zwanzig Jahren als Vogelwart auf Driftland.

Ryckmer, der Älteste, war auch Kapitän bis ihn ein Sturm aus der Bahn und von der Brücke warf. Jetzt ist er Deckmann auf der Fähre vom Festland zur Insel und Alkoholiker. Er wohnt bei Hanne, die ihn jeden Abend mit ihrem Auto vom Schiff abholt und ihm seine Bierflaschen einteilt. Ryckmer kennt die Sagen und Mythen der Insel, er registriert Wind, Stürme und Fluten. Er trinkt, damit er schlafen kann. Weiterlesen

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Nicolas Mathieu: Connemara

Der Prix-Goncourt Preisträger von 2018, Nicolas Mathieu (Jahrgang 1978), hat einen neuen Roman geschrieben. „Connemara“ ist am 26. September 2022 bei Hanser Berlin im Carl Hanser Verlag erschienen. Lena Müller und André Hansen haben ihn aus dem Französischen übersetzt.

Wie in „Rose Royal“ aus dem Jahre 2020 hat sich Nicolas Mathieu wieder eine weibliche Protagonistin ausgesucht. Hélène ist eine erfolgreiche Unternehmensberaterin und verheiratet mit Philippe. Sie haben zwei Töchter. Die Familie ist nach Hélènes Burn-out aus Paris nach Nancy gezogen, in die Nähe ihrer alten Heimatstadt Cornécourt in der Region Grand Est, Frankreich. Hélène stammt aus einfachen Verhältnissen und ist stolz auf ihre Karriere und Milieuflucht.

Mathieus zweite Hauptfigur Christophe Marchal, ehemaliger Eishockeystar, lebt immer noch in Cornécourt und fährt als Vertreter für Hundefutter durch Lothringen. Er hat einen kleinen Sohn, eine gescheiterte Ehe  mit Charlie und einen Vater mit beginnender Demenz. Hélène und Christophe kennen sich aus der Schule. In Rückblenden beschreibt Mathieu ihre Jugend. Als die beiden sich nach etlichen Jahren wieder treffen, beginnen sie eine Affäre. Weiterlesen

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Maren Wurster: Eine beiläufige Entscheidung

Die Autorin Maren Wurster (Jahrgang 1976) hat nach „Das Fell“ (2017) und „Papa stirbt, Mama auch“ (2021) ihr drittes Buch mit dem Titel „Eine beiläufige Entscheidung“ geschrieben. Es erschien am 22. August 2022 bei Hanser Berlin im Carl Hanser Verlag.

Lena hat ein Baby bekommen. Konrad, der kleine Junge, ist ein unzufriedenes, schreiendes kleines Kind. Lena ist überfordert. Robert, der Vater des Kindes, ist keine Hilfe. Lena beschließt, ihr Baby zu verlassen und flüchtet sich in die Hütte von Roberts Eltern. Dort versteckt sie sich im Wandschrank und wartet darauf, dass ihr Milchfluss versiegt. Sie phantasiert fiebrig.

Konrad lebt in einem Internat für verhaltensauffällige Kinder. Er ist wütend, selbstzerstörerisch und einsam. Nur Una, sein ehemaliges Kindermädchen, und der Mitschüler Kaspar haben einen Zugang zu ihm. Sein Vater Robert lässt sich hin und wieder blicken. Konrad entdeckt seine Fähigkeit, mit Holz zu arbeiten und hat eine erste sexuelle Erfahrung mit Kaspar. Doch Kaspar verlässt das Internat, und Robert geht mit seiner Freundin ins Ausland. Dann geschieht ein „Unfall“ mit einer Kettensäge. Weiterlesen

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Elke Heidenreich: Ihr glücklichen Augen

Die deutsche Schriftstellerin Elke Heidenreich (Jahrgang 1943) ist bekannt durch Radio und Fernsehen. Wer kennt sie nicht als Else Stratmann oder ihre Buchtipps aus der Sendung „Lesen!“? Im Carl Hanser Verlag sind am 22. August 2022 ihre „kurzen Geschichten zu weiten Reisen“ unter dem Titel „Ihr glücklichen Augen“ (nach einem Zitat aus Goethes Faust) erschienen.

Darin finden sich kurze Erzählungen zu Reisen, die Elke Heidenreich in ihrem Leben bisher unternommen hat, dazu Fotos von Orten, Menschen, Tagebucheinträgen. Nun reist Elke Heidenreich nicht, um touristische Sehenswürdigkeiten abzuklappern, sondern um sich vor Ort treiben zu lassen, Opernhäuser zu besuchen und Freunde zu treffen. So erinnert sie Paris als Sehnsuchtsort ihrer Jugend und besucht es auch später immer mal wieder. Oder Mailand mit ihrer Freundin Inge Feltrinelli, Schottland wegen Shakespeares Macbeth und Danzig wegen der eigenen Vorfahren. Weiterlesen

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