Karine Tuil: Die Liebeshungrigen

Die französische Schriftstellerin Karine Tuil (Jahrgang 1972) wurde für ihren Roman „Menschliche Dinge“ aus dem Jahr 2020 mit dem Prix Goncourt des Lyceens ausgezeichnet. Am 15. Mai 2026 ist ihr neuestes Werk mit dem Titel „Die Liebeshungrigen“ in einer Übersetzung von Maja Ueberle-Pfaff und Alexandra Baisch bei dtv erschienen.

Der Roman „Die Liebeshungrigen“ von Karine Tuil ist umwerfend

Der ehemalige Präsident von Frankreich, Dan Lehman, bläst Trübsal. Er ist nach seiner Abwahl zwölf Monate zuvor nicht mehr wichtig. Er schluckt Beruhigungsmittel, trinkt und muss sich eingestehen, dass seine zweite Ehe mit der deutschen Schauspielerin Hilda Müller gescheitert ist. Einzig seine Tochter Anna und sein Hund Nabucco scheinen ihm noch Zuneigung und Treue entgegen zu bringen, die Lehman mit echter Liebe und Herzenswärme erwidert.
Während sich der ehemalige Staatspräsident zunehmend in Selbstmitleid und Alkohol ergeht, ergattert Hilda die Hauptrolle in einem Film, der auf einem Buch von Lehmans Ex-Frau Marianne basiert. Der Film soll bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes gezeigt werden. Und im Glanz und Glitter an der Côte d’Azur eskaliert die Situation.

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Philippa Perry: Die Therapeutin und ihre Mörder: Dr. Pat Philipps und der tote Klient

Philippa Perry (Jahrgang 1957), die britische Psychotherapeutin und Autorin des Erziehungsratgebers „Das Buch, von dem du dir wünschst, deine Eltern hätten es gelesen“ aus dem Jahr 2020, hat sich an einem Krimi versucht. Mit „Die Therapeutin und ihre Mörder – Dr. Pat Philipps und der tote Klient“ debütiert sie in diesem Genre. Das Buch ist am 7. Mai 2026 bei Ullstein erschienen. Elke Link hat es aus dem Englischen übersetzt.

„Die Therapeutin und ihre Mörder“ von Philippa Perry ist very British und ein wenig Old School

Dr. Patricia Philipps ist Psychotherapeutin und lebt, nachdem sie London verlassen hat, mit ihrem Kater Dave in Westlinke, einem kleinen Dorf in Südengland. Ihre Klienten empfängt sie in einem umgebauten Schäferwagen, der im Garten ihres Cottages steht. Eines Tages wird einer ihrer Klienten, Henry Clayton, Anfang dreißig, unterhalb der Klippen von Birling Gap tot an den Kieselstrand gespült. Die Polizei von Westlinke, bestehend aus Detective Sergeant Amanda Stevens und Police Constable Barry Footer, vermutet, dass Clayton Selbstmord begangen hat. Der Küstenabschnitt am Beachy Head und den Seven Sisters zieht immer wieder suizidgefährdete Menschen an. Pat und ihr Nachbar und Freund Prichard Knowles glauben nicht an diese Theorie. Für sie ist Henry ermordet worden. Sie beginnen zu ermitteln. Dabei geraten unterschiedliche Personen, allen voran Henrys Freund Derek, in den Fokus ihrer Nachforschungen.

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Debra Curtis: Die Gesetze von Liebe und Logik

Die US-Amerikanerin Debra Curtis hat ihren ersten Roman geschrieben. Das Buch mit dem Titel „Die Gesetze von Liebe und Logik“ erschien am 7. Mai 2026 bei den Ullstein Buchverlagen. Der Roman wurde von Susanne Höbel aus dem Englischen übersetzt.

Debra Curtis’ Geschichte von Lilys großer Liebe

„Die Gesetze von Liebe und Logik“ von Debra Curtis, einer emeritierten Professorin für Anthropologie, ist ein Unterhaltungsroman, in dem es um Liebe, Verlust, Sehnsucht und Familie geht. In drei Teilen nimmt Debra Curtis ihre Lesenden mit in die Jahre 1967 bis 2007 und die Geschichte von Lily Webb. Lily und ihre Schwester Jane wachsen behütet auf. Ihr Vater Martin arbeitet als Lehrer in einem Klosterinternat für Jungen und Carol, die Mutter, bezeichnet sich als Feministin und Katholikin. Als die Geschwister dreizehn und elf Jahre alt sind, stirbt die Mutter an Brustkrebs.

Sehr kleinteilig (monatsweise) erzählt Curtis von Lilys erster Liebe in Portsmouth, Rhode Island, zu einem Mitschüler und Football-Spieler, den sie immer nur als „der Junge“ bezeichnet:
„Als der Junge mit seiner Mannschaft aufs Feld lief, hielt er den Blick geradeaus gerichtet. Es war ein frischer Vormittag im Herbst. Die Stadtbewohner waren gekommen, um ihm bei seinem letzten Match zuzusehen, selbst diejenigen, deren eigene Kinder längst die Highschool verlassen hatten. In warme Decken gehüllt und an den Maschendrahtzaun gelehnt wollten sie miterleben, wie in ihrer Heimatstadt ein Held gekürt wurde.“ (S. 62/63)

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Katrin de Vries: Die kleinste größte Welt

Katrin de Vries ist eine deutsche Schriftstellerin. Sie wurde 1959 in Ostfriesland geboren und lebt auch heute dort. 2024 erschien ihr Buch „Ein Garten offenbart sich“. Nun veröffentlichte dtv am 15. Mai 2026 ihren ersten Roman mit dem Titel „Die kleinste größte Welt“.

Deutschland 1959: Vom Leben und Arbeiten in einem ostfriesischen Dorf

Schauplatz der Geschichte ist ein kleines Dorf nahe der niederländischen Grenze in Ostfriesland: Die achtzehnjährige Lieske bringt ihr Kind 1959 zu Hause zur Welt. Die Hebamme Geeske Diddens und der Landarzt Dr. Wessels stehen ihr zur Seite. Das Mädchen Greta wird gesund geboren und wächst fortan meist unter der Obhut ihrer Großeltern auf. Ihre Eltern Lieske und Dieter müssen arbeiten. Sie in der Fabrik, er in der Malerfirma seines Vaters.
Die Hebamme Geeske ist seit ihrer Ausbildung Dorfhebamme und begleitet schon Jahrzehnte Frauen bei der Geburt. Inzwischen ist sie Witwe und kinderlos geblieben. Sie schreibt regelmäßig mit ihrer Freundin und Kollegin Käthe, die in der nahen Kleinstadt wohnt und arbeitet.

Das Wirtschaftswunder beginnt

Durch Geeskes Augen beschreibt Katrin de Vries das Leben in der Nachkriegszeit auf dem Dorf und die Veränderungen im Laufe der Zeit. Greta wächst behütet auf. Sie hat mit Großvater Klaas und Großmutter Janna liebevolle Großeltern. Das geht nicht allen Kindern so, weiß die Hebamme, die sich in den Dorfhaushalten auskennt.
Aber auch Geeske muss sich an die Veränderungen und den Fortschritt gewöhnen. Denn in den Krankenhäusern werden Geburtsstationen eingerichtet, die Frauen gehen zur Entbindung immer öfter dorthin. Supermärkte entstehen, die Leute fahren Auto und kaufen Fernsehgeräte, Kühlschränke und Waschmaschinen.

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Christoph Peters: Entzug

Der deutsche Schriftsteller Christoph Peters (Jahrgang 1966) studierte Malerei und veröffentlichte 1999 seinen ersten Roman „Stadt Land Fluß“. Heute lebt und arbeitet er in Berlin. Am 18. März 2026 erschien im Luchterhand Literaturverlag Christoph Peters’ neuestes Buch „Entzug“ mit einem von ihm gemalten Motiv auf dem Cover.

Mit Alkohol oder …

„Entzug“ von Christoph Peters ist ein autofiktionaler Roman. Der Protagonist ist Schriftsteller und trägt den Namen des Autors: Christoph Peters. Er ist der Ich-Erzähler der Geschichte. Und die hat es in sich. Sie besteht aus zwei Kapiteln. Das erste, kürzere mit dem Titel „Trinken“ ist für mich als Leserin das beeindruckendere. Das zweite Kapitel „Nicht trinken“ beschreibt den „qualifizierten“ Entzug der Hauptfigur in einem Berliner Krankenhaus.

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Ali Smith: Gliff

Die Schriftstellerin Ali Smith wurde 1962 in Schottland geboren. Aktuell lebt und arbeitet sie in Cambridge. Ihr Jahreszeitenquartett („Herbst“, „Winter“, „Frühling“ und „Sommer“), das in den Jahren 2019 bis 2021 erschienen ist, wurde sehr gut besprochen. 2023 veröffentlichte sie den Roman „Gefährten“. Nun ist am 16. April 2026 Ali Smiths neues Buch unter dem Titel „Gliff“ im Luchterhand Literaturverlag erschienen. Stefanie Jacobs übersetzte es aus dem Englischen.

Ali Smith erzählt von einer „schönen neuen Welt“

„Gliff“ von Ali Smith spielt in Großbritannien in naher Zukunft. Aber es ist nicht das Großbritannien, das wir von heute kennen. Großbritannien ist ein Überwachungsstaat geworden, wie er schon in Aldous Huxleys „Brave New World“ aus dem Jahre 1932 beschrieben wurde. Dazu finden sich auch in „Gliff“ Verweise. Smith erzählt in ihrer unnachahmlichen, unkonventionellen Weise und Sprache von den Geschwistern Briar und Rose, die von ihrer Mutter getrennt werden und ihr Haus verlassen müssen. Sie verstecken sich in einem leerstehenden Gebäude und entdecken eine Wiese mit Pferden. Rose freundet sich mit einem der Pferde, einem grauen Wallach, an. Sie nennt ihn „Gliff“. Dann schlüpfen sie bei Menschen unter, die in einer ehemaligen Schule leben. Es handelt sich um eine zusammengewürfelte Gruppe, die Widerstand gegen den Staat leistet und für andere Lebensbedingungen kämpft.

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Elizabeth Strout: Erzähl mir alles

Die US-amerikanische Schriftstellerin Elizabeth Strout (Jahrgang 1956) erhielt 2009 den Pulitzer Prize for Fiction für ihren Roman „Olive Kitteridge“. Am 18. März 2026 erschien ihr neuer Roman mit dem Titel „Erzähl mir alles“ im Luchterhand Literaturverlag. Sabine Roth übersetzte ihn ins Deutsche.

Crosby in Maine forever

Elizabeth Strout führt uns in „Erzähl mir alles“ wieder nach Maine in den fiktiven Ort Crosby. Die Schriftstellerin Lucy Barton ist mit ihrem Ex-Mann William hierher zurückgekehrt. Nun unternimmt sie lange Spaziergänge mit dem Anwalt Robert (Bob) Burgess, auf denen sie sich über „das Leben“ unterhalten. Außerdem besucht sie die inzwischen 90-jährige Olive Kitteridge im Seniorenheim, wobei sie sich gegenseitig Geschichten erzählen.

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Honor Jones: Schlaf

Die US-Amerikanerin Honor Jones arbeitet als Redakteurin und hat nun ihren Debütroman geschrieben. „Schlaf“ ist am 26. März 2026 bei Ullstein in einer Übersetzung von Claudia Voit erschienen.

„Schlaf“ von Honor Jones ist ein ärgerliches Buch

Ich werde mich kurz fassen:

Das Lesen der Geschichte über Margaret und ihre Familie hat mich verärgert zurückgelassen. Dabei hatte Jones sich ein wichtiges Thema vorgenommen: Kindheitstraumata, die ein Leben lang nachwirken.

Aber Honor Jones eiert um das Trauma des sexuellen Missbrauchs im Kindesalter durch Familienmitglieder herum. Margarets Bruder Neal schleicht sich in ihr Bett, wenn er meint, dass sie schläft. Margaret schweigt. Ihre Mutter Elizabeth nimmt ihren Sohn oder auch seine Freunde in Schutz und gibt Margaret immer das Gefühl, sie sei schuldig. Vater Hugh hält sich raus. Jahre später, Margaret ist geschiedene Mutter von zwei Töchtern, versucht sie, sich der Vergangenheit zu stellen.

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Lukas Rietzschel: Sanditz

Der deutsche Schriftsteller und Dramaturg Lukas Rietzschel (Jahrgang 1994) schreibt Romane und Theaterstücke. Am 12. März 2026 ist nach „Mit der Faust in die Welt schlagen“ aus dem Jahr 2018 und „Raumfahrer“ aus dem Jahr 2021  sein dritter Roman mit dem Titel „Sanditz“ bei dtv erschienen.

„Sanditz“ von Lukas Rietzschel damals und heute

Mit einem flatternden schwarzen Raben vor hellblauem Grund auf dem Cover kommt „Sanditz“ von Lukas Rietzschel in den Buchhandel. Die Raben spielen gleich zu Beginn des Buches eine Rolle. Im Prolog erzählt Rietzschel in Anlehnung an die Sage „Krabat“ von zehn Raben, die zu Menschen werden und die Statue Otto von Bismarcks auf dem Hügel über Sanditz umstürzen. Und Raben tauchen im weiteren Verlauf der Geschichte immer mal wieder an verschiedenen Stellen auf.

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Leïla Slimani: Trag das Feuer weiter

Leïla Slimani (Jahrgang 1981) ist eine marokkanisch-französische Schriftstellerin, die mehrere Bestseller geschrieben hat und für ihren Roman „Dann schlaf auch du“ aus dem Jahr 2017 (deutsche Erstausgabe) den Prix Goncourt erhalten hat. Zuletzt schrieb sie an einer Romantrilogie, deren ersten beiden Bände („Das Land der Anderen“, 2021 und „Schaut, wie wir tanzen“, 2022) hier besprochen wurden und die auf ihrer Familiengeschichte basiert.

Am 14. Januar 2026 erschien Band 3 und damit der Abschluss der Trilogie unter dem Titel „Trag das Feuer weiter“ im Luchterhand Literaturverlag in einer Übersetzung von Amelie Thoma.

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