Josephine Johnson wurde 1910 in Missouri geboren und verstarb 1990 in Ohio. Mit gerade 24 Jahren wurde ihr 1924 der Pulitzer-Preis für ihren Debütroman Die November-Schwestern verliehen.
Bereits Ende der sechziger Jahre, als Josephine Johnson „Ein Jahr in der Natur“ geschrieben hat, störte sie sich an Ausbeutung und Ungleichheit der Welt; sie empfand alles Leben wider die Natur. So betrachtete sie es als dringlich und notwendig, die Natur zu schützen und die Welt um sie herum zumindest schriftlich aufzuzeichnen und damit festzuhalten.
In „Ein Jahr in der Natur“ thematisiert Johnson ihr Leben in Ohio auf dem Grund einer einsamen, unbewirtschafteten Farm. Johnson bezeichnet ihr bewaldetes Stück Land mit den zwei Bächen und den kleinen Schluchten als ihr Lebenselixier. Ihr Ziel ist, dieses Stück Natur sich selbst zu überlassen, damit die Wildnis zurückkomme und sich ein Naturschutzgebiet entwickeln kann.
Wir lesen von Josephine Johnsons Naturbeobachtungen von Flora und Fauna, die sie mit den eigenen Emotionen und Gefühlen bis in die letzten Einzelheiten aufzeigt. Von Januar bis Dezember dokumentiert sie akribisch alle Vorgänge. Jedem Monat ist eine passende Zeichnung von Andrea Wan vorangestellt.
Täglich ist sie draußen. Dort, inmitten der Natur, verinnerlicht sie alles, was sie sieht, riecht und spürt. Selbst kleinste Details, wie winzige Insekten, beschreibt sie mit plastischer Genauigkeit. Überall rankt und raschelt es. Mit unendlicher Geduld spürt sie scheue Tiere auf. Ob es um Murmeltier, Opossum, Kreischeule, Glühwürmchen, Floh oder Pfau geht, um Schleimgras, Milchorangenbaum, Veilchen oder Goldrute – immer sind es vor allem die wunderschönen poetischen Ausführungen, die in den Bann ziehen. So liest man im Text unter anderem von einer Erde, die sie als „bitterschokoladenbraun“ (E-Book S. 13) benennt, von einem „salamandergrünen Bachwasser mit Silberblasen“ (E-Book S. 106) oder vom „papiernen Geknister der Libellenflügel“ (E-Book S. 106) und vieles mehr. Diese schönen Ausführungen sind der präzisen Übersetzung von Bettina Abarbanell zu verdanken.
Josephine Johnson zieht die Leser mitten hinein in den Reigen der Jahreszeiten.
Josephine W. Johnson: Ein Jahr in der Natur (1969).
Übersetzung aus dem Amerikanischen: Bettina Abarbanell.
Illustration: Andrea Wan.
Verlag Aufbau: Die andere Bibliothek, Band 488, Oktober 2025.
gebundene Ausgabe, 276 Seiten, 28,00 Euro.
Diese Rezension wurde verfasst von Annegret Glock.
