Eva Menasse: Alleinruhelage

Ein Wochenendhaus am See in Deutschlands Osten wird das neue Zuhause der Patchworkfamilie. Doch schon bald zeigt sich, dass die Idylle trügerisch ist: Das Haus erweist sich als nicht enden wollende Baustelle, im See macht sich zur besten Badesaison eine Blaualgenplage breit und die Bewohner der umliegenden Datschensiedlung sind mehr misstrauisch als nett.

Dann löst sich das Familienidyll in Luft auf. Längst ist nichts mehr wie es war, nichts ist übrig geblieben von der einstigen großen Liebe: „Nur Gift suppt in unsere Seelen“ (eBook S. 14). Viel zu lange schon ist das Haus bereits wieder unbewohnt. Jetzt erscheint es maroder denn je und im Garten hat sich ein wahrer Dschungel ausgebreitet. Trotz aller schöner Erinnerungen (das Leben als Familie mit den Kindern und schöne Stunden mit Freunden) ist nun der Zeitpunkt für einen Neuanfang gekommen.
Das Haus muss weg. Dann kann sich alles verändern. Doch der desolate Zustand verhindert einen schnellen Verkauf. Irgendwie muss dennoch so schnell wie möglich alles auf Vordermann gebracht werden.

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Karosh Taha: Gulistan

Gulistan“ ist der Name einer Frau, die als Kurdin unter Saddam Husseins diktatorischem Regime im Irak lebt und dort ein Schattendasein fristet. Ihr Mann Çiya arbeitet als Schneider. Als er plötzlich verschwindet, beginnt mit Gulistans verzweifelter Suche nach ihm die Beschreibung von unermesslichem Leid. Als sie Çiya endlich bei einer Versammlung wiederbegegnet, trägt er die Uniform von Saddam Hussein als dessen Doppelgänger. Gulistan wird verhaftet und ihr Martyrium, bei dem sie fast den Verstand verliert, beginnt. Selbst ihre Schwangerschaft hält sie für eine Farce. Durch die Geburt ihres Kindes wachsen dann ein unerschütterlicher Wille und neue Kraft in ihr.

Gulistans schwer nachvollziehbare Ausdrucksform, in der sie immer wieder in die dritte Person oder erste Person Plural fällt, klingt wie fremdgesteuert. Die Autorin hat diese Sprachweise gezielt eingesetzt. Sie soll die Entfremdung der Figuren in sich spürbar machen und auf diese Weise vermitteln, dass diese Sprache aus einer anderen Zeit, von einem anderen Ort kommt. Wie Karosh Taha in einem Interview darlegt, ist dies ein Versuch, das Deutsche im Kurdischen und das Kurdische im Deutschen zu finden. Beide Sprachen sollen sich im lyrischen Ton der Erzählung treffen. 

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Frieda Hughes: George und ich

Frieda Hughes ist Jahrgang 1960 und die Tochter des einstigen Literatenpaars Sylvia Plath und Ted Hughes. Doch sie hat sich längst selbst als Künstlerin einen Namen gemacht. Regelmäßig werden ihre Bilder in London ausgestellt. Außerdem war sie Lyrikkolumnistin für die Times und hat mehrere Kinderbücher, Lyrikbände und Zeitungsartikel verfasst.

Nach dem frühen Tod ihrer Mutter waren Frieda Hughes und ihr jüngerer Bruder ständig mit dem Vater unterwegs. Nie verweilten sie längere Zeit an einem Ort, und Frieda sehnte sich immer nach einer richtigen Heimat. Diesen Wunsch hat sie sich viele Jahre später mit einem Grundstück samt einem alten, renovierungsbedürftigen Haus in Wales erfüllt. Hier konnte sie ihrer Leidenschaft frönen, einen Garten nach ihren Vorstellungen anzulegen. Endlich war sie in ihrem eigenen Zuhause angekommen. Hier konnte sie malen, schreiben und gärtnern. Damals ahnte sie nicht, wie viel Kraft, Zeit und Geld sie in das marode Haus samt Grund investieren sollte. Ihr diagnostizierter chronischer Erschöpfungszustand machte alles noch komplizierter.

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Elena Fischer: Wirf einen Schatten

Einsamkeit und Stille haben sich im Haus und in Josephs Innerem ausgebreitet. „Seine Frau und sein Sohn hatten alle Geräusche mitgenommen.“ (eBook S. 10).

Die Geschichte spielt Ende der Fünfziger bis Anfang der Sechziger Jahre, einer Zeit, die  von einem anderen Takt und anderen Werten bestimmt war.

Nachdem seine Frau ihn mit dem gemeinsamen kleinen Sohn verlassen hat, sieht Joseph keinen Sinn mehr im Leben. 

Bislang ist Josephs Tagesablauf davon geprägt, sich um den Hof und die Tiere zu kümmern. Das war schon bei den Eltern so. Platz für andere Gedanken bleibt keiner. Über Belastendes zu reden hat er nie gelernt. So hat er sich auch nie mit den Geschehnissen aus der Vergangenheit auseinandergesetzt. Immer noch bedrückt ihn ein tragisches Unglück aus seiner Kindheit. Gerade rechtzeitig steht die junge Birdie mit all ihren Problemen vor seiner Tür. Er nimmt Birdie auf und versucht ihr zu helfen. Auch zu Ada, der Schwester seiner Frau, findet Joseph wieder Zugang. Es wird ein langer Prozess für Joseph, sich mit allem Geschehen auseinanderzusetzen und neue Gedanken zu fassen.

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Heinz Strunk: Memories of Heidelberg

Heinz Strunk versteht es in seinen Büchern scheinbar ganz locker, Tragik in Komik zu verwandeln. Seine Erzählweise ist oft deftig, manchmal heftig, seine Milieu- und Charakterstudien lesen sich treffsicher und stimmig. Genau das erwarten seine Leser und werden so gut wie nie enttäuscht.

Bereits Heinz Strunks erster Roman „Fleisch ist mein Gemüse“ aus dem Jahr 2004 wurde ein Erfolg. Seither hat er 16 weitere Bücher veröffentlicht.

Im Leselust-Portal sind folgende Rezensionen seiner Bücher zu finden: Kein Geld Kein Glück Kein Sprit (2025), Zauberberg 2 (2024), Ein Sommer in Niendorf (2022), Es ist immer so schön mit dir (2021), Jürgen (2017), Der Goldene Handschuh (2016).

Nun aber zu Strunks aktuellem Buch „Memories of Heidelberg“, in dem ein Ehepaar anstatt einer entspannten Woche in der Neckarstadt ein bitteres Desaster durchlebt.

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Naja Marie Aidt: Aus dem Dunkel

Die dänische Schriftstellerin und Dichterin Naja Marie Aidt zählt zu den wichtigsten Stimmen in der skandinavischen Literatur.

In ihrem 2021 erschienenen Roman Carls Buch verarbeitet sie sehr bewegend den tragischen Tod ihres Sohnes.

Auch „Aus dem Dunkel“ ist ein aufwühlendes Buch voller Tragik. Wir lesen darin von Gewalt und Übergriffen, aber auch von Freundschaft und Zusammenhalt.

Die Kindheit der Protagonistin im Haus der Eltern mit zwei Schwestern ist unschön und problembehaftet durch ihren unberechenbaren, gewalttätigen Vater. Die Mädchen leben in ständiger Angst. Später wird die Protagonistin in ihrer Jugend Opfer einer Vergewaltigung und eine ihrer Schwestern kommt nach Drogenkonsum ums Leben. Viele Jahre später, ihre drei Söhne sind bereits erwachsen und selbständig, wird sie Zeugin einer Gewalttat auf offener Straße. Sie eilt dem Opfer zu Hilfe und während diese junge Frau den Angriff nicht überlebt, wird sie selbst vom Täter mit dem Messer verletzt.

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Elena Ferrante: An den Rändern

An den Rändern“ wird vor allem für Fans von Elena Ferrantes Büchern interessant sein. In diesem Essay gewährt sie ausgesprochen persönliche Einblicke in ihre Schriftstellerei. Mit den vier Bänden ihrer „Neapolitanischen Saga“ erreichte die italienische Schriftstellerin, die unter Pseudonym veröffentlicht, Weltruhm.

In unserem Leselustportal sind von Elena Ferrante folgende Rezensionen zu finden:

Frau im Dunkeln, Tage des Verlassenwerdens, Zufällige Erfindungen, Frantumaglia: Mein geschriebenes Leben sowie die vier Bände aus der Neapolitanischen Saga: Die Geschichte des verlorenen Kindes, Die Geschichte der getrennten Wege, Die Geschichte eines neuen Namens, Meine geniale Freundin

Hier nun sind Elena Ferrantes Vorträge, die sie an der Universität Bologna über ihr Schreiben hielt, nachzulesen.

Wir erfahren, wie Elena Ferrante schon als junges Mädchen zum Lesen fand und wie sich ihr Schreiben entwickelte, das sie als regelrechte Sucht bezeichnet. Weiter lesen wir davon, wie sie ihre bislang erschienenen Romane konzipierte. Hierzu gibt die Autorin Einblicke in die Überlegungen, welche sie anstellte, um die Charaktere und das Agieren ihrer Protagonistinnen zu erschaffen und weiter vom Entwickeln und Zusammenführen verschiedener Erzählstränge. Wer Ferrantes Bücher gelesen hat, wird also bald wieder auf ihre bekannten Figuren Lenú und Lila aus ihrer Neapolitanischen Saga und weitere Protagonistinnen wie Delia, Olga oder Leda stoßen.

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Max Küng: Supertoskana

„Supertoskana“ – bei solch einem Romantitel glaubt man fast schon zu wissen, was einen im Buch erwartet. Ja, und was so schön nach Urlaub klingt, ist tatsächlich auch eine prima Urlaubslektüre. Allerdings erleben die Figuren darin, drei Paare, ihre gemeinsame Auszeit in der Toskana alles andere als entspannend.

Es ist lange her, seit dem letzten Urlaub, den sie zusammen in Frankreich verbracht haben. Vieles hat sich seither verändert, zwischenmenschlich, altersmäßig, beruflich und überhaupt. Gemeinsamkeiten gibt es so gut wie keine mehr. Die Jahre haben ihre Spuren in allen Bereichen hinterlassen.

Die Hauptfiguren sind zum einen das zu Geld gekommene, künstlerisch veranlagte Gastgeberpaar, weiter ein gutmütiger, belesener Zahnarzt mit seiner neuen Flamme, deren Niveau so gar nicht zu den anderen passt, samt Baby, und letztlich sind noch Jean, der alle bekocht und seine Frau Jacqueline dabei.

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Daniela Dröscher: Sprechen

Daniela Dröscher dürfte den meisten Lesern durch ihren 2022 erschienenen Roman „Lügen über meine Mutter“ bekannt sein. In unserem Leselustportal ist die Rezension ihres 2025 erschienenen Romans „Junge Frau mit Katze“ zu finden.

Wie man vom Titel bereits ableiten kann, sind in ihrem Essayband „Sprechen“ die Sprache und das Sprechen ihr zentrales Thema. Hier beleuchtet Daniela Dröscher Sprache von der wissenschaftlichen Seite aus und Sprache im Allgemeinen. Dabei nimmt sie Stellung zu Dialekten, Hochdeutsch, Fachsprache, zur sozialen Herkunft oder zur Tonalität der Worte.

Wie die Autorin selbst anmerkt, legt sie den Fokus dabei auf die Sphäre des Zwischenmenschlichen.

Immer wieder lässt sie Beispiele mit Interna aus ihrer Kindheit, die sie auch schon in ihren Romanen thematisiert hat, einfließen. Aufgewachsen in einem kleinen Dorf im Hunsrück, war sie dort mit dem örtlichen Dialekt ebenso konfrontiert wie mit dem Hochdeutschen, das ihre Mutter zu sprechen pflegte. Geprägt von der Mutter, die sich auf ihre ganz eigene Art einst in die Dorfgemeinschaft einbrachte, versuchte auch Daniela Dröscher als Kind, sich präzise auszudrücken. Wir lesen unter anderem von Streitgesprächen in der Familie, vom Nichtverstandenwerden oder von falschen Interpretationen des Gesagten.

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Elke Cremer: Heimgehen: Ein Episodenroman in vierundzwanzig Stunden

Alles in diesem Buch spielt sich an einem Donnerstag ab. Die jeweiligen Kapitel sind mit der Uhrzeit des Geschehens überschrieben, denn mehrere Personen sind plötzlich einem einschneidenden Ereignis ausgesetzt. Dadurch werden alle Figuren und Abläufe miteinander verwoben.

Es ist ein Schuss aus dem Gewehr eines Amokläufers, der die Situationen der verschiedenen Protagonisten von jetzt auf nachher verändert. Jede/r von ihnen ist bereits mit einer zentralen Thematik behaftet. Zum einen ist da eine junge Frau, die kurz vor dem Knall noch halb in Angst, halb in Vorfreude vor einem Treffen mit ihrem Vater schwelgt. Weiter geht es mit einem jungen homosexuellen Paar, das eine Krise bewältigen muss, oder um drei Geschäftsmänner, die zusammensitzen, weil sie einen Grund zum Feiern haben. Ganz plötzlich wirft eine Gewalttat alles aus dem Lot. Für alle ist es ein tiefer Einschnitt.

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