Per Petterson: Nach Hause kommen

Per Petterson wurde 1952 in Oslo geboren und zählt zu den erfolgreichsten norwegischen Schriftstellern. Früher arbeitete er als Buchhändler und Übersetzer. Seine Bücher wurden vielfach prämiert.

Pettersons Literatur liest sich oft bedrückend, aber immer mit der nötigen Portion Verständnis der Leser für die Hauptakteure. Dieser Autor schafft es, mit einfachen Worten die meist komplizierten Seelenzustände seiner Protagonisten offenzulegen und bei seinen Lesern das entsprechende Einfühlungsvermögen dafür hervorzurufen. Seine männlichen Protagonisten stecken vornehmlich in einer Krisensituation oder katapultieren sich geradewegs in eine solche hinein.

Die Geschichte in „Nach Hause kommen“ spielt, wie auch in Per Pettersons vorangegangenen Büchern, in seiner Heimat Norwegen.

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Edgar Selge: Juras letzter Winter

Edgar Selge wird den meisten von uns als Charakterdarsteller am Theater, im Film und im TV bekannt sein. Nach seinem erfolgreichen, hochgelobten Debüt „Hast du uns endlich gefunden“ hat er nun, mit fünf Jahren Abstand, seinen zweiten Roman vorgelegt. Grundlage für dieses Buch ist ein Tagebuch des fünfzehnjährigen Jura Rjabinkin.

Dieses Tagebuch erwähnt der russische Schriftsteller Daniil Granin am 27. Januar 2014 im Deutschen Bundestag in seiner sehr bewegenden Rede anlässlich des siebzigsten Jahrestages der Beendigung der Blockade von Leningrad. Daniil Granin war zum damaligen Zeitpunkt fünfundneunzig Jahre alt. Jura begann das Tagebuch im Juni 1941, sein letzter Eintrag war ein halbes Jahr später, am 8. Januar 1942. Edgar Selge hat dieses Tagebuch seit Jahren immer wieder gelesen, es hat ihn nicht losgelassen. Er greift die historischen Fakten auf und beginnt einen imaginären Gesprächsaustausch mit Jura. Es gelingt dem Autor, die größtmögliche Nähe zu seinem Protagonisten aufzubauen. Edgar Selge hält Zwiesprache mit Jura, der vor seinem inneren Auge Gestalt annimmt, und kommuniziert mit ihm, als säße er ihm gegenüber. Nicht immer gelingt die Kontaktaufnahme zu Jura, manchmal bleibt er dem Erzähler fern. Je tiefer es Selge aber gelingt, in Juras Leben einzutauchen, desto lebendiger erscheint ihm dieser und desto mehr zieht er Vergleiche zu sich und seiner eigenen Jugend. So werden der Erzähler selbst wie auch Jura zur Romanfigur. Selge und Jura haben durchaus Gemeinsamkeiten. Sie kommunizieren über ihre Träume, über Literatur oder über ihre Mütter. Dadurch entsteht eine sehr enge Verbindung zwischen beiden Personen und Nähe zu den Lesern.

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Belle Burden: Fremde: Die Geschichte einer Ehe

„Eine fesselnde, herzergreifende Lektüre“, ist als Kommentar von Joyce Carol Oates auf dem Buchcover zu lesen. Das macht natürlich neugierig, zumal „Fremde“ zum monatelang gefeierten New-York-Times-Bestseller avancierte.

Joyce Carol Oates las, wie Belle Burden erläutert, regelmäßig eine Kolumne der New York Times über Beziehungen, in der auch Belle Burdens Text veröffentlicht wurde. Sie war begeistert von Belles Text und postete ihn auf Twitter. Nun muss noch erwähnt werden, dass die Autorin einer wohlhabenden, bekannten New Yorker Familie entstammt, was möglicherweise den Run auf die Geschichte ihrer gescheiterten Beziehung beförderte.

„Fremde“ ist Belle Burdens erster Roman, in dem sie rückblickend über ihre gescheiterte Ehe schreibt, was für die Autorin selbst sicher auch eine Form von Aufarbeitung war. Belle Burden gewährt ihren LeserInnen darin Einblicke in ihr gemeinsames Leben, mit James. Sie schreibt von ihrem Kennenlernen, weiter über ihre leidenschaftliche Beziehung und die schnell folgende Heirat, bis zum unerwarteten, bitteren Ende nach zwanzig Ehejahren. „Ich weiß nicht, warum er mich verlassen hat, und ich werde es wohl auch nie erfahren“, ist auf den letzten Seiten der Geschichte (E-Book S. 177) zu lesen. Verzweifelt reflektiert sie, dass auch ihre Großmutter und ihre Mutter von ihren Männern betrogen wurden. Alles wurde still erduldet.

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Christina Walker: Verteidigung eines Gartens

Zufluchtsort Schrebergartenkolonie

Hinter dem verheißungsvollen Namen „Neu-Amerika“ verbirgt sich nicht etwa eine gefragte Urlaubshochburg, sondern eine schlichte Schrebergartensiedlung. „Neu-Amerika“ wird aus der Not heraus zum neuen Wohnort von Marianne, Didi und dem Obmann Herrn Gregor. Alle drei haben nichts gemeinsam außer einem Bett in ihrer jeweiligen Hütte in der Gartenanlage am Stadtrand. Dort treffen ihre  unterschiedlichen Schicksale aufeinander.

Marianne avanciert zur typischen durchs-Netz-gefallenen Dauerbewohnerin der Schrebergartensiedlung. Obwohl die Bäckersgattin früher täglich hinter der Ladentheke stand und frische Backwaren verkaufte, steht sie plötzlich vor dem Nichts. Nach dem Desaster, das ihr verstorbener Mann ihr hinterlassen hat, kann sie sich keine noch so kleine Mietwohnung leisten. Doch sie kann sich anstrengen wie sie will, das Dilemma, in dem sie steckt, wird in Neu-Amerika nicht kleiner. Glücklicherweise erweist sich die junge Didi, die sich in die Behausung ihrer Oma eingenistet hat, mehr als einmal als unerwartete Retterin.

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Alex Schulman: Jetzt beginnt das Leben

In seinem Heimatland Schweden wird Alex Schulmans Roman „Jetzt beginnt das Leben“ als Bestseller Nr. 1 gehandelt.

Die Handlung entspringt einem nicht aufgearbeiteten Kindheitstrauma des Protagonisten Vidar. Der Autor arbeitet dabei mit einem raffinierten Kunstgriff, indem er autofiktionale mit fantastischen Elementen verwebt.

Vidar ist Lehrer. Als er einen Streit zwischen zwei Schülern schlichten will, eskaliert die Situation und Vidar wird vom Schuldienst suspendiert, weil Videoaufnahmen beweisen, dass er Gewalt gegenüber einem der Jungen ausgeübt hat. Auslöser für Vidars groben Übergriff war – so glaubt er später – eine Äußerung, die der Junge an ihn richtete. Jedoch kann er sich weder sein rabiates Einschreiten erklären, noch sich an die Worte des Jungen erinnern.

Durch die berufliche Krise beschäftigt sich Vidar mit seiner Kindheit, die er im Sommerhaus seiner Familie verbracht hat. Er muss unbedingt wissen, was damals dort passiert ist, denn das Gesagte aus dem Mund des Schülers hängt damit zusammen, weiß er.

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Alexandra Stahl: Tschikago

„Alles an diesem Buch ist wahr“ lautet der erste Satz dieses autofiktionalen Romans, und daran zweifelt man auf keiner Seite bis zum Schluss.

Wir lesen darin vom einfachen Leben der Großeltern Alexandra Stahls. Die Handlung spielt sich im ersten Teil in einem fränkischen Dorf am Main ab, im zweiten Teil in Berlin.

Die Autorin erinnert sich zurück an ihre Kindheit, in der ihre Großeltern elementarer Bestandteil ihres Lebens waren. Ihre Großeltern haben sie durch all die Jahre des Heranwachsens begleitet. Stets waren sie der verlässliche Fels in der Brandung.

Wir lesen von den Gepflogenheiten und jeweiligen Eigenarten dieser Großeltern und dem Zusammenleben im kleinen Dorf. Man sieht sie direkt vor sich, die katzenliebende Großmutter, die Puppen sammelt, und den Großvater, der seiner Enkeltochter die Hauptstädte der Welt beibringt (E-Book S. 53), oder wie er mit seiner schwarzen Schiebermütze auf dem Kopf in seinem mit Schaffell bezogenen Autositz langsam übers Land fährt.

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Natalie Labarre und Gosia Herba: Penicillin und andere unglaubliche Missgeschicke, von denen du (wahrscheinlich) noch nie gehört hast 

Dieses Buch steckt voller Missgeschicke und Überraschungen, denn Fehler gehören ebenso zum Leben wie Erfolge. Vor allem muss sich niemand über Missgeschicke ärgern oder schämen.

Hier erfahren kleine und große LeserInnen von vielen Fehlern, aus denen sogar geniale Erfindungen resultierten. Manche dieser Fehler, die einst gemacht wurden, können heute sogar Leben retten, wie das Medikament Penicillin, um das es unter anderem geht. Weiter lesen wir, wie durch Fehler in der Küche unter anderem Kartoffelchips entstanden oder wie der elfjährige Frank das Eis am Stiel erfand. Es geht aber auch um musikalische Missgeschicke, um Fehler in der Kunst, um wertvolle und teure Fehler. Wir erfahren von Ideen, die schiefgingen, wie dem ersten Flugversuch. Weiter, wie aus einem missglückten Experiment das erste Streichholz entstand, oder wie der Klettverschluss und wie Klebezettel erfunden wurden. Die Liste der unglaublichen Erfindungen ist lang. Die Erläuterungen dazu lassen staunen und lesen sich humorvoll.

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Eva Menasse: Alleinruhelage

Ein Wochenendhaus am See in Deutschlands Osten wird das neue Zuhause der Patchworkfamilie. Doch schon bald zeigt sich, dass die Idylle trügerisch ist: Das Haus erweist sich als nicht enden wollende Baustelle, im See macht sich zur besten Badesaison eine Blaualgenplage breit und die Bewohner der umliegenden Datschensiedlung sind mehr misstrauisch als nett.

Dann löst sich das Familienidyll in Luft auf. Längst ist nichts mehr wie es war, nichts ist übrig geblieben von der einstigen großen Liebe: „Nur Gift suppt in unsere Seelen“ (eBook S. 14). Viel zu lange schon ist das Haus bereits wieder unbewohnt. Jetzt erscheint es maroder denn je und im Garten hat sich ein wahrer Dschungel ausgebreitet. Trotz aller schöner Erinnerungen (das Leben als Familie mit den Kindern und schöne Stunden mit Freunden) ist nun der Zeitpunkt für einen Neuanfang gekommen.
Das Haus muss weg. Dann kann sich alles verändern. Doch der desolate Zustand verhindert einen schnellen Verkauf. Irgendwie muss dennoch so schnell wie möglich alles auf Vordermann gebracht werden.

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Karosh Taha: Gulistan

„Gulistan“ ist der Name einer Frau, die als Kurdin unter Saddam Husseins diktatorischem Regime im Irak lebt und dort ein Schattendasein fristet. Ihr Mann Çiya arbeitet als Schneider. Als er plötzlich verschwindet, beginnt mit Gulistans verzweifelter Suche nach ihm die Beschreibung von unermesslichem Leid. Als sie Çiya endlich bei einer Versammlung wiederbegegnet, trägt er die Uniform von Saddam Hussein als dessen Doppelgänger. Gulistan wird verhaftet und ihr Martyrium, bei dem sie fast den Verstand verliert, beginnt. Selbst ihre Schwangerschaft hält sie für eine Farce. Durch die Geburt ihres Kindes wachsen dann ein unerschütterlicher Wille und neue Kraft in ihr.

Gulistans schwer nachvollziehbare Ausdrucksform, in der sie immer wieder in die dritte Person oder erste Person Plural fällt, klingt wie fremdgesteuert. Die Autorin hat diese Sprachweise gezielt eingesetzt. Sie soll die Entfremdung der Figuren in sich spürbar machen und auf diese Weise vermitteln, dass diese Sprache aus einer anderen Zeit, von einem anderen Ort kommt. Wie Karosh Taha in einem Interview darlegt, ist dies ein Versuch, das Deutsche im Kurdischen und das Kurdische im Deutschen zu finden. Beide Sprachen sollen sich im lyrischen Ton der Erzählung treffen. 

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Frieda Hughes: George und ich

Frieda Hughes ist Jahrgang 1960 und die Tochter des einstigen Literatenpaars Sylvia Plath und Ted Hughes. Doch sie hat sich längst selbst als Künstlerin einen Namen gemacht. Regelmäßig werden ihre Bilder in London ausgestellt. Außerdem war sie Lyrikkolumnistin für die Times und hat mehrere Kinderbücher, Lyrikbände und Zeitungsartikel verfasst.

Nach dem frühen Tod ihrer Mutter waren Frieda Hughes und ihr jüngerer Bruder ständig mit dem Vater unterwegs. Nie verweilten sie längere Zeit an einem Ort, und Frieda sehnte sich immer nach einer richtigen Heimat. Diesen Wunsch hat sie sich viele Jahre später mit einem Grundstück samt einem alten, renovierungsbedürftigen Haus in Wales erfüllt. Hier konnte sie ihrer Leidenschaft frönen, einen Garten nach ihren Vorstellungen anzulegen. Endlich war sie in ihrem eigenen Zuhause angekommen. Hier konnte sie malen, schreiben und gärtnern. Damals ahnte sie nicht, wie viel Kraft, Zeit und Geld sie in das marode Haus samt Grund investieren sollte. Ihr diagnostizierter chronischer Erschöpfungszustand machte alles noch komplizierter.

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