Daniel Speck verknüpft in „Villa Rivolta“ das Schicksal einer Familie mit den politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen im Italien der Nachkriegszeit.
Herausgekommen ist ein opulenter Familienroman über Liebe und Loyalität – spannend, gefühlvoll, gelegentlich etwas zu üppig.
Im Mittelpunkt stehen Piero Rivolta, Sohn eines wohlhabenden Mailänder Auto-Unternehmers, und Valeria, die Tochter des Hausmädchens in derselben Villa. Als Kinder sind sie eng befreundet, doch ihre Wege trennen sich. Piero wird früh zum Erben des Familienunternehmens gedrängt, Valeria verliebt sich in den politisch engagierten Arbeitersohn Flavio. Klassenunterschiede, politische Fronten und alte Loyalitäten geraten unweigerlich aneinander.
Speck spannt den Bogen vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis in die aufgewühlten 60er-Jahre. Wirtschaftswunder, „Dolce Vita“, Studentenproteste und soziale Spannungen bilden die Kulisse. Das ist sorgfältig recherchiert und atmosphärisch dicht erzählt – man spürt den Glanz, aber auch die Risse dieser Zeit.
Die Figuren sind klar gezeichnet: Piero steht für die privilegierte Unternehmerwelt, Valeria für den Wunsch nach Selbstbestimmung, Flavio für sozialen Aufbruch und politische Radikalisierung. Das ist nachvollziehbar und emotional, manchmal aber auch etwas schematisch. Erzählt wird aus der Rückschau, was gut funktioniert, zugleich jedoch Specks Hang zum großen Gefühl zeigt: Kindheitsversprechen, Familiengeheimnisse und verbotene Liebe treiben die Handlung voran, wirken stellenweise jedoch überfrachtet und vorhersehbar.
Trotzdem liest sich „Villa Rivolta“ flüssig und bleibt über weite Strecken spannend. Wer Specks „Bella Germania“ mochte, wird auch hier auf seine Kosten kommen. Literarische Experimente bietet der Roman nicht, dafür solides, wirkungsvolles Erzählen.
Daniel Speck: Villa Rivolta
S. Fischer, Februar 2026
603 Seiten, gebundene Ausgabe, 25 Euro
Diese Rezension wurde verfasst von Andreas Schröter.
