Clara Blais: Liars All Around Me

An einem Tag fragt Avery, die Klassenbeste aus gutem Hause, Ryle, den Versager der Schule, nach einer Waffe – am nächsten wird ihre größte Konkurrentin tot aufgefunden. Erschossen. Für Ryle ist klar, dass Avery ihre Finger im Spiel hatte. Für Avery ist klar, dass sie Ryle vom Gegenteil überzeugen muss. Denn auch wenn sie das andere Mädchen nicht ermordet hat, darf die Polizei auf keinen Fall einen näheren Blick auf ihr Leben werfen. Die Geheimnisse, die sie hütet, könnten dieses für immer zerstören.

Also versucht Avery – mit der überraschenden Hilfe Ryles – den Mord aufzuklären und ihre eigene Unschuld zu beweisen. Doch das ist gar nicht so einfach in einer Stadt voller Superreicher, die die Polizei nach Lust und Laune lenken und sich ungeprüft Alibis ausdenken können …

Die Lektüre von „Liars All Around Me“ ist eine echte Achterbahnfahrt. Das Buch läuft langsam an, hat dann eine Durststrecke, nimmt auf den letzten 60 Seiten nochmal an Fahrt auf, lässt einen mitfiebern, sich die Haare raufen, kommt mit einer kurzen Enttäuschung um die Ecke, lässt einen auf den letzten drei Seiten die Kinnlade runterklappen und überrascht aufschreien – nur um einen dann am Ende recht verwirrt zurückzulassen. Ja. Keine Ahnung, wie ich dieses Buch bewerten soll. Es läuft eben sehr langsam an, wird aber am Ende enorm spannend. Die unerwartete Wendung ist ganz großartig gelungen (der ursprünglich eröffnete Mörder war schon ein wenig enttäuscht, weil einigermaßen vorhersehbar), aber eben mehr in der Theorie, weniger in der Ausführung. Der große Knall im letzten Satz, so genial er sein mag, bringt leider mit sich, dass der Geschichte keine Zeit mehr bleibt, irgendetwas zu erklären.

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Rebecca Martin: Die kleine Zitronenfarm am Gardasee

Nach dem Tod ihrer Nonna muss Isabella sich allein um die kleine Villa am Gardasee samt Zitronenplantage kümmern, doch das Erbe steckt bereits seit Jahren in Schulden. Ausgerechnet ihre erste große Liebe Raffaele de Luca setzt alles daran, das Anwesen zu kaufen – als sei sein Anblick nicht schon schwer genug, ohne dass er droht, Isabella ihr geliebtes Zuhause wegzunehmen. Gemeinsam mit ihren beiden besten Freundinnen aus der Schulzeit sucht sie fieberhaft nach einer Lösung.

Titel wie „Die kleine Zitronenfarm am Gardasee“ sind für gewöhnlich nicht das Genre, zu dem ich bevorzugt greife; da die Protagonistin und ich uns jedoch den gleichen Namen teilen, wollte ich dem Abenteuer Wohlfühlroman zumindest eine Chance geben. Es muss ja nicht immer alles düster und tiefgründig sein, manchmal braucht die Fantasie eben einen kurzen Urlaub in Italien.

Leider ist dieses Buch jedoch mehr als enttäuschend. Über fehlende Charakterentwicklung (oder fehlenden Charakter) bei den Figuren bin ich bereit hinwegzublicken; auch die Abwesenheit eines logisch-dramatischen Plots gehört vielleicht einfach zum Genre. Aber muss es so schlecht geschrieben sein? Dabei rede ich nicht einmal von der überragenden Empathie, die die Protagonistin sich zuschreibt, weil sie an den Tränen ihrer besten Freundin erkennt, dass etwas nicht in Ordnung ist. Oder darüber, dass Sätze oft dreifach erklärt werden, als werde hier von einem extrem dummen Leser ausgegangen. Meine Frage ist viel simpler als das: Wie viel Plusquamperfekt verträgt ein Buch, das bei einem der größten deutschsprachigen Verlage durchs Lektorat gegangen ist?

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Elle Kennedy: The Deal: Off Campus 01

Obwohl sie seit der Vergewaltigung Schwierigkeiten hat, sich auf Männer einzulassen, ist Hannah in Justin verliebt. Weniger in Garrett Graham, den sturen und selbstverliebten Captain des Eishockey-Teams. Doch im Gegensatz zu Justin redet dieser wenigstens mit ihr – und sei es nur mit der Mission, seine Note im gemeinsamen Kurs zu verbessern. Widerwillig lenkt Hannah ein, Garrett Nachhilfe zu geben – dafür soll er ihren sozialen Status polieren und dafür sorgen, dass Justin sie bemerkt. Eine klassische Fake-Dating-Geschichte – was soll da schon schiefgehen?

Passend zum Start der Verfilmung auf Amazon Prime bringt der Piper-Verlag die Reihe von 2015 in einer schicken Schmuckausgabe auf den Markt. Dabei haben es alle vier Bände gleichzeitig auf die Spiegel-Bestseller-Liste geschafft; ein ziemlich beeindruckendes Aushängeschild. Nachdem der zweite Band, mit dem ich die Lektüre begonnen habe, leider kein bisschen überzeugen konnte, hatte ich Angst, mich mit allen vier bereits euphorisch bestellten Teilen zu Tode zu quälen. Zum Glück zeigt sich in „The Deal“, was Elle Kennedy erfolgreich gemacht hat: Eine süße Liebesgeschichte, die am Rand tiefe, verstörende Probleme aufarbeitet. So gut wie die Spinn-Off-Reihe Briar U hat es mir nicht gefallen, aber es ist ein Anfang, das Vertrauen in die Autorin wieder aufzubauen, das durch „ The Mistake“ reichlich zerstört wurde.

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Sara Hashem: The Jasad Crown

Herauszufinden, dass die Frau, in die er sich verliebt hat, in Wahrheit Essiya, die Königin von Jasad und seine Erzfeindin ist, hat Arin beinahe zerstört. Doch damit nicht genug, denn die Welt, wie er sie kennt, droht durch Geheimnisse und Verschwörungen aus den Fugen zu geraten. Während er versucht, die Wahrheit hinter allem herauszufinden, muss Essiya ihr Volk – und insbesondere sich selbst – davon überzeugen, dass sie es wert ist, sie in ihre Heimat zurückzuführen. Und all das, während ihre Magie immer stärker wird, zu stark, um von ihrem menschlichen Körper kontrolliert zu werden. Arin ist der einzige, der sie vor dem Magiewahnsinn bewahren kann, aber als Thronfolger des verfeindeten Königreiches ist es seine Aufgabe, sie zu jagen und zu vernichten.

Nach „The Jasad Heir“ folgt mit dem zweiten Band nun das Finale dieser atemberaubenden Erzählung von Sara Hashem. Die unglaublichen Sprachfertigkeiten der Autorin zeigen sich hier wieder, vielleicht sogar verstärkt. Jeder einzelne Satz in diesem Buch ist Poesie. Hashem hat nicht einfach nur ein gutes Buch geschrieben: Mit Jasad gibt sie uns das beste Fantasy-Epos unserer Zeit. Die romantischste, emotionalste und herzzerreißendste Liebesgeschichte. Die schmerzvollste und feinfühligste Selbstfindungsgeschichte – und das gleich zweimal.

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Alexandria Bellefleur: Written in the Stars

Elle ist Astrologin, glaubt an Seelenverwandtschaft und sucht nach der großen Liebe – stattdessen trifft sie auf Darcy, diese arbeitet in der Versicherungsstatistik, glaubt ganz sicher nicht an höhere kosmische Zusammenhänge und will eigentlich gar nicht auf diesem Date mit Elle sein, zu dem ihr Bruder sie gezwungen hat. Es kommt, wie es kommen muss, wenn zwei Welten aufeinanderprallen: Das Date ist ein Desaster. Elle verschüttet den teuren Wein über Darcys Lieblingskleid und hört sie kurz darauf verletzende Sachen über sie am Telefon sagen. Also eindeutig nicht die große Liebe.

Um Ruhe vor ihren Familien zu haben, treffen die beiden dennoch die vielleicht nicht ganz durchdachte Entscheidung, eine Beziehung vorzutäuschen – und merken schnell, dass Gefühle sich nicht planen lassen.

Die Fake-Dating Geschichte ist vielleicht irgendwann auserzählt, Alexandria Bellefleur nutzt die Grundlage aber mit derart viel Witz und Gefühl, dass man beim Lesen direkt vergisst, dass es so etwas Ähnliches schon einmal gab. Dadurch, dass sie das Konzept außerdem in einen queeren Kontext einbaut, wird das Buch unbedingt lesenswert! Die Charaktere sind liebenswert, tiefgängig ausgearbeitet und bereiten einfach viel Freude.

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Daniela Drescher: Aquamarinchen

Aquamarinchen, das ist eine Meerjungfrau, die gemeinsam mit ihrem Freund, dem Seehund Homer, unter und über Wasser in zauberhafte Welten entführt. Seepferdchen, ein Oktopus, eine  Schildkröte und ein Wal kreuzen ihre Wege, am Ende ist es bei funkelndem Sternenglanz, der sich auf den Wellen des Meeres bricht, Zeit, schlafen zu gehen.

Empfohlen ab 2 Jahren ist es eine wunderschön gestaltete Gutenachtgeschichte; die für Dreschers Stil minimalistisch und dennoch lebhaft gehaltenen Bilder lassen sich aber auch alleine durchblättern, die dickeren Pappseiten ideal für neugierige Kinderhände. Es ist genau richtig viel los, um für einen Bilderbuchanfänger nicht überfordernd und gleichzeitig detailreich und spannend zu sein.

Die Illustrationen sind ruhig, liebevoll und wie immer bei Drescher ein wenig magisch. Die beruhigenden Blautöne haben sich selbst auf mich als Erwachsene positiv ausgewirkt (sicher auch aufgrund der kühlenden Farben in der aktuellen Hitzewelle); als Kind hätte ich, dessen Lieblingstiere unangefochten bis heute Seehunde sind, das Buch geliebt!

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Cecilia Davidsson, Alex Haridi, Maya Jönsson: Die Mumins und der verbotene Park

Es ist Mittsommernacht. Ganz nach skandinavischem Brauch sind Mumin, der Schnupferich und die Kleine Mü unterwegs, um neun Blumen zu sammeln, denn legt man diese in dieser Nacht unter das Kopfkissen, werden die Träume wahr. Doch was ist das? Plötzlich stehen sie vor dem Eingang zu einem Park. „Betreten verboten“ steht da, und das ist bei Weitem nicht alles, was in dem seltsamen Park verboten ist, wie sie bald herausfinden müssen: Man darf nicht im Sand buddeln, nicht laut lachen, den Rasen nicht betreten und keine Pfeife rauchen.

Die drei sind davon wenig angetan und fassen einen Entschluss: Weg mit den Verboten!

Die Mumins von Tove Jansson sind eine Institution; dieses Bilderbuch, das sich an einer Erzählung der Autorin orientiert, versucht, die Magie der herzerwärmenden Troll-Geschichten wieder aufleben zu lassen. Die Illustrationen sind großartig, stark in der Ausdruckskraft, lustig und detailliert; Maya Jönsson bleibt bewundernswert authentisch an den Originalzeichnungen und erschafft trotzdem etwas ganz Eigenes. Davidsson und Haridi hingegen meistern den schriftstellerischen Part des Bilderbuches nicht ganz so souverän.

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Elle Kennedy: The Mistake: Off-Campus 02

Übung macht den Meister und Elle Kennedy hat in ihrer schriftstellerischen Laufbahn eine Menge gelernt, wie dieser wiederaufgelegte Roman von 2015 zeigt.

Spätestens seit der Off Campus Serie auf Amazon Prime ist die Reihe in aller Munde; die schicke Sonderausgabe vom Piper Verlag scheinbar so beliebt, dass ich die Lektüre mit dem zweiten Band anfangen musste, weil der erste noch im Nachdruck war. Die Spin-Off Reihe „Briar U“ habe ich vor einer Weile gelesen und war so begeistert davon, dass der erste Band 2024 im Silvester-Special unter meinen Jahreshighlights aufgeführt ist. Ich hab ihn sogar zweimal zu Geburtstagen verschenkt. Entsprechend begeistert und erwartungsvoll war ich, dieses Buch zu lesen, das sich als pastellfarbene Enttäuschung herausgestellt hat. Die silber-metallic Prägung kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Leser gerade 22 Euro für nichts ausgegeben hat.

Eigentlich beginne ich meine Rezensionen gerne mit einer neutralen Inhaltsangabe, damit jeder Leser sich selbst ein Bild machen kann, bevor er meine eingefärbte Meinung zu hören bekommt. Aber was soll ich machen, wenn in dem Buch einfach nichts passiert? Ich könnte an dieser Stelle natürlich den Klappentext einfügen, der nach einer ganz tollen Geschichte klingt, aber nicht wirklich etwas mit dem Buch zu tun hat.

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Shalini Abeysekara: This Monster of Mine

Mit 14 Jahren wagt sich Sarai in die Hauptstadt des Landes, um ihrem Elend und ihrer Armut in der Heimat zu entkommen – doch ihr Triumph währt kurz, statt ihre Träume zu verwirklichen, stirbt sie beinahe bei einem Attentat. Bei einem Sturz vom höchsten Turm der magischen Akademie verliert sie so gut wie jede Erinnerung an diesen Tag; alles, was ihr bleibt, ist der Wunsch nach Rache.

Nun, Jahre später, kehrt sie zurück nach Edessa, mit dem festen Vorhaben, ihren Attentäter zu stellen. Ihre einzige Möglichkeit dazu ist die Stelle als Petitorin einer der vier Herrscher des Landes; eine Position, in der sie auf magische Weise zwischen Lüge und Wahrheit unterscheidet. Doch die letzten Petitoren sind alle auf mysteriöse Weise verstorben und ausgerechnet Kadra, der Herrscher, dem Sarai zugeordnet wird, steht im Verdacht, etwas damit zu tun zu haben. Außerdem ruft Kadras Stimme lange verschollene Erinnerungen an jene Nacht in Sarai wach …

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Alexandria Bellefleur: Count Your Lucky Stars

Es ist elf Jahre her, seit Margot und Olivia zuletzt miteinander gesprochen haben. Ihre Freundschaft von damals wurde durch ihre Affäre unterbrochen – und durch die Tatsache, dass Olivia Margot für ihren Exfreund verlassen hat. Frisch geschieden läuft Olivia also durch Zufall ihrer ersten Liebe über den Weg; äußere Umstände leiten in die Wege, dass sie kurz darauf sogar bei Margot einzieht. Beide sind sich sicher: Zwischen ihnen sind keine Gefühle mehr, alles ist viel zu lange her, was soll also schon passieren? Doch manchmal verschwinden Gefühle eben nicht einfach so und Dinge, die nie geklärt wurden, haben auch Jahre später noch das Potenzial, alles auf den Kopf zu werfen …

„Count Your Lucky Stars“ ist eine schöne, leichte Liebesgeschichte – und es ist so wichtig, queere Geschichten zu normalisieren; Geschichten, die nicht tragisch enden, die einfach nur süß und witzig und sexy sind, ohne einen explizit politischen Zweck zu erfüllen. Dass ein großer Verlag wie Piper so ein Buch veröffentlicht, begeistert natürlich. Auch wenn das queere Angebot in den Buchhandlungen steigt, fokussieren sich leichte Romanzen größtenteils auf Beziehungen zwischen zwei Männern, weil das etwas ist, was auch die Hetero-Leserin begeistert. Hier also mein Aufruf an eben diese jungen Frauen, genauso wie an alle queeren Leserinnen und Leser: Lest dieses Buch!

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