Donald Windham: Dog Star

Der Weg, ein Erwachsener zu werden, ist voller Erkenntnisse und neuer Erfahrungen. Bei dem jungen Mann Blackie zu Zeiten der Prohibition in Atlanta sind die Weichen seiner Biografie in weiten Teilen vorbestimmt. Der Vater weit weg, die Mutter Alkoholikerin, Armut, der jüngere Bruder lebt bei zwei alten Damen, die älteste Schwester ist alleinerziehende Mutter und ausgezogen. Unter diesen Rahmenbedingungen möchte Blackie viel früher, als es für sein Alter gut ist, das familiäre Nest verlassen. Zeitweise lebt er auf einer County Farm School für schwer erziehbare Jugendliche. Dort arbeitet Blackie zusammen mit anderen Jungen und muss sich seinen Platz in der Hackordnung erkämpfen.

Hätte er den Einzelgänger Whitey nicht kennengelernt, wäre das Überleben auf dieser Farm deutlich schwerer geworden. Aber mit dem älteren Freund an seiner Seite ist er stark. Blackie lernt, menschliche Schwäche zu verachten. Und dann hat sich Whitey für den Freitod entschieden. Nun ist Blackie auf sich allein gestellt, und er macht das, was er schon früh gelernt hat: Er wird ein Nestflüchter.

Der amerikanische Autor Donald Windham hat ebenfalls früh seine Heimat verlassen. 1939 zog er von Atlanta nach New York, wo 1950 sein erster, viel beachteter Roman Dog Star veröffentlicht wurde. Weitere Romane folgten, die ebenfalls für viel Aufmerksamkeit gesorgt hatten. In seinem literarischen Umfeld freundete er sich unter anderem mit Truman Capote und Tennessee Williams an.

Der Held in seinem Debütroman ist mit seinen fünfzehn Jahren bereits ein eigenständiger junger Mann, dem das Leben eines Erwachsenen wie eine zweite Haut vertraut geworden ist. Leider gelingt es ihm nur, auf dem Bau eine Arbeit zu bekommen. Für die Arbeit in einer Autowerkstatt beispielsweise ist er noch zu jung. Eigentlich müsste Blackie noch zur Schule gehen und seinen Abschluss machen, aber hierfür ist er nicht mehr Kind genug. Er sucht nach etwas Bedeutsamem in seinem Leben, etwas, das ihn von den anderen abhebt. Ein gutes Aussehen und ein muskulöser Körper sind nicht genug für ein anderes, besseres Leben.

In seiner ganz eigenen, unverwechselbaren Sprache beschreibt Donald Windham Blackies Erfahrungen und Innenleben. Recht schnell wird deutlich, wie weit der junge Mann dem kindlichen Horizont entwachsen ist. Sein großspuriges, angeberisches Verhalten bei seinen früheren Freunden kommt nicht gut an. Und alles hat Folgen, wie bei jedem anderen jungen Menschen auf seinem steinigen Weg in die Welt der Erwachsenen.

Donald Windham: Dog Star
Lilienfeld, Oktober 2025
216 Seiten, Taschenbuch, 18,00€

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Bovenkerk-Müller.

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