Marga Berck: Ein Sommer in Lesmona

Es gibt Klassiker, die einen speziellen Blick in die Vergangenheit erlauben. Sie erzählen authentisch, wie der „Zeitgeist“ und gesellschaftliche Normen in die Biografie einer Person eingreifen. Dabei zeigen sie, wie Geschichten einerseits persönlich anrühren und andererseits einen besonderen Charakter erhalten.

In dem Briefroman von Marga Berck (1875-1970), einer hanseatischen Großkaufmannstochter, geht es um die 17-jährige Matti (Marga), die ihren Platz in der Gesellschaft finden muss. Sie steht in direkter Konkurrenz mit verschiedenen Freundinnen und Cousinen, die alle eine gute Partie suchen. Der standesgemäße zukünftige Ehemann muss im richtigen Alter sein und auch ihre Gefühle erwidern können.

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Grégory Cingal: Die Letzten auf der Liste

Nach einer wahren Begebenheit erzählt der Autor Grégory Cingal, wie Kriegsgefangene wenige Monate vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Konzentrationslager Buchenwald untergebracht werden. Sie erleben einen Bombenhagel, der die benachbarte Fabrik zerstört und damit die Produktion weiterer Waffen verhindert. Darüber hinaus erfahren sie, dass es eine medizinische Abteilung gibt, in der Lagerinsassen für Untersuchungen ihre Gesundheit und ihr Leben verlieren. Und was sie direkt erkennen müssen: Das Kriegsrecht ist eine ferne Option geworden.

Sie leben mit dem täglichen Schrecken, wenn über Lautsprecher Häftlingsnummern – darunter vielleicht auch ihre eigene – aufgerufen werden. Die Aufgerufenen wissen in diesen Momenten, dass sie auf der Liste stehen. Und Listen werden abgearbeitet. Systematisch, bis jeder den Status ‚vernichtet‘ hat.

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Annette Ramelsberger: Am Abgrund: Reportagen aus den Gerichtssälen dieser Republik

Wenn Systeme versagen, dann funktioniert gar nichts mehr. Vielleicht lassen sich Ersatzteile beschaffen, vielleicht findet sich ein Handwerker.

Die Kapitäne so mancher Industriegiganten bieten alternativ neue Systeme an. Das alte wird entsorgt, das neue System macht dort weiter, wo das alte aufgehört hat. Wäsche wird wieder sauber, Autolampen leuchten auf und vieles mehr, bis nach der Garantiezeit erneut etwas im System nicht mehr funktioniert.

Doch was macht man, wenn das System Gesellschaft nicht mehr funktioniert? Wenn das Rechtssystem systematisch vorgeführt wird, weil seine Vertreter das Gesetz achten und nach diesen Maßstäben Recht sprechen, während andere das gleiche Recht nicht nur missachten, sondern partout für sich selbst nicht relevant halten? Wenn bei den Angeklagten keinerlei Unrechtsbewusstsein festgestellt werden kann und diese sogar darauf beharren, es sei ihre Pflicht und ihr gutes Recht, andere zu ermorden?

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Karen Sander: Die Tiefe: Verblendet

Kaum hat man Verblendet, den zweiten Teil der Trilogie Die Tiefe, gelesen, will man unbedingt in dem dritten Teil weiterlesen: Tom und Mascha sehen sieben Todesfälle in ihrer Ermittlungsarbeit, die scheinbar zusammenhängen und gleichzeitig unterschiedliche Gewaltanwendung aufzeigen. Inzwischen wächst das Team mit neuen Kollegen an, um an verschiedenen Orten gleichzeitig zu ermitteln. Mascha vermutet, die Gemeinsamkeit könnte mit dem Ort Schwerin zusammenhängen, doch Indizien und Zeugenaussagen sorgen für immer mehr Durcheinander.

Dies wird besonders deutlich an der Vernehmung eines älteren Ehepaares, das zu später Stunde zufällig jemanden beim Betreten der Praxis der getöteten Gynäkologin beobachtet haben will. Die Aussagen könnten kaum unterschiedlicher sein: Mann oder Frau, mit Jacke oder in Sommerkleidung, die unklare Farbe und Marke des Fahrzeugs und Angaben über das Kennzeichen. Die beiden streiten sich immer mehr. Jeder von den beiden will es besser wissen und gesehen haben, bis sie sich in einem Punkt plötzlich einig sind: An der Heckscheibe gab es einen Aufkleber „Baby an Bord“.

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Gisa Klönne: Die Liebe, später

Kora von Stein erhält während einer persönlichen Lebenskrise einen Anruf von ihrem Freund Felix. Seine Frau Leonie ist spurlos verschwunden, klagt er. Kora sei doch als Journalistin der richtige Mensch für eine Spurensuche. Sie könne ihre Radiosendung nutzen, um seinen Verlust publik zu machen.

Kora fallen viele Gründe ein, Nein zu sagen. Da wäre das Trauma um ihre Herzoperation, der Aufhebungsvertrag und die damit einhergehende Frühverrentung. Hinzu kommen Konflikte in ihrer Ehe.

Auch ihr Ehemann Anselm befindet sich in einem Veränderungsprozess, der neue Ziele und Freiheiten am Ende seiner Arbeitsphase mit sich bringt. Kora ist sich nicht sicher, ob sie nach der vertrauten Wochenendbeziehung in eine neue, noch unvertraute Gemeinsamkeit wechseln können.

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Hans Rosenfeldt: Die Farm der Mädchen

Die Geschäftsmodelle in der Welt des Verbrechens sind bekanntlich vielfältig. Aus allem und jedem wird Geld gemacht. Wenn Hans Rosenfeldt, der schwedische Autor von Thrillern und Drehbüchern, seinem aktuellen Buch den Titel Skördebarn (übersetzt: Erntekinder) gibt, dürfte eines klar sein: Bei der „Farm der Mädchen“ geht es nicht um einen normalen Agrarbetrieb, der die Früchte seiner Felder verkauft.

Im Zentrum der Geschichte steht die Ware „Leibesfrucht“ – und alles steht und fällt mit dem erfolgreichen Gebären eines Kindes. Dieses Geschäft gerät ins Wanken, als zwei Hochschwangere aus einem einsam gelegenen Gutshof fliehen und im Wald verschwinden.

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Karen Sander: Die Tiefe: Versunken

Mit dem Ermittlungsduo Tom Engelhardt und Mascha Krieger geht die erfolgreiche Thrillerautorin Karen Sander in die dritte Runde für eine weitere Serie an der Ostsee, die den Titel Die Tiefe trägt. Der erste Teil der neuen Serie mit dem Untertitel Versunken beginnt wieder in dem fiktiven Ort Sellnitz. Räumlich und zeitlich nah werden Menschen ermordet. Die Suche nach Motiven und Verbindungen zwischen den unterschiedlichen Opfern beginnt. Und wieder treffen bekannte Charaktere aus den vorherigen Büchern aufeinander. Manche von ihnen sind untereinander verfeindet und intrigieren aus persönlichen Gründen. Tom, Mascha und ihre jeweiligen Ermittlungsteams stehen unter Zeitdruck und werden zum Spielball der Presse und vermutlich verschiedener Täter.

Für Mascha beginnen schwierige Zeiten. Dies liegt unter anderem an dem rachsüchtigen Stiefbruder Holger, ihrem neuen Ermittlungsleiter. Holger weiß offenbar, wer Maschas Mutter ist. Aber er schweigt und lügt in Absprache mit dem gemeinsamen Vater. Ohne den Grund zu wissen, entwickelt sich Maschas private Recherche nach ihrer unbekannten Mutter zu einem gefährlichen Unterfangen.

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Ulrich Holbein und Ralf Simon (Hrsg.): Weltall im Krähwinkel: Ein Jean-Paul-Lesebuch

Der fränkische Autor Jean Paul (1763–1825) wurde unter dem bürgerlichen Namen Johann Paul Friedrich Richter in Wunsiedel geboren. Seine Bewunderung für Jean-Jacques Rousseau veranlasste ihn, den Künstlernamen Jean Paul zu wählen. Aus literaturgeschichtlicher Perspektive sind seine umfassenden Werke zwischen den Epochen Klassik und Romantik einzuordnen. Über seinen Lehrer, den protestantischen Pfarrer Erhard Friedrich Vogel, wurde er mit den Ideen der Aufklärung vertraut, sodass er von Anfang an offen und frei bestehende Regeln hinterfragte. In jungen Jahren erwarb er sich durch das Lesen vieler Bücher ein umfangreiches Wissen. Dieses Privileg dürfte ein Vermögen wert gewesen sein, da Bücher zu jener Zeit extrem teuer waren. Während seines Studiums der Theologie in Leipzig begann Jean Paul mit seiner schriftstellerischen Arbeit. Erste Veröffentlichungen erschienen 1783 und 1784.

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Caroline Stadsbjerg: Carnivora

Wenn beim gemeinsamen Essen das erste Familienmitglied erklärt, kein Fleisch mehr essen zu wollen, sind Verwunderung und Diskussionsbedarf unvermeidbar. Fleisch sei wichtig für eine gesunde Ernährung. Das Leben mit Fleisch sei gesünder und besser. Und wenn das Familienmitglied trotzdem auf vegetarischem Essen besteht, fühlen sich die anderen persönlich angegriffen. Auch Hannah erlebt diese Diskussion am Tisch ihrer Schwester, nachdem ihr Schwager Adam neben diversen Beilagen Fleisch mit einer aufwendig gekochten Sauce serviert. Die Gemüter sind erhitzt. Streit liegt in der Luft.

Doch wie soll Hannah sich erklären? Im Vergleich zu ihrer Familie hat sie eine bekannte Zuchtfarm besichtigt. Diese soll das beste Fleisch in der ganzen Umgebung liefern, heißt es.

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Edvard Hoem: Die Hausmamsell

Der norwegische Autor Edvard Hoem schreibt zu Beginn seiner Einleitung an seine Leser, wie er beschloss, genug über das Leben seiner Ahnen geschrieben zu haben. In den vergangenen Jahren stellte er uns seine Urahnin vor, die eigenständig ihren Lebensunterhalt als Hebamme verdient hatte. Ein weiterer Vorfahr wurde während seiner fünfjährigen Gefangenschaft bei den Engländern Geigenbauer, ein anderer liebte das Heumachen.

Völlig unerwartet übernahm die Erinnerung an Julie Elisabeth Hoem, die jüngste Tochter des Geigenbauers, die Regie über ein neues Buchprojekt. Es begann eine schwierige und nahezu unmögliche Recherche, denn über Julie fanden sich nur sehr wenige Spuren. Sie tauchte zum Beispiel 1865 in einer Volkszählung auf oder in zwei Inseraten, in denen sie 1894 ihre Dienste als erfahrene Haushaltshilfe anbot. Sie starb im Februar 1911 in dem Bergener Altenheim „Alders Hvile“ (Frieden des Alters). Zwei Jahre benötigte Edvard Hoem für seine historische Liebeserklärung an Julie Elisabeth Hoem, die nicht wie ihre viel zu früh verstorbene Mutter im kalten Fjordwasser Klippfisch waschen wollte, um ihre Familie satt zu bekommen.

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