Cora Wucherer: All die Farben, all das Licht

In dem wunderbaren Roman von Cora Wucherer sind all die Farben und all das Licht extrem wichtig für die siebzehnjährige Juna. Sie wollte unbedingt Malerin werden. Den Wunsch weckte ein Buch über die Künstlerin Lotte Laserstein. Damals konnte Juna noch nicht lesen, also ließ sie es sich x-Mal von der Babysitterin vorlesen, nachdem diese zuerst für ihre kleine Schwester Martha ein Kinderbuch vorgelesen hatte.

Auf dem Titel von Junas Lieblingsbuch war ein Bild der Künstlerin abgebildet, dass ihre Fantasie in Bewegung setzte. Juna malt seit diesem Tag ständig und träumt von ihrer eigenen Karriere. Mit siebzehn arbeitet sie an ihrer Bewerbungsmappe, um für ein Kunststudium aufgenommen zu werden.

Dieser Herzenswunsch gerät in Gefahr, als Juna von ihrer seltenen Erkrankung erfährt. Sie wird in Kürze erblinden und taub werden. Jetzt weiß sie, warum sie ständig stolpert oder hinfällt und woher ihre Unsicherheit in einer dunklen Umgebung kommt.

Weiterlesen →
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Rebecca Taylor McKay: Er lügt

Wir lernen Clara zu einem Zeitpunkt kennen, als sie sich noch von einer langwierigen Erkrankung erholt. An welcher Krankheit sie leidet, ist anfangs nur angedeutet. Doch so nach und nach wird deutlich, dass ihre körperliche und psychische Verfassung durch ein schreckliches Ereignis ausgelöst worden ist. Und dies ausgerechnet während ihrer Flitterwochen in Italien, wenn Sommer, Sonne, azurblaues Meer und die Liebe von frisch Verliebten den Blick auf alles rosarot umschwebt.

Die Ich-Erzählerin Clara erzählt: „Ich bin nicht depressiv. Ich bin nicht traurig oder trübselig. Mein Hirn ist einfach zerbrochen wie eine teure Vase, mit der unvorsichtig umgegangen wurde.“ (S. 213) Auf der Suche nach Gründen und Antworten stößt sie stets auf Versatzstücke, die sie einfach nicht zu einem Bild verbinden kann. Nichts will passen und am schlimmsten ist, dass man ihre Wahrnehmungen nicht ernst nehmen will. Ihr Ehemann Spencer hat viele Gründe, um sein „Bambi“ im Unklaren zu lassen. Er ist auch nicht so engagiert wie Claras Ärzte, die glauben, wenn sie zurück an den Ort der Ursache für ihre Erkrankung käme, würden sich möglicherweise ihre Erinnerungslücken füllen.

Weiterlesen →
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Christiane Hoffmann: Die Träume, die wir hatten

Christiane und ihre Freundin kennen sich seit ihrer Studienzeit Ende der achtziger Jahre. Sie werden beste Freundinnen, lernen die russische Sprache und die russische Literatur lieben. Sie bereisen die Sowjetunion über viele Jahre. Dabei erlebt vor allen Dingen die Erzählerin Christiane, die in Russland viele Jahre lebt, als Journalistin arbeitet, dort auch heiratet, wie sich das politische Leben durch den Fall des Eisernen Vorhangs verändert. Sie teilte die Hoffnung der russischen Bürger auf echte Demokratie und ein friedliches Europa.

Währenddessen schreibt ihre Freundin ihre Doktorarbeit, um danach an der Universität wissenschaftlich zu arbeiten. Sie heiratet einen russischen Künstler und organisiert für ihn Ausstellungen.

Die Autorin Christiane Hoffmann arbeitet ebenfalls als Journalistin, ist politisch aktiv in ihrer Eigenschaft als Osteuropa-Expertin. Nach ihrem erfolgreichen Buch über die Flucht ihres Vaters widmet sie sich in ihrem aktuellen Buch einem weiteren persönlichen Thema. Es handelt vom Scheitern und Schuldgefühlen.

Weiterlesen →
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Karen Sander: Die Tiefe: Verloren

Im letzten Teil der Trilogie Die Tiefe von Karen Sander beginnt für Mascha Krieger und Tom Engelhardt, dem Ermittlerduo und jetzt offiziellen Paar, ein Wettlauf mit der Zeit. Allmählich glauben sie zu wissen, wer hinter den brutalen Serienmorden steckt. Nur eines wissen sie jedoch mit Gewissheit, es befinden sich noch weitere Menschen in Gefahr.

Die erfolgreiche Thrillerautorin Karen Sander hat inzwischen eine neue Geschichte abgeschlossen, in der mysteriöse Todesfälle im oder an Gewässern im Zentrum der Ermittlungen stehen. Dieses Mal geraten nicht nur die Ermittler selbst in lebensgefährliche Situationen. Ein als Warnung gedachtes Attentat zeigt Tom, dass die komplexe Mordserie auch auf seine persönliche Ebene gezogen worden ist. Wie soll man seine professionelle Distanz im Arbeitsalltag behalten, wenn das Leben der Liebsten bedroht ist?

Wie auch in ihren früheren Thrillern arbeitet Karen Sander mit verschiedenen Perspektiven, die jeweils ihren Anteil an der großen Geschichte haben. Aus den Nebenschauplätzen entsteht ein Puzzle, das erst im dritten Teil ein ganzes Bild ergibt. Cliffhanger und unterschiedliche Akteure sorgen dabei für eine abwechslungsreiche Lektüre.

Weiterlesen →
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Sofia Montrone: Der Tag war schön und ich dachte an dich

Der Originaltitel des Romandebüts der Autorin Sofia Montrone lautet Nymph(e). Ihre Geschichte beginnt mit der heranwachsenden Leo, deren Vater ein amerikanischer Gelehrter ist und ihre Mutter eine unter Depressionen leidende Italienerin. Den Sommer verbringt die Familie in Süditalien im familiengeführten Hotel, zu dem Ländereien und Tiere gehören.

Für Leo und ihren jüngeren Bruder Max könnte es das pure Paradies sein. Wenn Leo ihre kindliche Perspektive behielte, hätte Max wiederum ungetrübte Spielerlebnisse. Doch den Verlauf der Natur kann Leo nicht aufhalten. Hormone durchfluten ihren Körper, und sie beginnt sich neu wahrzunehmen.

Auch ihr Vater nimmt sie anders wahr. Seine Gespräche mit Leo über Odysseus‘ Abenteuer erklären ihr die Rolle des Vaters, des abtrünnigen Abenteurers und Kriegers neu.

Sofia Montrone kommt aus Los Angeles und war Chefredakteurin der Columbia Review. Heute lebt sie in New York. Sie unterrichtet kreatives Schreiben an der Columbia University.

Weiterlesen →
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Christoffer Carlsson: Hinter dem Nebel: Die Hallland-Krimis, Band 4

Den Titel Hinter dem Nebel darf man wörtlich nehmen. Die Konturen verschwimmen, und man kann schnell die Orientierung verlieren. Für die Doppelbödigkeit der Geschichte hat der schwedische Autor Christoffer Carlsson die Arbeit einer Autorin und zweier Autoren im Fokus. Was diese schreiben, kann eine Fiktion oder die Interpretation einer Realität sein. Es kommt auf die Perspektive an, und von diesen gibt es viele.

Mit einem Zeitsprung in den Herbst 1957 beginnt eine zunächst eigenständige Geschichte über die junge Ingrid Klinga, die nach Uppsala zieht, um sich an der Universität einzuschreiben. Aus den Nachrichten hat sie die Entwicklung des Kalten Krieges verfolgen können. Auch das Wettrüsten der Länder, unter anderem von Schweden, wurde in den Zeitungen kommentiert.

Die noch unbedarfte Ingrid, die bisher nur das dörfliche Leben kannte, glaubt bei ihrer Ankunft in Uppsala, sie durchlaufe in der großen Stadt eine Art Initiation. Doch genaugenommen sucht sie nicht das Bad in einer Menschenmenge sondern nur das einfache Leben mit Koffer und Schreibmaschine. Sie will um jeden Preis schreiben. Schon bald findet sie bei den politisch aktiven Studenten Anschluss und gerät selbst in den Fokus der Geheimdienste.

Weiterlesen →
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Till Raether: Meeresdunkel

Es sollte für zwei Familien ein besonderer Urlaub werden. Die Voraussetzungen waren günstig: Eine Woche auf Mallorca, ein sehr warmer Herbst und ein überraschend günstiges Haus. Jedes Familienmitglied reiste mit konkreten Vorstellungen an. Zwei Personen erhoffen sich, die Risse in ihrer Ehe zu kitten; zwei Personen wollen ihre Vergangenheit weiterhin verbergen, eine weitere Person verlangt Klärung und ein Ende der Lügen, und eine Person hat Angst, einer anderen zu begegnen.

Die Casa de la Vora in Santanyí befindet sich am Ende einer Straße direkt an den Klippen und Felsenplateaus und ist für die zwei anreisenden Familien mehr als nur renovierungsbedürftig. Anfangs verharmlosen sie das offensichtliche Missverständnis. Doch am nächsten Tag stellen die Erwachsenen fest, dass Mallorca in den Herbstferien ausgebucht ist und sie sich in dem großen Haus arrangieren müssen. Unter den schwierigen Umständen hätten die Ehepartner ihre persönlichen Probleme vielleicht lösen können, wenn nicht das Unwetter, die Ermordung eines Familienmitgliedes und die Offenbarung der wahren Gründe ihres Zusammenkommens gewesen wären.

Weiterlesen →
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Marc-Uwe Kling, Cornelia Funke, et. al. (Hrsg.): Was wir meinen, wenn wir Hoffnung sagen: Mutige Perspektiven auf die Krisen unserer Zeit

Die unterschiedlichen AutorInnen sind sich in einem Punkt einig: Optimismus ist nicht das Gleiche wie Hoffnung. Wenn sie über Hoffnung schreiben, dann beziehen sie sich auf einen Prozess, der sie in die Hoffnung gebracht hat. In der Hoffnung steckt ein Handeln, während Optimismus einen passiven, abwartenden Charakter hat. Nach dem Motto: Es wird schon gut gehen, weil sich andere um das Problem kümmern.

Am Anfang ihres Weges zur Hoffnung empfanden die AutorInnen ein Unbehagen. Sie fühlten sich mitunter alleine: Sehe nur „ich“, dass bestimmte Dinge nicht in Ordnung sind?

Weiterlesen →
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Lilli Tollkien: Mit beiden Händen den Himmel stützen

Wenn ein Kind geboren wird, sollte es normal sein, es zu lieben, zu behüten und seinen Weg ins Leben zu ebnen. Doch bei Lale sind die Umstände der Geburt und die gesundheitliche Verfassung ihrer Mutter nicht normal. Lale kommt in der 32. Woche zur Welt, und sie ist wie ihre Mutter drogenabhängig. Ihre ersten Lebenserfahrungen sind Entzug, Schmerzen und Einsamkeit, denn sie erfährt keinen Körperkontakt. Dies ist ihre Normalität, und der weitere Verlauf ihres Lebens entwickelt sich ebenfalls „normal“, weil sie nichts anderes kennenlernt als das Einordnen und Unterordnen. Ihre Strategie wird das Kopieren von Bezugspersonen. Sie will dazu gehören.

Als Kleinkind landet Lale in einer Männer-WG. Vor den Behörden spielte ihr leiblicher Vater die Rolle eines besorgten Ersatzvaters, der dem kleinen Mädchen ein Zuhause bieten will. Die aktuelle Freundin an seiner Seite konnte die Zweifel des Amtes möglicherweise auch reduzieren. Auf jeden Fall hatte ihr Vater mit dem Erziehungsgeld seine eigene Lebensgrundlage gefunden.

Weiterlesen →
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Marga Berck: Ein Sommer in Lesmona

Es gibt Klassiker, die einen speziellen Blick in die Vergangenheit erlauben. Sie erzählen authentisch, wie der „Zeitgeist“ und gesellschaftliche Normen in die Biografie einer Person eingreifen. Dabei zeigen sie, wie Geschichten einerseits persönlich anrühren und andererseits einen besonderen Charakter erhalten.

In dem Briefroman von Marga Berck (1875-1970), einer hanseatischen Großkaufmannstochter, geht es um die 17-jährige Matti (Marga), die ihren Platz in der Gesellschaft finden muss. Sie steht in direkter Konkurrenz mit verschiedenen Freundinnen und Cousinen, die alle eine gute Partie suchen. Der standesgemäße zukünftige Ehemann muss im richtigen Alter sein und auch ihre Gefühle erwidern können.

Weiterlesen →
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: