Christoffer Carlsson: Hinter dem Nebel: Die Hallland-Krimis, Band 4

Den Titel Hinter dem Nebel darf man wörtlich nehmen. Die Konturen verschwimmen, und man kann schnell die Orientierung verlieren. Für die Doppelbödigkeit der Geschichte hat der schwedische Autor Christoffer Carlsson die Arbeit einer Autorin und zweier Autoren im Fokus. Was diese schreiben, kann eine Fiktion oder die Interpretation einer Realität sein. Es kommt auf die Perspektive an, und von diesen gibt es viele.

Mit einem Zeitsprung in den Herbst 1957 beginnt eine zunächst eigenständige Geschichte über die junge Ingrid Klinga, die nach Uppsala zieht, um sich an der Universität einzuschreiben. Aus den Nachrichten hat sie die Entwicklung des Kalten Krieges verfolgen können. Auch das Wettrüsten der Länder, unter anderem von Schweden, wurde in den Zeitungen kommentiert.

Die noch unbedarfte Ingrid, die bisher nur das dörfliche Leben kannte, glaubt bei ihrer Ankunft in Uppsala, sie durchlaufe in der großen Stadt eine Art Initiation. Doch genaugenommen sucht sie nicht das Bad in einer Menschenmenge sondern nur das einfache Leben mit Koffer und Schreibmaschine. Sie will um jeden Preis schreiben. Schon bald findet sie bei den politisch aktiven Studenten Anschluss und gerät selbst in den Fokus der Geheimdienste.

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Till Raether: Meeresdunkel

Es sollte für zwei Familien ein besonderer Urlaub werden. Die Voraussetzungen waren günstig: Eine Woche auf Mallorca, ein sehr warmer Herbst und ein überraschend günstiges Haus. Jedes Familienmitglied reiste mit konkreten Vorstellungen an. Zwei Personen erhoffen sich, die Risse in ihrer Ehe zu kitten; zwei Personen wollen ihre Vergangenheit weiterhin verbergen, eine weitere Person verlangt Klärung und ein Ende der Lügen, und eine Person hat Angst, einer anderen zu begegnen.

Die Casa de la Vora in Santanyí befindet sich am Ende einer Straße direkt an den Klippen und Felsenplateaus und ist für die zwei anreisenden Familien mehr als nur renovierungsbedürftig. Anfangs verharmlosen sie das offensichtliche Missverständnis. Doch am nächsten Tag stellen die Erwachsenen fest, dass Mallorca in den Herbstferien ausgebucht ist und sie sich in dem großen Haus arrangieren müssen. Unter den schwierigen Umständen hätten die Ehepartner ihre persönlichen Probleme vielleicht lösen können, wenn nicht das Unwetter, die Ermordung eines Familienmitgliedes und die Offenbarung der wahren Gründe ihres Zusammenkommens gewesen wären.

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Marc-Uwe Kling, Cornelia Funke, et. al. (Hrsg.): Was wir meinen, wenn wir Hoffnung sagen: Mutige Perspektiven auf die Krisen unserer Zeit

Die unterschiedlichen AutorInnen sind sich in einem Punkt einig: Optimismus ist nicht das Gleiche wie Hoffnung. Wenn sie über Hoffnung schreiben, dann beziehen sie sich auf einen Prozess, der sie in die Hoffnung gebracht hat. In der Hoffnung steckt ein Handeln, während Optimismus einen passiven, abwartenden Charakter hat. Nach dem Motto: Es wird schon gut gehen, weil sich andere um das Problem kümmern.

Am Anfang ihres Weges zur Hoffnung empfanden die AutorInnen ein Unbehagen. Sie fühlten sich mitunter alleine: Sehe nur „ich“, dass bestimmte Dinge nicht in Ordnung sind?

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Lilli Tollkien: Mit beiden Händen den Himmel stützen

Wenn ein Kind geboren wird, sollte es normal sein, es zu lieben, zu behüten und seinen Weg ins Leben zu ebnen. Doch bei Lale sind die Umstände der Geburt und die gesundheitliche Verfassung ihrer Mutter nicht normal. Lale kommt in der 32. Woche zur Welt, und sie ist wie ihre Mutter drogenabhängig. Ihre ersten Lebenserfahrungen sind Entzug, Schmerzen und Einsamkeit, denn sie erfährt keinen Körperkontakt. Dies ist ihre Normalität, und der weitere Verlauf ihres Lebens entwickelt sich ebenfalls „normal“, weil sie nichts anderes kennenlernt als das Einordnen und Unterordnen. Ihre Strategie wird das Kopieren von Bezugspersonen. Sie will dazu gehören.

Als Kleinkind landet Lale in einer Männer-WG. Vor den Behörden spielte ihr leiblicher Vater die Rolle eines besorgten Ersatzvaters, der dem kleinen Mädchen ein Zuhause bieten will. Die aktuelle Freundin an seiner Seite konnte die Zweifel des Amtes möglicherweise auch reduzieren. Auf jeden Fall hatte ihr Vater mit dem Erziehungsgeld seine eigene Lebensgrundlage gefunden.

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Marga Berck: Ein Sommer in Lesmona

Es gibt Klassiker, die einen speziellen Blick in die Vergangenheit erlauben. Sie erzählen authentisch, wie der „Zeitgeist“ und gesellschaftliche Normen in die Biografie einer Person eingreifen. Dabei zeigen sie, wie Geschichten einerseits persönlich anrühren und andererseits einen besonderen Charakter erhalten.

In dem Briefroman von Marga Berck (1875-1970), einer hanseatischen Großkaufmannstochter, geht es um die 17-jährige Matti (Marga), die ihren Platz in der Gesellschaft finden muss. Sie steht in direkter Konkurrenz mit verschiedenen Freundinnen und Cousinen, die alle eine gute Partie suchen. Der standesgemäße zukünftige Ehemann muss im richtigen Alter sein und auch ihre Gefühle erwidern können.

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Grégory Cingal: Die Letzten auf der Liste

Nach einer wahren Begebenheit erzählt der Autor Grégory Cingal, wie Kriegsgefangene wenige Monate vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Konzentrationslager Buchenwald untergebracht werden. Sie erleben einen Bombenhagel, der die benachbarte Fabrik zerstört und damit die Produktion weiterer Waffen verhindert. Darüber hinaus erfahren sie, dass es eine medizinische Abteilung gibt, in der Lagerinsassen für Untersuchungen ihre Gesundheit und ihr Leben verlieren. Und was sie direkt erkennen müssen: Das Kriegsrecht ist eine ferne Option geworden.

Sie leben mit dem täglichen Schrecken, wenn über Lautsprecher Häftlingsnummern – darunter vielleicht auch ihre eigene – aufgerufen werden. Die Aufgerufenen wissen in diesen Momenten, dass sie auf der Liste stehen. Und Listen werden abgearbeitet. Systematisch, bis jeder den Status ‚vernichtet‘ hat.

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Annette Ramelsberger: Am Abgrund: Reportagen aus den Gerichtssälen dieser Republik

Wenn Systeme versagen, dann funktioniert gar nichts mehr. Vielleicht lassen sich Ersatzteile beschaffen, vielleicht findet sich ein Handwerker.

Die Kapitäne so mancher Industriegiganten bieten alternativ neue Systeme an. Das alte wird entsorgt, das neue System macht dort weiter, wo das alte aufgehört hat. Wäsche wird wieder sauber, Autolampen leuchten auf und vieles mehr, bis nach der Garantiezeit erneut etwas im System nicht mehr funktioniert.

Doch was macht man, wenn das System Gesellschaft nicht mehr funktioniert? Wenn das Rechtssystem systematisch vorgeführt wird, weil seine Vertreter das Gesetz achten und nach diesen Maßstäben Recht sprechen, während andere das gleiche Recht nicht nur missachten, sondern partout für sich selbst nicht relevant halten? Wenn bei den Angeklagten keinerlei Unrechtsbewusstsein festgestellt werden kann und diese sogar darauf beharren, es sei ihre Pflicht und ihr gutes Recht, andere zu ermorden?

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Karen Sander: Die Tiefe: Verblendet

Kaum hat man Verblendet, den zweiten Teil der Trilogie Die Tiefe, gelesen, will man unbedingt in dem dritten Teil weiterlesen: Tom und Mascha sehen sieben Todesfälle in ihrer Ermittlungsarbeit, die scheinbar zusammenhängen und gleichzeitig unterschiedliche Gewaltanwendung aufzeigen. Inzwischen wächst das Team mit neuen Kollegen an, um an verschiedenen Orten gleichzeitig zu ermitteln. Mascha vermutet, die Gemeinsamkeit könnte mit dem Ort Schwerin zusammenhängen, doch Indizien und Zeugenaussagen sorgen für immer mehr Durcheinander.

Dies wird besonders deutlich an der Vernehmung eines älteren Ehepaares, das zu später Stunde zufällig jemanden beim Betreten der Praxis der getöteten Gynäkologin beobachtet haben will. Die Aussagen könnten kaum unterschiedlicher sein: Mann oder Frau, mit Jacke oder in Sommerkleidung, die unklare Farbe und Marke des Fahrzeugs und Angaben über das Kennzeichen. Die beiden streiten sich immer mehr. Jeder von den beiden will es besser wissen und gesehen haben, bis sie sich in einem Punkt plötzlich einig sind: An der Heckscheibe gab es einen Aufkleber „Baby an Bord“.

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Gisa Klönne: Die Liebe, später

Kora von Stein erhält während einer persönlichen Lebenskrise einen Anruf von ihrem Freund Felix. Seine Frau Leonie ist spurlos verschwunden, klagt er. Kora sei doch als Journalistin der richtige Mensch für eine Spurensuche. Sie könne ihre Radiosendung nutzen, um seinen Verlust publik zu machen.

Kora fallen viele Gründe ein, Nein zu sagen. Da wäre das Trauma um ihre Herzoperation, der Aufhebungsvertrag und die damit einhergehende Frühverrentung. Hinzu kommen Konflikte in ihrer Ehe.

Auch ihr Ehemann Anselm befindet sich in einem Veränderungsprozess, der neue Ziele und Freiheiten am Ende seiner Arbeitsphase mit sich bringt. Kora ist sich nicht sicher, ob sie nach der vertrauten Wochenendbeziehung in eine neue, noch unvertraute Gemeinsamkeit wechseln können.

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Hans Rosenfeldt: Die Farm der Mädchen

Die Geschäftsmodelle in der Welt des Verbrechens sind bekanntlich vielfältig. Aus allem und jedem wird Geld gemacht. Wenn Hans Rosenfeldt, der schwedische Autor von Thrillern und Drehbüchern, seinem aktuellen Buch den Titel Skördebarn (übersetzt: Erntekinder) gibt, dürfte eines klar sein: Bei der „Farm der Mädchen“ geht es nicht um einen normalen Agrarbetrieb, der die Früchte seiner Felder verkauft.

Im Zentrum der Geschichte steht die Ware „Leibesfrucht“ – und alles steht und fällt mit dem erfolgreichen Gebären eines Kindes. Dieses Geschäft gerät ins Wanken, als zwei Hochschwangere aus einem einsam gelegenen Gutshof fliehen und im Wald verschwinden.

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