Jonas Jonasson: Drei fast geniale Freunde …

Johan gehört zu den Menschen, die eine kindliche Naivität innehaben. Blau ist Blau, wenn sein großer Bruder Fredrik dies behauptet, auch wenn die Farbe eine andere ist. Nach einer schwierigen Jugend leben die beiden Brüder noch immer zusammen, bis Fredrik die Chance erhält, bei der schwedischen Botschaft in Rom zu arbeiten. Der von ihm abhängige Johan passt nicht in Fredriks Karriere als zukünftiger Botschafter. Deshalb findet sich dieser am Tag von Fredriks Abreise in einem alten Wohnmobil, seinem neuen Zuhause, wieder.

Johans Ausgangssituation ist schwierig: Er hat keinen Führerschein und kann das Wohnmobil nicht fahren. Auch seine Barmittel sind überschaubar. Auf dem heruntergekommenen Campingplatz, den Fredrik gebucht hat, lernt er Petra kennen. Petra, die Wissenschaftlerin, hat den baldigen Weltuntergang errechnet. Niemand will ihr glauben, trotzdem bleibt sie bei ihrer Überzeugung. Und wenn die gesamte Menschheit sowieso bald sterben wird, dann kann sie sich auch schon ein paar Tage früher das Leben nehmen, findet sie in einem Moment tiefer Traurigkeit.

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Die lange Reise des alten Gnoms

„… Da erschien über den Bergen der Mond, und der alte Gnom erblickte im tiefschwarzen Seewasser sein eigenes Spiegelbild. Obwohl er schon viele, viele Jahre auf der Erde war – sein Gesicht hatte er noch nie gesehen.“

Wie wäre es, einen kurzen Einblick in den Zauber der finnischen Sagenwelt zu gewinnen? Es ist eine wundersame Welt, in der die Natur ein Zuhause für Bäume, Tiere und die Wurzelgnome ist.

Die Familie der Wurzelgnome wohnt zwischen den Baumwurzeln in behaglichen Höhlen und wenn sie nach oben kommen, kümmern sie sich um die Bäume und Pflanzenwelt. Nur für wachsame Augen sind sie sichtbar. Denn die Gnome sind sehr klein und ihre langen silbrigen Haare bedecken ihre Gesichter und Körper, nur die Knollennase teilt die bis zum Boden reichenden Strähnen.

Kurz vor dem Wintereinbruch erklärt der Älteste seiner Großfamilie, dass er auf eine lange Reise gehen müsse. Weiterlesen

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Dror Mishani: Vermisst

„… Genug, Avi, wir Polizisten sind nicht die Eltern der Bürger. Und die Polizei ist auch nicht allein verantwortlich für die Sicherheit der Bürger und ihr Wohlergehen, das weißt du selbst. Eltern müssen auf ihre Kinder aufpassen und Erwachsene auf sich selbst.“ (S. 121)

Der sechzehnjährige Schüler Ofer wird vermisst. Seine Mutter Hanna erklärt Inspektor Avraham Avraham, er sei am Mittwochmorgen zur Schule gegangen und auf dem Weg dorthin verschwunden. Obwohl Avrahams Bauchgefühl andere Signale gibt, will er an einen üblichen Fall glauben. Jugendliche hauen ab und zu ab. Für ein paar Stunden, eine Nacht oder einen Tag. Hanna kann Avraham aus eigenen Erfahrungen zustimmen. Denn ein paar Mal sei Ofer eigene Wege gegangen, aber immer zurückgekommen. Nur dieses Mal glaubt sie, etwas anderes sei passiert. Weiterlesen

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Tove Alsterdal: Erdschwarz

Seit ihre Mutter an Demenz erkrankt ist, lebt Eira wieder in ihrem Elternhaus. Alles steht auf Anfang: die Arbeit als einfache Polizistin, die schwierige Beziehung zu ihrem Bruder Magnus und die Rolle als Tochter, die jetzt für das Wohl ihrer Mutter alleine verantwortlich ist.

Wie es der Zufall so will, wird Eira zur Unterstützung in die Abteilung für Gewaltverbrechen abkommandiert. Für eine Weile ist sie gern bereit, das Chaos im Elternhaus hinter sich zu lassen, um bei der Ermittlung eines kniffligen Mordfalls zu helfen. Die Grausamkeit des Täters erschreckt die Ermittler und lässt sie zugleich ratlos vor einer winzigen Menge an Spuren stehen. Niemand kann sich vorstellen, warum das Opfer in den Keller eines leerstehenden Hauses ging und dort bis zu seinem Tod durch Dehydrierung eingesperrt wurde. Es gibt keine offensichtlichen Feinde, kein mögliches Tatmotiv, nur unbeantwortete Fragen. Eira und ihr Vorgesetzter G.G. sind ratlos. Und mitten in den Ermittlungen verschwindet auch G.G. spurlos. Weiterlesen

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Anne Stern: Fräulein Gold: Die Rote Insel: Die Hebamme von Berlin 05

1926 ist für Hulda Gold ein Jahr des Umbruchs: Sie muss kündigen, damit ihre Vermieterin nicht Gefahr läuft, wegen Kuppelei angezeigt und bestraft zu werden, und sie muss ihre Stelle als leitende Hebamme im Krankenhaus kündigen. Hulda befindet sich in einer Situation, vor der sie am meisten Angst hatte. Sie ist ein gefallenes Mädchen, eine schwangere, ledige Frau, die für ihren sichtbaren Zustand bestraft wird.

Zum Glück ist sie mit der kommunistischen Ärztin Grete befreundet, die illegal Schwangeren aus ihrer Not hilft. Auch Hulda brauchte in früheren Jahren ihre Hilfe. Doch heute will sie ihr Kind behalten. Aus diesem Grund vermittelt Grete Hulda in der Nähe ihrer Praxis ein kleines, verschimmeltes Kellerzimmer, in dem sie wohnen darf und beschäftigt sie als Arzthelferin. Irgendwann im Juni wird ihr Baby zur Welt kommen. Was danach aus Hulda und ihrem Kind werden soll, steht in den Sternen.
Auf der schäbigen Seite von Berlin Schöneberg, der roten Insel, leben traditionell die Armen eng aufeinander in heruntergekommenen Häusern und glauben wie Grete an eine bessere Zukunft durch den Kommunismus. Immer mehr lässt sich Grete in politische Kämpfe gegen die Nazis hineinziehen. Diese eskalieren, als ein Freund von ihr erschlagen wird. Automatisch wird nun auch Hulda eine Beteiligte, ob sie will oder nicht. Weiterlesen

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Nick Drnaso: Acting Class

Eine Gruppe von unterschiedlichen Personen treffen sich in einem Schauspielkurs für Anfänger. Alle erhoffen sich, persönliche Defizite zu überwinden, Ängste zu verlieren oder einfach nur einen Neustart. Bei ihrem Kursleiter John lernen sie unter anderem, Rollenspiele und probieren verschiedene Perspektiven aus, bis sich die ersten Teilnehmer in ihren Rollen verlieren und nicht mehr so genau wissen, was ihre Rolle ist und was nicht.

Wer sich auf Graphic Novels einlässt, dürfte sehr schnell etwaige Vorstellungen, die aus der Lektüre von Comics entstanden sein könnten, bei Seite legen und überrascht werden.

Nick Drnaso schickt seine Leserschaft auf eine bunte Reise, in der ausgearbeitete Bilder und eine klare ehrliche Sprache das Gerüst sind. Alles zusammen präsentiert er mit so wenig Schnörkeln wie möglich, um der  Botschaft die volle Wucht zu verleihen. Überraschende Wendungen, Situationskomik und tragische Verwicklungen gehen in seinem Buch Hand in Hand. Weiterlesen

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Edvard Hoem: Der Geigenbauer

„Sein letztes Weihnachten verbrachte Lars mit dreien seiner sieben Töchter, und er sprach über vieles, was er ihnen nie zuvor erzählt hatte.“ (S. 8) Unter anderem sprach er über die fehlende Freiheit. Das ganze Land sei unfrei, und nicht alle, die fortgingen, fänden den Weg nach Hause zurück.

Lars Olsen Hoem (1782-1852) war der jüngste Sohn einer Bauernfamilie, die an der Westküste Norwegens lebte. Traditionell war sein Leben als Knecht vorbestimmt, indem Lars nach dem Tod des Stiefvaters weiter für dessen ältesten Sohn auf dem Hof der Familie arbeiten sollte. Sein einziger Ausweg, eigenes Geld zu verdienen, wäre mit einem Boot zu fischen und Waren zu transportieren. Ohne Geld fortzugehen, war noch mit weiteren Schwierigkeiten verbunden. Denn jeder, der in die Fremde wollte, musste zuvor konfirmiert werden, um als Erwachsener zu gelten.

Lars wartete ungewöhnlich lange auf seine Konfirmation. Erst als für den Napoleonkrieg junge Soldaten gebraucht wurden und Lars mit 50 anderen jungen Männern eingezogen wurde, änderte sich für ihn alles. Weiterlesen

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Alice Oseman: This Winter: Weihnachten mit Nick & Charlie

Alice Oseman erzählt in ihrem Kurzroman This Winter, wie Charlie und Nick versuchen, aus einem Weihnachtsfest das Beste zu machen. Bei Charlie läuft es zurzeit extrem stressig. Dies liegt unter anderem daran, dass seine Eltern noch nicht genau wissen, wie sie mit Charlies Erkrankung umgehen sollen. Eine Essstörung will einfach nicht zu einem ergiebigen Weihnachtsessen im großen Kreis der Familie passen. Auch die Cousinen und deren Eltern nerven Charlie mit endlosen Fragen, die nicht nur gefühllos, sondern auch mit Vorurteilen gespickt sind. Das Fest der Freude und des Friedens verdient in diesem Jahr eher einen anderen Titel.

Wie immer beschreibt die Autorin und Zeichnerin auf eine charmante und humorvolle Weise, wie sich Charlie und Nick durch ein Weihnachtsfest mit seinen unvermeidbaren Hürden kämpfen. Aus den Perspektiven der Geschwister Charlie, Tori und Oliver wird von einem „typischen“ Familientreffen erzählt, das untypisch unangenehm aus dem Rahmen fällt. In diesem Durcheinander an Wünschen und Forderungen zeichnet Alice Oseman mit Worten und Bildern ihre Charaktere so sympathisch, dass sie den Lesern schnell ans Herz wachsen dürften. Weiterlesen

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Gloria Naylor: Die Frauen von Brewster Place (1982)

Der Brewster Place ist ein teilweise abgeriegelter sozialer Brennpunkt am Rande einer amerikanischen Großstadt. Anfangs führte an den Hochhäusern eine Straße vorbei, die in eine Einkaufsstraße mündete. Später wurde an dieser Mündung eine Mauer quer über die Straße gebaut, so dass nur noch die Bewohner aus den oberen Etagen auf das geschäftige Treiben und die Lichter schauen konnte. Wer nach dem Mauerbau zum Brewster Place zog, hatte in der Regel bereits alles für seinen sozialen Aufstieg versucht und sich mit dem Scheitern abgefunden. Hier zog niemand mehr weg, es sei denn mit den Füßen zuerst.

Die New Yorker Autorin Gloria Naylor (1950-2016) zeigt in ihrem nach wie vor modernen Debütroman aus dem Jahr 1982, wie schwarze Frauen mal mit oder ohne Kinder ihren Alltag mit harter Arbeit und Armut bewältigen. Das Besondere in diesem Roman ist nicht nur der ungewöhnliche Aufbau sondern auch der Fokus auf die Frauen. Das Leitthema ist die Frage: Was passiert mit schwarzen Frauen, denen die Chance auf Bildung und sozialen Aufstieg erschwert wird oder wenn sie mit einer guten Schulbildung ihren Platz in der Gesellschaft finden wollen?

In diesem Kontext spielen Männer in dem von der Autorin eng definierten Verhaltensmuster meist nur eine penetrierende Rolle. Mal helfen ihnen dabei Überzeugungskünste oder im schlimmsten Fall Gewalt. Weiterlesen

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Anne Griffin: Die Bestatterin von Kilcross

Jeanie Mastersons Heimat ist Kilcross, ein kleiner Ort in Irland, in dem jeder jeden kennt. Ihre Familie ist mit dem Briefträger Arthur befreundet, der häufig im Familienbetrieb, Masterson Bestattungen, aushilft. Regelmäßig überlegen Jeanie, ihr Bruder und Arthur, wer wohl als Nächstes in ihrem Abschiedsraum liegen wird. Und wenn sie um einen Schokoladenriegel wetten, verliert Arthur. Inzwischen ist der Schrank mit seiner Lieblingsschokolade voll.

Früher wurde Jeanie von den anderen Kindern verspottet, deren Sprüche genauso zahlreich waren wie die Schokolade im Schrank. Denn in den Augen der Dorfbewohner ist jeder suspekt, der mit den Toten unter einem Dach schläft und mit ihnen redet.

Jeanies Vater betrachtet die Übermittlung der letzten Worte an die Trauernden als einzigartigen Service, der Mut und Trost spenden soll. Dies erklärt er immer wieder, auch dann, wenn Jeanie die Toten ganz anders verstanden hat. Und plötzlich erklärt er, er wolle mit Jeanies Mutter wegziehen und den Betrieb Jeanie und ihrer Tante Harry überlassen.

In diesem Moment bricht für Jeanie eine Welt zusammen. Weiterlesen

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