Caroline Stadsbjerg: Carnivora

Wenn beim gemeinsamen Essen das erste Familienmitglied erklärt, kein Fleisch mehr essen zu wollen, sind Verwunderung und Diskussionsbedarf unvermeidbar. Fleisch sei wichtig für eine gesunde Ernährung. Das Leben mit Fleisch sei gesünder und besser. Und wenn das Familienmitglied trotzdem auf vegetarischem Essen besteht, fühlen sich die anderen persönlich angegriffen. Auch Hannah erlebt diese Diskussion am Tisch ihrer Schwester, nachdem ihr Schwager Adam neben diversen Beilagen Fleisch mit einer aufwendig gekochten Sauce serviert. Die Gemüter sind erhitzt. Streit liegt in der Luft.

Doch wie soll Hannah sich erklären? Im Vergleich zu ihrer Familie hat sie eine bekannte Zuchtfarm besichtigt. Diese soll das beste Fleisch in der ganzen Umgebung liefern, heißt es.

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Edvard Hoem: Die Hausmamsell

Der norwegische Autor Edvard Hoem schreibt zu Beginn seiner Einleitung an seine Leser, wie er beschloss, genug über das Leben seiner Ahnen geschrieben zu haben. In den vergangenen Jahren stellte er uns seine Urahnin vor, die eigenständig ihren Lebensunterhalt als Hebamme verdient hatte. Ein weiterer Vorfahr wurde während seiner fünfjährigen Gefangenschaft bei den Engländern Geigenbauer, ein anderer liebte das Heumachen.

Völlig unerwartet übernahm die Erinnerung an Julie Elisabeth Hoem, die jüngste Tochter des Geigenbauers, die Regie über ein neues Buchprojekt. Es begann eine schwierige und nahezu unmögliche Recherche, denn über Julie fanden sich nur sehr wenige Spuren. Sie tauchte zum Beispiel 1865 in einer Volkszählung auf oder in zwei Inseraten, in denen sie 1894 ihre Dienste als erfahrene Haushaltshilfe anbot. Sie starb im Februar 1911 in dem Bergener Altenheim „Alders Hvile“ (Frieden des Alters). Zwei Jahre benötigte Edvard Hoem für seine historische Liebeserklärung an Julie Elisabeth Hoem, die nicht wie ihre viel zu früh verstorbene Mutter im kalten Fjordwasser Klippfisch waschen wollte, um ihre Familie satt zu bekommen.

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Donald Windham: Dog Star

Der Weg, ein Erwachsener zu werden, ist voller Erkenntnisse und neuer Erfahrungen. Bei dem jungen Mann Blackie zu Zeiten der Prohibition in Atlanta sind die Weichen seiner Biografie in weiten Teilen vorbestimmt. Der Vater weit weg, die Mutter Alkoholikerin, Armut, der jüngere Bruder lebt bei zwei alten Damen, die älteste Schwester ist alleinerziehende Mutter und ausgezogen. Unter diesen Rahmenbedingungen möchte Blackie viel früher, als es für sein Alter gut ist, das familiäre Nest verlassen. Zeitweise lebt er auf einer County Farm School für schwer erziehbare Jugendliche. Dort arbeitet Blackie zusammen mit anderen Jungen und muss sich seinen Platz in der Hackordnung erkämpfen.

Hätte er den Einzelgänger Whitey nicht kennengelernt, wäre das Überleben auf dieser Farm deutlich schwerer geworden. Aber mit dem älteren Freund an seiner Seite ist er stark. Blackie lernt, menschliche Schwäche zu verachten. Und dann hat sich Whitey für den Freitod entschieden. Nun ist Blackie auf sich allein gestellt, und er macht das, was er schon früh gelernt hat: Er wird ein Nestflüchter.

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Silvesterspecial 2025

Jedes Jahr lesen wir Rezensentinnen und Rezensenten etliche Bücher. Gute und weniger gute, spannende und langweilige, dramatische, berührende, witzige und traurige, fesselnde, unterhaltsame, informative und interessante. Und immer findet sich darunter dieses eine Buch, das Highlight des Jahres. Das Buch, das besonders im Gedächtnis bleibt, das nachwirkt, aus ganz unterschiedlichen Gründen.

Diese Bücher, die uns in diesem Jahr 2025 so beeindruckt haben, stellen wir heute am letzten Tag des Jahres vor:

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Peter Huth: Aufsteiger

Auf Felix Licht kommen mehr Veränderungen zu, als er für möglich hält. Sein Chef, der Chefredakteur des Magazins, wird gehen, und Felix soll sein Nachfolger werden. Für diesen Karrieresprung hat er alles gegeben, seine ganze Kraft und all seine Fähigkeiten und vor allen Dingen die sehr enge Zusammenarbeit mit dem neuen Verleger Berg. Eigentlich hat er alles richtig gemacht. Eigentlich.

„Das also, dachte er, … ist die Redaktion der Zukunft. Ein Keller. Keine Reporter mehr, kein Recherchieren, keine Dokumentation. Keine Konferenzen … Kein Teamsport sondern eine Einzeldisziplin. Ein Tisch mit einem Computer, ein paar Mikros, ein Monitor, auf dem die ganze Welt als Hintergrund gefakt werden kann.“ (S. 242)

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Erna Sassen: Such dir keinen besten Freund

Joshua lebt bei seinem Vater, während seine Mutter und ihr neuer Lebenspartner woanders wohnen. Anfangs wurde er in der Hauptschule von den anderen Kindern angegriffen. Er war neu und hatte keine Freunde. Zu seinem Glück kann er viel besser malen, als sich wehren. Ganz unerwartet interessiert sich Sergio für ihn und seine Bilder. Und mit Sergio kommen auch Dylan und Lindsey in Joshuas Leben. Die Schikanen hören auf. Was nicht aufhört, ist seine Begeisterung für Lindsey, die er nicht verstehen kann. Viel zu widersprüchlich ist ihr Auftreten in der Schule. Sie zeigt viel nackte Haut, ist stark geschminkt und flirtet jeden an, um dessen sexuellen Hunger zu wecken. Und wer sich auf Lindsey einlässt, bekommt es mit Dylan zu tun. Dylan schlägt zu, manchmal zu fest. Er verliert die Grenzen aus den Augen. Dabei müsste er es als Kickboxer besser wissen.

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Craig Shreve: African Samurai

Im sechzehnten Jahrhundert lebte Yasuke in Ostafrika. Seine Kindheit verbrachte er tief in den Erzminen. Er wollte immer in seinem Dorf leben, weil dort seine Familie und seine Freunde lebten, während sein Vater regelmäßig auf Reisen ging und weit weg Handel trieb. Ab und zu kamen auch ausländische Händler in sein Dorf, um Eisen gegen Waren einzutauschen.

Eines Tages tauchten andere Ausländer in seinem Dorf auf, die keinen Handel im Sinn hatten. Sie töteten alle Erwachsenen und kleinen Kinder. Die größeren Kinder und Jugendliche wurden gefangen genommen. Yasuke lernte, dass auch Menschen Waren sein konnten. Er wurde eine Ware und an verschiedene Besitzer weitergereicht. Einige lehrten ihn das Kämpfen und Rudern für ihre Kriege in fernen Ländern. Yasuke lernte das Töten und portugiesisch. Bei den Jesuiten kamen die Fächer Latein, Gebete und ein fremder Glaube hinzu.

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Anna Bailey: Unsere letzten wilden Tage

Devall und seine jüngeren Geschwister Cutter und Beau leben dort, wo die Alligatoren zu Hause sind. Es ist ein einsames Hinterland von Louisiana, geprägt von Sumpfgras und Tümpeln sowie Wäldern und Wasserausläufern. Im Sommer wird diese wilde Landschaft so heiß, dass Kadaver auf dem Asphalt gebraten werden. Seit Devall und seine Geschwister viel zu früh Vollwaisen geworden sind, versucht er für den Rest der Familie ihre Lebensgrundlage zu erhalten, in dem er seine ganze Kraft in die Alligatorenfarm der Eltern steckt. Er führt ein extrem hartes und gefährliches Leben, das von vielen Seiten bedroht wird. Aus diesem Grund ist er ebenfalls hart und gefährlich geworden. Für ihn enden die letzten wilden Tage, nachdem er nicht mehr mit seiner Schwester Alligatoren jagen kann.

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Kelly Mullen: Die Einladung: Mord nur für geladene Gäste

Mackinac Island ist ein charmanter Ort, der normalerweise zum Verweilen einlädt. Und Janes mondänes Herrenhaus, das während der Prohibition eine Anlaufstelle für Alkoholschmuggler und Verbrecher war, bietet auch gesetzestreuen Bürgern enormen Luxus und Überraschungen. Diesen geschichtsträchtigen Ort wählte die Autorin Kelly Mullen für ihren Kriminalroman aus. Ganz im Stil einer Agatha Christie finden sich verschiedene bekannte Persönlichkeiten zu einer Party und Auktion ein, um mit entsprechender Kleidung die 1920-er Jahre zu feiern. Nur zwei Inselbewohner sind ebenfalls eingeladen, unter anderem Mimi MacLaine, eine ältere Dame, die ungefragt ihre Enkelin Addie mitbringt.

Mimi hat vor dieser Party Angst. Warum hat die mondäne Jane ihre Einladung mit einer Erpressung versehen? Und warum soll sie bei der Versteigerung ein Artefakt erwerben und sich damit in den Ruin bringen? Mimi hat unter anderem vor Jane Angst, die von ihrem Geheimnis weiß, dessen Offenbarung Mimi ebenfalls ruinieren würde. Und was würde Addie von ihr denken, wenn sie von diesem dunklen Geheimnis erführe?

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Vera Weidenbach: Ada Lovelace: Visionärin und Genie

Die Frauen des Chaos Computer Clubs haben weibliche Vorbilder, erklärt die Autorin Vera Weidenbach im Vorwort ihres Buches. Eine von ihnen ist die Mathematikerin Ada Lovelace, die 1843 das erste Computerprogramm veröffentlicht hat. Ihr Ausgangspunkt war die zweite mechanische Rechenmaschine von Charles Babbage.

Augusta Ada Byron (1815-1852) war die Tochter des Dichters Lord Byron und der Mathematikerin Anna Isabella Wentworth. Kurz nach Adas Geburt zerbrach die Ehe und wurde geschieden. Die Berichte über Lord Byrons Sexualverhalten beendeten seine Karriere. Nur die Scheidung verlief ohne den sonst öffentlichen Pranger.

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