Marc-Uwe Kling, Cornelia Funke, et. al. (Hrsg.): Was wir meinen, wenn wir Hoffnung sagen: Mutige Perspektiven auf die Krisen unserer Zeit

Die unterschiedlichen AutorInnen sind sich in einem Punkt einig: Optimismus ist nicht das Gleiche wie Hoffnung. Wenn sie über Hoffnung schreiben, dann beziehen sie sich auf einen Prozess, der sie in die Hoffnung gebracht hat. In der Hoffnung steckt ein Handeln, während Optimismus einen passiven, abwartenden Charakter hat. Nach dem Motto: Es wird schon gut gehen, weil sich andere um das Problem kümmern.

Am Anfang ihres Weges zur Hoffnung empfanden die AutorInnen ein Unbehagen. Sie fühlten sich mitunter alleine: Sehe nur „ich“, dass bestimmte Dinge nicht in Ordnung sind?

Margret Rasfeld berichtet über ihren Schulalltag und wie sie Veränderungen einführte, die zu einem Erfolgsmodell wurden. Aus ihrer Perspektive folgen vor allem Gymnasien alten, überholten Strukturen (S. 177) Ob diese alten Strukturen helfen, zukunftsorientierte Entscheidungen und Herausforderungen zu meistern, wird in ihrem Bericht außen vor gelassen. Sie konzentriert sich auf ein Symptom, an dem man bei der Lektüre hängen bleibt:

Ende 2021 oder Anfang 2022 schrieb Leolo aus der zehnten Klasse einen Brief. Es war Mitternacht, und er saß noch immer an seinem Schreibtisch. In einer Phase von tiefer Klarheit schrieb er: „Schule, ich möchte mein Leben zurück. Ich hätte gern Bildung statt Beschulung, Bereicherung statt Belehrung. Ich möchte beigebracht bekommen, dass das Leben schön, faszinierend und wertvoll ist, nicht wie sich Stress und Depression anfühlen, was Mobbing ist … wir in der Mehrheit … haben die Macht zu ändern, was uns nicht recht ist. Wir sind nur schon zu müde, ausgelaugt und kaputt, schon zu tief drin, um das zu realisieren. Ich kann nicht mehr.“ (S. 173)

Leolo schickte seinem Freund diesen Brief. Kurz darauf erschien er in der Schülerzeitung. Danach initiierten LehrerInnen den Aufruf bei allen SchülerInnen, ebenfalls Briefe zu schreiben. Die vielen Briefe, die daraufhin eintrafen, öffneten viele Augen. Leolo war mit seinem Gefühl der Verlassenheit und Einsamkeit nicht mehr allein. Es entstanden Hoffnung und Resonanzräume, in denen PädagogInnen für Vertrauen und echte Zusammenarbeit sorgten.

Alle AutorInnen berichten über ihre Erfahrungen und Wahrnehmungen und was in ihren Augen schief läuft. Einige Perspektiven richten sich auf Krieg, globale Manipulation durch die Tech-Milliardäre und die Erderwärmung mit dem damit einhergehenden Klimawandel. Bei jedem einzelnen Thema kann man sich schnell hilflos fühlen, weil es weltumspannende Themen sind. Doch im Zusammenschluss von Interessengruppen werden Lösungen greifbar und schenken damit Hoffnung.

Um zu dem Schüler Leolo zurückzukommen: Er erkennt in der gesamten Schülerschaft gegenüber den LehrerInnen eine Mehrheit. Bürger bilden auch eine Mehrheit gegenüber gewählten und nicht demokratisch gewählten Entscheidungsträgern. Sollen auch zukünftig schädliche Einflüsse erlaubt sein, die auf Kosten und zu Lasten der Allgemeinheit gehen? Wollen wir so weitermachen wie bisher?

Marc-Uwe Kling, Cornelia Funke, Raúl Krauthausen, Maren Urner, Josephine Apraku, Jojo Berger, Baro Vicenta Ra Gabbert, Kristina Lunz, Margret Rasfeld, Pheline Roggan, Gilda Sahebi, Marina Weisband, Julien Gupta (Hrsg.): Was wir meinen, wenn wir Hoffnung sagen: Mutige Perspektiven auf die Krisen unserer Zeit
oekom Verlag, März 2026
208 Seiten, Taschenbuch, 19,00 Euro

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Bovenkerk-Müller.

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