Arno Strobel: Ungelöst

Medizinstudentin Luise Menkhoff erkennt die verschwundene Frau auf dem Flugblatt sofort. Auch wenn es Jahre her ist, seit ihrer Begegnung stattgefunden hat. Es handelt sich um Nicole Klement, die Lebensgefährtin des Mannes, der Luisa als Fünfjährige entführt hat und damals ebenfalls involviert war.

Umgehend wendet sich Luisa an die Münchner Polizei und trifft dort Hauptkommissar Ramin Brunner, der gerade eine neue Cold-Case-Einheit aufbaut, die alte Fälle mit modernen Mitteln aufklären soll. Als er Luisas Schilderungen von damals hört, ist er verblüfft, denn sie kann sich an jedes Detail der Situation erinnern. Das liegt daran, dass sie ein eidetisches Gedächtnis besitzt und sich an jedes Detail einer einmal erlebten Situation erinnern kann. Alles deutet nun darauf hin, dass ihr ehemaliger Entführer jetzt Nicole Klement in seiner Gewalt hat. Luisa wird nun als externe Beraterin in den Fall hinzugezogen, bis klar wird, dass sie sich getäuscht haben muss, denn es gibt Hinweise darauf, dass es der Entführer gar nicht gewesen sein kann … aber warum fühlt sich die junge Frau dann beobachtet? Zu spät erkennen sie und Ramin, dass sie etwas Entscheidendes übersehen haben, das allen Beteiligten zum Verhängnis werden könnte …

Mit dem ersten Band seiner neuen Reihe beweist Arno Strobel einmal mehr, warum er zur Spitze der deutschen Thriller-Autoren gehört. Der Auftakt ist ihm sehr gut gelungen. Es ist eine Geschichte, die mich sofort in ihren Bann gezogen hat und die ich – dem packenden Schreibstil sei Dank – in Rekordzeit beendet habe, da ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.

Der Spannungsbogen lässt sich zu Beginn ein wenig Zeit. Wer einen Kaltstart mit 100 % Adrenalin erwartet, braucht am Anfang etwas Geduld, was bei dem Start mit neuen Ermittlerduos öfters der Fall ist. Doch das Warten lohnt sich. Strobel nutzt den Raum, um die Atmosphäre dicht zu weben, bevor der Plot so richtig an Fahrt aufnimmt. Die Kapitellänge ist dabei perfekt. Kurz, knackig und immer mit diesem gewissen Effekt, der einen verleitet, „nur noch ein Kapitel“ lesen zu wollen.

Der Plot selbst entwickelt sich rasant. Besonders beeindruckend ist die Verknüpfung von Luisas Vergangenheit mit dem aktuellen Fall. Diese beiden Ebenen greifen so geschmeidig ineinander, dass man als Leser förmlich an den Seiten klebt, um die Puzzleteile zusammenzusetzen. Man bekommt alles häppchenweise präsentiert und hat Raum für eigene Interpretationen.

Das Herzstück des Romans sind zweifellos die Figuren.

Nicole Klement ist nebulös, ungreifbar und emotional schwer zu lesen – man weiß nie genau, ob sie geistig voll anwesend ist oder was in ihrem Inneren gerade vorgeht. Doch genau diese Distanz macht sie zu einem der interessantesten Charaktere. Luisa und Ramin sind klasse. Die Dynamik zwischen den beiden stimmt ab der ersten Sekunde. Es knistert spürbar, und die beiden ergänzen sich sowohl auf menschlicher als auch auf fachlicher Ebene perfekt. Es macht einfach Spaß, ihnen bei der Arbeit zuzusehen.

Fazit: Ein starker Start in eine hoffentlich neue Ära. Trotz des etwas ruhigeren Beginns bietet der Thriller alles, was das Genre-Herz begehrt: eine komplexe Handlung, interessante psychologische Facetten und Protagonisten, von denen man unbedingt mehr lesen möchte.

Ich hoffe inständig auf weitere Bände mit Luisa und Ramin!

Arno Strobel: Ungelöst
S. Fischer Verlag, 25. Februar 2026
384 Seiten, Taschenbuch, 18,00 Euro

Diese Rezension wurde verfasst von Katja Plattner.

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