Dina Casparis: Die dunkle Seite der Schokolade

Ein zunächst etwas verwirrender Krimi über die Machenschaften der Schokoladenindustrie, der dann aber immer interessanter wird und gute Einblicke gibt in die Zeit, als auch die Schweizer sich als Kolonialherren zum Beispiel in Afrika nicht nur mit Ruhm bekleckert haben. Diese Zeit wird recht anschaulich dargestellt, anhand von Nachforschungen der jungen Rechtsanwältin Serafine Montalin, die  als Leiterin der Abteilung Interne Untersuchungen beim Schokoladenkonzern CacaoBest auch für Firmenzusammenschlüsse zuständig ist. Das genaue Hinsehen ist Teil ihrer Aufgabe und so forscht sie eben intensiv auch in der Vergangenheit der Firma Chocolat Grison, die vom Mitbewerber CacaoBest übernommen werden soll. Die Gespräche stehen schon kurz vor dem Abschluss, als Serafine involviert wird. Chocolat Grison, zufällig auch der frühere Arbeitgeber ihres verstorbenen Vaters, spielt in Serafines ganz persönlicher Vergangenheit zwar eine große Rolle, aber das soll natürlich beim professionellen Blick auf das Geschäftsgebaren des Unternehmens keine Rolle spielen.

Dennoch kommt gerade dieser Auftrag Serafine durchaus gelegen, hat sie die Stelle bei CacaoBest doch auch angenommen, um die Möglichkeit zu haben, in ihrer offiziellen Position mehr über den angeblichen Unfalltod ihres Vaters herauszufinden. Emil Montalin war Lebensmittelchemiker und einer der besten Entwickler und Erfinder neuer Schokoladenlinien, der nach Grison bei CacaoBest gearbeitet hat und dabei war, einen Durchbruch versprechenden Wellnesskakao zu entwickeln, dessen Rezeptur er allerdings nirgends schriftlich festgehalten hatte und zu dessen Produktreife es nicht mehr kam, weil Emil ums Leben gekommen ist. Das ist zwar schon einige Jahre her, aber Serafine lässt der Gedanke nicht los, dass ihr Vater Opfer eines Verbrechens geworden sein könnte.

Die Ermittlungen waren damals sehr schnell eingestellt worden. Der offizielle Kontakt zu den Besitzern und Leitern von Chocolat Grison gibt Serafine die Möglichkeit, in der Vergangenheit des Unternehmens zu recherchieren. Die Zeit, als die Familie von Vilan als Kolonialherren erst auf Teeplantagen in Sumatra, später auf Kakaoplantagen in Afrika tätig waren, weckt dabei ihr besonderes Interesse. Auch ihre eigene Familiengeschichte erscheint plötzlich in einem ganz neuen Licht.

Intrigen, üble Machenschaften, korrupte Mitarbeiter, die auch vor Gewalt nicht zurückschrecken, um eigene Interessen zu verfolgen.

Die Kolonialzeit, die Auswirkungen bis in die Gegenwart hat, aber auch die aktuelle Schokoladenproduktion werden hier sehr anschaulich dargestellt. Charaktere, die einem sehr authentisch erscheinen, sehr schön gezeichnet – egal ob sympathisch oder unsympathisch, eine nachvollziehbare Geschichte um einen erbitterten Übernahmekampf und ein bisschen Gefühl obendrein. Gut zu lesen, wenn auch zu Anfang eben ein bisschen verwirrend.

Dina Casparis: Die dunkle Seite der Schokolade
Emons, März 2026
384 Seiten, Taschenbuch, 18,00 Euro

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Ertz.

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