Libby Page: Das Jahr voller Bücher und Wunder

Ein Roman, der einem ans Herz geht – oder den man als totalen Kitsch abtut. Kann ja auch sein. Jedenfalls ist es ein Roman, der von ganz großer Liebe erzählt und von dem Versuch, jemanden ins Leben zurückzuführen, der den Spaß daran verloren hat. Warmherzig, liebevoll, anrührend und durchaus fesselnd zu lesen, wie Tilly nach und nach wieder lernt zu leben.

Vor fünf Monaten ist Joe, ihr Mann, an Krebs gestorben. Viel zu früh und schon kurz nach ihrer Hochzeit. Sie hatten viel zu wenig Zeit miteinander, es hätte noch so Vieles gegeben, was sie gemeinsam erleben wollten. Für Tilly ist das jetzt anscheinend alles vorbei. Sie hat keinen Spaß mehr an den Dingen, die sie früher gerne gemacht oder mit Joe noch geplant hat. Selbst das Lesen hat sie aufgegeben, das war früher immer ihr Rückzugsort, ihr liebstes Hobby. Seit Joe die Diagnose Krebs bekommen hat, hat Tilly kein Buch mehr angerührt, außer im Verlag, wo sie Biografien von Promis oder solchen, die es werden wollen, lektoriert.

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Anne Stern: Die weiße Nacht

Soviel vielleicht gleich vorweg: Dieser tiefgehende, oft beklemmende, ruhig erzählte Kriminalroman ist nichts für Leserinnen und Leser, die auf schnelle Wendungen, viel Action und möglichst kurze Kapitel stehen. Anne Stern versteht es wieder einmal, die Lesenden mitzunehmen in eine Atmosphäre, die eher düster ist und manchmal hoffnungslos scheint. Berlin im zweiten Hungerwinter, Dezember 1946. Die Stadt liegt in Trümmern, Ruinen bestimmen das Bild; daran ändert auch die dichte Schneedecke nichts, die das darunterliegende Elend zudeckt.

Die Menschen leiden Hunger und Not, haben oft noch immer kein Dach über dem Kopf, leben von dem, was sie auf dem Schwarzmarkt tauschen oder sonst wie ergattern können. Tote gehören noch immer zum Alltag, doch diese junge Frau, die die Fotografin Marielouise „Lou“ Faber im Schnee in den Ruinen entdeckt, als sie wieder einmal mit ihrer Kamera auf Streifzug ist, passt hier nicht ins Bild. Etwas an der Art, wie die Leiche der jungen Frau abgelegt worden ist, irritiert Lou. Noch kann sie nicht greifen, woran sie das erinnert, aber es lässt sie nicht los.

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Kate Alice Marshall: Eisnebel

Geheimnisse, Intrigen, Missverständnisse, aufkeimende Erinnerungen, eine Ahnung von Bösem – das erwartet einen in dem recht spannend geschriebenen Thriller, der uns in die luxuriöse Winterwelt einer sagenhaft reichen Familie führt, die ganz offensichtlich eine Menge zu verbergen hat. Das trifft allerdings wohl auch auf Theo zu, die als frisch Verlobte des jüngsten Sohnes der Daltons eingeladen ist, die Weihnachtstage in Idlewood zu verbringen.

Von Anfang an fühlt Theo sich hier weder wohl noch willkommen. Drohnachrichten, in denen ein unbekannter Absender sie mahnt, zu verschwinden, die Finger von Connor zu lassen und die Daltons in Ruhe zu lassen, machen die Situation nicht angenehmer. Zudem hat sie das unbestimmte Gefühl, schon einmal an diesem etwas unheimlichen, äußerst abgeschiedenen Ort in den tief verschneiten Bergen gewesen zu sein. Doch wann soll das gewesen sein? Und warum? An ihre früheste Kindheit hat Theo keine Erinnerungen. Sie wurde als kleines Mädchen adoptiert, warum und wer ihre leiblichen Eltern waren, hat ihr nie jemand erklärt. Dass sie von Connors sagenhaftem Reichtum nichts wusste, als sie sich kennengelernt haben, glaubt ihr hier niemand. Alle denken, sie sei nur auf sein Geld aus, wie wohl viele vor ihr. Sie lassen sie spüren, dass sie in ihrer Familie keine Freunde finden wird.

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Silvesterspecial 2025

Jedes Jahr lesen wir Rezensentinnen und Rezensenten etliche Bücher. Gute und weniger gute, spannende und langweilige, dramatische, berührende, witzige und traurige, fesselnde, unterhaltsame, informative und interessante. Und immer findet sich darunter dieses eine Buch, das Highlight des Jahres. Das Buch, das besonders im Gedächtnis bleibt, das nachwirkt, aus ganz unterschiedlichen Gründen.

Diese Bücher, die uns in diesem Jahr 2025 so beeindruckt haben, stellen wir heute am letzten Tag des Jahres vor:

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Martin Conrath: Kohle, Stahl und Mord: Das Totenhaus

Am 21. Dezember 2018 hat auch die letzte Zeche in Deutschland die Steinkohleförderung eingestellt. Nach mehr als 150 Jahren, wobei der Abschied von der heimischen Steinkohle schon Jahre vorher begonnen hatte, die Förderung war einfach unverhältnismäßig teuer geworden im Vergleich zu anderen Staaten, in denen die Kohle nicht ganz so tief unter der Erde lag. Zehntausende Bergleute in Deutschland mussten neue Arbeitsplätze finden, Umschulungen machen oder in Rente gehen. Für das Ruhrgebiet und das Saarland werden die Folgen des Bergbaus noch jahrzehntelange Herausforderungen bereithalten. Deutschland hatte den Steinkohlebergbau jahrzehntelang subventioniert, bis im Jahr 2007 beschlossen wurde, die Subventionen 2018 einzustellen.

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Lena Johannson: Aufgeben können die anderen

„Wer aufgibt, hat schon verloren“, dieser Satz wird schon früh zum Leitmotiv der jungen Alice, die als junges Mädchen nicht nur ihre Leidenschaft fürs Schwimmen entdeckt. Alice wächst mit ihren Geschwistern in Nantes auf als Tochter eines gut gestellten Lebensmittelhändlers, schwimmen bringt ihr Joseph bei, mit dem sie bald auch mehr als die Leidenschaft für den Sport teilt. Als Joseph, der auf keinen Fall den Friseursalon der Eltern übernehmen möchte, eine Stelle als kaufmännischer Angestellter in England annimmt, bewirbt auch Alice sich auf eine Stelle als Hauslehrerin. Ihr Englisch ist zu diesem Zeitpunkt zwar noch recht holprig, die Stelle bekommt sie dennoch. Mit der Familie ist sie viel auf Reisen, lernt andere Länder und Kulturen kennen, ihr Englisch wird makellos und ihre Liebe zum Sport, sei es Schwimmen, Hockey oder Rudern, hilft ihr immer wieder, Kraft zu tanken. In England, wo man um 1900 bereits fortschrittlicher war als in Frankreich, erfährt sie auch, dass Frauen nicht „im Geheimen“ Sport treiben müssen, sondern es durchaus Vereine gibt, die Frauen unterstützen. Dort macht sie erste Bekanntschaft mit dem Feminismus. Mit Joseph kehrt Alice 1907 nach Nantes zurück, aber ihre gemeinsame Zukunft währt nur kurz. Joseph erkrankt schwer und verstirbt wenig später. Alice bleibt nicht in Nantes, alleine möchte sie da nicht mehr leben. Sie übersiedelt nach Paris, wo sie sich sehr intensiv den Belangen des Frauensports widmet. Sie findet Unterstützer, muss aber immer wieder auch gegen Widerstände ankämpfen und Rückschläge hinnehmen.

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Patricia Eckermann, James A. Sullivan: Die mutige Rebellin: Rosa Parks

Es ist vor allem ein Roman, aber es ist auch die Geschichte der Bürgerrechtsbewegung in den amerikanischen Südstaaten, für die der Name „Rosa Parks“ seit inzwischen siebzig Jahren steht. Rosa Parks wurde zum Gesicht der Aktivisten, als sie sich am 1. Dezember 1955 abends im Bus weigerte, ihren Platz für einen Weißen zu räumen. Dieser Widerstand war zwar so nicht geplant, Rosa war einfach müde, hatte einen langen Tag hinter sich und immer wieder die Erniedrigung durch weiße Busfahrer hinnehmen müssen, denen es Spaß machte, ihre Macht gegenüber den schwarzen Fahrgästen auszuspielen. Im Bus durften Schwarze nur in den hinteren Reihen Platz nehmen, sie mussten auf jeden Fall Weißen Platz machen – und sich immer wieder schikanieren lassen.

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Marie Lacrosse: Montmartre: Traum und Schicksal

Auch der zweite Teil der Dilogie um Valérie Dumas und Elise Lambert gibt wieder einen sehr realistischen, gut recherchierten und fundiert geschilderten Einblick in die Lebensumstände in Paris im ausgehenden 19. Jahrhundert. Diesmal geht der Blick vor allem auf die Situation der Frauen. Zum einen auf jene Frauen, die wie Valérie darum kämpfen, sich als eigenständige Frau und /oder als Künstlerin zu behaupten, was beides gleichermaßen schwierig war. Valérie hatte zwar das Privileg an einer der Akademien eine Ausbildung als Malerin zu absolvieren, die ausnahmsweise auch mal eine Frau in ihre Klasse aufgenommen hat, aber schon mit ihrer Abschlussarbeit musste sie erfahren, dass Frauen keineswegs malen durften, was und wie sie es wollten, sondern einem strengen Diktat unterworfen waren.

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Annette Moser: Na toll, ein Weihnachtstroll

Die 24 kurzen Kapitel, die wie ein Adventskalenderbuch genutzt werden können, sind so schön, dass man eh ganz sicher mehr als eines jeden Abend beim Schlafengehen lesen möchte, deshalb macht es überhaupt nichts, wenn Sie das Buch nicht pünktlich zum 1. Dezember in Händen hatten.

Die Geschichte um Rübli, den pfiffigen, wichtelkleinen tannen- oder moos – oder irgendwie grünen (grün ist seine Lieblingsfarbe), von den wirren Haaren bis zu den meist dreckigen Zehenspitzen ist so liebevoll getextet und illustriert, dass man am liebsten dranbleiben möchte.

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Anna Husen: Lübecks Töchter: Der Traum von Bildung und Freiheit

Frauenbildung und Emanzipation sind die zentralen Themen in Anna Husens sehr realistisch geschildertem ersten Teil ihrer Reihe um „Lübecks Töchter“, die Lehrerinnen Clara und Amélie, die gemeinsam mit ihrer älteren Schwester Pauline, die aber nur eine Randfigur spielt, in Lübeck eine „Schule für höhere Töchter“ leiten.

Amélie kommt nach dem Abschluss an einem der noch sehr seltenen Lehrerinnenseminare in Hamburg zurück in ihre Heimatstadt Lübeck und unterrichtet gemeinsam mit den Schwestern. Eine solche Schule, an der Mädchen mehr lernen als Lesen und Schreiben, Rechnen oder Handarbeit, ist noch immer etwas Besonderes. Ende des 19. Jahrhunderts war es nicht üblich, Mädchen und jungen Frauen auch in Naturkunde, Naturwissenschaften und Sprachen zu unterrichten. Es reichte völlig aus, wenn ein junges Mädchen in der Lage war, einen Haushalt zu führen, Kinder zu erziehen und leichte Konversation zu betreiben, schließlich sollte es ja nicht selbst für seinen Unterhalt sorgen, sondern eine, oft von den Eltern arrangierte Ehe eingehen. Die Schwestern Roquette wollen das ändern. Sie wollen jungen Mädchen und Frauen den Zugang zu mehr Bildung ermöglichen und außer ihrer Schule ein Lehrerinnenseminar einrichten, wie Amélie es in Hamburg kennengelernt und absolviert hat.

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