Für die 12-jährige Paula bricht die Welt zusammen, als ihre Mutter Francesca bei einem tragischen Unfall ums Leben kommt. Paula fühlt sich allein und verzweifelt, von allen verlassen. Auch das Versprechen ihres Vaters, „nur noch du und ich“, fühlt sich bald nicht mehr wahr an, als Sandra, Francescas angeblich beste Freundin, sich immer mehr in ihr Leben drängt. Was zunächst nach Kümmern und Trösten aussieht, wird mehr und mehr zum Eindringen in die Gemeinschaft zwischen Paula und ihrem Vater. In der Schule behandelt man sie wie ein rohes Ei, die Freundinnen wissen nicht, wie sie mit ihr umgehen sollen. Da ist die Aussicht, die großen Ferien an der Amalfiküste verbringen zu dürfen, bei Mamas Familie, für Paula ein großer Trost. In Ravello, wo Nonna Rosa, ihre Urgroßmutter und Nonna Adele, ihre Großmutter leben, fühlt sie sich willkommen und zu zu Hause. Nonna Adele hat nach dem Tod ihrer Tochter beschlossen, ihre Apotheke schon früher als geplant an ihre Mitarbeiterin zu übergeben und sich zurückzuziehen. Das Nichtstun fällt ihr allerdings nicht leicht, sie ist gerade mal knapp sechzig und viel zu agil, um nur noch in der Sonne zu sitzen. Paulas Besuch tut ihr gut. Sie liebt ihre deutsche Enkelin inniglich, erinnert sie sie doch sehr an ihre Tochter Francesca.
Weiterlesensabine-ertz
Ina Haller: Liestaler Lügen
Kenner der Krimi-Reihe um Samantha Kälin, genannt Sammy, sind sicher gleich wieder mittendrin, im achten Fall für die Ermittlerin, die eigentlich gar keine ist, aber immer wieder in irgendwelche Kriminalfälle verwickelt wird. Wer Sammy und die anderen Bücher nicht kennt, tut sich stellenweise etwas schwer, wenn in Halbsätzen oder kurzen Anmerkungen Bezug genommen wird auf Dinge, die früher geschehen sind. Etwa einen Fall, bei dem Sammy sich, als sie fliehen musste, das Knie verletzt hat. Das passiert ihr jetzt wieder, ein Skiunfall, dasselbe Knie. Gott sei Dank nur verstaucht, nichts Schlimmeres, aber blöd und langwierig ist es trotzdem. Sammy ist auch nicht wirklich überzeugt, dass es „nur“ eine „Pistensau“ war, die sie hart angerempelt und ihren bösen Sturz damit verursacht hat, sie glaubt, es war Absicht. So vieles, was in den letzten Tagen vor ihrem Kurzurlaub mit Joel, seiner Schwester und ihrer Familie im Chalet in Zermatt passiert war, lässt sie hellhörig und auch ein bisschen ängstlich werden.
WeiterlesenDeike Wichmann: Weil wir gleich sind
Der Roman um die „Blitzlicht-Frauen“ beruht auf einer wahren Begebenheit und ist von daher umso interessanter. Zwei der 1978 am Prozess der „Heinze-Frauen“ Beteiligten haben der Autorin die Geschichte ihres zähen und kräftezehrenden Kampfes um „gleichen Lohn für gleiche Arbeit“ erzählt und sie so zu der Geschichte um die Fotolaborantin Henni und ihre Kolleginnen inspiriert.
Alles beginnt damit, dass Henni den Lohnzettel eines Kollegen findet, der dem wohl aus der Tasche gerutscht sein muss. Sie bemerkt, dass die Männer im Betrieb offenbar ein gutes Stück besser bezahlt werden als die Frauen, und sie redet mit ihren Freundinnen aus ihrer Schicht darüber. Sie gehen damit zum Betriebsrat, der sie in ihrem Anliegen nach gleicher Bezahlung auch unterstützt. Ein Gespräch mit der Geschäftsleitung verläuft allerdings sehr unerfreulich, die Frauen werden abgespeist mit Bemerkungen, dass Männer eben schwerere Arbeit machten, in Nachtschichten arbeiten würden (was Frauen 1978 gar nicht gestattet war), etc. Doch die Frauen geben sich damit nicht zufrieden. Sie kämpfen weiter, oft gegen Widerstand in der eigenen Familie. Viele Männer finden es überhaupt nicht in Ordnung, dass ihre Frauen plötzlich aufmucken.
WeiterlesenRomy Herold: Die Schwartau Schwestern: Die Süße des Lebens
Eine interessante Familiengeschichte, eng verwoben mit der Entstehungsgeschichte eines Unternehmens, das bis heute erfolgreich ist. Zwar nicht mehr im Familienbesitz, aber nicht minder erfolgreich. Und zwar nicht nur mit Marmelade, zu den besonderen Verkaufsschlagern gehören seit den 1980er Jahren vor allem Corny-Müsli-Riegel, ein Produkt, das aus Amerika übernommen worden war und sich auch hier bei uns etabliert hat.
Begonnen hat alles zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit einer Fabrik für Bohnerwachs, die die Brüder Dr. Paul Fromm, Chemiker und Apotheker, und der Kaufmann Otto Fromm in Schwartau, damals einem kleinen Marktflecken mit Potenzial gegründet hatten. Die komplette Familie übersiedelte von Rostock nach Schwartau. Auch die Schwestern waren in das Unternehmen eingebunden. Zunächst nur Emma, die die Buchhaltung innehatte, was für eine Frau in der damaligen Zeit äußerst ungewöhnlich war, aber ihre Familie war in vielen Dingen eher unkonventionell.
WeiterlesenMoa Berglöf, Joakim Zander: Die Stockholm Protokolle: Gefährliche Beziehungen
Julia hat sich als investigative Politikjournalistin bei einer schwedischen Zeitung einen Namen gemacht. Man kennt sie, man schätzt ihre Artikel. Bis sie eines Tages offenbar ein bisschen zu viel investigativ unterwegs ist. Julia glaubt, Unregelmäßigkeiten entdeckt zu haben, im Terminplan der Flugbereitschaft der schwedischen Regierung. An sich nichts Aufregendes, wären da nicht immer wiederkehrende Ereignisse rund um Aufenthalte des Ministerpräsidenten und seiner engsten Vertrauten in Brüssel. Wie es aussieht, ist die Regierungsmaschine jeweils bereits ein, zwei Tage vor der Rückkehr von Christian Bratt wieder in Stockholm gelandet. Julia treibt die Frage um, was der Ministerpräsident außerhalb des offiziellen Terminplans in Brüssel zu tun hatte. Klingt alles erstmal ziemlich harmlos, kann ja auch völlig belanglos sein, aber daran glaubt Julia nun wieder nicht. Ihre Recherchen scheinen gehörig mehr Staub aufzuwirbeln als es ein privater Grund je tun würde. Julia stößt plötzlich auf eine Mauer aus Schweigen, keiner beantwortet mehr ihre Fragen. Sie wird zur Persona non grata. Nicht nur in Politikerkreisen, auch in der Redaktion. Julia wird aufs Abstellgleis geschoben und muss „zur Strafe für ihr Weiterbohren“ zurück ins Großraumbüro und zu Anfängerterminen.
WeiterlesenKatharina Fuchs: Schwesternland
Den Rahmen für diesen intensiv und toll recherchierten historischen Roman bildet zum einen die Zeit der Verfolgung der Hugenotten im 17. Jahrhundert, nach der Aufhebung des Edikts von Nantes, zum anderen die Geschichte der Familie Barnsdorf im Havelland, heute. Am 100. Geburtstag ihrer Großmutter Henriette macht Antonia die Bekanntschaft einer Großcousine ihrer Großmutter, die – u.a. auf Henriettes Bitte – sich mit Ahnenforschung und dem Stammbaum der Barnsdorfs befasst hat. Maximiliane, eine beeindruckende Frau, die auffällt, schon, weil sie darauf besteht, „Max“ genannt zu werden – und zwar englisch ausgesprochen. Max bringt einen dicken Ordner mit Unterlagen mit zum Familienfest und begeistert damit vor allem Antonia, die gerade daran ist, ihre Masterarbeit zu schreiben, mit dem Thema aber nicht so ganz glücklich ist. Überhaupt ist sie mit ihrem Leben zur Zeit insgesamt nicht im Reinen, sodass die Spur, die Max da aufgetan hat, sie darin bestärkt, Leipzig, wo sie studiert und ihrer Familie in Berlin erst einmal den Rücken zu kehren und nach Lyon zu reisen, wo Max ihr den Kontakt zu einem renommierten Historiker gemacht hat, der ihr bei der Suche nach den Wurzeln ihrer Familie sicher hilfreich sein kann. Monsieur Bellamy verfügt über hervorragende Kontakte, ein riesiges Netzwerk an Bekannten und Freunden, die gerne weiterhelfen.
WeiterlesenSybille Baecker: Tod in den Highlands
Ein Krimi um Whisky und schöne Landschaft, mit viel Lokalkolorit und Wissensvermittlung über Herstellung, Brennen, Geschmack und Besonderheiten von schottischem Whisky. Wer sich also für Whisky interessiert, der kommt auf seine Kosten.
Alison Dexter, die es ganz gut brauchen kann, einen Fall zu übernehmen, mit dem ihr Name als Privatermittlerin ein bisschen bekannter wird, soll herausfinden, wer es geschafft und gewagt hat, einen edlen Whisky einer renommierten Destillerie in den schottischen Highlands nicht nur zu fälschen, sondern auch bei einer Auktion mit dieser Fälschung in der markanten, typischen Flasche eine gute Stange Geld zu erzielen. Alison hat, wenn sie auf ihr Konto schaut, keine andere Wahl als den Auftrag anzunehmen, zumal die Brennereibesitzerin verspricht, nicht knauserig mit dem Honorar zu sein, aber von Whisky hat sie leider kaum Ahnung.
WeiterlesenDina Casparis: Die dunkle Seite der Schokolade
Ein zunächst etwas verwirrender Krimi über die Machenschaften der Schokoladenindustrie, der dann aber immer interessanter wird und gute Einblicke gibt in die Zeit, als auch die Schweizer sich als Kolonialherren zum Beispiel in Afrika nicht nur mit Ruhm bekleckert haben. Diese Zeit wird recht anschaulich dargestellt, anhand von Nachforschungen der jungen Rechtsanwältin Serafine Montalin, die als Leiterin der Abteilung Interne Untersuchungen beim Schokoladenkonzern CacaoBest auch für Firmenzusammenschlüsse zuständig ist. Das genaue Hinsehen ist Teil ihrer Aufgabe und so forscht sie eben intensiv auch in der Vergangenheit der Firma Chocolat Grison, die vom Mitbewerber CacaoBest übernommen werden soll. Die Gespräche stehen schon kurz vor dem Abschluss, als Serafine involviert wird. Chocolat Grison, zufällig auch der frühere Arbeitgeber ihres verstorbenen Vaters, spielt in Serafines ganz persönlicher Vergangenheit zwar eine große Rolle, aber das soll natürlich beim professionellen Blick auf das Geschäftsgebaren des Unternehmens keine Rolle spielen.
WeiterlesenClaudia Bardelang: Leben und Sterben in Verona
Wer die Reihe um Commissario Brunetti in Venedig von Donna Leon mag, dem wird sicher auch „der neue“ Kommissar Forlani aus Verona sympathisch sein. Mitte vierzig, aus bestem Hause, früher begehrter Junggeselle mit Hang zur Perfektion, inzwischen jung verheiratet, Vater eines drei Monate alten Sohnes, der die junge Familie auf Trab hält, was besonders problematisch ist, da Grace, Forlanis zwanzig Jahre jüngere Ehefrau wohl noch immer an Wochenbettdepressionen leidet und Forlani nicht nur übernächtigt, sondern auch voller Sorge um die Gesundheit seiner Frau ist.
Doch all das hat mit der Arbeit nichts zu tun – Forlani bemüht sich, seinen Mitarbeitern gegenüber um einen korrekten, entspannten und kollegial-freundschaftlichen Umgang, auch wenn der akute Personalmangel alle zu mehr Überstunden zwingt als gesund wäre. Der Mord an seinem guten Freund, dem renommierten Antiquitätenhändler Palladini und – fast zeitgleich – an dessen Mitarbeiter, der nur wenige hundert Meter entfernt noch in der Werkstatt gearbeitet hat, stellt das Team vor einige Rätsel.
WeiterlesenRegine Kölpin: Zwischen Abschied und Neubeginn: Die Hebammensaga
Auch der zweite Teil der „Hebammensaga“ um Esther und Luise ist wieder sehr authentisch und schildert realistisch die Probleme, mit denen sich freiberufliche Hebammen in den 1980er-Jahren (und manchmal bis heute) konfrontiert sahen. Die Zusammenarbeit mit den Kliniken war nicht immer einfach, weil ein Großteil der Ärzte die Hausgeburten und die Betreuung durch freiberuflich tätige Hebammen strikt ablehnten. Esther hat nach dem abrupten Ende ihrer Zeit in der Wellenklinik für sich einen guten Weg gefunden. Dank der Unterstützung und Hilfe der älteren Hebamme Luise, die sie in der Silvesternacht kennengelernt hatte, als sie unfreiwillig, aber im Nachhinein Gott sei Dank, bei Freunden von Stefan untergekommen war, ist Esther nicht lange arbeitslos geblieben, sondern konnte sich in Luises Praxis einkaufen und gemeinsam mit ihr werdende und junge Mütter betreuen.
Weiterlesen








