Marc Raabe: Im Morgengrauen

Nach dunkel-lila, knallgrün und orange dann jetzt strahlend hellgelb! Wie immer mit schwarzem Farbschnitt und einem düsteren Tier auf dem Cover. Trotz der strahlend hellen Farbe wirkt auch dieses Cover wieder ein bisschen unheimlich, wie eben auch immer. Das Tier ist diesmal eine Eule. Welche Bedeutung sie in dem packenden Thriller hat, wird recht bald klar. Ein weiterer Fall für das ungleiche, aber sympathische Ermittlerduo Art Mayer, der es einem nicht leicht macht, ihn zu mögen mit seiner verschlossenen, schrulligen Art und seiner Neigung zu Alleingängen, mit denen er sich nicht selten in Schwierigkeiten bringt und Nele Tschaikowsky, die inzwischen Mutter ist, der aufgeschlossenere Part des Duos und wohl eine der ganz wenigen Menschen, die Art nicht nur als Kollegen, sondern als Freund bezeichnen und das auch so meinen. Auf Nele kann er zählen. Immer wieder und trotz all seiner gefährlichen Alleingänge, seiner Unzugänglichkeit zum Trotz.

Auch dieser Fall wird wieder ziemlich persönlich für Art, nicht nur, weil es wieder einmal um seine Bekanntschaft, ja frühere Freundschaft mit Bundeskanzler Henrik Westphal und seiner Frau Juli geht, sondern weil Art in Verdacht gerät, etwas mit dem Verschwinden des Kanzlers zu tun zu haben.

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Romain Haas: Jagd durch Luxemburg

Man kann sein Vermögen – so man eines hat – ja eigentlich hinterlassen, wem man möchte. Man kann es gerecht oder ungerecht aufteilen, einer Stiftung vermachen oder eine gründen, man kann es aber auch an Bedingungen knüpfen. So wie der exzentrische, berüchtigte Multimillionär Charles Cannes. Man könnte sagen, er macht sich einen perfiden Spaß daraus, seine geldgierige Familie, die eh schon fast allesamt von seinem Geld leben, zu einer Art Schnitzeljagd durch Luxemburg zu zwingen, sofern sie erben möchten. Mit einer guten Portion schwarzen Humors beschließt Charles Cannes, wer erben möchte, soll sich sein Geld verdienen. Eigentlich würde er ja gerne seiner Schwester, seiner Lieblingsenkelin und auch seiner Pflegerin ein bisschen mehr zukommen lassen als den anderen, aber dann würde sich der Rest der „lieben Familie“ auf die drei stürzen wie die Geier. Mit seinem seltsamen Testament möchte er erreichen, dass sich zeigt, wer tatsächlich würdig sein wird, mit so viel Geld umzugehen. Die Rede ist immerhin von einhundert Millionen. Bei der Testamentseröffnung ist die Überraschung denn auch groß. Charles hat für jeden einen Umschlag vorbereitet mit einem Rätsel, das es zu lösen gilt. Wer den Umschlag annimmt, verpflichtet sich, mitzuspielen. Wer ihn verweigert, ist raus. Die Rätsel sind kryptisch, philosophisch, erfordern geschichtliches, kulturelles und Allgemeinwissen, außerdem eine gute Kombinationsgabe und manchmal auch ziemlich viel Risikofreude. Charles‘ Idee dahinter war: entweder sie schlossen sich zusammen oder sie stürzten sich gegenseitig ins Unglück. „Sich zusammenschließen“ ist in Charles‘ Familie allerdings anscheinend keine Option. Hier kämpft lieber jeder für sich und gegen die anderen, um möglichst wenig abgeben zu müssen. Bis auf Gertrud, Charles‘ Schwester, nehmen alle den Umschlag und damit die Herausforderung an. Auch Charlie, seine Enkelin. Sie ist als einzige bereit, zu teilen und sich Hilfe beim Rätseln zu holen. Während die Verwandtschaft skrupellos versucht, an das Geld zu kommen, geht Charlie mit Scharfsinn und gerne auch mit Unterstützung von außen vor.

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Hendrik Lambertus: Das Rad der Welt

Die „mappa mundi“, auf der hier der eigentliche Schwerpunkt der Erzählung liegt, ist keine Erfindung des Autors, wie man vielleicht meinen möchte, es gab sie wirklich und auch an dem Ort, an dem sie im Roman entsteht. Die Ebstorfer Weltkarte wurde 1830 zufällig wiederentdeckt, im Konvent Ebstorf bei Lüneburg. Inzwischen kann man sich ein Bild davon machen mit einem Online-Faksimile, das die Universität Lüneburg zur Verfügung stellt.

Auch wenn die im Roman handelnden Personen größtenteils fiktiv sind, es gab eine Priorin namens Mechthild im Kloster Ebstorf, und natürlich ist auch Herzog Otto von Lüneburg historisch verbrieft. Agnes, seine Tochter im Roman ist allerdings fiktiv.
Eine Karte der Welt, wie sie um 1300 bekannt war, ist der Traum der jungen, wissbegierigen Herzogstochter Agnes. Schon als Kind hat sie sich für alles interessiert, was außerhalb des Burghofes passiert, zu gerne würde sie selbst die Welt erkunden. Pater Aegidius, der sie auf der Burg unterrichtet, versucht ihren Wissensdurst zu stillen, so gut er kann. Mit einer kryptischen Zeichnung der Weltkarte auf einer kleinen Wachstafel weckt er erst recht Agnes‘ Interesse an der Geografie. Sie will unbedingt mehr wissen, will die Welt erfahren und aufzeichnen. Doch leider ist es ihr als Tochter des Herzogs kaum möglich, die Burg zu verlassen und wenigstens die umliegenden Gegenden zu erkunden. Viel zu selten kann sie Vater und Brüder mal auf die Falkenjagd begleiten und dann ja auch nur innerhalb der Ländereien des Herzogtums.

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Marion Demme-Zech: Gegen Mord ist kein Sauerkraut gewachsen

Wer gerne Krimis aus bestimmten Regionen liest, die dann ja auch immer viel Lokalkolorit bieten, ist bei den Saarlandkrimis von Marion Demme-Zech gut aufgehoben.

Ihr Ermittlerteam Toni, korrekt Antonia Kuppertz und Wolfgang Forsberg samt Dackel Günther ist diesmal in einem etwas anderen Einsatz. Eine Leiche wurde auf einem Hausboot auf der Mosel gefunden, das Boot war abgetrieben, zwei Männer aus dem Fluss geborgen, die offenbar in das Hausboot hatten einbrechen wollen und dabei die Leiche angeblich gefunden haben, mit dem Mord aber nichts zu tun haben wollen. Soweit so einfach. Aber: der Mann war tot, als das Boot noch am luxemburgischen Ufer der Mosel lag, abgetrieben wurde das Boot dann wieder nach Deutschland, die aus dem Fluss geborgenen Einbrecher stammen aus dem Saarland, sind also Deutsche. Geborgen wurden sie von der polnischen Besatzung eines niederländischen Kohlefrachters …. Das sind eine Menge Nationalitäten, die bei der Zuständigkeit der ermittelnden Behörden berücksichtigt werden wollen. Aber ist nicht alles irgendwo in Paragraphen geregelt? Eben! Man verständigt sich mit dem Luxemburger Kollegen auf eine binationale Zusammenarbeit und geht die Sache gemeinsam an. Dass das eine gute Entscheidung war, müssen Toni und Wolfgang mehrfach erfahren, denn sie begeben sich im Laufe der Ermittlungen selbst in große Gefahr.

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Frank Goldammer: Strandopfer

Der Auftakt einer neuen Krimiserie mit einem deutsch-polnischen Ermittler-Duo, das nicht wirklich harmonisch miteinander arbeitet, das dem Leser genauso wenig gleich sympathisch ist. Schwierig! Lena Schuldt, BKA-Beamtin aus Berlin wird zu Ermittlungen an die polnische Ostseeküste beordert, nachdem ein deutscher Urlauber am Strand tot aufgefunden wurde und gleichzeitig die zehnjährige Tochter von Freunden, mit denen er regelmäßig hier seit Jahren in einer Villa in der Nähe die Ferien verbringt, verschwunden ist. Lena versteht zwar nicht so ganz, was sie bei den Ermittlungen soll, aber einer der Freunde des Toten arbeitet beim Innenministerium, daher … Die ganze Situation belastet Lena. Die Gegend ruft unschöne Erinnerungen an ihre Kindheit auf der anderen Seite der Grenze, in einem ganz ähnlich strukturierten Dorf wach, mit einem Vater, der Alkoholiker war, einer Mutter, die die Familie verlassen und Lena dem Vater überlassen hat. Großeltern, bei denen sie dann groß geworden ist, die aber nicht besonders liebevoll mit ihr waren. All das beschäftigt sie, als sie jetzt hier mit Adam Krawczyk, ihrem polnischen Kollegen, die Ermittlungen führen soll. Auch Adam scheint etwas zu belasten, er ist Lena gegenüber sehr reserviert, ja fast schroff ablehnend. Lena ist auf ihn angewiesen, sie spricht die Sprache nicht. Adam spricht gut Deutsch, er war mit einer Deutschen verheiratet, die es aber in Polen nicht ausgehalten hat und die wieder zurückgegangen ist nach Deutschland. Jeder von beiden hat so seine Vorurteile, erfüllt alle Klischees, die man so kennt. Es dauert recht lange, bis sie sich ein bisschen öffnen und wirklich mal an einem Strang ziehen. Bis dahin muss allerdings ein zweiter Mord passieren und das Mädchen nach mehreren Tagen erst, eher zufällig, gefunden werden, nur um kurz darauf ein zweites Mal zu verschwinden.

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Gabriela Kasperski: Bretonisch mit Meeresrauschen

Wellen, die sich an Felsbrocken am Strand brechen, ein bewölkter Himmel, der nach einem drohenden Gewitter aussieht – das Cover des neuen Tereza-Berger-Bretagne-Krimi macht gleich Appetit.

Wer Tereza Berger, die sympathische Buchhändlerin aus der Schweiz kennt, die sich inzwischen seit einigen Jahren in der Bretagne heimisch und wohl fühlt, weiß, dass es nicht lange dauern wird, bis sie wieder mal ganz zufällig über ein Verbrechen stolpert. Auch im siebten Fall der Hobby-Ermittlerin mit viel Gefühl für ihre Mitmenschen und viel Liebe zu ihrer Umgebung ist das natürlich so. Aber keine Bange, man kann diesen Band der Reihe auch sehr gut lesen, wenn man die ersten Teile nicht kennt. Die Bezüge zu früheren Episoden werden gut vermittelt, man ist jederzeit à jour und muss nicht rätseln, was gemeint ist, worum es grade geht.

Eines Abends nach einem Konzert in der neuen Musikbar Breizhbleu in Camaret-sur-Mer findet Tereza die Besitzerin des Lokals brutal zusammengeschlagen auf der Straße. Tereza verständigt Polizei und Rettungswagen, möchte aber selbst im Hintergrund bleiben. Sie weiß, dass es Neubürgern im Ort nicht leicht gemacht wird, das hat sie selbst erfahren, als sie vor einigen Jahren kam und ihre kleine Buchhandlung „Déjalu“ eröffnet hat, aber ein so brutaler Überfall? Das kann nicht nur damit zu tun haben, dass Jo neu und aus Paris ist. Tereza nimmt, wie sollte es anders sein, eigene Ermittlungen auf, die Polizei lässt sie außen vor, zumal offenbar Gabriel, ihr ehemaliger Verlobter, wieder aus Schottland zurück in Camaret ist und wieder als Kommissar die Ermittlungen leitet. Ihm geht sie ganz gerne aus dem Weg. Ihre persönliche Geschichte mit Gabriel hat sie noch nicht hinter sich gelassen, da muss sie noch ein bisschen knabbern. Die Polizei konzentriert sich sehr bald auf einen jungen Mann als Täter, der beim Konzert gewesen und inzwischen anscheinend unauffindbar ist. Tereza hat einen ganz anderen Verdacht. Sie vermutet den oder die Täter in der Gastroszene der Insel und konzentriert sich darauf. Tatsächlich kommt sie einer Menge Ungereimtheiten, Missgunst und Korruption auf die Spur, deckt mit Hilfe einer engagierten Journalistin, die eine Freundin des Opfers ist, aber auch ganz andere Geheimnisse um Jo und ihre Vergangenheit auf.

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Julie Caplin:  Ein Wiedersehen im Sommer

Willkommen zurück in Wilsgrave, dem kleinen beschaulichen Dorf nicht allzu weit von London, in dem jeder jeden und jede kennt, sich berufen fühlt, sich einmischen zu dürfen, aber auch immer da ist, wenn mal Hilfe gebraucht wird. Im zweiten Band der Country-Escape-Reihe steht diesmal Tierarzthelferin Bets im Mittelpunkt. Eine quirlige junge Frau, immer freundlich, immer hilfsbereit und zurückhaltend, wenn es um sie selber geht, beliebt bei allen im Dorf und für Geoffrey, ihren Chef und Devon, seinen Sohn, der ebenfalls als Tierarzt in der Praxis seines Vaters arbeitet, die beste Tierarzthelferin, die sie je hatten.

Bets war es, die damals Ella, die jetzt mit Devon zusammen ist, herzlich in Wilsgrave aufgenommen hat und ihr gar keine Chance gelassen hat, sich im Cottage ihrer Patentante zu „vergraben“, wie sie es eigentlich vorhatte.

Inzwischen sind Bets und Ella beste Freundinnen, und jetzt ist es an Ella, Bets aus ihrer traurigen Stimmung zu helfen. Bets redet nicht über ihren Kummer, sie macht gerne alles mit sich alleine aus, aber Ella spürt, dass da mehr ist als nur mal ein schlechter Tag. Der Grund für Bets‘ Traurigkeit heißt Jack und ist Devons Bruder. Seit ihrer frühen Jugend waren sie ein Paar, bis Jack nach Bristol zum Studium gegangen ist und seine Besuche zuhause immer seltener wurden. Bei den wenigen Gelegenheiten, bei denen Bets ihn besucht hat, kam sie sich immer fehl am Platze vor und hatte auch das Gefühl, dass Jacks vermeintliche Freunde keine echten waren. Davon wollte er allerdings nichts hören. Bis jetzt. Jetzt hat er erkannt, dass sie ihn nur ausgenutzt haben.

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Claudia Rikl: Elbland

Nina hat ein verdammt großes Päckchen zu tragen. Das ist ihr zwar schon lange bewusst, aber erst nach dem Tod ihrer Mutter, um die sie sich aufopferungsvoll gekümmert hat, ohne Unterstützung durch ihre Schwester Katja, wird ihr bewusst, wie viel es da aufzuarbeiten gibt, über das Irma, ihre Mutter, immer geschwiegen hat. Ninas Verhältnis zu ihrer Mutter war zwar nicht unbedingt von Herzlichkeit und Vertrauen geprägt, dennoch fällt sie in ein tiefes Loch, als Irma stirbt. Ihre Mutter litt schon lange unter Depressionen, wohl schon, als die Kinder noch Kinder waren und die Familie eine Familie. Nina erinnert sich gut an die „schlechten Tage“. Jetzt, nach Irmas Tod, fragt Nina sich, was ihre Mutter wohl so beschäftigt hat, dass sie in eine schwere Depression verfallen ist. Sie fragt sich aber auch, warum sie selbst so ist, wie sie ist. Nina kann keine Nähe zulassen, kommt in ihrem Leben nicht wirklich zurecht, obwohl sie sich durchgesetzt hat und gegen den Willen der Mutter Schauspielerin geworden ist, statt Medizin zu studieren, was ihr damals durchaus möglich gewesen wäre.

Erzählt wird überwiegend in Rückblenden, in drei Zeitebenen. Einmal die Zeit jetzt, nach dem Tod der Mutter, dann erfahren wir von Irmas Kindheit am Ende des Zweiten Weltkrieges, eine wichtige Bedeutung hat aber auch das Jahr 1987 für Ninas Familie. Der letzte Urlaub als Familie in der DDR. Damals waren sie nach Böhmen gereist, die Heimat der Mutter. Nach diesem Urlaub ist alles verändert, die Familie zerbricht. Erst im Laufe der Erzählung, zwischen den Zeilen, wird klar, was damals passiert ist.
Nina hat das unbedingte Bedürfnis, die Vergangenheit aufzuarbeiten, zu erfahren, woher ihre Mutter stammt, wo sie ihre Kindheit und Jugend verbracht hat und was passiert ist, das ihre Mutter hat stumm werden lassen.

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Anne Barns: Der Geschmack von Sommer und Karamell

Sommer, Sonne, Inselfeeling, Meerluft und barfuß im Sand laufen – was braucht man im Sommer eigentlich mehr? Leider haben wir das nicht alle und zu jeder Zeit. Umso schöner, wenn man, wie Ella, ziemlich überraschend zu zwei Wochen Urlaub auf Amrum eingeladen wird.

Oma Henny überrascht ihre Familie an ihrem 78. Geburtstag mit der Ankündigung: Ich fahre übrigens in ein paar Tagen für zwei Wochen nach Amrum. Aha! Und wie sich herausstellt, ist alles schon von langer Hand geplant, das Ferienhaus schon vor Monaten gebucht und Oma ist fest davon ausgegangen, dass ihre Enkelin Ella es sein wird, die sich bereiterklärt, mit ihr zu fahren. Ella ist Kinderbuchillustratorin, kann also eigentlich überall arbeiten und ein Urlaub täte ihr wohl auch ganz gut. Ella steckt grade in einer Schaffenskrise, ihre Back-Elfe, die sie gerne zeichnen würde, nimmt nicht richtig Gestalt an. Also warum nicht? Außerdem ist Ella neugierig auf die Geheimnisse, die Oma anscheinend hat, wenn es um Amrum und die Zeit geht, die sie vor vielen Jahren dort verbracht hat. Die Idee, jetzt, nach mehr als 60 Jahren wieder einmal Urlaub auf der Insel zu machen, kommt nicht von ungefähr, wie Oma zugibt. Ein Freund aus früherer Zeit hat sie zu seinem Geburtstag eingeladen, und sie möchte die Gelegenheit nutzen, alte Freundschaften vielleicht wieder aufleben zu lassen oder eben festzustellen, dass das nicht mehr geht.

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Charlotte von Feyerabend: Die Liga der sagenhaften Frauenzimmer: Der Auftakt

Ein etwas anderer Roman als man es so gewöhnt ist. Amüsant, unterhaltsam, interessant und historisch gut eingebettet. Erzählt wird von „Ihrer Chronistin“, wie sie immer wieder gerne unterzeichnet. Also eher von außen, und doch münden ihre Anmerkungen und politischen Einordnungen, die zu Beginn jeder Episode (Kapitel gibt’s hier nicht) stehen, immer direkt in einem der damaligen Salons oder bei einer Festivität, bei der die Männer über Politik, den König und die Weltlage diskutiert haben, die Frauen in der Regel als „schöne Staffage“ gesehen wurden.

Wir befinden uns zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Westphalen, zur Zeit König Jérôme Bonapartes, auch genannt König Lustik, dem jüngsten Bruder Napoleons. Frauen hatten damals keine Rechte und waren komplett abhängig vom Ehemann, Vater oder Bruder als Familienvorstand. Und wir befinden uns in „der besseren Gesellschaft“. Im Mittelpunkt des Romans stehen so bekannte Frauen wie Bettina von Arnim, Annette von Droste-Hülshoff und ihre Schwester Jenny, Ludowine von Haxthausen oder Karoline von Günderode. Von ihnen allen hat man sicher schon gehört und wohl auch gelesen, aber in der Reihe der frühen Feministinnen sieht man sie wohl eher nicht unbedingt.

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