Amüsant, warmherzig und liebevoll wie immer, gewürzt mit einer guten Portion friesischen Charmes. Die Ostfriesenkrimis dieses Autorinnen-Duos sind ein bisschen wie Urlaub an immer dem gleichen Ort. Man kennt die Umgebung, mag die handelnden Personen und die Region und ist gleich mittendrin. Ohne lange Vorrede sind wir auch diesmal wieder beim ersten Todesfall. Postbote Henner findet die tote Reederin Tjalda auf ihrem Schiff, mitten in der Blumendeko für die nächste Seebestattung, die in wenigen Stunden stattfinden soll. Sein Freund Rudi und dessen Polizistenkollege Schnepel stellen eindeutig fest: Tjalda ist erschossen worden. Schnepel, der gerne mal ohne lange nachzudenken Schlüsse zieht, hat auch gleich eine einleuchtende Theorie: Das war ein Mafiamord. Immerhin war Tjalda mit einem Italiener verheiratet, der einen Feinkostladen führt, und sie war im Vorstand des gerade vor Kurzem erst gegründeten Hanf-Vereins in Neuharlingersiel.
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Liv Helland: Die Schloss-Schwestern: Dünen Sommer Liebe
Ein altes Schloss in Ostfriesland, gut in Stand gesetzt, aber nicht gerade ein einfach zu unterhaltendes Häuschen. Drei Schwestern mit ihren jeweils eigenen Biografien und Problemen, ein Testament mit einer bindenden Klausel, die die Schwestern zwingt, zunächst einmal drei Monate gemeinsam auf Schloss Süderholt zu leben, bevor sie entscheiden dürfen, was mit dem Erbe, das ihr Großvater Jörn ihnen zugedacht hat, in Zukunft geschehen soll. Einzig Levke hat von Anfang an eine Vorstellung davon, was sie aus dem Schloss gerne machen würde. Eine Eventagentur soll daraus werden, wenn es nach Levke geht. Doch das ist nicht so einfach umzusetzen. Theo, der Gutachter, den die Behörde zunächst geschickt hat, kommt zu dem Schluss, dass die Vorgaben, die die Denkmalschutz- und die Baubehörde zur Auflage machen, gut umzusetzen sind. Ein neuer, von der Behörde geschickter, sehr eifriger Gutachter kommt allerdings zu einem ganz anderen Ergebnis. Er unterstellt Theo außerdem, befangen zu sein, weil er mit Levke befreundet ist. Alleine kann Levke die neuen Bedingungen auf keinen Fall erfüllen, sie braucht die Unterstützung ihrer Schwestern.
WeiterlesenFergus Craig: Betreutes Morden: Ein Fall für Serienkillerin Carol Quinn
Wunderbar skurril, süffisant, stellenweise „very british“, auf jeden Fall sehr unterhaltsam ist dieser leichte Krimi, der uns in die vermeintlich noble Seniorenresidenz Sheldon Oaks führt.
Wer je dachte, das Leben in einer Seniorenresidenz sei nur noch langweilig und trist, der kann sich hier – nicht ganz ernst gemeint – eines Besseren belehren lassen. Sheldon Oaks scheint eine besondere Anziehungskraft zu haben für Menschen, die in ihrem aktiven Berufsleben in irgendeiner Weise mit Kriminalität zu tun hatten. Wie zum Beispiel der ehemalige Kriminalkommissar Geoffrey, der es natürlich nicht lassen kann, den jungen Kollegen mit gut gemeinten Ratschlägen und seiner Erfahrung auf die Nerven zu gehen. Oder Margaret, die einmal Innenministerin gewesen ist und jetzt immer noch über gute Kontakte verfügt, was sich im Laufe der Geschichte als durchaus hilfreich herausstellt, oder Catherine, die ehemalige Pathologin, die mit ihrer langjährigen Erfahrung unterstützt, als es darum geht, einen tragischen Todesfall in Sheldon Oaks aufzuklären. Nicht zu vergessen Carol, die von allen sofort verdächtigt wird, den armen Desmond vom Dach der Residenz gestoßen zu haben, weil sie als die verurteilte Serienmörderin erkannt wird, die sie einmal war.
WeiterlesenIny Lorentz: Helena: Das Schicksal der Todesschwestern
Geschichte gut verpackt in eine fesselnde Geschichte. Das kennen wir zwar vom Autorenpaar Iny Klocke und Elmar Wohlrath, alias Iny Lorentz, aber meistens spielen ihre historischen Romane ja im frühen Mittelalter. Das ist diesmal nicht der Fall. „Helena“ geht „nur“ 200 Jahre zurück, ins 19. Jahrhundert, in die Zeit der Freiheitskämpfe und -kriege in Griechenland, die zunächst recht aussichtslos, mit der späteren Unterstützung anderer Völker dann aber doch zur Unabhängigkeit von den Türken führten. Allerdings duldeten weder Russland noch England oder Österreich eine freie Republik Griechenland, weshalb Otto von Bayern, der Sohn Ludwigs I., zum König von Griechenland bestimmt wurde.
In diesem hervorragend recherchierten und gekonnt umgesetzten Roman liegt ein besonderes Augenmerk auf den Frauen, die an den Kämpfen um die Freiheit einen nicht geringen Anteil hatten. Die berühmteste war Laskarina Bouboulina, die die meisten Schlachten auf See für die Griechen gewann und später vom russischen Zaren posthum zum Admiral der russischen Flotte ernannt wurde. Ebenfalls eine wesentliche Rolle spielten die Suliotinnen und die Frauen von Mani, die hier im Roman besondere Bedeutung haben; von ihnen hieß es, dass sie ebenso gut schießen konnten wie die Männer. Sie durften zwar alle mitkämpfen und ihr Leben riskieren, bei der Gestaltung des neuen Staates spielten sie jedoch keine Rolle mehr.
WeiterlesenJulie Caplin: Ein Zuhause im Frühling
Schon das Cover macht fröhlich und sieht nach lauer Frühlingsluft aus. Fröhliches Rot, eine Bank, die zum Träumen im Garten einlädt, und ein Hund, der einen zutraulichen Eindruck macht.
Das fasst die neue Umgebung der Londoner Illustratorin Ella ganz gut zusammen, die für ein halbes Jahr das idyllische Cottage ihrer Patentante in der englischen Countryside hüten soll. Ella ist gerade an einem Punkt, an dem sie sich Gedanken über ihr Leben macht. Einiges ist nicht so gelaufen, wie sie sich das vorgestellt hatte, einiges will sie neu ordnen und sich klar werden, wo ihre Prioritäten liegen sollen. Da kommen das abgelegene Dorf in seiner Überschaubarkeit und Magdas liebevoll gepflegtes, heimeliges Cottage doch gerade recht. Doch mit der Ruhe, von der Ella geträumt hatte, ist nicht viel. Die überaus tatkräftigen und engagierten Dorfbewohner heißen die neue Mitbewohnerin nur allzu gerne und ohne Umschweife, aber auch ohne Ella viel Wahl zu lassen, willkommen und integrieren sie ohne Wenn und Aber in ihre Gemeinschaft. So ungefähr jeden Tag gibt es etwas zu tun, zu organisieren und irgendwo dabei zu sein. Und dann ist da ja auch noch Tess, die gutmütige Labradorhündin, um die Ella sich auch noch kümmern muss. Das wurde ihr so „im Vorbeigehen“ von ihren Eltern aufgedrückt, als diese sie vom nächstgelegenen Bahnhof abgeholt und zu Magdas Cottage gebracht haben. Das passt Ella eigentlich überhaupt nicht in den Kram, mit Hunden hat sie nichts am Hut und kennt sich auch überhaupt nicht damit aus. Das muss sie lernen, ob sie will oder nicht, denn Tess bleibt.
WeiterlesenSunil Mann: Ziemlich beste Verbrecher
Ein herrlich skurriler, unterhaltsamer, leichter Krimi mit zwei herrlich dargestellten Protagonisten, die sich zwar gegenseitig nicht ausstehen können, aber auch nicht anders können, als weiterhin zusammen in einer Art Wohngemeinschaft miteinander auszukommen. Beide in fortgeschrittenem Alter, da bleiben nicht mehr allzu viele Möglichkeiten, sich eine neue Existenz aufzubauen, wenn die bisherige Arbeitgeberin verstirbt. Alois Mistelzweig, gescheiterter Pianist, verdingt sich hin und wieder als Klavierspieler in Hotelbars oder Lounges, was allein allerdings den doch anspruchsgewohnten Lebensunterhalt nicht sichern kann. Berta Bartok, pensionierte Köchin, ist da eher auf die „Zusammenarbeit“ mit Alois angewiesen. Gemeinsam haben sie ein recht raffiniertes System entwickelt, den ein oder anderen Gast in vornehmen Zürcher Cafés oder Restaurants um sein Bargeld zu erleichtern. Ihre Methode ist ziemlich gezwungenermaßen ausgeklügelt und hat bisher auch immer gut funktioniert – zum Flüchten sind beide immerhin zu alt, da hätten sie keine Chance gegen einen jüngeren Verfolger.
WeiterlesenRegine Kölpin: Zwischen Zuversicht und Leben: Die Hebammensaga
Regine Kölpin erzählt die Geschichte von Esther, einer jungen, engagierten Hebamme, die für die werdenden Mütter, die Wöchnerinnen und ihre Neugeborenen gerne einige Veränderungen erreichen möchte. Leider stößt sie im harten Klinikalltag in der Wesermarsch, wo sie sich gerade in der Probezeit befindet, immer wieder auf den Widerstand und den Widerwillen ihrer Vorgesetzten. Schwester Helma hält streng am Alten fest und ist Esthers Ideen gegenüber alles andere als aufgeschlossen. Es kommt so weit, dass Esther ihre Stelle verliert und nun auf sich gestellt, ohne viele Menschen in der Wesermarsch zu kennen, weil sie erst seit Kurzem dort lebt, zurechtkommen muss. Das gelingt ihr mit Hilfe einer erfahrenen älteren Hebamme, die seit Langem für Neuerungen und Verbesserungen kämpft. Als freie Hebamme hat sie es damit nicht leicht.
WeiterlesenFerdinand von Schirach: Alexander
Ein wunderschön erzähltes, warmherziges Kinderbuch, das auch Erwachsene sofort anspricht und zum Nachdenken anregt. Ein modernes Märchen über die Werte des Zusammenlebens, klar und kindgerecht geschrieben, sehr bildhaft und mit federleicht wirkenden, teils farbigen Zeichnungen des Autors veranschaulicht. Die Geschichte von Alexander, der ausgeschickt wird, um herauszufinden, wie man zusammenleben und auf Dauer Kriege vermeiden kann, was „gerechte Gesetze“ sind, sollte eigentlich jeder gelesen haben.
Was sind „gerechte Gesetze“, was braucht es, damit es nie wieder Krieg und Tyrannei gibt? Auf diese Fragen soll Alexander, der Junge aus Kaliste, innerhalb von sieben Tagen Antworten finden. Die Bewohner der schönen Stadt am Meer möchten nie wieder einen Krieg erleben wie den, den ihr tyrannischer König gerade angezettelt hatte und bei dem viele ihre Liebsten, ihre Häuser, ihr Hab und Gut verloren haben. Doch wie geht das? Wer kann das herausfinden? Es wird beratschlagt und entschieden, dass Alexander, der selbst den Vater verloren hat und dessen Haus abgebrannt ist, auf die Reise gehen soll, um Antworten zu finden. Ein Kind soll es sein, weil Kinder unvoreingenommen, offen und ehrlich sind, zuhören und nicht beschönigen.
WeiterlesenKristina Hortenbach: Pleiten, Pech und Papa
FloFlott geschrieben, witzig, unterhaltsam und irgendwie recht realistisch.
Die Hochwasserkatastrophe im Ahrtal hat Kristina Hortenbach zu diesem amüsanten Roman inspiriert, der einem vor Augen führt, wie schnell sich alles ändern kann. Für Carmens Vater Heinz eine Katastrophe: Sein Haus steht unter Wasser, und er kann dort erst mal nicht bleiben. Mit Sack und Pack wird der 83-Jährige zu Carmen in den Schwarzwald verfrachtet – weit genug von zu Hause weg, dass er Carmens Schwester nicht dauernd über die Schulter schauen kann, wenn sie beim Aufräumen auch gleich großzügig ausmistet. Für Carmen ist Papas Einzug bei ihr allerdings recht anstrengend! Heinz ist mit seinen 83 Jahren voller Energie und vor allem System! Er bringt alles durcheinander, weil er einfach mal Ordnung schaffen will. Heinz hat alles in Excel-Tabellen gelistet – vom Inhalt des Kühl- und Gefrierschranks über Kontakte, To-do-Listen und Ähnliches bis zu seinen nächsten Vorhaben und Planungen. Per Zufall gerät ihm auf einem alten Laptop eine alte Telefonliste in die Finger, die ihn dazu animiert, mal zu testen, wer denn wohl noch seine alte Telefonnummer hat. Und siehe da: So findet er seine erste Liebe, Hilde, wieder!
WeiterlesenBeate Maly: Die Trümmerschule: Jahre der Kinder
Im zweiten Band der kleinen Reihe um die junge jüdische Lehrerin Stella stehen die Schicksale der Kinder und Jugendlichen im Mittelpunkt, denen es noch kurz vor Ende des Krieges gelungen ist, vor der Einberufung zu fliehen bzw. der Kinder, die damals in Heimen lebten und Grausamkeiten ertragen mussten, von denen wir kaum eine Vorstellung haben. Inzwischen kommen immer mehr dieser Vorgänge in Heimen – nicht nur in Österreich – ans Licht, aber leider können kaum noch Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen werden. Beispielhaft werden hier die Schicksale zweier Jungen geschildert, die sich zufällig in einem Zug begegnen. Beide auf der Flucht: Günther auf der Flucht vor der Einberufung, Bruno auf der Flucht vor dem Heim. Bruno ist völlig mittellos und läuft im Zug bereits Gefahr, erwischt zu werden, weil er keinen Fahrschein hat. Günther greift ein, zahlt die Fahrkarte, und beide gehen den gefährlichen weiteren Weg gemeinsam.
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