Charlotte Jacobi: Blütenweiße Träume

„Onkel Hugo hat mir erzählt, dass ihr an etwas forscht, das meiner Oma beim Waschen hilft. Damit sie nicht mehr so schrumpelige Hände hat.“ …. „Es heißt Natriumperborat, zusammen mit dem Natriumsilikat, das ist das Wasserglas, das Fritz Henkel senior früher verkauft und damit seine Firma begründet hat, sowie Soda und Seife entsteht eine Mischung, die dafür sorgt, dass die Wäsche ganz von selbst sauber wird.“
„Wasserglas“ das war für mich bisher ein Glas, aus dem man Wasser trinkt.

Dass das auch ein Begriff in der Chemie ist, habe ich in diesem Roman über die Familie Henkel und die Entstehung des  Waschmittels „Persil“ erfahren. Genau wie ich einiges gelernt habt über die Herkunft des ein oder anderen Begriffs, zum Beispiel: blaumachen. „Blaumachen“ ist ein Begriff, der beim Stoffe färben entstanden ist. Damit die Stoffe, die vorher mit möglichst alkoholhaltigem Urin gefärbt worden waren (ja, wirklich mit Urin! Der übrigens auch zum Waschen genutzt wurde), blau wurden, mussten sie in der Sonne trocknen. In dieser Zeit hatten die Färber Pause und konnten „blaumachen“.

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Susanne Esser: Fräulein Liebe und das Glück der Bücher

Lassen Sie sich von Titel und Cover nicht irritieren. Auch wenn es nach seichtem Roman klingt, ganz so ist es nicht. Klar, es ist ein Roman, die Inhalte überwiegend fiktiv, aber dennoch basierend auf realem Hintergrund. Die Autorin selbst ist gelernte Buchhändlerin, was erklärt, dass eine Buchhandlung der wichtigste Ort des Geschehens ist. Mal ein ganz anderer Hintergrund für eine Geschichte, die mehr ist als die Romanze zwischen zwei jungen Leuten.

Geschildert wird das Schicksal einer jungen Frau, die bei einem Bombenangriff auf Berlin ihre komplette Familie verliert und plötzlich vor dem Nichts steht. Wenige Tage zuvor hatte sie sich verlobt, aber Alfred musste unmittelbar danach an die Front. Bei seiner Familie findet Eva zunächst eine Unterkunft. Als allerdings die Nachricht kommt, dass Alfred gefallen ist, setzt sein Vater Eva vor die Tür. Die Eltern wollen nichts mehr mit ihr zu tun haben. Wohin jetzt? Die einzige Verwandtschaft, die Eva noch hat, kennt sie so gut wie gar nicht, sie weiß lediglich, dass Onkel August eine Buchhandlung in Andernach betreibt. Ganz auf sich allein gestellt macht Eva sich auf den gefährlichen Weg an den Rhein, vorsichtshalber in Männerkleidung und mit kurz geschnittenen Haaren.

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Susanne Popp: Loreley: Die Frau am Fluss

Keine Angst, es ist kein weiterer Mythos um den sagenumwobenen Felsen oberhalb des Rheins, den wir da vor uns haben.

Die berühmte Loreley bildet sozusagen den Rahmen, in dem sich die Geschichte um Juliane, genannt Julie und Johann abspielt. Gleichzeitig ist sie aber auch Schauplatz eines traurigen Höhepunktes der Romanze zwischen beiden. Auch wenn Susanne Popp nicht den Anspruch erhebt, einen historischen Roman geschrieben zu haben, so orientiert sie sich doch an den Fakten der Zeit und gibt einen guten Einblick in das Leben der Menschen am Rhein im 19. Jahrhundert.

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Karen Sander: Der Sturm: Verachtet

Wo Sander draufsteht, ist auch Sander drin. Stimmt auch diesmal wieder, wenn sie uns wieder mitnimmt zu den Ermittlungen auf dem Darß.

Tom Engelhardt und sein Team sind noch immer mit dem Fall der beiden Skelette befasst, die bei einer Sturmflut am Kliff freigelegt worden waren. Noch ist die Identität der Toten nicht geklärt. Auch eine CD, die bei den Skeletten gefunden worden war, konnte bisher nicht entschlüsselt werden. Mascha Krieger, Kryptologin vom LKA in Schwerin ist es bisher nicht gelungen an die gespeicherten Daten zu kommen. Sie geht nicht ganz legale Wege, um weiterzukommen, aber das sind sowohl ihr Chef in Schwerin als auch Tom Engelhardt bereits gewohnt. Ebenso wie Mascha die Standpauken in Kauf nimmt, die sie sich mit ihren Alleingängen oft einhandelt. Bisher hatte sie ja auch immer Erfolg und damit im Nachhinein oft eine Rechtfertigung. So auch diesmal, denn nachdem sie die Daten auf der CD auslesen konnten, nimmt der Fall eine völlig neue Wendung. Gleichzeitig zum Fall der Skelette vom Kliff müssen sich die Kollegen aber noch mit mindestens einem weiteren Fall beschäftigen, in den Mascha auch ganz persönlich verwickelt ist. Es geht um einen Stalker, der junge Frauen bedroht.

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Anne Lück: Versprich mir morgen

Mit „Versprich mir morgen“ hat Anne Lück ihre sogenannte „Berlin-in-Love-Dilogie“ gestartet – und wie ich finde, durchaus erfolgreich.

Von Anfang an ist man mitten dabei, wenn Alica – die zentrale Figur in diesem New-adult-Roman  –  ziemlich hart auf dem Boden der Tatsachen landet, der keineswegs federt, sondern ihr alles abverlangt, was sie zu geben bereit ist. Alica steht das Leben offen, sie hat ihr Abitur in der Tasche, kommt aus einem Elternhaus, in dem Geld keine Rolle spielt, ein Studium an jeder renommierten Universität der Welt stünde ihr offen. Ihr Vater wünscht sich nichts mehr als sie in die Welt hinaus ziehen zu lassen und an einer Elite-Uni den Grundstein zu einer tollen Karriere legen zu sehen. Ihr Vater! Alica wünscht sich das alles nicht. Sie will eine Krankenpflege-Ausbildung machen und glücklich damit werden, Menschen zu helfen.

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Anne Pauly: Bevor ich es vergesse

Wer bei dem Titel und der Ankündigung einer Vater-Tochter-Geschichte über das Abschiednehmen an Demenz denkt, was vielleicht naheliegt, der irrt.

Annes Geschichte beginnt am Totenbett ihres Vaters, als sie – gemeinsam mit ihrem Bruder – ins Krankenhaus gerufen wird, nachdem der Vater verstorben ist. Zusammen mit Jean-Francois ist sie gekommen, um die wenigen Habseligkeiten ihres Vaters abzuholen und sich von ihm zu verabschieden. „Die Reusen einholen“, dieser Spruch kommt ihr in der Klinik in den Sinn. Das würde er jetzt wohl gesagt haben, wenn er sie so sähe. An dieser Stelle beginnt so etwas wie ein stummer Monolog, der uns durch diesen leisen, anrührenden Roman trägt. Handlung gibt es kaum, auch wenn man natürlich dabei ist, wenn Anne die Beerdigung vorbereitet, Gespräche mit dem Pfarrer oder Gemeindemitgliedern, mit Nachbarn im Dorf oder mit Verwandten führt, die Formalitäten erledigt, mit denen ihr Bruder sie alleine lässt, aber all das ist eher im Hintergrund. Anne arbeitet auf. Eine Vergangenheit mit ihrem Vater, von dem sie offensichtlich nicht viel weiß. Zen-Buddhismus, orientalische Philosophie, das hat ihn interessiert. Aber er war auch Alkoholiker, häufig gewalttätig.

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Tim Berger: Ein Häppchen Mord

Das Cover hat mich neugierig gemacht. Der Teller Spaghetti mit Tomatensauce, in dem senkrecht ein Messer steckt, rundum (Blut?)- dunkelrote Spritzer.

Blutrünstig ist dieser unterhaltsame, leichte Krimi allerdings überhaupt nicht. Gemordet wird hier mit Gift. Angeblich lässt diese Methode ja auf eine Frau als Täterin schließen, aber man soll ja keine voreiligen Schlüsse ziehen, schon gar nicht als Leser. Die einzig relevanten Frauen hier haben auch eigentlich überhaupt kein Motiv – sie würden sich nur selber schaden. Weder Gina, die Seniorchefin im „Salento“ noch Donatella, ihre Kellnerin, würden ja wohl einen Gast vergiften und so dem Ansehen der Trattoria Schaden zufügen. Und Camilla, Inhaberin und Küchenchefin im veganen Nobelrestaurant „Camilla’s“ hätte ja wohl schon überhaupt kein Interesse daran, ihren guten Ruf aufs Spiel zu setzen und den angestrebten ersten Stern, mit einem Giftmord leichtfertig aufzugeben. Pikantes Detail: in beiden Restaurants verstirbt am selben Abend und zur gleichen Zeit ein Gast, nachdem er Salsicce gegessen hatte.

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Julie Heiland: Schicksalsjahre: Die Frauen vom Neumarkt  

Zwei Frauen, zwei spannende Zeitpunkte in der jüngeren Geschichte, erzählt in zwei Zeitebenen. Ein gut geschriebener, emotionaler Roman, der zwei wichtige Abschnitte der jüngeren deutschen Geschichte durch die Geschichte dreier Frauen verbindet. Lotte, Hannah und später auch Marlene.
Erzählt wird in parallelen Strängen, zunächst nur aus der Sicht von Hannah und Lotte, später – allerdings erst gegen Ende des Romans– auch aus der Sicht von Marlene, Hannahs Mutter.

Hannah, eine junge Archäologin, arbeitet Anfang der 1990-er Jahre mit am Wiederaufbau der Dresdener Frauenkirche. Dabei findet sie ein Foto, auf dem eine junge Frau und ein junger Mann zu sehen sind, die sich anscheinend recht nahestehen. Das Foto ist für Hannah fast wie ein Schock. Die junge Frau hat eine verblüffende Ähnlichkeit mit ihrer Mutter. Könnte es ihre Großmutter sein, von der sie nichts weiß und zu der sie nie Kontakt hatte, weil ihre Mutter jede Verbindung schon vor Jahren gekappt hat? Das lässt Hannah nicht mehr los, sie beginnt nachzuforschen, wer die Frau auf dem Foto ist und wo sie jetzt wohl lebt. Und falls es wirklich ihre Großmutter ist, will sie endlich auch erfahren, warum sie keinen Kontakt zu ihrer Tochter und Enkelin hat.

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Lea Kampe: Beelitz Heilstätten

Erst in den 60-er Jahren wurde ein wirklicher medizinischer Fortschritt erreicht, was die Heilungschancen von Tuberkulose-Erkrankten betrifft. Ein wirksames Antibiotikum, das zuvor 1943 Hoffnungen gemacht hatte, hatte sich nur wenig später als nicht hilfreich erwiesen, da die für die Tuberkulose verantwortlichen Bakterien schnell eine Resistenz entwickelten.

Die Beelitz-Heilstätten, rund 40 Kilometer vor Berlin, waren in dieser Zeit in Deutschland eine der größten und modernsten Anlagen, in der Tuberkulose-Patienten behandelt wurden. Ohne Ansehen der Person wurden die Kranken in diesem Sanatorium nach den damals höchsten Standards und neuesten Erkenntnissen– mit reichhaltiger Ernährung, viel Ruhe und intensiver Pflege – behandelt. Im Nationalsozialismus wurde das mehr und mehr zum Problem. Die neuen Gesetze und Erlasse machten es den Verantwortlichen in Beelitz zunehmend schwer, die Kranken weiter nach ihren Vorstellungen zu behandeln. Schwer Erkrankte, die möglicherweise auch an einer Erbkrankheit litten, was lange Zeit auch für Tuberkulose angenommen wurde, sollten isoliert werden und so die Gefahr einer Ansteckung anderer Personen verringert werden.

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Marie Pierre: Töchter des Aufbruchs

Pensionate, in denen den sogenannten „höheren Töchtern“ eine fundierte Ausbildung und Vorbereitung auf ihre Zukunft als Ehefrau, Mutter und Vorstand eines Haushalts vermittelt wurde, gab es sicher reichlich in der Kaiserzeit. Eines wie das, das wir in diesem ersten Band einer Trilogie um das Pensionat an der Mosel, genauer in Diedenhofen – heute wieder Thionville – kennenlernen, bestimmt nicht so zahlreich. Schulleiterin Pauline Martin möchte ihren Schülerinnen nämlich einiges mehr vermitteln als gepflegte Konversation, ein bisschen Lektüre, Handarbeiten oder Klavier spielen. Sie, als Französin, mit klaren Vorstellungen und einem gesunden Selbstbewusstsein hat es eh nicht leicht in der preußischen Region Elsass-Lothringen um 1910.

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