Elisa Jakob: Queen Victoria

Wer sich für das viktorianische Zeitalter interessiert, aber nicht nur Geschichtsbücher wälzen möchte, wird hier aufs Beste informiert. Leben und Wirken von Queen Victoria werden in dieser Romanbiografie sehr anschaulich und fesselnd beschrieben.

„Wäre ich nicht die, die ich bin, dann wäre dies mein richtiges Zuhause geworden, aber für mich wird es immer mein zweites sein“, soll Queen Victoria über das kleine Schloss Rosenau in der Nähe der Residenzstadt Coburg gesagt haben. Hier und im Herzogtum Coburg fühlte sie sich wohl; dort hat sie mit Albert, ihrem Mann, dem Prinzen von Sachsen-Coburg und Gotha, glückliche Tage verbracht, die beide immer als die schönsten bezeichneten. In Schloss Rosenau wurde übrigens eigens für den Besuch der Queen und ihres Gatten 1860 ein Wasserklosett eingebaut – eine neumodische Erfindung, die Königin Victoria begeisterte und die sie bereits zur „Great Exhibition“ 1851 in London im berühmten Kristallpalast hatte einbauen lassen, um die Hygiene und damit die Gesundheit zu verbessern, in einer Zeit, in der immer noch Epidemien und Infektionen Tausende Menschenleben forderten, weil der Zugang zu sauberem Trinkwasser und eine hygienische Abwasserentsorgung fehlten. Die Gesundheit ihrer Untertanen lag Victoria am Herzen.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Lisa Graf: Lindt & Sprüngli 02: Zwei Rivalen, ein Traum

Wissen Sie, was „conchieren“ bedeutet? Ich konnte es bisher nicht wirklich erklären, wusste nur, dass es was mit der Geschmeidigkeit der Schokolade zu tun hat, – wie man es in der Werbung für „Lindt-Schokolade“ immer wieder hört. Beim Lesen dieses historisch so fundierten wie fesselnd geschriebenen Roman aus Fakten und Fiktion wurde es dann zu einem zentralen Thema, als nämlich Rudolf – oder Rodolphe, wie er sich inzwischen französisch geprägt nennt – in mühevollen und kräftezehrenden, wochen- oder sogar monatelangen Tests versucht, eine noch bessere, zartere, geschmacklich überzeugendere Schokolade herzustellen als bisher seine Onkeln Kohler, oder Suchard, Cailler oder Sprüngli, die zu diesem Zeitpunkt schon einen klangvollen Namen in der Riege der Chocolatiers hatten. Lange hat Rudolf Lindt nicht gewusst, was ihn wirklich interessiert, was er beruflich machen möchte. In der Schule war er nicht schlecht, aber auch kein ehrgeiziger Schüler, Pharmazie oder Medizin interessierten ihn nicht, die Apotheke seines in Bern renommierten Vaters zu übernehmen oder gar Arzt zu werden wie vor ihm sein beliebter Großvater, kam für ihn nicht in Frage.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Sabine Ebert: Der Silberbaum: Das Ende der Welt

Akribisch recherchiert, hervorragend umgesetzt, spannend erzählt. Ein Roman, der die mittelalterliche Geschichte sehr lebendig darstellt, Fakten und Fiktion gekonnt verwoben.

Im zweiten Teil der „Silberbaum“-Trilogie erleben wir mit, wie der noch junge Fürst Markgraf Heinrich von Meißen und Landgraf von Thüringen sich der Bedrohung durch eine riesige Tartarenhorde stellen muss und diese Herausforderung dank der Unterstützung seiner Gefolgsleute, Freunde und Vertrauten meistert. Wir erleben glanzvolle Zeiten am Hof in Meißen und lernen Heinrich und seine Frau Konstanze als mildtätige Herrscher und Förderer der Städte in seiner Grafschaft kennen. Der viel zu frühe Tod seiner Frau trifft Heinrich tief, lange verfällt er in Schwermut und tut sich schwer, eine neue Ehe einzugehen. Auch die Aussicht, seinen Erstgeborenen mit der Tochter Kaiser Friedrichs vermählen zu können, wird jäh gedämpft, als der Papst den Kaiser für abgesetzt erklärt und Heinrich sich zwischen der Treue zu seinem Kaiser und der Kirche entscheiden muss. In dieser Zeit erlebt er Verrat und Missgunst, auch in der eigenen Familie. Doch er kann sich immer auf seine engen Freunde Marthe, Thomas, Christian, Änne, Marek und Milena verlassen, die ihn durch alle Höhen und Tiefen begleiten.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Anne Labus: Das alte Kapitänshaus: Inselstürme

Ein schöner leichter, mit viel Liebe zur Kanalinsel Jersey geschriebener Roman, der sich wunderbar so „wegliest“. Die handelnden Personen sind uns zum Teil ja schon aus dem ersten Teil der Trilogie, „Inselsehnsucht“, bekannt, neue kommen hinzu. Nicht minder sympathisch und authentisch. Seien es die spanischen Künstler, die eine Woche im „Alten Kapitänshaus“ für Leben und ein bisschen Aufruhr sorgen oder die älteren französischen Herrschaften, die mit ihren Enkeltöchtern Urlaub auf der Insel machen und Jasmin vollauf beschäftigen oder sei es auch der attraktive Architekt Christian, der Jasmin und ihren siebenjährigen, sehr aufgeweckten Sohn Tim im Laufe der Geschichte zu mehr als einem guten Freund wird, der ihnen zur Seite steht, als der Sturm den alten Wintergarten zerstört oder Murad, dem Koch, hilft, sein eigenes Restaurant zu eröffnen.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Libby Page: Das Jahr voller Bücher und Wunder

Ein Roman, der einem ans Herz geht – oder den man als totalen Kitsch abtut. Kann ja auch sein. Jedenfalls ist es ein Roman, der von ganz großer Liebe erzählt und von dem Versuch, jemanden ins Leben zurückzuführen, der den Spaß daran verloren hat. Warmherzig, liebevoll, anrührend und durchaus fesselnd zu lesen, wie Tilly nach und nach wieder lernt zu leben.

Vor fünf Monaten ist Joe, ihr Mann, an Krebs gestorben. Viel zu früh und schon kurz nach ihrer Hochzeit. Sie hatten viel zu wenig Zeit miteinander, es hätte noch so Vieles gegeben, was sie gemeinsam erleben wollten. Für Tilly ist das jetzt anscheinend alles vorbei. Sie hat keinen Spaß mehr an den Dingen, die sie früher gerne gemacht oder mit Joe noch geplant hat. Selbst das Lesen hat sie aufgegeben, das war früher immer ihr Rückzugsort, ihr liebstes Hobby. Seit Joe die Diagnose Krebs bekommen hat, hat Tilly kein Buch mehr angerührt, außer im Verlag, wo sie Biografien von Promis oder solchen, die es werden wollen, lektoriert.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Anne Stern: Die weiße Nacht

Soviel vielleicht gleich vorweg: Dieser tiefgehende, oft beklemmende, ruhig erzählte Kriminalroman ist nichts für Leserinnen und Leser, die auf schnelle Wendungen, viel Action und möglichst kurze Kapitel stehen. Anne Stern versteht es wieder einmal, die Lesenden mitzunehmen in eine Atmosphäre, die eher düster ist und manchmal hoffnungslos scheint. Berlin im zweiten Hungerwinter, Dezember 1946. Die Stadt liegt in Trümmern, Ruinen bestimmen das Bild; daran ändert auch die dichte Schneedecke nichts, die das darunterliegende Elend zudeckt.

Die Menschen leiden Hunger und Not, haben oft noch immer kein Dach über dem Kopf, leben von dem, was sie auf dem Schwarzmarkt tauschen oder sonst wie ergattern können. Tote gehören noch immer zum Alltag, doch diese junge Frau, die die Fotografin Marielouise „Lou“ Faber im Schnee in den Ruinen entdeckt, als sie wieder einmal mit ihrer Kamera auf Streifzug ist, passt hier nicht ins Bild. Etwas an der Art, wie die Leiche der jungen Frau abgelegt worden ist, irritiert Lou. Noch kann sie nicht greifen, woran sie das erinnert, aber es lässt sie nicht los.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Kate Alice Marshall: Eisnebel

Geheimnisse, Intrigen, Missverständnisse, aufkeimende Erinnerungen, eine Ahnung von Bösem – das erwartet einen in dem recht spannend geschriebenen Thriller, der uns in die luxuriöse Winterwelt einer sagenhaft reichen Familie führt, die ganz offensichtlich eine Menge zu verbergen hat. Das trifft allerdings wohl auch auf Theo zu, die als frisch Verlobte des jüngsten Sohnes der Daltons eingeladen ist, die Weihnachtstage in Idlewood zu verbringen.

Von Anfang an fühlt Theo sich hier weder wohl noch willkommen. Drohnachrichten, in denen ein unbekannter Absender sie mahnt, zu verschwinden, die Finger von Connor zu lassen und die Daltons in Ruhe zu lassen, machen die Situation nicht angenehmer. Zudem hat sie das unbestimmte Gefühl, schon einmal an diesem etwas unheimlichen, äußerst abgeschiedenen Ort in den tief verschneiten Bergen gewesen zu sein. Doch wann soll das gewesen sein? Und warum? An ihre früheste Kindheit hat Theo keine Erinnerungen. Sie wurde als kleines Mädchen adoptiert, warum und wer ihre leiblichen Eltern waren, hat ihr nie jemand erklärt. Dass sie von Connors sagenhaftem Reichtum nichts wusste, als sie sich kennengelernt haben, glaubt ihr hier niemand. Alle denken, sie sei nur auf sein Geld aus, wie wohl viele vor ihr. Sie lassen sie spüren, dass sie in ihrer Familie keine Freunde finden wird.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Silvesterspecial 2025

Jedes Jahr lesen wir Rezensentinnen und Rezensenten etliche Bücher. Gute und weniger gute, spannende und langweilige, dramatische, berührende, witzige und traurige, fesselnde, unterhaltsame, informative und interessante. Und immer findet sich darunter dieses eine Buch, das Highlight des Jahres. Das Buch, das besonders im Gedächtnis bleibt, das nachwirkt, aus ganz unterschiedlichen Gründen.

Diese Bücher, die uns in diesem Jahr 2025 so beeindruckt haben, stellen wir heute am letzten Tag des Jahres vor:

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Martin Conrath: Kohle, Stahl und Mord: Das Totenhaus

Am 21. Dezember 2018 hat auch die letzte Zeche in Deutschland die Steinkohleförderung eingestellt. Nach mehr als 150 Jahren, wobei der Abschied von der heimischen Steinkohle schon Jahre vorher begonnen hatte, die Förderung war einfach unverhältnismäßig teuer geworden im Vergleich zu anderen Staaten, in denen die Kohle nicht ganz so tief unter der Erde lag. Zehntausende Bergleute in Deutschland mussten neue Arbeitsplätze finden, Umschulungen machen oder in Rente gehen. Für das Ruhrgebiet und das Saarland werden die Folgen des Bergbaus noch jahrzehntelange Herausforderungen bereithalten. Deutschland hatte den Steinkohlebergbau jahrzehntelang subventioniert, bis im Jahr 2007 beschlossen wurde, die Subventionen 2018 einzustellen.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Lena Johannson: Aufgeben können die anderen

„Wer aufgibt, hat schon verloren“, dieser Satz wird schon früh zum Leitmotiv der jungen Alice, die als junges Mädchen nicht nur ihre Leidenschaft fürs Schwimmen entdeckt. Alice wächst mit ihren Geschwistern in Nantes auf als Tochter eines gut gestellten Lebensmittelhändlers, schwimmen bringt ihr Joseph bei, mit dem sie bald auch mehr als die Leidenschaft für den Sport teilt. Als Joseph, der auf keinen Fall den Friseursalon der Eltern übernehmen möchte, eine Stelle als kaufmännischer Angestellter in England annimmt, bewirbt auch Alice sich auf eine Stelle als Hauslehrerin. Ihr Englisch ist zu diesem Zeitpunkt zwar noch recht holprig, die Stelle bekommt sie dennoch. Mit der Familie ist sie viel auf Reisen, lernt andere Länder und Kulturen kennen, ihr Englisch wird makellos und ihre Liebe zum Sport, sei es Schwimmen, Hockey oder Rudern, hilft ihr immer wieder, Kraft zu tanken. In England, wo man um 1900 bereits fortschrittlicher war als in Frankreich, erfährt sie auch, dass Frauen nicht „im Geheimen“ Sport treiben müssen, sondern es durchaus Vereine gibt, die Frauen unterstützen. Dort macht sie erste Bekanntschaft mit dem Feminismus. Mit Joseph kehrt Alice 1907 nach Nantes zurück, aber ihre gemeinsame Zukunft währt nur kurz. Joseph erkrankt schwer und verstirbt wenig später. Alice bleibt nicht in Nantes, alleine möchte sie da nicht mehr leben. Sie übersiedelt nach Paris, wo sie sich sehr intensiv den Belangen des Frauensports widmet. Sie findet Unterstützer, muss aber immer wieder auch gegen Widerstände ankämpfen und Rückschläge hinnehmen.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: