Tom Hillenbrand: Verhängnisvoller Champagner: Xavier Kieffer ermittelt 08

Mal sind es Oliven, mal Honig, jetzt Champagner, Essen und Trinken spielt auf jeden Fall immer eine wesentliche Rolle in den kulinarischen Krimis von Tom Hillenbrand. Klar, immerhin ist Xavier Kieffer, der immer wieder über die sonderbarsten Verbrechen stolpert, ein leidenschaftlicher Koch, der der Haute Cuisine abgeschworen und auf einen Stern verzichtet hat, um seine Stamm- und andere Gäste mit bodenständigen aber durchaus raffiniert und modern zubereiteten Gerichten zu verwöhnen. Sein renommiertes Restaurant „Deux Eglises“ in der Luxemburger Unterstadt hat nicht nur bei den Einheimischen einen Namen oder bei den Beamten der Europäischen Behörden auf dem unmittelbar benachbarten Kirchberg, auch Touristen kommen gerne, um Xaviers regionale Küche zu genießen. Dank seiner Sous-Chefin Claudine und seinen übrigen langjährigen Angestellten „läuft der Laden“ auch, wenn Xavier selbst mal wieder unterwegs ist, was nicht grade selten der Fall ist. Sei es, dass er sich mit seiner Freundin Valérie Gabin bei irgendwelchen wichtigen Gastro-Events tummelt, immerhin ist Valérie die letzte Vertreterin und Mitinhaberin des edlen Gastroführers „Gabin“ und daher in aller Welt unterwegs, sei es, dass er mal wieder irgendeinen mysteriösen Mord oder Ähnliches aufklären muss. Diesmal ist er dazu in der Champagne unterwegs.

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Anne Stern: Fräulein Gold 08: Der Preis der Freiheit

Auch diesmal wieder gelingt es Anne Stern, ein Stück Zeitgeschichte in einen spannenden Roman zu verpacken und einem nicht das Gefühl zu geben, dass man grade eine Geschichtsstunde erlebt. Hervorragend recherchiert, fundiert und kompetent erzählt, fesselnd geschrieben. Die Personen sind denen, die die Reihe um „Hulda Gold – die Hebamme von Berlin“ kennen und verfolgen, gut bekannt, immerhin ist „Der Preis der Freiheit“ bereits der achte Band der Serie.

Wir schreiben das Jahr 1932. Die politischen Kräfte in Deutschland radikalisieren sich immer stärker, die Nationalsozialisten sind immer präsenter, tätliche Gewalt und völlig unvermittelte Angriffe werden immer häufiger. Auch Hulda kann davor die Augen nicht verschließen. Auch ihre Freunde, ihre Familie bleiben nicht verschont. Ihr Vater, der Künstler Benjamin Gold wird ebenso überfallen wie ihr Freund vom Kiosk auf dem Winterfeldtplatz Bert, der nachts, gemeinsam mit seinem Freund zusammengeschlagen wird. Der Hass auf Juden und Homosexuelle, auf alles „Andersartige“ wird immer offenkundiger.

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Peter Prange: Herrliche Zeiten 02: Dem Himmel so nah

Wieder mal eine höchst interessante Geschichtsstunde, die Peter Prange gekonnt in einem Roman verpackt hat. Geschichte zum Anfassen“. Europa vor dem Ersten Weltkrieg, der Kampf der Nationen um die Vorherrschaft, nicht nur bei alljährlichen Segelregatta, bei der die Jachten des englischen und des deutschen Königs um den Sieg wetteifern, die Herrschaft in den Kolonien und eben auch der Weg zum Ersten Weltkrieg. Spannend erzählt, authentisch, realistisch, aber auch emotional und empathisch, ernst und unterhaltsam geht die Geschichte um die drei Freunde, die sich vor inzwischen dreißig Jahren in Karlsbad im Grandhotel Pupp kennengelernt haben, weiter.

Vicky, Tochter eines wohlhabenden britischen Industriellen, Paul Biermann, Sohn eines erfolgreichen Bauunternehmers aus Berlin und Auguste Escoffier, damals noch voller Ideen und Visionen, inzwischen renommierter Sternekoch. „Der König der Köche und Koch der Könige“ wird er mittlerweile genannt. Vom Kochlehrling in Böhmen hat er es zum Sternekoch mit mehreren eigenen Restaurants in den Luxushotels der europäischen Metropolen geschafft. Inzwischen steht die Generation ihrer Kinder im Fokus der Erzählung, aber die „Alten“ sind nicht außen vor. Die Freundschaft der damals drei jungen Leute hat sich über die Grenzen hinweg gehalten, bewährt und ist immer enger geworden. Inzwischen gibt es auch verwandtschaftliche Beziehungen untereinander, in London, Berlin und Paris.

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Henrike Engel: Elbnächte: Schatten über St. Pauli

Ein spannender, gut und flüssig geschriebener Roman über die Zeit in Hamburg um 1910. Keine leichte Zeit für zwei alleinstehende Frauen, die versuchen müssen, sich ein neues Leben aufzubauen.
Im zweiten Teil der Dilogie haben Louise und Ella ihren Weg offenbar gefunden. Louise, die von ihrem betrügerischen Ehemann vor Kurzem mitten in der Nacht völlig mittellos in einem Hamburger Nobelhotel zurückgelassen worden war und nicht mal die Hotelrechnung begleichen konnte und Ella, der es gelungen war, aus Lemberg zu fliehen und ihrem Dasein als Prostituierte zu entkommen, nachdem ihre Eltern sie, im Glauben, ihrer Tochter ein besseres Leben zu ermöglichen, regelrecht verkauft hatten.

Die beiden jungen Frauen haben sich zufällig getroffen und sind beste Freundinnen geworden, die allerdings auch einiges verbindet, was man vielleicht nicht unbedingt publik machen sollte. Der Dritte im Bunde ist der ehemalige Polizist Paul, der die beiden ebenfalls zufällig getroffen und ihnen in einer prekären Situation geholfen hat. Inzwischen hat sich Louise eine Existenz als Besitzerin einer kleinen Bar auf St. Pauli eingerichtet, Ella arbeitet in einer Bäckerei und hilft aber auch abends in der „Bar fatal“ mit, in der Paul als Türsteher darauf achtet, dass den beiden Frauen nichts passiert.

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T.M. Glaw: Die Hexen vom Tüllinger

Ein sehr atmosphärischer, gut geschriebener Roman über das Schweigen eines Dorfes, Vergessen, Verdrängen, über Schuld und Wahrheit.

Gut gezeichnete Figuren, die einem recht bald vertraut und sympathisch sind. Authentisch und stellenweise düster, emotional und durchaus humorvoll.

Hauptkommissarin Jana Vecera will eigentlich mal nur raus – aus dem Alltag, dem Hamsterrad, der Großstadt München. Sie will einfach nur mal ein paar Tage Ruhe genießen, lange Spaziergänge machen, mit Freunden zusammensitzen und ein schönes Glas Wein genießen, was im Badischen, wohin sie fährt, ja nun keiner großen Anstrengung bedarf. Jana fährt zu Freunden nach Stopfingen, die dort, am Fuße des Tüllinger Berges einen Hof betreiben.

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Carsten Henn: Sonnenaufgang Nr. 5

Ein Leben in Erinnerungen. Aber möglichst nur solchen, die einem angenehm sind – keine schlechten! Das möchte die alternde, exzentrische Filmdiva Stella Dor in ihrer Autobiografie wiederfinden. Sie lebt recht einsam in einem kleinen, ziemlich verlassenen Ort an der Küste, in einem ehemaligen Pavillon, den sie der Gemeinde, die ihn eigentlich aufgeben wollte, für einen symbolischen Euro abgekauft hat.

Der Bürgermeister hat sich von diesem Verkauf ein bisschen Glamour für seinen Ort erhofft, vielleicht Künstler, die den Ort beleben würden oder die ein oder andere Ausstellung oder Veranstaltung, aber Stella lebt dort eher zurückgezogen und allein – mit ihren Notizzetteln überall, auf denen sie ihr Leben erinnert. Um all das in Buchform zu bringen, braucht sie Unterstützung. Die findet sie in Jonas, einem 19-jährigen, der grade sein zu trockenes, zu langweiliges Germanistikstudium geschmissen hat, um sich als Ghostwriter seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Sollte das nicht gelingen, so hat er versprochen, wird er in einem Jahr seinem Vater im Restaurant helfen. Vorerst ist er froh, diesen ersten Auftrag bekommen zu haben und von zuhause wegzukommen. Auch dort muss er sich nämlich nicht nur dem Leben stellen, sondern auch Erinnerungen, die er lieber verdrängt.

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Caren Benedikt: Wogende Wellen: Grand Hotel Usedom 02

Das Cover, diesmal in lila-Tönen mit entsprechendem Farbschnitt, stellt schon gleich eine schöne Stimmung her. Der Blick geht auf ein edles Hotel, auf den Strand der Ostsee und in einen Sonnenuntergangshimmel. So idyllisch wie das Cover es erwarten lässt, geht es im zweiten Band der Trilogie um das Grand Hotel Usedom allerdings nicht zu. Im Gegenteil. Private Ermittlungen, die die Umstände aufklären sollen, unter denen der Hotelier August-Wilhelm von Höveln beim Frühjahrsball im vornehmen „Ahlbecker Hof“ ums Leben gekommen ist, stehen im Zentrum. Die Schwestern Helene, die inzwischen mit viel Liebe und Geschick als Frau von Weigand das Literaturhotel „Atlantic“ leitet, und Sophie sind überzeugt, dass ihr Vater damals weder versehentlich vom Balkon seines Büros im Hotel gestürzt ist, noch dass es ein Unfall war. Sie sind überzeugt, jemand hat ihren Vater ermordet. Ihr Verdacht richtet sich zunächst auf ihren Schwager Friedrich Kaminski, dessen Ziel es schon länger gewesen ist, die Leitung der Hotels der Familie von Höveln zu übernehmen, doch sein Schwiegervater hat das nicht zugelassen. Er hat Friedrich nicht zugetraut, dieser Aufgabe gewachsen zu sein, obwohl er ebenfalls aus einer angesehenen und erfolgreichen Hoteliersfamilie stammt. In seinen Augen hatte Friedrich weder ein Gespür fürs Geschäftliche noch für den Umgang mit Gästen, sondern hatte nichts im Blick als den eigenen Vorteil, was sich deutlich darin zeigte, dass er dem Glücksspiel sehr zugetan war und das auch im Hotel.

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Andreas Winkelmann: Entführung im Himmelreich

„Cosy Crime“ – also nicht unbedingt zum Gruseln oder mit viel Blutvergießen! Durchaus also auch geeignet für Leser/innen, die die harten Krimis nicht so mögen. Sympathische Figuren, eine leicht nachvollziehbare Handlung, die Kulisse des Schwielowsees und der kleineren Orte dort, eine Lektüre, die einen nicht belastet, aber für ein paar Stunden gut unterhält.

Schon zum zweiten Mal wird der ehemalige Schauspieler Björn Kupernikus – mit zweimal „u“ hinter dem „k“ bitte – zum Hobbyermittler. Ein ganzes Schauspielerleben lang hat er auf eine Rolle als Tatort-Kommissar gehofft, das wurde ihm immer verwehrt, obwohl er sicher richtig gut darin gewesen wäre. Aber gut, kleinere Kriminalfälle in der Freizeit sind ja nun auch nicht zu verachten. Gemeinsam mit der pensionierten Lehrerin (aus echter Leidenschaft, wie man auch hier wieder feststellen kann) und Hobbyköchin Annabelle, ermittelt Kupernikus diesmal im Fall des verschwundenen Bäckermeisters Mauske. Sein Bäckerwagen stand morgens einfach so am Seeufer.

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Jule Ronstedt: Menomorphosen

„Heute sterbe ich noch nicht“. Dieser Satz wird zu Yvonnes Mantra, nachdem sie die Diagnose Krebs bekommen hat und sich mit dem Gedanken vertraut machen muss, nur noch wenige Monate zu leben zu haben. Der Vorschlag, einen Palliativdienst in Anspruch zu nehmen, klingt für sie zunächst zu sehr nach Sterbebegleitung, soweit ist sie noch nicht! Dennoch setzt sie sich mit einem Dienst in Verbindung und lernt eine Frau kennen, die ihr Mut macht, die sie zu ihrem neuen Mantra, „Heute sterbe ich noch nicht“, animiert und mit ihr positiv denkt. Yvonne nimmt die Krankheit an, sie macht Pläne, unterzieht sich einer OP, die eigentlich kaum Aussicht auf Heilung hat und stellt fest: es geht ihr gut. Sie wird wieder aktiv, reist, begeistert sich für lange Spaziergänge in der Natur, fängt wieder an zu arbeiten und erlebt nicht nur die Geburt ihres ersten Enkelkindes, sondern auch die eines zweiten. Yvonne hat es geschafft. Sie lebt weiter. Vielleicht auch, weil sie sich nie aufgegeben hat. Das ist eine der Geschichten aus dem Band mit insgesamt 26 Geschichten von ganz unterschiedlichen Frauen, die „an einem Wendepunkt im Leben“ stehen. Kurz vor oder mitten in den Wechseljahren.

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Virgina Evans: Die Briefeschreiberin

Ein Blick auf Wasser, auf einen Baum gleich vor dem Fenster, andere weiter entfernt, ein blühender Busch – auf dem Schreibtisch vor dem großen Fenster, durch das dieser Blick geht, kleinere Pflanzen, eine Tasse Kaffee und ein paar Bücher. Dieses Aquarell ist das Cover zu Virginia Evans‘ Debüt „Die Briefeschreiberin“. Man kann sich gut vorstellen, an diesem Schreibtisch zu sitzen und, wie Sybil, hier Stunden damit zu verbringen, Briefe zu schreiben. Von Hand und mit einem edlen Füller auf ganz besonderem Papier. Regelmäßig macht sie das. Mehrmals in der Woche und gerne auch mal zwischendurch, wenn ihr grade was auf der Seele liegt und sie nicht warten kann, es loszuwerden.

Die Adressaten sind ganz unterschiedliche Menschen, viele von ihnen kennt sie gut, ist ihnen innig verbunden, manche zählen zu ihrer beruflichen Vergangenheit als Juristin und persönliche Referentin eines renommierten Richters, manchmal schreibt sie aber auch einfach mal an eine Autorin oder einen Autor, um sich zu deren/ dessen neuestem Werk zu äußern. Egal ob positiv oder negativ, ihre Kritik ist immer wohl begründet und sachlich, nie persönlich verletzend. Das liegt Sybil fern. Das Lesen ist eine weitere ihrer Leidenschaften, nicht selten endet ein Brief mit „Ich lese übrigens grade …. Was liest du?“. Genau wie das Gärtnern. Ihr Garten wird allgemein als wunderschön und sehr gepflegt bezeichnet.

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