Patricia Eckermann, James A. Sullivan: Die mutige Rebellin: Rosa Parks

Es ist vor allem ein Roman, aber es ist auch die Geschichte der Bürgerrechtsbewegung in den amerikanischen Südstaaten, für die der Name „Rosa Parks“ seit inzwischen siebzig Jahren steht. Rosa Parks wurde zum Gesicht der Aktivisten, als sie sich am 1. Dezember 1955 abends im Bus weigerte, ihren Platz für einen Weißen zu räumen. Dieser Widerstand war zwar so nicht geplant, Rosa war einfach müde, hatte einen langen Tag hinter sich und immer wieder die Erniedrigung durch weiße Busfahrer hinnehmen müssen, denen es Spaß machte, ihre Macht gegenüber den schwarzen Fahrgästen auszuspielen. Im Bus durften Schwarze nur in den hinteren Reihen Platz nehmen, sie mussten auf jeden Fall Weißen Platz machen – und sich immer wieder schikanieren lassen.

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Marie Lacrosse: Montmartre: Traum und Schicksal

Auch der zweite Teil der Dilogie um Valérie Dumas und Elise Lambert gibt wieder einen sehr realistischen, gut recherchierten und fundiert geschilderten Einblick in die Lebensumstände in Paris im ausgehenden 19. Jahrhundert. Diesmal geht der Blick vor allem auf die Situation der Frauen. Zum einen auf jene Frauen, die wie Valérie darum kämpfen, sich als eigenständige Frau und /oder als Künstlerin zu behaupten, was beides gleichermaßen schwierig war. Valérie hatte zwar das Privileg an einer der Akademien eine Ausbildung als Malerin zu absolvieren, die ausnahmsweise auch mal eine Frau in ihre Klasse aufgenommen hat, aber schon mit ihrer Abschlussarbeit musste sie erfahren, dass Frauen keineswegs malen durften, was und wie sie es wollten, sondern einem strengen Diktat unterworfen waren.

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Annette Moser: Na toll, ein Weihnachtstroll

Die 24 kurzen Kapitel, die wie ein Adventskalenderbuch genutzt werden können, sind so schön, dass man eh ganz sicher mehr als eines jeden Abend beim Schlafengehen lesen möchte, deshalb macht es überhaupt nichts, wenn Sie das Buch nicht pünktlich zum 1. Dezember in Händen hatten.

Die Geschichte um Rübli, den pfiffigen, wichtelkleinen tannen- oder moos – oder irgendwie grünen (grün ist seine Lieblingsfarbe), von den wirren Haaren bis zu den meist dreckigen Zehenspitzen ist so liebevoll getextet und illustriert, dass man am liebsten dranbleiben möchte.

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Anna Husen: Lübecks Töchter: Der Traum von Bildung und Freiheit

Frauenbildung und Emanzipation sind die zentralen Themen in Anna Husens sehr realistisch geschildertem ersten Teil ihrer Reihe um „Lübecks Töchter“, die Lehrerinnen Clara und Amélie, die gemeinsam mit ihrer älteren Schwester Pauline, die aber nur eine Randfigur spielt, in Lübeck eine „Schule für höhere Töchter“ leiten.

Amélie kommt nach dem Abschluss an einem der noch sehr seltenen Lehrerinnenseminare in Hamburg zurück in ihre Heimatstadt Lübeck und unterrichtet gemeinsam mit den Schwestern. Eine solche Schule, an der Mädchen mehr lernen als Lesen und Schreiben, Rechnen oder Handarbeit, ist noch immer etwas Besonderes. Ende des 19. Jahrhunderts war es nicht üblich, Mädchen und jungen Frauen auch in Naturkunde, Naturwissenschaften und Sprachen zu unterrichten. Es reichte völlig aus, wenn ein junges Mädchen in der Lage war, einen Haushalt zu führen, Kinder zu erziehen und leichte Konversation zu betreiben, schließlich sollte es ja nicht selbst für seinen Unterhalt sorgen, sondern eine, oft von den Eltern arrangierte Ehe eingehen. Die Schwestern Roquette wollen das ändern. Sie wollen jungen Mädchen und Frauen den Zugang zu mehr Bildung ermöglichen und außer ihrer Schule ein Lehrerinnenseminar einrichten, wie Amélie es in Hamburg kennengelernt und absolviert hat.

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Tom Hillenbrand: Verhängnisvoller Champagner: Xavier Kieffer ermittelt 08

Mal sind es Oliven, mal Honig, jetzt Champagner, Essen und Trinken spielt auf jeden Fall immer eine wesentliche Rolle in den kulinarischen Krimis von Tom Hillenbrand. Klar, immerhin ist Xavier Kieffer, der immer wieder über die sonderbarsten Verbrechen stolpert, ein leidenschaftlicher Koch, der der Haute Cuisine abgeschworen und auf einen Stern verzichtet hat, um seine Stamm- und andere Gäste mit bodenständigen aber durchaus raffiniert und modern zubereiteten Gerichten zu verwöhnen. Sein renommiertes Restaurant „Deux Eglises“ in der Luxemburger Unterstadt hat nicht nur bei den Einheimischen einen Namen oder bei den Beamten der Europäischen Behörden auf dem unmittelbar benachbarten Kirchberg, auch Touristen kommen gerne, um Xaviers regionale Küche zu genießen. Dank seiner Sous-Chefin Claudine und seinen übrigen langjährigen Angestellten „läuft der Laden“ auch, wenn Xavier selbst mal wieder unterwegs ist, was nicht grade selten der Fall ist. Sei es, dass er sich mit seiner Freundin Valérie Gabin bei irgendwelchen wichtigen Gastro-Events tummelt, immerhin ist Valérie die letzte Vertreterin und Mitinhaberin des edlen Gastroführers „Gabin“ und daher in aller Welt unterwegs, sei es, dass er mal wieder irgendeinen mysteriösen Mord oder Ähnliches aufklären muss. Diesmal ist er dazu in der Champagne unterwegs.

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Anne Stern: Fräulein Gold 08: Der Preis der Freiheit

Auch diesmal wieder gelingt es Anne Stern, ein Stück Zeitgeschichte in einen spannenden Roman zu verpacken und einem nicht das Gefühl zu geben, dass man grade eine Geschichtsstunde erlebt. Hervorragend recherchiert, fundiert und kompetent erzählt, fesselnd geschrieben. Die Personen sind denen, die die Reihe um „Hulda Gold – die Hebamme von Berlin“ kennen und verfolgen, gut bekannt, immerhin ist „Der Preis der Freiheit“ bereits der achte Band der Serie.

Wir schreiben das Jahr 1932. Die politischen Kräfte in Deutschland radikalisieren sich immer stärker, die Nationalsozialisten sind immer präsenter, tätliche Gewalt und völlig unvermittelte Angriffe werden immer häufiger. Auch Hulda kann davor die Augen nicht verschließen. Auch ihre Freunde, ihre Familie bleiben nicht verschont. Ihr Vater, der Künstler Benjamin Gold wird ebenso überfallen wie ihr Freund vom Kiosk auf dem Winterfeldtplatz Bert, der nachts, gemeinsam mit seinem Freund zusammengeschlagen wird. Der Hass auf Juden und Homosexuelle, auf alles „Andersartige“ wird immer offenkundiger.

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Peter Prange: Herrliche Zeiten 02: Dem Himmel so nah

Wieder mal eine höchst interessante Geschichtsstunde, die Peter Prange gekonnt in einem Roman verpackt hat. Geschichte zum Anfassen“. Europa vor dem Ersten Weltkrieg, der Kampf der Nationen um die Vorherrschaft, nicht nur bei alljährlichen Segelregatta, bei der die Jachten des englischen und des deutschen Königs um den Sieg wetteifern, die Herrschaft in den Kolonien und eben auch der Weg zum Ersten Weltkrieg. Spannend erzählt, authentisch, realistisch, aber auch emotional und empathisch, ernst und unterhaltsam geht die Geschichte um die drei Freunde, die sich vor inzwischen dreißig Jahren in Karlsbad im Grandhotel Pupp kennengelernt haben, weiter.

Vicky, Tochter eines wohlhabenden britischen Industriellen, Paul Biermann, Sohn eines erfolgreichen Bauunternehmers aus Berlin und Auguste Escoffier, damals noch voller Ideen und Visionen, inzwischen renommierter Sternekoch. „Der König der Köche und Koch der Könige“ wird er mittlerweile genannt. Vom Kochlehrling in Böhmen hat er es zum Sternekoch mit mehreren eigenen Restaurants in den Luxushotels der europäischen Metropolen geschafft. Inzwischen steht die Generation ihrer Kinder im Fokus der Erzählung, aber die „Alten“ sind nicht außen vor. Die Freundschaft der damals drei jungen Leute hat sich über die Grenzen hinweg gehalten, bewährt und ist immer enger geworden. Inzwischen gibt es auch verwandtschaftliche Beziehungen untereinander, in London, Berlin und Paris.

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Henrike Engel: Elbnächte: Schatten über St. Pauli

Ein spannender, gut und flüssig geschriebener Roman über die Zeit in Hamburg um 1910. Keine leichte Zeit für zwei alleinstehende Frauen, die versuchen müssen, sich ein neues Leben aufzubauen.
Im zweiten Teil der Dilogie haben Louise und Ella ihren Weg offenbar gefunden. Louise, die von ihrem betrügerischen Ehemann vor Kurzem mitten in der Nacht völlig mittellos in einem Hamburger Nobelhotel zurückgelassen worden war und nicht mal die Hotelrechnung begleichen konnte und Ella, der es gelungen war, aus Lemberg zu fliehen und ihrem Dasein als Prostituierte zu entkommen, nachdem ihre Eltern sie, im Glauben, ihrer Tochter ein besseres Leben zu ermöglichen, regelrecht verkauft hatten.

Die beiden jungen Frauen haben sich zufällig getroffen und sind beste Freundinnen geworden, die allerdings auch einiges verbindet, was man vielleicht nicht unbedingt publik machen sollte. Der Dritte im Bunde ist der ehemalige Polizist Paul, der die beiden ebenfalls zufällig getroffen und ihnen in einer prekären Situation geholfen hat. Inzwischen hat sich Louise eine Existenz als Besitzerin einer kleinen Bar auf St. Pauli eingerichtet, Ella arbeitet in einer Bäckerei und hilft aber auch abends in der „Bar fatal“ mit, in der Paul als Türsteher darauf achtet, dass den beiden Frauen nichts passiert.

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T.M. Glaw: Die Hexen vom Tüllinger

Ein sehr atmosphärischer, gut geschriebener Roman über das Schweigen eines Dorfes, Vergessen, Verdrängen, über Schuld und Wahrheit.

Gut gezeichnete Figuren, die einem recht bald vertraut und sympathisch sind. Authentisch und stellenweise düster, emotional und durchaus humorvoll.

Hauptkommissarin Jana Vecera will eigentlich mal nur raus – aus dem Alltag, dem Hamsterrad, der Großstadt München. Sie will einfach nur mal ein paar Tage Ruhe genießen, lange Spaziergänge machen, mit Freunden zusammensitzen und ein schönes Glas Wein genießen, was im Badischen, wohin sie fährt, ja nun keiner großen Anstrengung bedarf. Jana fährt zu Freunden nach Stopfingen, die dort, am Fuße des Tüllinger Berges einen Hof betreiben.

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Carsten Henn: Sonnenaufgang Nr. 5

Ein Leben in Erinnerungen. Aber möglichst nur solchen, die einem angenehm sind – keine schlechten! Das möchte die alternde, exzentrische Filmdiva Stella Dor in ihrer Autobiografie wiederfinden. Sie lebt recht einsam in einem kleinen, ziemlich verlassenen Ort an der Küste, in einem ehemaligen Pavillon, den sie der Gemeinde, die ihn eigentlich aufgeben wollte, für einen symbolischen Euro abgekauft hat.

Der Bürgermeister hat sich von diesem Verkauf ein bisschen Glamour für seinen Ort erhofft, vielleicht Künstler, die den Ort beleben würden oder die ein oder andere Ausstellung oder Veranstaltung, aber Stella lebt dort eher zurückgezogen und allein – mit ihren Notizzetteln überall, auf denen sie ihr Leben erinnert. Um all das in Buchform zu bringen, braucht sie Unterstützung. Die findet sie in Jonas, einem 19-jährigen, der grade sein zu trockenes, zu langweiliges Germanistikstudium geschmissen hat, um sich als Ghostwriter seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Sollte das nicht gelingen, so hat er versprochen, wird er in einem Jahr seinem Vater im Restaurant helfen. Vorerst ist er froh, diesen ersten Auftrag bekommen zu haben und von zuhause wegzukommen. Auch dort muss er sich nämlich nicht nur dem Leben stellen, sondern auch Erinnerungen, die er lieber verdrängt.

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