Der zweite Fall für das Hamburger Ermittlerduo Juha – mit finnischen Wurzeln und schon ein bisschen älter als sein Kollege – und Lux, eigentlich Lucas. Nachdem sie vor einiger Zeit gemeinsam sehr erfolgreich waren, sind sie zur Mordkommission des LKA in Hamburg gewechselt und stecken nun gemeinsam in den Ermittlungen zu einem Mordfall, der sie vor eine ganze Menge ungelöster Fragen stellt. An einem sehr frühen Januarmorgen stößt eine Stand-up-Paddlerin im Alsterkanal auf die Leiche eines jungen Mannes. Selbstmord? Unfall? Ein Anwohner meint, dass junge Leute von den Balkonen der Wohnungen am Ufer ins Wasser sprängen, sei nicht besonders ungewöhnlich. Komme immer mal vor, wenn heftig gefeiert werde. Das ist allerdings recht bald auszuschließen, denn in der Wohnung des Toten müssen Juha und Lux gleich den zweiten grausamen Fall verkraften. Weiterlesen
sabine-ertz
Marie-Luise von der Leyen: Die Skandalösen: Frauen, die sich ihre Freiheit genommen haben
„„Skandalös“ ist ein deutsches Adjektiv, das etwas beschreibt, das Empörung und Aufsehen erregt und als empörend, unerhört oder ungeheuerlich empfunden wird. Es bezieht sich auf Situationen, Handlungen oder Verhaltensweisen, die schockieren oder Anlass zu großer Kritik geben.“ Soweit die offizielle Definition des Wortes „skandalös“. Seine
Bedeutung ist allerdings einem ständigen Wandel unterworfen, es kommt eben immer darauf an, welche gesellschaftlichen Werte und Normen gelten. Was als „akzeptiert“ oder eben als „anstößig“ galt oder gilt, ist heute etwas ganz Anderes als vor hundert oder zweihundert Jahren.
Marie-Luise von der Leyen hat sich die Mühe gemacht, uns die Biographien von neun Frauen aus der Zeit von Mitte des 17. Jahrhunderts bis Ende des 20. Jahrhunderts zu schildern und darzulegen, warum sie in ihrer Zeit als „skandalös“ gegolten haben. Manche der Namen, die hier auftauchen, sind sicher den meisten bekannt, von anderen haben Sie vielleicht noch nicht oder nur mal am Rande gehört. Zu den bekannten „mutigen, starken Frauen, die die Welt veränderten, Schranken durchbrachen, sich gegen starre Normen stellten und Risiken in Kauf nahmen“ gehören sicher Coco Chanel, Prinzessin Diana, George Sand und Lola Montez, vielleicht noch Franziska Gräfin zu Reventlow. Aber es lohnt sich durchaus, auch die anderen Kurz-Biografien zu lesen. Immer etwa 20, 30 Seiten – allzu nicht allzu lange, gut zu lesen und mit häufig interessanten Erkenntnissen. Weiterlesen
Karen Inge Nielsen: Niemand rettet dich
Ein gelungener Abschluss der Trilogie um Verbrechen im deutsch-dänischen Grenzgebiet. Gut gezeichnete Charaktere, die uns von Anfang an eben sympathisch oder nicht sind, die sich entsprechend entwickeln im Laufe der Erzählung und uns vertraut werden. Eine Geschichte, die sich als roter Faden durch alle drei Bände zieht und eben im letzten ihren Abschluss, ihre Erklärung findet.
Der dänische Kommissar Mads Lundstrom ist besessen von dem Gedanken, dass sein Vater, ein verantwortungsvoller, guter Polizist, sich vor über zwanzig Jahren nicht selbst das Leben genommen haben kann, wie alle behaupten und wie es in der Akte steht. Mads kann und will das nicht glauben und ist so sehr in die Idee, das auch zu beweisen verbissen, dass er nicht selten seine aktuelle Arbeit als Kriminalkommissar vernachlässigt. Damit macht er sich nicht wirklich Freunde unter den Kollegen. Einzig sein Chef, Per Teglgard, hält ihm mehr oder weniger regelmäßig, wenn auch widerwillig den Rücken frei, wenn er wieder mal einen seiner häufigen Alleingänge durchzieht. Das hat jedoch ein jähes Ende als Per schwer krank in die Klinik eingeliefert wird und ausgerechnet Mads‘ ärgster Widersacher unter den Kollegen zum kommissarischen Nachfolger bestimmt wird. Weiterlesen
Ferdinand von Schirach: Der stille Freund
Unaufgeregt und sachlich, wie wir das bereits aus seinen anderen kleinen Bänden kennen, schafft es von Schirach auch hier wieder, den Leser mitzunehmen in eine scheinbar andere Welt. Fast meint man, in einem der typischen tiefen cognacfarbenen oder rotbraunen Ledersessel einer Hotelbar oder -lobby zu versinken und der warmen, sonoren Stimme eines Erzählers zu lauschen, der von Begebenheiten, Ereignissen oder Anekdoten berichtet, die wir uns so kaum vorstellen können.
Sei es Massimo, der einen eigentlich ganz unspektakulären alltäglichen Moment seinen „stillen Freund“ nennt oder Cynthia, die sich in Mateo verliebt, der sie vielleicht zunächst vergöttert, aber -dennoch misshandelt und quält, bis sie ihn verlässt, um später mit dem wesentlich älteren Nicco glücklich zu werden. Nicco, der sie beschützen will, für den sie das Kostbarste und Wichtigste in seinem Leben ist, und der – mit der Macht und den Möglichkeiten einer seit Jahrhunderten einflussreichen Familie in Rom – in oder mit Cynthias Vergangenheit „aufräumt“. Weiterlesen
Katharina Herzog: A Taste of Cornwall: Eine Prise Liebe
Ein unterhaltsamer, stimmungsvoller Roman vor der traumhaften Kulisse Cornwalls. Wenn Sie noch nicht dort gewesen sind, macht das Buch auf jeden Fall Lust, mal hinzufahren. Die Charaktere des Buches kann man sich herrlich in dieser Gegend vo
rstellen. Ein bisschen knurrig, verschroben und schroff, Fremden gegenüber erst einmal abweisend – oder abwartend? -, aber dann entdeckt man durchaus einen herzlichen Menschen unter der rauen Schale.
Diese Erfahrung macht auch Sophie, gefeierte Restaurantkritikerin aus London, die „es vermasselt“ hat. Mit einer echt bösen Kritik über ein neu eröffnetes Restaurant eines berühmten Models, einem harschen Verriss, hat sie im Netz einen Shitstorm ausgelöst, dessen Konsequenzen sie jetzt tragen muss. Harry, ihr Chef bei „Food Network“, der zunächst noch meinte: super! Die Klicks für den Sender gehen durch die Decke, rudert schnell zurück und ändert seine Meinung in „was hast du dir dabei nur gedacht?“ Wenn Sophie das nur noch so genau wüsste! Weiterlesen
Michael Römling: Die Stadt der Auserwählten
Ein historisch fundierter, fesselnd geschriebener Roman über eine Zeitspanne von weniger als zwei Jahren, in denen die Stadt Münster das wohl willkürlich gewählte Zentrum der sogenannten Wiedertäufer war, eine eigentlich von der Grundeinstellung friedliche religiöse Gemeinschaft, die in Münster „das neue Jerusalem“ errichten wollten, in dem sie das nahende Ende der Welt erwarten wollten. Die Zahl ihrer Anhänger wuchs stetig und bald kam es in der Stadt zu Konflikten, die später nicht mehr gewaltlos waren. Aus Bürgern, die bisher friedlich zusammengelebt und gearbeitet hatten, wurden recht schnell Konkurrenten – im Glauben wie im alltäglichen Leben. Es kam zu blutigen Auseinandersetzungen, zur Belagerung der Stadt durch den Bischof und seine Truppen, zur Verteidigung im Innern.
Das ist das Setting für Michael Römlings neuen Roman. Jakob, Vertrauter der Brüsseler Statthalterin Maria, der Schwester des Kaisers, bekommt von ihr den Auftrag, ein junges adliges Mädchen nach Hause zurückzuholen, das sich – man könnte sagen aus Übermut oder Langeweile – dem wohl charismatischen Anführer der Wiedertäufer angeschlossen hat und mit ihm aus den Niederlanden verschwunden ist. Weiterlesen
Nina George: Die geheime Sehnsucht der Bücher
„Im Prinzip, dachte Francoise, im Prinzip sind Menschen ein Hochhaus mit ganz vielen Klingelschildern. Und dann kommt ein Buch und drückt vielleicht drei oder vier von hundert möglichen Klingeln. Beim mir bimmelt’s im Oberstübchen und bei anderen im siebten, also gehen Bücher durch ganz andere Türen bei Leuten rein und raus, wieso soll ich denen was vom 24. Stock erzählen, wenn die gar nicht wissen, was da los ist?“ Ich finde, Francoise hat recht. Unbedingt.
Nicht jedes Buch kommt bei jedem gleich gut an, löst die gleichen Gefühle aus, lässt die gleichen Bilder im Kopf entstehen. Sie kennen das sicher auch, dass Sie einfach im Moment nicht in Stimmung sind für ein bestimmtes Buch, in ein paar Tagen oder Wochen kann das ganz anders sein. Und eben das ist die Idee hinter der „Pharmacie Littéraire“, die der Buchhändler Jean Perdu auf einer einfachen „péniche“ eingerichtet hat. Eine Apotheke „für alle Gefühle, für die es sonst keine Arzneien gibt. Heimweh zum Beispiel. Er meint, es gäbe da unterschiedliche Arten. Geborgenheitsverlangen, Familiennostalgie, Abschiedsangst oder Liebessehnsucht“. Und das ist nur eins von x-tausend verschiedenen. Weiterlesen
Corinna Kastner: Fischland-Verschwörung
Man sollte die gesamte Reihe der Küsten-Krimis kennen, wenn man hier, im zehnten Fall der Hobby-Ermittler Kassandra, Paul und Heinz, unterstützt von ihrem Freund, Kriminalhauptkommissar Kay Dietrich, der kein „Fischländer“ ist, gleich mitkommen möchte.
Die
Fischland-Verschwörung knüpft nahtlos an an den vorherigen Fall, Fischland-Falle, in dem es darum ging, einem Escape-Room der besonderen Art lebend zu entkommen und einen Fall zu lösen, der wiederum sehr viel Bezug hatte zu früheren Fällen und Ereignissen aus der Reihe. Bei ihren Ermittlungen zum Hintergrund der Morde auf der alten Stinne, die jetzt als Event-Location ihren Dienst tun soll und dazu aufwändig restauriert und modernisiert worden ist, sind die Fischländer auf einen möglichen illegalen Handel mit Diamanten gestoßen, waren aber aufgrund der aktuellen Ermittlungen zu beschäftigt, um dem genauer nachzugehen. Das ist jetzt Thema im neuen Fall. Weiterlesen
Markus Orths: Crazy Family: Die Hackebarts drehen durch
Wer die verrückte Familie Hackebart kennt, der weiß, Chaos ist vorprogrammiert! Band vier ist allerdings, wie ich finde, nicht unbedingt der optimale Einstieg für Leser, die die ersten Bände nicht gelesen haben. Man sollte schon wissen, mit wem man es hier zu tun hat, sonst fällt es ein bisschen schwer, den richtigen Zugang zu finden.
Wieder mal geht es, wenn auch nicht vordergründig, um die Finanzen der Familie, um die es chronisch schlecht bestellt ist, insbesondere aber, seit Vater Hackebart diese völlig heruntergekommene Doppelhaushälfte „blind“ ersteigert hat, die den größten Teil der Million verschlungen hat, die die komplette Familie bei einer Sonderausgabe von Jauchs „Wer wird Millionär“ gewonnen hatte.
Inzwischen ist zwar alles renoviert und bewohnbar gemacht, alle fühlen sich wohl, aber das Geld ist eben alle. Da kommt der Gedanke, seinen wertvollsten Besitz zu verkaufen, gerade recht. Papa Hackebart hat bei den Renovierungsarbeiten eine wertvolle Klobürste gewonnen, die seitdem seine Sammlung dieser historischen Gebrauchsgegenstände ziert. Eine Klobürste aus dem Mittelalter, die einst der Königin Clothilde aus dem Geschlecht der Merowinger gehört haben und sehr wertvoll sein soll. Bei einem Besuch in einem Museum hat Walter den Grafen Sauberbart kennengelernt, der dieses seltene Hobby mit ihm teilt und ihm seine Klobürste gerne für 100.000 Euro abkaufen würde. Viel Geld. Das klingt zwar verlockend, aber reichen würde es wohl nicht. Weiterlesen
Gabriela Kasperski: Bretonisch mit Wind und Wellen
Stürmisch, wie es Titel und Cover versprechen, geht es im sechsten Fall für Tereza Berger zu, die vor längerer Zeit auf der bretonischen Halbinsel Crozon „gestrandet“ ist, nachdem sie ein altes, leicht verfallenes Häuschen mit Charakter geerbt hat, in das sie sich schnell verliebt. Buchhandlung und Lebensmittelpunkt verlegt sie kurzerhand in die Bretagne und wird schnell
heimisch. Mit ihrer zugewandten, offenen und freundlichen Art findet sie schnell Anschluss und ist rasch integriert. Ihre angeborene Neugier, oder besser: ihr Interesse an ihren Mitmenschen und dem, was um sie rum so passiert, ist schuld, dass sie ihre Nase eben auch immer wieder in die kleinen und größeren Verbrechen steckt, die das Leben auf der Insel erschüttern. Nicht immer zur Freude der Polizei, aber doch immer erfolgreich und vor allem unbelehrbar. Tereza lässt sich nicht aufhalten, wenn sie einmal angefangen hat, sich einzumischen. Dass sie inzwischen mit Kommissar Gabriel Mahon liiert ist, macht es nicht einfacher. Mehr als einmal war sie mit ihren Recherchen ja auch durchaus erfolgreich und hat zur Aufklärung der Fälle beigetragen. Weiterlesen
