Laura Baldini: Und sie schenkten ihnen ein Zuhause

Produktbild: Und sie schenkten ihnen ein Zuhause

Was wissen Sie über Anna Freud? Dass sie die Tochter des Psychoanalytikers Sigmund Freud war, in Wien gelebt hat, selbst auch als Psychoanalytikerin gearbeitet hat … Aber wissen Sie auch, dass sie es war, die 1940, als die Luftangriffe auf London einsetzten, dort Heime für Kinder geschaffen hat, die vom Krieg traumatisiert waren? Sei es, weil sie zu Waisen wurden, obdachlos waren oder sich selbst überlassen, weil die Mütter arbeiten mussten, um für sich und ihre Kinder zu sorgen. Solchen Kindern wollten Anna Freud und ihre Freundin und Kollegin Dorothy Burlingham eine Umgebung bieten, in der sie in einer relativen Normalität leben und wieder Vertrauen fassen konnten, in der sie feste Bezugspersonen hatten, die sich täglich und auch nachts um sie kümmerten und auf ihre Ängste und Traumata eingingen.

Anna Freud hatte zunächst in Wien mit Kolleginnen, Pädagoginnen, Lehrerinnen, Ärztinnen in Kindergärten das Verhalten von Kleinkindern erforscht, bis sie selbst vor den Nazis geflohen und nach London gegangen ist. Viele ihrer damaligen Kolleginnen und Freundinnen waren Jüdinnen, denen sie versuchte, bei der Flucht nach England zu helfen. Es gelang nicht in jedem Fall. Gemeinsam mit diesen Freundinnen schuf sie die sogenannten „Hampstead War Nurseries“, in denen sie eben diese Kinder betreuten. Unterstützt wurden die Einrichtungen in London und später auch eine weitere in Essex teilweise durch Spenden, teilweise aber auch durch den „Foster Parents’ Plan for War Children“.

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Anna Husen: Lübecks Töchter: Der Traum von Liebe und Gemeinschaft

Produktbild: Lübecks Töchter. Der Traum von Liebe und Gemeinschaft

Das Vermitteln von Wissen und Bildung, der Wunsch nach Eigenständigkeit und Selbstbestimmung – das sind auch im zweiten Teil der Dilogie um „Lübecks Töchter“ die beherrschenden Themen. Sehr anschaulich wird die Situation der Frauen im ausgehenden 19. Jahrhundert dargestellt. Sogenannte „höhere Töchter“ wurden meist von einem Privatlehrer unterrichtet, wurden auf eine Zukunft als Ehefrau und Mutter vorbereitet und lernten dementsprechend in der Regel, wie man Konversation macht, ein bisschen Französisch oder Englisch sowie Haushaltsführung. Tiefergehende Bildung blieb ihnen oft verwehrt. Das wollten Amélie Roquette und ihre Schwestern mit ihrem Institut ändern. Zunächst als Schule für höhere Töchter geplant, wurde daraus bald auch ein Lehrerinnenseminar, an dem die Schwestern selbst künftige Lehrerinnen ausbilden konnten. Gegen viele Widerstände der Behörden, aber auch einzelner Bürger, die versuchten, den Schwestern das Leben schwer zu machen.

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Gina Greifenstein: Grumbeersupp

Produktbild: Grumbeersupp

„Grumbeersupp“ – das muss man für den ein oder anderen vielleicht schon gle„Grumbeersupp“ – das muss man für den ein oder anderen vielleicht schon gleich übersetzen, – schlicht: Kartoffelsuppe. Es ist also nicht verkehrt, wenn man über gewisse Grundkenntnisse des Pfälzischen verfügt, wenn man diesen humorvollen Pfalz-Krimi zur Hand nimmt. Für alle, die des Pfälzischen nicht mächtig sind, werden Ausdrücke, Redewendungen und Dialoge natürlich „übersetzt“, es sind auch nicht allzu viele im Laufe des Krimis, aber es macht halt schon mehr Spaß, wenn man das Original versteht. Die Geschichte um einen abgetrennten Finger in einer Suppenkonserve führt uns denn auch mitten in die Pfalz, in die Region um Landau, zu einer kleinen, neuen Suppenmanufaktur einer jungen Köchin, die aus Berlin kommt, wo sie ihr Handwerk gelernt hat und jetzt auf dem ehemaligen Hof ihrer Großmutter mit einer Manufaktur für Dosensuppen einen Neustart wagen will.

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Caren Benedikt: Tosende See: Grand Hotel Usedom

Produktbild: Tosende See

Auch der letzte Teil der fesselnden Trilogie um die Familie von Höveln und ihre Hotels „Ahlbecker Hof“ und „Atlantic“ auf Usedom ist wieder ebenso Familiensaga wie eine Studie der gesellschaftlichen Konventionen und Gepflogenheiten Anfang des 20. Jahrhunderts. Wir erleben hautnah, wie schwierig es für Frauen ist, sich aus einer unglücklichen, ja krankmachenden Ehe zu befreien, wie viele Steine ihnen in den Weg gelegt werden, wenn sie nicht in den Schoß der Familie zurückkehren können oder gar versuchen, auf eigenen Füßen zu stehen und eigene Entscheidungen zu treffen.

Maria, die älteste der drei Schwestern von Höveln, kann jetzt endlich die Scheidungspapiere unterzeichnen, und ihr Ex-Mann, Friedrich Kaminski, wird mit juristischen Schritten dazu aufgefordert, die Insel zu verlassen. Er steht ohne alles da. Seine Familie, die seine verbrecherischen Machenschaften lange gar nicht mitbekommen hatte und diese absolut verurteilt, auch den Umgang mit Maria und deren Familie, untersagt ihm jede finanzielle Unterstützung. Lediglich die Abreise von der Insel haben sie für ihn organisiert, doch wieder einmal gelingt es Friedrich, sich den Auflagen zu entziehen. Sein Versuch jedoch, noch einmal in seinen alten Kreisen Fuß zu fassen, scheitert kläglich, hat er sich doch zu viele Feinde gemacht.

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Anna Jessen: Ruf der Wellen: Die wandernden Inseln

Borkum – und Lütje Hörn – heute und vor zweihundert Jahren. Die Veränderung der „wandernden Inseln“ im Laufe der Jahrhunderte anhand dieses spannend geschriebenen Familienromans nachzuvollziehen, ist ein interessantes Unterfangen. Wer heute als Tourist nach Borkum oder Norderney oder auf eine andere Insel fährt, macht sich wahrscheinlich eher wenig Gedanken darum, wie diese Inseln früher einmal zusammengehängt und sich verändert haben. „Der Ruf der Wellen“ ist also nicht nur ein gut erzählter Roman, sondern auch eine wirklich interessante geschichtliche Darstellung der Veränderungen.

Erzählt wird in zwei Zeitebenen. Einmal 1855, als eine verheerende Sturmflut Borkum verwüstet und viele der damaligen Bewohner um ihre Existenzen und ihr Zuhause gebracht hatte, und einmal 2025, 170 Jahre später, als eine junge Geologin nach Borkum kommt, um den Wandel zu dokumentieren. Anhand des Beispiels der inzwischen verwaisten Insel Lütje Hörn, auf der 1855 noch drei Familien lebten, die aber dann auch sehr bald weggegangen sind, weil sie kein Auskommen mehr auf der kleinen Insel hatten.

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Ingrid Kloser: Regentropfen fallen langsam

Produktbild: Regentropfen fallen langsam

Ein sehr einfühlsamer, ruhiger Roman, auf den man sich einlassen muss. Nicht die Handlung reißt einen mit, es ist eher die Nicht-Handlung, die Gedanken, die einen hier festhalten. Die begabte Gesangsstudentin Nina bricht von heute auf morgen ihre Ausbildung an der Musikhochschule ab, sie fühlt sich beengt, „wie eingepackt“, hat das Gefühl, nicht mehr singen zu können. Nina geht nach Wien, wo sie Unterricht nimmt bei einer Gesangslehrerin, von der sie gehört hat, sie gehe völlig andere Wege der Ausbildung. Bei Eva lernt Nina loszulassen, sich von festgefahrenen Strukturen zu befreien, Eingefahrenes zur Seite zu schieben.

Nina macht große Fortschritte, lernt auch sich selbst besser kennen, hat aber nach einer gewissen Zeit dennoch das Gefühl, auch bei Eva nicht weiterzukommen. Sie bekommt ein Engagement in Prag, was für viele den Durchbruch bedeuten würde, für Nina aber nur eine weitere Station ist auf dem Weg zu sich selbst. Sie kommt zurück nach Wien, lernt die Japanerin Yuko kennen, mit der sie die Wohnung teilt, und macht mit ihr ganz neue Erfahrungen, eine ganz neue, andere Sicht auf die Dinge, auf die Welt, auf sich selbst. Eva verändert sich, nicht nur ihre Stimme wird voller, auch ihr Leben reicher.

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Monika Mansour: Die Wahrheit ruht im Sempachersee

Vogelsterben, ein riesengroßer Umweltskandal, Korruption, Machenschaften von Großkonzernen, menschliche Abgründe, Gier und rücksichtslose Gewissenlosigkeit – das sind die Themen, die Monika Mansour im neuen Fall für Kommissar Cem Cengiz zu einem spannenden Plot verarbeitet. Zu Anfang vielleicht ein bisschen sperrig, zäh, aber im Laufe der Geschichte nimmt die Handlung Fahrt auf und entwickelt eine richtig gute inhaltliche Spannung, ganz ohne überflüssiges Blutvergießen.

Ein sehr persönlicher Fall für Cem Cengiz, der seit drei Monaten versucht, damit klar zu kommen, dass Eva, seine Frau, eine erfolgreiche, ehrgeizige Staatsanwältin, tot sein soll. Mitten in der Nacht war Eva zu einem Treffen mit einem geheimen Informanten zum See gefahren, wo sie bei einer Explosion auf einen Boot ums Leben gekommen sein soll. Cem kann das nicht glauben. Er versinkt in Trauer und Verzweiflung, bis seine Chefin ihn mit den Ermittlungen zu einem mysteriösen Vogelsterben am See beauftragt. Was als Ablenkung für Cem gedacht ist, entwickelt sich zu einem ausgewachsenen Ökoskandal, in den nicht nur ein milliardenschwerer Agrarkonzern verwickelt ist, sondern auch politische Entscheidungsträger aus der Region Luzern und weiter es sind.

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Miguel Silva: Die Tote von Nazaré

Urlaub am Meer – das ist genau, was Maren jetzt braucht. Ruhe und Erholung nach einem langen Klinikaufenthalt und einer längeren Zeit im Koma. Bei einem Banküberfall war Hauptkommissarin Maren Berger angeschossen worden, eine Kugel musste aus ihrem Kopf entfernt werden. Keiner kann sagen, wie schnell sie sich davon erholen wird. Deshalb jetzt Nazaré, wo es – wie Maren gehört oder geträumt hat – die höchsten Wellen gibt, gerade auch im Winter. Ein Paradies für Surfer und Kitesurfer. Dazu gehört Maren zwar nicht, aber vom Strand aus zuzuschauen, das stellt sie sich beruhigend vor.

Ihre Ruhe währt allerdings nicht allzu lange. Eines Morgens, als sie gerade auf dem Weg zum berühmten Praia do Norte ist, wo die Wellen am besten sein sollen, findet sie bei der Surferstatue die Leiche einer jungen Frau. Maren verständigt sofort die örtliche Polizei. Als sie allerdings mit den Beamten zurückkommt, ist die Tote verschwunden. Die Beamten halten sie wahrscheinlich für eine durchgeknallte deutsche Touristin, aber das ist Maren egal. Sie weiß, was sie gesehen hat, und sie erinnert sich auch, dass sie die junge Frau am Abend zuvor in einem Café gesehen hat. Einzig Inspector Joao Ferreira glaubt Marens Aussage und interessiert sich für ihren Bericht. Ferreira spricht gut Deutsch, was es einfacher macht, außerdem macht er einen kompetenten und sympathischen Eindruck, Maren fasst Vertrauen zu ihm.

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Liza Marklund: Das kalte Moor

Das in recht dunklen Farben gehaltene Cover vermittelt einen guten Vorgeschmack auf die Geschichte, die der zweite Teil der Polarkreis-Trilogie erzählt. Düster, geheimnisvoll, aber diesmal wesentlich persönlicher als im ersten Teil, den man im Übrigen nicht gelesen haben muss, um jetzt im zweiten mitzukommen. „Das kalte Moor“ ist gut als Standalone zu lesen, die Geschichte erklärt sich gut und ohne viele Bezüge.

Düster und leicht bedrückend ist die Gegend, in der die Autorin das Geschehen angesiedelt hat. Stenträsk, ein kleiner schwedischer Ort nördlich des Polarkreises und unmittelbar angrenzend an ein Raketenversuchsgelände, das schon an sich geheimnisumwoben ist, weil die, die dort arbeiten, ob aus dem kleinen Ort oder von ihren Firmen irgendwo auf der Welt für eine gewisse Zeit abgeordnet, natürlich nicht über das reden dürfen, was auf dem Gelände passiert oder erforscht wird. Dennoch kommt man natürlich miteinander in Kontakt, immerhin müssen diejenigen, die nur auf Zeit in Stenträsk arbeiten, ja im Hotel wohnen und man trifft sich natürlich auch mal in der Kneipe. Markus, der Sohn des örtlichen Polizeichefs Wiking Stromberg, arbeitet auf dem Versuchsgelände. Was genau er dort macht, darf er auch seiner Familie nicht erzählen, nur so viel: Er soll befördert werden und würde dieses Angebot auch gerne annehmen. Wenn da nicht dieses anonyme Schreiben wäre, das ihn eindringlich davor warnt. Der Schreiber, die Schreiberin bittet ausdrücklich, dass Markus das Schreiben seinem Vater zeigt, der sofort einen bestimmten Verdacht hat, wer der Absender sein könnte.

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Christiane Franke, Cornelia Kuhnert: Matjes al dente

Amüsant, warmherzig und liebevoll wie immer, gewürzt mit einer guten Portion friesischen Charmes. Die Ostfriesenkrimis dieses Autorinnen-Duos sind ein bisschen wie Urlaub an immer dem gleichen Ort. Man kennt die Umgebung, mag die handelnden Personen und die Region und ist gleich mittendrin. Ohne lange Vorrede sind wir auch diesmal wieder beim ersten Todesfall. Postbote Henner findet die tote Reederin Tjalda auf ihrem Schiff, mitten in der Blumendeko für die nächste Seebestattung, die in wenigen Stunden stattfinden soll. Sein Freund Rudi und dessen Polizistenkollege Schnepel stellen eindeutig fest: Tjalda ist erschossen worden. Schnepel, der gerne mal ohne lange nachzudenken Schlüsse zieht, hat auch gleich eine einleuchtende Theorie: Das war ein Mafiamord. Immerhin war Tjalda mit einem Italiener verheiratet, der einen Feinkostladen führt, und sie war im Vorstand des gerade vor Kurzem erst gegründeten Hanf-Vereins in Neuharlingersiel.

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