Den Rahmen für diesen intensiv und toll recherchierten historischen Roman bildet zum einen die Zeit der Verfolgung der Hugenotten im 17. Jahrhundert, nach der Aufhebung des Edikts von Nantes, zum anderen die Geschichte der Familie Barnsdorf im Havelland, heute. Am 100. Geburtstag ihrer Großmutter Henriette macht Antonia die Bekanntschaft einer Großcousine ihrer Großmutter, die – u.a. auf Henriettes Bitte – sich mit Ahnenforschung und dem Stammbaum der Barnsdorfs befasst hat. Maximiliane, eine beeindruckende Frau, die auffällt, schon, weil sie darauf besteht, „Max“ genannt zu werden – und zwar englisch ausgesprochen. Max bringt einen dicken Ordner mit Unterlagen mit zum Familienfest und begeistert damit vor allem Antonia, die gerade daran ist, ihre Masterarbeit zu schreiben, mit dem Thema aber nicht so ganz glücklich ist. Überhaupt ist sie mit ihrem Leben zur Zeit insgesamt nicht im Reinen, sodass die Spur, die Max da aufgetan hat, sie darin bestärkt, Leipzig, wo sie studiert und ihrer Familie in Berlin erst einmal den Rücken zu kehren und nach Lyon zu reisen, wo Max ihr den Kontakt zu einem renommierten Historiker gemacht hat, der ihr bei der Suche nach den Wurzeln ihrer Familie sicher hilfreich sein kann. Monsieur Bellamy verfügt über hervorragende Kontakte, ein riesiges Netzwerk an Bekannten und Freunden, die gerne weiterhelfen.
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Sybille Baecker: Tod in den Highlands
Ein Krimi um Whisky und schöne Landschaft, mit viel Lokalkolorit und Wissensvermittlung über Herstellung, Brennen, Geschmack und Besonderheiten von schottischem Whisky. Wer sich also für Whisky interessiert, der kommt auf seine Kosten.
Alison Dexter, die es ganz gut brauchen kann, einen Fall zu übernehmen, mit dem ihr Name als Privatermittlerin ein bisschen bekannter wird, soll herausfinden, wer es geschafft und gewagt hat, einen edlen Whisky einer renommierten Destillerie in den schottischen Highlands nicht nur zu fälschen, sondern auch bei einer Auktion mit dieser Fälschung in der markanten, typischen Flasche eine gute Stange Geld zu erzielen. Alison hat, wenn sie auf ihr Konto schaut, keine andere Wahl als den Auftrag anzunehmen, zumal die Brennereibesitzerin verspricht, nicht knauserig mit dem Honorar zu sein, aber von Whisky hat sie leider kaum Ahnung.
WeiterlesenDina Casparis: Die dunkle Seite der Schokolade
Ein zunächst etwas verwirrender Krimi über die Machenschaften der Schokoladenindustrie, der dann aber immer interessanter wird und gute Einblicke gibt in die Zeit, als auch die Schweizer sich als Kolonialherren zum Beispiel in Afrika nicht nur mit Ruhm bekleckert haben. Diese Zeit wird recht anschaulich dargestellt, anhand von Nachforschungen der jungen Rechtsanwältin Serafine Montalin, die als Leiterin der Abteilung Interne Untersuchungen beim Schokoladenkonzern CacaoBest auch für Firmenzusammenschlüsse zuständig ist. Das genaue Hinsehen ist Teil ihrer Aufgabe und so forscht sie eben intensiv auch in der Vergangenheit der Firma Chocolat Grison, die vom Mitbewerber CacaoBest übernommen werden soll. Die Gespräche stehen schon kurz vor dem Abschluss, als Serafine involviert wird. Chocolat Grison, zufällig auch der frühere Arbeitgeber ihres verstorbenen Vaters, spielt in Serafines ganz persönlicher Vergangenheit zwar eine große Rolle, aber das soll natürlich beim professionellen Blick auf das Geschäftsgebaren des Unternehmens keine Rolle spielen.
WeiterlesenClaudia Bardelang: Leben und Sterben in Verona
Wer die Reihe um Commissario Brunetti in Venedig von Donna Leon mag, dem wird sicher auch „der neue“ Kommissar Forlani aus Verona sympathisch sein. Mitte vierzig, aus bestem Hause, früher begehrter Junggeselle mit Hang zur Perfektion, inzwischen jung verheiratet, Vater eines drei Monate alten Sohnes, der die junge Familie auf Trab hält, was besonders problematisch ist, da Grace, Forlanis zwanzig Jahre jüngere Ehefrau wohl noch immer an Wochenbettdepressionen leidet und Forlani nicht nur übernächtigt, sondern auch voller Sorge um die Gesundheit seiner Frau ist.
Doch all das hat mit der Arbeit nichts zu tun – Forlani bemüht sich, seinen Mitarbeitern gegenüber um einen korrekten, entspannten und kollegial-freundschaftlichen Umgang, auch wenn der akute Personalmangel alle zu mehr Überstunden zwingt als gesund wäre. Der Mord an seinem guten Freund, dem renommierten Antiquitätenhändler Palladini und – fast zeitgleich – an dessen Mitarbeiter, der nur wenige hundert Meter entfernt noch in der Werkstatt gearbeitet hat, stellt das Team vor einige Rätsel.
WeiterlesenRegine Kölpin: Zwischen Abschied und Neubeginn: Die Hebammensaga
Auch der zweite Teil der „Hebammensaga“ um Esther und Luise ist wieder sehr authentisch und schildert realistisch die Probleme, mit denen sich freiberufliche Hebammen in den 1980er-Jahren (und manchmal bis heute) konfrontiert sahen. Die Zusammenarbeit mit den Kliniken war nicht immer einfach, weil ein Großteil der Ärzte die Hausgeburten und die Betreuung durch freiberuflich tätige Hebammen strikt ablehnten. Esther hat nach dem abrupten Ende ihrer Zeit in der Wellenklinik für sich einen guten Weg gefunden. Dank der Unterstützung und Hilfe der älteren Hebamme Luise, die sie in der Silvesternacht kennengelernt hatte, als sie unfreiwillig, aber im Nachhinein Gott sei Dank, bei Freunden von Stefan untergekommen war, ist Esther nicht lange arbeitslos geblieben, sondern konnte sich in Luises Praxis einkaufen und gemeinsam mit ihr werdende und junge Mütter betreuen.
WeiterlesenLaura Baldini: Und sie schenkten ihnen ein Zuhause
Was wissen Sie über Anna Freud? Dass sie die Tochter des Psychoanalytikers Sigmund Freud war, in Wien gelebt hat, selbst auch als Psychoanalytikerin gearbeitet hat … Aber wissen Sie auch, dass sie es war, die 1940, als die Luftangriffe auf London einsetzten, dort Heime für Kinder geschaffen hat, die vom Krieg traumatisiert waren? Sei es, weil sie zu Waisen wurden, obdachlos waren oder sich selbst überlassen, weil die Mütter arbeiten mussten, um für sich und ihre Kinder zu sorgen. Solchen Kindern wollten Anna Freud und ihre Freundin und Kollegin Dorothy Burlingham eine Umgebung bieten, in der sie in einer relativen Normalität leben und wieder Vertrauen fassen konnten, in der sie feste Bezugspersonen hatten, die sich täglich und auch nachts um sie kümmerten und auf ihre Ängste und Traumata eingingen.
Anna Freud hatte zunächst in Wien mit Kolleginnen, Pädagoginnen, Lehrerinnen, Ärztinnen in Kindergärten das Verhalten von Kleinkindern erforscht, bis sie selbst vor den Nazis geflohen und nach London gegangen ist. Viele ihrer damaligen Kolleginnen und Freundinnen waren Jüdinnen, denen sie versuchte, bei der Flucht nach England zu helfen. Es gelang nicht in jedem Fall. Gemeinsam mit diesen Freundinnen schuf sie die sogenannten „Hampstead War Nurseries“, in denen sie eben diese Kinder betreuten. Unterstützt wurden die Einrichtungen in London und später auch eine weitere in Essex teilweise durch Spenden, teilweise aber auch durch den „Foster Parents’ Plan for War Children“.
WeiterlesenAnna Husen: Lübecks Töchter: Der Traum von Liebe und Gemeinschaft
Das Vermitteln von Wissen und Bildung, der Wunsch nach Eigenständigkeit und Selbstbestimmung – das sind auch im zweiten Teil der Dilogie um „Lübecks Töchter“ die beherrschenden Themen. Sehr anschaulich wird die Situation der Frauen im ausgehenden 19. Jahrhundert dargestellt. Sogenannte „höhere Töchter“ wurden meist von einem Privatlehrer unterrichtet, wurden auf eine Zukunft als Ehefrau und Mutter vorbereitet und lernten dementsprechend in der Regel, wie man Konversation macht, ein bisschen Französisch oder Englisch sowie Haushaltsführung. Tiefergehende Bildung blieb ihnen oft verwehrt. Das wollten Amélie Roquette und ihre Schwestern mit ihrem Institut ändern. Zunächst als Schule für höhere Töchter geplant, wurde daraus bald auch ein Lehrerinnenseminar, an dem die Schwestern selbst künftige Lehrerinnen ausbilden konnten. Gegen viele Widerstände der Behörden, aber auch einzelner Bürger, die versuchten, den Schwestern das Leben schwer zu machen.
WeiterlesenGina Greifenstein: Grumbeersupp
„Grumbeersupp“ – das muss man für den ein oder anderen vielleicht schon gle„Grumbeersupp“ – das muss man für den ein oder anderen vielleicht schon gleich übersetzen, – schlicht: Kartoffelsuppe. Es ist also nicht verkehrt, wenn man über gewisse Grundkenntnisse des Pfälzischen verfügt, wenn man diesen humorvollen Pfalz-Krimi zur Hand nimmt. Für alle, die des Pfälzischen nicht mächtig sind, werden Ausdrücke, Redewendungen und Dialoge natürlich „übersetzt“, es sind auch nicht allzu viele im Laufe des Krimis, aber es macht halt schon mehr Spaß, wenn man das Original versteht. Die Geschichte um einen abgetrennten Finger in einer Suppenkonserve führt uns denn auch mitten in die Pfalz, in die Region um Landau, zu einer kleinen, neuen Suppenmanufaktur einer jungen Köchin, die aus Berlin kommt, wo sie ihr Handwerk gelernt hat und jetzt auf dem ehemaligen Hof ihrer Großmutter mit einer Manufaktur für Dosensuppen einen Neustart wagen will.
WeiterlesenCaren Benedikt: Tosende See: Grand Hotel Usedom
Auch der letzte Teil der fesselnden Trilogie um die Familie von Höveln und ihre Hotels „Ahlbecker Hof“ und „Atlantic“ auf Usedom ist wieder ebenso Familiensaga wie eine Studie der gesellschaftlichen Konventionen und Gepflogenheiten Anfang des 20. Jahrhunderts. Wir erleben hautnah, wie schwierig es für Frauen ist, sich aus einer unglücklichen, ja krankmachenden Ehe zu befreien, wie viele Steine ihnen in den Weg gelegt werden, wenn sie nicht in den Schoß der Familie zurückkehren können oder gar versuchen, auf eigenen Füßen zu stehen und eigene Entscheidungen zu treffen.
Maria, die älteste der drei Schwestern von Höveln, kann jetzt endlich die Scheidungspapiere unterzeichnen, und ihr Ex-Mann, Friedrich Kaminski, wird mit juristischen Schritten dazu aufgefordert, die Insel zu verlassen. Er steht ohne alles da. Seine Familie, die seine verbrecherischen Machenschaften lange gar nicht mitbekommen hatte und diese absolut verurteilt, auch den Umgang mit Maria und deren Familie, untersagt ihm jede finanzielle Unterstützung. Lediglich die Abreise von der Insel haben sie für ihn organisiert, doch wieder einmal gelingt es Friedrich, sich den Auflagen zu entziehen. Sein Versuch jedoch, noch einmal in seinen alten Kreisen Fuß zu fassen, scheitert kläglich, hat er sich doch zu viele Feinde gemacht.
WeiterlesenAnna Jessen: Ruf der Wellen: Die wandernden Inseln
Borkum – und Lütje Hörn – heute und vor zweihundert Jahren. Die Veränderung der „wandernden Inseln“ im Laufe der Jahrhunderte anhand dieses spannend geschriebenen Familienromans nachzuvollziehen, ist ein interessantes Unterfangen. Wer heute als Tourist nach Borkum oder Norderney oder auf eine andere Insel fährt, macht sich wahrscheinlich eher wenig Gedanken darum, wie diese Inseln früher einmal zusammengehängt und sich verändert haben. „Der Ruf der Wellen“ ist also nicht nur ein gut erzählter Roman, sondern auch eine wirklich interessante geschichtliche Darstellung der Veränderungen.
Erzählt wird in zwei Zeitebenen. Einmal 1855, als eine verheerende Sturmflut Borkum verwüstet und viele der damaligen Bewohner um ihre Existenzen und ihr Zuhause gebracht hatte, und einmal 2025, 170 Jahre später, als eine junge Geologin nach Borkum kommt, um den Wandel zu dokumentieren. Anhand des Beispiels der inzwischen verwaisten Insel Lütje Hörn, auf der 1855 noch drei Familien lebten, die aber dann auch sehr bald weggegangen sind, weil sie kein Auskommen mehr auf der kleinen Insel hatten.
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