Jo Leevers: In den Augen meiner Mutter

Etwas überfrachtetes Familiendrama um Geheimnisse und Missverständnisse

Wieder einmal ein Roman um die Beziehung von Müttern zu Töchtern, von Kindern zu Eltern, ein Roman um eine Familie voller Probleme, voller Drama.

Der erste Roman, den ich von Jo Leevers gelesen habe, hat mir ausgenommen gut gefallen. Er war gefühlvoll ohne rührselig zu sein, er zeigte einen leisen Humor und die Figuren waren authentisch und sympathisch. Vor allem war er optimistisch und hell.

Leider hat mich dieser neuer Roman dagegen etwas enttäuscht. Er ist eher düster und zäh, die Handlung ist überfrachtet und die Charaktere haben kein Mitempfinden wecken können.

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Martina Bogdahn: Mühlensommer

Wenig mitreißender Roman um das Leben auf einem Bauernhof

In einer Mischung aus aktueller Handlung und ständigen Rückblicken scheint hier eine Autorin ihre Kindheit aufzuarbeiten. Ein Roman, den es nicht braucht.

Im Stil eines Schulaufsatzes der fünften Klasse zum Thema „Mein schönstes Ferienerlebnis“ erzählt Martina Bogdahn von einer Kindheit auf einem Bauernhof. Da, laut Vita im Buch, sie selbst auf einem solchen aufwuchs, liegt die Annahme nahe, dass sie hier ihre eigenen Erlebnisse schildert.

Maria, Mutter zweier Töchter – einen Vater scheint es nicht zu geben – wird in ihr Elternhaus gerufen, als ihr Vater einen schweren Unfall hat. Sie muss einspringen, die Tiere versorgen und auf die demente Oma aufpassen. Es ist ein heißer Sommer und eigentlich wollte sie sich mit Freunden zu einem langen Wochenende treffen. Nun kommen diese Freunde stattdessen zu ihr auf den Bauernhof und wirken dort dann ziemlich fehl am Platz.

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Graham Norton: Ein Ort für immer

Für diesen Roman stellen wir Ihnen eine Doppelrezension vor.  Zwei unserer Rezensentinnen haben das Buch gelesen. Ihre Besprechungen fallen gar nicht so unterschiedlich aus. Doch während Renate Müller die absurden Komponenten des Romans als vergnüglich und unbedingt empfehlenswert einstuft,  bewertet Annegret Glock genau diese Skurrilität als zu trivial:

Renate Müllers Rezension:

Berührender und humorvoller Roman um die Frage: Sind wir da zu Hause, wo wir wohnen?

Ein Schicksal, das heutzutage sicher öfter vorkommt, als man glaubt. Plötzlich sitzt ein Partner auf der Straße, weil der andere keine Vorsorge getroffen hat.

In dem Roman des irischen Autors Graham Norton, des ersten, den ich von ihm las, geht es vor allem um das, was unser Zuhause ausmacht. Für fast alle der wunderbar ausgearbeiteten Figuren stellt sich diese Frage, nicht alle finden eine Antwort.

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Raquel Erdtmann: Joseph Süßkind Oppenheimer

Ein Justizskandal vor 300 Jahren, der bis heute nachwirkt

Wer, wenn nicht eine Gerichtsreporterin, könnte diese Geschichte erzählen. Die Geschichte des Juden Joseph Süs Oppenheimer, der 1738 nach einem Schauprozess hingerichtet wurde und später als literarische Figur „Jud Süß“ unter anderem durch Lion Feuchtwanger Berühmtheit erlangte.

Akribisch recherchierte Details, aufwändig nachgezeichnete Lebenswege und erschütternd deutliche Beschreibungen der Judenfeindlichkeit zeichnen dieses Buch aus. Raquel Erdtmann schildert das Leben des Mannes, der seiner Zeit um einige Jahrhunderte voraus war, der sich nicht verbiegen lassen wollte und der sich weder den Vorschriften noch den Einschränkungen, die den Juden auferlegt waren, beugen wollte.

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Claire Keegan: Reichlich spät

Die Frau in den Augen eines Mannes – erschreckende Erzählung aus Irland

Die Bücher dieser irischen Autorin sind immer etwas ganz Besonderes. Bei ihr sitzt jedes Wort, jedes Bild ist präzise gewählt, jeder Satz eine Aussage, die in Erinnerung bleibt.

Das gilt natürlich genauso für dieses neue schmale Bändchen, das nicht mehr ist als eine Erzählung. Gerade einmal 55 mit großer Schrift bedruckte Seiten umfasst diese Geschichte, in der es um einen Mann und sein Frauenbild geht.

Wir begleiten diesen Mann auf dem Weg in seinen Feierabend, folgen seinen Gedanken während der Busfahrt, beobachten ihn beim Essen und Trinken. Und wir erleben seine Erinnerungen an die Frau, die er eigentlich an diesem Tag heiraten wollte.

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Andreas Wagner: Wie Treibgut im Fluss

Bewegender Familienroman über weniger bekannte historische Begebenheiten

Ein Roman um Freundschaft und Trennung, um Tradition und Religion, um Aufbegehren und Unterordnen und um Familie und ihre Generationen.

Tief in die Vergangenheit blickt Ich-Erzähler Niklas, um die Geschichte seiner Familie zu ergründen. In der unausgesprochenen Hoffnung, dass sie ihm hilft, sein eigenes Leben in den Griff zu bekommen, seinem Sohn ein guter Vater zu sein.

Vor fast 300 Jahren beginnt die Geschichte, sie beginnt mit den armen Bauern im Hunsrück, die einer Schimäre nachjagen, als sie davon träumen, nach Amerika auszuwandern, nach Pennsylvanien. Gegen den Willen seiner Frau Catharina schließt sich Peter der Auswanderergruppe an. Doch sie kommen nicht weit. Die Niederlande lassen die Menschen nicht einreisen, nicht durchreisen zum Hafen. So landen sie am Niederrhein, können nicht vorwärts und nicht zurück, beginnen hier zu siedeln.

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Cecilia Rabess: Alles gut

Turbulente Liebesgeschichte aus der Welt der Finanzhais – nicht das Besondere, das man erwartet

Am Ende ist dieser Roman auch nur eine Liebesgeschichte, mit dem üblichen Hin und Her, den Missverständnissen und aufgeblähten Problemchen – nicht unähnlich den Büchern von Ali Hazelwood, wenn auch ohne deren ausschweifende Sexszenen.

Der Unterschied ist lediglich, dass hier die Protagonistin eine Schwarze Frau ist, die eine für Leute ihrer Hautfarbe und für ihr Geschlecht unübliche Karriere anstrebt. Und somit, auch das wenig überraschend, mit den üblichen Schwierigkeiten, Vorurteilen und männlichen Überheblichkeiten zu kämpfen hat.

Jess begegnet an ihrem ersten Arbeitstag bei Goldman Sachs ihrem ehemaligen Studienkollegen Josh wieder. Dieser, obwohl er zunächst mal keine wesentlich andere Ausbildung hat als sie, bekommt mehr Unterstützung, wird gefördert, ergattert die wichtigen und großen Aufträge. Während ihr wenig mehr als Sekretärinnentätigkeiten zugewiesen werden.

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Trude Teige: Und Großvater atmete mit den Wellen

Prequel zum Vorgängerroman – schmonzettenartige Geschichte um Liebe und Kriegsgefangenschaft

Das ist so oft das Problem mit dem Anschließen wollen an vorigen Erfolg: Es gelingt eben nicht immer. In dem letztes Jahr erschienenen Band erzählte Trude Teige die Geschichte von Tekla, ihrer Tochter Lilla und ihrer Enkelin Juni. Jener Roman war spannend und vor allem berichtete er von einem unbekannten Stück Historie aus dem zweiten Weltkrieg und der Zeit danach.

Nun, so laut Vor- und Nachwort, möchte Juni uns von ihrem Großvater Konrad erzählen, von seinen Erlebnissen in Asien während des Krieges. Er gerät erst in Seenot, gelangt halb tot an Land, kommt ins Krankenhaus und begegnet dort der Krankenschwester Sigrid. Schließlich geraten beide in japanische Gefangenschaft, wie auch Konrads Bruder Sverre.

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Amelie Fried: Der längste Sommer ihres Lebens

Spannungsarmer Roman um drei Frauen und zu viele Themen

Dass sich dieser Roman des Themas Klimawandel annimmt und ein tatsächliches Ereignis rund um die Klimaaktivisten aufgreift, ist noch das Beste daran. Ansonsten bietet er wenig Überraschendes, schablonenartige Figuren und vor allem viele Klischees.

Claudia Berner führt in x-ter Generation ein Autohaus in einer überschaubaren Kleinstadt. Daneben arbeitet sie als Stadträtin und will nun Bürgermeisterin werden. Ihr Mann Martin ist in ihrem Autohaus angestellt und sie hat eigentlich vor, ihn, sollte sie gewählt werden, zum Geschäftsführer zu machen. Claudias Mutter Marianne hat jedoch schon immer Vorbehalte gegen ihren Schwiegersohn und mischt sich immer wieder in die Geschäfte ein.

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Sabine Böhne-Di Leo: Die Erfindung der Bundesrepublik

Fesselnder Blick hinter die Kulissen des Parlamentarischen Rates

Wer die Geschichte unseres Landes verfolgt, dem erzählt die Politikwissenschaftlerin, Journalistin und Professorin Sabine Böhne-Di Leo zunächst mal nichts weltbewegend Neues.

Denn die Ereignisse rund um die Entstehung des Grundgesetzes, um die Gründung der Bundesrepublik vor 75 Jahren, sind grundsätzlich bekannt. Doch die Autorin blickt eben ein wenig hinter die Kulissen, berichtet von streitbaren Politikern, versöhnlichem Humor und vom Einfluss der damaligen Siegermächte in den ersten Nachkriegsjahren.

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