Freya Sampson: Mord ohne Vorwort

Mord und Diebstahl rund um einen Buchclub – leicht schnulziger Versuch eines Krimis

Wenn man von einer Autorin und ihren Werken begeistert ist, dann steigt von Buch zu Buch die Erwartung. Wenn diese dann mit einem weiteren Roman nicht so ganz erfüllt wird, liegt das nicht immer an der Autorin, sondern vielleicht an den Erwartungen.

Die bisherigen Romane von Freya Sampson haben mich alle begeistert. Jeder auf seine Art war berührend, fesselnd – im Grunde waren es alles regelrechte Wohlfühlromane. Immer waren ihre Protagonistinnen mit Einfühlungsvermögen gezeichnet, mit Verständnis und Humor beschrieben, und immer war die Handlung durchdacht, spannend und voller Wendungen.

Nun legt sie einen Kriminalroman vor oder vielmehr den Versuch eines Krimis. Im Mittelpunkt stehen die Teilnehmer eines kleinen Buchclubs auf dem Land. Nova, aus London in die Kleinstadt gezogen, um zu heiraten, ist beim Gemeindezentrum angestellt und hat diesen Club ins Leben gerufen. Leider findet er nicht allzu viel Zuspruch, nur drei Teilnehmer kommen: Phyllis Hudson, fanatischer Fan von Agatha Christies Romanen und insbesondere von Miss Marple; Arthur Robinson, auch nach 60 Jahren immer noch sehr verliebt in seine Frau Esi; und Ash Chalabi, Teenager, Liebhaber von Science-Fiction-Romanen und sehr schweigsam und schüchtern.

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Elsemarie Maletzke: Das Leben der Schwestern Brontë

Einsam, trist – ein sehr bescheidenes Leben und doch so voll Fantasie

In diesem schon Ende der 90er Jahre erstmals erschienenen Buch beleuchtet Elsemarie Maletzke – deren Biografie über Jane Austen ich begeistert verschlungen habe – das Leben der drei Damen Charlotte, Emily und Anne Brontë.

Ihre Werke sind allseits bekannt, wurden immer wieder neu verlegt und oft verfilmt. Charlottes „Jane Eyre“, Emilys „Sturmhöhe“ und Annes „Die Herrin von Wildfell Hall“ gelten heute als Weltliteratur. Veröffentlicht haben die drei Frauen ihre Bücher unter männlichen Pseudonymen, wie so oft üblich zu jener Zeit im 19. Jahrhundert.

Charlotte war das dritte Mädchen, aber insgesamt das vierte Kind der Familie (nach Maria, Elizabeth und Branwell). Die beiden älteren Schwestern sterben früh, so dass sie nun die Rolle der Ältesten einnimmt. Doch der Altersunterschied zu den beiden Schwestern und dem einzigen Bruder Branwell ist nicht groß. Die Mutter stirbt früh und die Tante übernimmt das Regiment.

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Antoine Laurain: Fehlerhaft und wunderbar

Eine fast poetische Geschichte rund um Rechtschreibung, Recht haben und recht handeln

Was ein Diktat alles auslösen kann und welche Folgen das zeitigt, davon handelt der neue kurze Roman des bekannten französischen Autors.

Benjamin ist der kleine Sohn von Pierre, Neu-Unternehmer, und Pauline, Apothekerin. Er vermasselt ein Schuldiktat komplett, sein Text strotzt nur so von Fehlern. Die Eltern sind entsetzt – und glauben, sie selbst können es besser.

Also lassen sie sich von Benjamin denselben Text auch diktieren und siehe da, auch ihre Ergebnisse sind nicht frei von Fehlern. Allerdings steht Pierre schlechter da als Pauline.

Jedoch sorgt der Text, der von Sonne und Freizeit handelt, dafür, dass beide in Erinnerungen verfallen, sich bewusst werden, wie eng sie einmal waren und wie groß inzwischen die Entfremdung zwischen ihnen.

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Camille Pagán: Harold und der Buchhändler

Aus Hundesicht erzählt: rührend, aber auch ein bisschen sentimental

An sich ein netter Kunstgriff, einen Roman in Ich-Form aus der Perspektive eines Hundes zu erzählen. In diesem Buch gelingt das auch weitestgehend, die Geschichte ist berührend, zu Herzen gehend, aber manchmal auch ein wenig zu tränenreich, zu sentimental.

Harold, ein inzwischen sehr in die Jahre gekommener Hund, trauert zusammen mit Herrchen Miguel um sein verstorbenes Frauchen Amelia. Diese war, wie in solchen Romanen üblich, eine ganz wunderbare und fehlerfreie Frau, sie betrieb eine Buchhandlung und schrieb selbst erfolgreich Liebesromane.

Nun ist sie vor einer Weile verstorben und Miguel vergräbt sich in seiner Trauer. Die Buchhandlung wird hauptsächlich von den Angestellten Riley und Dane betreut. Die Verbesserungsvorschläge der beiden, so z.B. mehr Liebesromane zu verkaufen, diese prägnanter zu präsentieren, lehnt Miguel ab. Für ihn sind Liebesromane Schund, die von Amelia verfassten hat er nie gelesen.

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Mark Mupotsa-Russell: Das kleine Handbuch einer Vorstadt-Killerin

Actionreiche und ziemlich blutige Geschichte um eine Mutter auf Rachefeldzug

Den im Klappentext verkündeten Humor, selbst den schwarzen, sucht man in diesem Roman vergeblich. Doch die rasante Story um eine ehemalige Auftragskillerin, die zur Rachegöttin wird, liest sich spannend, fesselt und unterhält, wenn auch auf eine manchmal etwas drastische Art.

Olivia, die ihre Geschichte in Ich-Form erzählt, war eine Killerin im Auftrag des organisierten Verbrechens in Spanien. Sie lebt mittlerweile das Leben einer Vorstadtmama zweier kleiner Töchter in ihrer Heimat Australien. Weder ihr Mann noch ihre Mitarbeiterinnen in der von ihr gegründeten Agentur ahnen etwas von ihrer Vergangenheit. Sie selbst denkt jedoch immer wieder einmal daran zurück und hadert mit einigen der von ihr begangenen Morde, ja sieht hinter manchem Ereignis, das ihr widerfährt, die strafende Hand des Schicksals.

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Tracey Rose Peyton: Um uns nur Dunkelheit

Packender Roman um ein schreckliches Kapitel der amerikanischen Geschichte – ungewöhnlich erzählt

Was für ein nachhallender Roman, was für eindringliche Figuren und welch ein interessanter Erzählstil. Dieses Buch bleibt in Erinnerung, es erschüttert, macht wütend und sehr, sehr traurig.

Im Mittelpunkt stehen sechs Frauen, Sklavinnen auf einer Baumwollfarm in Texas im Jahr 1852.

Serah, Alice, Junie, Patience, Nan und Lulu, die in elenden Hütten wohnen, kaum mehr als das, was sie am Leib tragen als Besitz haben dürfen, die bei größter Hitze, Sturm oder Kälte im Baumwollfeld oder wie Nan im Haus arbeiten müssen. Dass niemand auf ihre Gefühle und Befindlichkeiten Rücksicht nimmt, muss da kaum erwähnt werden. Sklav:innen werden gekauft und verkauft wie Möbelstücke, Kinder von ihren Eltern, Mütter von ihren Kindern, Frauen von ihren Männern getrennt, sehen diese vielleicht niemals wieder, wissen nichts über ihr Schicksal.

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Johanna Sebauer: Das Gurkerl

Bissige Satire, treffsicher und ziemlich realitätsnah

Was ein Tropfen Gurkenwasser so anrichten kann – Johanna Sebauer hat es in Worte und Nikolaus Heidelbach hat es in Bilder gefasst.

Was war geschehen? Pertak, seines Zeichens Mitarbeiter einer Lokalzeitung, möchte auf seinem Frühstücksbrötchen ein Gurkenscheibchen. Doch beim Öffnen des Gurkenglases in der Kaffeeküche der Redaktion spritzt ihm ein Tropfen des Gurkenwassers ins Auge.

Darüber dermaßen erbost und tagelang mit einem verpflasterten Auge herumlaufend, verfasst Pertak einen geharnischten Artikel über die Gefahren von Gurkenwasser, verbunden mit der Forderung, dies sofort zu verbieten. Er weist vor allem darauf hin, was Kindern geschehen könnte und tritt damit eine Lawine los, die er nicht mehr aufhalten kann.

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Thomas Montasser: Die Wanderbücherei

Die immer gleiche Geschichte – immer wieder berührend

Wenn Zwei sich nicht lieben dürfen, ist das immer eine tragische Geschichte. Und wenn die Politik, die Geschicke Schuld sind am Drama der Liebenden, dann ergibt das stets reichlich Stoff für zu Herzen gehende Romane.

Thomas Montasser, dessen Romane um einen ratsuchenden Bundeskanzler oder um geschäftstüchtige Nonnen ich wirklich liebte, erzählt nun in seinem neuen Buch die Geschichte von Vera und Hans. Hans, Arbeiter bei der Bahn, ist Sozialist, Vera (die eigentlich ganz anders heißt) Halbjüdin – keine guten Voraussetzungen für eine glückliche Verbindung im Jahr 1937.

Die beiden lernen sich durch die titelgebenden Wanderbücherei kennen, die eigentlich eher eine fahrende Bücherei ist, nämlich in einem Trambahnwagen in München. Die zuständige Bibliothekarin versorgt Hans und dann auch Vera mit „verbotenen“ Büchern, die sie unter falschem Titel im Register führt. Das Pärchen nutzt diese Bücher schließlich für geheime Botschaften. Doch so sehr sie sich lieben, das Leben und der Krieg treiben sie erst einmal auseinander.

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Claire Fuller: Das Gedächtnis der Tiere

Nach starkem Beginn etwas abflachende Dystopie mit mittelmäßigen Figuren

Zuerst hat mich dieser Roman wirklich gepackt, war der Einstieg spannend und vor allem erinnerte es mich an den ganz wunderbaren Roman „Die Letzte macht das Licht aus“ von Bethany Clift. So waren dann meine Erwartungen nach den ersten Kapiteln dementsprechend hoch.

Nur leider flachte das Ganze dann recht schnell ziemlich ab, die Spannung ging verloren, die Handlung schleppte sich dahin und als schließlich noch eine Erinnerungsmaschine ins Spiel kam, bin ich irgendwann vollends ausgestiegen.

Hauptfigur ist Ich-Erzählerin Neffy, die sich freiwillig einem Experiment zur Verfügung stellt, denn sie braucht das Geld, das man dafür bekommt. Es geht um Versuche mit einem neuen Impfstoff gegen ein neuartiges Virus, das um sich greift und die Menschen tötet wie die Fliegen. Außer Neffy nehmen noch weitere Personen an den Versuchen teil, doch irgendetwas geht schief.

Nachdem Neffy das Präparat verabreicht bekommen hat, fällt sie in eine Art Koma. Als sie daraus erwacht, sind alle Ärzte und Schwestern verschwunden ebenso wie die meisten Versuchspersonen. Geblieben sind außer Neffy nur noch zwei weitere Frauen und zwei Männer.

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Leonie Swann: Widdersehen

Ein neuer Schafskrimi – absolut gelungen, herrlich komisch und dabei auch noch tiefgründig

Endlich die Fortsetzung der erfolgreichen Schafskrimi-Reihe von Leonie Swann. Und der neue Band steht dem Beginn in nichts nach – allerdings hätte es nicht geschadet, wenn ich die ersten Romane „Glenkill“ und „Garou“ noch einmal gelesen hätte, bevor ich in „Widdersehen“ eingestiegen bin. Obwohl man das neue Buch auch ganz wunderbar versteht, ohne die ersten Bände zu kennen.

Die Schafherde mit ihrer Schäferin Rebecca ist zurück aus Europa, angekommen wieder auf ihrer alten Weide. Doch zu ihrem Entsetzen grasen dort drei neue Schafe, mit den poetischen Namen Eins, Zwei und Drei. Und nicht nur das, kaum angekommen, verschwindet Rebecca, nachdem sie eine ominöse Nachricht erhalten hat.

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