Susanne Goga:  Die Geister von Beelitz

Leo Wechsler ermittelt undercover – bedingt spannender historischer Krimi

Ich bin großer Fan von Susanne Goga und von ihrer Leo-Wechsler-Reihe um den Kommissar, der im Berlin der 20er Jahre unerschrocken und erfolgreich Mörder zur Strecke bringt, nun schon im zehnten Band.

Der den Ermittler diesmal in ein Sanatorium für Lungenkranke führt. Dort, respektive nach der dortigen Behandlung, sind mehrere Männer verschwunden. Männer, die entlassen wurden, kamen nie zuhause an. Leo und seine Kollegen vom Kommissariat gehen auf besonderen Wunsch von Polizeichef Gennat der Sache nach.

Um sich ein Bild von der Lage zu machen, lässt sich Leo Wechsler unter falschem Namen im Sanatorium einweisen. Was nicht nur wegen der Suche nach vielleicht einem Mörder gefährlich ist, sondern vor allem auch wegen der möglichen Ansteckungsgefahr durch die Tuberkulose-Kranken. Diese Sorge treibt insbesondere Leos Frau Clara um, was zu einer vorübergehenden Missstimmung zwischen den Eheleuten führt. Dies wiederum sorgt bei Leos kleiner Tochter Marie für Ängste, woraufhin sie Dinge tut, die für Leo gefährlich werden.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Megan Nolan: Kleine Schwächen

Kleine Schwächen mit großer Wirkung – beeindruckende Geschichte um Verlorene

Schon allein der Aufhänger des Romans, die Ausgangssituation, ist herausfordernd, für die Figuren wie für die Leserin. Ein kleines Mädchen stirbt und ein anderes kleines Mädchen soll sie getötet haben.

Das Ganze trägt sich zu Anfang der 1990er-Jahre in London. Die dreijährige Mia verschwindet und wird kurz darauf tot aufgefunden. Schnell fällt der Verdacht auf die zehn Jahre alte Lucy. Nicht nur, weil Lucy ein ungewöhnliches Kind ist, mit dem die Nachbarn nicht umzugehen wissen, sondern auch, weil ihre gesamte Familie unangepasst, auffällig ist.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Liz Moore: Der andere Arthur

Figurengetragener Roman um zwei ganz unterschiedliche Männer – interessant, aber auch mit Längen

Wie so oft veröffentlicht ein Verlag nach dem großen Erfolg eines Autors, einer Autorin eines ihrer weiteren Werke; wie so oft handelt es sich dabei um einen früher verfassten Roman. Was man durchaus an Stil, Struktur und Plot merken kann.

Damit soll nicht gesagt werden, dass mir der neu erschienene Roman von Liz Moore weniger gefiel als ihr Erfolg „Der Gott des Waldes“. Dieses Buch ist so ganz anders, im Aufbau wie auch im Hinblick auf Handlung und Figuren, dass man die beiden Romane im Grunde nicht vergleichen kann.

Der titelgebende Arthur ist ehemaliger Literaturprofessor, der seit vielen Jahren völlig zurückgezogen lebt, nie vor die Tür geht und keinerlei Kontakte zur Welt hat, abgesehen von den Lieferdiensten, die ihm die bestellten Lebensmittel bringen. Und davon braucht er reichlich, denn Arthur isst nicht, er frisst. Was sich in seinem Gewicht und Umfang niederschlägt, sodass ihn seine Beine kaum noch tragen, er sich nur noch im Erdgeschoss seines Hauses aufhalten kann – und sich für sein Aussehen in Grund und Boden schämt, weswegen er eben jeglichen Kontakt vermeidet.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Kathy Biggs:  Wie Schiffe auf stürmischer See

Tränenreicher und kitschiger, aber spannender Schmöker um eine traumatisierte Tränenreicher und kitschiger, aber spannender Schmöker um eine traumatisierte Familie

Auch wenn in diesem Roman strömeweise die Tränen fließen, auch wenn mir die Protagonistin irgendwann ziemlich auf die Nerven geht wegen ihrer weinerlichen, panischen Art, so habe ich dieses Buch dennoch verschlungen. Denn es ist ein rechter Schmöker, der ziemlich geschickt Spannung aufbaut.

Grace lebt mit ihrem Vater, der immer mehr in der Demenz versinkt, auf der heruntergekommenen Farm der Familie. Sie arbeitet zeitweise in einem Anwaltsbüro, kümmert sich jedoch hauptsächlich um den Vater, der fast rund um die Uhr betreut werden muss. Ihre Mutter ist vor einigen Jahren gestorben, und ihr Bruder starb beim Untergang seines Schiffes. So zumindest bisher der Glaube von Grace und ihrem Vater.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Lutz van der Horst: Konfettiblues

Ein Roman, den man nicht gelesen haben muss

Wenn jemand, der bereits populär und bekannt ist, ein Buch schreibt, verkauft es sich meist wie von selbst. Da ist es eher zweitrangig, ob der Roman gut geschrieben ist und die Handlung interessant.

Lutz van der Horst, man kennt ihn u. a. aus der „Heute-Show“, ist Comedian, und so liegt es nahe, dass er auch einen komischen Roman schreibt, den der Untertitel als Liebesroman ausweist. Was er durchaus auch ist, handelt er doch von Max, einem verhinderten Comedian, der verzweifelt Engagements sucht und eben auch die Liebe.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Graham Norton: Eine wie Frankie

Mehr oder weniger fesselnde Lebensgeschichte einer Frau von den 1950er-Jahren bis heute

Graham Norton, dessen Roman „Ein Ort für immer“ mich mit seiner Vielschichtigkeit, Spannung und seinem subtilen Humor begeistert hatte, erzählt in seinem neuen Buch die Lebensgeschichte der Irin Frances, deren Leben von zahlreichen Höhen und Tiefen geprägt ist.

Im Grunde handelt der Roman von einem recht typischen Frauenleben. Die Protagonistin, die später von allen nur noch Frankie genannt wird, ist eine sympathische, oft scheue und wenig selbstsichere Frau.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Mechtild Borrmann: Lebensbande

Schicksale dreier Frauen in einem etwas emotionsarmen Roman

Das Buch schildert auf Basis der Erinnerungen von Zeitzeugen die Erlebnisse von drei Frauen in der Zeit vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Drei Frauen, die wohl mehr oder weniger typisch sind für das, was damals vielen Menschen geschah, und für die Folgen, die das für ihr weiteres Leben hatte.

Mechtild Borrmann, deren Romane „Trümmerkind“ und „Feldpost“ ich ungemein spannend und emotional fand, erzählt hier auf mehreren Zeitebenen. Es beginnt in der Zeit kurz nach dem Mauerfall mit der Erzählperspektive einer zunächst noch namenlosen älteren Frau. Sie lebt allein mit ihrem Hund, hat einen Garten und wenig Kontakt, abgesehen von einem befreundeten Ehepaar. Sie schweigt zu ihrer Vergangenheit, wofür sie, wie sich später herausstellt, einen guten Grund hat.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Robert Galbraith: Der Tote mit dem Silberzeichen

Cormoran und Robin ermitteln wieder, doch diesmal steht nicht der Fall im Mittelpunkt.

Wenn ich richtig gezählt habe, ist dies der achte Fall der Detektei Strike and Ellacott. Und wieder breitet Robert Galbraith (aka J. K. Rowling) die Ereignisse auf reichlich Seiten aus.

Trotzdem könnte man die Handlung in einem einzigen Satz zusammenfassen: Die Detektei bekommt den Auftrag, ein Mordopfer zu identifizieren. Oder man scheitert kläglich an einer Zusammenfassung der Handlung, denn diese wird ziemlich komplex und vielschichtig – um nicht zu sagen kompliziert und arg verschlungen – erzählt.

Dabei ist in diesem neuen Band gar nicht der Auftrag im Mittelpunkt, den Robin und Cormoran von einer verzweifelten Frau bekommen, die glaubt, der Tote sei ihr Geliebter und der Vater ihres Kindes. Fast mehr dreht sich die Handlung um die Beziehung zwischen Cormoran und Robin, die einander lieben, sich aber nicht trauen, dies einander oder auch nur sich selbst gegenüber einzugestehen.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Kai Meyer: Das Antiquariat am alten Friedhof

Ein weiterer Roman um das Graphische Viertel in Leipzig

Kai Meyers Romane, die sich stets um außergewöhnliche oder auch gefährliche Bücher drehen, sind meist fesselnd, stets dramatisch und immer voller historischer Ereignisse. So auch der neue Band, dessen Handlung sich von 1930 bis 1945 spannt und der nicht nur in Leipzig, sondern auch in der Ägäis oder in Amalfi spielt.

Im Mittelpunkt steht Felix, der 1930 als gerade Zwanzigjähriger Teil einer Gruppe junger Männer ist, die sich regelmäßig im Antiquariat ihres Freundes Vadim treffen. Die anderen beiden sind Julius und Eddie. Alle kommen aus gut situierten Familien, vertreiben sich die Zeit mit Diskussionen über Literatur und mit dem Stehlen von Büchern, die Vadim wiederum in seinem Laden unter der Hand weiterverkauft, um das Antiquariat halbwegs am Leben zu erhalten.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Jasmin Schreiber: Da, wo ich dich sehen kann

Schweres Thema dramatisch geschildert – kein einfacher Roman

Die Rezension dieses Buchs fällt mir nicht leicht. Denn einerseits greift der Roman ein ganz wichtiges und schweres Thema auf, über das es nicht genug Romane oder Sachbücher geben kann. Andererseits empfand ich die Art der Darstellung, die Schilderung des Schicksals der Protagonisten als nicht völlig überzeugend. So muss meine Rezension trennen zwischen diesen beiden Aspekten.

Der Roman widmet sich dem traurigen und leider längst nicht genug thematisierten Problem des Femizids, der Tötung von Frauen, meist durch den Partner oder Ex-Partner. Emma, junge Mutter, wird von ihrem Mann vor den Augen der kleinen Tochter Maja getötet. In Rückblicken schildert die Autorin, aus vielen wechselnden Perspektiven, die Folgen, die diese Tat auf die Angehörigen hat. Natürlich insbesondere auf die neunjährige Maja, aber auch auf Emmas Eltern Per und Brigitte, auf Emmas beste Freundin Liv, die auch Majas Patentante ist.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: