Claire Fuller: Das Gedächtnis der Tiere

Nach starkem Beginn etwas abflachende Dystopie mit mittelmäßigen Figuren

Zuerst hat mich dieser Roman wirklich gepackt, war der Einstieg spannend und vor allem erinnerte es mich an den ganz wunderbaren Roman „Die Letzte macht das Licht aus“ von Bethany Clift. So waren dann meine Erwartungen nach den ersten Kapiteln dementsprechend hoch.

Nur leider flachte das Ganze dann recht schnell ziemlich ab, die Spannung ging verloren, die Handlung schleppte sich dahin und als schließlich noch eine Erinnerungsmaschine ins Spiel kam, bin ich irgendwann vollends ausgestiegen.

Hauptfigur ist Ich-Erzählerin Neffy, die sich freiwillig einem Experiment zur Verfügung stellt, denn sie braucht das Geld, das man dafür bekommt. Es geht um Versuche mit einem neuen Impfstoff gegen ein neuartiges Virus, das um sich greift und die Menschen tötet wie die Fliegen. Außer Neffy nehmen noch weitere Personen an den Versuchen teil, doch irgendetwas geht schief.

Nachdem Neffy das Präparat verabreicht bekommen hat, fällt sie in eine Art Koma. Als sie daraus erwacht, sind alle Ärzte und Schwestern verschwunden ebenso wie die meisten Versuchspersonen. Geblieben sind außer Neffy nur noch zwei weitere Frauen und zwei Männer.

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Leonie Swann: Widdersehen

Ein neuer Schafskrimi – absolut gelungen, herrlich komisch und dabei auch noch tiefgründig

Endlich die Fortsetzung der erfolgreichen Schafskrimi-Reihe von Leonie Swann. Und der neue Band steht dem Beginn in nichts nach – allerdings hätte es nicht geschadet, wenn ich die ersten Romane „Glenkill“ und „Garou“ noch einmal gelesen hätte, bevor ich in „Widdersehen“ eingestiegen bin. Obwohl man das neue Buch auch ganz wunderbar versteht, ohne die ersten Bände zu kennen.

Die Schafherde mit ihrer Schäferin Rebecca ist zurück aus Europa, angekommen wieder auf ihrer alten Weide. Doch zu ihrem Entsetzen grasen dort drei neue Schafe, mit den poetischen Namen Eins, Zwei und Drei. Und nicht nur das, kaum angekommen, verschwindet Rebecca, nachdem sie eine ominöse Nachricht erhalten hat.

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Jess Kidd: Mord in der Pension Möwennest

Ex-Nonne auf der Suche nach der verschwundenen Freundin – nicht gänzlich überzeugender Krimi

Ich liebe normalerweise die Romane von Jess Kidd, die mystische, fantastische Geschichten erzählen voller geheimnisumwobener Figuren. Doch dieses neue Buch ist anders, es fehlen genau diese Mystik, die Fantasie und auch leider ein bisschen die Spannung.

Nora Breen, die 30 Jahre lang als Nonne in einem Kloster lebte, hat ihren Schleier abgelegt, weil sie sich auf die Suche begeben will nach einer verschwundenen Freundin. Frieda war Novizin im Kloster, das sie aber dann hinter sich ließ. Sie korrespondierte danach regelmäßig mit Nora, doch plötzlich kamen keine Briefe mehr.

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Vera Zischke: Pina fällt aus

Berührende Geschichte um Mutterliebe, Einsamkeit, Nachbarschaft und Hilfsbereitschaft

Auf spröde Weise und vielleicht gerade darum zu Herzen gehend erzählt Vera Zischke von Eigenbrötlerinnen und Sonderlingen, von aufbegehrenden Teenagern und einsamen Greisinnen, von unerschütterlicher Mutterliebe, von verzweifelter Sorge und helfenden Händen.

Der 20-jährige Leo ist Autist, er lebt in seiner eigenen Welt, in der alles seine Ordnung haben muss. Wenn etwas seinen geregelten Ablauf stört, verwirrt ihn das so, dass er vorübergehend vollends aus seiner üblichen Bahn gerät. Geschieht dies, dann streut Pina Wattestäbchen auf den Boden, die sie dann gemeinsam sorgfältig wieder einsammeln. Pina, seine Mutter, lebt nur für ihn, lebt nur dafür, ihn zu beschützen, zu behüten, seine Welt in seiner Ordnung zu halten. Sie arbeitet in einem Callcenter, um mehr Zeit für ihn zu haben, obwohl das weit unter ihren Fähigkeiten liegt und auch weit weg von ihren früheren Träumen ist.

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Simon van Booy: Eine Maus namens Merlin

Nach etwas zähem Beginn eine herzerwärmende und berührende Geschichte um Einsamkeit und Freundlichkeit

Eine Maus holt eine alte Dame, die bereits mit ihrem Leben abgeschlossen hatte, aus ihrer Einsamkeit. Was für ein Plot, nicht neu, aber immer wieder schön und hier nun auch angenehm zu lesen.

Helen Cartwright, 83 Jahre alt, ist nach vielen Jahrzehnten, die sie in Australien lebte, nach England zurückgekehrt und lebt nun allein in einem kleinen, aber für sie viel zu großen Haus. Sie erwartet nicht mehr viel für sich, lebt eher in ihrer Vergangenheit, trauert um ihren verstorbenen Sohn und manchmal auch um ihren Mann. Sie hat so gut wie keinen Kontakt zu anderen Menschen, ihr Tagesablauf bewegt sich zwischen Teekochen, wenigen kleinen Mahlzeiten und dem Fernseh- oder Radioprogramm.

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Matthias Brandt: Nein sagen

Beeindruckende Gedankengänge über Widerstand und jene, die Widerstand leisten

Dieses Buch entstand nach einer Rede, die der bekannte Schauspieler Matthias Brandt 2025 in der Gedenkstätte Berlin-Plötzensee anlässlich des Gedenktages zum 20. Juli 1944 hielt. Er wurde um diese Rede gebeten, nicht zuletzt wegen seines Vaters und seiner Mutter, die beide ebenfalls in jener Zeit im Widerstand waren.

Erst wollte er diese Rede gar nicht halten, hielt sich nicht für berufen, zu einem solchen Anlass zu sprechen. Doch, so schildert er es in diesem nachdenklich machenden Buch, dann änderte er seine Meinung, auch weil ihm bewusst wurde, dass es ganz viele Arten des Widerstands gab, damals während der Nazidiktatur. Eine Art war die, die sein Vater, der spätere Bundeskanzler Willy Brandt, wählte, der aus Selbstschutz nach Norwegen emigrierte und dort seine spätere Frau Rut traf, die Mutter von Matthias, die sich ebenfalls engagierte. Beide waren dadurch auch immer, insbesondere nach der Besetzung Norwegens durch die Deutschen, in Lebensgefahr.

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Sven Stricker:  Sörensen geht aufs Haus

Richtig gut geschrieben, aber weniger Krimi als Psycho- und Sozialstudie

Der zweite Sörensen-Krimi von Sven Stricker, den ich gelesen habe. Und schon wie beim letzten Band sah ich beim Lesen stets den Schauspieler Bjarne Mädel vor mir, der den Kommissar im Film verkörpert, und hörte seine unvergleichliche Art zu sprechen in den Dialogen.

Die wieder den Hauptteil der Geschichte ausmachen, die unglaublich gut gelungen sind, aber für die Handlung, also den Kriminalfall, um den es gehen soll, oft recht wenig bedeuten.

Es ist ein Cold Case, der wieder aufgegriffen wird, als im Garten eines ehemaligen Schulfreundes von Sörensen, der plötzlich in Katenbüll wohnt, menschliche Knochen gefunden werden. Erst nach und nach stellt sich heraus, wessen Knochen das sind, der Verdacht aber taucht auf, es könne sich um die Leiche der vor ein paar Jahren verschwundenen Mia handeln.

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Clare Chambers: Heimliche Zeilen

Reicht nicht an ihre anderen Bücher heran – etwas dröge Story um einen Erfolglosen

Von Clare Chambers’ beiden Büchern „Kleine Freuden“ und „Scheue Wesen“ war ich absolut begeistert. Beide zeichnen sich vor allem durch die Sanftheit aus, mit der die Autorin ihre Figuren darstellt, durch das Ausmaß an Empathie, an Verständnis, an Mitgefühl. In beiden Büchern sind Menschen die Protagonisten, die anders sind als die anderen, die scheu sind, zurückhaltend. Ihre Figuren sind liebevoll gezeichnet und wecken Liebe (auch wenn das arg pathetisch klingt) in der Leserin.

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Susanne Goga:  Die Geister von Beelitz

Leo Wechsler ermittelt undercover – bedingt spannender historischer Krimi

Ich bin großer Fan von Susanne Goga und von ihrer Leo-Wechsler-Reihe um den Kommissar, der im Berlin der 20er Jahre unerschrocken und erfolgreich Mörder zur Strecke bringt, nun schon im zehnten Band.

Der den Ermittler diesmal in ein Sanatorium für Lungenkranke führt. Dort, respektive nach der dortigen Behandlung, sind mehrere Männer verschwunden. Männer, die entlassen wurden, kamen nie zuhause an. Leo und seine Kollegen vom Kommissariat gehen auf besonderen Wunsch von Polizeichef Gennat der Sache nach.

Um sich ein Bild von der Lage zu machen, lässt sich Leo Wechsler unter falschem Namen im Sanatorium einweisen. Was nicht nur wegen der Suche nach vielleicht einem Mörder gefährlich ist, sondern vor allem auch wegen der möglichen Ansteckungsgefahr durch die Tuberkulose-Kranken. Diese Sorge treibt insbesondere Leos Frau Clara um, was zu einer vorübergehenden Missstimmung zwischen den Eheleuten führt. Dies wiederum sorgt bei Leos kleiner Tochter Marie für Ängste, woraufhin sie Dinge tut, die für Leo gefährlich werden.

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Megan Nolan: Kleine Schwächen

Kleine Schwächen mit großer Wirkung – beeindruckende Geschichte um Verlorene

Schon allein der Aufhänger des Romans, die Ausgangssituation, ist herausfordernd, für die Figuren wie für die Leserin. Ein kleines Mädchen stirbt und ein anderes kleines Mädchen soll sie getötet haben.

Das Ganze trägt sich zu Anfang der 1990er-Jahre in London. Die dreijährige Mia verschwindet und wird kurz darauf tot aufgefunden. Schnell fällt der Verdacht auf die zehn Jahre alte Lucy. Nicht nur, weil Lucy ein ungewöhnliches Kind ist, mit dem die Nachbarn nicht umzugehen wissen, sondern auch, weil ihre gesamte Familie unangepasst, auffällig ist.

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