Tante Tilli hat sich inzwischen in dem kleinen Ort an der dänischen Ostseeküste akklimatisiert. Sie fühlt sich wohl in der kleinen Pension, deren Besitzerin mittlerweile eine Freundin geworden ist, und mit Jacob Jakobsen, den sie zunächst als etwas grummeligen Reisebüromitarbeiter kennengelernt hatte und der inzwischen ihr Freund und Partner ist. Die Pension, an die Jakobsen sie vor ein paar Monaten verwiesen hatte, als Tilli zufällig und eher unfreiwillig in dem Ort gestrandet war, weil sie in den falschen Flieger gestiegen ist, ist ihr zu einem neuen Zuhause geworden. Sie fühlt sich hier angekommen und würde gerne bleiben. Doch in wenigen Wochen läuft ihr Touristenvisum ab, dann wird sie wohl zurück nach Sachsen müssen. Bis dahin ist aber noch etwas Zeit, und Tilli hat nicht vor, sich jetzt schon mit Dingen zu beschäftigen, die noch in der Zukunft liegen.
Im Moment ist das ohnehin nebensächlich, denn sie steht vor einem ganz anderen Problem. Katrine, die Pensionswirtin, wird verdächtigt, beim Sturz eines – zugegeben unfreundlichen und mürrischen – Gastes „nachgeholfen“ zu haben und befindet sich in Untersuchungshaft. Tilli und Jakobsen setzen alles daran, Katrines Unschuld zu beweisen. Das ist allerdings nicht ganz einfach, immerhin sind sie keine offiziellen Ermittler – auch wenn Tilli früher einmal Politesse war. Der mit Jakobsen befreundete, ermittelnde Kommissar lässt sie natürlich nicht an seinen Erkenntnissen teilhaben. Umgekehrt tun sie das allerdings auch nicht. So weiß der Kommissar nichts von dem Wellensittich, den Tilli aus dem versiegelten Zimmer des Gastes gerettet hat und der letztlich nicht unwesentlich dazu beiträgt, den wahren Täter zu überführen.
Auch die unangemeldete Gruppe aus fünf jungen Leuten, die plötzlich in der Pension auftaucht und Zimmer buchen möchte, kommt Tilli zunächst ungelegen, hat sie doch keinerlei Erfahrung in der Hotelführung. Sie möchte jedoch nicht, dass Katrines Pension Einbußen erleidet, und nimmt die jungen Leute schließlich auf. Unterstützt von Jakobsen tut sie ihr Möglichstes, den ungebetenen Gästen Kost und Logis zu bieten. Bald stellt sich heraus, dass die fünf keineswegs gewöhnliche Touristen sind, sondern Podcaster, die den Unfall in der Pension zu ihrem Thema machen wollen – sehr zu Tillis Missfallen. Doch schließlich erkennen Tilli und Jakobsen, dass es klüger ist, sich mit den jungen Leuten gutzustellen, um an deren Recherchen teilhaben zu können und vielleicht gemeinsam den Fall zu lösen.
Tilli sieht man dabei regelrecht vor sich: eine rüstige Rentnerin, forsch, entschlossen und nicht auf den Mund gefallen – ein äußerst sympathischer Charakter. Jakobsen bildet dazu den ruhigeren, vernunftbetonteren Gegenpart.
Unterhaltsam, gemütlich und gut geschrieben – das, was man mit Recht „Cosy Crime“ nennt. Vor dänischer Ostseekulisse. Hygge.
Patricia Grob: Wellen, Sittich und ein Mord: Tante Tilli ermittelt
Piper, Januar 2026
282 Seiten, Taschenbuch, 17,00 Euro
Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Ertz.
