Auf Felix Licht kommen mehr Veränderungen zu, als er für möglich hält. Sein Chef, der Chefredakteur des Magazins, wird gehen, und Felix soll sein Nachfolger werden. Für diesen Karrieresprung hat er alles gegeben, seine ganze Kraft und all seine Fähigkeiten und vor allen Dingen die sehr enge Zusammenarbeit mit dem neuen Verleger Berg. Eigentlich hat er alles richtig gemacht. Eigentlich.
„Das also, dachte er, … ist die Redaktion der Zukunft. Ein Keller. Keine Reporter mehr, kein Recherchieren, keine Dokumentation. Keine Konferenzen … Kein Teamsport sondern eine Einzeldisziplin. Ein Tisch mit einem Computer, ein paar Mikros, ein Monitor, auf dem die ganze Welt als Hintergrund gefakt werden kann.“ (S. 242)
Felix gerät im gnadenlosen Spiel um Informationen und Aufmerksamkeit in eine Falle.
Der Autor Peter Huth kennt seit Jahren alle Facetten des Journalismus. Heute ist er Unternehmenssprecher bei Axel Springer und schreibt Romane. Sein dritter Roman greift ein aktuelles Thema auf, bei dem allein schon die Diskussion über den Wahrheitsgehalt von Nachrichten zu Glaubenskämpfen mutiert ist.
Analoge Nachschlagewerke werden nicht mehr gedruckt. Wer etwas wissen will, fragt KI oder eine Suchmaschine. Digitale Informationen werden heute den Wünschen bestimmter Personengruppen angepasst. Was ist wahr? Was könnte wahr sein? Spielt Wahrheit noch eine Rolle?
Der Roman Aufsteiger beginnt mit der Untersuchung einer Leiche. Möglicherweise wurde dieser Mensch ermordet, der in seinem Leben unendliches Leid erfahren hat. Das Ende des Romans schließt die Klammer, die für das Genre Kriminalroman spricht.
Dazwischen nimmt sich der Autor in seinem Roman viel Raum, um seinen zentralen Charakter Felix Licht abstürzen zu lassen. Der eigene Erwartungsdruck und der seiner Familie machen ihn angreifbar. Viel zu spät merkt er, wie umfassend er zu einem Rad im Getriebe der Nachrichtenwelt geworden ist. Und noch viel später merkt er, wie er zum Mittel eines bestimmten Zweckes geworden ist. Ein Journalist, der zuvor die Nachrichten mitbestimmte, ist selbst zu einer Nachricht geworden.
Es dauert eine Weile, bis die verschiedenen Puzzleteile ein Bild erkennen lassen und man die Verbindung zu der Einleitung sieht. Peter Huth baut Nebenschauplätze auf, Nebenbuhler, Freunde, die Feinde sind und Feinde, die Freunde sind. Es verhält sich hier so ähnlich wie mit der schnellen Nachricht aus dem Ticker, die Sekunden später eine Wendung, eine Korrektur erhält, sofern nicht neue schnelle Nachrichten die Aufmerksamkeit in eine andere Richtung treiben. Damit gelingt Peter Huth, die Brutalität der Nachrichtenwelt zu beschreiben und kurzweilig zu unterhalten.
Peter Huth: Aufsteiger
Droemer HC, September 2025
336 Seiten, gebundene Ausgabe, 22,00 Euro
Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Bovenkerk-Müller.
