H.C. Dolores: Redamancy

Die Geschichte um Poppy und Adrian geht in die nächste Runde.

Zehn Jahre sind vergangen, seit Poppy alles zurückgelassen hat und alles auf eine Karte gesetzt hat. Mittlerweile scheint sie es geschafft zu haben: Ihre Werke werden in einer angesagten Galerie ausgestellt. Doch genau in diesem Moment des Triumphs steht plötzlich wieder er vor ihr. Was verschlägt Adrian hierher? Meinte er es damals ernst, als er sagte, er würde sie töten, wenn sie ihn verlässt? Kann Poppy ihm vertrauen?

Wichtiger Hinweis vorab: Dieses Buch kann man nicht ohne Vorkenntnisse zu Band eins lesen!

Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber dieser zweite Band ist noch düsterer, noch verstörender als sein Vorgänger. Und genau das hat dafür gesorgt, dass mir diese Fortsetzung sogar noch besser gefallen hat als Band eins! Beim Lesen habe ich mit allem gerechnet – nur nicht mit diesem genialen, teils leicht verstörenden, Verlauf der Geschichte.

Die Handlung ist toxisch, brutal, düster und unvorhersehbar. Die Autorin beschreibt hier so einige moralische Grauzonen, die beim Lesen einen unglaublichen, fast schon süchtig machenden Reiz ausüben. Man weiß oft selbst nicht mehr, was richtig oder falsch ist, und genau das macht die Faszination dieses Buches aus.

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Sabine Steck: Das Leuchten der kleinen Momente: Wie ich nach Italien reiste und mich selbst fand

Eine Reise nach Italien wird für Nina eine Reise zu sich selbst. Zum ersten Mal seit sie mit Martin verheiratet ist, steckt Nina nach einem Streit nicht zurück, sondern macht, was sie möchte. Nachdem Martin die gemeinsamen Pläne zu Ninas 50. Geburtstag eigenmächtig geändert hat, weil ihm eine Dienstreise wichtiger ist als ein paar Tage zusammen auf Madeira, setzt Nina sich kurzentschlossen ins Auto und fährt nach Italien. Ein Flyer, den sie im Briefkasten gefunden hat, hat sie auf die Idee gebracht, ein paar Tage in der „Villa Primaluna“ zu buchen. Nach einer langen und anstrengenden Fahrt kommt ihr die Gegend um die venetischen Hügel vor wie eine andere Welt. Die Uhren scheinen anders zu gehen, Stress und Hektik sind hier Fremdworte.

Consilia, die dieses kleine, verwunschene Hotel schon seit Jahrzehnten führt, nimmt Nina mit einer Herzlichkeit auf, der man nicht widerstehen kann. Überhaupt scheint Consilia immer genau zu wissen, was ihre Gäste grade brauchen. Sie drängt sich nicht auf, hat aber immer ein offenes Ohr, eine kleine Mahlzeit, einen Cappuccino …

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Jennifer Bright: Pure Grace Academy: The Final Bow

Darum geht es: Aurélie ist zurück an der Pure Grace mit nur einem Ziel: den Tod ihrer Mutter aufzuklären. Cécile Cardot, gefeierte Primaballerina und Gründerin der angesehenen Ballettakademie in Paris, soll  sich das Leben genommen haben – doch ihre Tochter sieht das anders. Zurück in einer Welt, deren scheinbarer Perfektion Aurélie einst abgeschworen hatte, versucht sie, die Scherben ihrer Familie wieder zusammenzufügen. Dort trifft sie auf ihren ehemals besten Freund Lucian, von dem sie seit ihrem Weggang kein einziges Wort gehört hat. In den smaragdgrünen Augen des Klavierspielers regen sich Gefühle, die auch sie jahrelang verleugnet hat. Doch ihr gemeinsamer Pas de Deux bringt nicht nur seine Fassade zu Fall. Hinter den makellosen Gesichtern des Balletts tanzen noch immer die dunklen Schatten der Vergangenheit, bis der letzte Vorhang fällt – und Aurélie mit ihm.

Meine Meinung: Mit dieser Ballett-Academy hat die Autorin ein ganz besonderes Setting geschaffen. Es ist mal etwas völlig anderes im Romance-Bereich und ich habe mich unglaublich gerne auf diese Welt eingelassen.

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Kerstin Preiwuß: Wir alle

Doppelrezension:

Diese Rezension wurde verfasst von Wolfgang Mebs:

»Books – Food for thought«, steht auf einem Lesezeichen, das mir in einem englischen Laden ins Buch gelegt wurde.

Wie bei Kerstin Preiwuß, die uns in eine Welt aus Gedanken entführt, in eine zunächst undurchsichtige Welt: assoziativ, verwirrend, scheinbar zusammenhanglos. Wie das Leben der Hauptfiguren: Sonja, Inhaberin eines Pfandhauses, sucht nach Orientierung in einer sich verändernden Welt. So wie ihre Kunden: Vivian, eine leicht paranoide, sich in sozialen Medien verlierende junge Frau; der Stichling, der Sonja die mit seinem Detektor auf einem ominösen »Feld« gefundenen Schätze bringt; der Häuptling, ein Rentner, der sein Leben mit Beschäftigung zu füllen sucht.

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Per Petterson: Nach Hause kommen

Per Petterson wurde 1952 in Oslo geboren und zählt zu den erfolgreichsten norwegischen Schriftstellern. Früher arbeitete er als Buchhändler und Übersetzer. Seine Bücher wurden vielfach prämiert.

Pettersons Literatur liest sich oft bedrückend, aber immer mit der nötigen Portion Verständnis der Leser für die Hauptakteure. Dieser Autor schafft es, mit einfachen Worten die meist komplizierten Seelenzustände seiner Protagonisten offenzulegen und bei seinen Lesern das entsprechende Einfühlungsvermögen dafür hervorzurufen. Seine männlichen Protagonisten stecken vornehmlich in einer Krisensituation oder katapultieren sich geradewegs in eine solche hinein.

Die Geschichte in „Nach Hause kommen“ spielt, wie auch in Per Pettersons vorangegangenen Büchern, in seiner Heimat Norwegen.

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Eva-Maria Bast: Die letzte Pharaonin

Eine starke Liebe, politisches Kalkül und viele Widerstände, denen die Liebenden trotzen müssen.

All das findet sich in Eva-Maria Basts „Die letzte Pharaonin“. Interessanterweise geht es nicht um die Liebesgeschichte von Kleopatra und Cäsar, sondern um die Beziehung eines seiner Nachfolger und der ägyptischen Königin: Marcus Antonius. Normalerweise wird in der Populärkultur Kleopatras und Cäsars Liebschaft erzählt. Für Cäsar war Ägypten wichtig als Kornkammer Roms. Dafür half er ihr, den Thronstreit gegen ihren Bruder Ptolemaios zu gewinnen. In der Beziehung zu Marc Antonius ging es beiden jedoch vorrangig um die Ausweitung ihres Reiches. Diese Beziehung schien gleichberechtigter zu sein: Kleopatra war weniger abhängig von Marc Antonius, hatte keine grundsätzlichen Existenzängste.

Bast schreibt wortreich, in einem „ausgefüllten“ Erzählstil von der großen Liebe, die ständig Widerständen trotzen muss. Und wenn die beiden endlich gemeinsam einen Winter in Ruhe verbringen können, gibt es anschließend die nächste große Katastrophe. Herrscher eines großen Reichs zu sein, ist wirklich kein leichtes Leben.

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Emma Cline: In die Schweiz

Die US-amerikanische Schriftstellerin Emma Cline (Jahrgang 1989) hat nach zwei Romanen („The Girls“, „Die Einladung“) und einem Erzählband („Daddy“) ihren dritten Roman mit dem Titel „In die Schweiz“ geschrieben. Das Buch ist am 18. August 2026 im Carl Hanser Verlag erschienen. Nikolaus Stingl hat es aus dem Englischen übersetzt.

David Hastings letzte Reise führt „In die Schweiz“
„Switzy“, so der englische Originaltitel des Romans, steht auf der Longlist zum diesjährigen Booker Prize. Und das, das sei schon vorab gesagt, völlig zurecht.

David Hastings, Mitte siebzig und ehemaliger Finanzvorstand eines großen Unternehmens in den USA, ist auf dem Weg „In die Schweiz“. Mit dem Privatjet seines ehemaligen Geschäftspartners Stearns fliegt er zunächst nach London, um seine Tochter Rebecca und seinen Enkel Rainer zu besuchen und dann weiter zur begleiteten Sterbehilfe nach Zürich, nicht ohne vorher noch seinen alten Schulfreund Tom zu treffen, mit dem er sich nach vielen Jahren aussöhnen möchte. Es ist Davids Abschiedstour, er ist an Demenz erkrankt und wird seinen Verstand verlieren. Sein langjähriger Assistent Cody, von ihm nur „der Junge“ genannt, begleitet ihn.

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Edgar Selge: Juras letzter Winter

Edgar Selge wird den meisten von uns als Charakterdarsteller am Theater, im Film und im TV bekannt sein. Nach seinem erfolgreichen, hochgelobten Debüt „Hast du uns endlich gefunden“ hat er nun, mit fünf Jahren Abstand, seinen zweiten Roman vorgelegt. Grundlage für dieses Buch ist ein Tagebuch des fünfzehnjährigen Jura Rjabinkin.

Dieses Tagebuch erwähnt der russische Schriftsteller Daniil Granin am 27. Januar 2014 im Deutschen Bundestag in seiner sehr bewegenden Rede anlässlich des siebzigsten Jahrestages der Beendigung der Blockade von Leningrad. Daniil Granin war zum damaligen Zeitpunkt fünfundneunzig Jahre alt. Jura begann das Tagebuch im Juni 1941, sein letzter Eintrag war ein halbes Jahr später, am 8. Januar 1942. Edgar Selge hat dieses Tagebuch seit Jahren immer wieder gelesen, es hat ihn nicht losgelassen. Er greift die historischen Fakten auf und beginnt einen imaginären Gesprächsaustausch mit Jura. Es gelingt dem Autor, die größtmögliche Nähe zu seinem Protagonisten aufzubauen. Edgar Selge hält Zwiesprache mit Jura, der vor seinem inneren Auge Gestalt annimmt, und kommuniziert mit ihm, als säße er ihm gegenüber. Nicht immer gelingt die Kontaktaufnahme zu Jura, manchmal bleibt er dem Erzähler fern. Je tiefer es Selge aber gelingt, in Juras Leben einzutauchen, desto lebendiger erscheint ihm dieser und desto mehr zieht er Vergleiche zu sich und seiner eigenen Jugend. So werden der Erzähler selbst wie auch Jura zur Romanfigur. Selge und Jura haben durchaus Gemeinsamkeiten. Sie kommunizieren über ihre Träume, über Literatur oder über ihre Mütter. Dadurch entsteht eine sehr enge Verbindung zwischen beiden Personen und Nähe zu den Lesern.

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Micha Lewinsky: Freunde von früher

„Alle werden alt“ – so lautet ein Song des Technoduos Schrotthagen. Ein Song, der auch hervorragend zu diesem Buch passen könnte. Was wird aus unseren Träumen und Ansichten, wenn wir älter werden? Wollen wir in einer Welt des schnellen Wandels und der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten uns überhaupt je festlegen, verankern und richtig „erwachsen werden“?

Vom WG-Mieter zum Wohneigentümer?
Micha Lewinsky verpackt Selbstfindungskrisen zur Lebensmitte äußerst treffsicher und gewitzt!  Als das Haus verkauft werden soll, in dem Béla mit seiner WG die wohl besten Jahre seines Lebens verbracht hat, werden wehmütige Erinnerungen wach. Denn Béla weiß immer noch nicht, wo er eigentlich steht. Er – der einst coole Bandgitarrist, überzeugte Linke, Technoliebhaber, Nachtschwärmer, Dokumentarfilmer und Kreative – fühlt sich nicht so alt, wie die Zahl in seinem Ausweis: Fünfzig. Doch mit der Generation seiner rund 20 Jahre jüngeren Freundin Kaja hat er ebenfalls Probleme, sie erscheint ihm zu brav, zu angepasst. Als sein Freund Serdar plant, das ganze Gebäude zu kaufen und die alte WG als Genossenschaft wieder aufleben zu lassen, treffen sich die einstigen Freunde wieder. Doch nach über 30 Jahren ist es nicht einfach, wieder an die alten Zeiten anzuknüpfen. Damals lautete ihr Slogan „Alles wird gut“. Wird es das wirklich?

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Heinrich Steinfest: Die Linkshänderinnen

„Es lag eine Art hoffnungsfrohe Art von Erfolg über dem ganzen Unternehmen, das ja genau genommen durch den Tod von Noras Eltern, durch die Betrügereien von Ruths Mann sowie die wissenschaftlich-privaten Querelen Tildas in Heidelberg begründet worden war. Als würde aus einem tiefen Unglück ein triumphales Gewächs hochschießen.“

Sie könnten unterschiedlicher kaum sein: Ruth, orientierungslos nach der Trennung von ihrem untreuen Ehemann, Wissenschaftlerin Tilda und die abergläubische Nora. Nach einem Zwischenfall müssen sie auf andere Plätze im Flugzeug ausweichen und kommen als Sitznachbarinnen ins Gespräch. Nora sieht eine Bestimmung in dieser zufälligen Begegnung, doch die einzige Gemeinsamkeit scheint zu sein, dass die Frauen Linkshänderinnen sind. Als sich einige Zeit später alle drei nach einem Neuanfang sehnen, entsteht die Idee einer gemeinsamen Cocktailbar, deren Gerätschaften und Abläufe vollständig auf Linkshändigkeit ausgerichtet sind. In einem österreichischen Dorf angesiedelt, ist es wieder einem Zufall zu verdanken, dass diese Bar – Elsbeths Hoffnung – zu Ruhm und überregionaler Bekanntheit aufsteigt.
Als eine Gruppe französischer Fachleute auf den Gebieten der Floristik und der Psychoanalyse – zusammengebracht durch eine zufällige Doppelbuchung des Tagungsraumes im örtlichen Hotel – nach einem abendlichen Umtrunk bei den „Elsbeth-Frauen“ spurlos verschwindet, ruft das nicht nur die Polizei, sondern auch die internationale Presse auf den Plan. Doch der Zufall – oder das Schicksal, wenn es nach Nora geht – ist den Protagonistinnen erneut hold und beschert ihnen neben so manchem Liebesglück auch die Auflösung nicht nur dieses einen scheinbar unlösbaren Kriminalfalls.

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