Pascal Mercier: Der Fluss der Zeit

Pascal Mercier ist im Jahr 2023 im Alter von 79 Jahren gestorben. Mit seinem Roman „Nachtzug nach Lissabon“ (2004), der 2013 auch verfilmt wurde, erreichte er Weltruhm. In unserem Leselustportal ist noch die Besprechung „Das Gewicht der Worte“ von ihm zu finden.

Wir lesen in diesem schmalen Büchlein fünf kürzere Erzählungen von Pascal Mercier. Die Gedanken und das Agieren seiner Figuren, die plötzlichen Schlüsselerfahrungen ausgesetzt sind, zeichnet der Autor so lebensnah nach, dass beim Lesen unweigerlich Selbstreflexionen erzeugt werden.

In der ersten Geschichte „Die Übergabe“ lernen wir ein Ehepaar kennen, das ein Haus erstanden hat. Die Hausübergabe von dem betagten Verkäufer zieht sich in die Länge und wird zu einer schier unerträglichen Prozedur. 

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Jennette McCurdy: Half His Age

Rauschhaft, ehrlich, unvergesslich

„Und es ist die reine Folter. Es ist berauschend. Unvermeidlich. Diese Art von Anziehung ist es. Die Art, bei der man sich völlig sicher ist, dass es dazu kommen wird, nur weiß man noch nicht, wie.“ (S. 17)

Cover und Titel? Ich musste das Buch lesen!

Ich bin nicht eine von denen, die erstmal das ganze Buch nacherzählen muss, um dann zu sagen, dass es elektrisierend war. Ich sag’s gleich: „Half His Age“ hat mich erwischt! Ich habe es in drei Tagen durchgesuchtet, fast gierig, und erst danach gemerkt, wie sehr es mich unterwandert hat.

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Ruth Kornberger: Die Spur des Bambusbären

Das Porträt einer wagemutigen Frau, die unser modernes Verständnis von Tierliebe mitgeprägt hat: Ruth Harkness lebt als Modedesignerin in New York und ist als High-Society-Ikone für ihre legendären Partys bekannt. Ihr Ehemann Bill startet weltweit Expeditionen, um seltene Tiere aufzuspüren. Sein Traum: einen Panda zu finden. Die scheuen Waldbewohner hatten in den 1930er Jahren noch den Status eines Einhorns – viele Legenden rankten sich um sie. In der westlichen Welt hat sie noch kein Mensch zu Gesicht bekommen. Nach Bills plötzlichem Tod möchte Ruth sein Vermächtnis fortsetzen und startet eine eigene Expedition. Ihr Ansatz lautet anders: Sie möchte die Tiere nicht schießen und ausstopfen. Sie möchte lebende Pandas fangen, damit man sie in Zoos studieren kann. Auf diese Weise möchte sie Menschen dazu bringen, Tiere als etwas Lebens- und Liebenswertes anzusehen und zu ihrem Schutz beizutragen. Mit hehren Absichten gestartet, tritt Ruth unwissentlich eine Welle in Gang, die jedoch genau Gegenteiliges zu bewirken scheint … Eine tragisch-schöne Geschichte, basierend auf wahren Begebenheiten.

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Anne Labus: Das alte Kapitänshaus: Inselstürme

Ein schöner leichter, mit viel Liebe zur Kanalinsel Jersey geschriebener Roman, der sich wunderbar so „wegliest“. Die handelnden Personen sind uns zum Teil ja schon aus dem ersten Teil der Trilogie, „Inselsehnsucht“, bekannt, neue kommen hinzu. Nicht minder sympathisch und authentisch. Seien es die spanischen Künstler, die eine Woche im „Alten Kapitänshaus“ für Leben und ein bisschen Aufruhr sorgen oder die älteren französischen Herrschaften, die mit ihren Enkeltöchtern Urlaub auf der Insel machen und Jasmin vollauf beschäftigen oder sei es auch der attraktive Architekt Christian, der Jasmin und ihren siebenjährigen, sehr aufgeweckten Sohn Tim im Laufe der Geschichte zu mehr als einem guten Freund wird, der ihnen zur Seite steht, als der Sturm den alten Wintergarten zerstört oder Murad, dem Koch, hilft, sein eigenes Restaurant zu eröffnen.

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Catherine Cowles: Fragile: Niemand kennt dich so wie ich

Rhodes kehrt nach Sparrow Falls zurück, um das Haus ihrer Kindheit zu renovieren – jenen Ort, an dem ein verheerendes Feuer einst ihre Familie auslöschte. Doch schon bald merkt sie, dass die Vergangenheit noch lange nicht begraben ist. Seltsame Unfälle, beunruhigende Botschaften und das nagende Gefühl, beobachtet zu werden, lassen sie zweifeln: War das Feuer wirklich nur ein tragischer Unfall?

Auf der Baustelle trifft sie auf Anson Hunt, den besten Freund ihres Stiefbruders. Er ist verschlossen, wachsam – und ganz offensichtlich nicht erfreut darüber, dass sie ihm ständig über den Weg läuft. Dennoch entwickelt sich zwischen ihnen eine unleugbare Spannung, auch wenn Anson beharrlich Distanz wahrt. Als die Bedrohungen eskalieren und Rhodes’ Leben in Gefahr gerät, steht ausgerechnet er an ihrer Seite. Widerstrebend beginnt sie, ihm zu vertrauen, denn Anson scheint mehr zu wissen, als er preisgibt.

Während Rhodes den Schatten ihrer Vergangenheit nachgeht, zieht sich die Schlinge um sie immer enger zu. Jemand in Sparrow Falls will um jeden Preis verhindern, dass sie die Wahrheit aufdeckt – und dieser Jemand hat sie schon immer im Blick gehabt. Still, geduldig, verborgen in der Dunkelheit. Nun ist er bereit, ein tödliches Spiel zu beenden, das längst begonnen hat.

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Josef Oberhollenzer: Sellemond oder Von der Schwierigkeit, Touristen zu töten

Vorweg sei angemerkt: Ich bin ein Freund experimenteller, von den üblichen Erzählkonventionen abweichender Literatur.

Eigentlich.

Dieser Roman macht eine Ausnahme.

James Joyce soll über sein letztes Werk, das nach einhelliger Meinung unlesbare Finnegans Wake, gesagt haben, so wie er ein Leben lang gebraucht habe, es zu schreiben, bräuchten seine Leser auch ein Leben lang, es zu verstehen. Josef Oberhollenzer war wohl bemüht, dem zumindest nahezukommen.

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Libby Page: Das Jahr voller Bücher und Wunder

Ein Roman, der einem ans Herz geht – oder den man als totalen Kitsch abtut. Kann ja auch sein. Jedenfalls ist es ein Roman, der von ganz großer Liebe erzählt und von dem Versuch, jemanden ins Leben zurückzuführen, der den Spaß daran verloren hat. Warmherzig, liebevoll, anrührend und durchaus fesselnd zu lesen, wie Tilly nach und nach wieder lernt zu leben.

Vor fünf Monaten ist Joe, ihr Mann, an Krebs gestorben. Viel zu früh und schon kurz nach ihrer Hochzeit. Sie hatten viel zu wenig Zeit miteinander, es hätte noch so Vieles gegeben, was sie gemeinsam erleben wollten. Für Tilly ist das jetzt anscheinend alles vorbei. Sie hat keinen Spaß mehr an den Dingen, die sie früher gerne gemacht oder mit Joe noch geplant hat. Selbst das Lesen hat sie aufgegeben, das war früher immer ihr Rückzugsort, ihr liebstes Hobby. Seit Joe die Diagnose Krebs bekommen hat, hat Tilly kein Buch mehr angerührt, außer im Verlag, wo sie Biografien von Promis oder solchen, die es werden wollen, lektoriert.

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Mia Sheridan: Pelion Lake Reihe

Archer´s Voice: Die geheime Sprache der Liebe

Ich wollte in der verschlafenen Kleinstadt Pelion in Maine in meinem Häuschen am See neu anfangen. Um alles zu vergessen, was ich hinter mir gelassen habe. Das Geräusch des Regens. Das Blut. Die Kälte der Waffe an meiner Haut. Seit sechs Monaten erinnert mich jeder Atemzug daran, dass ich überlebt habe – und mein Vater nicht. Nun bin ich fast wieder sicher. Aber als ich Archer Hale begegne, gerät meine Welt erneut ins Wanken. Und wird nie wieder dieselbe sein.
Bevor ich in Archers fremdes, stilles und isoliertes Universum eingedrungen bin, sprach er mit niemandem. Und doch sehe ich in seinen whiskeyfarbenen Augen, dass etwas Unbegreifliches zwischen uns passiert. Da ist so viel mehr als nur seine Schönheit, seine Ausstrahlung oder die Art, wie seine Hände mit mir sprechen. Auf mir. Diese Stadt ist voller Geheimnisse und Betrug, und Archer ist der explosive Mittelpunkt von allem. 

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Sirpa Kähkönen: Komm, Mama

Komm, Mama“ zählt zur Kategorie der autofiktionalen Romane, die auf dem Buchmarkt mittlerweile immer häufiger zu finden sind.

Sirpa Kähkönen beschreibt darin nicht so sehr ihre eigene Geschichte, dafür die ihrer Familie und damit ihrer Herkunft. Vor allem geht es aber um eine schmerzliche Beziehung zu ihrer Mutter. 

In ihrem Heimatland Finnland gilt sie als Bestsellerautorin und wurde 2023 für diesen Roman mit dem Finlandia-Preis ausgezeichnet.

Zum Inhalt:

Der Tod ihrer Mutter liegt bereits ein Jahr zurück und Sirpa nimmt des Nachts in ihren Gedanken Abschied von ihr, indem sie sich mit vielen zurückgebliebenen Gegenständen auseinandersetzt. Dabei geht es unter anderem um eine  Strickjacke, eine Rute, oder  Filzstiefel. Zu allen Objekten existiert eine besondere Geschichte. Sirpa befasst sich mit jedem einzelnen dieser Teile und verknüpft damit Erinnerungen. Diese Erinnerungen setzen sich teilweise aus früheren Erzählungen ihrer Familie zusammen. Dazu baut die Autorin eine weitere Figur ein: „Tuonis Tochter“, eine Figur aus der Unterwelt der finnischen Mythologie, deren Kopftuch aus Polarlicht besteht.

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Gabriella Santos de Lima: Fleur de Lavande: Wie du liebst

In diesem Buch werden alles andere als leichte Themen behandelt – was meiner Meinung nach bereits das Cover vermittelt. Ohne zu spoilern, kann ich nicht genauer darauf eingehen, um welche Themen es sich handelt. Besonders der Handlungsstrang rund um Lucas erschien mir essenziell und positiv, da diese Aspekte offen angesprochen wurden.

Auch Violetts Karriere ist alles andere als einfach; man bekommt endlich einmal einen Eindruck davon, welcher Druck auf einer Autorin lastet. Denn Schreiben bedeutet weit mehr als nur das bloße Verfassen von Texten.

Allerdings wurde auch deutlich, dass sie sich nicht in einer guten mentalen Verfassung befand. Sie geriet in eine Abwärtsspirale, aus der es erst spät einen Ausweg gab, was auf mich stellenweise zu wenig glaubwürdig wirkte.

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