Elena Fischer: Wirf einen Schatten

Einsamkeit und Stille haben sich im Haus und in Josephs Innerem ausgebreitet. „Seine Frau und sein Sohn hatten alle Geräusche mitgenommen.“ (eBook S. 10).

Die Geschichte spielt Ende der Fünfziger bis Anfang der Sechziger Jahre, einer Zeit, die  von einem anderen Takt und anderen Werten bestimmt war.

Nachdem seine Frau ihn mit dem gemeinsamen kleinen Sohn verlassen hat, sieht Joseph keinen Sinn mehr im Leben. 

Bislang ist Josephs Tagesablauf davon geprägt, sich um den Hof und die Tiere zu kümmern. Das war schon bei den Eltern so. Platz für andere Gedanken bleibt keiner. Über Belastendes zu reden hat er nie gelernt. So hat er sich auch nie mit den Geschehnissen aus der Vergangenheit auseinandergesetzt. Immer noch bedrückt ihn ein tragisches Unglück aus seiner Kindheit. Gerade rechtzeitig steht die junge Birdie mit all ihren Problemen vor seiner Tür. Er nimmt Birdie auf und versucht ihr zu helfen. Auch zu Ada, der Schwester seiner Frau, findet Joseph wieder Zugang. Es wird ein langer Prozess für Joseph, sich mit allem Geschehen auseinanderzusetzen und neue Gedanken zu fassen.

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Stella Gaitano: Eddos goldenes Lächeln


Die Tragödien eines Landes werden in dieser wunderschönen, magisch anmutenden Erzählung anhand einzelner Familienschicksale verdeutlicht. Seit dem Abzug der Kolonialmächte erlebt der Sudan ein ständiges Auf und Ab an Militärputschen, Bürgerkriegen, Repressionen, Hungernöten und Flüchtlingsströmen. Von alledem bekommt die kleine Irinu alias Lucy kaum etwas mit. Sie lebt in einem kleinen Dorf im Südsudan nach traditioneller Art unter Menschen, die noch an Götter und Flüche glauben. Von so einem Fluch ist Lucys Leben bestimmt. Nachdem ihre Mutter Eddo 10 Kinder im Säuglingsalter verloren hat, hat sie sich an das elfte nicht mehr emotional binden wollen. Eddo gibt ihrer Tochter den Namen „Irinu“, übersetzt „Die Vielscheißerin“. Dieser schreckliche Name soll böse Geister von ihr fernhalten. Durch die Christianisierung des Dorfes erhält Irinu schließlich den Namen Lucy. Das Mädchen wird von allen Familien des Dorfes gemeinsam erzogen, Eddo scheint zunehmend verrückter zu werden. Erst als sie heranwächst, nähert sich Eddo ihrer Tochter an und weist ihr eine Aufgabe zu: Lucy soll Eddos tote Kinder wieder zur Welt bringen und möglichst viele Nachkommen in die Welt setzen.

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Alexandria Bellefleur: Written in the Stars

Elle ist Astrologin, glaubt an Seelenverwandtschaft und sucht nach der großen Liebe – stattdessen trifft sie auf Darcy, diese arbeitet in der Versicherungsstatistik, glaubt ganz sicher nicht an höhere kosmische Zusammenhänge und will eigentlich gar nicht auf diesem Date mit Elle sein, zu dem ihr Bruder sie gezwungen hat. Es kommt, wie es kommen muss, wenn zwei Welten aufeinanderprallen: Das Date ist ein Desaster. Elle verschüttet den teuren Wein über Darcys Lieblingskleid und hört sie kurz darauf verletzende Sachen über sie am Telefon sagen. Also eindeutig nicht die große Liebe.

Um Ruhe vor ihren Familien zu haben, treffen die beiden dennoch die vielleicht nicht ganz durchdachte Entscheidung, eine Beziehung vorzutäuschen – und merken schnell, dass Gefühle sich nicht planen lassen.

Die Fake-Dating Geschichte ist vielleicht irgendwann auserzählt, Alexandria Bellefleur nutzt die Grundlage aber mit derart viel Witz und Gefühl, dass man beim Lesen direkt vergisst, dass es so etwas Ähnliches schon einmal gab. Dadurch, dass sie das Konzept außerdem in einen queeren Kontext einbaut, wird das Buch unbedingt lesenswert! Die Charaktere sind liebenswert, tiefgängig ausgearbeitet und bereiten einfach viel Freude.

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Heinz Strunk: Memories of Heidelberg

Heinz Strunk versteht es in seinen Büchern scheinbar ganz locker, Tragik in Komik zu verwandeln. Seine Erzählweise ist oft deftig, manchmal heftig, seine Milieu- und Charakterstudien lesen sich treffsicher und stimmig. Genau das erwarten seine Leser und werden so gut wie nie enttäuscht.

Bereits Heinz Strunks erster Roman „Fleisch ist mein Gemüse“ aus dem Jahr 2004 wurde ein Erfolg. Seither hat er 16 weitere Bücher veröffentlicht.

Im Leselust-Portal sind folgende Rezensionen seiner Bücher zu finden: Kein Geld Kein Glück Kein Sprit (2025), Zauberberg 2 (2024), Ein Sommer in Niendorf (2022), Es ist immer so schön mit dir (2021), Jürgen (2017), Der Goldene Handschuh (2016).

Nun aber zu Strunks aktuellem Buch „Memories of Heidelberg“, in dem ein Ehepaar anstatt einer entspannten Woche in der Neckarstadt ein bitteres Desaster durchlebt.

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Imani Thompson: Honey

„Honey“, der Debütroman von Imani Thompson, ist ein verstörendes und faszinierendes Buch zwischen Campusroman und psychologischem Thriller. Im Zentrum steht die Doktorandin Yrsa, deren Leben von Frustration und unterschwelliger Wut geprägt ist – bis diese Wut eine radikale, gewaltsame Form annimmt.

Der Auslöser wirkt zunächst fast absurd: Ein Professor stirbt an einem Bienenstich, den Yrsa zumindest indirekt verursacht hat. Was als Unfall beginnt, wird schnell zu einer Reihe gezielter Morde. Yrsa findet in der Gewalt ein Gefühl von Kontrolle, das ihr im akademischen Alltag fehlt. Gleichzeitig schreibt sie an ihrer Doktorarbeit über schwarze feministische Theorie.

Thompson verbindet diese beiden Ebenen eindrucksvoll. Der Roman wechselt zwischen dichten, nachdenklichen Passagen und einem schnellen, manchmal sprunghaften Erzähltempo. Das macht den Reiz des Buches aus, verlangt dem Leser aber auch einiges ab.

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Caro Claire Burke: Yesteryear

Zwischen Tradition und Illusion …

Manchmal wird mir fast schlecht, wenn ich darüber nachdenke, wie erfüllend – nein, wie perfekt mein Leben ist und wie gut mir alles gelingt.

Natalie Heller Mills spaltet die Gemüter, wenn Millionen von Menschen auf Instagram verfolgen, wie Natalie genau das Leben lebt, das sie sich immer erträumt hat: inmitten einer weitläufigen Berglandschaft kümmert sie sich hingebungsvoll um ihre stetig wachsende Kinderschar, bestellt leichtfüßig Haus und Hof der Selbstversorger-Farm und genießt in stiller Ergebenheit die liebevollen Aufmerksamkeiten ihres umwerfenden Vorzeigeehemanns.
Doch eines Morgens erwacht Natalie auf einer Anno 1855-Version ihrer Farm. Wie kann das möglich sein und wie soll sie ihre haus- und ehefraulichen Pflichten ohne Kontakt zur Außenwelt, ohne Angestellte und ohne die vor den Kameras verborgenen Hightech-Geräte erfüllen?

Auf den ersten Seiten wirkt Natalies Erzählung auf so überzogene Art überzuckert, dass ich mich fragte, ob sie das wirklich ernst meinen könne. So dauert es auch nicht lange, bis ein Blick hinter die Kulissen die inszenierte Nostalgie-Sehnsucht als das entlarvt, was sie ist: eine Inszenierung. Statt Naturverbundenheit, Romantik und Entschleunigung sehen wir Ausbeutung von geheimen Hilfsarbeitskräften und inkompetenten Nannys, eine zerrüttete Ehe und einen Strudel aus religiösem Wahn, politischem Kalkül und selbstgerechter Verbitterung.

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Tracey Rose Peyton: Um uns nur Dunkelheit

Packender Roman um ein schreckliches Kapitel der amerikanischen Geschichte – ungewöhnlich erzählt

Was für ein nachhallender Roman, was für eindringliche Figuren und welch ein interessanter Erzählstil. Dieses Buch bleibt in Erinnerung, es erschüttert, macht wütend und sehr, sehr traurig.

Im Mittelpunkt stehen sechs Frauen, Sklavinnen auf einer Baumwollfarm in Texas im Jahr 1852.

Serah, Alice, Junie, Patience, Nan und Lulu, die in elenden Hütten wohnen, kaum mehr als das, was sie am Leib tragen als Besitz haben dürfen, die bei größter Hitze, Sturm oder Kälte im Baumwollfeld oder wie Nan im Haus arbeiten müssen. Dass niemand auf ihre Gefühle und Befindlichkeiten Rücksicht nimmt, muss da kaum erwähnt werden. Sklav:innen werden gekauft und verkauft wie Möbelstücke, Kinder von ihren Eltern, Mütter von ihren Kindern, Frauen von ihren Männern getrennt, sehen diese vielleicht niemals wieder, wissen nichts über ihr Schicksal.

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Sofia Montrone: Der Tag war schön und ich dachte an dich

Der Originaltitel des Romandebüts der Autorin Sofia Montrone lautet Nymph(e). Ihre Geschichte beginnt mit der heranwachsenden Leo, deren Vater ein amerikanischer Gelehrter ist und ihre Mutter eine unter Depressionen leidende Italienerin. Den Sommer verbringt die Familie in Süditalien im familiengeführten Hotel, zu dem Ländereien und Tiere gehören.

Für Leo und ihren jüngeren Bruder Max könnte es das pure Paradies sein. Wenn Leo ihre kindliche Perspektive behielte, hätte Max wiederum ungetrübte Spielerlebnisse. Doch den Verlauf der Natur kann Leo nicht aufhalten. Hormone durchfluten ihren Körper, und sie beginnt sich neu wahrzunehmen.

Auch ihr Vater nimmt sie anders wahr. Seine Gespräche mit Leo über Odysseus‘ Abenteuer erklären ihr die Rolle des Vaters, des abtrünnigen Abenteurers und Kriegers neu.

Sofia Montrone kommt aus Los Angeles und war Chefredakteurin der Columbia Review. Heute lebt sie in New York. Sie unterrichtet kreatives Schreiben an der Columbia University.

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Melissa Wiesner: The Storm in Our Hearts

Inhalt: In der Highschool waren Jane und Nik unzertrennlich. Zwischen geteilten Träumen und einem ersten, heimlichen Kuss schien ihre Zukunft besiegelt. Doch eine einzige Nacht zerstörte alles und zwang Jane zur Flucht aus Linden Falls. Nik ließ sie dabei ohne ein Wort des Abschieds oder der Erklärung zurück.

Zehn Jahre später kehrt Jane anlässlich des Todes ihres Vaters in die Kleinstadt zurück – im Gepäck eine kleine Tochter und das Trauma einer toxischen Beziehung. Los Angeles sollte ihre Zuflucht sein, doch der charmante Clubbesitzer Matteo zeigte schnell sein wahres, grausames Gesicht. Nun plant Jane erneut die Flucht, dieses Mal endgültig. Doch als sie in Linden Falls ausgerechnet Nik begegnet, flammen die alten Gefühle sofort wieder auf. Aber die Monster der Vergangenheit sind ihr dicht auf den Fersen. Haben Jane und Nik überhaupt eine Chance, oder wird die Dunkelheit sie endgültig auseinanderreißen?

Ein Blickfang mit tiefgründigem Inhalt
Schon das Cover ist ein absoluter Hingucker und zieht die Aufmerksamkeit sofort auf sich. Doch der schöne Schein trügt nicht über den ernsten Kern hinweg: Diese Geschichte ist definitiv keine leichte Kost. Die Autorin greift das sensible und schwere Thema häusliche Gewalt auf. Es ist handwerklich hervorragend umgesetzt, geht tief unter die Haut und nimmt den Leser emotional vollkommen mit.

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Ronja von Rönne: Alles Liebe

Die deutsche Autorin und Moderatorin Ronja von Rönne (Jahrgang 1992) hat ein neues Buch geschrieben. Auf diesem Blog haben wir zuletzt ihren Roman „Ende in Sicht“ aus dem Jahr 2022 besprochen. Am 2. Juli 2026 veröffentlichte dtv ihren aktuellen Roman mit dem Titel „Alles Liebe“.

Ronja von Rönnes „Alles Liebe“ bietet Erschreckendes über die menschliche Liebe

Schon das Buchcover gibt den Lesenden einen Hinweis darauf, dass nicht alles, was unter dem Deckmantel der Liebe in menschlichen Beziehungen daherkommt, auch Liebe ist. Ein eingeschnürtes dickes und rotes Herz steht für die negativen und sogar schädlichen Formen der Liebe. So erzählt Ronja von Rönne von Menschen, deren Vornamen die Überschriften der Kapitel liefern, in beiläufigem Ton Erschreckendes über die menschliche Liebe.

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