Belle Burden: Fremde: Die Geschichte einer Ehe

„Eine fesselnde, herzergreifende Lektüre“, ist als Kommentar von Joyce Carol Oates auf dem Buchcover zu lesen. Das macht natürlich neugierig, zumal „Fremde“ zum monatelang gefeierten New-York-Times-Bestseller avancierte.

Joyce Carol Oates las, wie Belle Burden erläutert, regelmäßig eine Kolumne der New York Times über Beziehungen, in der auch Belle Burdens Text veröffentlicht wurde. Sie war begeistert von Belles Text und postete ihn auf Twitter. Nun muss noch erwähnt werden, dass die Autorin einer wohlhabenden, bekannten New Yorker Familie entstammt, was möglicherweise den Run auf die Geschichte ihrer gescheiterten Beziehung beförderte.

„Fremde“ ist Belle Burdens erster Roman, in dem sie rückblickend über ihre gescheiterte Ehe schreibt, was für die Autorin selbst sicher auch eine Form von Aufarbeitung war. Belle Burden gewährt ihren LeserInnen darin Einblicke in ihr gemeinsames Leben, mit James. Sie schreibt von ihrem Kennenlernen, weiter über ihre leidenschaftliche Beziehung und die schnell folgende Heirat, bis zum unerwarteten, bitteren Ende nach zwanzig Ehejahren. „Ich weiß nicht, warum er mich verlassen hat, und ich werde es wohl auch nie erfahren“, ist auf den letzten Seiten der Geschichte (E-Book S. 177) zu lesen. Verzweifelt reflektiert sie, dass auch ihre Großmutter und ihre Mutter von ihren Männern betrogen wurden. Alles wurde still erduldet.

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Kyra Groh: The Iced Caramel Coffee Agreement

Darum geht es: Eleonora hat genug davon, immer nur als der brave, brave Sonnenschein ihrer kleinen Heimatstadt abgestempelt zu werden. Sie will ausbrechen, mutiger sein und endlich aus sich herauskommen. Die perfekte Gelegenheit dazu bietet sich, als plötzlich Dex in der Stadt auftaucht. Er ist genau der Musiker, für den Eleonora schon seit Jahren heimlich schwärmt. Doch Dex ist alles andere als glücklich: Er steckt in einer tiefen kreativen Krise, fühlt sich ausgebrannt und befindet sich auf der Flucht vor dem erdrückenden Ruhm seiner berühmten Familie. Eleonora erkennt die perfekte Chance für eine Win-Win-Situation und schlägt ihm einen Deal vor. Sie hilft ihm dabei, seine Inspiration wiederzufinden und sich neu zu erden, während er ihr zeigt, wie man die eigenen Grenzen sprengt und mutiger durchs Leben geht. Zwischen spannenden Mutproben und den stressigen Vorbereitungen für ein lokales Festival knistert es gewaltig. Die beiden merken schnell, dass ihre Gegensätze sie eigentlich viel näher zusammenbringen, als sie dachten. Doch über allem schwebt eine große Frage: Kann Eleonora ihr Herz wirklich an jemanden verlieren, für den ihre kleine Welt am Ende vielleicht immer zu klein sein wird?

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Valeria Luiselli: Anfang Mitte Ende

Die Schriftstellerin Valeria Luiselli wurde 1983 in Mexiko geboren. Heute lebt und arbeitet sie in New York. In ihrem letzten Roman „Archiv der verlorenen Kinder“ (2019) beschreibt sie eine amerikanische Mittelklasse-Familie, die  Zeuge eines Flüchtlingsdramas von Kindern aus Zentralamerika und Mexiko wird. Am 14. August 2026 ist ihr neuer Roman „Anfang Mitte Ende“ im Rowohlt Verlag erschienen. Brigitte Jakobeit hat ihn aus dem Englischen übersetzt.

„Anfang Mitte Ende“ gliedert sich in vier Teile, die nach den Mittelmeerwinden Levante, Ponente, Scirocco und Mistral benannt sind. Wobei die ersten drei Teile den Roman bilden und der letzte Teil so etwas wie einen Anhang mit Material (Prima Material) wie Postkarten und Polaroids darstellt. Am Ende des Buches gibt es einen QR-Code hinter dem sich Tonaufnahmen verbergen.

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Christina Walker: Verteidigung eines Gartens

Zufluchtsort Schrebergartenkolonie

Hinter dem verheißungsvollen Namen „Neu-Amerika“ verbirgt sich nicht etwa eine gefragte Urlaubshochburg, sondern eine schlichte Schrebergartensiedlung. „Neu-Amerika“ wird aus der Not heraus zum neuen Wohnort von Marianne, Didi und dem Obmann Herrn Gregor. Alle drei haben nichts gemeinsam außer einem Bett in ihrer jeweiligen Hütte in der Gartenanlage am Stadtrand. Dort treffen ihre  unterschiedlichen Schicksale aufeinander.

Marianne avanciert zur typischen durchs-Netz-gefallenen Dauerbewohnerin der Schrebergartensiedlung. Obwohl die Bäckersgattin früher täglich hinter der Ladentheke stand und frische Backwaren verkaufte, steht sie plötzlich vor dem Nichts. Nach dem Desaster, das ihr verstorbener Mann ihr hinterlassen hat, kann sie sich keine noch so kleine Mietwohnung leisten. Doch sie kann sich anstrengen wie sie will, das Dilemma, in dem sie steckt, wird in Neu-Amerika nicht kleiner. Glücklicherweise erweist sich die junge Didi, die sich in die Behausung ihrer Oma eingenistet hat, mehr als einmal als unerwartete Retterin.

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Jo Cheetham: Love and Rent

Mitte Dreißig und ständig pleite
Der Roman der englischen Autorin Jo Cheetham wird als „Bridget Jones für eine neue Generation“ gefeiert. Eine passende Beschreibung! Gemeinsam ist der herrlich britische Humor und die liebenswerten Charaktere, welche alles andere als perfekt sind. Während die „echte“ Bridget Ende der 1990er Jahre erstmals nach ihrem Mr. Right suchte, geht es bei Protagonistin Hannah jedoch weniger um Romantik, als ums nackte Überleben. Angestellt in einem unterfinanzierten Museum, kann sie sich den Alltag in der Großstadt Sheffield nicht mehr leisten. Ständig pleite, ständig mit den Rechnungen in Verzug, ständig Angst, aus ihrer Mietwohnung zu fliegen – und das mit Mitte Dreißig.

Daten im Zeitalter von Dickpics
Obwohl sie Filme hasst, in denen ein Mann zur Rettung herbeieilt, wünscht sie sich doch insgeheim, mal relaxed eine Pizza zu kaufen, ohne befürchten zu müssen, dass ihre Kreditkarte abgelehnt wird. Wenn ihr ein gut situierter Partner dies bieten könnte… wäre sie zu einer Ausnahme bereit. Doch Hannah muss sich mit Dingen herumschlagen, die Bridget Jones vor fast 30 Jahren noch nicht kannte. Zum Beispiel absurde Tinder-Profile oder die Schrecken ungefragter Dickpics! Dieser Roman zeigt deutlich: Das Dating-Leben ist nicht leichter geworden. Aber dafür umso amüsanter.

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Kasie West: Worst date ever

Darum geht es: Als angehende Literaturagentin möchte Margot nicht nur den nächsten Romance-Bestseller entdecken, sondern auch selbst die perfekte Liebesgeschichte erleben. Ihre große Liebe will sie auf keinen Fall über eine App kennenlernen, denn das wäre einfach unromantisch. Ihr Dating-App-Match Oliver war das schlechteste Date ihres Lebens – gefolgt von der heißesten Make-out-session ihres Lebens. Margot und Oliver sind absolut nicht kompatibel, doch das Knistern zwischen ihnen lässt sich nicht leugnen …

Meine Meinung:

Das Cover dieses Buches verspricht genau das, wonach mein Leserherz sich sehnte: eine süße, herzerwärmende Rom-Com in der wunderbaren Kulisse der Bücherwelt. Als absoluter Buchliebhaber sprach mich das Design sofort an, und ich ging mit der Erwartung an die Geschichte, eine lockere, leichte Lektüre für zwischendurch zu bekommen. Genau das liefert das Buch auch ab. Es ist der perfekte Roman, um für ein paar Stunden den Alltag zu vergessen und in eine gemütliche Wohlfühlatmosphäre einzutauchen.

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Allen Levi: Theo in Golden

Theo, 86, geboren in Portugal, offensichtlich wohlhabend, lässt sich für ein Jahr in Golden nieder, einer fiktiven Stadt im amerikanischen Süden. In einem Café hängen 92 Bleistiftporträts von Einwohnern Goldens, die ihn wegen ihrer künstlerischen Perfektion und der Meisterschaft, mit der der Künstler die Persönlichkeit dieser Menschen herausarbeitet, faszinieren. Und dann setzt er eine spontane Idee um: Er will alle 92 Porträts kaufen und den Porträtierten schenken.

Theo mietet ein Apartment, freundet sich mit einigen Einwohnern an, und trifft regelmäßig an einem Brunnen in der Stadt Menschen, denen er die Bilder überreicht und mit ihnen redet. Und damit ihr Leben zum Positiven wendet, ob es sich um eine in ihrem Beruf unglückliche Wirtschaftsprüferin, eine Obdachlose, einen hochbegabten Musikstudenten oder um einen Hausmeister handelt, dessen Tochter schwer krank und schlecht versorgt im Krankenhaus liegt.

Theo ist einfühlsam, respektvoll und ein guter Zuhörer und Beobachter. Schnell öffnen sich die Menschen ihm gegenüber, enthüllen ihre Geheimnisse, ihre Sorgen und Ängste, und er versteht es, ihnen entscheidende Impulse zu geben. Manchmal wird er zum anonymen Wohltäter. Theo ist überzeugter Christ, was zunächst nur angedeutet und dann in immer häufigeren biblischen Bezügen untermauert wird. Aber Theo/Levi predigt nicht. Eher geht es darum, zu zeigen, dass Glaube allein nicht reicht. Nicht Worte zählen, sondern Taten. Und Theo ist ein liebenswürdiger, herzensguter Mensch, dem es Freude macht, Freude zu bereiten.

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Sven Regener: Frankie und Freddie

25 Jahre ist es her, dass Sven Regener mit „Herr Lehmann“ einen der eigensinnigsten Helden der jüngeren deutschen Literatur erfand. In „Frankie und Freddie“, dem inzwischen sechsten Roman aus diesem Kosmos, schickt er Frank Lehmann erneut durch West-Berlin – diesmal an der Seite seines Bruders Freddie und mitten hinein in einen eisigen Tag kurz vor Weihnachten 1980.

Der Ausgangspunkt ist denkbar schlicht: Freddie, gerade aus einer Klinik entlassen, in der er als Proband ein neues Medikament getestet hat, hat eine Tasche verloren. Darin stecken wichtige Reisedokumente, die er für seinen geplanten Trip nach New York braucht. Also ziehen die Brüder durch Schnee und Kälte, von einem Ort zum nächsten, immer in der Hoffnung, der Tasche näherzukommen.

Natürlich wäre es kein Lehmann-Roman, wenn dieser Weg geradlinig verliefe. Regener bevölkert die Geschichte wieder mit Figuren, die schon durch ihre Namen oder Auftritte im Gedächtnis bleiben: Da ist der kunstbesessene Artsy Farty, da ist Olli, der in einem selbstgenähten Shell-Overall an einer Aral-Tankstelle aushilft, und da ist Chrissie, vergrippt, resolut und für Frank von besonderem Interesse. So bekommt neben Freundschaft, Großstadtalltag und absurden Begegnungen auch die Liebe ihren Platz.

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Eva-Maria Bast: Das Mandelblütengeheimnis

In diesem stimmungsvollen Familienroman begeben wir uns mit der Protagonistin auf Zeitreise.
Anna, Gärtnerin aus Leidenschaft, kümmert sich um ihre an Demenz erkrankte, sehr betagte Großmutter, um ihre Mutter zu entlasten, die die Pflege in den letzten Wochen übernommen hatte. Sie tauschen sozusagen die Plätze. Anna hatte immer ein sehr inniges Verhältnis zu Letitia, ihrer Großmutter, dennoch weiß sie ziemlich wenig über Letitias Kindheit und Jugend. Als die Großmutter eines Tages immer wieder von einer Sagrada und in ihren Träumen auch noch spanisch spricht, will Anna mehr wissen. In einer alten Holzschachtel findet sie ein vergilbtes Rezeptbuch, geschrieben in Spanisch, außerdem edle Leinentischwäsche mit den Initialen SV. Anna begibt sich auf Spurensuche.

Ihr Weg führt sie von der Schweiz in den Süden Spaniens, nach Alicante, wo sie auf die Turròn-Vidal-Manufaktur stößt und auf die Geschichte von Sagrada Blasco und José Vidal, die sich 1930 ineinander verliebten. Ein bisschen wie Romeo und Julia, die Familien waren verfeindet. Der Grund des Streits war eine Mandelplantage, die sowohl Sagradas Vater Don Esteban als auch Josés Vater besitzen wollten. Mandeln waren die Grundlage ihres Geschäfts – bei den Blascos zur Herstellung von Marzipan, Mazapán, bei den Vidals für ihr berühmtes Turròn. Beide Firmenchefs warfen sich gegenseitig vor, den anderen mit den Auseinandersetzungen über die Plantage fast in den Ruin getrieben zu haben. Eine Liebe zwischen Sagrada und José schien unmöglich und doch haben die jungen Leute sich nicht beirren lassen und um ihre Liebe gekämpft. Nach und nach erfährt Anna bei ihrer Reise nach Alicante die Geschichte der Blascos und der Vidals, das Rezeptbuch öffnet ihr die Türen der Vidals. Carlos, der Juniorchef weiht sie in die Geheimnisse des Turròn ein, zeigt ihr die Mandelplantagen, die Geschäfte der Familie, erklärt ihr die Herstellung – ganz wie 1930 José mit Sagrada.

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Christiane Hoffmann: Die Träume, die wir hatten

Christiane und ihre Freundin kennen sich seit ihrer Studienzeit Ende der achtziger Jahre. Sie werden beste Freundinnen, lernen die russische Sprache und die russische Literatur lieben. Sie bereisen die Sowjetunion über viele Jahre. Dabei erlebt vor allen Dingen die Erzählerin Christiane, die in Russland viele Jahre lebt, als Journalistin arbeitet, dort auch heiratet, wie sich das politische Leben durch den Fall des Eisernen Vorhangs verändert. Sie teilte die Hoffnung der russischen Bürger auf echte Demokratie und ein friedliches Europa.

Währenddessen schreibt ihre Freundin ihre Doktorarbeit, um danach an der Universität wissenschaftlich zu arbeiten. Sie heiratet einen russischen Künstler und organisiert für ihn Ausstellungen.

Die Autorin Christiane Hoffmann arbeitet ebenfalls als Journalistin, ist politisch aktiv in ihrer Eigenschaft als Osteuropa-Expertin. Nach ihrem erfolgreichen Buch über die Flucht ihres Vaters widmet sie sich in ihrem aktuellen Buch einem weiteren persönlichen Thema. Es handelt vom Scheitern und Schuldgefühlen.

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