Marie Lacrosse: Montmartre: Traum und Schicksal

Auch der zweite Teil der Dilogie um Valérie Dumas und Elise Lambert gibt wieder einen sehr realistischen, gut recherchierten und fundiert geschilderten Einblick in die Lebensumstände in Paris im ausgehenden 19. Jahrhundert. Diesmal geht der Blick vor allem auf die Situation der Frauen. Zum einen auf jene Frauen, die wie Valérie darum kämpfen, sich als eigenständige Frau und /oder als Künstlerin zu behaupten, was beides gleichermaßen schwierig war. Valérie hatte zwar das Privileg an einer der Akademien eine Ausbildung als Malerin zu absolvieren, die ausnahmsweise auch mal eine Frau in ihre Klasse aufgenommen hat, aber schon mit ihrer Abschlussarbeit musste sie erfahren, dass Frauen keineswegs malen durften, was und wie sie es wollten, sondern einem strengen Diktat unterworfen waren.

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Anna Husen: Lübecks Töchter: Der Traum von Bildung und Freiheit

Frauenbildung und Emanzipation sind die zentralen Themen in Anna Husens sehr realistisch geschildertem ersten Teil ihrer Reihe um „Lübecks Töchter“, die Lehrerinnen Clara und Amélie, die gemeinsam mit ihrer älteren Schwester Pauline, die aber nur eine Randfigur spielt, in Lübeck eine „Schule für höhere Töchter“ leiten.

Amélie kommt nach dem Abschluss an einem der noch sehr seltenen Lehrerinnenseminare in Hamburg zurück in ihre Heimatstadt Lübeck und unterrichtet gemeinsam mit den Schwestern. Eine solche Schule, an der Mädchen mehr lernen als Lesen und Schreiben, Rechnen oder Handarbeit, ist noch immer etwas Besonderes. Ende des 19. Jahrhunderts war es nicht üblich, Mädchen und jungen Frauen auch in Naturkunde, Naturwissenschaften und Sprachen zu unterrichten. Es reichte völlig aus, wenn ein junges Mädchen in der Lage war, einen Haushalt zu führen, Kinder zu erziehen und leichte Konversation zu betreiben, schließlich sollte es ja nicht selbst für seinen Unterhalt sorgen, sondern eine, oft von den Eltern arrangierte Ehe eingehen. Die Schwestern Roquette wollen das ändern. Sie wollen jungen Mädchen und Frauen den Zugang zu mehr Bildung ermöglichen und außer ihrer Schule ein Lehrerinnenseminar einrichten, wie Amélie es in Hamburg kennengelernt und absolviert hat.

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Melanie Metzenthin: Die Psychoanalytikerin

Hamburg, 1920. Die Nachwehen des Ersten Weltkriegs sind noch überall zu spüren. Auch in der Praxis der Psychoanalytikerin Vera Albers, die überwiegend durch Kriegserfahrungen traumatisierte Menschen behandelt. Als Hermann Braun, einer ihrer Patienten, ermordet wird, beginnen Kommissar Karl Bender und Kriminalanwärter Abel Bernstein auch in ihrer Praxis zu ermitteln. Schnell weitet sich der Fall aus: Es gibt weitere Opfer, die alle Soldaten im selben Regiment waren. Unversehens ist Vera selbst Teil der Ermittlungen, als Willy Schuster verschwindet – auch er Mitglied dieses Regiments und Ehemann Johanna Schusters, einer ihrer Patientinnen. Wird auch er zum Opfer eines unbekannten Rächers? Oder ist er selbst der Täter? Was ist das Motiv? Die ermittelnden Kommissare hoffen, mit Veras Hilfe die mysteriösen Morde aufklären zu können.

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Craig Shreve: African Samurai

Im sechzehnten Jahrhundert lebte Yasuke in Ostafrika. Seine Kindheit verbrachte er tief in den Erzminen. Er wollte immer in seinem Dorf leben, weil dort seine Familie und seine Freunde lebten, während sein Vater regelmäßig auf Reisen ging und weit weg Handel trieb. Ab und zu kamen auch ausländische Händler in sein Dorf, um Eisen gegen Waren einzutauschen.

Eines Tages tauchten andere Ausländer in seinem Dorf auf, die keinen Handel im Sinn hatten. Sie töteten alle Erwachsenen und kleinen Kinder. Die größeren Kinder und Jugendliche wurden gefangen genommen. Yasuke lernte, dass auch Menschen Waren sein konnten. Er wurde eine Ware und an verschiedene Besitzer weitergereicht. Einige lehrten ihn das Kämpfen und Rudern für ihre Kriege in fernen Ländern. Yasuke lernte das Töten und portugiesisch. Bei den Jesuiten kamen die Fächer Latein, Gebete und ein fremder Glaube hinzu.

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Anne Stern: Fräulein Gold 08: Der Preis der Freiheit

Auch diesmal wieder gelingt es Anne Stern, ein Stück Zeitgeschichte in einen spannenden Roman zu verpacken und einem nicht das Gefühl zu geben, dass man grade eine Geschichtsstunde erlebt. Hervorragend recherchiert, fundiert und kompetent erzählt, fesselnd geschrieben. Die Personen sind denen, die die Reihe um „Hulda Gold – die Hebamme von Berlin“ kennen und verfolgen, gut bekannt, immerhin ist „Der Preis der Freiheit“ bereits der achte Band der Serie.

Wir schreiben das Jahr 1932. Die politischen Kräfte in Deutschland radikalisieren sich immer stärker, die Nationalsozialisten sind immer präsenter, tätliche Gewalt und völlig unvermittelte Angriffe werden immer häufiger. Auch Hulda kann davor die Augen nicht verschließen. Auch ihre Freunde, ihre Familie bleiben nicht verschont. Ihr Vater, der Künstler Benjamin Gold wird ebenso überfallen wie ihr Freund vom Kiosk auf dem Winterfeldtplatz Bert, der nachts, gemeinsam mit seinem Freund zusammengeschlagen wird. Der Hass auf Juden und Homosexuelle, auf alles „Andersartige“ wird immer offenkundiger.

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Anne Jacobs: Der Dorfladen 03: Wie das Schicksal spielt

Bereits im Sommer bin ich mit den ersten beiden Bänden der Dorfladen-Saga nach Dingelsbach gereist. Jenes kleine Dorf im Taunus, wo jeder jeden kennt und wo Marthe 1927 mit ihren drei Töchtern den kleinen Dorfladen führt und die ehemalige Frau Küpper – jetzt Goldstein – ihre Fabrik gegen ihren missratenen Bruder verteidigen muss. Marthes drei Töchter gehen ihren Weg, wie er sich schon in den ersten beiden Bänden angedeutet hat. Frieda lebt als Schauspielerin in Bochum, Ida hat sich durchgesetzt und geht in Frankfurt auf das Gymnasium, wo sie sich in den Studenten Florian verliebt. An dem durch und durch konservativen Mädchengymnasium (erstaunlicherweise ist das hier ein nicht so großer Widerspruch, wie es scheint) wird das nicht gern gesehen. Nicht nur, dass Florian sehr viel älter ist als Ida, er ist auch noch Kommunist und hält damit nicht hinterm Berg. Ida bekommt mehrfach gesagt, dass sie damit ihre schulische Laufbahn aufs Spiel setzt. Aber wo die Liebe halt hinfällt.

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Peter Prange: Herrliche Zeiten 02: Dem Himmel so nah

Wieder mal eine höchst interessante Geschichtsstunde, die Peter Prange gekonnt in einem Roman verpackt hat. Geschichte zum Anfassen“. Europa vor dem Ersten Weltkrieg, der Kampf der Nationen um die Vorherrschaft, nicht nur bei alljährlichen Segelregatta, bei der die Jachten des englischen und des deutschen Königs um den Sieg wetteifern, die Herrschaft in den Kolonien und eben auch der Weg zum Ersten Weltkrieg. Spannend erzählt, authentisch, realistisch, aber auch emotional und empathisch, ernst und unterhaltsam geht die Geschichte um die drei Freunde, die sich vor inzwischen dreißig Jahren in Karlsbad im Grandhotel Pupp kennengelernt haben, weiter.

Vicky, Tochter eines wohlhabenden britischen Industriellen, Paul Biermann, Sohn eines erfolgreichen Bauunternehmers aus Berlin und Auguste Escoffier, damals noch voller Ideen und Visionen, inzwischen renommierter Sternekoch. „Der König der Köche und Koch der Könige“ wird er mittlerweile genannt. Vom Kochlehrling in Böhmen hat er es zum Sternekoch mit mehreren eigenen Restaurants in den Luxushotels der europäischen Metropolen geschafft. Inzwischen steht die Generation ihrer Kinder im Fokus der Erzählung, aber die „Alten“ sind nicht außen vor. Die Freundschaft der damals drei jungen Leute hat sich über die Grenzen hinweg gehalten, bewährt und ist immer enger geworden. Inzwischen gibt es auch verwandtschaftliche Beziehungen untereinander, in London, Berlin und Paris.

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Henrike Engel: Elbnächte: Schatten über St. Pauli

Ein spannender, gut und flüssig geschriebener Roman über die Zeit in Hamburg um 1910. Keine leichte Zeit für zwei alleinstehende Frauen, die versuchen müssen, sich ein neues Leben aufzubauen.
Im zweiten Teil der Dilogie haben Louise und Ella ihren Weg offenbar gefunden. Louise, die von ihrem betrügerischen Ehemann vor Kurzem mitten in der Nacht völlig mittellos in einem Hamburger Nobelhotel zurückgelassen worden war und nicht mal die Hotelrechnung begleichen konnte und Ella, der es gelungen war, aus Lemberg zu fliehen und ihrem Dasein als Prostituierte zu entkommen, nachdem ihre Eltern sie, im Glauben, ihrer Tochter ein besseres Leben zu ermöglichen, regelrecht verkauft hatten.

Die beiden jungen Frauen haben sich zufällig getroffen und sind beste Freundinnen geworden, die allerdings auch einiges verbindet, was man vielleicht nicht unbedingt publik machen sollte. Der Dritte im Bunde ist der ehemalige Polizist Paul, der die beiden ebenfalls zufällig getroffen und ihnen in einer prekären Situation geholfen hat. Inzwischen hat sich Louise eine Existenz als Besitzerin einer kleinen Bar auf St. Pauli eingerichtet, Ella arbeitet in einer Bäckerei und hilft aber auch abends in der „Bar fatal“ mit, in der Paul als Türsteher darauf achtet, dass den beiden Frauen nichts passiert.

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Andrea Günther: Die Gipfelstürmerin

kraftvoll – inspirierend

Das Matterhorn, einer der höchsten Berge der Alpen und meistfotografierte Touristenattraktion der Schweiz, fasziniert uns mit seiner besonderen Form. So sehr, dass man sogar im Disneyland Resort in Kalifornien eine maßstabsgetreue Nachbildung bewundern kann. Seit seiner Erstbesteigung vor mehr als 150 Jahren starben aber auch mindestens 500 Alpinisten bei dem Versuch, den Gipfel zu erklimmen.

Andrea Günther erzählt in ‚Die Gipfelstürmerin‘ von der Engländerin Lucy Walker, die am 22. Juli 1871 als erste Frau das Matterhorn bestieg.

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Iny Lorentz: Der Krieger und die Königin

Soviel gleich vorweg: ich bin dieses Mal ein bisschen enttäuscht. Eigentlich finde die super recherchierten, gut geschriebenen historischen Romane von Iny Lorentz immer spannend und sehr interessant wegen des geschichtlichen Hintergrunds, aber diesmal waren es mir einfach zu viele Schlachten, Völker, Stämme, Gruppierungen, Namen, Verwandtschaftsbeziehungen …. als dass ich es leicht gefunden hätte, dem zu folgen. Man hätte einen Notizblock gebraucht, um sich mit Querverweisen „auf dem Laufenden“ zu halten, wer jetzt mit wem verwandt, verfeindet oder befreundet ist.

Das Cover zeigt eine schöne, junge Adlige vor gebirgiger Landschaft, aber bis man einen Rückschluss ziehen kann, dass es sich hier um die Langobarden-Prinzessin Waltrada handeln wird, vergeht viel Zeit. Knapp 600 Seiten umfasst der neue Roman, der eigentlich schon vor gut dreißig Jahren hätte veröffentlicht werden sollen, bis es zur angekündigten „Geschichte, die die Geschichte Deutschlands grundlegend veränderte“ kommt, sind wir schon im letzten Teil. Zwar taucht der Name Waltrada bis dahin das ein oder andere Mal auf, aber die wesentliche Rolle, die ihr dann letzten Endes zukommt, kann man daraus nicht unbedingt ableiten. Zum ersten Mal trifft Garibald, der Held und ruhmreiche Krieger dieses Epos‘ auf die Prinzessin, als sie (vermeintlich) von den gefürchteten Wolfsreitern bedroht wird. Garibald schreitet ein und „befreit“ sie, was er mit einer Verletzung bezahlt, die sie ihm mit einem Dolch zufügt.

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