Bereits im Sommer bin ich mit den ersten beiden Bänden der Dorfladen-Saga nach Dingelsbach gereist. Jenes kleine Dorf im Taunus, wo jeder jeden kennt und wo Marthe 1927 mit ihren drei Töchtern den kleinen Dorfladen führt und die ehemalige Frau Küpper – jetzt Goldstein – ihre Fabrik gegen ihren missratenen Bruder verteidigen muss. Marthes drei Töchter gehen ihren Weg, wie er sich schon in den ersten beiden Bänden angedeutet hat. Frieda lebt als Schauspielerin in Bochum, Ida hat sich durchgesetzt und geht in Frankfurt auf das Gymnasium, wo sie sich in den Studenten Florian verliebt. An dem durch und durch konservativen Mädchengymnasium (erstaunlicherweise ist das hier ein nicht so großer Widerspruch, wie es scheint) wird das nicht gern gesehen. Nicht nur, dass Florian sehr viel älter ist als Ida, er ist auch noch Kommunist und hält damit nicht hinterm Berg. Ida bekommt mehrfach gesagt, dass sie damit ihre schulische Laufbahn aufs Spiel setzt. Aber wo die Liebe halt hinfällt.
WeiterlesenHistorische Romane
Peter Prange: Herrliche Zeiten 02: Dem Himmel so nah
Wieder mal eine höchst interessante Geschichtsstunde, die Peter Prange gekonnt in einem Roman verpackt hat. Geschichte zum Anfassen“. Europa vor dem Ersten Weltkrieg, der Kampf der Nationen um die Vorherrschaft, nicht nur bei alljährlichen Segelregatta, bei der die Jachten des englischen und des deutschen Königs um den Sieg wetteifern, die Herrschaft in den Kolonien und eben auch der Weg zum Ersten Weltkrieg. Spannend erzählt, authentisch, realistisch, aber auch emotional und empathisch, ernst und unterhaltsam geht die Geschichte um die drei Freunde, die sich vor inzwischen dreißig Jahren in Karlsbad im Grandhotel Pupp kennengelernt haben, weiter.
Vicky, Tochter eines wohlhabenden britischen Industriellen, Paul Biermann, Sohn eines erfolgreichen Bauunternehmers aus Berlin und Auguste Escoffier, damals noch voller Ideen und Visionen, inzwischen renommierter Sternekoch. „Der König der Köche und Koch der Könige“ wird er mittlerweile genannt. Vom Kochlehrling in Böhmen hat er es zum Sternekoch mit mehreren eigenen Restaurants in den Luxushotels der europäischen Metropolen geschafft. Inzwischen steht die Generation ihrer Kinder im Fokus der Erzählung, aber die „Alten“ sind nicht außen vor. Die Freundschaft der damals drei jungen Leute hat sich über die Grenzen hinweg gehalten, bewährt und ist immer enger geworden. Inzwischen gibt es auch verwandtschaftliche Beziehungen untereinander, in London, Berlin und Paris.
WeiterlesenHenrike Engel: Elbnächte: Schatten über St. Pauli
Ein spannender, gut und flüssig geschriebener Roman über die Zeit in Hamburg um 1910. Keine leichte Zeit für zwei alleinstehende Frauen, die versuchen müssen, sich ein neues Leben aufzubauen.
Im zweiten Teil der Dilogie haben Louise und Ella ihren Weg offenbar gefunden. Louise, die von ihrem betrügerischen Ehemann vor Kurzem mitten in der Nacht völlig mittellos in einem Hamburger Nobelhotel zurückgelassen worden war und nicht mal die Hotelrechnung begleichen konnte und Ella, der es gelungen war, aus Lemberg zu fliehen und ihrem Dasein als Prostituierte zu entkommen, nachdem ihre Eltern sie, im Glauben, ihrer Tochter ein besseres Leben zu ermöglichen, regelrecht verkauft hatten.
Die beiden jungen Frauen haben sich zufällig getroffen und sind beste Freundinnen geworden, die allerdings auch einiges verbindet, was man vielleicht nicht unbedingt publik machen sollte. Der Dritte im Bunde ist der ehemalige Polizist Paul, der die beiden ebenfalls zufällig getroffen und ihnen in einer prekären Situation geholfen hat. Inzwischen hat sich Louise eine Existenz als Besitzerin einer kleinen Bar auf St. Pauli eingerichtet, Ella arbeitet in einer Bäckerei und hilft aber auch abends in der „Bar fatal“ mit, in der Paul als Türsteher darauf achtet, dass den beiden Frauen nichts passiert.
WeiterlesenAndrea Günther: Die Gipfelstürmerin
kraftvoll – inspirierend
Das Matterhorn, einer der höchsten Berge der Alpen und meistfotografierte Touristenattraktion der Schweiz, fasziniert uns mit seiner besonderen Form. So sehr, dass man sogar im Disneyland Resort in Kalifornien eine maßstabsgetreue Nachbildung bewundern kann. Seit seiner Erstbesteigung vor mehr als 150 Jahren starben aber auch mindestens 500 Alpinisten bei dem Versuch, den Gipfel zu erklimmen.
Andrea Günther erzählt in ‚Die Gipfelstürmerin‘ von der Engländerin Lucy Walker, die am 22. Juli 1871 als erste Frau das Matterhorn bestieg.
WeiterlesenIny Lorentz: Der Krieger und die Königin
Soviel gleich vorweg: ich bin dieses Mal ein bisschen enttäuscht. Eigentlich finde die super recherchierten, gut geschriebenen historischen Romane von Iny Lorentz immer spannend und sehr interessant wegen des geschichtlichen Hintergrunds, aber diesmal waren es mir einfach zu viele Schlachten, Völker, Stämme, Gruppierungen, Namen, Verwandtschaftsbeziehungen …. als dass ich es leicht gefunden hätte, dem zu folgen. Man hätte einen Notizblock gebraucht, um sich mit Querverweisen „auf dem Laufenden“ zu halten, wer jetzt mit wem verwandt, verfeindet oder befreundet ist.
Das Cover zeigt eine schöne, junge Adlige vor gebirgiger Landschaft, aber bis man einen Rückschluss ziehen kann, dass es sich hier um die Langobarden-Prinzessin Waltrada handeln wird, vergeht viel Zeit. Knapp 600 Seiten umfasst der neue Roman, der eigentlich schon vor gut dreißig Jahren hätte veröffentlicht werden sollen, bis es zur angekündigten „Geschichte, die die Geschichte Deutschlands grundlegend veränderte“ kommt, sind wir schon im letzten Teil. Zwar taucht der Name Waltrada bis dahin das ein oder andere Mal auf, aber die wesentliche Rolle, die ihr dann letzten Endes zukommt, kann man daraus nicht unbedingt ableiten. Zum ersten Mal trifft Garibald, der Held und ruhmreiche Krieger dieses Epos‘ auf die Prinzessin, als sie (vermeintlich) von den gefürchteten Wolfsreitern bedroht wird. Garibald schreitet ein und „befreit“ sie, was er mit einer Verletzung bezahlt, die sie ihm mit einem Dolch zufügt.
WeiterlesenBuzzy Jackson: Wir waren nur Mädchen
Ich muss gestehen, der Name „Hannie Schaft“ hat mir zunächst einmal nichts gesagt. Ganz im Gegensatz zu Anne Franks ist die Geschichte des „Mädchens mit den roten Haaren“, das sein Leben dem Widerstand der Nazi-Besatzer in den Niederlanden opferte, um Freunde zu schützen und einfach nur zu helfen, eher wenig bekannt.
Geboren am 16. September 1920 als Jannetje Johanna Schaft in Haarlem, nahm Jo den Namen „Hannie“ an, als sie in Amsterdam anfing, Jura zu studieren. Ehrgeizig, fleißig, engagiert und mit Bestnoten. An der Universität lernte sie Sonja und Philine kennen, zwei jüdische Kommilitoninnen, die zu ihren besten Freundinnen wurden. Zunächst spielte es für die drei jungen Mädchen keine Rolle, dass Sonja und Philine Jüdinnen waren, erst als die deutschen Besatzer Ende 1940 immer schärfere Regeln für Juden in den Niederlanden durchsetzten, waren die beiden und ihre Familien in Gefahr. Hannie versuchte, zu helfen. Zunächst „besorgte“ sie den Freundinnen Personalausweise, die sie im Stadtbad in Spinden anderer junger Frauen geklaut hatte. Später machte sie das eher regelmäßig und half so jüdischen Mitbürgern. Außerdem half sie, Verstecke für sie zu organisieren. Sonja und Philine brachte sie wenig später nach Haarlem zu ihren Eltern, die sie damit einer riesigen Gefahr aussetzte, die ihre Tochter aber ohne Nachfrage unterstützten.
WeiterlesenEva-Maria Bast: Das Orangenblütenversprechen
Der Bau der Eisenbahnlinie von Soller nach Palma, Anfang des 20. Jahrhunderts bildet den Rahmen dieses emotionalen Familienromans um eine mutige junge Frau, die sich über viele Widerstände und alle Konventionen ihrer Zeit hinwegsetzt, um die Existenz der Orangenbauern in der Region Soller zu sichern. Ohne diese Eisenbahnlinie ist deren Existenz bedroht. Die Transportwege, entweder über den Coll de Soller, einen kurvigen, engen Gebirgspass oder über den Seeweg, waren risikoreich und wetterabhängig, damit auf Dauer kaum rentabel. Die Bahnlinie sollte den Transport erleichtern und die Wirtschaft von Soller ankurbeln. Doch der Bau drohte zunächst zu scheitern, weil es an Investoren mangelte, die bereit waren, den sehr teuren Bau mit vielen Tunneln zu finanzieren, aber auch die Widerstände der Händler in Palma groß waren. Maria kämpft um die Existenz der Plantagen, um die Zukunft der eigenen Familie und ihrer Freunde. Sie kämpft für ihre Region und scheut sich nicht, einflussreiche Männer persönlich aufzusuchen, um ihnen ihr Anliegen zu unterbreiten und sie um ihre Unterstützung zu bitten.
WeiterlesenKat Menschik/Volker Kutscher: Westend
Die Geschichte um den Kriminalkommissar Gereon Rath, der Ende der 20er und während der 30er Jahre in Berlin ermittelte, ist nach dem 10. Band endgültig und noch vor Beginn des Zweiten Weltkriegs zu Ende gewesen. Aber wie hat Gereon, wie hat Charlie, wie haben all die anderen diese Zeit überstanden?
Volker Kutscher lässt das in diesem Band Gereon selber erzählen. Dieser ist inzwischen ein alter Mann. Aber er erinnert sich noch sehr genau, auch wenn er das vor diesem Journalisten mit den vielen Fragen nicht immer zugeben mag. Obwohl es ihn selbst in den Westen verschlagen hatte, hatte er doch so einiges in Ostberlin zu erledigen. Dinge, über die er offenbar nicht gerne spricht. Und Dinge, die ganz grauenhaft schiefgelaufen sind, ob mit oder ohne seine Beteiligung. Denn seine Ex-Frau Charlie hatte sich in Ostberlin ein neues Leben aufgebaut, mit Mann und Sohn. Konnte er sich da wirklich so sehr raushalten wie er behauptet, oder ist er an der Verhaftung ihres Mannes in den 50ern doch beteiligt gewesen? Wie gesagt, er spricht nicht gerne darüber. Weiterlesen
Nick Stein: Die Bierhexe
Es ist das Jahr 1151. Die 14-jährige Amalia genießt ihre erwachende Spiritualität, ihr Leben im Einklang mit der Natur und sie lernt von ihrer Tante Elisabeth allerlei Wissenswertes über die Heilkraft der Pflanzen aber auch über das Bierbrauen. Weil ihre Eltern sie mit dem Sohn eines Schweinebauern verheiraten wollen, keimen in ihr Gedanken zur Flucht auf. Als dann auch noch ihr Bruder Johann in einen Kreuzzug Richtung Jerusalem gezwungen werden soll, machen sie sich gemeinsam auf den Weg nach Bremen. Amalias Wunsch ist es, einmal die berühmte Heilerin Hildegard von Bingen zu treffen. Ein Unglück verschlägt sie auf die Winzenburg, wo sie Bekanntschaft mit dem Bischof von Hildesheim macht. Das von Amalia eigens für ihn gebraute Heilbier scheint zu helfen, doch als seine Lebensgeister wieder erstarken und Amalia seine Avancen zurückweist, muss sie sich fortan auch vor seinem Einfluss verbergen. Im Paulskloster findet sie Unterschlupf und braut ihr erstes eigenes Starkbier, was mach einer ihr missgönnt. Nur in dem Henker Gernot, der nebenher als Bader tätig ist, findet sie einen Freund. Weiterlesen
Michael Römling: Die Stadt der Auserwählten
Ein historisch fundierter, fesselnd geschriebener Roman über eine Zeitspanne von weniger als zwei Jahren, in denen die Stadt Münster das wohl willkürlich gewählte Zentrum der sogenannten Wiedertäufer war, eine eigentlich von der Grundeinstellung friedliche religiöse Gemeinschaft, die in Münster „das neue Jerusalem“ errichten wollten, in dem sie das nahende Ende der Welt erwarten wollten. Die Zahl ihrer Anhänger wuchs stetig und bald kam es in der Stadt zu Konflikten, die später nicht mehr gewaltlos waren. Aus Bürgern, die bisher friedlich zusammengelebt und gearbeitet hatten, wurden recht schnell Konkurrenten – im Glauben wie im alltäglichen Leben. Es kam zu blutigen Auseinandersetzungen, zur Belagerung der Stadt durch den Bischof und seine Truppen, zur Verteidigung im Innern.
Das ist das Setting für Michael Römlings neuen Roman. Jakob, Vertrauter der Brüsseler Statthalterin Maria, der Schwester des Kaisers, bekommt von ihr den Auftrag, ein junges adliges Mädchen nach Hause zurückzuholen, das sich – man könnte sagen aus Übermut oder Langeweile – dem wohl charismatischen Anführer der Wiedertäufer angeschlossen hat und mit ihm aus den Niederlanden verschwunden ist. Weiterlesen






