Regine Kölpin erzählt die Geschichte von Esther, einer jungen, engagierten Hebamme, die für die werdenden Mütter, die Wöchnerinnen und ihre Neugeborenen gerne einige Veränderungen erreichen möchte. Leider stößt sie im harten Klinikalltag in der Wesermarsch, wo sie sich gerade in der Probezeit befindet, immer wieder auf den Widerstand und den Widerwillen ihrer Vorgesetzten. Schwester Helma hält streng am Alten fest und ist Esthers Ideen gegenüber alles andere als aufgeschlossen. Es kommt so weit, dass Esther ihre Stelle verliert und nun auf sich gestellt, ohne viele Menschen in der Wesermarsch zu kennen, weil sie erst seit Kurzem dort lebt, zurechtkommen muss. Das gelingt ihr mit Hilfe einer erfahrenen älteren Hebamme, die seit Langem für Neuerungen und Verbesserungen kämpft. Als freie Hebamme hat sie es damit nicht leicht.
WeiterlesenHistorische Romane
Beate Maly: Die Trümmerschule: Jahre der Kinder
Im zweiten Band der kleinen Reihe um die junge jüdische Lehrerin Stella stehen die Schicksale der Kinder und Jugendlichen im Mittelpunkt, denen es noch kurz vor Ende des Krieges gelungen ist, vor der Einberufung zu fliehen bzw. der Kinder, die damals in Heimen lebten und Grausamkeiten ertragen mussten, von denen wir kaum eine Vorstellung haben. Inzwischen kommen immer mehr dieser Vorgänge in Heimen – nicht nur in Österreich – ans Licht, aber leider können kaum noch Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen werden. Beispielhaft werden hier die Schicksale zweier Jungen geschildert, die sich zufällig in einem Zug begegnen. Beide auf der Flucht: Günther auf der Flucht vor der Einberufung, Bruno auf der Flucht vor dem Heim. Bruno ist völlig mittellos und läuft im Zug bereits Gefahr, erwischt zu werden, weil er keinen Fahrschein hat. Günther greift ein, zahlt die Fahrkarte, und beide gehen den gefährlichen weiteren Weg gemeinsam.
WeiterlesenElke Becker: Die Erfinderin der Freiheit
Der Glaube an den Fortschritt und sich selbst, daran, dass man etwas erreichen kann, wenn man nicht aufgibt. Dass man große Träume verwirklichen kann. Der stetige Kampf gegen die Dominanz der Männer in der Gesellschaft, die Rückschläge, die Frauen immer wieder hinnehmen mussten, die alltäglichen Probleme, die es so schwer machten, den Glauben an sich selbst und eben sich selbst nicht aufzugeben. Das sind die Themen, die hier in diesem historischen Roman um vier junge Frauen, die jeden Tag kämpfen müssen, um ihre Wohnung bezahlen zu können, sich in ihrem Job zu beweisen und dabei nicht vergessen, dass sie Träume haben, die sie verwirklichen wollen, behandelt werden. Christine und ihre Freundinnen Julia, Lotta und Amalie stehen im Mittelpunkt dieses historischen Romans, der Fakten und Fiktionen gekonnt und spannend zu einer Geschichte spinnt, die uns an den Anfang des 20. Jahrhunderts nach Dresden führt.
WeiterlesenSusanne Lieder: In der Liebe wollen wir frei sein
Gerade mal gut fünfzig Jahre sind im Rückblick keine lange Zeit, aber wenn man sich in Erinnerung ruft, was sich in den letzten 50, 55 Jahren gerade für Frauen alles verändert hat, könnte man meinen, man rede von einem lange vergangenen Jahrhundert. Bis Mitte der 1970er-Jahre durften Frauen ja eigentlich kaum etwas selbstständig und alleine für sich entscheiden. Sei es, ein Konto eröffnen, einer beruflichen Tätigkeit nachgehen, den Führerschein machen, Verträge abzuschließen – all das musste vom Vater oder Ehemann genehmigt werden. Als 1971 in Paris eine viel beachtete Demonstration stattfand, bei der sich Frauen dazu bekannten, abgetrieben zu haben, kam ein Stein ins Rollen.
Die Journalistin Alice Schwarzer, die damals als Korrespondentin in Frankreich gearbeitet hat, hatte sich dieses Themas angenommen und diese Demonstration initiiert. In der Folge erschien ein ebenso aufrüttelnder Artikel von ihr zu diesem Thema im „Stern“. Das Titelblatt mit den Fotos von prominenten und anderen Frauen, die offen erklärten „Wir haben abgetrieben“ und sich damit strafbar machten, haben viele bestimmt noch in Erinnerung.
WeiterlesenMechtild Borrmann: Lebensbande
Schicksale dreier Frauen in einem etwas emotionsarmen Roman
Das Buch schildert auf Basis der Erinnerungen von Zeitzeugen die Erlebnisse von drei Frauen in der Zeit vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Drei Frauen, die wohl mehr oder weniger typisch sind für das, was damals vielen Menschen geschah, und für die Folgen, die das für ihr weiteres Leben hatte.
Mechtild Borrmann, deren Romane „Trümmerkind“ und „Feldpost“ ich ungemein spannend und emotional fand, erzählt hier auf mehreren Zeitebenen. Es beginnt in der Zeit kurz nach dem Mauerfall mit der Erzählperspektive einer zunächst noch namenlosen älteren Frau. Sie lebt allein mit ihrem Hund, hat einen Garten und wenig Kontakt, abgesehen von einem befreundeten Ehepaar. Sie schweigt zu ihrer Vergangenheit, wofür sie, wie sich später herausstellt, einen guten Grund hat.
WeiterlesenAnna Thaler: Die Papierschöpferin
Ein spannender, historisch gut recherchierter Roman über die Papierherstellung und die Mitte des 15. Jahrhunderts noch recht junge Kunst des Buchdrucks, verpackt in die Geschichte einer jungen Frau, die von heute auf morgen vor der Aufgabe steht, sich nicht nur um ihre jüngeren Geschwister, sondern auch um den Fortbestand der elterlichen Papiermühle kümmern zu müssen, nachdem ihr Vater von einer geschäftlichen Reise nach Venedig nicht zurückgekommen ist. Er sei an der Pest gestorben, sagt man Sofia. Doch sie hat von Anfang an Zweifel und würde lieber heute als morgen aufbrechen, um die wahren Umstände des Todes ihres Vaters in Venedig aufzuklären und zu erfahren, was er dort genau gemacht hatte. Zunächst können Sofia und ihre Geschwister noch auf die Unterstützung der Nachbarn aus dem Dorf rechnen, doch das hat ein jähes Ende, als Sofia und Matteo, der Sohn des mächtigsten Papiermühlenbesitzers der Region, sich weigern zu heiraten.
WeiterlesenElisabeth Sandmann: Wir dachten, das Leben kommt noch
1940 gründete der britische Premierminister Winston Churchill die „Special Operations Executive“, kurz SOE genannt. Eine spezielle Einsatzgruppe, die in allen von der Wehrmacht besetzten Gebieten aktiv war, so auch in Frankreich, wo sie als Sektion F bekannt war. Winston Churchill wollte damals die Nationalsozialisten und Faschisten in Europa vollständig vernichten, wofür – schon im eigenen Interesse der Briten – der Widerstand im besetzten Frankreich gestärkt werden musste. Allein auf die Unterstützung der Résistance wollte er sich dabei allerdings nicht verlassen.
Das Besondere an dieser neuen Organisation, der SOE, war, dass zum ersten Mal auch Frauen angeworben und aufgenommen wurden. Sie wurden gemeinsam mit ihren männlichen Kollegen und ebenso intensiv für Kampfhandlungen ausgebildet. Das hatte es in herkömmlichen Agentennetzwerken bisher nicht gegeben. Doch Frauen waren im Einsatz unauffälliger als Männer, hatten andere Möglichkeiten, an Informationen zu kommen oder zum Beispiel Sprengstoff für geplante Anschläge unter Kartoffeln im Einkaufskorb oder im Kinderwagen verborgen zu transportieren. Die Frauen der Sektion F haben Wesentliches zum Sieg über die Wehrmacht beigetragen, doch Erwähnung fanden ihre mutigen und lebensgefährlichen Einsätze kaum.
WeiterlesenElisa Jakob: Queen Victoria
Wer sich für das viktorianische Zeitalter interessiert, aber nicht nur Geschichtsbücher wälzen möchte, wird hier aufs Beste informiert. Leben und Wirken von Queen Victoria werden in dieser Romanbiografie sehr anschaulich und fesselnd beschrieben.
„Wäre ich nicht die, die ich bin, dann wäre dies mein richtiges Zuhause geworden, aber für mich wird es immer mein zweites sein“, soll Queen Victoria über das kleine Schloss Rosenau in der Nähe der Residenzstadt Coburg gesagt haben. Hier und im Herzogtum Coburg fühlte sie sich wohl; dort hat sie mit Albert, ihrem Mann, dem Prinzen von Sachsen-Coburg und Gotha, glückliche Tage verbracht, die beide immer als die schönsten bezeichneten. In Schloss Rosenau wurde übrigens eigens für den Besuch der Queen und ihres Gatten 1860 ein Wasserklosett eingebaut – eine neumodische Erfindung, die Königin Victoria begeisterte und die sie bereits zur „Great Exhibition“ 1851 in London im berühmten Kristallpalast hatte einbauen lassen, um die Hygiene und damit die Gesundheit zu verbessern, in einer Zeit, in der immer noch Epidemien und Infektionen Tausende Menschenleben forderten, weil der Zugang zu sauberem Trinkwasser und eine hygienische Abwasserentsorgung fehlten. Die Gesundheit ihrer Untertanen lag Victoria am Herzen.
WeiterlesenLisa Graf: Lindt & Sprüngli 02: Zwei Rivalen, ein Traum
Wissen Sie, was „conchieren“ bedeutet? Ich konnte es bisher nicht wirklich erklären, wusste nur, dass es was mit der Geschmeidigkeit der Schokolade zu tun hat, – wie man es in der Werbung für „Lindt-Schokolade“ immer wieder hört. Beim Lesen dieses historisch so fundierten wie fesselnd geschriebenen Roman aus Fakten und Fiktion wurde es dann zu einem zentralen Thema, als nämlich Rudolf – oder Rodolphe, wie er sich inzwischen französisch geprägt nennt – in mühevollen und kräftezehrenden, wochen- oder sogar monatelangen Tests versucht, eine noch bessere, zartere, geschmacklich überzeugendere Schokolade herzustellen als bisher seine Onkeln Kohler, oder Suchard, Cailler oder Sprüngli, die zu diesem Zeitpunkt schon einen klangvollen Namen in der Riege der Chocolatiers hatten. Lange hat Rudolf Lindt nicht gewusst, was ihn wirklich interessiert, was er beruflich machen möchte. In der Schule war er nicht schlecht, aber auch kein ehrgeiziger Schüler, Pharmazie oder Medizin interessierten ihn nicht, die Apotheke seines in Bern renommierten Vaters zu übernehmen oder gar Arzt zu werden wie vor ihm sein beliebter Großvater, kam für ihn nicht in Frage.
WeiterlesenSabine Ebert: Der Silberbaum: Das Ende der Welt
Akribisch recherchiert, hervorragend umgesetzt, spannend erzählt. Ein Roman, der die mittelalterliche Geschichte sehr lebendig darstellt, Fakten und Fiktion gekonnt verwoben.
Im zweiten Teil der „Silberbaum“-Trilogie erleben wir mit, wie der noch junge Fürst Markgraf Heinrich von Meißen und Landgraf von Thüringen sich der Bedrohung durch eine riesige Tartarenhorde stellen muss und diese Herausforderung dank der Unterstützung seiner Gefolgsleute, Freunde und Vertrauten meistert. Wir erleben glanzvolle Zeiten am Hof in Meißen und lernen Heinrich und seine Frau Konstanze als mildtätige Herrscher und Förderer der Städte in seiner Grafschaft kennen. Der viel zu frühe Tod seiner Frau trifft Heinrich tief, lange verfällt er in Schwermut und tut sich schwer, eine neue Ehe einzugehen. Auch die Aussicht, seinen Erstgeborenen mit der Tochter Kaiser Friedrichs vermählen zu können, wird jäh gedämpft, als der Papst den Kaiser für abgesetzt erklärt und Heinrich sich zwischen der Treue zu seinem Kaiser und der Kirche entscheiden muss. In dieser Zeit erlebt er Verrat und Missgunst, auch in der eigenen Familie. Doch er kann sich immer auf seine engen Freunde Marthe, Thomas, Christian, Änne, Marek und Milena verlassen, die ihn durch alle Höhen und Tiefen begleiten.
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