Elisabeth Sandmann: Wir dachten, das Leben kommt noch

1940 gründete der britische Premierminister Winston Churchill die „Special Operations Executive“, kurz SOE genannt. Eine spezielle Einsatzgruppe, die in allen von der Wehrmacht besetzten Gebieten aktiv war, so auch in Frankreich, wo sie als Sektion F bekannt war. Winston Churchill wollte damals die Nationalsozialisten und Faschisten in Europa vollständig vernichten, wofür – schon im eigenen Interesse der Briten – der Widerstand im besetzten Frankreich gestärkt werden musste. Allein auf die Unterstützung der Résistance wollte er sich dabei allerdings nicht verlassen.

Das Besondere an dieser neuen Organisation, der SOE, war, dass zum ersten Mal auch Frauen angeworben und aufgenommen wurden. Sie wurden gemeinsam mit ihren männlichen Kollegen und ebenso intensiv für Kampfhandlungen ausgebildet. Das hatte es in herkömmlichen Agentennetzwerken bisher nicht gegeben. Doch Frauen waren im Einsatz unauffälliger als Männer, hatten andere Möglichkeiten, an Informationen zu kommen oder zum Beispiel Sprengstoff für geplante Anschläge unter Kartoffeln im Einkaufskorb oder im Kinderwagen verborgen zu transportieren. Die Frauen der Sektion F haben Wesentliches zum Sieg über die Wehrmacht beigetragen, doch Erwähnung fanden ihre mutigen und lebensgefährlichen Einsätze kaum.

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Elisa Jakob: Queen Victoria

Wer sich für das viktorianische Zeitalter interessiert, aber nicht nur Geschichtsbücher wälzen möchte, wird hier aufs Beste informiert. Leben und Wirken von Queen Victoria werden in dieser Romanbiografie sehr anschaulich und fesselnd beschrieben.

„Wäre ich nicht die, die ich bin, dann wäre dies mein richtiges Zuhause geworden, aber für mich wird es immer mein zweites sein“, soll Queen Victoria über das kleine Schloss Rosenau in der Nähe der Residenzstadt Coburg gesagt haben. Hier und im Herzogtum Coburg fühlte sie sich wohl; dort hat sie mit Albert, ihrem Mann, dem Prinzen von Sachsen-Coburg und Gotha, glückliche Tage verbracht, die beide immer als die schönsten bezeichneten. In Schloss Rosenau wurde übrigens eigens für den Besuch der Queen und ihres Gatten 1860 ein Wasserklosett eingebaut – eine neumodische Erfindung, die Königin Victoria begeisterte und die sie bereits zur „Great Exhibition“ 1851 in London im berühmten Kristallpalast hatte einbauen lassen, um die Hygiene und damit die Gesundheit zu verbessern, in einer Zeit, in der immer noch Epidemien und Infektionen Tausende Menschenleben forderten, weil der Zugang zu sauberem Trinkwasser und eine hygienische Abwasserentsorgung fehlten. Die Gesundheit ihrer Untertanen lag Victoria am Herzen.

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Lisa Graf: Lindt & Sprüngli 02: Zwei Rivalen, ein Traum

Wissen Sie, was „conchieren“ bedeutet? Ich konnte es bisher nicht wirklich erklären, wusste nur, dass es was mit der Geschmeidigkeit der Schokolade zu tun hat, – wie man es in der Werbung für „Lindt-Schokolade“ immer wieder hört. Beim Lesen dieses historisch so fundierten wie fesselnd geschriebenen Roman aus Fakten und Fiktion wurde es dann zu einem zentralen Thema, als nämlich Rudolf – oder Rodolphe, wie er sich inzwischen französisch geprägt nennt – in mühevollen und kräftezehrenden, wochen- oder sogar monatelangen Tests versucht, eine noch bessere, zartere, geschmacklich überzeugendere Schokolade herzustellen als bisher seine Onkeln Kohler, oder Suchard, Cailler oder Sprüngli, die zu diesem Zeitpunkt schon einen klangvollen Namen in der Riege der Chocolatiers hatten. Lange hat Rudolf Lindt nicht gewusst, was ihn wirklich interessiert, was er beruflich machen möchte. In der Schule war er nicht schlecht, aber auch kein ehrgeiziger Schüler, Pharmazie oder Medizin interessierten ihn nicht, die Apotheke seines in Bern renommierten Vaters zu übernehmen oder gar Arzt zu werden wie vor ihm sein beliebter Großvater, kam für ihn nicht in Frage.

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Sabine Ebert: Der Silberbaum: Das Ende der Welt

Akribisch recherchiert, hervorragend umgesetzt, spannend erzählt. Ein Roman, der die mittelalterliche Geschichte sehr lebendig darstellt, Fakten und Fiktion gekonnt verwoben.

Im zweiten Teil der „Silberbaum“-Trilogie erleben wir mit, wie der noch junge Fürst Markgraf Heinrich von Meißen und Landgraf von Thüringen sich der Bedrohung durch eine riesige Tartarenhorde stellen muss und diese Herausforderung dank der Unterstützung seiner Gefolgsleute, Freunde und Vertrauten meistert. Wir erleben glanzvolle Zeiten am Hof in Meißen und lernen Heinrich und seine Frau Konstanze als mildtätige Herrscher und Förderer der Städte in seiner Grafschaft kennen. Der viel zu frühe Tod seiner Frau trifft Heinrich tief, lange verfällt er in Schwermut und tut sich schwer, eine neue Ehe einzugehen. Auch die Aussicht, seinen Erstgeborenen mit der Tochter Kaiser Friedrichs vermählen zu können, wird jäh gedämpft, als der Papst den Kaiser für abgesetzt erklärt und Heinrich sich zwischen der Treue zu seinem Kaiser und der Kirche entscheiden muss. In dieser Zeit erlebt er Verrat und Missgunst, auch in der eigenen Familie. Doch er kann sich immer auf seine engen Freunde Marthe, Thomas, Christian, Änne, Marek und Milena verlassen, die ihn durch alle Höhen und Tiefen begleiten.

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Anne Stern: Die weiße Nacht

Soviel vielleicht gleich vorweg: Dieser tiefgehende, oft beklemmende, ruhig erzählte Kriminalroman ist nichts für Leserinnen und Leser, die auf schnelle Wendungen, viel Action und möglichst kurze Kapitel stehen. Anne Stern versteht es wieder einmal, die Lesenden mitzunehmen in eine Atmosphäre, die eher düster ist und manchmal hoffnungslos scheint. Berlin im zweiten Hungerwinter, Dezember 1946. Die Stadt liegt in Trümmern, Ruinen bestimmen das Bild; daran ändert auch die dichte Schneedecke nichts, die das darunterliegende Elend zudeckt.

Die Menschen leiden Hunger und Not, haben oft noch immer kein Dach über dem Kopf, leben von dem, was sie auf dem Schwarzmarkt tauschen oder sonst wie ergattern können. Tote gehören noch immer zum Alltag, doch diese junge Frau, die die Fotografin Marielouise „Lou“ Faber im Schnee in den Ruinen entdeckt, als sie wieder einmal mit ihrer Kamera auf Streifzug ist, passt hier nicht ins Bild. Etwas an der Art, wie die Leiche der jungen Frau abgelegt worden ist, irritiert Lou. Noch kann sie nicht greifen, woran sie das erinnert, aber es lässt sie nicht los.

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Lena Johannson: Aufgeben können die anderen

„Wer aufgibt, hat schon verloren“, dieser Satz wird schon früh zum Leitmotiv der jungen Alice, die als junges Mädchen nicht nur ihre Leidenschaft fürs Schwimmen entdeckt. Alice wächst mit ihren Geschwistern in Nantes auf als Tochter eines gut gestellten Lebensmittelhändlers, schwimmen bringt ihr Joseph bei, mit dem sie bald auch mehr als die Leidenschaft für den Sport teilt. Als Joseph, der auf keinen Fall den Friseursalon der Eltern übernehmen möchte, eine Stelle als kaufmännischer Angestellter in England annimmt, bewirbt auch Alice sich auf eine Stelle als Hauslehrerin. Ihr Englisch ist zu diesem Zeitpunkt zwar noch recht holprig, die Stelle bekommt sie dennoch. Mit der Familie ist sie viel auf Reisen, lernt andere Länder und Kulturen kennen, ihr Englisch wird makellos und ihre Liebe zum Sport, sei es Schwimmen, Hockey oder Rudern, hilft ihr immer wieder, Kraft zu tanken. In England, wo man um 1900 bereits fortschrittlicher war als in Frankreich, erfährt sie auch, dass Frauen nicht „im Geheimen“ Sport treiben müssen, sondern es durchaus Vereine gibt, die Frauen unterstützen. Dort macht sie erste Bekanntschaft mit dem Feminismus. Mit Joseph kehrt Alice 1907 nach Nantes zurück, aber ihre gemeinsame Zukunft währt nur kurz. Joseph erkrankt schwer und verstirbt wenig später. Alice bleibt nicht in Nantes, alleine möchte sie da nicht mehr leben. Sie übersiedelt nach Paris, wo sie sich sehr intensiv den Belangen des Frauensports widmet. Sie findet Unterstützer, muss aber immer wieder auch gegen Widerstände ankämpfen und Rückschläge hinnehmen.

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Patricia Eckermann, James A. Sullivan: Die mutige Rebellin: Rosa Parks

Es ist vor allem ein Roman, aber es ist auch die Geschichte der Bürgerrechtsbewegung in den amerikanischen Südstaaten, für die der Name „Rosa Parks“ seit inzwischen siebzig Jahren steht. Rosa Parks wurde zum Gesicht der Aktivisten, als sie sich am 1. Dezember 1955 abends im Bus weigerte, ihren Platz für einen Weißen zu räumen. Dieser Widerstand war zwar so nicht geplant, Rosa war einfach müde, hatte einen langen Tag hinter sich und immer wieder die Erniedrigung durch weiße Busfahrer hinnehmen müssen, denen es Spaß machte, ihre Macht gegenüber den schwarzen Fahrgästen auszuspielen. Im Bus durften Schwarze nur in den hinteren Reihen Platz nehmen, sie mussten auf jeden Fall Weißen Platz machen – und sich immer wieder schikanieren lassen.

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Marie Lacrosse: Montmartre: Traum und Schicksal

Auch der zweite Teil der Dilogie um Valérie Dumas und Elise Lambert gibt wieder einen sehr realistischen, gut recherchierten und fundiert geschilderten Einblick in die Lebensumstände in Paris im ausgehenden 19. Jahrhundert. Diesmal geht der Blick vor allem auf die Situation der Frauen. Zum einen auf jene Frauen, die wie Valérie darum kämpfen, sich als eigenständige Frau und /oder als Künstlerin zu behaupten, was beides gleichermaßen schwierig war. Valérie hatte zwar das Privileg an einer der Akademien eine Ausbildung als Malerin zu absolvieren, die ausnahmsweise auch mal eine Frau in ihre Klasse aufgenommen hat, aber schon mit ihrer Abschlussarbeit musste sie erfahren, dass Frauen keineswegs malen durften, was und wie sie es wollten, sondern einem strengen Diktat unterworfen waren.

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Anna Husen: Lübecks Töchter: Der Traum von Bildung und Freiheit

Frauenbildung und Emanzipation sind die zentralen Themen in Anna Husens sehr realistisch geschildertem ersten Teil ihrer Reihe um „Lübecks Töchter“, die Lehrerinnen Clara und Amélie, die gemeinsam mit ihrer älteren Schwester Pauline, die aber nur eine Randfigur spielt, in Lübeck eine „Schule für höhere Töchter“ leiten.

Amélie kommt nach dem Abschluss an einem der noch sehr seltenen Lehrerinnenseminare in Hamburg zurück in ihre Heimatstadt Lübeck und unterrichtet gemeinsam mit den Schwestern. Eine solche Schule, an der Mädchen mehr lernen als Lesen und Schreiben, Rechnen oder Handarbeit, ist noch immer etwas Besonderes. Ende des 19. Jahrhunderts war es nicht üblich, Mädchen und jungen Frauen auch in Naturkunde, Naturwissenschaften und Sprachen zu unterrichten. Es reichte völlig aus, wenn ein junges Mädchen in der Lage war, einen Haushalt zu führen, Kinder zu erziehen und leichte Konversation zu betreiben, schließlich sollte es ja nicht selbst für seinen Unterhalt sorgen, sondern eine, oft von den Eltern arrangierte Ehe eingehen. Die Schwestern Roquette wollen das ändern. Sie wollen jungen Mädchen und Frauen den Zugang zu mehr Bildung ermöglichen und außer ihrer Schule ein Lehrerinnenseminar einrichten, wie Amélie es in Hamburg kennengelernt und absolviert hat.

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Melanie Metzenthin: Die Psychoanalytikerin

Hamburg, 1920. Die Nachwehen des Ersten Weltkriegs sind noch überall zu spüren. Auch in der Praxis der Psychoanalytikerin Vera Albers, die überwiegend durch Kriegserfahrungen traumatisierte Menschen behandelt. Als Hermann Braun, einer ihrer Patienten, ermordet wird, beginnen Kommissar Karl Bender und Kriminalanwärter Abel Bernstein auch in ihrer Praxis zu ermitteln. Schnell weitet sich der Fall aus: Es gibt weitere Opfer, die alle Soldaten im selben Regiment waren. Unversehens ist Vera selbst Teil der Ermittlungen, als Willy Schuster verschwindet – auch er Mitglied dieses Regiments und Ehemann Johanna Schusters, einer ihrer Patientinnen. Wird auch er zum Opfer eines unbekannten Rächers? Oder ist er selbst der Täter? Was ist das Motiv? Die ermittelnden Kommissare hoffen, mit Veras Hilfe die mysteriösen Morde aufklären zu können.

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