Cilla u. Rolf Börjlind: Schatten über dem Wald

Es beginnt schaurig: Jemand beobachtet ein seltsames Ritual auf einem Felsplateau; ein Blinder geht mit seiner Begleitung durch ein stilles Dorf, beobachtet durch den schmalen Spalt einer Jalousie; der Schrei einer Frau gellt durch die Nacht; ein Wolf heult auf dem Felsplateau.

Dann beginnt der Fall: In einem riesigen Ameisenhaufen wird eine männliche Leiche ohne Kopf entdeckt. Die örtliche Polizei aus Strömsund beginnt in dem kleinen Dorf Slagtjärn in den Tiefen der schwedischen Wälder zu ermitteln, während in dem Dorf die Angst umgeht und eine Bürgerwehr gebildet wird.

Emmy Sunna, die örtliche Polizeiassistentin, wird durch Olivia Rönning unterstützt, die Kennern der Krimireihe des Autorenpaares Börjlind bestens vertraut ist. Zunächst gibt es keinerlei Spuren, keinerlei nennenswerte Ansatzpunkte.

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Kai Meyer: Das Antiquariat am alten Friedhof

Ein weiterer Roman um das Graphische Viertel in Leipzig

Kai Meyers Romane, die sich stets um außergewöhnliche oder auch gefährliche Bücher drehen, sind meist fesselnd, stets dramatisch und immer voller historischer Ereignisse. So auch der neue Band, dessen Handlung sich von 1930 bis 1945 spannt und der nicht nur in Leipzig, sondern auch in der Ägäis oder in Amalfi spielt.

Im Mittelpunkt steht Felix, der 1930 als gerade Zwanzigjähriger Teil einer Gruppe junger Männer ist, die sich regelmäßig im Antiquariat ihres Freundes Vadim treffen. Die anderen beiden sind Julius und Eddie. Alle kommen aus gut situierten Familien, vertreiben sich die Zeit mit Diskussionen über Literatur und mit dem Stehlen von Büchern, die Vadim wiederum in seinem Laden unter der Hand weiterverkauft, um das Antiquariat halbwegs am Leben zu erhalten.

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Emiko Jean: The Return of Ellie Black

Ich sage ja selten etwas zu Covern, aber dieses hier hatte auf den ersten Blick deutliche Ähnlichkeiten zum Cover von „A Good Girl’s Guide to Murder“, was mich letztlich auch zum Kauf verführt hat. Es ist aber ganz anders – vom Aufbau, von der Geschichte – und es ist schon gar kein Roman aus Teenagersicht.

Als Ellie Black vor zwei Jahren nach einer Teenagerparty verschwand, war es Chelsey Calhouns Fall. Jetzt taucht Ellie plötzlich wieder auf: verstört, schweigend, anscheinend unverletzt. Chelsey möchte unbedingt herausfinden, was ihr genau zugestoßen ist, denn Jahre zuvor verschwand ihre eigene Schwester auf die gleiche Art und Weise, und diese tauchte nie wieder auf. Auf der einen Seite Ellie, bei der man sich lange fragt, warum sie so hartnäckig schweigt und die immer noch wie ein Teenager agiert, auf der anderen Seite die erfahrene und bodenständige Ermittlerin Chelsey Calhoun. Die beiden passen als Protagonistinnen sehr gut zusammen und sind mal etwas anderes als die dauernden Ermittlerteams.

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Kaylie Smith Enchantra: Verrate die Liebe, rette dein Herz

Genevieves Weg auf der Suche nach ihren Wurzeln führt sie nach Italien. Vor ihr erstreckt sich ein verwunschenes Anwesen. Enchantra ist wunderschön, aber auch absolut tödlich – was sie noch nicht weiß, als sie beschließt, trotz aller Warnungen hineinzugehen. Nun ist sie hier gefangen. Wenn sie überleben will, muss sie Rowin heiraten, denn als Paar haben sie gemeinsam eine Chance, das Spiel lebend zu verlassen.

Endlich eine Geschichte aus Genevieves Sicht. Ich habe mich sehr auf diese gefreut, vor allem nachdem mir Phantasma so unglaublich gut gefallen hat. Auch hier gibt es wieder einiges an Magie und Action. Man lernt die Familie Silver und ihren Fluch gut kennen und fragt sich bald, ob dieser oder Phantasma schlimmer ist.

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Edvard Hoem: Die Hausmamsell

Der norwegische Autor Edvard Hoem schreibt zu Beginn seiner Einleitung an seine Leser, wie er beschloss, genug über das Leben seiner Ahnen geschrieben zu haben. In den vergangenen Jahren stellte er uns seine Urahnin vor, die eigenständig ihren Lebensunterhalt als Hebamme verdient hatte. Ein weiterer Vorfahr wurde während seiner fünfjährigen Gefangenschaft bei den Engländern Geigenbauer, ein anderer liebte das Heumachen.

Völlig unerwartet übernahm die Erinnerung an Julie Elisabeth Hoem, die jüngste Tochter des Geigenbauers, die Regie über ein neues Buchprojekt. Es begann eine schwierige und nahezu unmögliche Recherche, denn über Julie fanden sich nur sehr wenige Spuren. Sie tauchte zum Beispiel 1865 in einer Volkszählung auf oder in zwei Inseraten, in denen sie 1894 ihre Dienste als erfahrene Haushaltshilfe anbot. Sie starb im Februar 1911 in dem Bergener Altenheim „Alders Hvile“ (Frieden des Alters). Zwei Jahre benötigte Edvard Hoem für seine historische Liebeserklärung an Julie Elisabeth Hoem, die nicht wie ihre viel zu früh verstorbene Mutter im kalten Fjordwasser Klippfisch waschen wollte, um ihre Familie satt zu bekommen.

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Stewart O’Nan: Abendlied

Der amerikanische Schriftsteller Stewart O’Nan hat bislang zahlreiche, von der Kritik gefeierte Romane verfasst. In unserem Leselustportal ist eine weitere Rezension zu seinem 2022 erschienenen Roman „Ocean State“ zu finden.

Sein neuer Roman „Abendlied“ ist im Gegensatz zu „Ocean State“ eine ruhige Geschichte, was wohl an den betagten Hauptfiguren liegt.

„Abendlied“ ist in O’Nans Geburtsort Pittsburgh, Pennsylvania, angesiedelt. Hier haben sich mehrere betagte Damen zu einer Selbsthilfeorganisation zusammengefunden und den „Humpty-Dumpty-Club“ gegründet. Ihr Hauptanliegen ist es, sich gegenseitig und weitere alte Menschen zu unterstützen, damit alle noch möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben führen können. Im Laufe der Jahre sind einige vertraute Personen gegangen, andere kamen dazu.

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Fabian Kowallik & Gamze Kılıçarslan: Das originale Gottesnahrung-Kochbuch

Zwischen Natur, Körperwissen & Rebellion

Dieses Buch will nicht gefallen. Es stellt Gewohnheiten infrage. Präzise und ohne Rücksicht auf deine Komfortzone. Es zielt auf all das, was du über „gesunde Ernährung“ zu wissen glaubst. Und ja: auf das, was wir unserem Körper über Jahre zugemutet haben.

Der Satz: „Wenn die Oma es nicht kennt, ist es ein verarbeitetes Lebensmittel und hat im menschlichen Organismus nichts zu suchen“ (S. 43) ist hier kein nostalgischer Spruch, sondern eine Anklage gegen industrielle Normalität. Eine, die uns zwingt, Ehrlichkeit und Verantwortung wieder über unsere Bequemlichkeit zu stellen.

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Miriam Rademacher: Banshee Livie 11: Überleben für Erstsemester

Livie lernt eine weitere Verwandte der Harrowmores kennen: Eine bislang noch nicht aufgetauchte alte Dame kommt zu Besuch und verteilt gefährliche Geschenke, um – wie sich herausstellt – die Banshee aus der Reserve zu locken. Ihr zu Gefallen reist Livie gemeinsam mit Millie in der Zeit zurück, um auf dem Universitätscampus von Durbridge herauszufinden, was damals mit den beiden verschwundenen Söhnen geschah und vor allem, wer von den beiden den Erben gezeugt hat.

Sehr bald stellt sich heraus, dass in Durbridge das Böse umgeht und die beiden Jungen nicht die Einzigen sind, die verschwinden. Brisant ist, dass außer den beiden Harrowmores anscheinend nur Stipendiaten betroffen sind („wo niemand nachforschen wird“) und dass es nach den beiden Harrowmores aufgehört hat.

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Kylie Scott: Text Appeal

Romance-Autorin Riley hat sich ihren Traum erfüllt und ist in eine kleine Küstenstadt gezogen. Sie ist gerade in Port Stewart angekommen, als sie Textnachrichten für einen »Connor« erhält, die sie extrem neugierig machen. Wie sich herausstellt, ist Connor der Golden Boy der Stadt, der es irgendwie nicht schafft, seine Ex davon zu überzeugen, dass es wirklich vorbei ist. Ein bisschen Fake-Dating mit der Neuen, die zufällig seine alte Nummer hat, scheint die perfekte Lösung zu sein. Riley hat nichts dagegen, Zeit mit dem umwerfenden einstigen Prom-King zu verbringen – natürlich nur zu Recherchezwecken für ihren Roman und nicht, weil Connor ihr Herz von Anfang an höher schlagen lässt …

Das Buch ist perfekt für zwischendurch. Eine humorvolle, kurzweilige Geschichte mit Fake-Date-Trope erwartet die Leser hier. Im Grunde genau das, was ich liebe, aber hier hat mir das gewisse Etwas dann doch gefehlt.

Der Schreibstil ist einfach, gut verständlich und meiner Meinung nach manches Mal ein wenig zu locker.

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Julian Barnes: Abschied(e)

Julian Barnes ist am Ende seiner schriftstellerischen Karriere angelangt und benennt dies auch ausdrücklich. Im Januar 2026 wird er achtzig Jahre alt. Nun ist es an der Zeit, das eigene Leben zu hinterfragen und zu ordnen, befindet er, und wendet sich damit an seine Leser.

Barnes erzählt von den Anfängen seiner Schriftstellerei und macht einen Sprung bis an das Ende. Dazwischen steht die Erzählung von der Beziehung seiner Kommilitonen Stephen und Jean aus der gemeinsamen Zeit in Oxford.

Wie Barnes selbst schreibt, verwendet er für diesen Roman Aufzeichnungen aus Notiz- und Tagebüchern. Manches erzählt er, wie es sich zugetragen hat, in anderen Teilen verwebt er Erinnerungen mit Fiktionen. Natürlich ist dadurch ein sehr persönlicher Text entstanden.

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