Elisa Jakob: Queen Victoria

Wer sich für das viktorianische Zeitalter interessiert, aber nicht nur Geschichtsbücher wälzen möchte, wird hier aufs Beste informiert. Leben und Wirken von Queen Victoria werden in dieser Romanbiografie sehr anschaulich und fesselnd beschrieben.

„Wäre ich nicht die, die ich bin, dann wäre dies mein richtiges Zuhause geworden, aber für mich wird es immer mein zweites sein“, soll Queen Victoria über das kleine Schloss Rosenau in der Nähe der Residenzstadt Coburg gesagt haben. Hier und im Herzogtum Coburg fühlte sie sich wohl; dort hat sie mit Albert, ihrem Mann, dem Prinzen von Sachsen-Coburg und Gotha, glückliche Tage verbracht, die beide immer als die schönsten bezeichneten. In Schloss Rosenau wurde übrigens eigens für den Besuch der Queen und ihres Gatten 1860 ein Wasserklosett eingebaut – eine neumodische Erfindung, die Königin Victoria begeisterte und die sie bereits zur „Great Exhibition“ 1851 in London im berühmten Kristallpalast hatte einbauen lassen, um die Hygiene und damit die Gesundheit zu verbessern, in einer Zeit, in der immer noch Epidemien und Infektionen Tausende Menschenleben forderten, weil der Zugang zu sauberem Trinkwasser und eine hygienische Abwasserentsorgung fehlten. Die Gesundheit ihrer Untertanen lag Victoria am Herzen.

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Jessie Garcia: The Business Trip

Stephanie ist auf dem Weg zu einem lästigen Kongress. Im Flugzeug trifft sie Jasmine, die auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Ex-Freund ist. Die beiden Frauen haben nichts gemeinsam, sich nichts zu sagen und wechseln auch nicht mehr als ein paar Worte.

Beide erzählen in Textnachrichten an Freunde von einem supertollen Mann, den sie kennengelernt haben und mit dem sie eine Woche abtauchen wollen. Aber irgendwas stimmt da nicht. Kollegen finden heraus, dass Stephanie plötzlich die Namen ihrer eigenen Geschwister nicht mehr zu kennen scheint. Außerdem passt das alles so gar nicht zu ihr. Und dann kommen Hilferufe – und dann gar nichts mehr.

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Anna Benning: To Love A God: Götterlicht 02

Colden hat seine Erinnerungen an die letzten 200 Jahre verloren – und damit auch jede Erinnerung an Aurora. Dass er sich nicht mehr an ihre Liebe erinnert, ist jedoch ihr geringstes Problem, als ein neuer Gott aus der alten Welt auftaucht, der sich als Cassian, Coldens älterer Bruder, erweist – der Gott, der vor tausenden von Jahren den Krieg anzettelte, der die Welt der Götter zerstört hat.

Auf seinen Rat hin, fordert Colden – durch den Gedächtnisverlust kalt und rachsüchtig geworden – den Herrschergott zu einem Wettkampf heraus, um seinen rechtmäßigen Platz einzunehmen. Doch jeder verfolgt seine eigenen Ziele und Aurora ist als mächtigste Waffe ein Spielstein zwischen undurchschaubaren Mächten …

„To Love A God“ ist der zweite Band der Reihe nach „To Tempt A God” und um Längen besser als Band 1! Wer den Einstieg entgegen aller Schwierigkeiten bewältigt hat, wird nun mit einer rasanteren Handlung belohnt; mit Charakteren, die durch den Verlust ihrer Erinnerung um einiges interessanter werden, und mit einer Geschichte, die so zwar nicht überragend innovativ oder irgendetwas dergleichen wäre, aber immerhin Spaß bringt und wirklich aufregend ist!

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Mikkel Robrahn: Eternity Online 3

Rob und seine Freunde bestreiten ihre letzte Quest, die für altbekannte Helden doch ein Klacks sein sollte: Ein Monster töten, das droht, ganz Avataris zu verschlingen. Dem tödlichen Hammer des Scharfrichters und seiner Silbernen Garde entkommen. Eine Freundschaft retten. Und sich nebenbei noch aus den Fängen aller höheren Mächte befreien, um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Was kann da schon schiefgehen?

Inhaltlich ging es genauso spannend weiter, wie der letzte Band aufgehört hatte, sodass ich ab dem ersten Satz wieder drin war. Dem größten Teil der Geschichte bin ich auch gespannt gefolgt, aber vor allem das Ende hat sich für mich zu lang gezogen, weil dann doch recht schnell klar war, was passieren würde. Auch Erklärungen oder inhaltlich Gesagtes von den Charakteren, haben sich hier für mich zu oft wiederholt. Dennoch hat der Autor ein schlüssiges, auserzähltes Ende gefunden, mit dem ich sehr glücklich bin.

Gut fand ich wieder, dass sowohl Robs Perspektive im Spiel als auch Roberts Perspektive in der realen Welt erzählt wurde. So ergibt sich ein größeres Gesamtbild ohne offene Fragen.

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Irene Vallejo: Wein und Küsse

Geistreich, unterhaltsam und ganz auf heutige Lesebedürfnisse zugeschnitten: Wie ein literarisch-philosophisches „TikTok-Format“ für Wissbegierige muten die 200 kurzen Kolumnen von Irene Vallejo an, veröffentlicht in der Zeitung „El Pais“. Die Autorin pickt sich eine Idee, eine Redensart, die Herleitung eines Wortes oder eine Sage aus der Antike heraus und verknüpft sie gekonnt mit Heute. Das regt beim Lesen sowohl zum Schmunzeln, als auch zum Nachdenken an. Denn in der Moderne steckt weit mehr vom alten Rom und Athen, als uns bewusst ist. Noch dazu bezaubert Irene Vallejo durch ihren ganz eigenen Schreibstil mit herrlichen Metaphern samt Kommentaren, die Lust darauf machen, diesen Buchschatz in einem Atemzug zu verschlingen.

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Jan Beck: Dorn: Zimmer 203: Ruf der Toten

Simon Dorn wird über das Internet von einer mysteriösen Klientin kontaktiert. Was als Hilferuf beginnt, entpuppt sich bald als Teil eines perfiden Spiels. Als sie den Kontakt abrupt abbricht, bittet Dorn Lea Wagner, bei der Klientin nach dem Rechten zu sehen. Doch die Frau ist tot – verdurstet, und das bereits seit mehreren Wochen. Neben der Leiche steht ein Computer, auf dem eine KI läuft, die im Namen der Toten mit Dorn kommuniziert hat. Dorn erkennt Parallelen zu einem ungelösten Fall, in dem ein Täter seine Opfer in seiner Anwesenheit verdursten ließ. Lange Zeit war der Mörder untergetaucht. Ist er nun zurück?

Auch im zweiten Band der Reihe bietet die Geschichte wieder Spannung auf hohem Niveau sowie ein gleichmäßiges Erzähltempo. Das Buch kann zwar unabhängig gelesen werden, dennoch empfehle ich, den ersten Band vorab zu lesen, um die Ermittler besser kennenzulernen.

Dieses Buch hat mich bereits auf der ersten Seite gefesselt, und es fiel mir schwer, es aus der Hand zu legen. Selbst wenn ich es zur Seite legte, kreisten meine Gedanken ständig um die Geschichte.

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Lisa Ridzén: Wenn die Kraniche nach Süden ziehen

Der zentrale Satz des Buches steht direkt am Anfang:

»Ich spiele mit dem Gedanken, ihn zu enterben. Ich könnte dafür sorgen, dass er leer ausgeht.«

Bo, 89, wohnt allein in seinem Haus in Hissmofors, einem Weiler im ländlichen Schweden, seit Fredrika, seine Frau, in ein Heim für Demenzkranke eingewiesen wurde. Seine Kontakte beschränken sich auf die Pflegekräfte, seinen Sohn Hans, der ihn regelmäßig besucht, auf Telefonate mit seinem einzigen Freund Tule – und auf seinen Hund Sixten.

Und den will ihm sein Sohn wegnehmen! Hans ist der Meinung, Bo könne sich nicht mehr um seinen Hund kümmern; vor allem fürchtet er Bo könne bei den Spaziergängen in den umliegenden Wäldern stolpern und sich schwer verletzen. Der aber kann sich ein Leben ohne seinen Hund, der stets bei ihm ist, seine Einsamkeit lindert und neben ihm auf der Küchenbank schlafend Nähe und Wärme gibt, nicht vorstellen.

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Brooke Fast: To Cage a Wild Bird: Dividend Fates 01

Raven lebt mit ihrem Bruder Jed in Dividium. Die Gesellschaft ist in Klassen eingeteilt und Verbrechen werden hart bestraft. Alle Verbrechen. Es gibt das sogenannte Gefängnis „Endlock“, die Insassen werden regelmäßig zur Erheiterung der Oberschicht als Jagdbeute eingesetzt. Die Strafe ist grundsätzlich lebenslänglich, etwas anders wäre auch unlogisch, da dort kaum jemand ein Jahr überlebt. Raven selbst hat als Kopfgeldjägerin so manchen Insassen dorthin gebracht. Als ihr Bruder Jed verhaftet wird und sie sich von der Rebellengruppe „Kollektiv“ anheuern und einliefern lässt, ist die Lage also brisant.

Die dystopische Welt des Dividiums hat mich überzeugt. Ja, ich glaube, dass in einer entsprechend aufgebauten Welt Menschen Vergnügen daran finden werde, andere Menschen zu jagen und zu töten. Insbesondere, wenn des dabei zu Entmenschlichung kommt (es sind ja nur Verbrecher und überhaupt aus der untersten Klasse). Ein bisschen gefehlt hat mir die Hintergrundgeschichte, wie es dazu kam, ob nur ein Land, ein Kontinent betroffen ist und ob es woanders aussieht. Mir fehlte diese Information, weil sie auch Raven und dem Kollektiv fehlte, ich hoffe da sehr auf einen aufklärenden zweiten Band.

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Lisa Graf: Lindt & Sprüngli 02: Zwei Rivalen, ein Traum

Wissen Sie, was „conchieren“ bedeutet? Ich konnte es bisher nicht wirklich erklären, wusste nur, dass es was mit der Geschmeidigkeit der Schokolade zu tun hat, – wie man es in der Werbung für „Lindt-Schokolade“ immer wieder hört. Beim Lesen dieses historisch so fundierten wie fesselnd geschriebenen Roman aus Fakten und Fiktion wurde es dann zu einem zentralen Thema, als nämlich Rudolf – oder Rodolphe, wie er sich inzwischen französisch geprägt nennt – in mühevollen und kräftezehrenden, wochen- oder sogar monatelangen Tests versucht, eine noch bessere, zartere, geschmacklich überzeugendere Schokolade herzustellen als bisher seine Onkeln Kohler, oder Suchard, Cailler oder Sprüngli, die zu diesem Zeitpunkt schon einen klangvollen Namen in der Riege der Chocolatiers hatten. Lange hat Rudolf Lindt nicht gewusst, was ihn wirklich interessiert, was er beruflich machen möchte. In der Schule war er nicht schlecht, aber auch kein ehrgeiziger Schüler, Pharmazie oder Medizin interessierten ihn nicht, die Apotheke seines in Bern renommierten Vaters zu übernehmen oder gar Arzt zu werden wie vor ihm sein beliebter Großvater, kam für ihn nicht in Frage.

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Jasmin Schreiber: Da, wo ich dich sehen kann

Schweres Thema dramatisch geschildert – kein einfacher Roman

Die Rezension dieses Buchs fällt mir nicht leicht. Denn einerseits greift der Roman ein ganz wichtiges und schweres Thema auf, über das es nicht genug Romane oder Sachbücher geben kann. Andererseits empfand ich die Art der Darstellung, die Schilderung des Schicksals der Protagonisten als nicht völlig überzeugend. So muss meine Rezension trennen zwischen diesen beiden Aspekten.

Der Roman widmet sich dem traurigen und leider längst nicht genug thematisierten Problem des Femizids, der Tötung von Frauen, meist durch den Partner oder Ex-Partner. Emma, junge Mutter, wird von ihrem Mann vor den Augen der kleinen Tochter Maja getötet. In Rückblicken schildert die Autorin, aus vielen wechselnden Perspektiven, die Folgen, die diese Tat auf die Angehörigen hat. Natürlich insbesondere auf die neunjährige Maja, aber auch auf Emmas Eltern Per und Brigitte, auf Emmas beste Freundin Liv, die auch Majas Patentante ist.

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