Pascal Mercier: Der Fluss der Zeit

Pascal Mercier ist im Jahr 2023 im Alter von 79 Jahren gestorben. Mit seinem Roman „Nachtzug nach Lissabon“ (2004), der 2013 auch verfilmt wurde, erreichte er Weltruhm. In unserem Leselustportal ist noch die Besprechung „Das Gewicht der Worte“ von ihm zu finden.

Wir lesen in diesem schmalen Büchlein fünf kürzere Erzählungen von Pascal Mercier. Die Gedanken und das Agieren seiner Figuren, die plötzlichen Schlüsselerfahrungen ausgesetzt sind, zeichnet der Autor so lebensnah nach, dass beim Lesen unweigerlich Selbstreflexionen erzeugt werden.

In der ersten Geschichte „Die Übergabe“ lernen wir ein Ehepaar kennen, das ein Haus erstanden hat. Die Hausübergabe von dem betagten Verkäufer zieht sich in die Länge und wird zu einer schier unerträglichen Prozedur. 

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Jo Nesbø: Minnesota

Der norwegische Schriftsteller Jo Nesbø (Jahrgang 1960) hat mit seiner Harry-Hole-Reihe Krimi-Kultstatus. Nun hat er einen neuen Kriminalroman geschrieben, in dem alles anders ist. In „Minnesota“, der am 2. Januar 2026 in den Ullstein Buchverlagen in einer Übersetzung von Günther Frauenlob erschienen ist, heißt der Ermittler Bob Oz und der Handlungsort Minneapolis in Minnesota, USA.

„Minnesota“ von Jo Nesbø wandelt auf True Crime Spuren

September, 2022: Der Norweger Holger Rudi reist in die Vereinigten Staaten von Amerika, um für einen True Crime Roman zu recherchieren. Der Kriminalfall ereignete sich vor sechs Jahren in Minneapolis, Minnesota.

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Anders de la Motte: Rostiges Grab: Leonore Askers besondere Fälle 03

Im „Rostskogen“ spukt es. Eigentlich schon immer, erst recht aber seit den 70er Jahren, als beim Torfstechen eine hunderte Jahre alte Frauenleiche ausgegraben wurde, die seitdem in der Gegend als das Graumädchen bekannt ist. In den 2010er Jahren wird in der Fabrik der Torfstecherei eine junge Frau ermordet – getötet und hergerichtet auf die gleiche Weise, wie einst das Graumädchen. Als Täter gilt der Ehemann, der jedoch nie gefasst wurde. Heute bekommt ein Influencer-Pärchen den Schlüssel zur inzwischen verlassenen Fabrik zugespielt, und als sie dort sind, bekommen sie den Ringfinger der Toten überreicht. Hier kommen Leo Asker und ihre „verlorenen Seelen“ ins Spiel, denn der Kellertruppe der Polizei wird der anscheinend hoffnungslose Fall übergeben. Leo wäre nicht Leo, wenn sie nicht trotzdem alles daransetzen würde, den Fall aufzuklären. Ein weiteres Mal verbündet sie sich mit dem Lost-Places-Explorer Martin Hill.

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Sabine Ebert: Der Silberbaum: Das Ende der Welt

Akribisch recherchiert, hervorragend umgesetzt, spannend erzählt. Ein Roman, der die mittelalterliche Geschichte sehr lebendig darstellt, Fakten und Fiktion gekonnt verwoben.

Im zweiten Teil der „Silberbaum“-Trilogie erleben wir mit, wie der noch junge Fürst Markgraf Heinrich von Meißen und Landgraf von Thüringen sich der Bedrohung durch eine riesige Tartarenhorde stellen muss und diese Herausforderung dank der Unterstützung seiner Gefolgsleute, Freunde und Vertrauten meistert. Wir erleben glanzvolle Zeiten am Hof in Meißen und lernen Heinrich und seine Frau Konstanze als mildtätige Herrscher und Förderer der Städte in seiner Grafschaft kennen. Der viel zu frühe Tod seiner Frau trifft Heinrich tief, lange verfällt er in Schwermut und tut sich schwer, eine neue Ehe einzugehen. Auch die Aussicht, seinen Erstgeborenen mit der Tochter Kaiser Friedrichs vermählen zu können, wird jäh gedämpft, als der Papst den Kaiser für abgesetzt erklärt und Heinrich sich zwischen der Treue zu seinem Kaiser und der Kirche entscheiden muss. In dieser Zeit erlebt er Verrat und Missgunst, auch in der eigenen Familie. Doch er kann sich immer auf seine engen Freunde Marthe, Thomas, Christian, Änne, Marek und Milena verlassen, die ihn durch alle Höhen und Tiefen begleiten.

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Reese Witherspoon, Harlan Coben: Ohne ein letztes Wort

Der Einsatz von Militärärzten, Liebe und Opferbereitschaft, Altruismus und Egozentrik, KI und Deadbots, medizinischer Fortschritt und Schönheitsindustrie, Geldgier, Macht und Skrupellosigkeit – das sind die Themen der ersten Zusammenarbeit des Multitalents Witherspoon (Schauspielerin, Produzentin, Autorin) und eines der erfolgreichsten Thriller-Autoren der Gegenwart.

Maggie McCabe, eine begnadete und einst gefeierte plastische Chirurgin der amerikanischen Armee, hat ihre Approbation verloren. Bald danach macht ihr ein Mittelsmann ein eigentlich dubioses Angebot: Sie soll einen offensichtlich steinreichen Mann operieren, erfährt aber keinerlei Details und darf mit niemandem jemals darüber reden. Aber zum einen brennt Maggie für ihren Beruf, zum anderen bietet man ihr ein horrendes Honorar – 10 Millionen Dollar – und die Tilgung aller Schulden ihrer Schwester. Also nimmt sie das Angebot an und findet sich in der Luxusvilla, inklusive eines hochmodernen Operationssaals, eines russischen Oligarchen wieder, und soll nicht nur ihn operieren, sondern auch seiner jungen Geliebten Nadja zu größeren Brüsten verhelfen.

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Jennette McCurdy: Half His Age

Rauschhaft, ehrlich, unvergesslich

„Und es ist die reine Folter. Es ist berauschend. Unvermeidlich. Diese Art von Anziehung ist es. Die Art, bei der man sich völlig sicher ist, dass es dazu kommen wird, nur weiß man noch nicht, wie.“ (S. 17)

Cover und Titel? Ich musste das Buch lesen!

Ich bin nicht eine von denen, die erstmal das ganze Buch nacherzählen muss, um dann zu sagen, dass es elektrisierend war. Ich sag’s gleich: „Half His Age“ hat mich erwischt! Ich habe es in drei Tagen durchgesuchtet, fast gierig, und erst danach gemerkt, wie sehr es mich unterwandert hat.

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Ruth Kornberger: Die Spur des Bambusbären

Das Porträt einer wagemutigen Frau, die unser modernes Verständnis von Tierliebe mitgeprägt hat: Ruth Harkness lebt als Modedesignerin in New York und ist als High-Society-Ikone für ihre legendären Partys bekannt. Ihr Ehemann Bill startet weltweit Expeditionen, um seltene Tiere aufzuspüren. Sein Traum: einen Panda zu finden. Die scheuen Waldbewohner hatten in den 1930er Jahren noch den Status eines Einhorns – viele Legenden rankten sich um sie. In der westlichen Welt hat sie noch kein Mensch zu Gesicht bekommen. Nach Bills plötzlichem Tod möchte Ruth sein Vermächtnis fortsetzen und startet eine eigene Expedition. Ihr Ansatz lautet anders: Sie möchte die Tiere nicht schießen und ausstopfen. Sie möchte lebende Pandas fangen, damit man sie in Zoos studieren kann. Auf diese Weise möchte sie Menschen dazu bringen, Tiere als etwas Lebens- und Liebenswertes anzusehen und zu ihrem Schutz beizutragen. Mit hehren Absichten gestartet, tritt Ruth unwissentlich eine Welle in Gang, die jedoch genau Gegenteiliges zu bewirken scheint … Eine tragisch-schöne Geschichte, basierend auf wahren Begebenheiten.

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Romy Hausmann: Himmelerdenblau

Seit 2023 ist Julie Nowak verschwunden. Ihr Vater hat nie aufgehört, nach ihr zu suchen. Als sich ihr Verschwinden zum zwanzigsten Mal jährt, nimmt die Podcasterin Liv Kontakt zu ihm auf. Sie möchte ein Interview führen und gemeinsam mit ihm herausfinden, was damals wirklich geschah. Trotz aller Bedenken sagt Theo, Julies Vater, zu. Er leidet an Demenz und merkt selbst, dass seine klaren Phasen immer seltener werden. Da er unbedingt wissen will, was damals passiert ist, freut er sich, dass Liv ihm helfen möchte, alles aufzudecken.

Hier ist nichts so, wie es scheint – und die Geschichte ist so spannend, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann.

Der Einstieg ins Buch ist zunächst etwas ungewöhnlich, da man das Gefühl hat, abrupt in die Handlung hineingeworfen zu werden. Die Kapitel aus Theos Perspektive sind ein wenig wirr, genauso wie sein Geist selbst, und es dauert eine Weile, bis man den Überblick gewinnt. Doch genau dieses Chaotische empfand ich als äußerst spannend, sodass ich das Buch kaum weglegen konnte.

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Clare Mackintosh: Die Toten der anderen

Zwischen England und Wales liegt ein See. Auf dem einen Ufer wurde „The Hill“ gebaut, eine noble Wohngegend für reiche Leute. Reiche englische Leute meist. Auf der anderen Seite liegt Wales. Dort ist man nicht ganz so reich und arbeitet häufig für die reichen Engländer. Aber das ist nicht ganz fair, denn auch auf englischer Seite liegt hinter „The Hills“ das Viertel, in dem Allie wohnt, die gerne reich und versnobt wäre, es aber nicht ist.

Auf englischer Seite sorgt Leo für Ordnung, auf walisischer Ffion. Die beiden sind in den ersten beiden Bänden mühsam zusammengekommen und Allie ist Leos geschiedene Frau. Leo bearbeitet gerade eine Einbruchserie in „The Hill“, bei der wenig gestohlen wird, aber zunehmend Menschen verletzt werden. Ffion bekommt es gleich mit einer Leiche zu tun. Eine Immobilienmaklerin wird tot aus einem Kanu geborgen, was zunächst wie ein betrunkener Unfall aussah, entpuppt sich als Mord. Und mehr und mehr stellt sich heraus, dass die beiden Fälle zusammenhängen.

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Anne Labus: Das alte Kapitänshaus: Inselstürme

Ein schöner leichter, mit viel Liebe zur Kanalinsel Jersey geschriebener Roman, der sich wunderbar so „wegliest“. Die handelnden Personen sind uns zum Teil ja schon aus dem ersten Teil der Trilogie, „Inselsehnsucht“, bekannt, neue kommen hinzu. Nicht minder sympathisch und authentisch. Seien es die spanischen Künstler, die eine Woche im „Alten Kapitänshaus“ für Leben und ein bisschen Aufruhr sorgen oder die älteren französischen Herrschaften, die mit ihren Enkeltöchtern Urlaub auf der Insel machen und Jasmin vollauf beschäftigen oder sei es auch der attraktive Architekt Christian, der Jasmin und ihren siebenjährigen, sehr aufgeweckten Sohn Tim im Laufe der Geschichte zu mehr als einem guten Freund wird, der ihnen zur Seite steht, als der Sturm den alten Wintergarten zerstört oder Murad, dem Koch, hilft, sein eigenes Restaurant zu eröffnen.

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