Anna Benning: To Tempt A God: Götterlicht 01

Aurora lebt in Silver City, der letzten Stadt, die noch übrig ist, seit die Götter vor 1000 Jahren auf die Erde gekommen sind. Der Rest der Welt befindet sich in tiefster Dunkelheit, denn die Götter ziehen das Licht an und nur, wer in ihrer Nähe existiert, kann überleben. Gleichzeitig werden immer wieder menschliche Sklaven berufen, den Göttern zu dienen oder für ihr Vergnügen zur Verfügung zu stehen.

Als plötzlich Auroras Name auf der Berufungsliste steht, ist sie bereit, ihr Leben zu beenden, um diesem Schicksal zu entgehen. Um ihren kranken Bruder zu retten, lässt sie sich aber schließlich doch an einen Gott binden – und dieser ist kein Geringerer als der Erbe des Exarchen, des höchsten aller Götter. Dabei scheint Colden gar kein Interesse an Aurora zu haben, sondern verfolgt am Hof der Götter ganz eigene Pläne, die bald drohen, Aurora mit in den Abgrund zu ziehen.

Die Idee des Buches hat so viel Potential! Eine dystopische Welt, die in Dunkelheit liegt, weil alles Licht sich nur zu den Göttern wendet; ein Menschenmädchen, das sich in einen Gott verliebt? Das klingt doch nach einer Geschichte mit Suchtfaktor für Romantasy-Nasen.

Ganz so einfach ist es leider nicht. So gelungen das Worldbuilding auch sein mag, die Geschichte entwickelt sich viel zu langsam. Auf über 500 Seiten wünscht man sich mehr Interaktion zwischen den Protagonisten und Love-Interests – irgendetwas, was uns als Leser überzeugt, dass beide ihr bisheriges Leben für den anderen aufzugeben bereit sind. Für mich braucht es ein bisschen mehr, um zu der Überzeugung zu gelangen, dass der 800jährige Gott sich in das 18jährige Menschenmädchen verliebt – wegen ihres Charakters, versteht sich. Ich bin leidenschaftliche Romantasy-Leserin, es ist durchaus möglich, mich genau von diesem Umstand zu überzeugen; es braucht dafür nur etwas mehr als drei Interaktionen.

Gegen Ende nimmt die Geschichte hingegen deutlich an Fahrt auf, Geheimnisse werden aufgedeckt und neue Mysterien in einem Cliffhanger geteasert. Als Auftakt einer Trilogie ist es ein Buch, dem man eine Chance geben will und auch ich werde weiterlesen, da das Ende endlich erreicht hat, was die ersten 300 Seiten nicht vermochten: Es hat mich gefesselt und mitfiebern lassen.

Damit bekommt „To Tempt A God” von mir eine Leseempfehlung an all diejenigen, die bereit sind, sich durch Dürre-Passagen zu kämpfen und eine Trilogie als Gesamtwerk mit Band 1 als Einleitung zu verstehen. Hoffentlich setzt Band 2 (der übrigens direkt am 12.12. erscheinen soll) direkt an der Spannung an, die das Ende uns versprochen hat!

Anna Benning: To Tempt A God: Götterlicht 01
Fischer Sauerländer, Mai 2025
544 Seiten, gebundene Ausgabe, 21,90€

Diese Rezension wurde verfasst von Isabella M. Banger.

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