Hans Rosenfeldt: Die Farm der Mädchen

Die Geschäftsmodelle in der Welt des Verbrechens sind bekanntlich vielfältig. Aus allem und jedem wird Geld gemacht. Wenn Hans Rosenfeldt, der schwedische Autor von Thrillern und Drehbüchern, seinem aktuellen Buch den Titel Skördebarn (übersetzt: Erntekinder) gibt, dürfte eines klar sein: Bei der „Farm der Mädchen“ geht es nicht um einen normalen Agrarbetrieb, der die Früchte seiner Felder verkauft.

Im Zentrum der Geschichte steht die Ware „Leibesfrucht“ – und alles steht und fällt mit dem erfolgreichen Gebären eines Kindes. Dieses Geschäft gerät ins Wanken, als zwei Hochschwangere aus einem einsam gelegenen Gutshof fliehen und im Wald verschwinden.

In einem engen Zeitfenster prallen verschiedene Interessengruppen aufeinander. Zum einen ermitteln Hannah Wester und ihre Kollegen, warum eine junge Mutter und ihr neugeborenes Kind im Wald gestorben sind. Die Spuren weisen auf eine weitere flüchtende Person hin.

Zur gleichen Zeit ist der Betreiber des Gutshofs, dem Ausgangspunkt der geflüchteten Frauen, nicht nur wütend und aufgeschreckt – er ist auch hochmotiviert, unentdeckt zu bleiben und gleichzeitig seinen Liefervertrag einzuhalten.

Die noch flüchtige zweite Schwangere befindet sich in einer Extremsituation. Was nützt ihr die gerade zurückgewonnene Freiheit in einem fremden Land ohne Papiere und Geld, wenn sie von ihren Entführern gesucht wird? Wem kann sie trauen?

Hans Rosenfeldt erzählt sprachlich ausgereift und spannend auf mehreren Erzählebenen von einer verzwickten Entwicklung, von deren Ausgang unterschiedliche Existenzen abhängen. Nachdem im Getriebe zweier krimineller Organisationen ungeborene Babys verloren gegangen sind, kann es den Verantwortlichen nur noch um Schadensbegrenzung gehen.

Auch die Ermittlerin Hannah befindet sich privat in einer Zwangslage, in der sie dringend eine Lösung für ihre Erbschaftsangelegenheit finden muss, um den bereits entstandenen Schaden zu begrenzen.

Die meisten Figuren verfügen über eine ausgeklügelte Biografie und Motive, die im Hintergrund der Geschichte weitreichende Konflikte offenlegen. Das macht aus dem kurzweiligen Thriller zugleich einen Roman, der dicht und komplex die Schattenseiten des Alltags mit unterschiedlichen Schicksalsschlägen beschreibt.

Das teilweise nackte Überleben ist in diesem packenden Thriller kein zweidimensionales Schwarz-Weiß-Foto mehr – es wirkt erschreckend real.

Hans Rosenfeldt: Die Farm der Mädchen
Aus dem Schwedischen übersetzt von Antje Rieck-Blankenburg, Maike Barth
Rowohlt Wunderlich, Januar 2026
496 Seiten, gebundene Ausgabe, 24,00 Euro

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Bovenkerk-Müller.

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