Anders de la Motte: Rostiges Grab: Leonore Askers besondere Fälle 03

Im „Rostskogen“ spukt es. Eigentlich schon immer, erst recht aber seit den 70er Jahren, als beim Torfstechen eine hunderte Jahre alte Frauenleiche ausgegraben wurde, die seitdem in der Gegend als das Graumädchen bekannt ist. In den 2010er Jahren wird in der Fabrik der Torfstecherei eine junge Frau ermordet – getötet und hergerichtet auf die gleiche Weise, wie einst das Graumädchen. Als Täter gilt der Ehemann, der jedoch nie gefasst wurde. Heute bekommt ein Influencer-Pärchen den Schlüssel zur inzwischen verlassenen Fabrik zugespielt, und als sie dort sind, bekommen sie den Ringfinger der Toten überreicht. Hier kommen Leo Asker und ihre „verlorenen Seelen“ ins Spiel, denn der Kellertruppe der Polizei wird der anscheinend hoffnungslose Fall übergeben. Leo wäre nicht Leo, wenn sie nicht trotzdem alles daransetzen würde, den Fall aufzuklären. Ein weiteres Mal verbündet sie sich mit dem Lost-Places-Explorer Martin Hill.

Ich mag Leo Asker mit ihrem Prepper-Vater. Der spielt in diesem Roman fast keine Rolle, aber das Ende deutet an, dass er im nächsten Band wieder mehr vorkommen wird. Dafür lernen wir dieses Mal Leos mütterlichen Teil der Familie kennen. Und der hat es auf ganz andere Art und Weise in sich. Leo kämpft sich gewohnt sturköpfig durch den Fall. Wieder einmal macht sie sich ernsthafte Hoffnungen, zurück in eine „vernünftige“ Abteilung versetzt zu werden.

Die Leo-Asker-Romane leben auch von den Intrigen, um die es immer wieder geht. Dieses Mal geht es um Machtmissbrauch in den verschiedensten Formen. Mordvertuschung, aber auch der Schutz der eigenen Familie um jeden Preis stehen im Vordergrund. Die verschiedenen Familien haben dabei verschiedene Strategien entwickelt, die für Beteiligte wie Außenstehende mal mehr, mal weniger gut funktionieren.

Herausgekommen ist ein Roman, der mit jeder Seite spannender wird. Anders de la Motte wirft Leo in die verschiedensten Dynamiken und sie geht souverän hindurch, manchmal auch aufgrund des Wissens, das ihr der verhasste Vater eingebläut hat. Sie und Martin arbeiten dieses Mal beinahe unabhängig voneinander, da ihre Beziehung sich merklich abgekühlt hat. Dafür wachsen der Zusammenhalt und die Arbeitsbereitschaft der „verlorenen Seelen“, und die Truppe wird immer effektiver und auch interessanter. Der Autor hat hier eine Art X-Files-Truppe entwickelt, deren Fälle sich dann nur bedingt als überirdisch herausstellen. Super gemacht.

Die Bände können unabhängig voneinander gelesen werden, es macht aber mehr Spaß, sie alle zu kennen.

Anders de la Motte: Rostiges Grab, Leonore Askers besondere Fälle 3
Aus dem Schwedischen übersetzt von Marie-Sophie Kasten
Droemer TB, 12 / 25
Paperback, 512 Seiten, 17,99 Euro

Diese Rezension wurde verfasst von Regina Lindemann.

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